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Jüdische Rundschau · 1928-01-20 · Heft 6 (20.1.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 6 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit* 38 JUEEUSCftE RUNDSCHAU Nr. 6, 20.11028 gewiesen, daß wir als Juden gegen eine offizielle Vertretung der arabischen Landesbewohner nichts tinwenden können, daß aber die Bezeichnung ״Ärab Agency“ irreführend sein muß, denn die ״Jewish Agency“ ist keineswegs nur die Vertretung der jüdischen Landesbewohner, sie ist vielmehr eine Repräsentanz des gesamten an Palästina interessierten jüdischen Volkes. E s g i b t k e i n arabisches Interesse an Palästina, das dem jüdischen Interesse analog wäre. Die nichtpalästinensischen Araber erblicken in Palästina weder ihre Heimstätte, noch ihr nationales oder geistiges Zentrum. Sie haben daher auch keine Veranlassung, sich an der Bildung einer arabischen repräsentativen Stelle zu beteiligen. Nennt man aber die arabische Vertretung ebenso wie die jüdische mit dem Terminus Agency, der in diesem Zusammenhang schon zu einem politischen Nomen proprium geworden ist, dann sind Mißverstandnisse unvermeidlich. Es besteht dann die Gefahr, daß auch die Jewish Agency aus einer im' Mandate ver* ankerten gesamtjüdischen Interessenvertretung zu einer Expositur des lokaler! palästinensischen Judentums herabgedrückt wird Abgesehen von diesen prinzipiellen Bedenken gegen eine solche Doppelsinnigkeit des Wortes Agency, die unseres Erachtens gerechterweise berücksichtigt werden müssen, wäre eine positive Einstellung der palästinensischen Araber zum Mandat sicherlich zu begrüßen, da hierdurch auch ihre Anerkennung der Balfour-Dcklaration nähergerückt wäre. Dazu gehört freilich noch die Verbreitung der Uebcrzeugung, daß die Zukunft Palästinas von dem Wohlergehen und von der Tätigkeit beider Völker abhängt, die darauf angewiesen sind, einen Modus des Zusammenlebens zu finden und die im eigenen Interesse die Störer einer solchen Annäherung verdrängen sollten. Die politischen Vorgänge in den andern Mandatsländern zeigen uns, daß ein stetiger Fortschritt zu größerer Selbständigkeit der Landesbewohner vor sich geht ln Palästina liegen besondere Verhältnisse vor, die eine Sicherung des jüdischen Aufbauwerkes, der jüdischen Heimstätte im Sinne des Mandates erforderlich machen. Eine wirkliche Sicherung unserer Zukunft kann aber nicht durch Versprechungen anderer, sondern nur durch Realitäten erfolgen. Wirtschaftliche Positionen im Lande, die die Basis einer sich selbst erhaltenden jüdischen Siedlung bilden, sind das erste Erfordernis, auf das wir unsere Kräfte konzentrieren müssen, in dem Bewußtsein, daß die Zeit drängt Das zweite Erfordernis, das über kurz oder lang erfüllt werden muß, ist die politische Voraussetzung einer Verständigung mit den Arabern, eines modus vivendi auf Grund paralleler Interessen bei der Erschließung des Vorderen Orients. Beide Aufgaben sind nicht leicht zu lösen, aber gerade sie sind die Kernprobleme aller praktischen zionistischen Tätigkeit Welzmaon Und Rothsdiilci Eine Sensationsmeldung. Das Wiener zionistische Organ ״Die Stimme“ brachte in ihrer Nummer vom 12. Januar ein ״Original-Telegramm“ aus Paris, worin mitgeteilt wird, Baron Rothschild habe aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit zu Händen des Präsidenten Weizmann eine Million Pfund erlegt mit der Be- Stimmung, daß dieser Betrag zur landwirtschaftlichen Ansiedhing von 10 000 Juden in Erez-Israel verwendet werde. Wir haben von dem Telegramm bisher keine Notiz genommen. Da wir jedoch von mehreren Seiten Anfragen erhielten, stellen wir fest, daß nach unseren Informationen die Angaben — leider! — völlig aus der Luft gegriffen sind. Dr. Weizmann hat mit Rothschild über seine Mitwirkung bei der landwirtschädlichen Ansiedlung einer Anzahl von Arbeitslosen