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Jüdische Rundschau · 1928-01-06 · Heft 2 (6.1.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 2 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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* Seite 10 Arabische Politik in Palästina Von Joseph FrJedfeld. In fl fr Politik der arabischen Bevölkerung Palästinas hat "ich itt der letzten Zeit eine deutlich sichtbare Vv a n d I u n g vollzogen. Sie geht parallel mit einer ähnlichen 1!n jüdischen Lager. Wohl ist diese Wandlung bei der Mehrheit der beiden Völker Palästinas nur in ihrer Stellungnahme itarlt außen bemerkbar, noch nicht in der letzten Zielsetzung, die beide noch ais Richtschnur nach innen bewahren. Die Wandlung auf beiden Seiten ist hervorgerufen worden durch ( inen stärkeren Sinn für die Realitäten des Lebens und für die notwendige Anpassung an diese Realitäten. Wird einmal diese nicht nur in nach außen gerichteten Deklarationen zutage treten, sondern auch die Denkvorstellungen und das Gefühlsleben der beiden in Palästina miteinander lebenden Volker beherrschen, wird für das Land eine neue Aera freundlicher und schneller Entfaltung beginnen. Die politische Haltung der palästinensischen Araber nach Beendigung des Weltkrieges läßt sich aus ihren Erklärungen an die amerikanische Kommission erkennen, die aus den Herren King und Grane bestand und im Auftrag׳ der amerikanischen Regierung, ursprünglich im Auftrag׳ der Friedenskonferenz von Versailles die Wünsche der Bevölkerung der Mandatsgebiete nach zukünftiger Gestaltung der Lnndesverhältnisse entgegennehmen sollte. Die palästinensischen Araber haben damals Palästina als einen untrennbaren Bestandteil von Syrien erklärt, als das sogenannte Süd-Syrien, und die Vereinigung Palästinas mit Syrien in ein einheitliches politisches Gebilde verlangt. Tatsächlich war auch Palästina durch die letzten Jahrhunderte kulturell und administrativ mit Syrien verbunden. Die historische Sonderstellung, die Palastina beanspruchen darf und die aus vorarabischer Zeit datiert, haben die Araber selbstverständlich nicht in Betracht gezogen. Sie verlangten für Syrien eine unabhängige Regierttng und wandten sich daher mit Schärfe gegen jedes Mandat. Mit ebensolcher, wenn nicht noch größerer Schärfe, wandten sie sich gegen die Balfour-Deklaration und gegen die zionistischen Bestrebungen, die sie als eine unmittelbare Gefahr sahen, ihrer wirtschaftlichen und politischen Steflung im Lande entkleidet zu werden und in ihrer Heimat, die zu einem jüdischen Staat umgewandelt werden sollte, nur eine untergeordnete Stellung einzunehmen. Reg« politisches Interesse Um die politische Tätigkeit der Araber in den ersten Jahren nach dem Kriege zu verstehen, müssen wir mehrere Tatsachen Im Auge behalten. Die Araber, wie die meisten orientalischen Völker, sind politisch außerordentlich interessiert. Wenn auch ihre Vorstellung von der tatsächlichen politischen Lage und von den Faktoren, die die politische Lage bestimmen, meist unklar sind und oft Elemente orientalischcr Phantasie enthalten, so gibt es doch unter den Orientalen überall Männer, die lesen können und die aus Zeitungen .und Broschüren die Neuigkeiten in oft vergröberter und vergrößerter Form allen Kreisen der Bevölkerung mitteilen, wobei nicht vergessen werden darf, daß die arabischen Zeitungen Palästinas, wie viele Zeitungen im Orient überhaupt, sich einer heftigen und übertriebenen Ausdrucksweise in ihren politischen Artikeln und Nachrichten bedienen. In dem Bericht der Untersuchungskomrnission über die palastinensischen Unruhen im Mai 1921 heißt es auf Seife 12: ״In einem kleinen