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Jüdische Rundschau · 1928-01-06 · Heft 2 (6.1.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 2 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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i $ i i Nr, ,2, 6,11028 Die Reform der Organisasion Vorschlag der Einberufung eines außerordentlichen Kongresses Von Dr. Julius Becker, Oenf. Der Aufbau unserer Organisation paßt zu den heutigen Verhäitnissen genau so, wie wenn man zur Ausnützung der Niagara- Wasserkräfte sich eines jener kleiner Wasserräder bedienen wollte, wie wir sie an Mühlbächen in unseren Dörfern hie und da noch antreffen. Unsere Organisation — das ist ein vor dreißig Jahren geschaffener propagandistischer Apparat, der heute nicht einmal mehr für die Erfüllung dieser Aufgab; geeignet ist, wie die Erfahrung an allen Ecken und Enden zeigt Daß es möglich war, mit diesem gleichen Mechanismus bis heute alle die unglaublich schwierigen und verwickelten wirtschaftlichen und finanziellen Probleme zu lösen, di; der zionistischen Bewegung besonders in den letzten zehn Jahren gestellt wurden, ist nur dadurch zu erklären, daß in Wahrheit eben diese Aufgaben nicht vom Kongreß, ja nicht einmal vom Aktionskomitee, ja nicht einmal von der Exekutive, sondern daß sie von einzelnen Persönliehkc'.en oder von andern Instituten tatsächlich übernommen wurden. Das ist es ja auch, was manche Kritik auf dem Kongreß in den Augen der Eingeweihten so lächerlich macht, und das nimmt eben dem Kongreß bei a'!;11 Fachleuten das ganze Ansehen, daß er so häufig an Dingen und an Fragen herumkri isiert, die ihm in Wirklichkeit länget entzogen sind, oder auf die Einfluß zu nehmen er gar nicht in der Lag; ist. Kurz herausgesagt: es ist der bodenlose Dilettantismus, der entstehen muß, wenn sich Rabbiner mit Kolonisation und Aerzte mit Finanzpo'i ik oder Schneider mit Hafenbau:cn beschäftigen. Es ist derselbe Dilettantismus, der das Ansehen der Par'amente in der ganzen Welt untergräbt, der sich aber bei uns noch tausendfach gesteigert geltend macht, weil wir ja nicht einmal ein Parlament, sondern nur alle zwei Jahre einen vierzehntägigen Kongreß haben. Welche Gestalt müßte die Zionistische Organisation annehmen, um ihren ׳heutigen Aufgaben wirklich gewachsen zu sein? Es wäre vermessen, in einem kurzen Artikel darüber endgültige Angaben machen zu wollen. Aber einige Riehtlinien lassen sich vielleicht aufstellen. * Die Grundlage unserer Organisation wird aus naheliegenden Gründen der Schekel bleiben müssen,,doch wäre es v* *e''e:cl!t gut, wenn wir in jedem Jahre •einen halben Schekel einziehen würden, um auf diese einfache Weise das Wahlrecht'von der Zahlung des ganzen Schekels abhängig machen zu können, dessen Betrag daun entsprechend festzusetzen wäre und me'ner Ansicht nach in den Ländern mit einigermaßen normahn Wirtschaftsvcrlriltnissen ruhig mit etwa fünf Franken normiert werden sollte. Für viel einträg’icher und demokratischer ha'te ich zwar meinen früher schon einmal gemachten Vorschlag, den Schekel in etwa zehn bis fünfzehn׳ Steuerklassen abzustufen, die e'wa zwrehen zwei und zweihundert Franken lä״en, aber es schein*, daß dieser Vorschlag auf sonderbar große Schwierigkeiten stößt, weil einmal das mechanische Piin/io der Gleichheit im Volksbewußtsein ganz verkehrter Weise mit Demokratie vorwechselt wird. Wie aller der Schekel auch beschaffen sein mag. so wird die Hauptsache für das praktische Funkt'onicren der Organisation die Art der Vereinigung der Schekelzahler sein. Da scheint mir nun, daß