verhandelt und der Baron hat sich dem Projekt gegenüber günstig verhalten, eine definitive Abmachung ist jedoch unseres Wissens nicht erfolgt und von einem Betrag von einer Million Pfund ist überhaupt nicht die Rede. Aus dem amerikanischen Zionismus Das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten ״The New P a I e s i i n e“ erscheint seit einiger Zelt in veränderter Form, mit zahlreichen Bildern. In der letzten Nummer (vom 30. Dezember) wird in Leitartikel der Oedanke dieser Veränderung dargelegt, was insofern auch für einen weitern Kreis interessant ist, als der Verfasser des Artikels diese Mainähme nicht nur redaktionell, sondern zionistisch begründet Die Zeitung habe sich das Ziel gesetzt, die jüdischen Massen Amerikas zu erreichen und für Palästina zu gewinnen; dies sei aber unmöglich bei so starker Berücksichtigung der innerzionistischen Probleme, denn wir Zionisten haben uns in dreißig Jahren ein spezielles Vokabularium geschaffen, das von anderen nicht verstanden wird. Der Zionlsmus müsse die primitive Ursprünglichkeit der Idee wiedergewinnen und sich . von Dialektik und Theorien befreien. Der äußere Grund zu diesem neuen Kurs liegt in dein Beschluß des United Palestine Appeal, daß jeder, der mehr als 25 Dollar Beitrag zahlt, die Zeitung unentgeltlich zugestellt bekommt. Dadurch hat sich ihre Auflage auf 55 000 erhöht, so daß mit einem Leserkreis von Zirka 220 000 gerechnet wird. Diese Menschen können nur durch eine leicht faßbare Propaganda festgehalten werden. Außer dem ״New Palestine“ besitzt der amerikanische Zionismus bekanntlich noch ein jiddisches Organ ״Das jid* dischc V01 k“. In einer der letzten Nummern wird aus dem Leserkreis darauf hingewiesen, daß die beiden Organe nicht immer ganz übereinstimmen. Z. B. bringt nur das ״Jiddische Volk“ einen ausführlichen Bericht über die S i t z u n g der nationalen Exekutive, die Mitte Dezember stattfand. (Die nationale Exekutive der amerikanischen Zionisten ist ungefähr mit unserm Zentralkomitee zu vergleichen.) Diese Sitzung war sehr charakteristisch für die inneren Vorgange im amerikanischen Zionismus. Ueber die dort vorgefallenen Personalveränderungen, insbesondere die Wiederwähl von Ab. Oold berg haben wir bereits berichtet Der Leitartikel des ״Jiddischen Volks“ bezeichnet jedoch die Sitzung als bedeutungsvoll vor allem wegen der Opposition gegen den ״Geist des Seperatismus“ und der Oeheimpolitik, der in der letzten Zeit eingerissen sei. Der U. P. A. habe sich von der Zionistischen Organisation unabhängig gemacht, obwohl die letzte Convention von Atlantic City den gegenteiligen Wunsch ausgesprochen hat. Der Kampf der Hadassah-Gruppe gegen Goldberg sei in einer im Zionismus nicht üblichen Geheimtuerei statt in offener Opposition geführt worden. Dies ist jetzt wieder gutgemacht worden. Die stärkste Unzufriedenheit auf der Sitzung galt dem Vertrag des U.P.A. mit der Hadassah, worin festgesetzt wird, daß diese für ihr Budget ein Vorzugsrecht vor allen anderen Zweigen der Palästina-Arbeit erhält Zwar wurde in der Sitzung darauf hingewiesen, daß man auf diese Bedingung eingehen mußte, weil sonst der U. P. A. überhaupt nicht zustande gekommen wäre, andere Redner aber wandten sich scharf gegen die Methode, unter solchem Druck Verelnbarungen zu treffen, statt in zionistischer Solidarität. Das ״Jiddische Volk“ kündigt an, daß auch weiterhin ein scharf er Kampf gegen die Vorherrschaft der Hadassah geführt werden wird. Im ganzen Ist wohl festzustellen, daß alle diese Ersehe!- uungen den Wunsch jach.flnff starken Demokratlslergog der Bewegeng vpffateai, yvbM .