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Jüdische Rundschau · 1928-01-10 · Heft 3 (10.1.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 3 (10.1.1928)
Date
1928-01-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 16 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3» JO. 1.1928 darstelit, isf man tatsächlich außerstande, wirklich einsehneielende Mittel gegenüber dem randalierenden studentischen Mob 711־ ergreifen. So stehen also die Juden der rumänischen Regierung frei der Durchführung ihrer Pläne im Wege. Es ist wenigstens für den Moment, da Rumänien sich anschickt, im Ausland« Anlciheif^aufzunchmen, kein Zweifel, daß die Vorgänge in Transsylvanien, daß die Ermordung des Studenten Fallik in Czerncnvitz, daß die Schändung jüdischer Gotteshäuser und Friedhöfe und die Plünderung jüdischer Geschäfte und die darauf folgenden ganzen oder halben Freisprüche der Exzedenten durch die Gerichte der rumänischen Regierung sehr ungelegen kommen. Sie ist aber mit allen Mitteln drauf und dran, einen eigenen Bürgerstand zu entwickeln, und Angehörige der freien Berufe aus den eigenen Reihen heranzubilden. Die Juden sind seit jeher für diese freien Berufe, als Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Kaufleute, Unteritchmer und dergl. durch ihre ganze Entwicklung prädestiniert. Sie sind also in ihrer Gesamtheit ein Hindernis für die Absichten des rumänischen Regimes. Angesichts dieser Sachläge würde auch das größte Wohlwollen, auch wenn es vorhanden wäre, prinzipiell nicht viel nützen. Der Konkurrenzkampf mußte ausgetragen werden, allerdings nicht in dieser grauenhaften Weise, wie es jetzt geschieht. Aehnliche Vorgänge wie in Rumänien sind im übrigen in allen Ländern zu beobachten. Die Juden werden überall als Konkurrenz empfunden, und da sie nicht so anonym sind, wie die konkurrierenden Elemente des eigenen Volkes, sondern wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer scharf umgrenzten und unterscheidbaren Gemeinschaft leicht erruiert werden können, wendet sich der Konkurrenzhaß und Wirtschafteneid gegen sie in antisemitischen Formen, die im übrigen einen eisernen Bestandteil altgewohnter Gebräuche hinsichtlich der Juden in allen Ländern darstellen. Es handelt sich geraden! um einen automatisch vor sich gehenden Prozeß der Verdrängung der Juden aus den verschiedensten Bezirken politischer, vvirtschaftlicher und kultureller Betätigung. Wo die Juden in geringer Anzahl vorhanden sind, manifestiert sich dieser Prozeß nicht in schroffer Weise. Wo sie aber in größerer Zahl leben, nimmt dieser Judenhaß grauenhafte unkultivierte und mittelalterliche Formen an. Dieser Erklärungsversuch ist keineswegs eine Entschuldigtmg für die Ausschreitungen in Rumänien oder in anderen Ländern. Es Ist aber gut, wenn man sich über diese Dinge klar wird, denn dahinter verbirgt sich nichts anderes als das, was man ״G o 1 u s" nennt. Dieser ist die Hauptursache für alle derartigen Vorkommnisse, wie sie sich zuletzt in einer die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erregenden Weise in Rumänien abgespielt haben, und die heute unsere schärfste und zielbewußte Abwehr erfordern. M. W. Zionistische Tagungen Probleme des Mlsrachl. — Jabotlnskys Programm. Von unserem polnischen Korrespondenten. —g. Warschau, Anfang Januar. Die Ferientage Ende Dezember wurden hier von den zionistischen und anderen jüdischen Organisationen sehr intensiv ausgenützt Es fanden gleichzeitig Landeskonferenzen des Tarbuth (über die wir nächstens ausführlich berichten werden), des Misrachi, des