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Jüdische Rundschau · 1928-01-06 · Heft 2 (6.1.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 2 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. S, e.T,rtJS JUimSCHE RUNDSCHXÜ Seit* II Siegmutiil Epler In Wien starb am 1. d. Mder Vorsitzende des Keren Hajessod für Oesterreich, Siegmund Epler. Wer Gelegenheit hat, zionistische Gruppen in den ver- :■•chiedenen Ländern kennen zu lernen, begegnet häufig Männern von Bedeutung, die man respektieren muß, Mensehen von eigenartiger und individueller Prägung, Kameraden und Mitkämpfern, mit denen man Stunden verbringt, an die man gern zurückdenkt., Sehr viel seltener begegnet man je* doch Zionisten, die über alle zionlsthche Verbundenheit hinaus, rein persönlich eine solche Atmosphäre reiner Mensch* lichkeit ausstrahlen, daß man sie vom ersten Augenblick, da man ihnen begegnet, lieb gewinnt und zeitlebens Heb behält. Ich habe dieses Erlebnis in meiner zionistischen Wirksamkeit selten gehabt-, fast niemals so stark und unvergeßlich, wie damals vor Jahren, als ich zum ersten Male in Wien Siegmund Epler kennen lernte. Er war ein Mensch von einer Gradheit des Denkens und Pöhlens, von einer Ursprünglichkeit des Sieh-Gebens, des Rearterens auf Menschen und Dinge, von einer Radikalität der Hingabe an Ideen und Freunde, für die er sich einsetzte, die immer seltener wird in unserer mechaniierten und politisierten Welt. Ein Mann, den ein Leben fruchtbarster und erfolgreichster Tätigkeit, den Jahre und Jahrzehnte intensiver zionistisch-politi!eher und jüdisch-sozialer Arbeit ni ht im geringsten abgestumpft hatten, den bis zum letzten Atemzug des Lebens, alles, was er tat, mit vollstem Einsatz seiner Person tat, Er war Zionist geworden aus den legitimsten und stärkrten Motiven, aus denen man es wird; aus rein menschlichen Motivationen. Das Judentum als Inhalt, als Kulturgut, war ihm, wie vielen unserer besten westeuro־ paschen Zionisten älterer Generation, nicht vertraut. Aber als Mensch erlebte er den kategorischen Imperativ des Zionist-scin-müssens: aus Stolz, aus Solidarität und Miterleben, aus Liebe zu allem, was jüdisch ist und war in der Welt. Ich habe nur selten wieder einen Menschen getroffen, dem die uns Juden durch eine jabrbundertlange Erziehung eingeimpfte Tugend der Güte und Hilfsbereitschaft so sehr zur zweiten Natur geworden war wie ihm. In seiner Selbstlosigkeit wurzelte auch die bestechende Liebenswürdigkeit, die faszinierende Noblesse seines Wesens. Im österreichischen Zionismus nahm er eine exzeptionelle Stellung ein. In diesem beinahe überpoütisierten österreichisehen Zionismus, der nur allzu leicht der Neigung erliegt, sachliche Kämpfe ins Persönliche zu wenden, war er. fern jedem Zank, unfähig zu einer jeden persönlichen Aversion, ganz der Sache ergeben und in seiner Noblesse über den Parteien stehend, von ihnen allen geachtet, einer der Wahrer der großen moralischen und seelischen Elemente der Bewegung. Der österreichische Zionismus, der Zionismus überhaupt, das jüdische Volk verliert in ihm einen seiner treuesten Söhne und Pioniere; die große Zahl seiner Freunde aber beklagen den Hingang eines Mannes, den sie geliebt haben und dessen Scheiden die Welt kälter und das Leben ärmer erscheinen läßt. Nach u m Gold m a n n. * Unser Wiener 1 th-Korrespondent berichtet uns: Das Leichenbegängnis Direktor Eplers fand am 3. Januar statt. Neben zahlreichen Persönlichkeiten der Industrie* und Finanzwelt gaben dem Verstorbenen die Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Pick, Dr. Löwenherz und Dr. Orn* stein, ferner das gesamte zionistische Landeskomitee mit Dr. Goldhammer an der Spitze und die Mitglieder der Keren Ha׳es־od*:und' •Keren Kaiemeth-Kommnsionai das letzte :'Gefeite, Rabbiner'Dri Te'ucÜIwan g .hob irr ‘dör TnEtefrede die hervorragenden