Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDTSCHE RUNOSCFfAU Seite 39 038 ide t von lltus- : takrhalb m den!!rechts ück tritt ״andesihrem Iterung onis'.en ng der müsse, :htiger, derung •r jüdi- 11er die en, als Wiener aß die ge ne : i n d c in der mmen■ g! ieder ausnt der N. M. ß die af, der cwahrmite es cker cheint) schkes Jianisdas sziplin Niederd das , wird tnister habe :ebene Volk stets be er 1ender its einen koa* wird» n des inetea fiafeo ו von g der hinge• ־oRftm Shell- ח e n t t sich ff der , mit istina t der ragen retäre utive) Nr. 0, 20. L!028 Petach Tikwah Audiaiur d altera pars Von Nathan Pcrlmann, Petach Tikwah. Vorbemerkung: Herr Nathan Perlmann sendet uns einen Artikel, ui welchem er sich gegen die Berichterstattung der ״Jüdischen Rundschau“ über die Zusamraenstöße der Arbeitslosen mit der Polizei wendet. Seine Hauptbeschwerde richtet sich gegen die ״irre* führen de Meldung der J. T. Aderen Telegramm vom 18. Dezember ״fast ebcnsoviele Unwahrheiten wie Worte“ enthalte. Wir wollen die bedauerlich falsche Berichterstattung der J. T. A. nicht beschönigen, es lohnt 3her doch, fcstzustellen, daß beide Parteien sich darüber beschweren, daß die Berichterstattung tendenziös zugunsten des andern Teiles sei. Auch ein Beitrag zur Psychologie der überspitzten Gegensätze! Die Arbeiterzeitung ״Da war“ protestierte dagegen, daß durch die Berichte der J. T. A. über einen angeblichen Streik die Oeffentiichkeit gegen die Arbeiter aufgehetzt werden sollte; Herr Perlmann wieder hält dieses Tele• gramm der J. T. A. für eins Stimmungsmache zugunsten der Arbeiter. Da wir auf die Tatsache des lalscheu L T. A.-Bcrkbtes bereits in Nr. 1 der ״J. R.“ ausführlieh eingegangen sind, so können wir die diesem Punkt gewidmeten Ausführungen Pcrlmanns weglassen. Dagegen halfen wir es — da die Kolonisten gewissermaßen die ״Angeklagten“ sind und diesmal fast die ganze palästlnenslsche und zionistische Oeffentiichkeit sowie sogar die Regierungsstellen mit. den Arbeitern sympathisieren — für ein Gebot der Fairness, denjenigen Teil seines Aufsatzee, der die Streitfragen selbst beleuchtet, wiederzögeben; wobei wir uns'—* trotz gegenteiliger Meinung in vielen andern Punkten — seinem Wunsche,_ Zionisten mit Kapital in höherer Zahl nach Palästina cinwandern zu sehen, voll ansehlicllcn. — Red. * , . . Bel den Zusammenstößen handelte es sich darum, daß die organisierte Arbeiterschaft die arabischen k'aufleute, die die Ernte in einem Teil der Plantagen gekauft haben, verhindern wollte, mit ihren Leuten die Erntearbeit vorzunehmen. Lin Unterfangen, daß nicht nur durch die dadurch erneute Aufrollung der arabischen Frage gefährlich, sondern auch sinnlos ist in dem Glauben, daß die arabischen Käufer sich einem Zwang lügen werden. Die Arbeiterschaft ließ sich von der merkwürdigen naiven Idee leiten, daß es im Belieben des jüdischen Verkäufers gelegen hätte, dem arabischeu Käufer jüdische Erntearbeit vorzuschreiben. . . . Soll es der ״J. R.