revisionistischen Jugendbundes ״Brith Trumpeldor“ und der Zionisten-Revis i o n iI s t e n Polens statt Die Misrachibewegung in Polen leidet, wie es bei der Konferenz offen zutage trat und allseits zugegeben wurde, an derselben ״Krankheit“ wie andere zionistische Parfeien. Der Misrachigedanke zählt verhältnismäßig viele Anhinger, von Gelegenheit zu Gelegenheit (meistens sind es Wahlaktionen) offenbart sich eine ziffermäßig nicht unbedeutende Kraft, aber von einer intensiven, schlagkräftigen Misrachiorganisation kann in Polen kaum gesprochen werden. Der_ Vorsitzende des polnischen Misrachi, fl. Färbst ein, erklärte, daß z. B. in Warschau tausende Anhänger der Misrachi-ldee sich befinden, aber von einer Misraduorganisation in der Hauptstadt keine Spur vorhanden sei. In Lublin z. B״ wo der Misrachi im letzten Jahre 800 Schekallm verkaufte, nahmen nur 29 aktive Misrachimitglieder bei der Kongreöwahl AntefL Die Ursachen dieser traurigen Erscheinung liegen, wie die Berichterstatter auf der Tagung betonten, in Mängeln des organisatorischen Apparates. Es fehlen im Zentrum sich ganz der Organisation widmende Männer, es fehlt in der Provinz das Verständnis für den Ausbau der Partei. Auf noch einen Umstand hat H. Farbstein in seiner Eröffnungsrede hingewiesen: der polnische Misrachi leidet vielleicht am stärksten unter den Aaswirkungen der vierien Alijah und ihrer Mißerfolge. Damals hat sich der Misrachi — bemerkt H. Farbstein -- zu Bode 11 kaufen in Palästina verleiten lassen, infolge der bekannten inzwischen eingetretenen Umstände war es dem Misrachi unmöglich, allen seinen diesbezüglichen Verpflichtungen nachzukommcn; che Oeffentlichkeit zeigte Mißtrauen und da bis heute die Angelegenheit dieser Bodenkäufe nicht erledigt ist, sind die Konsequenzen überaus spürbar. Von dem von H. Nissen bäum in seinem schönen Referate formulierten Ziele des Misrachi, ״das religiöse Judentum in die Reihen der Zionistischen Organisation“ einzubeziehen — ist die Bewegung in Polen leider noch weit entfernt. Es ist vom allgemeinen zionistischen Standpunkt mir /u wünschen, daß es der neugewählten Leitung gelinge, breite Massen des religiösen Judentums in Polen für die zionistische Idee und Organisation zu gewinnen. Ein interessantes Problem kam wahrend der letzten Misrachitagung in Warschau zur Sprache: das Verhältnis zur Misrachi jugend. Sowohl die alte misraehistische Garde als auch die Vertreter der ״Zeirei Hamisraehi“ äußerten sich sehr ausführlich zu diesem Thema. Die alten Führer beklagten sich, daß die misraehistische fugend (organisiert in ״Zeirei Hamisraehi“) mit den Aelteren nicht mitarbeite, die Vertreter der Jugend dagegen machten den älteren Genassen Vorwürfe, daß sie die misraehistische Jugendbeweg׳ ״!.׳ falsch beurteile. H. Neufeld, der -Syrerin! der tun• \ machte geltend, die Zeirei Hamisrachibewegung sei als eine spezifische ideologische Bewegung zu betrachten die auf den Grundsätzen von ״Thora we’ Awodah“ beruhe Die ״allgemeinen Misrachisten“ (eine charakteristische Be- Zeichnung seitens des Vertreters dieser lugendorganisation) aber meinen es nicht ernst mit dem Prinzip der Arbeit, welche nur von den Zeirei Hamisraehi, den religiösen Chaluzim in Palästina, verwirklicht wird. Man sieht, es gibt hier eine interessante ideologische Parallele zu den Vorgängen im allgemeinen zionistischen Lager. * Die Einberufung der Revisionisteutagungen im gegenwärtigen Augenblick war wohl weniger eine organisatorische Notwendigkeit, als eine Gelegenheit mit Jabotinsky, welcher zur Tarbuth-Konferenz eingeladen wurde zusammenzukommen