wir uns in den letzten zehn Jahren mehr und mehr auf einen geradezu verhängnisvollen Weg hegeben haben. In Städten oder Ländern, wo sehr viele Juden wohnen, mag es nicht gefährlich sein, wenn sich die zionistisch interessierten Kreise in eine Misrachi-Cirunne, eine oder zwei sozialisierende Gruppen, eine revisionistische und womöglich noch eine al'gemeine Grumre teilen., Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß diese Vielteilung uns nahezu jeder Arbcitsmöglichkeit beraubt in so'chen Bezirken, wo die Juden oder jedenfalls die Zionisten mir ein k'eines Häuflein bilden und deshalb auf die gemeinsame Arbeit angewiesen sind, wenn sie überhaupt geleistet werden soll Dcsha’b ist aus rein praktischen Gründen die territoriale Einteilung der Zionistischen Organisation, die in den letzten fahren durch das Ueberwuchcrn des Parteiwcrcns leider soviel von ihrer ursprünglichen Bedeutung verhren ha*, gar nicht zu entbehren. Es sollte mit allen Mitteln der Versuch gemacht werden, sie wieder zu stärken. Ob es heute noch Zeit ist, die Entwicklung zu Sonderverbänden (Parteien) aufzuhalten, wa״e ich nicht zu entscheiden. Aber man sollt״ nichts unversucht lassen, um sie so weit als möglich zurückzusriirauben. Der Grundsatz, daß nur Einigkeit stark macht, ist bei uns gar zu sehr in Vergessenheit geraten, und viele Zionisten scheinen heute bereits zu glauben, daß die Stärke unserer Bcwegung in der möglichsten Zersplitterung ihrer Kräfte liegt! * Handelt es sich bei der Erneuerung der Basis der Zionistischen Organisation also im wesentlichen nur um ein; Zam Silvesterskandal im Staatsttieater Ueber den Wert und Unwert, über die Notwendigkeit einer Umeinstudierung der Travestie Holbergs ״Ulysses auf fthaka“ soll in den folgenden Zeilen nicht gesprochen werden, die nicht als Kritik geschrieben, nur mit der Ablehnung, dieser äußerst schaffen und deutlichen Ablehnung sich beschäftigen sollen. Wieder einmal haben die Juden schuld, konnte man nicht nur in einigen Blättern der Rechten lesen, selbst ein Mann wie Hanns W. Fi־ch־r schrieb in der .,Welt am Montag“, daß die jüdischen Mitbürger beim Auftreten zweier Kaftanjuden die Nerven verloren und das Aufhören des Weitcrspie'ens verlangt und durch״ecetzt hätten. Und im To.ic eines sanften Vorwurfs, der sich -- je nach der politischen Eindellung der beireffenden Zeitung — bis zur wüstesten Be'chimpfung steigert, wird den Juden entgegcngehalten, daß bei der Persiflierung des alten Heeres die Rechtsstehenden si״h ruhig verhalten haben, obwohl die Andersdenkenden ihrer Freude über die Verspottung durch Beifall Ausdruck gaben. Nun, hier soll mit kurzen Worten die Wahrheit gesagt werden. Der Abend setzte dank der charmanten Lucic Mannheim und dem herrlichen Franz Weber entzückend ein, um bald in gähnende, trostlose Langeweile zu kommen. Als preußisches Militär — was für ein forcierter Witz! — lächerlich gemacht wurde (übrigens in sehr zahmer Form), waren die Zuschauer bereits zu müde und zu verärgert, um auf diesen ״Scherz“ zu reagieren. Und die Klugen benutzten die dieser Szene folgende Pause, um sich ihre Sachen in der Garderobe geben zu lassen und die Stätte der gegenteiligen Kurzweil zu verlassen, ltn Parkett war bereits beim Aufgehen des Vorhangs nach der Pause eine Unruhe, die lauter wurde, als der Darsteller des Ulysses (für Berlin wirklich noch nicht reif) mit den gleichen Worten des ersten Aktes die gleiche Stellung cinnahm. Diese Unruhe wuchs zum Skandal, als zwei Juden auftraten, deren schauspielerische Leistung tiefste Provinz offenbarte. Da empörte sich das Publikum über die Zumutung, das von der ersten Bühne Berlins hinnehmen zu sollen. Und cs waren streng arisch aussehende ältere Herren im Smoking, die das Abbrechen der Vorstellung verlangten. Ich saß in allernächster Nähe dieser mit Recht aufgebrachten Zuschauer. Und ein Mann wie der Theaterkritiker der Berliner Börsen-Zeitungj JUEDISCHE RUNDSCHAU . ־ ־ «* *. * ־ ׳ ־.