Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1928)
- Date
- 1928-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,30 Goldmazk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion and Verlag Berlin W 15, Melaekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5.25 Goldmark■ AualiBdoaboanemant» warden io der Wälinm! der «imelnra Under Urertujtt Nummer 3 Berlin, 10, L1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b, H.. Berlin W15, Mcinckestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 71&5—70. Axu1kig«f)f1T«i9'-3^*1paNJ^oop«rcd)e;e>.Ue öt^0G־'M,St(*lleugesttdb* 0,25 0.* M Ae^4H$e«8cbinfli Dienstag מ גי d Freitag nacbotiitag* 4 Uhr. Telephon; Bismarck 716570׳״. Postscheckkonto; Berlin Nr. 17392 Für OnstarreJcb! Po*Upaj׳ka*s«tJaral Wien, Kooio זא. Für TucbacboafowakciJ PosUparka«»eoamt Prag, tConio Nr. 59 410. Für Polen 1 Fosisparkmscaimt Warschau, Knoto Nr.!90708, Kodak tionssekluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. וי//ז סבח׳ תיס״ח XXXIII. Jahrg. Dar Zionismus orstrobt IQr das Jüdisch• Volte dl# Schäftung olwor SWonIHch . rachtllch goskhorton Woimstitte in «*aiistlna. ״Basoler Programm.«» Die Wirtschaftslage in Palästina Ein Bericht der Palästina ־ Regierung Jerusalem, 2. Januar. (J. T. A.) Die Regierung Palastinas hat soeben einen Bericht über die Wirtschaftslage des Landes in dem Vierteljahr Juli-Augrist-September 1927 herausgegeben. Es wird zunächst festgestellt, daß in der Landes HandclskeincBcsserung zu verzeichnet! sei; die finanzicllc Depression werde scharf empfunden, die Warenimporte nehmen ab. Dagegen hat im Ausfuhrmarktcine Besserung Platz gegriffen. Die Getreideausfuhrsaison begann zu früher Jahreszeit, im Juli, und die für die Ausfuhr verfügbare Getreidemenge Stand über dem Durchschnitt Rückgänge in dem Getreideexport aus Syrien haben es mit sich gebracht daß der Transithandel von Haifa über Beirut ging. Die A r b c i t s - bedingungen in Jerusalem und Haifa haben sich merklich gebessert, in Tel-Awiw aber ist die Arbeitslosigkeit noch groß. ln der Landwirtschaft, heißt cs in dem Bericht weiter, haben die günstigen Umstände, unter denen die Saison namentlich für Sommergetreide begonnen hatte, angehalten. Trotz Perioden von abnorm hoher Temperatur gcdich das Getreide vorzüglich; Ostwindc, die oft die Wohltat des Spätregens illusorisch machen, b'ieben aus; Pflanzfnkrankheiten und Insektenplagen machten sich weniger als gcwöhn’ich bemerkbar. In den Methoden und in der Praxis der Landwirtschalt war überhaupt eine bemerkenswerte Besserung eingetreten. Die Mais-Kulturen haben zugenommen; Ernte und Qualität waren ausgezeichnet. Auch die Ernte in Hirse war außergewöhnlich gut, Sesam gab überall ein außergewöhnlich gutes Erträgnis; in den nördlichen Gebieten war die Scsamcrnte t(ie beste der letzten drei Jahrzehnte. Die Tabakzucht hat besonders im Süden, wo Boden und Klima nicht besonders günstig für sie sind, abgenommen. Nach Norden zu waren Ernte und Qualität immer besser. Glänzend war die Ernte in Grapefrucht, die immer mehr kultiviert wird. Die Melonenernte war diesmal die beste seit je. Die Olivenernte verspricht sehr gut zu werden, eine Ausnahme macht der Akko Distrikt, wo die Olivenpiücke Schaden verursacht hat. Die Bananenernte verspricht sehr gut zu werden. Die Zitrone bat durch rauhes Wetter Schaden gelitten, dennoch hat sich. die. Frucht zufriedenstellend entwickelt Man erwartet ein