und mit dem Führer Programm und Taktik der Organisation zu besprechen. Während dieser schwachbesuchten Tagung und in einem öffentlichen Vortrage hörte man von Jabotinsky manche Töne und Sätze, welche eine neue Ergänzung seiner bekannten Gedankengänge bilden. Insbesondere äußerte sich Jabotinsky zur Lage des Zionismus nach dem Kongresse. Jabotinsky meint, die gesamte Bewegung nähere sich letztens dem Revisionismus, dessen erste zwei wichtigsten Programmpunkte — Kritik der Mandatarmacht, Auffassung der Kolonisation als Regierungsaufgabe — bereits Gemeineigentum des gesamten Zionismus mit kleinen Ausnahmen bilden. Die ״Wahrheit“ des Revisionismus habe gesiegt. Bald wird schon der Zeitpunkt für den Sieg des Legionsgedankens kommen. Es ist ein Irrtum, erklärt Jabotinsky, daß dieser Punkt von den Revisionisten fallen gelassen sei. Diese halten weiter die Legionsidee aufrecht. Nur der, welcher an diese Idee glaubt, ist laut Jabotinsky ein richtiger Zionist. ״Sonst scheiden sich unsere Wege.“ Dieses Problem Ist gegenwärtig in Palästina genau so aktuell, wie vordem. Ja, eine Kampfbereite Erziehung der jüdischen Jugend auf der ganzen Welt hält Jabotinsky für die größte und unerbittlichste Notwendigkeit. Die bestehenden jüdischen Sportvereine erfülle» ihre eigentliche Pflicht nicht. Gegen alle diese ״halben“ Organisationen ruft Jabotinsky seine Anhänger zu einem heiligen Kampfe auf. Für den nächsten Winter schon, verspricht Jabotinsky eine Ueberraschung auf diesem Gebiete. Zwischen der Gestalt des mit seinem Gewehr für das Vaterland sterbenden Trumpeldor und dem Revisionismus soll ein faktischer Zusammenhang geschaffen werden. Uebcr C h a 1 u z i u 111 und das soziale Problem wurde diesmal Jabotinsky mehrere Male gezwungen, sich zu äußern. Jabotinsky begreift das Chaluzideal im weitesten Sinne und dieses ideal stellt er der von den Revisionisten zu erziehenden neuen Jugend. Nicht die Arbeit sei beim Chaluz die 1 lauptsachc, sondern die unbedingte und blinde Opferbereitschaft für* alles,' was in Pa- Eistina dem aufzubauenden Vaterlande dienen kann. Der Chaluz ist nach Jabotinskvs Auffassung der tragische Akteur in den Händen des allmächtigen Regisseurs auf der Bühne Palästinas. Fiir soziale Experimente sei die Zeit noch nicht gekommen. Zuerst müssen wir ein Territorium besitzen und dort uns ein Laboratorium eiurichten, wo wir ungehindert werden experi* mcntiereii können. Dieses Laboratorium für den zukünftigen Experimentator hat eben heute der Chaluz unter allen Umständen zu bauen. Jabotinsky spricht sich scharf gegen den Klassenk a m p f in Palästina aus. Als Lösung der sozialen Konflikte sieht Jabotinsky, was von anderer Seite schon vorgeschlagen wurde, obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit. Uebrigens verspricht Jabotinsky für die nächste Zeit die Veröffentlichung eines revisionistischen ökonomischen Programms, das ״genau so stark, logisch und stolz“ sein soll, wie das politische. Die Stimmung in England für den Zionimus und die Beziehung seitens der Regierung haben sich letztens gebessert, nicht zuletzt dank der Propaganda der Revisionisten, aber — erklärt Jabotinsky - die gegenwärtige Exekutive sowohl in London, als auch in Jerusalem, könne und werde diese günstige Situation nicht ausnützen, sie werde noch mehr Schaden bringen. Sie sei für eine fruchtbare Tätigkeit völlig ungeeignet. Die letzten Schritte der Exekutive in Palästina bewiesen dies am besten. Es wird nicht konsolidiert, wohl aber ״grob“ liciyidiert. Schuld daran trägt vor allem diejenfge Persönlichkeit, welche