Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 25 Nr. 4, 13.1.1028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Ein iQdisciKss Handbuch Seitdem In der modernen Zeit das Judentum immer mehr nicht nur ein Gebiet der Wissenschaft und der Archäologie, nicht nur ein Objekt der Gelehrsamkeit und der Theologie, sondern eine Frage des Lebens und der Politik geworden ist, seitdem die große Öffentlichkeit und vor allem die jüdische Gemeinschaft selbst sich wieder mit jüdischen Fragen ganz aktuell zu beschäftigen begonnen bat, hat sich Immer mehr erwiesen, daß ״Judentum“ ein ungeheurer Komplex ist und daß die Beschäftigung mit ihm ein außerordentliches Wissen voraussetzt Jeder, der mit jüdischen Angelegenheiten zu tun hat, hat schon oft den Mangel einer zusammenfassenden Informationsquelle empfunden, sei es daß es sich um irgendeine Erscheinung der jüdischen Vergangenheit oder des jüdischen Brauchs, sei es, daß es sich um eine Frage der jüdischen Gegenwart und der Tagespolitik handelt Leider ist die Unwissenheit und daher auch Unsach- Uchkeit, mit der jüdische Fragen behandelt werden, in allen Lagern sehr groß. Wer in der Tagesarbeit steht, kann nicht in jedem Einzelfall Quellen studieren. Daher hat sich das Bedürfnis nach einem zusammenfassenden Nachschlagewerk des Judentums in Immer höherem Maße geltend gemacht. Es ist überaus erfreulich, daß dem Mangel jetzt abgeholfen wurde. Wir besitzen heute in deutscher Sprache ein ausgezeichnetes und überaas brauchbares, umfassendes enzyklopädisches Nachschlagebuch, es heißt: ״Jüdisches Lexikon, ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden“ mit über 2000 Illustrationen, Beilagen, Karten und Tabellen, herausgegeben von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner, unter Mitarbeit von über 230 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern und einer Reihe von kompetenten Fachredakteuren. Wir haben bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, daß der erste Band dieses wichtigen Werkes im Jüdischen Verlag (Berlin) erschienen ist. Da bet dem ungeheuren Umfang des Begriffes Judentum, der natürlich auch die ganze jüdische Vergangenheit und das jüdische Schrifttum umfaßt, neben einem Hinweis auf die praktische Bedeutung dieses Buches auch eine wissenschaftliche Kritik der einzelnen talmudisch-historischen Artikel erforderlich ist, haben wir, um unserer Besprechung nicht einen einseitigen gegenwartspolitischen Charakter zu geben, mit dieser unserer Anzeige gewartet, bis Dr. Wolfsberg, den wir als talmudisehen Fachmann und gleichzeitig aktiven jüdischen Politiker um eine Rezension ersucht haben, uns seine Besprechung übermittelt hat. Wir geben untenstehend diese Besprechung wieder, die eine ganze Reihe von wertvollen Hinweisen und Ergänzungen enthält, welche zweifellos von den für den wissenschaftlichen Teil zuständigen Redakteuren ernsthaft erwogen werden, und die diesen ebenso wie den Herausgebern sicherlich als methodische Ratschläge für die künftigen Bände willkommen sein werden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Herausgeber des Lexikons,; wie״ta der Vorrede dargelegt wird, nicht den Zweck verfolgt haben, eine umfassend*, wissenschaftlich erschöpfende Enzyklopädie des Judentums, Insbesondere des historischen zu geben — eine derartige Enzyklopädie des Judentums, als fünfzehnbändiges Riesenwerk angelegt, unter