׳. ■ . Rekonstruktion, so kommt für die Spitzen der Organ!- sa'.ion, Kongreß, Aktions-Komitee und Exekutive nur ein v ö 1 - liger Neubau in Frage. Dem Kongreß wird man seine einstige Bedeutung nur dadurch wiedergeben können, daß man ihn auch auf seine früheren Aufgaben zurückführt; das Zentrum der Propaganda und der Treffpunkt aller geistigen Strömungen im Zionismus zu sein. Aber er muß entlastet werden von allen Aufgaben, die er seiner Matur nach nicht erfüllen kann: Wegweiser für die K o I o 11 i s a t i o n und Kontrollstelle für ein Budget von einer halben Million Pfund und mehr zu sein, was er ja auch in Wirklichkeit nicht gewesen ist. Jüdische Volkspartei Am Montag, den Ö. Januar, abends 8 י•/ י Ubr, findet im Gemeindehaus Rosenstraßc 2-4, eine Versammlung der Gruppe Zentrum der Jü dis die 11 Volkspartei statt. In dieser Versammlung werden die Herren Dr. Alfred Klee, Prof. Dr. Loewe und Direktor Georg Karesk i über das Thema ״Jüdische Gen!eindepoliiik“ ■ sprechen. Eintritt frei! Gäste willkommen! Für Wirtschaft, Kolonisation und Finanzen braucht die Zionistische Organisation jetzt schon — und erst recht in dem kommenden Zeitalter der Jewish Agency! — ein besonderes Organ, als welches auch das Aktions-Komitee nicht fungieren kann, weil es cbcnfa'ls 11'cht nach Grundsätzen fachlicher Eignung, sondern nach poli'ischcn Gc'ichUpunkten gewüh’t ist. Um eine zu große Komnlizicrlhcit der obersten zionistischen Organe zu vermeiden, würde cs aber meiner Ansicht nach in Zukunft sehr wohl mög’ich sein, auf das Aktions-Komitee ganz 7.11 verzechten. Um so gebieterischer aber drängt sich die Not- Wendigkeit der Schaffung eines besonderen Wi hchafPparlamentss auf, das alle wirtschaft'ichcn und finanziellen Fragen soweit vorzuherciten hätte, daß der Kongreß wirklich nur über die großen Richtlinien unterrichtet zu werden und si» anzunehmen oder abzulehnen brauchte. Dieses Wirtschaftspariamellt sollte aus etwa hundert bis hundertzwanzig Mitgliedern bestehen, von denen die Hälfte aus allgemeinen Wahlen hervorgellen sollte, während die andere Hälfte von den verschiedenen zionistischen Wirt-'chafts- und Finanzinslituten ernannt werden würde. Daß auch die gewählten Mitglieder des Wirtschaftsparlamcnts im Hinblick auf ihre Eignurig zur Besprechung und Begutachtung der Wirtschafts־ und Finanzfragen ausgesucht sein würden, muß man von der Intelli-• genz der Wähler erwarten. Selbst wenn aber hier oder da sich politische Leidenschaften als stärker erweisen, würde der Schaden nicht groß s?in können, weil ia mindestens die Hälfte, wahrschein'ich aber die überwiegende Mehrheit seiner Mitglieder aus Sachverständigen bestehen wird. Das Wirtschaftsparlament sollte in den kongreßlosen lahren, und zwar möglichst gegen das Ende des Kalenderiahres hin zusammentreten, damit der Zeitraum zwi'chen seiner Tagung und der des nächsten Kongresses nicht gar zu groß wird. Seine Aufgabe wäre nicht nur die Diskussion der Wirt- Schafts- und Finanzberichte und die Beschlußfassung über die entsnrechenden Anträge, sondern vor allem auch die genaue Aufstellung eines Budgets für die b-iden folgenden Finanzjahre und die Kontrolle der Rechnungen über die