«aturgeiniff die Propaganda mehr in die Breite als in die Tiefe gehen müsse. Freigesprochen und neuerlich angeklagt Der aniijüdische Kurs In der Türkei. Konstantinopel, 15. Januar. (J.T.A.) Gemäß der Forderung der öffentlichen Anklage hat die türkische National- Versammlung vor kurzem beschlossen, daß gegen die im September 1027 von der Anklage aufwieglerischen anlistaatlkhen Verhaltens beim Begräbnis des vom Türken Osman Bey ermordeten jüdischen Mädchens Elsa Niego freigesprochenen neun Juden das Gerichtsverfahren aufe neue eingeleitet werde. Die Gerichtsverhandlung hat gestern begönnen und wird bis zum 25. Januar dauern. Die Anklage lautet auf Beleidigung der türkischen Republik; darauf steht in der Türkei Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren. — Der Mörder der Elsa Niego befindet sich noch immer zur Beobachtung seines Geisteszustandes im Hospital. Die Varginge In der Wiener Knltnsgemelnde Wir haben bereits kurz über den Rücktritt von Stricker und Plaschkes In der Wiener Kultusgemeinde ■berichtet. Es handelt sich dabei um eine t a k - tische Meinungsverschiedenheit innerhalb des zionistischen Lagers. Nachdem der von den Zionisten elngebradite Antrag auf Erv/efterang des Wahlrechte gefallen war, forderten Stricker und Plaschkes den Rücktritt sämtlicher zionistischer Mandatare. Das Zionistische Landeskömitee aber war der Ansicht, daß die Gemeinde in ihrem heutigen Zustande eine so scharfe Krise und Erschütterung nicht ertragen könne und daß daher die Koalition der Zionisten mit der assimilatorischen Mehrheitsgruppe zur Erledigung der Verwaltungsgeschäfte bis auf weiteres bestehen bleiben müsse. Der Majorität des zionistischen Klubs schien es wichtiger, durch positive Mitarbeit in der Gemeinde eine Aenderung der Lage vorzubereiten, insbesondere die Erhaltung der jüdtsehen KuJturinstitute zu sichern und dabei von außen her die Atmosphäre für das allgemeine Wahlrecht vorzubereiten, als in eine demonstrative Opposition zu treten. Wie unser-Wiener Korrespondent berichtet, bestehe dort das Gerücht, daß die von Stricker geführten Radikalen Zionisten auf eigene Faust zum Kampf gegen die Ku 1111 sgern eindc rüsten, also auch zum Kampf gegen die Zionisten in der Kultusgemeinde. Bezeichnenderweise wurden im Zusammenhang mit diesen Vorgängen mehrere bisherige Mitglieder des ״Klubs der radikalen Zionisten“ aus dem Klub ausgeschlossen, darunter der gegenwärtige Präsident der Landesorganisation Dr. Goldhammer, ferner Dr. N. M. Oelber und Dr. Löwenherz. Es ist zu hoffen, daß die Nachricht von einem derartigen innerzionistischen Kampf, der die Bewegung zweifellos schädigen würde, sich nicht bewahrheftet. Das Organ des Wiener Zionistischen Landeskomitees ״Die Stimme“ (das seit 1. Januar neben der von Stricker herausgegebenen Wochenschrift ״Die Neue Welt“ erscheint) wendet sich gegen das Verhalten von Stricker und Plaschkes und wirft ihnen vor, daß sie, die die Demokratie im Zionismus verteidigen, sich selbst am schwersten gegen das Grundprinzip der Demokratie, nämlich die Disziplin gegenüber Mehrheitsbeschlüssen, vergehen. Nur der Wiederaufbau einer starken zionistischen Partei, an dem jetzt das Wiener Landeskomitee erfolgreich zu arbeiten scheint, wird derartigen Vorkommnissen für die Zukunft Vorbeugen. Gral Czeraia klagt gegen Robert Stricker Graf Ottokar Czernln, der letzte Außenminister der Habsburg-Monarchie, teilt der Presse mit, er habe niemals — wie die von Robert Stricker herausgegebene ״Neue Welt" behauptet bat — das jüdische Volk mit Kriegsgewinnlern Identifiziert, er habe als Minister stets den Patriotismus der Juden anerkannt. Im übrigen habe er gegen die Zeitung wegen verschiedener ihn he־absftzender Stellen die Ehrenbeleidigungsklage eingeleitet Die ZakonH Haifas Das ״BerünerTageblatt" bringt am 15. d. M. einen ausführlichen Bericht seines Korrespondenten Über den Jcominenden Welthafen Haifa“, worin m.'tgeteilt wird» daß der Streit zwischen Frankreich und England wegen des Ausfuhrhafens für das mesopotamische Pcixokura zugunsten von Haifa entschieden zu sein scheint :Per Haifaer Hafer, werde eine