Mitwirkung der größten wissenscbaftlfchen Autoritäten, beginnt gerade jetzt gleichfalls in Berlin zu erscheinen; das Jüdische Lexikon aber sollte vor allem ein populäres Buch sein, das dem Nachschlagebedürfnis des Tages Genüge tut. Und in dieser Hinsicht sind wohl die Fragen der jüdischen Gegenwart von ganz besonderer Wichtigkeit. Durch das Lexikon, das allmählich zu einem unentbehrlichen Hausbuch jedes Juden werden wird, wird die Kenntnis der Realitäten des jüdischen Lebens, der wichtigsten Erscheinungen, Begebenbeiten, Persönlichkeiten und Bewegungen in jeder Zelle der iiidlschen Gemeinschaft verbreitet. Damit wird ein Zweck erfüllt, dem bisher nur die jüdische Presse gedient hat; die jüdischen Menschen werden enger mit dem Judentum verbunden, sie sehen, vielleicht manche mit Staunen, wenn sie in dem Lexikon blättern, daß, wo sie es packen, das Judentum interessant Ist. Und so wird sich durch dieses Buch ein immer engeres Verhältnis zwischen dem Leser und dem Judentum ausbilden; und wenn dem Buche das gelingt, dann hat es mehr als literarische Bedeutung, dann hat es der Stärkung des Judentums, der jüdischen Renaissance, den entscheidenden Dienst geleistet. Die Herausgeber haben die etwas delikate Frage einer sachlichen und daher unparteiischen Behandlung der Gegenwartsfragen nach unserer Meinung vorzüglich gelöst: sie haben führende Persönlichkeiten jeder einzelnen Strömung Ungeladen, selbst den Artikel über ihre Bewegung zu schreiben. Auf diese Weise wird der Leser darüber informiert, was jede Bewegung über sich selbst und zu ihren Gunsten zu sagen hat; er wird angeregt darüber nachdenken. Und obwohl natürlich dieser von den Herausgebern gewählte Weg die Gefahr einer propagandistischen Note solcher Artikel nahelegt, muß doch gesagt werden, daß im ganzen großen die Parteimänner sich einer vornehmen und objektiven Darstellung befleißigt haben. Der Artikel ״Agudas Jisroel“ wurde von einem prominenten Führer der Bewegung, Jacob Rosenheim (ideologisch) und von Rabb. H. A. Cohn (organisatorisch), verfaßt. Ueber ״Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ schreibt der Direktor dieses Vereins, Dr. Ludwig Holländer; er hat sieh bemüht, die Polemik zu vermeiden und obwohl nach unserer Meinung ein solcher Artikel einer gewissen Ergänzung bezüglich der von nationaljüdischer Seite gegen den C.-V. bestehenden Einwände bedurft hätte — auch dies ist ein Informationsstoff —, so ist es doch begrüßenswert, in unanfechtbar authentischer Weise zu erfahren, was der C.-V. sein möchte. Ueber Zionismus enthält der erste Band natürlich keinen zusammenfassenden Artikel — der kommt in den letzten Band; aber erwähnenswert ist das Stichwort ״Balfour-Deklar a t i on“, wo von Cha i m We i zm an n selbst Charakter, Bedeutung und Vorgeschichte dieses für den Zionismus entscheidenden Dokuments überaus sachlich und objektiv dargelegt wird, ln das Gebiet der jüdischen Ideologie der Gegenwart schlagen Artikel wie Antisemitismus, Ass»iinilation, Autonomie, Anti Zionismus usw. Der Antisemitismus wird auch sehr geschickt behandelt: die Herausgeber haben für dieses kontroverse Thema zwei prominente Autoren aufgefordert, Arnold Zweig und den C.-V.