vorhergegangenen. Auf diese Weise käme der Kongreß — da alle Beschlösse (Jes Wirtschaftg'nariamehte ^ler Ratifiziert!!» durch den KdngrefFüntefRegen-mußtcn tu äeif'Bcsitz girümfiicH’geprüfter; klarer und' jedem De'e״i;rten verständlcher Wirtschaffs- und Finanzvorlagen. Diese Vorlagen wären außerdem so rechtzeitig fertiggestellt, daß die Kongre - delegierten sie bereits vor dem Kongreß in Ruhe studieren könnten, so daß der Umfang un 1 die Verworrenheit der Wirtschafts- und Finanzdebatten in den Komnüssionen und im Plenum des Kongresses auf das Minimum reduziert werden könnten. Der Gewinn einer so’chen Regelung wäre nicht nur die Verkürzung der Dauer des Kongreves sondern seine Verriefung. Er hätte plötzlich wieder Zeit für alle die Probleme, die er jetzt kaum berührt und die doch seine Haupt- Probleme wären. Wer spricht heut; noch auf dein Kongreß davon, den zionistischen Gedanken Herzb urt;r den Juden zu verbreiten? Ein Lächeln würde bei der Hälfte der heutigen Komrreßdelegierten die Antwort darauf sein. Wir leiden an dem Größenwahn, daß der zionistische Gedanke verbreitet genug sei, wir bilden uns ein, daß alle Juden uns mindestens wohlwollendes Verständnis enteegenbrächten, und wir leben in dem Wahn, daß die g.\nze nichtjüdische Welt von der Not- Wendigkeit des jüdischen Palästina so durchdrungen wäre, daß wir die Propaganda dem Zufall überlassen könnten. Infolgedessen glauben wir, daß wir auf unseren Franz Koppen, bestätigte mir meine Wahrnehmung. Bereits im Foyer sprach ich mit mehreren rein christlichen Bekannten darüber, daß diesmal ein ganz anderes als das übliche Premierenpublikum im Theater Wäre und daß fast gar keine Juden zu sehen wären. Im. Ernst: wäre jemand so naiv zu glauben, daß eine große Mehrheit sich von einigen Wcnigen, die obendrein noch Juden sein sollten, terrorisieren lassen wird(׳? Die Empfindlichkeit, die man uns vo־wirft, um u ns eine Störung anzudichten, konnten wir ja diesmal gar nicht haben, da wir uns nicht getroffen fühlten. Oder gibt cs vielleicht jemanden, der anninjmt, Jeßner würde an einem Theater antisemitische Provokationen dulden? Der Skandal setzte in dem Augenblick ein, als ein bis dalli 1 überaus geduldiges Publikum nicht mehr neue Geschmacklosigkeiten ertragen konnte. Für wie kleinlich mau uns hält! Wären wir üherempfindlieh, niemals könnte der ״Kaufmann von Venedig“ zu Ende gespielt werden; nie hätte Gad in Paguets ,,Sturmflut" seinen Part durchführen können; nie hätte .,Pottasch und Perlmutter" solchen Erfolg gehabt. Im Gegenteil: unsern Sinn für Witz und Satire, für Karikatur und Persiflage haben wir bisher immer noch bewiesen; wir waren die ersten, die lachten, sofern wir gut getroffen und die Mittel künstlerisch waren. Heinz S t r o 11. In der nächsten Zeit erscheint im Verlag Kurt Vohwinckcl, Berlin-Grunewald, ein neues Buch von Hans K o h n über die ״< i c s c h i c h t e der nationalen Bewegung im Orient“. Das Werk, das von Prof. Karl Haushofer eingeleitet ist, enthält eine Uebcrsicht über die geistigen und politischen Bewegungen in den wi:htigsten islamischen Ländern und eine eingehende Analyse der im Bewußtsein dieser Völker in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangenen Wandlungen. Das Ruch, das auch ein Kapitel über das neue Arabien enthält, wird für zionistische Leser von großem Interesse sein. Die Breslauer Svnagogcngemcinde plant die Errichtung eines jüdischen Museums. Zur Durchführung der vorbereitenden Arbeiten wurde ein Ausschuß eingesetzt Seite 9 Kongressen uns ruhig mit den innerer! Sorgen und den internsten Differenzen