fiu* Produktion. Einschränkend muß bemerkt werden, daß das Gutachten des Reichsmarktiat/6* . hirrkhtii'h. der ■ Ab&atzroöglkhkeit auf den britischen Märkten nicht• sehr günstig ■lautet Es wurde deshalb mit dem Rekhsmarktrat eine Verbindung hergestellt, um ein Verhältnis zwischen Produktion und Absatzmöglichkeit zu schaffen. Der Reichsmarktrat (Empire Marketing Board) verfolgt mit Interesse die landwirtecnafriche Entwicklang in Palästina hinsichtlich der Möglichkeit der Belieferung der Märkte des Vereinigten Königreiches und ist bereit, mit gartenbaulichem Rat zu dienen. Eingeführt wurden Waren, ausschließlich Metallgeld und ungemünztes Metall, im Werte von £E 1 337 564: in der gleichen Zcifperiode des Jahres 1926 betrug die Einfuhr nur £E 531 SOI. Die Zunahme im Export betrifft hauptsächlich Gctreide, Baumaterialien und ßaumwollwarcn. Aus geführt wurden in diesem Vierteljahr, ausschließlich Metall und Geld, Waren im Werte von £E 317 205; in der gleichen Periode des Jahres 1026 betrog die Ausfuhr £E 221 358. Die Exportzunahme betrifft hauptsächlich Getreide. Verglichen mit dem vorangcgangenen Vierteljahre April—Juni 1027 hat der Import um £B 104 772 und der Export um ££ 28998 abgenommen. An Metall und ungemünztem Oelde wurde in dem Vierteljahr Juli—September 1927 für £E 247 539 eingeführt; im gleichen Jahresviertei 1926 nur für £E 3455. Gegenüber dem vorangegangenen Jahresvicrtel betrug die , Importzunahme ,CE 216 233, die Exportabnahme CE 314. Die Zollei nxünfte erreichten in der Bcrichtsperiodc eine Summe von CE 165 801; das bedeutet eine Abnahme von .CE 37 072 gegenüber dem gleichen Jahresviertel 1926 und von £E 19965 gegenüber dem vorangegangenen Jahresviertel. Ehe Akziseneinknntte ans Salz betrugen xE 7478, aus Wein tmd Spirituosen £E 3304, aus Tabak, Streichhölzern, Banderolen und Lizenzen £E 34 430. An Hafenzoll wurden CE 1352 {gegen £E 1939 im dritten Jahresvicrtel 1926 und CE 2535 im zweiten Jahresviertel 1927) eingenommen. Der Gesamtbetrag der Zoll- und Akziseneinkiinfte erreicht die Summe von CE 212 365. Das bedeutet eine Abnahme von £E 33 794 gegen das dritte Jahresviertel 1926 und von £E 17 859 gegen das zweite Jahresvicrtel 1927. Das Badget der Palästina-Regierung Jerusalem, 2, Januar. (J.T.A.) ״Official Gazette“, das Organ der Palästina-Regierung, veröffentlicht das Regierungsbudget für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember. Diesmal wurde das Budget für neun Monate festgesetzt, da von Beginn des Jahres 1928 das Budgetjahr mit dem Kalenderjahr übereinstimmen wird. Die Ausgaben in diesen neun Monaten betreffen eine Summe von £ 1 923 933. An erster Stelle figurieren Polizei - undGefingnls wesen mit £ 274 083 (14,76»׳*), es folgen Eisenbahnen mit £ 228 048 (11,S9־״*), außerordentliehe öffentliche Arbeiten mit £ 209645 (10,89 ״%), Erriehungs- ,Ä»s«ä«ll4..£.:־Ä.502.Ä6.%), .pMUÄliite .Äfeai.llcte.-Ärbeil#»» ihr 13‘£־f«TTtWi?4 'GdsiMdhelfewesen mit 79901 '־£״ (4,15 ßb) ־ (in Paranthese: das Budget der zionistischen Gesundheitsorganisaüon Hada*s»h beträgt über £ 1D0 000), Land wirtschafte- und LandwfrtschaftsblldungSTDepartement mit £ 52 494 (2,72 «/*). Außer dem obigen allgemeinen Budget für Polizeiwesen figuriert ein spezieikr ßudgetposten von £ 2.5 000 unter dem Titel ״Schutz“, ein Budgetposten von £ 13270S für das Grenzhecr in Transjordanien. Somit beträgt das Gesamtbudget für Militär, Polizei und Gefängnisse £ 431 791 (22,440׳״ des