“ wirklich unbekannt sein, daß während des ganzen Sommers bei mehr als 701 voll beschäftigten jüdischen Arbeitern, nur zirka 409 arabische Arbeiter bis zum Beginn der Regenzeit, 10. Dezember, tätig waren? Mit Beginn der Regenzeit hört automatisch die Arbeit in den Plantagen auf. Gegenwärtig sind von zirka 300 beschäftigten Arbeitern nur zirka KX) Araber, Es verstellt sich, daß auch die Meldung eines anderen Berliner Blattes, wonach die Juden zu arabischen Löhnen arbeiten wollten, falsch ist. Die Arbeiterschaft besteht nach wie vor auf 3,5 sh p. Tag bei 1,8—2,4 seitens arabischer Arbeiter. Die durch die arabischen Käufer hergebrachten arabischen Eriitearbeifcr können nicht mitgezählt werden, da die hiesigen Plantagenbesitzer keinen ernsthaften Einfluß auf deren Einstellung haben. ״:< ,» In der Tat Hegt in diesen Dingen im Prinzip di« Frage, ob mit den bisherigen Mitteln überhaupt jemals ein Aufbau von Palästina zustande kommen wird. Die Krise ist auch letzten Endes eine ganz natürliche. Es sind zu viel Arbeiter Im Lande und dagegen zu wenig Leute, die Arbeit geben können. Es wäre an der Zeit, daß die offizielle Propaganda des Zionismus einen anderen Weg einschlägt. Es genügt wirklich nicht mehr, durch Hinweis auf die Notlage, das Maasscrprinzio des Keren Hajessod aufrecht zu erhalten, um dadurch die Zionisten glauben zu lassen, daß sie ihre Pflicht gegenüber Palästina getan haben. Der Zionismus versteht sich auf Schaffung von Masscnhvpnoso. Das beweist die Idee als solche, das beweist die Existenz des Keren Kajemeth, die Existenz des Keren Hajessod und noch vieles andere. Der Zionismus beginne endlich ernstlich damit, den Aufbau von Palästina richtig in die Hände zu nehmen. Die vermögenden Zionisten müssen zur Ueberzeugung kommen, daß es ihre Pflicht ist, persönlich mit ihrem ganzen Vermögen und mit ihrer Persönlichkeit aktiv teilzunehmen am Aufbau von Palästina, und zwar in Palästina Zionisten! Die Schekel»Aktion für das Jahr 5665 hat begönnen. Die Zionistische Exekutive hat den Preis des Schekels auf RM 1.50 festgesetzt. Die Schekelblocks sind den Ortsgruppen und Vertrauensleuten zugegangen, und es müssen nunmehr alle Kräfte mobilisiert werden» um das Ergebnis der diesjährigen Schekelsammlung in Deutschland zu einem vollen Erfolg für unsere Sache zu machen. Gegen allen Widerstand» gegen Engherzigkeit und Trägheit, gegen ängstliche Bedenken und veraltete Anschauungen hat sich die zionistische Bewegung auch im deutschen Judentum durchgesetzt, aber noch immer stehen weite Kreise der deutschen Judenheit dem Zionismus indifferent oder ablehnend gegenüber Es gilt aufs neue, für unsere Idee zu werben. Alle Zionisten sollen in diesen Wochen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, aber zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daft das Ergebnis der diesifihrigen Schekel-Aktion von der organisatorischen Grobe und der Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Zionistische Vereinigung für Deutschland Deutscher Landesverband Misrachi Deutscher Landesverband Hiiachdulh Deutscher Landesverband Poale Zion Vereinigung Radikaler Zionisten Deutscher Landesverband der Zionisien-Revfsionisien. selbst Eine Spende für Palästina kann heute nicht mehr als Pflichterfüllung gelten, sondern nur als mangelhafte Ablösung einer größeren Verpflichtung. 