Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 JUEÖfSCHE RUNDSCHAU Nr. 2, e. 1.1028 Kamp? um einzelne Personen. Seit einiger Zeit entfaltet .׳weh de Haas, der ehemalige Sekretär der amerikanisehen Organisation unter Brandeis, eine lebhafte Aktiv!• tat unter der Parole ״Zurück zu Herzl“. Er hat eine zweibändige Herzl-Biographie veröffentlicht, die gleichzeitig politische Kampfschrift ist. Dem gegenüber ist es zu begrüßen, daß ein so besonnener Mann wie Morris Rothenberg wieder in die amerikanische Leitung eingetreten ist. Seine Antritts-Mahnung, den gegenseibgen Zwist und die übermäßige Kritik zu lassen und die Einigkeit wicdcrherzustellen, wird hoffentlich in den zionistischen Reihen Amerikas ein positives Echo finden. Miii-■ März soll Dr. Wei/mann nach Amerika gehen, um die Angelegenheit der erweiterten Jewish Agency weiterzuführen. Bis dahin wird wohl der Bericht der Expertenkommission vorhegen, der einen konkreten Aufbauplan für die nächsten fünf oder zehn Jahre enthalten muß, wenn er seinen Zweck erfüllen soll. Die Finanzicrung dieses Planes wird dann das Hauptproblem der weiteren Beratungen sein. Alle Beteiligten sind wohl inzwischen zu der Ueberzeugung gelangt, daß nur eine großzügige Finanzierung eine geordnete Arbeit und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg gewährleistet. Ohne konzentriertes Kapital kann man nicht kolonisieren, und die heroischen Anstrengungen, die der Zionismus ohne gesicherte Finanzgrundiagen gemacht hat, liefern in dieser Beziehung wertvolle Erfahrungen, ln letzter Zeit sind zwei größere Projekte bekannt geworden, die die Durchsetzung dieser Erkenntnis heweisen, von denen jedoch nicht feststeht, wieweit sie bereits gediehen sind. Das eine ist die geplante liebernähme der Haifa Bay durch eine amerikanische, von Warburg und Marshall geführte Gruppe — gemeint ist wohl die ״Palestine Economic Corporation“ —, die angeblieh bereits 5 Millionen Dollar ztfr Entwicklung des ganzen Geländes zur Verfügung hat. Wir verzeichnen das Geröcht, obwohl schwer zu sagen ist, was daran wahr ist, da erfahrungsgemäß solche Nachrichten in derOeffentlichkeit lawinenartig anschwellen. Immerhin wäre es begreiflich, wenn für die außerordentlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die gerade das Terrain um Haifa angesichts des bevorstehenden Hafenbaus bietet, Kapltal zu haben wäre. Ist doch auch die Anleihe der Palästina-Regierung in zwei Stunden überzeichnet worden, was beweist, daß bereits allgemeines Vertrauen zur Entwicklung des Landes besteht. Interessant ist auch das andere Projekt, das sich nicht auf Palästina bezieht, sondern auf die jüdische Kolonisation in Rußland. Dieses Werk, das andern Motiven entspringt als die palästinensische Kolonisation, hat doch in seiner Durchführung mit ähnlichen Problemen zu ringen. Auch dort erschwert die Geldknappheit einen planmäßigen Aufbau. Es soll nun vorgeschlagen worden sein, daß" die Sowjet-Regierungzehn Millionen Dollar zur Verfügung stellt, wogegen amerikanische Finanziers gleichfalls 10 Millionen Dollar aufbringen. Aus diesem Fonds soll dann das jüdische Kolonisationswerk finanziert werden, wahrscheinlich in der Form billiger Kredite, denn um Schenkung dürfte es sich kaum handeln. Die von den amerikanischen Juden aufgebrachten zehn Millionen Dollar sollen nach unsern Informationen innerhalb von zehn Jahren rückgezahlt werden, unter Garantie der Sowjet-Regierung. Drei Personen, Julius Rosenwald, Rockefeiler und Warburg, sollen für diesen