mohammedanischen Zentrum dieser Art (gemeint ist Tulkerem) ist das Volk politisch aufgeweckter als in einer kleinen englischen Landstadt und die Diskussion über politische Gegenstände ist ihre hauptsächliche, wenn nicht einzige geistige Beschäftigung. Ein 'vornehmer junger Araber, ein Mitglied des lokalen, nationalen Klubs, erklärte uns, daß er und seine Freunde in Büchern und Zeitungen über den Zionismus lesen und daß ausgewählte •Auszüge übersetzt und denjenigen vorgelesen werden, die englisch nicht lesen oder verstehen. Er verwies uns auf Bücher, in welchen, wie er sagte, sie Mitteilungen über den Zionismus gefunden hätten, die für sie sowohl alarmierend wie provokativ gewesen wären.“ Hand in Hand mit dieser allgemeinen politischen Interessiertheit geht aber bei den Arabern ein geringer Sinn für die Bedürfnisse des Volkes und für dir Notwendigkeit, persönlrche Wünsche gegenüber dem Interesse der Allgemeinheit ׳zur&ckzust.eilen. Es ist dies ein allgemeines Kennzeichen des Orients, wo infolge des Fehlens autonomer Institutionen und durch die bei der despotischen Regierungsforin herrschenden Unsicherheit die Begriffe des Gemeinwohles und der Verantwortung für die Gemeinschaft nicht aufkommen konnten. Vor allem sind Araber und Orientalen nicht gewohnt, in großzügiger Weise Maßnahmen des Gemeinwohles zu finanzieren. Dies wird rieh allmählich in der jungen Generation, die nach europäischem Vorbild erzogen wird und die auch den Begriff des Gemeinwohles und autonomer Selbstverwaltung" zu erfassen beginnt, ändern. Für die heute noch herrschende, ältere Generation gilt es aber uneingeschränkt. Der Araber ist viel eher fähig, für eine ihm wichtige Sache im Augenblick des Enthusiasmus sei!! Leben ־zu opfern, als in einer beharrlichen Kleinarbeit täglich seine Arbeitskraft und sein Geld einzusetzen. Diese Charakterart erklärt auch, warum di’e begonnenen arabischen Nationalkongresse in Palästina und die Artfeit der arabischen Delegationen nach Europa nicht fortgesetzt wurden. Es fehlte an G€ld, es fehlte aber auch an beharrlichem systematischem Arbeitswillen. Die Herrschaft des Adels Lin weiteres Charakteristikum der arabischen Politik, wie der Politik aller, nicht durch die Schule moderner, demokratischer Erziehung hindurchgegangener Völker ist die Vorherrschaft der m ä c h t i g e n A d e I s f a m i 1 i e 11, deren feindliche und freundschaftliche Beziehungen zueinander den Gang der arabischen Po'.itik bestimmen. Nicht anders war es ■auch!10:1! vor verhältnismäßig kurzer Zeit in den Ländern Europas. Die palästinensischen adligen Familien, die gleichzeitig die großen Grundherren sind, sind hier, wie es in England und in Europa noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts überall gewesen ist, zugleich die politischen Führer und Fürsprecher ihrer Bauernbevölkerung, die ihnen aus traditioneller Gewohnheit auch völlig vertraut. Erst in den fetzten Jahren beginnt in Palästina, wie in manchen anderen!.ändern des Orients, ein sozial-politischer Umformungsprozeß vor sich zu gehen, wo ein vorerst noch junges Bürgertum von Advokaten, Juristen und Kaufleuten entsteht und auch die Bauernschaft langsam zu einem eigenen politischen Bewußtsein und zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen erwacht. Doch befindet sich dieser Prozeß erst in seinem Anfang. Das junge Bürgertum hat sich mit Teilen der alten Familien verbunden und vorläufig besitzt nur diese Schicht einen faßbaren und ausdrucksfähigen politischen Willen. Sie muß daher auch noch für die nächste Zukunft ebenso als Vertreter des palästinensischen arabischen Volkes gelten wie die Oberschichten in den europäischen Ländern, Adel