2030 Leute mit einem Durchschnittskapital von Je 2 5030 innerhalb eines Jahres hergebracht, würden das Bild Palästinas von Grund auf ändern. Wohl niemand wird sagen, daß unter den Zionisten der ganzen Welt obige Zahl zu hoch gegriffen ist Man muß in den einzelnen Lindern die psychische Voraussetzung schaffen, die die Betreffenden zwingt, aus dem theoretischen Zionismus einen Zionismus der Tat zu machen und nach Palästina zu gehen. Die Voraussetzungen in Palästina für die Einwanderung derartig־ vermögender Leute sind vorhanden. Was solche 2000 Jur Pali'stfnä bedeuten, fböchte ich" kurz skizziereh; Petäeh Tikwah gilt heute mit Recht als der eigentliche ökonomische Kern von Palästina. Den Kern von Petach Tikwah bilden wiederum zirka 130 Plantagenbesitzer, die, in! Durchschnitt, bei weitem nicht ein Vermögen von £ 5000 ihr eigen nennen können. Diese 130 Besitzer ermöglichen in Petach Tikwah das Leben einer Einwohnerzahl von 7000 Menschen. Ohne diese 130 Leute wäre Petach Tikwah ein nicht viel bedeutenderes Dorf, wie etwa Ekron. Nicht zu erfassen sind diejenigen Leute, die in Tel-Awiw und Jaffa und sonst irgendwie durch Petach Tikwah resp. durch die 130 Plantagenbesitzer leben. Dieses Verhältnis aber umgerechnet auf 2000 neue Einwanderer würde ergeben, daß diese Leute mit ihren Familien, nötigen Poalim, Kleinkrämern und entstehenden kleinen und größeren Industrien, Mitgliedern etwa freier Berufe usw. einen neuen Jischuw von zirka 70—80000 Menschen einfach durch ihr Dasein schaffen würden. Es wird in diesem Falle der Aufbau von Palästina ernstlich begonnen, denn es würde automatisch ein unaufhaltsamer Zustrom neuer vermögender und damit auch unvermögender Juden nach Palästina eintreten, es würden Kapitalien von heute ungeahnter Höhe nach Palästina fließen. Bedeuten doch B. allein die 2000 Einwanderer zu £ 5000 eine Summe von £ 10000 000 zu deren Eingang, nach den letzten Jahren berechnet, der Keren Hajessod etwa 20 Jahre brauchen würde. Der Zionismus spricht sehr viel von der Notwendigkeit des Aufbaus Palästinas für das jüdische Volk. Man hat bisher nur vergessen, daß zum jüdischen Volk und zum Aufbau Palästinas auch noch andere Menschen gehören, als nur Poalim, die heute ein Objekt des Zionismus sind und leider auch noch lange bleiben werden. Es ist Zeit, darüber uachzudenken, wie man Palästina aktivieren kann, denn es muß letzten Endes sowohl für den Spender, als auch für Palästina selbst und die Außenwelt etwas Ehrwürdiges sein, daß Pa• lästina, unser Erez Hakaudcsch, ewig du Objekt der Wohltitigkeit bleiben soll. Hat Uer/1 sich so den Abschluß seiner Idee voreestellt' Sitzung des Wand Leumi Gemeinde-Ordnung und Pefach Tikwah-Konflikt Der Waad l.cumi hielt am 10. Januar in Jerusalem eine Sitzung ab, an der l'n-t alle Mitglieder tcilnahmen. Von der Zionistischen Exekutive waren Col, K i s c 11 und MIß Szold anwesend. Der erste 1 eil der Sitzung war der Bestätigung der Gcmeindeordnung gewidmet. David Jelltn würdigte in einer feierlichen Ansprache die Bedeutung des Ereignisses, Dr.