Gesamtbudgets). Es figurieren noch ein Posten von £ 12872 als Pensionsfonds, ein Posten von £ 33 287 für die Sonderabteilung des Landvermessungswesens, C 8701 für das Antkuitätcn-Departemcnt und £ 42 147 für die Abteilung für Akzise, Grenzzoll und Handel. Die läge des Arbeilsmarktes ״Mis’char w-taassia“ berichtet; Palästina zählt jetzt 21 000 jüdische Arbeiter einschließlich der 4230 Arbeiterfrauen, die in den Hauswirtschaften beschäftigt sind. 9000 von ihnen und bei dauernden Arbeiten wie Industrie, Transport und als Beamte usw. tätig, 3100 bet öffentlichen und Bauarbeiten, 450 bei nur temporären Arbeiten und 375;) sind arbeitslos. Die größte Zahl der Arbeitslohn, nämlich 3230, befindet sich in Tel-Awiw. 550 bei den öffentlichen Bauarbeitern beschäftigten Arbeitern ist die Arbeit für ein ganzes Jahr sicher, während die der anderen Arbeiter demnächst zu Ende geht Ende 1927 wird also die Zahl der Arbeitslosen um gegen 1000 zunehmen und in den Monaten Februar-März um weitere 1100 und im April um 200, da die Arbeiten, die als Ersatz für die Auszahlung von Unterstützungen in Haifa, Jerusalem und Afuleh dürchgeführt werden, in dieser Zeit zu Ende gehen. Vorgesehen sind neue Arbeiten für £P 220 000, und zwar Arbeiten am Rutenbergwerk und Regierungsarbeiten in der Umgebung von Tel-Awiw, Haifa und Tiberias im Betrage von £P 150 000, Häuserbauten im Nordvierte! von Tel-Awiw für £P 10 000, Bau des Gesundheitshauses von Tel-Awiw für £P 15 000, Bauten iri den PICA-Kolonicn für £P 10 000, Bauten der Stadtverwaltungen von Jerusalem und Haifa für £P 15 000 und Arbeiten privater Arbeitgeber für £P 20 000. Alle diese Arbeiten werden aber nur imstande sein, 60 0׳<״ aller Arbeitslosen Beschäftigung zu geben. (Ziko.) Friedbolsehladang in Rumänien In der Nacht vom 4■ mm 5. Januar wurden auf dem jüdischen Friedhof in Piatra 59 Gräber geschändet. Dte Grabsteine wurden niedergelegt und zerschlagen. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Von den Tätern hat man bis zur Stunde keine Spur. Bukarest, 4. Januar. (J.T.A.) ln aller Stille wurden in v der Mittagsstunde in Bukarest, Großwardein, Klausenbürg, Bacau und Kisehinew die von den Studenten in den Synagogen geraubten, geschändeten und vernichteten S1 p 11 re Thora nach jüdischem Ritus zu Grabe getragen. Die Regierung hatte die öffentliche Bestattung strengstens verboten. Nur ganz wenige jüdisch; Repräsentanten wohnten dem Begräbnis bei, Bukarest, ft. |anuar. (J.T.A.) Das Amtsblatt veröffentlich! heute ein Dekret, wodurch Professor Cuza, der Führer der rumänischen Antisemiten, der am 1. d. M. das pensionsfählge Alter erreicht hat, in den Ruhestand versetzt wird. _ In der heutigen Nummer beginnt ■ES CS der Roman Hotel Savoy von Joseph Roth. Fortschritte der Industrie Die Kapazität der Zemcntfabrik N e s c 11 e r beträgt jetzt gegen 200 Tonnen täglich. Es ist der Fabrik gelungen, fast den ganzen 1111 a n d s mark t zu erobern und den Import von Zement aus dem Ausland auf ein Minimum herabzndrßcken. ln den ersten neun Monaten des Jahres 1927 fiel der Zement- Import um 405,״, d. i. von *-E 78 060 im Vorjahre auf £E 17 000. Zu gleiche[ Zeit stieg der Export an Zement in den erwähnten neun Monaten auf £E 17(MIO gegen CE 5500 während des ganzen vergangenen Jahres. Der Export geht fast gänzlich nach Syrien, in letzter Zeit auch nach A e g v p t e n. Zu den jetzt in g ü n $ t i g c r E 111 w i c k 1 u n g begriffenen Fabriken