Zweck bereits je 2 Millionen Dollar in Aussicht gestellt haben, während die restlichen 4 Millionen von einer Reihe anderer Personen (und der Ica) zugesichert wurden. Wie es scheint, hängt die Ausführung von der Zustimmung der Sowjet- Regierung ab. Wir können keine Prognosen stellen, müssen aber dieses interessante Projekt registrieren. Wenn es verwirklicht wird, könnte die jüdische Kolonisation in Südrußland konsolidiert und wesentlich gefördert werden. ln Amerika ist Geld genug vorhanden. Die amerikanischen Juden behalten, auch wenn sie das russische Werk durchführen, für Palästina genug übrig. Durch die Palästina-Anleihe mul den Hafenbau hat sich die englische Regierung für einen großen Teil der Ent- Wicklung des Landes bereits als Garant eingesetzt. Es wird eine Aufgabe unserer zionistischen Politik sein, Garantie und Kredite seitens der Regierung auch für jüdische Aufbauprojekte zu sichern, wodurch das Ver- Berliner Zionistische Vereinigung Sonntag, den 8. Januar, vorm. 11J/s Uhr, im Garientaal de« Logenhauses, Kleistatraße 10 Trauerfeier für Prof. Cliales, Wien Wladimir Temklit El mole radhamlmt Manfred Lewandowski. Es sprechen: Kurt Blumenfeld, Dr. Julius Brutzkus, Prof. Dr. J. Elbogen, Dr. Bernhard Kahn, J. Klinoff, Dr. Alfred Klee, Dr. Harry Torczyner. trauen zum jüdischen Aufbauwerk auch wirtschaftlich steigen wird. Anfänge hierfür sind bereits vorhanden. Der Bericht der Expertenkommission wird vielleicht eine weitere Handhabe in dieser Richtung bieten. Ein langsamer und rationeller Fortschritt der Kolonisation innerhalb der durch die gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen gesetzten Grenzen wird sich als viel solider und daher auch in nationalem Sinne viel wertvoller er- «,eisen als efn überstürtztes Vorgehen, das nicht mit den Mitteln rechnet und sich auf nachträgliche finanzielle Transaktionen verläßt. ijc Am Ende der ersten Dekade der zionistischen Nachkriegsarbeit stehen wir vor der Aufgabe, die Bilanz dieser zehn Jahre in ganz buchstäblichem Sinne zu ziehen. Wir haben Neuland betreten, mit einem Volk, das durch die Erlebnisse des Weltkriegs aufgewühlt, durch seine Resultate zum Teil völlig entwurzelt, zudem seit vielen Jahrhunderten einer selbständigen Staatliehen Aufbauarbeit entwöhnt war, ein beispiellos schweres Werk begonnen. Der Enthusiasmus und die Freiheitssehnsucht unseres Volkes haben sich mit eiementarer Gewalt einen Weg gebahnt, die praktischen Kenntnisse realer Einzelheiten mußten erst allmählich erworben werden. Diese Jahre haben uns Opfer gekostet, viel Menschenkraft hat sich selbst verschwendet im Ringen mit unbekannten Faktoren. Aber erst künftige Zeiten werden gerecht abzuschätzen vermögen, was an Außerordentlichem in diesen zehn heroischen Jahren geleistet wurde. Diese Periode findet nun ihren Abschluß. Wir haben das Begonnene zu vollenden und zu sichern. Wir haben das Geschaffene mit den realen Verhältnissen in Einklang zu bringen, damit es organisch gedeihen und wachsen kann, ohne künstlicher Hilfsmittel zu bedürfen. Dieser Uebergang drückt sich in der täglichen Arbeit sehr prosaisch in einer Reihe administrativer und organisatorischer Maßnahmen aus, die mit klarem Blick für die gegebenen Wirklichkeiten getroffen werden müssen. Nur so kann auch der ideelle Gehalt unseres Werkes, der freilich Motiv und Ziel all unserer Arbeit ist, gesichert werden. Diesen Uebergang zu vollziehen, ist die Aufgabe der jetzigen Exekutive. Sie muß schrittweise vqrgehen. Zunächst muß sie sich