und Bürgertum, es auch heute noch sind. ״Non * Cooperaiion" ln den ersten Jahren nach dem Weltkriege haben die palästinensischen Araber gegenüber der englischen Mandatar¬ JUimSCHE RUNDSCHAU macht dieselbe Haltung eingenommen wie die orientalischen Völker damals im allgemeinen. Sie weigerten sich, die englische Mandatarregierung anzuerkenn e n. Sie gingen zu dem Prinzip der ״Non-cooperation", der Nichtzusammenarbeit mit dieser Regierung, über, Die allgemeine politische Lage schien damals noch so unsicher, daß selbst ernste Beobachter an eine Erschütterung der bestehenden Kolonial- und Territorialverhältnisse glaubten. Weite Kreise im Orient hofften auch, in dem Völkerbund ein Organ zu finden, an das sie mit ihren Wünschen und Beschwerden herantreten konnten und das als eine Öberaufsichtsinstanz über die Kolonialbestrebungen der europäischen Mächte angesehen werden könne. Die Versprechungen der Großmächte während des Krieges, die allen kleinen Völkern und vor allem den Arabern freigebig gemacht worden waren, hatten bei ihnen große Hoffnungen geweckt und die Wilsonsche Deklaration, die auch im Osten verbreitet worden war, hatte nicht nur das politische Interesse weitester Kreise hervorgerufen, sondern ihnen auch eine nationale Selbständigkeit für die nahe Zukunft vor Augen gestellt. Bekanntlich war die Lage bei den Zionisten nicht viel verschieden. Auch sie .hatten auf Versprechungen während des Krieges große und übertriebene Hoffnungen gesetzt und in der Errichtung des Völkerbundes die Schaffung eines Appellations-Tribunals gesehen, das auch die Verwirklichung ihrer Aspirationen fördern sollte. Es ist charakteristisch, daß Juden und Araber sich von gleichartigen Ansichten und gleichartigen Hoffnungen in jenen Jahren leiten ließen. Diese ursprünglich intransigente Haltung der arabischen Politiker hat heute einer versöhnlicheren Platz gemacht. Man kann den Umschwung in der Stimmung der arabischen Bevölkerung und der sie führenden Kreise in das Jahr 1926 verlegen. Die Gründe, die zu diesem Umschwung geführt haben, sind folgende: Gründe des Umschwungs Die politischen Verhältnisse im Orient, die in den ersten Jahren nach dem Kriege labil erschienen, haben ihre Stabilität erwiesen. Die bri i;che Politik steht in ihren ״roßen Zügen fest und scheint keinerlei Aenderung unterworfen. Der Völkerbund erwies sich als ein lnstrument der Politik der Großmächte im Orient, insbesondere seit im Herbst 1926 sowohl die britische wie die französische Regierung jedes Aufsicht!- und Einmengungsrecht der Mandatskommission des Völkerbundes in die Verwaltung der Mandatsgebiete mit ungewohnter Scljärfe zurückgewiesen haben. Auch die öffentliche Meinung in England, in der es in den ersten Nachkriegsjahren lebhafte Diskussionen über die im Orient zu verfolgende Politik gab, hat sich mit der von den verschiedenen britischen Regierungen eingeschlagenen einheitlichen poliüchen Linie zufriedengegeben. Sowohl Araber wie Juden in Palästina begannen diese Tatsache anzuerkennen und alle übertriebenen Hoffnungen auf eine Aenderung dieses Zustandes aufzugeben. Die arabische Bevölkerung des Landes hatte während der Jahre von 1920 -1923 eine Anzahl Anerbieten, die die britische Regierung ihnen gemacht hatte, um der Bevölkerung Anteil an der Gesetzgebung des Landes zu geben, abgelehnt. Die Politik der britischen Regierung war von Beginn an von zwei Gesichtspunkten geleitet. Sie fanden ihren Ausdruck bereits in Samuels ״Interime Report on the Civil Administration of Palestine during the period Ist July 1920 — 3Ct!1 June 1921“. Im Oktober 1920 wurde eine beratende Körperschaft eingesetzt, der zehn Beamte und zehn ernannte Vertreter des Volkes angehörten. ״Bei der Eröffnung des Advisory Council wurde erklärt, daß seine Errichtung nichts anderes!st-*13 ein erstes Schritt in der Entwicklung autonomer, gesetzgebender Institutionen. Die Regierung studierte mit größter Aufmerksamkeit die Frage, in Palästina einen freien und autoritativen Ausdruck des VoIk^ willens zu schaffen.