Charaktereigenschaften Eplers hervor und würdigte besonders sein herzliches Verhältnis zu Chajes. Im Namen der Kultusgemeinde dankte Präsident Dr. Pick für die Dienste, die Dir. Epler der Gemeinde, besonders in der schweren Zeit nach dem Zusammenbruch, erwiesen hat. Für die Zionistische Organisation sprach Dr. Goldhammer, der die große Güte des Verstorbenen, seinen lauteren Charakter und seinen Eifer in der zionistischen Arbeit würdigte. Epler hat für den Keren Hajessod sehr Bedeutendes getan. Fr war einer der Wenigen, die noch im Zionismus eine Gemeinschaft von Freunden sehen und sich darum immer bemühen, auftauchende Gegensätze rasch zu ül>.- brücken. Der Präsident der Linderbank würdigte die Verdienste Eplers um das Institut dessen Direktor er war, und um Oesterreich. Für die Freimaurer-Loge, der Epler 35 Jahre lang angehört hatte, sprach Dr. Röder. Dir. Eoler, sagte er, hat in seinem Leben sein Volk nie vergessen, die Arbeit für die Allgemeinheit war ihm aber ebenso wich* tiges Lebensziel und Bedürfnis. Wolttsdhn-Feier!0 Haifa Aus Haifa wird uns berichtet: Am 3. Dezember fand im Internatsgebäude der Hebräischen Realschule das zum großen Teil aus Geldern der David-Wolffsohn-Stiftung erbaut ist eine Feier statt bei der anläßlich der Enthüllung eines von den Freunden Wolffsohns gestifteten Fildes des Führers sein Andenken begangen wurde. Außer den Lehrern und Schülern der Real* schule nahmen an der Feier eine Anzahl von Persönlichkeiten teil, die zu David Wolffsohtt Beziehungen hatten. Die Feier begann mit der Enthüllung des Wolffsohn- Bildes. Herr Siegfried Hoofien zeichnete David Wolffsohns Lebensgang und seine menschliche und zionistische Persönlichkeit. Er erwähnte seine treue Gefolgschaft zu Herzl; in zwei wesentlichen Dingen war er es, der auf Herzl Einfluß ausübte: er brachte den Führer dem jüdischen Volke, als lebendiger Wirklichkeit, näher, und er war es auch, der Herzls hohen Gedankenflug durch die beharrliche, konsequenfe praktische Leistung zu ergänzte wußte, ohne die es keine wirklichen Erfolge gegeben nätte.Wnd als dann Herzl starb, wuchs Wolffsohn in der. schweren Aufgabe, die ihm übertragen wurde, heran, um ein Führer von historischer Bedeutung zu werden. Wolffsohn steht vor uns als das Vorbild eines Menschen, der treueste Ergebenheit und innere Besche'denheit verkörperte und sich nichts Schöneres erträumte, als ״ein Diener am Licht“ zu sein. Als Vorsitzender des Schulkuratoriums beglückwünschte Dr. Hillel Joffe das Internat zu stetem Fortschreiten im Geiste Wolffsohns. Dr. Bi ra m gab seiner Freude Ausdruck, daß das erzieherische Streben, das den Anstoß zur Gründung des Internats gegeben hatte, tpif David Wolffsohns Namen verbunden sei. Gerade heute ist Wolffsohn ein Vorbild für die Jugend Palästinas. Wir brauchen Männer wie ihn, bei dem das Privatleben völlig hinter der Arbeit für das Volk zurücktrat, deren Persönlichkeit dann auch eine Adelung erfährt. Drei Dinge machen Wolffsohn uns zum Symbol: Die phrasenlose Ehrlichkeit des Strebens, die die selbstauferlegte Pflicht in Einfachheit zu erfüllen sucht; die Treue zur eigenen Anschauung, die in den letzten Dingen keine Kompromisse kennt; das Hinauswachsen über die Kleinheit des persönlichen Interesses zum vollen Einsetzen für die Gesamtheit. Aus der Berliner jüdischen Gemeinde Die Liberales ia der Opposition Seit Konstituierung der neuen Repräsentantenversammlung, die von den Liberalen bekanntlich um ein Jahr verzögert wurde, sind die Liberalen in der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Minderheit. Es mag ihnen schwer fallen, sich mit dieser Situation abzufinden. Zu sehr waren sie gewohnt, nach unbeschränkter freier Willkür, nur nach ihren eigenen Vorstellungen von jüdischen Notwendigkeiten, in der Gemeinde zu regieren. Da nun aber einmal die Gemeinde nach parlamentarischen Grundsätzen verwaltet