in ihrem eigenen Apparat ein geeignetes Werkzeug des Aufbaus schaffen, indem sie ihre finanzielle Aktionsfähigkeit wiederherstellt. Dann muß sie trachten, die Sied- Jungen und wirtschaftlichen Institutionen auf eigene Füße zu stellen. Und damit ist auch schon der Uebergang gegeben zu der zweiten Periode der Aufbauarbeit, die die jüdische Position im Lande entscheidend erweitern soll. Neue Wege müssen gefunden, neue Mittel erschlossen werden. Diese Politik, die jetzt schon gleichzeitig mit der Konsolidierung des Bestehenden vorbereitet wird, ist charakterisiert durch die Schlagworte: planmäßige Ansiedlung mit gesicherten Mitteln, Aufbauplan der Experteii-Kommission, verschiedene Anleiheprojekte, Ansiedlungshilfe der Regierung, wirtschaftliche Entwick- Jung in Zusammenhang mit der Ausbeutung der Naturschätze (Hafenbau, Jordanwerk, Totes Meer). Diese neue Periode wird frei sein können von den psychologischen Belastungen der ersten. Wir haben gelernt, daß die Er- Weiterung der Produktionskräfte des Landes die erste Vorbedingung für eine größere Einwanderung und Seßhaftmachung ist. Die Erkenntnis, daß hohe Einwanderungsziffem nicht das alleinige Kriterium zionistischen Fortschritts sind, bricht sich Bahn. Die Qualität und Dauerhaftigkeit der geschaffenen Positionen ist von ausschlaggebender Bedeutung. Der nafiona’e Enthusiasmus muß sich diese Erkenntnis zu eigen und zunutze machen. Wenn es der neuen Exekutive gelingt, diesen Uebergang mit einem Minimum an Härte und Leiden zu vollziehen, und zugleich diese Erziehungsarbeit zu leisten, dann wird sie in der zionistischen Geschichte eine überaus wichtige Rolle erfüllt haben. Vor den ״gaUzisehen Wahlen" In Lemberg tagte vorige Woche eine Konferenz der extrem-orthodoxen Rabbiner Polens, an we'c/.er einige weltbekannte Chassidim Rabbis teilnahmen. Dem Belzer Rebbe wurde bei seiner Ankunft von den staatlichen und städtischen Behörden ein überaus glänzender Empfang bereitet. In der Begünstigung dieser Veranstaltung kam das Bestreben der polnischen Verwaltung zum Ausdruck, durch Favorlsierung der schwärzesten Orthodoxie Uneinigkeit unter die Juden zu tragen, und die Walt! von unabhängigen nationalen jüdischen Abgeordneten zu verhindern. An der Konferenz beteiligten sich ungefähr 4?0 Rabbiner. Der von der Regierung erhoffte Effekt ist jedoch nicht erzielt worden, denn die Beratung verlief völlig! resultatlos und erbrachte keine Einigkeit der Rabbiner in bezug auf die Landespolitik. Der Bobower Rebbe und seine Anhänger verließen die Konferenz am zweiten Tage und der Rebbe von öttynia sprach sich als Führer der Opposition gegen jede Aktion politischen Charakters aus. Der Krakauer Rabbiner empfahl die Unterstützung der Regierungskandidaten. Ein Komitee von 10 Personen soll Richtlinien für die Landespolitik der Orthodaxen ausarbeiten. Der Zwischsnlaflta Pelael» TUnvali Jerusalem, 1. Januar. (J.T, A.) Die jüdischen Ko יnisten von Petaeh-Tikwan haben Lord Pfumer t.n Memorandum unterbreitet, in welchem sie ihren Standpunkt zu der Arbeits’.aienfrage in Petaeh-Tikwah und 1u dem Vorgehen der Polizei gegen die Arbeitslosen dirlegea, Bnstanis Straie herabgesetzt Jerusalem, 1. Januar. (J. T. A.) Der arabische >\gitator Wadi El Bustanf. der der paläst!nensisch-arabischen Exekutive nahe stellt, wurde im Juni 1027 vom Haifaer Distriktsgericht zu einer Geldstrafe von 100 Pfund verurteilt, weil er im Februar 1927 mit einem Trupp Araber einen von der Palestine Jewish Colonisation Asrocia'.ton (PICA) in