Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-01-24 · Heft 7 (24.1.1928) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 7 (24.1.1928)
Date
1928-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2652978--19692-2677594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 7, 24.1.192S heute das größte Aktivum der zionistischen Bewegung. Trotz größter objektiver Schwierigkeiten und trotz immerwährenden Versagens des Finanzapparates sind die Wirtschalten entwickelt worden und die Arbeiter haben sich einen Schatz von Erfahrungen und Kenntnissen angeeignet, der keinem außenstehenden Fachmann verfügbar ist. Diese Erfahrungen gemeinsam nutzbar zu machen, war auch der Zweck der Tagung von Daganja. Die Besprechung beschäftigte sich in erster Reihe mit Ucburprüfung der eigenen Arbeitsmethoden und Resultäte, mit wirtschaftlicher Selbstkritik, die seit jeher in diese» Kreisen als Pflicht betrachtet wird, mit den Aussichten der Erweiterung der jüdischen Siedlung und der Erneuerung der Kolonisationstätigkeit. Die Arbeitersc.haft fühlt sich heute in einer Verteidigungsstellung. Sie betrachtet auch die ihr wesensfremde Jerusalemer Leitung mit Mißtrauen. In einem bemerkenswerten Arflkel im ״Hapaül-Hazatr“ bedauert Josef Baraz, einer der ältesten und geachtetsten Arbeiter des Landes, daß die Selbstkritik der Arbeiterschaft gelitten habe, weil man immer fürchte, die arbeiterfeindlichen Ströinungen im Zionismus, die in Polen entstanden, in Deutschland ideologisch ausgebilöet, in Amerika zum konkreten Angriff gesammelt worden sind, könnten das bloßgelcgte Material für ihre Zwecke verwenden, ln diesem Zusammenhänge kommt er auch auf die Sachverständigen -Ko m in ission der Agency zu sprechen. ,,Wir legen offen die Wahrheit dar, weil wir vor unsem Kritikern nicht als private Interessenten erscheinen, sondern das allgemeine nationale Interesse im Auge haben, so daß wir wünschen, uns mit jedem verständigen Menschen zu beraten, der selbst die jüdische Auferstehung will. Wir sind freilich nicht sicher, ob nicht diese Kommission das Material, das wir selbst hier übergeben haben, zu unserm Schaden verwenden wird; ob sie nicht die Mängel, die objektive Gründe haben, u n s zur Last legen wird.“ In diesen Worten äußert sich eine auch nach unserer Meinung berechtigte Sorge. Es entspricht gewissen menschlichen Neigungen, sich eine Aufgabe dadurch leicht zu machen, daß man eine Kritik, deren Material einem in die Hand gegeben wird, zum Hauptteil der eigenen Arbeit macht. Nicht dies ist es aber, was die zionistische Welt von der Expertenkommission erwartet. Die Sorgen der jüdischen Arbeiterschaft, ihre Zweifel an der Richtigkeit mancher Sicdlungsformen, ihre Selbstkritik — dies alles ist uns längst bekannt, die 20 Jahrgänge des ״Hapoel-Hazair“ sind voll davon, sie sind ein unübertreffliches Material für das Studium der jüdischen Wirtschaftsprobleme Palästinas. Von der Expertenkommission erwarten wir, daß sie sich nicht hauptsächlich mit diesen Problemen beschäftigt, sondern daß sie uns sagt, welche kolonisatorischen Möglichkeiten Palästina bietet, welche Böden dafür in Betracht kommen und für welchen Anbau sie geeignet sind, welche Kosten eine solche •Kolonisation rationellerweise verursachen darf. Nur daraus wird sich ein Arbeitsplan für die nächsten zehn Jahre konstruieren lassen. Die Konferenz von Daganja aber, von der Baraz spricht, war eine Manifestation dieses reinen, schöpferischen Wollens und der gewissenhaften, verantwortliehen Selbstkritik dieses besten Teiles der