wird, so muß jede Gruppe verstehen, daß ein Wechsel in den Mehrheitsverhältnissen eine durchaus normale Erscheinung ist. Die Minderheit, die die jeweilige Opposition bildet, soll in ihrer Weise konstruktiv an den gememsamen Aufgaben mitarbeiten, muß es aber begreifen, daß Entscheidungen sehr oft nicht in ihrem Sinne gefällt werden, Sie darf in solchen Fällen nicht eine Ueberempfindiichkeit an den Tag legen und den Vergewaltigten markieren, sondern sic muß die Konsecuenzen der parlamentarischen Situation tragen. Am alle wenigsten steht es den Liberalen zu, über Vergcwaltigung zu spreche», da sie, solange sie die Mehrheit hatten, in allen sachlichen Fragen ohne Berücksichtigung sachlicher Einwände nach ihrem' Gutdünken die Gegner niedergestimmt haben. Auch die heutige Mehrheit, insbesondere die Jüdische Volkspartei, stand lange in Opposition. Sie hat versucht, mit Argumenten, mit Anruf der Öffentlichkeit ihren Standpunkt durchzusetzen. Aber die heutige Opposition der Liberalen arbeitet noch mit einem anderen Mittel, der Drohung mit dem Austritt. ״Einheitsgemeinde oder Bekenntnisgemeinde“ — so lautet die Parole, von der ein liberaler Führer in der Repräsentantenvcrsammlung verkündet hat, daß sie nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden würde. Und als nächsten Schritt kündigt die ״ jüdisch-liberale Zeitung“ an, daß die Liberale Partei den Gedanken erwäge, sich von der Mitarbeit im Vorstand der Gemeinde zurfiekzuziehen. Bei solcher Ein- Stellung ist es nicht verwunderlich, wenn die ohnehin bestehenden Gegensätze eine große Schärfe angenommen haben und die Gereiztheit so groß ist, daß sie auch zu peinlichen und gewiß bedauerlichen Zusammenstößen führt, wie dies etwa in der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung• der Fall war. Zwei Vorkommnisse aus der letzten Zeit charakterisieren in besonderem Maße die heutige Lage. Das erste spielte sich im Gemeindevorstand bei der Verteilung der Dezernate, die jedesmal nach Neuwahlen vorgenommen wird, ab. Es ist in der Gemeinde ein normaler Vorgang, daß die Dezernate bei solchen Neuverteilungen wechseln. Die Libera'en haben 7. B. bei der Wahl eines ihrer Vertreter in den Gemeindevorstand das Krankenhaiisdezernat dem damaligen Inhaber, einem Vertreter der Volkspartei, entzogen und dem neugewählten Liberalen übertragen. Bei der letzten Mandatsverteilung war die Frage des Vorsitzes in den beiden Waisenhauskuratorien strittig. Von konservativer Seite wurde verlangt, daß dieses Dezernat einem nichtliberalen Mitglied anvertraut werde, u. a. weil die liberalen Dezernenten der positivjüdischen Erziehung der Zöglinge nicht die erforderliche Aufmerksamkeit schenkten. Die Volkspartei hatte sich bereit erklärt, da tfotz dieser sachlichen Darlegungen von dem bisherigen Dezernenten der Dezernatswechsel als persönliches Mißtrauensvotum angesehen wurde, um dieser Mißdeutung nach innen und außen zu begegnen, einen Kompromiß dahin zu schließen, daß der Vorsitz in dem einen der beiden Warenhäuser dem bisherigen Dezernenten ü!;erlassen bleibe, und nur in dem andern Waisenhause ein Wechsel des Vorsitzes eintreten solle. Diese auf ein Mindestmaß reduzierte sachliche Forderung wurde auf ein rein persönliches Gleis geschoben und von'dem bisherigen liberalen Mitglied des Gemeinde- '• vör Standes,-־■das die-beiden "Waisenhäuser neben dem au sich schön sehr großen Friedhofsdezemat verwaltete, als eine persönliche Kränkung betrachtet. Als es ihm gleichwohl nicht gelang, seinen Willen durchzusetzen, schied er überraschenderweise aus dem Gemeindevorstand aus. Es ist unver- Berliner ZionistischeVereinigung Keren Kajemeth Lejisrael. Sonntag, den 15. Januar! nachm, 5 Uhr! im großen Saal des Ulap, Alt-Moabit 4/10 5 Uhr-Tee mit Tanz Bunte hebräische Bühne. I. Iso GoUand (Bariton) von der Berliner Staatsoper: Hebräische Lieder und Artpn. II. Time