• T 11 o 11 gab einen historischem Rückblick auf die Organisationsbestrebungen des jischuw. Hierauf wurde mitgcteilt, daß die Leitung des W a ,1 d Leumi nach Erreichung der Legalisierung nunmehr z u r ü c k t r e t c. Hierauf sprachen €01. Kisch sowie eine ganze Anzahl von Ver• treten! der einzelnen Städte und Gemeinden, Ussischkin erinnert daran, daß die ersten Anfänge einer Organisierung des Jischuw genau 25 Jahre zurückliegen, da Ussischkin damals in Sichron Jaakob zum erstenmal eine Delegierten• Versammlung des jüdischen Palästinas zusammenberief, die gegen das Uganda-Projekt Stellung nahm. Die Versammlung beschloß sodann, die Delegierten* Versammlung des palästinensischen Judentums (Assefath Nlw* charlm) in der nächsten Zeit einzuberufen. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Die Leitung soll vorläufig im Amt bleiben. Im Laufe der Sitzung, die bis 5 Uhr morgens dauerte, erschien eine Abordnung der Arbeiterschaft von P c t a c 11 T i k w .1 h und verlangte eine Stellungnahme des Waad Leumi zu den bekannten Konflikten mit den Plantagenbesitzen!. Nach einer ausführlichen Debatte wurde eine Resolution gefaßt, in welcher es heißt: ״Der Waad Leumi bedauert, daß der laudwirtschaftliehe Rat von Petach Tikwah bis heute seine wiederholt mündlich und schriftlich gegebenen Versprechungen, jüdisehe Arbeiter bei der Pflückarbeit einzustellcn, nicht gehalten hat. Der Waad Leumi fordert die Pflanzer Petach Tikwabs auf, die Ehre der Kolonie zu retten und mit aller Beschleunlgung jüdische Arbeiter aufzunehmen. Die Forderung jüdischer Arbeit ist eine Forderung des gesamten Jischuw und des gesamten Zionismus. Eine Ausschaltung der jüdischen Arbeit bei der sich entwickelnden Ptlanzungswirtscliaft stellt die ganze Zukunft des Jischuw in Gefahr. Der Waad Leumi beschließt, die Bauernvereinigung und die Arbeiterorganisation sofort einzuladen zu einer Besprechung, deren Ziel die Sicherung der jüdischen Arbeit in den Kolonie« sein solL“ Der Landwirtschaftsrat von Petach Tikwah hat auf elue frühere Zuschrift des Waad Leumi geantwortet, er wundere sieh sehr über die Ansicht des Waad Leumi, daß die ara bischen Händler der Beschäftigung jüdischer Arbeiter keine Schwierigkeiten machen und daß alles nur vom guten Willen der Pflanzer abhängt, ln Wahrheit hätten die ara• bischen Händler alle möglichen Ausreden gebraucht, während die Vertreter der Pflanzer sich unausgesetzt für die (ödi sc 11c Arbeit bemühen. Es sei Aufgabe des Waad Leumi, bei der Einflußnahme auf die arabischen Händler mitzuwirken. Am 10. Januar arbeiteten bei der Pilückarbcit in Petach Tikwah 570 Araber und 20 Juden, am 11. Januar 10 Juden. ln Tel-Awiw verlautet, daß die Regierung den Plan der Verlegung des Eisenbahnknotenpunktes der Linien Kantara- Haifa und Jaffa-Jerusalem von L u d d nach Tel-Awiw aufgegeben bat. weil r die mein, chritt den noch esen» cken, chse, sieht äeits« n der»!den, mir erteil!ttig» leine acks. sie nabe letzt» aus an- •inen gibt tient ikeo. n es itens men rten, iber, ich nich iriftalles nde, sierter Arbeiter. Wie oft hörte ich die Tröstung Stöhnender: lö metira kol kacli mahör (man stirbt nicht so rasch). Die Chowischäth (Verbandsschwester) kommt an — endlieh! Im Nu hat sie ihre weiße Schürze an und ruft schon die ersten Zehn hinein fns Ambulatorium, freudig leicht wie ein Auktionator aufzählend. Zehn aufatmende arme Teufel drängen sich in die Tür. Auf dem Markt war ich abends, habe Schulden bezahlt. Ich wandere von Laden zu Laden, weil mir, de•!