-Mann Dr. Felix Goldmann. So bekommt man ein Bild, wie Zionisten und Assimilanten diese Frage beurteilen, und dies wird ergänzt durch eingehende Darstellung des Antisemitismus in den einzelnen Ländern. Durch hohe Sachlichkeit und ailseitige Beleuchtung zeichnen sich die Artikel Assimilation und Anti Zionismus aus, beide von H a n s K o h n. Wenn man in dem Buche blättert, wächst die Lust an der Aufzählung der wichtigen Stichwortc und Artikel. Wir müssen uns jedoch Beschränkung auferlegen und können daher nur noch den Artikel ״Ach ad Ha am“ von S. Rawidowicz, der das Wirken dieses bedeutendsten Kopfes der modernen jüdischen Renaissance in allen seinen Verzweigungen umreißt, lobend hervorheben. Die Einzelheiten des palästinensischen Lebens und des Zionismus sowie die Persönlichkeitea des modernen Judentums sind größtenteils sehr gut behandelt Nach unserer Meinung sind nur etwas zu viel Persönlichkeiten, deren Bedeutung wohl nur in der Tagespolitik liegt, in das Werk aufgenommen. Hier wäre eine Einschränkung nicht unangebracht. Die Herausgeber wollten wahrscheinlich gleichzeitig eine Art jüdischen ״Kürschner“ schaffen, eine Orientierungsmöglichkeit über die im jüdischen Leben der Gegenwart agierenden Personen. Wenn wir noch die langen Artikel über Amerika, Berlin (25 Spalten), Amsterdam, Alliance (von deren Sekretär), Berufs- Umschichtung, Bayern bloß nennen, so müssen wir damit unsere Betrachtung über die Gegenwartsfragen in dem Lexikon schließen und den Leser auf das Buch selbst verweisen, wo er mehr finden wird, als er ahnt. Nur ein Wort des Lobes noch über die prachtvolle Ausstattung und die ausgezeichnete Bilderreproduktion. Der jüdische Praktiker, der Lehrer, Rabbiner, Publizist und Politiker, darüber hinaus der nicht öffentlich tätige, aber interessierte Jude wird dem Verlag für dieses Werk dankbar sein. Und nun geben wir Herrn Dr. Wolfsberg das Wort. * Jüdisches Lexikon. Herausgegeben von Herlitz und Kirschner, Band I (A—C); Jüdischer Verlag, Berlin 1927. Jede Besprechung muß sich die Absichten und Ziele der Herausgeber vor Augen halten, wenn sie gerecht sein will. Verfährt man so gegenüber dem vorliegenden Werk, so kann man freudig anerkennen, daß der Plan im großen und ganzen gelangen ist: das enzyklopädische Handbuch des ״Jüdischen Verlags“ wird zahllosen Juden und Nicht jaden Belehrung und Anregung geben, wird aber selbst dem auf dem Gebiet jüdischer Wissenschaft Beheimateten als Nachschlagewerk Dienste leisten. Es liegt im Wesen einer sachlichen Rezension, daß sie nicht viele Worte macht und deshalb auch beim Lob nicht lange verweilt Ebenso aber ist es in der Sache begründet, daß kritische Bemerkungen und sachliche Ausstellungen viel mehr Raum einnehmen und ins Einzelne gehen. Ich möchte deshalb generell und summarisch voransfchicken, daß besondere, rühmende Erwähnung die Beiträge von Julius Guttmann (Rcligions- Philosophie), EI bogen (vor allem auf dem Gebiete der Geschichtedes Gottesdienst^)» L* AI |?Qsen thjtl 9«d M. Qphp V&dienen! <taß v׳öfzirglfcfife־Aufsitze beigesteüert sind, 'soll nicht verschwiegen werden. Anerkennung verdieuen Ausstattung und Bllderschrauck, der vielleicht etwas verschwenderisch bemessen und zuweilen etwas kritiklos ausgewählt ist. Was das Bild der Zentralratssitzung der Agudas Jisroel soll, Ist mir nicht verständlich; deren Kattowitzer Bild hätte schon Interesse, ist aber so chaotisch und unklar, daß man weder Personen erkennt noch einen Gesamteindruck hat. Der Artikel Berlin bringt gleichfalls einige Bilder, die durchaus hätten fehlen