und Gesinge / Rezitationen / Satiren und Parodien unter Mitwirkung von: Frau Bernstein *Kohan 1 vom Theatron Erez Israeli ,Meir Teomi I und Theatron Iwri Frau Jehudit Perkal 1 vom Theatron ״Kumkum", Rafael Klatzkin! Palästina. Karten zum Preise von Mk. 2,50 im Vorverkauf erhältlich: im Büro der B. Z. V., Meinekestraße 10, Bismarck 7165/70 und in den jüdischen Buchhandlungen, 20000 Büchsen stehen in Deutschland. Mit Erfolg wurden bisher geleert 9500 Büchsen. Der bisherige Durchschnittsinhalt betrug nicht ganz Mk. 3,— Steigert ihn durch Erzielung angemessener Leerungsspenden. Sorgfältige Nachleerung verbürgt Erfassung der noch ausstehenden 10500 Büchsen! ständlich, wie man ln diesem Falk von ״Vergewaltigung‘' sprechen kan«. Der zweite Fall ereignete sich bei den Beratungen de-* Ankaufs des _״Friedenstempe 1 s“. Einigkeit bestand ausnahmslos hei alle» Parteien, den Friedenstempel für die Gemeiiide zu erwerben. Vom Vorstand lag der Repräsentanten- Versammlung eine Vorlage vor, die sieh lediglich mit clei Frage des Ankaufs befaßte, alle anderen Fragen,” insbesondere der Ueberiiahme der Funktionäre, offen ließ. Von liberaler Seite wurde dir Fiage des Ankaufs mit zwei anderen Fragen verknüpft: mit der Aenderung des Ritus und sodann mit der Forderung, die Gemeinde solle sich verpflichten, den jetzigen Rabbiner auf keinen Fall aimistellen. Verschiedene angeblich belastende Behauptungen wurden von liberaler Seite gegen den Betreffenden vorgebracht, um ihn als ungeeignet fiii ein Amt in der Gemeinde hinzustellen. Diese Anklagen wurden sämtlich auf Grund einseitiger Informationen erhoben, ohne daß dem Beteiligten Gelegenheit gegeben war. sich dazu zu äußern. Selbst eine von Rnbb. Dr, Prinz öffentlich abgegebene Erklärung durfte, wie den Beteiligten bekannt war, nicht ohne weiteres vorgetragen werden, weil dabei ver* schiedene Vorkommnisse, welche zu dieser Erklärung geführt hatten, zu ihrer Beleuchtung hätten herangezogen werden müssen. _ Das aber geschah nicht. Ein derartiges Vorgehen gegen einen Abwesenden mußte den Eindruck erwecken, daß man Dr, Prinz, weil er Zionist ist, disqualifizieren wollte. Dies um so mehr als, v,ie*schon erwähnt, die Bedingung der Nichtanstellung mit dem Ankauf verknüpft wurde. Die Frage der Anstellung' bzw. Nichtanstellung des Betreffenden als S 0 n d e r a n t r a g einzubringen, unabhängig von der Frage des Ankaufs, wurde verweigert. So kam es, daß die Frage des Friedenstempels in ein persönliches Fahrwasser geleitet wurde. Nicht sachliche, sondern politische Gründe wurden gegen den Funktion»;!!״ geltend gemacht Naturgemäß wurde von seiten der Volkspartei mit aller Entschiedenheit gegen die Disqualifizierung eines Zionisten ohne dessen Anhörung angekiimpft. Die Vorlage des Gemeindevorstandes fiel. Infolge eines offenkundigen Irrtums bei der Abstimmung wurde zuerst das Amendement bezüglich der Nichtanstellung von Dr. Prinz angenommen, und damit war für'die nichtliberalen Parteien keine Möglichkeit gegeben, der so veränderten Vorlage des Gemeindevorstandes zuzustimmen. Die Erregung über diesen Ausgang war auf beiden Seiten ungeheuer. Bei den nichtliberalen Parteien fehlte; jedes Verständnis dafür, daß die .liberalen Redner einen in seiner Ge* meinde hoch angesehenen und beliebten Mann seiner Wirkungsmöghehkeit beraubcp wollten. Mag sein, daß diese Er״ regung manche Repräsentanten zu allzu scharfen Angriffen verleitete; dies gehört zu den bedauerlichen Begleiterschrinungen des parlamentarischen Lebens und darf von Politikern nicht mit allzu großer Wehleidigkeit aufgenommen werden, wenn auch solche Explosionen der Temperamente fraglos bedauernswert sind. Man wird aus solchen Vorfällen die Lehre ziehen müssen, daß ein Miteinanderarbeiten unmöglich ist, wenn sachliche Forderungen in persönlichen Gehässigkeiten ausarten. Es ist noch weniger möglich