jüdischen Arbeiterschaft. Die Beratungen zeigen von neuem, mit welchem Ernst die Siedler selbst aut die Verbesserung und Fundierung der Siedlungen bedacht sind. Die zionistische Kolonisationsmethode, die 1908 begonnen hat und deren Werk durch den Krieg unterbrochen wurde, ist bis heute nicht endgültig durchgeprüft, insbesondere, weil durch die finanziellen Verhältnisse, durch die Unsicherheit und Unpünktlichkeit der für die Investitionen erforderlichen Einkünfte, eine systematische und planmäßige Arbeit unmöglich war. Die alten Arbeiter stimmen durchaus damit überein, daß das Ziel der Siedlungsarbeit die wirtschaftliche Selbständigkeit der Kolonien ist. Die wesentliche Meinungsdifferenz, die sich in den zionistischen Gremien in einem politischen Kampf äußerte, war nicht die Frage ״für oder gegen die Arbeite!־$iedhingen“, sondern die Frage, ob alle vorhandenen Mittel und alle Kräfte darauf verwendet werden sollen, die begonnenen Siedlungen wirtschaftlich zu konsolidieren, oder aber ob man durch eine Verstrickung in zahllose unerfüllbare Verpflichtungen den Zustand des Provisoriums immer wieder verlängern soll. Wenn daher in Daganja in diesem Menschenkreise, der wohl die Be- Wanderung und die Sympathie der ganzen zionistischen Welt besitzt, gesagt wurde, die arbeiterfeindli c 11 e 11 Tendenzen hätten in Deutschland ihren ideologischen Ausdruck gefunden, so ist dies — zumindest so weit ein sehr großer Teil der deutschen Zionisten in Betracht kommt, — unrichtig. Die Arbeiter- Siedlungen müssen in ihrem Kampf um Erringung der Selbständigkeit unterstützt werden, nicht nur, indem man ihnen die schuldigen Budgets auszahlt, sondern, indem der zionistische Apparat ihnen alle technische, die zionistische ()Öffentlichkeit alle moralische Hilfe angedeihen läßt. Es geht um unsere wichtigsten nationalen Positionen, die aber national vollwertig erst dann sein werden, wenn sie selbständig lebensfähig sind. Und dies zu erreichen, muß zunächst einmal der wirtschaftliche Gesichtspunkt dominierend gemacht werden. Die Arbeiter sollten verstehen, daß die vom Kongreß der gegenwärtigen Exekutive gesetzte Aufgabe einer Sanierung der Finanzwirtschaft eine unerläßliche Voraus- Setzung für jede zionistische Arbeit, daher auch für eine erfolgreiche Kolonisationsarbeit ist. Ohne uns darauf einzulassen, ob die Handlungen oder das Verhalten der einzelnen Exekutiv-Mitglieder in allen Einzelheiten und in jedem Sonderfalle richtig gewesen ist, — es muß darüber natürlich stets Meinungsverschiedenheiten geben — glauben wir doch, daß in diesem Moment die prosaische Arbeit der Oekonomisierung und Rationalisierung des Betriebs von ausschlaggebender Wichtigkeit ist Es ist wohl auch den Vorkämpfern unserer Kolonisation nicht unbekannt, daß gewisse Pläne zwecks Schaffung der Bedingungen für eine größere Neukolonisation im Gange sind. Eine neue Kolonisation zuzulassen, bevor diese Bedingungen erfüllt sind, wäre jedoch nicht nur ein politisches und wirtschaftliches Risiko, für das niemand die Verantwortung übernehmen kann, sondern auch eine Verschwendung und Preisgabe des wertvollsten und besten Menschenmaterials, das wir dadurch in eine unerfragliche Lage brächten. Die ganze zionistische Energie muß darauf gerichtet sein, sobald wie möglich wieder Wege zu einer neuen jüdischen Ansiedlung zu eröffnen. Alle Spar- und Reformmaßnahmen sind im Grunde nur um dieses Zieles willen eingeleitet worden. Die Exekutive muß ihre Schulden bezahlen, sie muß unproduktive Ausgaben einschränken, um allmählich für die