״ ־Nauen“, jeder der unzähligen Läden, deren Menge in keinem Verhältnis zu der Kleinheit der Kolonie stellt, und deren Existenz nicht nur mir ein Rätsel war (bei soviel Konkurrenz!), ein neues Schauspiel bedeutete. Jeder dieser bärtigen Kaufleute ist Tvp für das Land, das hier vereinigt die Juden aas den vier Enden der Welt. Ich bekomme Fühlung mit Rumänien, Türkei, Kaukasus, Persien, Buchara, unendlicher Gewinn für das Einholen der kleinen Tüten des Haushalts. Das Geschirr bei dem guten Likrainer, der mir seit Monaten schon Kredit gab, muß ich allmählich ahzahlcn. Der sephardische Stoffhätidler ist Dichter. Immer lernt er Englisch an der Schwelle des winzigen Ladens, der peinli1'׳’ sauber aufgeräumt ist, mit den Ballen arabischer Stoffe. Ich bin ein Ketzer, daß ich so oft zu ilnn gehe, oft nur die neuen mitgebraditen Stoffe mir anzusehen. Die aschkenasischen Frauen gucken mich schon von der Seite an, daß ich soviel mit Scnhardim und Arabern zu tun habe. — Meinem Buttermann aut dem Markt sproßt der blonde Bart wie einem Jeschiwah-Bachur. Nur Sonntags wird er wieder säuberlich aussehen, sein Gesicht wie ausgekehrt, noch vom Schabbath. Vier Milch-, Butter-, Käse-, Sd1metten־(Rahm)Leute stehen da nebeneinander. Bei jedem war ich. Wie knurrende Hunde sehen die drei mich an, daß ich seit Wochen nur noch bei meinem polnischen Blondbart kaufe, der mir als ״Daitschker“ sofort Kredit gab, nicht zagend wie die Gemüsefrau, nein, mit Respekt und sorglosester Miene, Ich bin ja ״Baalath morah“ (Lehrersfrau) und alle wissen, daß die Lehrer zum Teil von Kredit leben müssen. Der jemenitische Jude Jaakow steht da mit seinem Filzhütchen, ruhig, schwarzäugig bei der Ernte seines Gan (Garten): rote Rüben, Chazilim (Eierfrüchte), Tomaten — niemals etwas anderes den ganzen Sommer. Da hat er noch Platz auf seinem armseligen Stand für die Trauben der alten Frau im relnea Kopftuch; er wiegt für de, ex ist gut und gleichmäßig traurig und gelassen, gleichgültig zu seinen Kunden; nicht gehörend zu dem Chor der Schreier und Anpreiser in diesem bunten, reichen Markt, den ich hebe. Ein Abschied Der Wilnaer Truppe erinnern sich viele Freunde mit Dankharkeit und in Wehmut; werden wir dieses herrliche Ensemble doch nie wieder zu sehen bekommen. Nur zwei der Künstlerschar, aus der Reihe der Besten, sind uns geblieben: Herz Groß hart und Frieda Blumenfhal. Auch sie verlassen nunmehr endgültig Berlin. Diesen Sonnabend, den 21. Januar, bieten sie noch einmal im Meistersaal Proben ihres Könnens und noch einmal wird uns Gelegenheit gegeben, die schönsten Darbietungen der Rezitafionsknnst dieser beiden trefflichen K'ünsi’er in einem gewählten Programm kennenzulernen. Ich wünsche von Herzen, daß an diesem Abend noch einmal alle Freunde jüdischer Kunst und die Verehrer der Wilnaer Truppe und der beiden Künstler stell itn Meistersaal zu«an!menfindcn, und ich wünsche, daß alle diejenigen, welche noch nicht Gelegenheit gehabt haben, dies!