Caesarea gepflanzten Eukalyptuswald zefstört hat 2000 Eukalyptusbäume wurden entwurzelt Das Berufungsgericht hat ausgesprochen, daß Bustani des ihm zur Last ge-!egten Verbrechens schuldig ist, reduzierte aber die Strafe auf £ 25. Laut Urteil des Distriktsgerichtes von Haifa hat Bustani eine Entschädigung an die PICA ln Höhe von £ 65 zu zahlen. Elieser Ben-Jehuda (Zur 5. Wiederkehr seines Todestages.) Von Simon Ernst, Tel-Avviw. Schon fünf Jahre sind verflossen, seit ßen-Jduida nicht mehr unter uns weilt, der so unzertrennlich zum inneren Bilde des neuen Erez-Israel gehörte, erst fünf Jahre, seit der Wiederbeleber der hebräischen Sprache nicht mehr wirkt, wo doch das nationale Idiom bereits so natürlich und wurzel- Haft klingt, die Sprache des Kindes, der Straße, und der Dichtung. Hat dieses Wunderwerk ein Mensch vollbracht? Nun, vor Ben-Jehuda bestand die historische Notwendigkeit, durch ihn kam die erste Verwirklichung, und nach ihm bleibt die Selbstverständlichkeit der nationa'en Volkssprache. In seiner Autobiographie, die den bedeutsamen Namen trägt ״Der Traum und seine Erfüllung“, wird uns diese einzigartige Pionierlaufbahn geschildert*)'. Elieser Perelmann wurde am 5. März 1858 in einem weltverlorenen litauischen Städtchen bei Wilna geboren. Der traditionelle Erziehungswep führte den künftigen Erforscher und Wiederbeleber der Prophetensprache nach der Jeschiwa, wo er das Glück hatte, in dem Leiter der Anstalt einen geheimen Bundesgenossen zu finden, der ihm einen hebräischen ״Robinson Crusoe“ in die Hand drückte; unbeabsichtigterweise war Symbol und Prophezeiung in dieser Gabe. Das entscheidende Erlebnis kam ihm bei dem Ausbruch des bulgarischen Aufstandes gegen die Türkei und dem russisehen Feldzug. Hören wir die Worte Eliesers selbst: ,.Der Sturmwind wehte vorn Balkan her... Und nun geschah es, in der Mitternacht. Nachdem ich lange in den russischen Zeitungen gelesen und über die bulgarische Befreiung nachgedacht habe, blitzte es plötzlich vor meinen Augen auf, und mein Oedanke flog von den Balkanpässen zu den Jordaniibergingen. Eine innere Stimme rief mir verwundert zu: Und die Auferstehung Israels mit seiner Sprache in dem Lande der Väter, wo bleibt sie bei alledem?... Bald fühlte ich, daß es mehr als ein Traum war, und jedenfalls, daß er mich *) Hebräische Zeitschrift ,Jiatoren“ (New York) Nr. 30, 11, •13, •19 (1917 18). Vgl. meinerf Artikel über Ben-Jehuda, ״Der Jude“, 1923, Februar-Heft nie verlassen wird. Der Jude in mir gewann die Oberhand. Mein Los ist nunmehr entschieden. Mein Leben, meine Kräfte sind der Auferstehung Israels und seiner Sprache auf dem Boden der Väter geweiht.“ Die russische innerpolitische Befreiungsbewegung vermochte den jungen Idealisten nicht in ihren Bann zu zwingen; sein ״kleines erbärmliches VÖ’.kchen“, wie er cs vor sich sah, ja viel schlimmer und tragischer: sein stummes, des heimatlichen Sprachvermögens beraubtes Volk zog ihn an sich. Nun wurden die Lebenszufälle zu symbolisch Schicksalvollen Begebenheiten. Bald stößt der junge Perelmann auf ckn bekannten Roman ״Daniel Deronda“ von George Elliot und fühlt in sich den Entschluß reifen, ins Land der Väter zu ziehen, wie cs ja der Held der englischen Schriftstellerin getan. Der Zwanzigjährige veröffentlicht einen Artikel ii) der 11ebräi;ehen Zeitschrift ״Haschachar“: .,Die gewichtige Frage“, in dem er, 15 Jahre vor dem ersten Baseler Kongreß und zwei Jahre vor der ״Autoemanzipation“ von Pinsker, die zionistische Massenbewegung mit