zwischen noch so •benachbarten Parteigriippchen innerhalb der Bewegung beschäftigen dürften. Wir vergessen, daß unserer Umwelt diese Sorgen und Differenzen gänzlich gleichgültig sind, und daß sie von u!1s viel mehr den Nachweis der Notwendigkeit, der Möglichkeit und der Nützlichkeit der ReaHsicung unseres Zieles Immer wieder erwaict. Wenn aber alle Wirtschaft*- und Linan/fragen von einem Wirtsrhaftsparlamcnt wirklich vorbereitet und dem Kongreß in kurzen klaren Berichte״ zur En:schcidung vorgclcgt werden, so wird es nicht mehr nötig sein, tagelang in Kongrcßkommissionen und stundenlang im Plenum darüber zu debattieren; dann kann sich der Kongreß seiner großen Aufgabe, der Werbung für die zionistische Idee, der intelligenten, zeitgemäßen Organisierung dieser Werbung — in Wirklichkeit stehen wir ja immer m:el1 agitatorisch i 11 Jahre 18 >7! — und der großen Ausfinati d c r s e t z u n g zwischen den innerhalb des Zionismus miteinander ringenden großen Gcistesrichtungen widmen. Derartige Kongresse •würden in der Öffentlichkeit, auf die wir viel mehr angewiesen sind, als man bei uns glauben will, ganz anders imponieren als selbst die sachlichsten Debatten über Kreditbeschaffung oder sanitäre Erfordernisse i!1 bestimmten Bezirken Pak״--<i,1as (w >ivi ich hoffentlich nicht zu beteuern brauche, daß ich der Letzte hin, die ungeheure Wichtigkeit dieser hier beispielswiise genannten Fragen zu unterschätzen!). Ganz nebenbei wäie auch noch die Belebung nicht zu vergessen, die von der Tagung des Wirtschaflsparlamcnts im Oktober oder im November, die zionistisch; Winterarbeit des kongreßlosen Jahres empfangen würde. Am Ende dieses Winters, etwa im April, s ollten dann überall die Wahlen der Delegierten für den im Juli oder Anfang August stattfindenden Kongreß vorgenommen werden, damit zwischen Wahl und Kongreß denjenigen Delegierten, denen es ernst ist mit der Ausübung ihres Mandates, auch genügend Zeit verbleibt, tun vorher die meisten auf dem Kongreß zur Vcrhandhing kommenden Fragen zu studieren. Den im April gewählten Delegiertet) müßten spätestens im Mai von der Londotier Zentrale alle in Frage kommenden Drucksachen, Berichte und Anträge /״gestellt werden, ln ähnlicher Weise würde sich am Ende des nächsten Winters d i e V7 a 111 der fünfzig odei s e c 11 z i g Delegierten für da s W i r t s c 11 a f t s p a r lamcnt vollziehen, für die je nach dem Ergebnis der Kongreßwählen von der Exekutive oder von einer Kommission des Kongresses selbst jeweils die Wahlkreise eingeteilt werden müßten. Vor allem aber würde das Wirtschaftsparlament eine wirk• lieh sachgemäße Behandlung nicht nur aller will-chaft'ichen, sondem auch, aller budgetären, aller Finanz- und Rechnungsfragen garantieren, und es würde endlich einmal das Geranne und Ge• flüstere von ״verschwenderischer Wirtschaft“, von ״zu viel Beamten“, von Buremkratie nsw. aufhären, wei1 das Wirtschaftsparlament genügend Zeit und Muße und — ge• nügend Sachverständigkeit für alle diese Fragen aufbringen \v;iircic, so daß sich seinem Urteil alle beugen müßten. Den Vergleich mit den Versuchen zur Zweiteilung des Parlaments in Deutschland (Reichswirtschaftsrat) und in Frankreich (Con• seil economigue) habe ich absichtlich unterlassen, weil er für unseren Fall nicht zutrifft. Auch wenn der Versuch in den ge• nannten Ländern oder anderswo scheitern sollte, bliebe er für uns eine Notwendigkeit, weil wir ja nicht mit sechs Monate tagenden Parlamenten, sondern mit einem in zwei Jahren vier• zehn Tage versammelten Kongreß zu rechnen haben. Die Kosten des Wirtsehaftsoarlamcnts würden durch den Wegfall des Aktions-Komitees zu einem Teil bereits gedeckt sein. ־!