■ beiden ganz eigenartigen künstlerischen Individualitäten kennen zu lernen, diese einzige Gelegenheit nicht versäumen. Auch für mich ist dieser Abend ein Abschiedsabend; er ist der Abschluß jahrelanger Bemühungen, die oft Enttäuschungen, oft aber auch Freude gebracht haben. Ich hoffe, alle Berliner freunde jüdischer Kunst an diesem Abend zu sehen. Sammy Gronema 11 11. N a 11 i d a Ruth Lazarus, die Witwe von Moriz La/arus, ist in Meran gestorben. Nahida Remy war eine bekannte Schriftstellerin, als sie durch Lazarus das Judentum kennen lernte und eine begeisterte Jüdin wurde, die sich fortan hauptsächlich jüdischen Frauenfragen zuwandte. Ihre Bekehrung schildert sie in dem Buche ״leb suchte Dich“. In einem Gespräch mit dein 1. T. A.-Vertreter machte der bekannte jüdische Historiker Prof. Dr. M. Balaban - Warschau die Mitteilung, daß demnächst in Warschau eine Hochschule für die Wissenschaft des Judent u ms eröffnet werden soll Bücliersehau Petroleum. Roman von U p t o n Sinclair, Malik-Verlag, Berlin. Zeichen der Zeit Die Tendenzliteratur, früher kaum als wirkliche Kunst anerkannt, steht heute in der vordersten Reihe. Beweist klipp und klar, daß eine einheitliche lieber- Zeugung durchaus kein Hindernis ist, richtig zu sehen, und plastisch zu gestalten. Sinclair heuchelt niemals Objektivität er fühlt sich nicht über den Dingen, sondern mitten drin. Er weiß, daß ein temperamentvoller Mensch nicht imstande ist, zwei Parteien anzuhören, ohne der einen Recht und der anderen Unrecht zu gehen. Aber daraus ergibt sich a' .sohlt nicht, oder höchstens für ein Volksschullesebueh aus dem vorigen Jahr* hundert, der Zwang, die Menschen in weiße und schwarze Schafe ein/ufeilen. Sinclair ist weit entfernt davon. Sein Marxismus hat keine Beimischung von religiöser Schwärmerei Offener Gegner der amerikanischen Kapitalistenklasse, gestaltet er in seinem ״Petroleum“ ihre Typen und ihr Leben mit ehrlieber Sachlichkeit. Bringt Peiroleummagnaten. die derbe Herrenmenschen sind, aber auch solche, die in ihrer schwerfälligen Gutmütigkeit, in ihrer eifrigen Schlauheit und Arbeitsfreude irgendwie gegen jeden Vorwurf gefeit sind, in irgendeiner unbelehrbaren Ahnungslosigkeit und Harmlosigkeit an dem mörderischen System mitarbeiten, das Regierungen kauft und Massen versklavt. Bringt die ganze Clique der Luxusmensrhen mit ihrem gequälten Snobismus, ihrem unprodüktiven, zänkischen Lebeiishungcr. Bringt den Sohu der Groß- Industrie, der zum Helfer der Proletarier wird. Keine romantische Heldengestalt, sondern ein weicher unsicherer Musterknabe, den nur allmählich sein zwingend angstvoller Gerechtigkeitssiim auf schwankenden, durchaus unlieroischen Wegen endlich zur Menschlichkeit führt. Die Hauptrolle unter seinen Gegenspielern hat Rachel Menzies, eine proletarisclie Studentin. Repräsentiert gleichsam das Judentum 1'n! Klassenkampf Amerikas, Den scharfen Intellekt, die fiebernde Regsamkeit, die selbstverständliche, nicht zu ermüdende Zähigkeit des jüdischen Idealisten. Eine moderne jüdische Frauen■ gestalt, vielleicht eine der prächtigsten in der zeitgenössischen Literatur — geschaffen mit der leidenschaftlichen Sachlichkeit Upton Sindairs, die diesem ganzen Buch ihr bezwingende- Gepräge gibt, Klara Blum.