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Jüdische Rundschau · 1928-01-10 · Heft 3 (10.1.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 3 (10.1.1928)
Date
1928-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3, 10. L 1828 JÜEUISCHE RÜNOSCHXÜ Sdte 10 Dos Drama des Gdud Von Helene Hanna Thon, Jerusalem. Narb der Balfour-Deklaration seiet die heroische Zeit des Zionismus ein: m Hunderten and zu Tausenden strömen die jungen Menschen ins Land, die mit ähren eigenen Händen die altneue Volksheimat aufbauen wollen. Von den Schulen und Hochschulen, aus den Fabriken und Büro«, aus der Geborgen* heit bürgerlicher Heime kommen sie und drängen sich, dabei zu sein bei der Eroberung des Landes für das eigene Volk. Vor den jugendlichen Geistern steht die Erfüllung in greifbarer Deutlichkeit: bald wird hier das alte Volk in neuer Jugend erstehen, mit neuen Gesellschaftsformen, von einer neuen Ethik durchdrungen. Schnell finden sie ihren Weg zum Gdud: hier ist das große Friedensheer, das nicht durch Kampf, sondern durch Arbeit zum Siege stürmt; Wer ist die Verwirklichung des Traumes von Gleichheit und Brüderlichkeit, der sich ihnen mit dem Traum der Voiksfreiheit unlöslich verknüpft Beglückt greifen sie nach jeder sieb bietenden Arbeitsmögliehkeit Wahrend die einen in Tel-Josef ihre Hände in den Acker des Heimatbodens graben, wenden sich die anderen dem Bau der Städte zu. Vor den Toren der Stadt Jerusalem liegt ein gewaltiges Brachfeld, auf dem bald ein großes jüdisches Stadtviertel entstehen soll — dort gibt die zionistische Leitung dem Arbdtsheer einen Platz zur Errichtung ihrer eigenen Siedlung — jener Siedlung, in der alle Ideale Verwirklichung finden sollen. Nun beginnen sie zu arbeiten, die auf dem Lande und die in der Stadt Freilich, die Arbeit bietet Schwierigkeiten, denn kaum ein einziger beherrscht die Technik der Acker- und Bauarbeit, viele Fehler werden gemacht, viele Verluste erlitten, viel Kraft unrationell vergeudet — was tut es? Bald wird man die Arbeit aus der Praxis heraus gelernt haben, und alles wird leichter gehen. Auch Im Innern der Wirtschaft gibt es Schwierigkeiten zu überwinden — auch hier fehlt die Erfahrung im Organisieren, im Haushalten. Aber hoffnungsfroh setzt man sich über alles hinweg;; man ist jung, ist stark, und ist die Gegeuwart schwer, so arbeitet man ja an der Schaffung einer besseren Zukunft. Und so herrscht in den leichten Baracken, die im Sommer heiß und fm Winter kalt sind, in den schlammigen engen Gassen des Gdud frohes Leben, und bis in den Morgen hinein hallt die große Speise- und Versatnmlungsbaracke wieder von Gesang und Im Tanze stampfenden Füßen. An Arbeit mangelt es nicht: auf dem großen Bauterrain werden breite, bequeme Straßen angelegt, das erste Wohnhaus wird begonnen, das zweite, das dritte — in rascher Folge entstehen die Straßen, Villen und Gärten des schönsten Jerusalemer Viertels: Rechawia. Ein großer Teil der Gdud-Mifglieder ist bei diesen Bauarbeiten beschäftigt. Nach einiger Zeit stellt sich bei vielen eine Unruhe ein — es war wohl ein Irrtum, daß man auf alle Kuitureinrichtungen verzichten, sie als bürgerliche Erfindung verspotten wollte und nur der Hände Arbeit leben. Man beginnt, sich nach geistigen Lebensinhalten zu sehnen. Die Leitung des Gdud versucht, dieser Sehnsucht gerecht zu werden: ein dramatischer Klub wird gegründet, eine lebendige Zeitung, ein Quartett — das bietet zeitweiliges Vergessen innerer Not. Bald zeigt sich, daß viele bei der produktiven Arbeit nicht mittun können: die körperlich zu Schwachen, etliche, die vor! .d« Malaria