Wasserfläche von 80 Hektar und eine Tiefe von 10 Metern haben. Auch auf das Problem der Aufteilung der Hedschasbahn zwischen England und Frankreich wird hinge« wiesen, auf welche auch Ibn Saud Ansprüche erhebt Von großem Interesse ist die Mitteilung, daß die Asi a tic Oil Co. (Shellgruppe) sch an die zionistische Haifa Bay Development Cy mit dem Ersuchen um Ueberlassung eines größeren Terrains ln der Hafengegend gewandt habe. Die Verhandlungen sollen noch schweben. Wenn die Nachricht sich bestätigt, wäre sie von größter Bedeutung für die Zukunft der jüdischen Siedlungsarbeit in diesem Teil Palästinas. Allred Monds Palästinareise Sir Alfred Mond Ist, der ״Times" zufolge, mit Frau und Tochter am 16. d. M. nach Aegypten, Palästina und Irak abgereist Er wird in Palästina als Präsident der Vereinigten Palästina-Kommission (Agency) Untersuchungen anstellen. Mond ist von Herrn Naamani, einem der Sekretäre der Kommission (früherem Sekretär der Palästina-Exekutive) begleitet Tagebudiblätter aus Petadi -Tikwah Von Toni Löwental-Hutterer. Die Orangen sind reif Täpuchej-Sahaw heißen sie, und ihr Volk stammt aus dem Pardeß (Orangenplantage). Die Kolonie lebt durch ihre Gnade, die Kolonie steht nun in ihrem Zeichen, die ihre Amme war, ihre Kinderfrau, ihr Hofmeister, aufopfernd beharrlich und hingegeben hindurch die heißen Monate des faires — ward jäli ihr Besitzer, sie ausbeutend, wie ein völlig Fremder, sie verkaufend an Fremde. <> wimmelnde Goklbeute des Tebetli! Aller stockdünner Jemeniten Schweiß, Goldfrucht ist daraus geworden; die Sablanuth (Geduld) der schmerzenden Juden rücken, Araberrücken, bei der Kuli-Arbeit des Idur (Aufgraben), die lahmwerdenden Arme der Zweigbesdineider, der ewige Bewasserungslaut aus dem Pumpklang des Wasserbassms für den immer durstigen Pardeß, wie Herzschlag so dauernd, regelmäßig, unaufhörlich Tag und Nacht, — die Arbeit, die Arbeit von tausend armen Teufeln, aus den Zelten 11nJ Zrifin! (Baracken) der Kwnzoth, aus den Kalklöchern der Bodedim (einzeln Lebende) — die Arbeit vom Jemenitenhausvater und des Heeres, das im Morgendlmmem aufbrach, am Arm den gelben Henkelkorb, der sie alle verbindet, diesen Drei-Piaster-Korb, in dem das Brot liegt, die Oliven, das Stück Halva, Futter;ür die kurze Pause um Mittagsbrand, auf der Erde hinge-;treckt, ihr todmüdes Heimtrotten durch t'efen Sand zu Dusche and Abend, das Dankgefühl all dieser Stöhnend-Zufriedenen ab ihrer Dauerarbeit im Pardeß, —: Jetzt ist das alles zu 3old und Saft geworden! Die Orangen wimmeln prangend in ihren niedrigen dichten Bäumen bei ihren dunklen schmalen Glanzblättern; es dämmert grünlich in ihrem stillen Hain. Aller Umkreis von Petach rikwah ist grünes Meer aus Pardessim. — Durch aufgeweichten <wisch (weg) sind wir zwei an bedrohlich konservativen ׳Caktusgreiseu vorbeigestampft, einer bedächtig In dem Fuß- ־apf des andern, anfangs noch schreiend beim tiefen Gurgelunken des Fußes, dann brückenbesetzend: steckengebliebene \raberpantoffel, verrostetes Blech, ersaufende Konservenüchse. — Wiese war dann da, eben erstandene, voll schüch- Urner süßer Unkräuter und seitlich saubere Schule für Orangensetzlinge mit Gründüngung eben aufgegangener Luninen. Die graugrünen Holzkugeln, die heruntfagen in der neuen Wiese, die wilden Melonen trudelten später auf den arabischen Bastteller in unserer Stube. ״Dreh Dich uro", hielt er inne im zarten Ausgraben der Herbstzeitlosen; — Anstieg war ja die Wiese, und unten lag die stille Flut der niedrigen Orangenwälder, go'ddurchwirkt, mit Gold behängen, prangend von den regengereilteii Früchten. Wind vom Meer kam dazu. Die grauen Zelte einer arabischen Feldmessergruppe lagen umfriedet in dem Eukalvptuswald, zu dem wir schritten, beschnüffelt von witternden Äraberaugen. Heut war ich wieder draußen im anderen Korridor der Kolonie, ich mache Halt auf einem