־ Die Frage, wie diese große Reform, die natürlich auch das längst notwendige Keamtenstatut bringen müßte, durchgeführt werden soll, kann meiner Meinung nach ebenfalls nur in einem Sint1e_ gelöst werden :.durch die . י _־ .' Einberufung eines außerordentlichen Kongresses mit der einzigen Tagesordnung: Reform des Organisations-Statuts. Anders wird niemals ein Kongreß die nötige Zeit, das nötige Interesse und die notwendige ruhige Arbeit aufbringen können, lim eine so durchgreifende Reform der Zionistischen Weltorganisatien zu verwirklichen, ohne daß cs doch wieder nur Flickwerk wird. Deshalb wäre es sehr gut, wenn man in allen zionistischen. Kreisen, wo man sich über die Notwendigkeit einer gründlichen Reform unserer Organisation klar ist, die Wintermonate dazu benützen würde, 11 i c Frage der Einberufung eines außerordentlichen Kon gresscszuerörtern, um eventuell in einer Petition an die Exekutive, die neben dem Aktions-Komitee allein zur Einberufung eitrs .״. .׳erordent'ichen Kongresses bevollmächtigt ist ($} 21 des Organisations-Statuts), diese Einberufung zu verlangen. Gesinnungsgenossen, Zionisten, schüttelt nicht den Kopf: es ist kein kleines Thema, das hier vor Euch steht! Es geht nicht nur um die Zukunft des Zionismus, cs geht auch um das, was Herzl vor dreißig Jahren das Wichtigste war. ,.die Würde des Kongresses“, die in höchster Gefahr ist. Rubers ״Chassidlschc Schrillen“ Im Verlag von Jacob Hegner, Hellerau, erschienen soeben die C. h a s s i d i s c h e n Schriften von Martin Btt her in einem Bande. Die Sammlung ist bereichert um ein neues Geleitwort, in welchem Buber die reUgionsgeschiclltliehe Stellung des Chassidismus umreißt. Die Büehft־ selbst sind teilweise umgearbeitet und mit Ergänzungen versehen. Der Band umfaßt: Die ״Legende des Baalsdiem“, die ״Geschichten des Rabbi Nachmann“ den ״Großen Maggid und seine Nachfolge“, das ״Verborgene Licht“. Der Verlag Hegner hat dem Buch den bei ilttn gewohnten sorgfältigen und schönen Druck und die vornehmste Ausstattung angedeihen lassen. Dieses Buch ([*reis 15 M.) ist Wohl das schönste und bedeutungsvollste Werk, das die große Periode des jüdischen Wiedererwachens in deutscher Sprache hervorgebracht hat. Ls erschließt dem westlichen Judentum eine neue Welt, neue Quellen jüdischen Denkens und Empfindens, ein neues jüdisches Lebcnsgcfiihl. Erst in dieser großartigen Zusammenfassung wird uns mit voller Deutlichkeit klar, welchcti außerordentlichen Reichtum uns Buber geschenkt hat. Das mm vorliegende Gesaititwerk, das von der geistig verarmten westlichen Judenhcit mit dem Respekt und dem Dank, den es verdien(״ aufgenommen werden müßte, bedarf noch einer eingehenderen Würdigung, die an dieser Stelle demnächst erfolgen soll. Der vor einigen Tagen verstorbene bekannte süddeutsche Schriftsteller Michael Georg Conrad war einer der wenigen geistigen Führer des Deutschtums der letzten Jahre, die sich mit Liebe und Sympathie dein Studium jüdischer Probleme Hingaben, Michael Georg Conrad gehörte zu den ersten nichtjüdischen Freunden des Herzischen Zion i s 11t u s. Die ״J c w i s 11 H i s t o r i c a 1 Society o f 1:11 g 1 a n d" in London beabsichtigt die Einberufung eines Kongresses jüdischer Historiker nach London im Sommer 1320, der aus der ganzen Welt beschickt werden soll. Die ״Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentum;‘• in Berlin hat bereits eine Einladung erhalten.

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