“ Zugleich wurde die Balfour-Deklaration in der seither immer wieder von der Mandats-Regierung betonten Weise erklärt: daß der Cirad der jüdischen nationalen Aspirationen in Palästina durch die Rechte der gegenwärtigen Einwohner begrenzt ist. ,,Die Maßnahmen zur Förderung des Wohles der Araber müssen genau die gleichen sein, welche wir ergreifen würden, wenn es kein zioni'tisches Probien! und keine Balfour-Deklaration gäbe.“ Mit derselben Schärfe wurde aber auch erklärt, vor allem in der Korrespondenz zwischen Churchill und der arabischen Delegation in London, daß die Ba’four-Deklaration einen Integralen Bestandteil der britischen Polllik in Palästina bilde, daß keine brltische Regierung sie zurücknehmen wird. Wenn auch oft Juden sich in Palästina beklagen, daß die britische Regierung ihnen gegenüber nicht entgegenkommend genug ist, so muß auf der anderen Seite hervorgehoben werden, daß die Regierung die arabischen nationalen Asplrationen in Palästina seit dem Jahre 1923 mit noch schärferer Konsequenz zurückweist, wessen sich auch die Araber bewußt sind. Daß dennoch die Entwicklung in Palästina so ruhig und friedlich verlaufen ist, beruht darauf, daß die britische Regierung zum Unterschied zur französischen Man- 'datsverwaitung in Syrien die .persönliche Freiheit der Bevölkerung in jeder Weise gewahrt hat und daß sie für die wirtschaftliche Erschließung des Landes und für die technische Vervo'lkomninung seiner Verwaltung Gutes geleistet hat. Bekanntlich haben die arabischen Politiker bis zum Jahre 1923 die wiederholten Versuche der Regierung, dem Lande autonome Institutionen zu geben, nämlich Einführung einer Verfassung und die Schaffung eines ״Legislative Council“, später die Schaffung eines neuen ״Advisory Council“ und einer ״Arab Agency“ abgelehnt. Innere Gegensätze Aus den oben angeführten Gründen ist heute die Ha!־ hing der arabischen Bevölkerung eine völlig andere. Ihre innere Zerrissenheit hat ihre Schwäche noch gesteigert. Nicht nur besteht eine Eifersucht zwischen Mohammedanerii und Christen, da die Christen durch ihre Erziehung in den Missionsschulen europäischer Sprachen kundig und im allgemeinen gebildeter als die Mohammedaner, die Regierungsposten in einem weit höheren Ausmaße einnehmen’ als ihnen zahlenmäßig zukäme, sondern es koiftmt dazu der Gegensatz zwischen den führenden Familien, insbesondere der Kampf, der von einer stetig wachsenden Opposition unter den Mohammedanern gegen die Familie Husseini geführt wird. Die Husseinh haben sowohl das Präsidium in dem Arabischen Nationalen Kongreß, der die Vereinigung aller, unmittelbar nach dem Kriege gebildeten mohammedanisch-christlichen Vereinigungen dariellt, wie auch die Leitung in dem Obersten Mohammedanischen Rat in der Hand, was auch von großer materieller Bedeutung ist. Der Oberste Mohammedanische Rat verwaltet die Einkünfte der religiösen mohammedanischen Stiftungen in Palastina, die sich im Jahre 1925 auf £ 53833,— belaufen haben. Der Oberste Mohammedanische Rat verfügt über die Be- Setzung von 552 Beamtenstellen und bei dem im Orient — aber nicht nur in orientalischen Ländern — üblichen Verlangen der wohlhabenden Familien, ihre Söhne in Beamten- Steilungen unterzubringen, ist es verständlich, daß über die Beherrschung des Obersten. Mohammedanischen Rates ein