sollen. Man braucht nicht Reproduktionen von Synagogen, die architektonisch wenig bedeuten. Trotz der im Vorwort erörterten Schwierigkeit bin ich der Meinung, man hätte hinsichtlich Aufnahme und Fehlens von Artikeln gelegentlich besser beraten sein können. Warum Artikel wie Anatomie, Aderlaß (selbst als Stichwörter) fehlen, ist mir nicht verständlich. Auch Abbas ist ein zu Unrecht fehlendes Stichwort u. a. m. Mancher, der genannt wird, konnte fortbleiben, während man manchen vermißt. Neben seinen Söhnen Moses und Isaak hätte der verstorbene Selig Auerbach Platz verdient, desgleichen der Lemberger Rosen Bet-Din B r a u d e neben seinem Sohn Markus; jener gehört zu den bedeutendsten galizischen Rabbinern (aus Litauen stammend). Besonders bedauerlich ist, daß sie nicht einmal als Väter ihrer Söhne in den diesen gewidmeten Artikeln genannt werden. Demgegenüber ist die Aufnahme etwa M. Braunschweigers und einer Reihe Theaterkritiker nicht begreiflich; Breitbart und Barm a t werden auch schneller vergessen sein als bedeutende Gelehrte. Sicherlich war es aucli den Autoren sehr schmerzlich, gclegentlich sich zu einer Kürze zu verstehen, die mit dem Gegenstand kaum in Einklang zu bringen ist Einem Abraham i b n D a u d und Ascher b. J e c h i e 1 — um zwei herauszugreifen — muß eben mehr Raum zugestanden werden. Leider sind Reiigionsphilosophen und besonders Dezisoren von dieser Raumnot betroffen. Zu weit getrieben ist die Scheu vor Bezugnahme auf den Talmud. Dadurch werden Artikel zuweilen inhaltarm und unvollständig. Auch hierfür nur einige, durchaus der Erweiterung fähige Beisoiele: Nur selten wird das talmudische Material zu biblischen Gestalten gebracht; es fehlt z. B. bei Ahab, Araalek. Wo es gebracht wird, fehlt wesentliches, so bet Abner und Ahitofel. ln anderen Fällen scheint mir das Fortlassen der talmudischen Stellen noch auffallender. Warum ist bei einem Aufsatz wie ,Abrahams Schoß“ mit keinem Worte der talmudischen Stelle חיקו של אברהם (Kidduschin 72a) gedacht, die doch Gelegenheit gegeben hätte, die sich hieran knüpfende Streitfrage, ob die Todesstunde oder die Beschneidung gemeint ist, zu erwähnen! — Bezugnahme auf jüdische, besonders aucli alte Quellen, vermisse ich öfters. Beim Stichwort Abba (als nomen proprium und Titel) ist lediglich Strack-Billerbeck angegeben. Das wirkt doch grotesk, wenn man weiß, daß bei Frankei, Bacher und Büchler das Thema behandelt wird. R a b s liturgische Leistungen hätten ausführlicher behandelt werden sollen. — Bei R. Abbahu kommt nicht heraus, daß er die repräsentative Gestalt seiner Generation war. —■ Bei A b a j e wäre die Erwähnung von יע״ל קג״ם bei Gelegenheit der halachisehen Kontroversen mit Raba am Platz gewesen. Bei A f i - k o tn o n müßte die Stelle in Pessachim 119 b genannt werden. - Im Artikel R. Akiba kann die exegetische Methode דמי ומיעוט im Gegensatz zu R. Ismaels כלל ופרט nicht fehlen. Doch sind dies nur Mängel, die fast nie den Wert des Artikels in Frage stellen. Im Abschnitt Arbeitsverbot (am Sabbat usw.) wird die ungenügende Verwertung des mischnisehen und talmudischen Stoffes bedenklich. Die Melachot sind unsystematisch und unvollständig dargestellt, die Stellen gar nicht exakt zitiert. Auch hier wird unter Literatur kein jüdischer Autor gebracht; hier kann man doch auch die Theorien und Darstellungen orthodoxer Autoren nicht mit