wichtigste zionistische Aufbauarbeit Mittel frei zu bekommen. Wenn man dieses Problem ignoriert und einseitig Forderungen stellt, ohne die Möglichkeiten der Erfüllung auch von der finanziehen Seite zu prüfen, so leistet man der eigenen Sache keinen Dienst und findet keine Brücke von der ״Resolution“ zur Wirklichkeit. Die Initiative der Arbeiter wird immer eine Pionier-Rolle in unserer Bewegung spielen. Aber für das Ganze muß die Exekutive verantwortlich sein, die übersehen kann, wie weit ihre Leistungsfähigkeit reicht, und die nicht leichtsinnig finanzielle Lasten auf sich nehmen kann, die sie und das Werk gefährden. Die Judenfrage in Rumänien Von * * * Die nachfolgenden Ausführungen entnehmen wir einer Darstellung, die uns von gut informierter Seite zugeht Wir möchten daran die Hoffnung knüpfen, daß Rumänien, das selbst Mitglied des Völkerbundes ist, die Anomalie und Unerträglichkeit der Lage einsehen und schleunigst wirksame Mittel zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung der rumänischen Bürger Jüdischer Nationalität finden wird, da die Beilegung der Juden-Konflikte auch im eigenen egoistischen Interesse des Staates unerläßlich ist Red. Die Judenfrage in Rumänien war seit dem von Rumänien mißachteten Berliner Vertrag von!878, der vergeblich die Einbürgerung der rumänischen Juden vorschrieb, akut. Erst im Weltkrieg brachte unter dem Drucke der Mittelmächte der Bukarester Friede den rumänischen Juden die Gleichberechtigung. Im Friedensvertrag von Versailles schützten dann die Klauseln über den Minoritäten schütz die Juden wie die anderen Minoritäten. B r a t i a n u sah ein, daß die Lösung der Judenfrage nunmehr notwendig sei, um nicht rückschritt- Uch zu sein und weil eine zweifache Behandlung der Juden — im Altreich nach balkanischen Methoden und ln den angeschlossen«: Gebieten als vollberechtigte Bürger — nicht durchzuführen war. So entschloß er sich, den Juden in der neuen Konstitution vorn Jahre 1921 die Gleichberechtigung zu geben. Aber von einer faktischen Gleichberechtigung war bei einer Verleihung de jure noch lange keine Rede. Ja, es kamen sogar einzelne Gesetze zustande, wie das Staatsbürger- Schafts-, das Baccalaureats-, das Privatvolksschulgesetz, die den Juden mit der anderen Hand mehr nahmen, als ihnen die neue Verfassung mit einer Hand gegeben hatte. Und noch mehr. Nicht nur, daß die Juden nichts zu den Staatsämtem zugelassen werden, vielfach werden sie sogar entlassen. Und die noch weiter im Dienste behalten werden, werden schikaniert, damit sie selber aus dem Staatsdienste austreten. Das heutige Rumänien mit seinen 17 Millionen Einwohnern ist kein Nationalstaat, sondern ein Nationalitäten- Staat Nicht weniger als ein Drittel der Bevölkerung, zirka 6 Millionen, gehören nicht der rumänischen Nation an. Die Regierenden aber verfechten die These, Rumänien sei ein Nationalstaat und handeln entsprechend. So kommt es, daß der neue große Staat innerlich noch nicht konsolidiert ist und wegen Anwendung alter verfehlter Methoden auch nicht Berliner Zionistische Vereinigung . Das Weltjudentum Ein Vortragszyklus I. Das deutsche Judentum: 1) Entwicklungen im deutschen Judentum: Herr Kurt Blumen feld 2) DerreligiöseLiberalismus: HerrRabb.Dr.MaxWierer 3) Die jüdische Orthodoxie in Deutschland: Herr Dr, Arnold Barth 4) Der Centralverein: Herr Dr. Georg Herlitz 5) Der Sozialismus und die jüdische Gesellschaft: Herr Alfred Berger II. Das amerikanische Judentum III. Das russische Judentum IV. Das polnische Judentum V. Das Judentum in den