heftiger Kampf ausgebrochen ist Dieser Kampf hat trotz aller Versuche der jüngeren arabischen Politiker, eine Eini¬ Nr. 1, ai.ieas gung herbeizuführen, es verhindert, daß der Arabische Nationale Kongreß wieder zusammentreten konnte oder daß regelrechte Wahlen für die Neubesetzung des Obersten Moha mmedänischen Rates hätten stattfinden können. Eine neue Partei Nun haben sich unter dem Einfluß jüngerer arabischer Politiker einige Kreise der Opposition unter Führung des Redakteurs der bedeutendsten arabischen Zeitung Palästinas, des Jaffaer ״Fa lest in“, zusammengetan und eine neue Partei gegründet, die die ״Liberale Partei“ genannt wird. ״Falestin“ war durch viele Jahre hindurch das Sprachrohr der Husseinigruppe und der Abfall des Redakteurs des ״Falestin“, Issa-el-Issa, von den Hussein!; war vielleicht das hervorstechendste Zeichen für einen Wandel in der politischen Haltung der Araber Palästinas. Die neue Partei setzte es sich zum Ziel, die Parteigegensätze aufzuheben und eine Vereinigung aller arabischen Politiker Palästinas herbeizuführen. Der realistische Zug ihres Programms wird dadurch gekennzeichnet, daß die großen politischen Losungen der letzten Jahre, wie Kampf gegen das Mandat, Kampf gegen die Balfour-Deklaration usw. fehlen, und daß dafür die Sorge um die bürgerlichen Rechte und die Freiheit der Bevölkerung und um die wirtschaftliche und kulturelle Hebung der arabischen Bewohner i!1 Palästina an ihre Stelle treten. Die neue Partei tritt für eine Zusammenarbeit mit der Regierung ein und ist sicherlich bereit, alle Vorschläge, die die Regierung künftig zwecks Einführung und Erweiterung autonomer Institutionen im Lande machen wird, zu unterstützen. Die neue Partei ist zu der Erkenntnis gekommen, daß es vor allem notwendig ist. auf die wirtschaftliche Er- Schließung und Hebung des Landes, auf den Schutz seiner natürlichen Schätze und auf die Förderung der lokalen Produktion ihr Hauptaugenmerk zu richten. In ihren $0ziaien Bestrebungen ist sie viel moderner als alle bisherigen arabischen Parteien Im Lande. Sie bemüht sich uin Organisation und Schutz der arabischen Arbeiterschaft, unterstützt die Fellachen in ihrer Forderung um die Abschaffung des Oscher und des Werko und tritt für die Gründung einer Agrar- und einer Hypothekenbank ein. So deutet sich in dem Programm dieser Partei nicht nur ein politischer Wandel sondern auch eine Aenderung in den Anschauungen übe! Wirtschaft und soziale Ordnung der palästinensischen Araber an. Sie folgen in dieser Beziehung aen entwickelteren arabischen Parteien Aegyptens. Auf dem Gebiete der Erziehung strebt die Partei allgemeine Volksschulbildung für alte Schichten der Bevölkerung und die Hebung des höheren Unterrichts und Gründung einer Hochschule än. Es ist nicht anzunehmen, daß das Programm der neuen arabischen Partei eine baldige Aenderung in dem sozialen und kulturellen Verhalten der arabischen Führer zur Folge haben wird und daß diese von nun an mit stärkerem Eifer an die Hebung des wirtschaftlichen und kulturellen Niveaus der Fellachen schreiten werden. Aber jedenfalls sind in dem Programm der Partei symptomatische Wandlungen angedeutet, die zu beachten gut sein wird. Die zwei wichtigsten arabischen Zeitungen ״ralestin“ und ״Karmel“, — die in Haifa erscheint und als die progressivste arabische Zeitung gelten kann —, unterstützen die neue Partei, die als der erste Beginn des Versuches eines politischen Mündigwerdens der jungen arabischen Intelligenz und des erwachenden arabischen Bürgertums in Palästina gedeutet werden kann. Joseph Treldd Wir haben beim Empfang der Trauer nachriebt vom Ableben Joseph Treidels bereits eine Würdigung