Stillschweigen übergehen. Anders liegen die Dinge bei einer an deren Gruppe von Artikeln. Es hätte auch hier mancher gewonnen, wenn das, was die mündliche Lehre beisteuert, mehr berücksichtigt worden wäre. Artikel Arbeit hatte als grundlegenden Gedanken erwähnen können: ובחרת בחיים-זו אומנות (j. Pea 1) und jenen anderen Satz, in dem aucli noch der erzieherische Wert des Handwerks gerühmt wird:בל שאינו מימדאת בנו אומגות כאלו מלמדו לסטות (Kidd. 29 a). ln ״Armut“ fehlen die Sentenzen, die eine Ueberwindung der allzu ernsten Bewertung materiellen Besitzes anbah!1 en:עשיר - עשיר בדעת» עני- עני בדעת u. a. m. — Mich wundert, daß die Abhandlung über B a t - K 01 nicht den Streit nvischen R. Elieser und R. Josua erwähnt, in dessen Verlauf iener eine Entscheidung־ vom Himmel fordert und dann tatsäehich eine R. K. zu seinen Gunsten spricht; da tat R. Josua den charakteristischen Ausspruch: Wir achten nicht auf eine Bat-Kol. Einige andere Anmerkungen: Unter B. H. Auerbach hätte der Eschkol-Strcit nicht ganz verschwiegen werden dürfen (ähnlich ist bei ״Bund Jüdischer Akademiker“ der Konflikt 1921 nicht expressis verbis erwähnt). Es wäre dann Gelegenheit gewesen, seines Gegners Schalom Albe c k 711 gedenken, dem gewiß ein eigener Abschnitt hätte zuteil werden müssen. משפחות סופרים und andere Arbeiten dieses Mannes können wohl neben den Arbeiten vieler im Lexikon erwähnten Männer bestehen. — Im Abschnitt ״Aussatz“ wäre ein Hinweis auf die Sünden (üble Nachrede, I Inzucht 11 sw.) angebracht gewesen, in deren Gefolge nach der jüdischen Lehrmeinung die Krankheit auftritt. — Bei Aegidius von Vit erbos fehlt seine Beziehung zu Reubeni und die Tatsache, daß er Reuehliu wirksam im Kampf gegen die Vernichtung hebräischer Bücher unterstützte. — Der Artikel NathanAdler (Kabbalist) ist sehr flüchtig und fehler• haft (vgl. den unlogischen Satz über den erneuten Bann). Weder werden Schüler von ihm genannt (unter ihnen war Chafam Sofer) noch Freunde wie Pinchas Horowitz. — Bei einer Reihe Chassidimrebbes hätte die fleißige Benutzung von Horodetzky sich empfohlen. Rosenheims Beitrag zur Ideologie der Agudas Jisroel wird die Agudisten, besonders im Osten, noch mehr überraschen als uns: zwei Rieh• tungen, eine biologisch (zum Teil im Anklang an Karl Joel!), die andere historisch-politisch (an Kant!) orientiert, haben sich herausgebildet, und dann folgt Isaac Breuers neueste Religions• Philosophie! Philosophen werden fragen: Was hat das mit Kant, alte fromme Juden: was hat das mit dem Judentum der Tradi• tion zu tun? Doch ich halte inne. Gerechterweise müßte man zwischen Mängeln der Redaktion und der Mitarbeiter zu unterscheiden suchen. Das ist natürlich nicht möglich. Das letzt angeführte Beispiel beweist insbesondere die Grenzen der Redaktion: da man Vertretern der politischen Richtungen aus Gründen der Unparteilichkeit selbst das Wort geben will, muß man entgegennehmen, was diese schreiben. Es möchte scheinen, daß die kritischen Anmerkungen sehr zahlreich sind. Das ist durchaus nicht der Fall. Es ließe sich noch viel hinzufiigen. Der Zweck der oben gegebenen Be• rnerkungen ist, manche Verbesserungen au zuregen. Daß solche kritischen Glossen möglich sind, liegt im Wesen der Arbeit. Die gekennzeichneten Mängel schmälern dennoch nicht das Werk und lassen das freundliche Urteil, das ich oben aussprach, durchaus zu. Ich möchte noch den guten