miteinander zu arbeiten, wenn eine ehemalige Majorität gleich aus der Fassung gerät, wenn einmal die Dinge anders laufen, als es früher der Fäll gewesen ist. Kein Vertreter der heutigen Majorität der Berliner Gemeinde denkt daran, die Liberalen zu vergewaltigen, oder zu schmälern, was die Liberalen in der Zeit ihrer Alleinherr• Schaft geschaffen haben. Man muß aber auch der anderen Seite eine faire Chance geben. Am wenigsten freilich entspricht es jüdischem Empfinden, daß man mit Austritt, mit Zerstörung der Gemeinde droht, wenn man nicht alle Einzelheiten seinen Willen durchsetzt Die gemeinsame Verantwortung aller für Schicksal und Ansehen des Judentums muß die stillschweigende Voraussetzung aller jüdischen Pemeindearbeit sein. Kleine Nachrichten ln Warschau fand Ende Dezember die Konferenz der hebräischen Kultur-Organisation ״Tarbuth“ statt, an welcher 335 Delegierte teilnahmen. Es wurden alle Prob'eme der modernen hebräischen Entwicklung besprochen. Referate hielten u. a. Jabotinsky und der hebräische Dichter Jacob F ich man aus Palästina. Wir werden auf die Tagung noch zurückkommen. Das Kuratorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hat anläßlich des 23jähr>gen Dozentenmbi'äums des Professors Dr. Eibogen beschlossen, ihm in Würdigung seiner von allen Kreisen des deutschen Judentums dankbar anerkannten Verdienste eine Ehrengabe in der Form einer Palästina-Reise für ihn und seine Gattin zu stiften. Es ist anzunehmen, daß Herr und Frau Professor Eibogen die Reise noch im Frühjahr , antreten. Voraussichtlich wird der Gelehrte bei dieser Gelegenheit am Judaistischen Institut der Universität Jerusalem Gastvorträge halten. In einigen Wochen wird Dr. Claude G. Montefiore, der Führer des liberalen Judentums in England und eine der führenden Persönlichkeiten der Weltbewegung des liberalen Judentums, sein 70. Lebensjahr vollenden. In Heidelberg hielt Pfarrer a, D, Alfred Kaufmann in der Universität einen bemerkenswerten Vortrag über Palästina, worin er auch das jüdische Aufbauwerk eingehend schilderte und den zionistischen Idealismus ab stärkste Triebfeder der Entwicklung des Landes bezeichnete. Seit einigen Wochen werden die jüdischen Kaufleute in Bromberg durch Banden terrorisiert, In acht großen jüdisehen Geschäftslokalen wurden die Scheiben eingeschlagen. Am vergangenen Freitag wurde das große Pelzwarengeschäft der Firma Blaustein längere Zeit hindurch mit Steinen bombardiert. In einem Gespräch mit dein öberrabbiner Prato von Alexandria ließ sich König F11 a d von Aegypten über die Ziele und die praktische Arbeit der zionistischen Bewegung, sowie über die arabisch-jüdischen Beziehungen eingehend informieren und bat den Oberrabbindr, ihn bald ein zweites Mal zu besuchen, um die Unterhaltung über den Zionismus fortzuführen. Der frühere Beamte der Palästina-Regierung Krischowski hat dieser Tage als Delegierter des Keren Hajessod-Hauptbüros eine Reise nach dem Fernen Osten angetreten. Er wird Hongkong, Shanghai, Tientsin, Charbin und eventuell auch die t’iulu'ptnen besäe1> '1־. (Ziko.) Laut dem ״Falestin“ hat die englische Regierung beschlossen, ein direktes Telegraphenkabel zwischen London und Haifa über Cypern zu legen, Zwisahen Haifa und Athiit soll zu diesem Zwecke ein besonderer Bau errichtet werden. (Ziko.) In der Zeit vom 21. Dezember 1927 bis 14. Mai 192S werden 26 Touristendampfer aus Amerika in Palästina eintreffen. In Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, wird gegenwärtig ein modernes Touristenhotel erbaut. Fast sämtliche Mitglieder des Oberhauses haben Drohbriefe, die den Stempel ״Nationale Organisation“ tragen, erhalten, in denen sie autgefordert werden, gegen die Abänderung des Numerus clausus-Gesetzes zu stimmen, widrigenfalls sie auf der Straße niedergeschlagen werden würden. f 2902

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