ergriffen wurden, ein«; Anzahl Pfauen, die keine passende Arbeit finden oder der Geburt ihres Kindes entgegensehen. Nachdem die Kinder geboren sind, verschärft sich die Schwierigkeit: in diesem Lande der Zukunft hängt alles von der zukünftigen Generation ab; sie muß gesund, stark und unbeschwert sein; für sie muß das Beste beschafft werden, damit sie nichts von der Not weiß, durch welche die Elteru hindurchgegangen sind. Während die Erwachsenen schmale Kost haben, während ihre Kleider ausgefahlt und zerrissen sind, fehlt tm Kinderhaus nichts an Nahrung, Kleidupg, Pflege. Das belastet schwer die ganze Gemeinschaft, so schwer, daß besonders die Kinderlosen zu murren beginnen. Die Eltern aber beginnen sich zu fragen, wie sie ihre Kinder an gesicherter Stelle im Lande wurzeln lassen können — und finden keine Antwort Unterdessen schließt sich in Rechawia Haus an Haus, und man kommt von Fern und Nah, um das ״eleganteste“ Viertel der Stadt zu sehen. Dann stockt die Bauarbdt, und viele, die bis dahin voll beschäftigt waren, sitzen untätig in den Baracken herum oder liegen, da es kalt und zugig tat und man die vom Winterregen durchnäßten Kleider nicht wechseln kann, auf dai Betten. Vergebens wendet man sich um Hilfe an die Zionistische Organisation — über sie ist die Katastrophe der vierten Alijah hereingebrochen, und sic ist außerstande, im früheren Ausmaß Arbeit und Hilfe zu beschaffen. Der immer kleiner werdende Teil der Arbeitenden muß nun eine ungeheure Last von Arbeitslosen, Kranken, arbeitefähigen Frauen und Kindern mit sich schleppen. Das Essen wird immer kärglicher, die leichten Baracken, die mau gehofft batte, bald gegen Häuser zu vertauschen, sind schon lange in einem unerträglich' baufälligen Zustaude. Die Kräfte der Arbeitenden lassen nach, die hundertmal enttäuschten Arbeit«־ losen verlieren den Mut zu immer neuem Suchen nach Arbeit. Viele liegen krank auf ihren Betten, viele nur zu mutlos, um sich zu erheben. Dem Glockenzeichen zur Mahlzeit folgt man nicht — wozu in dünnen Kleidern und zerrissenen Schuhen durch den knietiefen Schlamm und peitschenden Regen waten, um eine übel schmeckende Wassersuppe zu essen? Die Blicke der untätig Herumsitzenden fliegen wieder und wieder zu den schönen Häusern von Rechawia hinüber, die sie mit ihren Händen gebaut haben — da drinnen ist es warm und behaglich, die Tische sind voll von Schüsseln. — Im Lager gibt es einige, von denen man nie rpcht wußte, wie sie zum Zionismus und nach Erez-Israel gekommen sind; die beginnen lauter und lauter zu sagen, was sie früher nur im geheimen flüsterten: ״Seid ihr nicht Narren, daß ihr euch so an Phantome klammert? Für den Zionismus lebt ihr? ein schöner Zionisraus, der euch in seinen Propagandareden besingt und euch dabei verhungern läßt! Das Land des Kommunismus glaubt ihr hier zu errichten? und merkt nicht, daß der Kommunismus nur hier in diesen Schlammgassen herrscht, während drüben in den Häusern, die ihr gebaut habt, dasselbe Spießbürgertum sitzt, vor dem ihr aus Europa geflohen seid!“ je schwerer die Lage wird, desto mehr Genossen scharen sich um die Kritiker; auch von außen erhalten sie Zuzug — plötzlich ist da im Lager eine ganz große Gruppe entstanden, die spottend und drohend vom Zionismus, vom palästinensischen Kommunismus, vom Gdud spricht Verzweifelt setzen sich die ältesten und treuesten dev Genossen zur Wehr; sie kämpfen gegen diese Opposition, die da auf einmal - aus dunklen Quellen gespeist — erstand« Ist Tag und Nacht geht die Diskussion, geht der Streit Das Lager Ist in zwei Parteien gespalten, die sich mit