Wege, schaue hinunter, wo es graurosa, nackt bis zum Horizont und groß hineingebrockt wie eine stein graue Festung aufsteigt: Antipatrus. Wie oft hat mich schon die dünne Klarheit dieser Luft genarrt. — Der Sandweg zwischen kleinen neuen Häusern ist En-Ganim; auch hier überall Schulen der Orangenstecklinge, Mandarinen sehe ich endlich, schwer und rotgöfden ln ihren kleinen stämmigen Bäumen. Zerfetzte Bananenstauden stehen um jedes Haus. Zitronen baumeln an blattarmen Bäumen. Die Sonne steht schon niedrig. Feste Sandalenmädel mit dem gelben Henkelkorb, müde Burschen, in lehmigen Schuhen, über der Schulter den Mader (Haue), am Arm den gelben Henkelkorb, kommen heim. Ein Weg, der schluchtig war, wird hochgelegt; gefällte Eukalypten liegen gebunden übereinander zu beiden Wegseiten. Und oben steht der Wald aus tausend gleichaltrigen Eukalypten. — Von irgendwo kommt arabisches Gerede; Kamelgebimmel, schweigsamer Zug entlasteter Kamele; sie haben Orangenkisten nach Jaffa heut geschafft Bel der Krankenkasse Das ist die schöne Schoschannah aus dem Meschek Poaloth (Mädchenfarm), Ihre Beine sind hart, well sie auf den Steinen ritten, ihre Arme fest, und Haühlnde ihre breiten breiten Hände. Das gesamte Defizit ihrer Kwuzah hat sie herausgehauen bei der Pauschalarbeit des Chazaw (Steineklopfen); man ist stolz auf sie. Da steht sie heut mit verbundenem Schienbein. Ich muß jeden Tag hier lange warten in der Kupath-Cholira (Krankenkasse). So aufgeweicht sind die Wege, daß meine höhen Schaftstiefel schwer sind wie Klumpen Lehm. Wo die tiefen Regenlachen stehen, weil der Weg sich senkt, hol ich jetzt vom Feldgraben her die schweren faulenden Kaktusteile, die nur noch lose baumeln, und mache mir eine Brücke daraus — für je einen Schritt eine Brücke. Fünf riesige Kaktusglieder brauch ich für den großen Pfützensee, wo ich täglich hinüber muß. Es ist noch der beste. Sind mehrere Füße auf meiner Brücke gewesen, sinkt sie ein. So sehe ich beim Rückweg andere Brücken, Betonsteine vom nahen Neubau, große Konservenbüchse, steckengebliebene Sandale, neue Kaktusleiche. Beim )Varten auf der Terrasse vor der Kupath-Cholim sieht man immer dieselben. Burschen mit den kniekurzen Arbeitebösen und Jockeimützep, Hemden mit Flicken in wundersamen Formen, außerhalb jeder Geometrie, Leukophstbinden, lehmige Sandalen und Schuhe, o welche Schuhe! Neben mir der hat Stiefel an wie eine Ausgrabung, Ober- und Unterteil nur noch wenige Zentimeter zusammenhängend, lehmschattig, ftiegenbesetzi 'Jf Ueberhaupt die Fliegen! Ich schaukle abwechselnd meine Beine wütend hinein in den Schwarm des eitergierigen Packs. Neben mir kriechen sie der Jemenitin in die Augen, sie vertreibt sie selten, aber sie seufzt in Abständen; ihr Knabe hat Beine wie Hölzer, die baumeln. Alles ist voll besetzt, sogar die Steinstufen. Die Kranken hier sind Arbeiter aus Kwuzoth und einzelne, die der Histadruth (Gewerkschaft) angehören. Von Bürgern sind es nur die schlotternden kleinen Jemeniten. Die Kolonisten nehmen Privatärzte — o es gibt ihrer genug! Sie haben Arabisch geiernt, der arabische Patient zahlt prompt Jeden Tag gehöre ich hier zu der Prozession der Kranken. Die meisten haben Wunden wie ich: Charara! So nennen es die Araber, in Europa gibt es das nicht. — Jetzt Ist wenigstens die Sonne wo anaers; wenn wir uns nicht retten können vor ihr, legen wir uns in den Sand, im Schatten zu warten, den Kopf auf den rechten Arm gestützt wie die Araber, die so 1m Sand zu Haitee sind tags und nachts. Wenn ich manchmal eine deutsche Zeitung hier lese, sieht man mich besonders an; als hätten sie Ehrerbietung vor reinem Schriftdeutsch und dem, der es liest — Vormittags ist hier alles Ungemach beieinander: Sonne, Fliegen, schmutzige Verbände, kranke Augen, ungeduldiges warten, dünne Gesichter unra-

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