baltischen Lindern (Litauen, Estland, Lettland) VI. Das Judentum der Mittelmeerländer VII. Das palästinensische Judentum Beginn des Zyklus: Mittwoch, den 1. Februar, abends 84י Uhr, >m Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, Herr Kurt Blumenfeld: ״Entwicklungen im deutschen Judentum" Zweiter Vortrag: Mittwoch, den 8. Februar, abends 872 Uhr, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, Herr Rabb. Dr, Max Wiener: ״Der religiöse Liberalkmus“ Eintritt: für den Einzelvortrag Mk. —.30 für den gesamten Vortragszyklus Mk. 3.— konsolidiert werden kann. Die Studenten glauben nun den Juden die Schuld daran zuschieben zu müssen and sie überhaupt als Sündenbock hinzustellen; denn diese Lehre ist ihnen von Agitatoren jahrelang gepredigt worden. Die Studenten halten die Emanzipation der Juden für eine große Gefahr für das Reich, nicht nur politisch und kulturell, sondern auch wirtschaftlich, sie fürchten die Konkurrenz Öer Juden in den freien Berufen, im Handel usw. Sie können sich noch immer nicht damit ab finden, den Juden, der bis vor kurzem ganz rechtlos war und nicht einmal die Menschenrechte besaß, auf einmal als gleichberechtigten Bürger zu behandeln. Deshalb erlauben sie sich, Juden zu überfallen, zu schlagen, aus den Zügen zu werfen, um ihnen damit anzudeuten, daß sie noch lange keine vollberechtigten Bürger seien und daß sic es nicht versuchen, als solche gelten zu wollen. Wie aber kommt es, daß sich die Studentenschaft solche Dinge erlaubt, und die Strafe des Gesetzes nicht fürchtet? Der Grund liegt darin, daß sie ein bevorzugtes Kind der Regierung ist. Das Ziel der Regierung Ist: Romanisierung und Unifizierung, d. h. Vereinheitlichung der gesamten Verwaltung nach altrumänlschen Gesetzen, Zentralisierung der Verwaltung von Bukarest aus und Romanisieruug der angeschlosscnen von Nicht-Rumänen bewohnten Gebiete. Die Regierung besitzt aber nicht genug Beamte, Lehrer und andere Kräfte rumänischer Nationalität zur Durchführung ihres Programme*. Sie baut deshalb Schulen, Studeiftenheime, Internate, gibt den Studenten völligen Unterhalt, verteilt Stipendien und schickt viele auf Staatskosten ins Ausland. Nicht geprüfte Studenten werden als Lehrer angestellt und Juden entlassen. In den angcschlossenen Provinzen füllen diese Studenten alle Aemter und avancieren rasch, so daß sie oft Vorgesetzte von alten Minoritätsbeamten mit größerem Bildungsgrade sind. Soll nun die Studentenschaft, die sich so verwöhnt sieht, nicht übermütig werden? Sie sieht ihre wichtige Rolle und schließt daraus, eine eigene privilegierte Klasse zu bilden und außerhalb des Gesetzes zu stehen. Und so maßt sie sich auch eigene Rechte bezüglich der Juden an. Wenn nun die Regierung bei den ersten Studenten-Ausschreitungen und bei ihrer Organisierung am 10. Dezember 1922, wo sie den Kampf gegen die Juden proklamierten, ihnen die Schärfe des Gesetzes nicht gezeigt hat, vielleicht aus Nachsicht oder weil sie es nicht für notwendig erachtete, warum sollte sich dann bei der Studentenschaft nicht der Gedanke festsetzen, daß sie alles machen darf, was ihr in bezug auf die Juden beliebt? So erlaubte sie sich den Juden gegenüber immer mehr. Und als im vorigen Kabinett Averescu Dir derzeitig« geistiger Führer Goga das Portefeuille für Inneres hatte, erwirkten sie alles und wurden zu einer gewaltigen Macht, die auch materiell sehr gut versorgt war. So kommt es, daß die Studenten jetzt ärger gewütet haben als bisher. Doch es liegen diesmal noch tiefere Gründe zu dem so unerhört rohen Vorgehen