in Palästina, über die wir letztens mehrfach berichtet haben, zählt auch die Schokoladenfabrik Liber, früher ,,Raanan“, in Tel-Awiw׳. Diese Fabrik hat in den letzten Wochen 20 weitere Arbeiter eingestellt und beschäftigt jetzt im ganzen 110 Arbeiter und Beamte. Sie hat einen sehr günstigen Markt für ihre Produkte in Aegypten gefunden und die Qualität ihrer Produktion hat sich gegen früher bedeutend gehoben. Die Schokoladen der Liberfabrik sind heute den billigen europäischen Qualitäten zumindest gleichwertig. Die beiden Tel-Awnver Fabriken Lodzia tmd Fr iedman-Edelstein haben ans dem Auslande weitere Maschinen für Strümpfeberstellung zwecks Vergrößerung und Verbesserung ihrer Produktion bestellt. In der Lodzia sind jetzt über 100 Arbeiter beschäftigt und auch die Werkstatt von Friedman- Edelstein, die erst ein jahr besteht, konnte die Zahl ihrer Arbeiter gegenüber dem Vorjahre um 5t) ״/* erhöhen. Dreiviertcl der Produktion werden nach Syrien exportiert. Eine der großen Druckereien in Tel-Awiw hat aus Amerika einen Auftrag für den Druck von Büchern in Höhe von £P 1000 erhalten. Da die Bedingungen konvenierend waren, hat die Druckerei telegraphisch den Auftrag akzeptiert. Wir sind im Wege Im V ס r k r i e g $ - U;1 g a 1 11 war die Lage der Juden im allgemeinen nicht schlecht. Die ungarischen Juden pflegten mit Stolz bervorzuheben, daß sie in ihrem Vaterlande volle Gleichberechtigung genießen. 1 iefer Blickende betrachteten schon damals die Situation der ungarischen fudenheit mit skeptischen Augen. Denn die ungarischen Juden wurden, von ihren Regierungen darum 111 gewisser Hinsicht bevorzugt, weil die Juden in dem Nationalitätenstaat Ungarn sich willig in den Dienst der Magyarisierungspolitik stellten. In der Slowakei, in Transsylvanien und im slawischen Banat waren, abgesehen von den importierten ungarischen Beamten, die Juden das einzige Element, welches den betreffenden Gegenden einen ungarischen Anstrich verliehen. Man mußte sich sagen, daß der Zorn der von den Ungarn unterdrückten Nationalitäten sich in erster Linie gegen die Juden wendet! würde in dem Augenblick, wo diese Nationalitäten erwachen und ihre national-kulturelle oder gar politische Selbständigkeit durch Vereinigung mit ihren Volksgenossen außerhalb der Grenzen Ungarns verlangen werden. Diese besonders von zionistischer Seite vorausgesehene Entwicklung traf leider mit eiserner Konsequenz ein, und die Lage der Juden sowohl in den von Ungarn abgetrennten Teilen wie in Ungarn selbst gestaltete sich nach dem Zusammenbruch der Doppelmonarchie geradezu katastrophal. Aus den Erfahrungen in Ungarn, wie übrigens mich in dem von den Polen beherrschten Galizien haben die Juden des Ostens, die mittlerweile auch eine Entwicklung nationaler Bewußtwerdung durchgemacht hatten, gelernt, und geben sich nicht mehr zum Werkzeug einer Majorisierung der nichtjüdischen nationalen Minderheiten in den neu entstandenen oder vergrößerten Staaten von Osteuropa her. Diese Entwicklung ist besonders im neuen Groß- Rumänien festzustellen. Ncu-Rumänicn ist ähnlich wie Polen ein ausgesprochener Nationalitätenstaat. Trotzdem versuchen das rumänische Volk bzw. die rumänische Regierung die Fiktion eines rumänischen Nationalstaates aufrerht/ucrhalten und die durch Abtrennung von , Ungarn, Oesterreich, Rußland und Bulgarien hinzu gekommenen Gcbiete zu unifizieren und zu romamsieren. Zu diesem Zwecke benötigt das rumänische