voller Deutlichkeit vorausahnte und die hebräische Volkssprache zur Rettung der nationalen Eigenart forderte. Die Tat folgte rasch auf den Beschluß. Elieser hen-Jehuda, der Hebräer, zieht nach Paris als Durchgangstation auf dem Wanderweg nach der Urheimat. Dort wandte er sich an die ״Alliance“, um in der Ackerbauschule Mikveli Israel zu arbeiten und bekam eine Antwort, in der sich aufrichtiges Erstaunen über die Einfalt des Suchenden und wohlwollendes Mitleid mit seiner bedrängten Lage mischten: die Aufgabe der Alliance sei, Juden aus Palästina herauszuführen, um sie zu französisch •sprechenden Kulturmenschen zu machen, nicht aber neue Menschen dahin, und gar noch aus Paris, zu schicken! Die Reise verzögerte sich durch einen Krankheitsanfall, an den sich das schöne Erlebnis der ersten hebräischen Unterhaltung knüpfte: auf den benachbarten Krankenbetten, mit dem ersten Jerusalemer, den er traf, — dem bekannten Herausgeber der Palästina-Jahrbücher Lunz. Und schon hatte das Erneuerungswerk an der Sprache begonnen. Das erste von Ben-Iehuda geschaffene Neuwort war eben ״Milon“ — Wörterbuch. Er brauchte diese Vokabel dringend, und ln der Bibel fand er sie nicht, auch nicht im Talmud. So nahm er die uralte Wurzel, und hatte ein modernes Wort ins Leben gerufen. Elieser Ben-Jehuda ließ sich in Jerusalem nieder und b'eibf ganze 36 Jahre in unermüdlicher, schriftstellerischer, wissenschaftlich-pnüologischer Arbeit tätig. Durch die unerwünschte Pause des Weltkrieges in die Ferne verbannt, kehrte er mit dem ersten Passe des ,.palästinensrchn Staatsbürgers“ nach Hause zurück, um noch die Mandatsunterzeichnung zu erleben. Doch das Riesenwerk des ״Hebräischen Wörterbuchs“, von dem fünf Bände zu seinen Lebzeiten und zwei weitere aus dem Nachlasse erschienen sind, war ihm zu vollenden nicht vergönnt. Elieser Ben-Jehuda war der erste lebende Hebräer, für den die Sprache bewußt seine einzige, die natürliche, genauer: die durch einen leidenschaftlichen Willen zur Natur ge * wordene Ausdrucksmöglichkeit war. Es genügte ihm nicht, in der Gelehrtenstube für die Augen zu schreiben. Das Wort mußte leben, im Herzen zittern, von den Lippen klingen, flüsternd, schreiend, redend. Die Früheren konnten gemächlich in der biblischen Bilderpracht schwelgen. Jetzt hieß es; ver-• standen werden, und da mußten Bezeichnungen auch für Küchengerate und Automobilteile geprägt, verarbeitet werden. Der hebräische Kindergarten von heute ist das ewige Denkmal für das Werk des Einzelnen, des Einzigen, der das stumm gewordene Volk sprechen und singen ließ. Unter dem Titel Tobias Levy (1851—1017) bringt das soeben erschienene Januarheft der ״Metiora h“, die Geschichte vom glanzvollen Aufstieg des Enkels des Wilnaer Melamed. Ludwig Lewinsohn, Autor der bekannten Bekemitnis-Bücher ״Gegen den Strom“ und ״Israel“ erzählt hier interessant und spannend vom Widerstreit zwischen der jüdischen Tradition des Elternhauses und den Einflüssen von Schule und Universität, von der gesellschaftlichen Aechtung der Juden, von. der Karriere des Täuflings und dem tragischen Zusammenbruch in den Sturmtagen der Kriegszeit. Wl. Jabotinsky gibt seine Erinnerungen aus dem Weltkriege: ״Vom Nil zum Jordan“, die sehr interessante Geschichte der jüdischen Legion. Aus dem sonstigen Inhalt dieser interessanten Nummer heben wir hervor den Artikel ״Ist das Judentum kunstfeindlich“ von Leo Adler, Berlin, über moderne Synagogenarchitektur in Amerika, sowie zahlreiche Kimstbeilagen. (Wien 1, Zelinkagasse 13.)