einer täglich unerträglich werdenden Bitterkeit bekämpfen. Ehepaare, Geschwister, jahrelange Karneraden werden durch diesen Streit auseinandergerissen — die gestern noch für das gleiche Ziel kämpften, stehen sich heute als erbitterte Feinde gegenüber. Viele, denen das Leben in dieser erbitterten Atmosphäre unleidlich wird, gehen mit zerfrümmerten Idealen fort. Man fühlt, daß eine Entscheidung kommen muß. Eine Arbeiterversammlung wird einberufen, auf der man sich Rechenschaft über die Situation gibt. Es ist klar, daß nur einsclmeidende Maßnahmen Ruhe und Frieden bringen können, aber die erfordern übermenschliche Kraft, und 80 kommt es nur zu prinzipiellen Beschlüssen über eine Reform des Gdud: die fachliehe Arbeit soll mehr in den Vordergrund treten, und die Propaganda des Kommunismus soll über den eigenen Kreis hinaus in die Umwelt getragen werden. Wenige Wochen später ist alles wieder in chaotischem Zustand. Der oppositionelle Teil des Lagers tritt mit einer offenen Propaganda gegen den Zionismus auf, und es zeigt sich plötzlich, daß dieser ganze linke Flügel schon seit langem eine festgefügte — aus nur geahnten ausländischen Quellen finanzierte — Organisation besitzt. Diese Entdeckung wirkt vernichtend. Der Gdud spaltet sich in zwei einander hassende und bekämpfende Lager, viele ergreifen die Flucht, die bis dahin noch immer auf einen Ausgleich hoffende Leitung erkennt, daß es nichts anderes mehr zu tun gibt als Entfernung der Nichtzionisten aus dem zionistischen Gdud. Der Beschluß stößt auf Gegnerschaft; die Opposition erklärt niemals offiziell, daß sie gegen die Grundprinzipien des Gdud ist und den Zionismus zu untergraben beauftragt Ist, und selbst die Anhänger der Gdud-Leitung können es nicht dulden, daß man Menschen um ihrer privaten Anschauungen willen aus der Gemeinschaft entfernt. In den Dezembertagen 1926 hat der lefdensvolle Zustand seinen Höhepunkt erreicht; Infolge der Winterregen stockt die Bauarbeit, und wieder sitzt man arbeitslos in den Baracken. Diese, an denen man längst das zukunftsstrebende Interesse verloren hat, sind inzwischen fast unbrauchbar geworden. Die Gemeinschaft der treu zur Sache Haltenden fühlt sich in untragbarer Weise belastet durch die Arbeitsunfähigen der Gruppe ihrer ausgesprochenen Feinde. Noch macht die Leitung einige verzweifelte Versuche, das Interesse der Öffentlichkeit auf die katastrophale Lage hinzulenken, Hilfe bei den Leitern des Kolonlsationswesens zu suchen — aber nun rächt sich die frühere überlegene Exklusivität des Gdud: die Oeffentiichkeit geht an den Erscheinungen wie an der privaten Angelegenheit einer fremden Gruppe achtlos vorbei. Am 18. Dezember vollendet sich das Schicksal des Gdud: ein Teil der Genossen scheidet aus dem Gdud aus, der Rest spaltet sich in zwei voneinander unabhängige Gruppen. Ein schwerer Kampf entspinnt sich um den Besitz von Tel-Josef, wo die Gegner weit in der Ueberzahl sind. In Jerusalem beziehen zwei völlig voneinander getrennte Gruppen das neue, bessere Terrain, das der Jüdische Nationalfonds endlich dem Gdud zur Verfügung gestellt hat. In der einen Gruppe, die, welche mit unwandelbarer Treue und unerschüttertem Opfermut zum Gdud halten, dem Arbeitsheer des Zionismus, eines Zionismus, der den Einzelnen zur Gleichheit und Brüderlichkeit verpflichtet In der anderen Gruppe ein paar Agitatoren und eilt Haufeit von- Männern und Mädchen, die nirgendwo Arbeit und Zuflucht fanden und hier — faute de rnieux - Unterschlupf suchen. Nicht ungern sehen viele der Hausbesitzer in Rechawia die Arbeiter, die ihre Häuser gebaut haben, scheiden — aus dem Lager kommen ühlc Düfte, Fliegen und Lärm, und die verfallene Barackenstadt verunziert das schöne Stadtviertel. Auf dem neuen Terrain liegen nun zwei Feindeslager dicht beieinander — zwei völlig getrennte Wirtschaften. Und die treu Gebliebenen sehen mit verblutendem Herzen auf das Lager derer, die ihr Heiligstes zu vernichten gekommen sind und sehnen sich dem Tage entgegen, an dem das zionistische Werk wieder in seiner ganzen Kraft aufersteht und sie, das Heer der zur Befreiung des Volkes von politischer und seelischer Unfreihert Entschlossenen zur Arbeit ruft Der IfhrstahJ für JMdteeh % Jerusalem, 5. Januar. (J. T. A.) Der ״Gdud Megine Hasafah“ (Legion zum Schutze der hebräischen Sprache) hat einen Aufruf veröffentlicht, der sich in scharfer Form gegen den Plan der Errichtung eines Lehrstuhls für jiddische Sprache und Literatur an dem Institut für judaistische Studien der Hebräischen Universität zu Jerusalem wendet. Auch außerhalb der Kreise des ״Gdud“ äußert mau Unzufriedenheit mit dem Beschluß der Mainzer Tagung des Verwaltung«- rates des Instituts, die Stiftung eines amerikanisch-jüdischen Zeitungsherausgebers für Errichtung eines Lehrstuhls für Jiddisch anzunehmen. Man wendet ein, daß ein solcher Lehrstuhl die Position der hebräischen Sprache gefährden könne. (! —■ A. d. R.) Unter den Studierenden der Uni• versität macht sich eine Bewegung geltend, gegen die Erriebtemg des Jiddisch-Lehrstuhls mit allen Mitteln, auch denen des Streiks (!), anzukämpfen. (Wir haben uns zu dieser Sache bereits geäußert. — A. d. R.) Schikanen der UttdanpbehSrden Jerusalem, 23. Dezember. (J.T.A.) Herr S. Gordon, ein sechzigjähriger amerikanisch-jüdischer Bürger, und Gattin sind mit dem Dampfer ״Sinaia" als Passagiere erster Klasse und im Besitze von vorschriftsmäßigen Touristen Visen im Hafen von Jaffa eingetroffen. Der Immigratkmsbeamte untersagte ihnen aie Landung mit der Begründung, sie hätten sich auf dem Schiffe dahin ausgesproch en (!), sie würden unter Umständen dauernd in Palästina verbleiben und sich in diesem Falle nachträglich um eine dauernde Aufenthaltserlaubnis bewerben. Herr Gordon wies einen Scheck der Barclay’s Bank über £ 1848 und einen Barbetrag von £ 200 vor, aber auch dies half nicht, er und seine Gattin mußten auf dem Dampfer zurückbleiben. Der jüdische Oemeloderat von Haifa faßte einen Pro* testbeschluß gegen die Handlungsweise des Immigration«• beamten. Oie amerikanische Arbeiterschaft lür Palästina New York, 5. Januar. (J.T, A.) Bei einer zugunsten der Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft ht Palästina stattgefundenen Massenversammlung iüdischer Arbeiter New Yorks wurden?2000 Dollar gezeichnet, wovon 21000 Do!- lar in bar eingezaalt wurden. Die Versammlung übernahm die feierliche Verpflichtung, a’ljlhrllch 300000 Dollar für das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina aufzubringen. In der Versammlung sprachen der palästinensische Arbeiterführer Meremineky und prominente amerikanisch-jüdische Gewerkschaftsführer־ Ein Sechzigjäriger In diesen Tagen begeht Joseph Cowen seinen seebzigsten Geburtstag. Cowen ist einer von der alten Garde des Zionismus, einer der engsten Freunde und Mitarbeiter Herzig. Nicht viele aber aus jener Generation stehen 80 wie er auch heute noch in der vordersten Front der zionistischen Kämpfer. Sein ganzes Leben ist hingebungsvoller, selbstloser Dienst für die Idee, die durch den Eingriff Herzte sein Leben von Grund auf bestimmt hat. Wenige sind so wie er ein Symbol aonistischer Treue und Aufrichtigkeit. Cowen ist ein Zionist mit ganz