jeder zionistischen Erfahrung und Tradition: entbehre und uns eine״ Vorgeschmack der erweiterten ״Jewish Agencv“ gibt. Dieser Exekutive, erklärt Jabotinsky, stehen die Revisionisten genau so ablehnend gegenüber wie vor sechs Monaten. Man solle ja nicht glauben, meint Jabotinsky, die Revisionisten seien zu Kompromissen bereit. Die Kongreßreden labotinskys wurden falsch kommentiert. ״Es gibt für uns keinen gemeinsamen Tisch. Wir werden hineingehen, wenn jene hinausgehen werden. Wir kämpfen dafür, daß die gesamte heutige Leitung in allen Instanzen zurücktritt und dann übernehmen wir die Macht, die wir auch mit unseren besten Freunden nicht werden feilen können.“ ״Jawohl, wir sind, endete Jabotinsky diese seine Ausführungen, nach den Worten unseres geschätzten Gegners Dr. Thon - die Kronprätendenten des Zionismus.“ Allerdings muß bemerkt werden, daß Dr. Thon diese Bezeichnung vor einem Jahre in Krakau ironisch machte. . , . Brie! ans Riga Wiederbelebung der zionistischen Arbeit. Riga, den 2. Januar 1928. Der kurze Aufenthalt Felix Rosenblüths in Riga gab den Anstoß zu einer regen zionistischen Arbeit tu unserer Stadt. Rosenblüth erzielte vor allem das Einverständnis aller zionistisehen Gruppen, eine territoriale Arbeitsgemeinschaft zu schaffen und ermutigte die Kreise unserer ganz außer Tätigkeit befindliehen Landesorganisation, die Arbeit wieder aufzunehmen. Mitte Dezember traf Dr. Werner Bloch in Riga ein. Vor ihm steht eine aufkrordnetlich schwierige Aufgabe. Es wird viel Mühe kosten, die organisatorischen Zustände einigermaßen zu ordnen. Jetzt finden allwöchentlich interne Veranstaltungen der allgemeinen Zionisten statt. Am vorigen Donnerstag sprach Dr. Bloch im engen Kreise der allgemeinen Zionisten über Palästinaaufbau und die nächsten Perspektiven und hob die Bedeutung einer starken Zionistischen Organisation hervor. Es ist gelungen, einen Kreis zu schaffen, der einen organisatorischen Kern bilden soll. Dr. Bloch berief eine Sitzung von Vertretern der Fraktionen und ( irunpeu zwecks Konstituierung der territorialen Arbeitsgetneinschaft ein. Es wurde beschlossen, die praktische Paiästina- sowie auch die Propagandaarbeit gegenüber der nicht- und antizionistischen Welt zu koordinieren. Die einzelnen Gruppen entsenden in das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft folgende Personen: Rabb. M. Nurack (Mitglied des A.-C.-Misrachi), Ing. Benjamin (allg. Zionisten). Dr. J. Hofftnann (Revisionisten), Krupkin (Z. Z.) und J. Sehles (Z.S.). Eh־. J. Hellmann isf ersucht worden, ein Referat über das Wesen und die Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft zu halten. Die Arbeits- ״emeinschaft ist bereits mit einer Veranstaltung an die Oeffentlichkeit getreten. Dr. W. Bloch sprach vor überfülltem Saale über das gegenwärtige und zukünftige Palästina. Er rechnete scharf mit den antlzionistischen Kritikern ab und forderte zur energischen Mitarbeit am Aufbauwerke auf. EHe interessanten und fesselnden Ausführungen fanden einmütige Zustimmung. In der vorigen Woche tagte in Riga die Landeskonferenz der Zeire-Zion-Hitachduth. Auf der Tagesordnung standen Palästinafragen und Fragen der Landespolitik. Das A.-C.