Aufsatz über B i a 1 i k hervorheben, der nur eine kurze prägnante Charakteristik der dichterischen Individualität und Spezifität vermissen läßt. — Gut sind durchschnittlich Gegenwartsfragen, insbesondere die Palästina betreffenden, behandelt, ebenso Christentum, Aegypten (Alexandrien dagegen ist sehr zu kurz gekommen) usw.; umfassend ist der Antisemitis• JnJi s abgehandelt. --; ^^ntaJs׳;, ei« nüt4icb«s» : bmuehbares Handbuch »il viel Gelungenem. Es gibt gar viele, die aus ihm Belehrung schöpfen können. Ich bin überzeugt, daß die Erfahrungen des ersten Bandes den folgenden noch einigermaßen nützlich sein können. Dr. Oskar Wolfsberg. Dr. Armando Soraiii gestorben Rom, 10. Januar. (J.T. A.) Einen besonders schweren Verlust hat die italienische Judenheit durch den Tod des Rah• biners von Ferrara Dr. Armando Sorani erlitten. Sorani, ein Schüler des Collegio Rabbinico Ita’iano in Florenz, ausgebildet unter Prof. Margulies , Prof. Dr. Chajes und Prof. Dr. E1 b o g e n , war eine der stärksten Begabungen des italienisehen Rabbinates. Ihm verdankt das italienische Judentum eine klassische Nachdichtung Bialiks, hervorragende Ueber- Setzungen der Novellen von P e r e z sowie andere poetische Arbeiten, darunter eine wundervolle Uebertragung der Psalmen. Seine Bestattung fand unter Beteiligung der gesamten Staatliehen und städtischen Behörden statt. Der Erzbischof von Ferrara sprach der Gemeinde sein Beileid aus. Von Rabbinern waren die Oberrabbiner von Padua, Venedig, Verona, Bologna. Modena, Mantua und Parma anwesend. Am Grabe sprach das langjährige Mitglied des Zionistischen Aktions-Comites, der Präsident der Ferraresisehen Gemeinde Advokat Felre Ravenna, für die Zionistische Organisation Italiens Dr. G1 a ß. Ans dem Wiener zionistischen Lager Die Mandatare der zionistischen Partei im Wiener Kultusvorstand, Ing. Robert Stricker und Dr. Pia sch k es, haben ihre Mandate in der Kuitusgemeinde niedergelegt, als Protest gegen die Ablehnung des allgemeinen Wahlrechts. Die Wiener zionistische Parteileitung hat beschlossen, von einer Niederlegung der Mandate abz 11 sehen, so daß die beiden genannten Herren sich in Gegensatz zur Parteileitung gestellt haben. An Stelle der ausgeschiedenen zwei Herren sind die Herren Moses Rath und Sanel Baer, die auf der zionistischen Liste nachrücken, in den Vorstand eingetreten. Wir werden auf diese Angelegenheit noch zurückkommen. Das Schicksal der Bezaiel-Sclmlc Jerusalem, 2. Januar. (J. T. A.) Eine Abordnung der Schüler der vor kurzem geschlossenen Kunstschule ״Bezalel“ erschien bei Miß Henrietta S z o 1 d, Mitglied der Zionistisehen Exekutive, die das Bildungsresrort verwaltet, und sprach die Bitte aus, die eingestellte Subvention der Exekutive für die Schule auch weiter flüssig zu machen, damit die Schule wieder eröffnet werden könne. Miß Szold erwiderte, die Exekutive sei im gegenwärtigen Moment nicht in der Lage, eine Weiterzahlung der Subvention in Betracht zu ziehen. Das metrische System in Palästina Jerusalem, 5. Januar. (J. T. A.) Die Regierung hat üurcli eine Verordnung bekanntgegeben, daß von jetzt ab bei Maßen und Gewichten nur noch das metrische System offiziell Gültigkeit hat. Von den amtlichen Stellen wurde auch schon bis jetzt das metrische System anerkannt, doch haben sich die alten Maße und Gewichte, wie Dunam (919 qm) und Rotl (2.56 kg) in der Praxis erhalten.