jungem Herren, und sein Herz ist bei der Jugend, die mit dem Zionismus ernst macht, die heute das Land für das Volk aufbaut. Sein vornehmer und gerader Sinn hat wenig Sympathie für Zickzackwege, für die VerscliJungenheiten des politischen Lebens, die auch innerhalb des Zionismus das parlamentarische Getriebe mit sich bringt und oft die wirklichen Realitäten, um die es einzig geht, zurücktreten läßt. Auf den letzten Kcmgressen war Cowen ein betrübter Gast, der sich zurückgezogen hielt. Er empfand es schmerzlich, daß die Leidenschaft und Kleinlichkeit innerer Streitigkeiten eint׳ Konzentration der Kraft rar entscheidenden zionistischen Tat hemmte. Aber in seinem Herzen lebt und glüht das zionistische ideal. Gowens Verdienste um die Entwicklung des Zionismus in England sowie um die politische Führung der zionistischen Geschäfte sind auBerordent* lieh groß. Schon "zu Herzig Zeiten hat er aktiv an der Politik teilgenommen, er begleitete Herzl zum Sultan, er war dann insbesondere bei der Gründung der Finanziastitute tätig, ist bis heute Vorsitzender des Direktoriums des Jewish Colonial Trust, hat während des Krieges Weizmanns Bemühungen unterstützt, ist nach dem Kriege einer der aktivsten Mitarbeiter Weizmanns geworden. Obwohl er in der Vergangenheit (zur Wolfsohn-Zeit und später) als ein Führer der sogenannten ״politishcea“ Zionisten Weizmanns Antipode war, hat er sich später willig der überlegenen Staatskunst und Einsicht der Weizmannschen Politik gebeugt. Er, Herzls .,Joe“, ist auch Weizmanns Joe gewesen, nicht nur als politischer Mitarbeiter, sondern auch als treuer Freund und Genosse, durch seine menschlichen Vorzüge beiden Führern besonders nahe. Und die Zionisten niederen Grades, die ihm begegnet sind und mit ihm zu tun hatten, die die Reinheit seiner Gesinnung und die hinter der trockenen Maske des Gentleman verborgene wanne Menschlichkeit seines Wesens, die sein jüdisches Herz kennen, lieben diesen feinen, treuen und stillen Menschen, von dessen Art cs in der jüngeren Generation des Zionismus wenige geben dürfte, und beglückwünsch«! ihn herzlich zu diesem sechzigsten Geburtstag, und wünschen Ihn noch für lange Zeit tätig in unsem Reihen. R. W, Aoffsemlfismas in Sowjet-Rußland Die ״Kommunistische J ugend-Prawdt“. das Zentralorgan der kommunistischen Jugend Rußlands, ruft am Vorabend des Weihnachtsfestes In ihrer Nr. 293 zum Kampfe gegen den immer mehr um sich greifenden Antisemit!** mus auf. Sie konstatiert, daß diese schmachvolle Erscheinung festen Fuß gefaßt hat: in Fabriken, kommunistischen Zeilen, Schulen, ja selbst bei den roten Pionieren. Damit bestätigt sie eine bereits allgemein bekannte Tatsache. Die zahlreichen konkreten Fälle aber, die hier in aller Ausführlichkeit geschildert werden, beweisen, daß die antisemitische Infektion m die Arbeiter- und sonstigen Volksschichten gedrungen ist und die Sowjetbehörden in der Bekämpfung dieser Erscheinung ohnmächtig sind. Die Jugend-Prawda berichtet z. B.: ln Kalinkawitschi, in Weißrußland, gibt e* sieben Trupps roter Pioniere (acht- bis vierzehnjährige Kinder): drei waB־ russische, vier jüdische. In den letzten zwei Monaten sind zwei von den jüdischen Trupps aufgelöst worden. Die weißrasslschea Kinder haben sie einfach auseinandergejagt ln der ganzen Ukraine, behauptet die Notiz, gehe das Sprichwort um: Kann denn ein Jude Mitglied der kommunistischen Jugend sein? Ein jüdischer roter Pionier erzählt: Im Jahre 1925 wurde er hier Mitglied der Pionierorganisation an einer der Eisenbahnen. Gleich am ersten Tage bekam er das berüchtigte russische Schimpfwort ״Schid“ zu hören. Als er einige Zeit darauf das Verhältnis der Pioniere zu den jüdischen Mitgliedern zur Diskussion stellen weilte, wurde ihm abgewinkt. Dafür wurde aber eines Tages ein jüdischer Pionier angeblich wegen einer Schlägerci von dem Führer des Trupps nach Hause geschickt Hinterher rühmten sich die andern Knaben: ״Der Jankel hat aber tüchtig abbekommen“ — mit ״Jankel“ werden alle Juden bezeichnet. Nicht besser war es in der Schule. Auch eia anderer Korrespondent der ״Jugend-Prawda“ macht Mit* teilungen über den Antisemitismus in der Schule. Ein weiterer Korrespondent schildert die Verhältnisse in den Industriezentren der Ukraine. Hier gibt es fn den kommunistischen Jugendgruppen 50 bis 70 Juden. Trotzdem herrscht starker Antisemitismus und die kommunistischen Zellen in den Fabriken unternehmen nichts, um dagegen anrakämpfen. Mehr noch: die antisemitischen kommunistischen Jünglinge Infixieren auch die parteiiose Jugend mit Antisemitismus. Es wird berichtet, wie im Orte Konstantinowka ein Jude aus der Gewerkschaft der Metallarbeiter aus antisemitischen Gründen ausgeschlossen wurde. Im Gouvernement Brjansk geht das Gespenst des Beilis Prozesses um. Erst vor kurzem hat eine Gerichtsverhandlung stattgefunden, in der sich einige Antisemiten wegen falscher Anschuldigungen gegen einen siebzigjährigen Juden zu verantworten hatten: Sie hatten ihm einen Ritualmord an einem christlichen Knaben anhängen wollen. Ein ähnlicher Prozeß steht in kürzester Zeit bevor. Und was unternimmt die kommunistische Jugendorganisation, 11m diese Erscheinung zu bekämpfen? fragt der Verfasser der Notiz in ״Jung-Prawda“. Nicht das Geringste! So sieht es bei der kommunistischen Jugend aus. Nicht besser stehen die Dinge bei den erwachsenen Arbeitern, Charakteristisch ist aber ein Fall, der mit großer Ausführlichkeit geschildert wird. Der jüdische Bäckergeselle Sorkin ist trotz seiner neunzehn Jahre bereits seit sieben Jahren als Bäcker beschäftigt. Sein Bruder. Mitglied der kommunistischen Jugend, ist als Freiwilliger auf der polnischen Front fn den Sümpfen umgekommen. Sorkin begab sich nach Moskau, um hier Arbeit zu suchen. Endlich schickte ihn der Arbeitsnachweis in eine der städtischen Bäckereien. Er hatte erst kurze Zeit gearbeitet, da wurde er entlassen. Sorkin glaube den Grund darin zu sehen, daß er noch nicht Mitglied der Gewerkschaft war; seine dauernde Arbeitslosigkeit hatte ihn gehindert, ihr beizutreten. Er suchte um Aufnahme nach, wurde aber abgewiesen. Es ergab sich, daß Sorkin auf seine Anfrage hin, weshalb er nicht amgenommen worden sei, zur Antwort erhalten hatte: ״Fahrt nach Berditechew! Was hast du hier zu suchen?“ Ein alte! russischer Arbeiter traf den Nage! auf den Kopf, als er der Verbandsleiturig folgendes sagte.״ ״Ihr Feiglinge, ich habe euch schon auf der Betriebsratssitzung gesagt und wiederhole es fetzt: Wenn Sorkin kein Jude war’, hättet ihr ihn in den Verband aufgenommen.“ Ein anderer Fall spielt in Leningrad. Im April 1927 trat das Mitglied der kommunistischen Jugend, der Jude Machlin, als Arbeiter in die Färberei der Fabrik ״Gosadministrazija“ ein. Hier wurde er zum Gegenstand der blödesten Späße seitens dreier anderer Arbeiter; darunter befand sich einer, der gleichfalls Mitglied der kommunistischen Jugend war. Immer wieder bekam er zu hören: ״Du jüdische Schnauze“, ״Warte nur. bald weiden wir die Juden hängen־“. Eines Tages gossen sie kaltes Wasser in seihe Milch. Als Machtin Magenkolik bekam, buchten sk ihn in einen Bottich mit heiße® Wasser, in dem

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