-Mitglied Dr. J, Hellmann befürwortete in seinem Palästinareferafe die Vereinigung der beiden palästinensischen Arbeiterparteien und begrüßte die Schaffung der Arbeitsgemeinschaft. Dementsprechende Resolutionen wurden von der Konferenz angenommen. Als neuer Leiter des Keren Hajessod in Lettland ist vor einigen Tagen Herr Gottesmann (Lemberg) in Riga eingetroffen. Benzton Awi wL Trauerfeier für Chajes und Temkin Die Zionistische Vereinigung für Deutschland und die Berliner Zionistische Vereinigung veranstalteten am Sonntag, den 8. Januar, vormittags )1 >/j Uhr, im Logenhaus, Kleist- Straße 10, eine Trauerfeier für die vor kurzem verstorbenen hervorragenden Führer der zionistischen Bewegung, Oberrabbiner Professor Chajes und Wladimir Tetnkin. Der Saal war überfüllt. Nach einem auf der Orgel vorgetragenen Trauerpsalm bestieg Kurt Blumenfeld, der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die schwarz umflorte Tribüne und leitete die Trauerfeier mit einer Ansprache ein. Früher — $0 führte er ans — waren wir überrascht, wenn ein Zionist starb, jetzt haben wir seit Herzl schon eine große Zahl von Toten. Menschen der verschiedensten Art, die aus verschiedensten Voraussetzungen zum Zionismus gekommen sind, und deren Leben nun abgeschlossen vor uns liegt, sind ein Sinnbild für die Einheit, die einigende Kraft der Bewegung. Ein altes Wort sagt, daß die Thora in siebzig Sprachen gedacht wird, so ist es auch mit dem Zionismus, der die verschiedensten Menschen in seinen Bann zieht und sie eint durch c i n Ziel. Unser Problem liegt darin, daß diese Mannigfaltigkeit in Palästina auch zu einer konkreten Einheit wird. Das wirkliche Verständnis aber für die inneren Konflikte unserer Menschen Ist von stärkster bewegender Kraft für unseren Zionismus, ln diesem Sinne betrachtet der Redner auch die beiden jüngst dahingeschiedenen Führer. Er zeigt in längeren Ausführungen die Dialektik des inneren Prozesses, wie Chajes, der zur Wissenschaft und stillen Ge- Ichrtenarbeit Berufene, der Volkssache zu dienen gezwungen ist, weil er glaubt, daß das Volk ihu braucht und darum in seiner wirklichen Entscheidung ihm die zionistische Tat wichtiger war als andere Arbeiten. Temkin, der einst eine große MitteIpunktfigur war, ist in den schwierigen äußern Konflikten des Lebens, in seinem doppelten Golus, doch bis zum Schluß der Bewegung treu geblieben. Die Gedenkfeier für unsere Toten sind für uns neue Formen zionistischer Veranstaltungen, indem wir durch einen Blick auf das Leben dieser vorn Zionismus zutiefst Ergriffenen unsere Idee neu erleben. So fühlen wir im Gedenken an unsere Toten, die die Zeugen für die Unbesiegbarkeit unserer Idee sind, neu die Verpflichtung, unerschütterlich für die Erneuerung unseres Volkes, für Palästina zu arbeiten. Der Redner gedachte zum Schluß noch des vor wenigen Tagen verstorbenen Vorsitzenden des österreichischen Keren Hajessod, Länderbankdirektor Ep 1 er, der der Sache Palästinas mit Tatkraft und Ergebenheit diente. Professor I. E 1 bogen gab eine Charakteristik des Oelehrten und Menschen Chajes, mit dem ihu eine 25jä!1rige Freundschaft verband. Der Redner schilderte Chajes’ wissenschaftliches Wirken und seine Bedeutung für die Erweckung der hebräischen Kultur. Dr. Bernhard Kahn, der Leiter des Europa-Werkes des Joint Distribution Committee, zeichnete ein Kid des großen sozialen Fürsorgers Chajes, mit dem er in Wien das jüdische Rettungswerk eingeleitet hat Chajes ist es zu danken, daß vom österreichischen Judentum das schlimmste abgewendet worden war, daß die sozialen und kulturellen Institutionen erhalten wurden, ja sich durch seine Initiative vermehren konnten. Er, der große Kanzelredner und Gelehrte von Weltbedeutung, entfaltete seine eigentliche Persönlichkeit Im sozialen Wirken, wo er sie selbst immer wieder verschenkte. Er gehört nicht aBeitt Oesterreich, er gehört dem jüdischen Volke- Zum Schluß gedachte Dr, Kahn auch des Wirkens Temfclns