Regime einen großen Beamtemand Verwaltungsapparat. Da der Bildungszustand der Rumänen ttöch «feilt so ‘ Weif gediehen «t, um aus der' Mitte des rumänischen Volkes sofort eine genügende Anzahl von Beamten zur Verwaltung der nichtrumänischen Teile Neu- Rumäniens zu rekrutieren, ist die rumänische Regierung bcstrebt, int Wege von Stipendien eine große Anzahl von rumänischen jungen Leuten a n d e 11 Universitäten 11 e r a n z u b i l d e 11. Die rumänische Studentenschaft erfreut sich somit weitgehender Förderung und ist im Hinblick auf den Wunsch, Rumänien zu unifizieren, Liebkitid bei den rumänischen Behörden. Ungleich Vorkriegs-Ungarn verzichtet Rumänien darauf, die Juden in Rechnung zu ziehen, um aus ihnen auch willfährige Instrumente bei ihrer Romanisicrungspolitik zu machen. Dieser Verzicht erfolgt aus zwei Gründen: erstens sind die Juden nicht gewillt, in der Buko wina, in Transsylvanien, in Beßarabicn und für die Dobrudscha sich durch Helferdienste von der Regierung erstrebte Ronianisiening in einen Gegensatz zu den nichtrumänischen Minderheiten der genannten Provinzen zu stellen, zweitens besteht seit vielen* Jahrzehnten innerhalb der herrsehenden rumänischen Schicht ein bewußter Antisemitismus, der es besonders der herrschenden Agrarierklasse aus Konkurrenzgrüridcn nicht ratsam erscheinen läßt, die Juden heranzuziehen. Denn in einem solchen Falle müßte mau den Juden volle Gleichberechtigung gewähren, was angesichts der Tatsache, daß! sie in Vorkriegsrumänien vollkommen entrechtet waren, im Bewußtsein der herrschenden Schichten in Ruminien ein m krasser Uebergang wäre. Die Lage ist also in Rumänien derartig, daß die studierende rumänische Jugend sich des besonderen Wohlwollens der herrschender) Kaste erfreut. Diese Jugend empfindet die bildungshungrigen Juden als eine arge Konkurrenz. Aufgestachelt von antisemitischen Führern, die ihre antijüdisdien Ideen hauptsächlich aus dem Auslände bezogen haben, ist diese Jugend seit jeher daran gewöhnt auf die Juden mit Haß und Verachtung herabzublicken. Sie wehrt sielt darum mit Entschiedenheit dagegen, daß die Juden in Rumänien, welche hauptsächlich dem Bürgcrstande zuzuzählen sind, tatsachlichen Gebrauch von den ihnen in den Friedcnsvcrträgcr zugesagten gleichen Rechte machen. Manchmal ist den je■ welligen Regierenden Rumäniens, die aus finanziellen und anderen Gründen Rücksicht auf das Ausland nehmen müssen das Verhalten der rumänischen Studentenschaft unbequem Da aber jede rumänische Regierung am Grundprinzip der Favorisier 11 n g der rumänischen S t u d c n tenschaft festhält, ist sie nicht imstande, gegenüber den antisemitischen rumänischen Studenten mit Energie durchzugreifen. Ihre Maßnahmen zur Dämpfung des antijüdischen Elans der rumänischen Studentenschaft, sind darum immet nur halb und werden nicht mit voller Energie und mit ganzem Herzen ergriffen. Diese Zwiespältigkeit der Zentralregierung in Angelegenheit der Bekämpfung der studentischen Exzesse gegenüber den Juden ist natürlich den unter» Behörden voll* kommen klar. Es ist kein Zweifel, daß man durch energisch« Maßnahmen, — rücksichtsloses Eingreifen von Polizei und Militär — imstande wäre, wenigstens die ärgsten Exzesse de! rumänischen Studentenschaft zu verhindern. Da man abet jahrelang in das Bewußtsein der rumänischen Bevölkerung die Lieberzeugung eingehämmert hat, daß die rumänische Studentenschaft das Unterpfand für dte rumänische Zukunft