der Studenten vor. Die Regierung wollte die Oeffentlichkeit von ihrer schweren innerpolitischen Stellung im Kampfe mit der Opposition ablenken und außerdem etwas gegen die Rothermere-Aktion unternehmen. Deswegen wurde entgegen jeder Gewohnheit dieser Kongreß ausgerechnet nach Groß-Wardein im neuangeschloesenen Gebiete und an der Grenz« von Ungarn einberufen. Die Regierung stellte Sonderzüg« zur V«־ fügung und jeder rumänische Student konnte gratis zum Kongreß reisen. Ueberhaupt trug die Regierung die Kosten dieses Kongresses, die 10 Millionen Lei betragen, und schickte auch offizielle Vertreter. Der aktive Minister M osc iu hielt am Kongresse eine Rede. Der Justizminister Stelian Popescu, der Hüter de* Gesetzes, forderte die Studenten auf, unentwegt und mutig für Ihr Ziel zu kämpfen. Und das von ihm herausgegebene chauvinistisch-antisemitische Blatt ״Univer8ul“ stellte die Behauptung auf, Lord Rothermere sei Jude und Juden seien überhaupt die Agitatoren für die Revision des Trianon- Vertrages. So war die Atmosphäre gegen die Juden geschaffen. Und zu all dem wurde vom verantwortlichen Chef für die Sicherheit der Ordnung, vom Staatssekretär für Inneres Tartar es cu dafür gesorgt, daß die Vorbereitungen von den Sicherheitsorganen nicht gestört werden. Deshalb ist es auch erklärlich, daß alle Anzeigen der Juden und Journalisten über die Vorbereitungen erfolglos waren. Waren nun die Studenten, die noch niemals in solch hoher Zahl von 5000 bis tOOO zusammengekommen waren, davon unterrichtet und hatten sie die Aufgabe, gegen Lord Rothermere zu demonstrieren, so lag es doch am nächsten, ihr Mütchen an den Juden zu kühlen. Das alles ist aber nur der Hintergrund zu der Frage, ob die Juden in Rumänien die Gleichberechtigung besitzen, und ob die Regierung die Juden wirklich als Bürger betrachtet. Die Antwort darauf kann leider nur ein klares Nein sein. Schon die Art, wie die Regierung auf diese traurigen Ereignisse reagiert, beweist, daß sie die angekündeten Strafen nicht ernst meint. Auf alle Interpellationen war die Antwort der Regierung ein tiefes Bedauern und das Versprechen, die Schuldiges! zu bestrafen. In Wirklichkeit sind heute fast alle verhafteten Studenten bereits freigelassen, nur wenige befinden sich noch in Haft und Untersuchung. Welche Rettung gibt es also für die Juden Rumäniens? Sie selber können sich nicht helfen. Der bekannte jüdische Politiker Dr. S traue her versuchte bei der Regierung Hilfe zu erreichen, ohne Lärm und Protest. Er vermied jeden Stachel, um die Regierung nicht zu reizen. Diese Methode half nichts. Eier Rabbiner Zirelsohn versuchte die andere Methode: Er forderte von der Regierung offen und nachdrücklich Schutz und Rechte für die Juden. Er erntete noch w e n i g e r Erfolg. Und seine Rede im Senate wurde nicht ins stenographische Protokoll aufgenommen. Das Anrufen oder die Beschwerde beim Völkerbunde gilt als Staatsverrat Die jetzigen Deputierten protestieren, aber die Regierung verbietet jede Protestversammiung. Sie gebietet zu schweigen und verspricht Abhilfe. Aber es bleibt bloß bei ihren Zusicherungen. So ist heute die Lage, über die man sich keine Illusion machen sollte. Bukarest, 19. Januar. (J. T. A.) Das Jassyer Gerieht hat den Prozeß gegen die sechs der Synagogen- Schändung usw. an geklagten Studenten vertagt und die Angeklagten auf freien Fuß gesetzt. Die Jassyer Studenten feierten die Freilassung ihrer Kollegen durch Trinkgelage und Mißhandlung jüdischer Pas santen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.