von Prof. Warburgygebracht. Zu seinem Tode schreibt uns einer der ihm nahestehen• den Freunde, unser Gg. Dr, EliasAuerbachin Haifa, u. a.: ״Dieser Mann, einer der energischsten Arbeiter des Landes, ist aufgerieben worden durch tägliche Sorgen, die die letzten schweren Jahre über ihn brachten. Dieser durch und durch vornehme Mensch konnte den Gedanken nicht ertragen, daß et Verpflichtungen nicht innehalten konnte. Als vor sechs Jahren sein Bruder, ein rastloser Arbeiter, der das schöne Besitztum am Kinereth-See geschaffen hat, von der Grippe hin gerafft wurde, hat er in freiem Gewissensentschluß sich in die Bresche gestellt, um die Farm für Frau und Kind des Bruders zu er• halten. Mit Verbitterung müssen wir sagen; wenn wir einer geordneten Agrarkredit in Palästina hätten, wäre dieses kost• bare Leben nicht verloren gegangen. Zionisten, es kostet Blut wenn ihr nicht für den Fortscnritf der Arbeit in Palästina sorgt’ Wir haben hier nicht viele so aufrechte und makellose Männer wie er einer war. Er war vornehm vom Scheite! bis zur Sohle, ritterlich in Gesinnung und Handlung, auch in der Form. Wer sein Freund war, konnte bis zum äußersten auf ihn bauen, denn er war zuverlässig und treu. Es war ein kerniges Ge-chlecht aus der Vorkriegszeit, dem er an geh örte. Drei ganze Männer, starke Persönlichkeiten, die in unverbrüchlicher Freundschaft verbunden waren, ruhen jetzt alle in der Erde: Aa,ron Aaronson. Moses Bermann und Joseph Treidel. Für uns lebt er als Teil unseres Lebens fort, denn wir werden ihn nie vergessen können.“ Die Zeitschrift ״Palästina“ Mit dem soeben erschienenen 12. Heft hat die 2 itschritt ״Palästina“, herausgegeben vo:1 Adolf Bö ni in Wien, den ersten Jahrgang "in der neuen Form ab־eschlossen. Diese vorzügliche Zeitschrift, di־:, bereits vor dem Kriege für die sachliche Palästina-Information und für das Verständnis der palästinensicehen Wirtschaftsprobleme ׳״ertvolle Dienste leistete, wurde bekanntlich im Jahre 102'/ von der österreichischen zionistischen Parteileitung erneuert. Wie verdienstvo'l diese Tat war, ergibt schon eine summarrche Uebersicht über den Inhalt dieses fahrgangs. Das 12. Heft enthält eine Rückschau auf dreißig Jahre Zionismus, in welcher der Historiker des Zionismus, Adolf Böhm, dessen Buch ״Die zionistische Bewegung“ die einzige umfassende historische Darstellung des Zionismus ist, in knapper Form den durchmesscnen Weg beschreibt. Der Agronom Hermann Hirsch, der bereits meh fach in der Zeitschrift die Probieme der Gemüsekultur behandelt hat, steuert einet! Beitrag zu dem wichtigen landwirtschaftlichen Problem der Düngung bei. Dr. Tartakower (Lodz) bespricht die Frage der Vereinigung der palästinensischen Arbeiterparteien. In der ״Rundschau“ werden! fortlaufend in besonderen Rubriken die wichtigsten Ereignisse aüf dem Gebiet der Po'i'.ik, der Wirtschaft," Landwirtschaft, geistiges Leben, Arbeiterbewegung registriert und zusammenfassend beleuchtet. Knappes Nachrichtenmaterial, Daten, Statistik usw. bringt die Zeitschrift in ihrer gleichfalls in sachliche Untergruppen geteilten ausfiihriichen und übersichtlichen Rubrik ״Nachrichten und Daten“. Die Zeitschrift ist unpolitheh, sie verfolgt keine einseitige Parteitendenz, läßt Vertreter aller Parteien zu Wo te kommen und fordert nur rein sachliche Behandlung ‘der Fragen, so daß sich denkende Leser selbst ein Urteil bilden können. Man kann daher nur wünschen, daß die Zeitschrift in zionistischen Kreisen weite Verbreitung finde und dazu mithelfe, unsere Diskussionen über palästinensische Fragen mit einem Fundament solider Kenntnisse zu unterbauen.

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