Tm jftdjsepeti sozialen Hilfswterk. Dozent Dr. Torczyner (hebräisch sprechend) zeichnet ein Bild des vorbildlich hebräischen Gelehrten Chajes und charaktcrisiertc sein Wirken und seinen Einfluß in den einzelnen jüdisehen Wissensgebieten. Sein Geist umspannte das jüdische Leben bis in seine weitesten Verzweigungen, bis zu den Jemeniten und Falaschas. Er war eine zentrale Figur der jüdischen Renaissance, als Mensch und als Jude beispielgebend. Dr. Julius Brutzkus (jiddisch) schilderte den schönen, stolzen, aber auch tragischen Lebenslauf des Führers der russischeu Judcnheit Wladimir Temkiu. Einen schweren Weg hat das russische Judentum zu gehen, schwer war auch der Weg Wladimir Temkins, aber stolz und in Schönheit Ist er diesen Weg gegangen. Sein Ziel war: die Heimat für das jüdische Volk. Bis zuletzt diente er mit ungebrochenem Willen, wenn auch mit gebrochener physischer Kraft der zionistischen Bewegung. E»er Präsident des Verbandes russischer Juden, Staatsrat Dr. Jacob Teitel, der russisch sprach, würdigte die großen Verdienste von Professor Chajes und W. Temlqn um jene Teile des russischen Judentums, deren Schicksal sie in fremde Länder trieb. Redakteur J. KI in off, ein engerer Parteigenosse Temkins, gab ein eindrucksvolles Bild des Kämpfers und Mensehen Temkin, der nach dem Kriege die Konzentrationslager und Gefängnisse Rumäniens, wo russisch-jüdische Flüchtlinge in Massen schmachteten, besuchte und dessen bloßes Erscheinen genügt Hat, den Unglücklichen Trost zu bringen. Der Redner umriß Temkins Rolfe innerhalb der zionistischen Opposition. Als letzter Redner gedachte Dr. Alfred Klee des unge-!!euren Verlustes, den das Judentum durch den Hingang zweier großer und edler Persönlichkeiten erlitten hat Es sei schwer, ini Rahmen eines Trauervormittags den ganzen Reichtum von Menschen wie Chajes und Temkin zu kennzeichnen. Chajes repräsentierte ein Königtum an Milde und Güte, Temkin wirkte königlich als Führer im Kampf. Nicht umsonst sprachen die Araber, als er vor Jahrzehnten zum erstenmal Palästina besucht hat, von ihm als dem ״König der Juden“. Beide starben sie an der ״zionistischen Krankheit“, dem Herzen. In Chajes und Temkin kristallisierte sieb die Disharmonie des jüdischen Lebens zur Harmonie. Die Führer der Zionistischen Bewegung, die zu deren Beginn an der Spitze standen, gehen nacheinander ah. ln uns aber lebt die Gewißheit, daß die jüdische Jugend die gleichen Wege gehen wird in dem Bewußtsein der Pflicht: keine Stunde ohne jüdischen Gedanken, kein Tag ohne jüdische Tat. Der Dichter Bialik sprach von unserer Zeit als der ״letzten in der Gallith“ und der ״ersten in der Geulah“. So soll es sein,ו Mit dem Vortrag des ״El Mole rachamim“ durch Oberkantor Lewandowski schloß stimmungsvoll die Trauerveranstaltung. Beschlüsse des Zealrairates der Agadas JisrocJ Der Zentralrat der Weltorganisation Agudas Jisroel, der in Berlin eine Tagung abhielt, bat u. afolgende Beschlüsse gefaßt: Protest gegen die Greuel in Rumänien; die K e n e ss io Gedaulo wird 1928 einberufen; ferner zur Frage der Gemeindebildung in Palästina: Der Zentralrat spricht der palästinensischen Agudas Jisroel, dem Waad Flair Aschkenasi und insbesondere ihrem Oberhaupt, Rabbi Chaim Sonnen feld, den wärmsten Dank aus für den in jahrelangem, schweren Ringen erfolgreich durchf'“ aus, daß die selbständigen orthodoxen Lokalgemeinden im heiligen Lande elnheiüicne seien und alle orthodoxen Juden umfassen, die aus religiösen Bedenken dem Waad Leumf nicht angehören wollen,

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