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Jüdische Rundschau · 1927-12-30 · Heft 104 (30.12.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 104 (30.12.1927)
Date
1927-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite?36 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!04 30.XTL 10י? t! g u n g der Arbeitslosen In Petach Tikwah. Der Gouverneur, dem die Lage im einzelnen dargelegt wurde, verschloß sich nicht der Berechtigung der Forderungen und versprach, In Verhandlungen mit den verschiedenen Parteien für eine Ordnung der Angelegenheit Sorge zu tragen. Nach einigen Tagen erklärte er, daß er hoffe, es werde ihm gelingen, die Arbeitslosennot in Petach Tikwah zu erleichtern, doch hinge viel von der Haltung der Pflanzer ab. So also steht die Lage bei Absendung׳ dieser Zeilen: Petach Tikwah ist in größter Erregung, die gefangenen Arbeiter sind bisher trotz aller Forderungen nicht entlassen und sehen der Gerichtsverhandlung entgegen. Der Konflikt als solcher bestellt in seiner ganzen Schärfe weiter, das Einschreiten der Polizei hat nur die eine Folge gehabt, daß nunmehr die arabischen Arbeiter In den Pardessim Ihre Arbeit durchfuhren können. Am selben Tage, an dem der landwirtschaftliche Rat von Petach Tikwah erklärte, daß vorlaut!״ die Araber mit der Pflückarbeit nicht begonnen hätten, wurde festgestellt, daß allein in den Pardessim von Paskel und Engel 250 Araber arbeiteten und nicht ein einziger Jude! Es sei zunächst betont, daß cs bei den traurigen Vorfällen zu keinerlei Konflikten zwischen jüdischen und arabischen Arbeifern gekommen ist. Die Jaffaer arabischen Arbeiter machten keinerlei Versuch, in die Pardessim einzudringen, als sie die-Torc besetzt fanden und der Kampf der jüdischen Arbeiter ist ׳ein Kampf für die ] ft dis che, nicht gegen die arabische Arbeit, ׳ Die Erbitterung, die im ganzen Jischuw über die Vorfälle herrscht und die im bürgerlichen ״Haarez“ zu fast noch schärferent Ausdruck gelangte als im sozialistischen ״Dawar“, richtet sich in erster Linie gegen die Polizei. Nur der Augenzeuge kann entscheiden — und vielleicht nicht einmal er — ob die Polizei mit überflüssiger Grausamkeit vorgegangen Ist, wie behauptet wurde. Was unzweifelhaft Ist, scheint uns zu sein, daß die Aufgabe der Polizei, die doch ein Instrument der Reglerung ist, eine politische hatte sein müssen. Gewiß hat die Polizei die Aufgabe, Ruhe und Ordnung zu gewährleisten und die Beobachtung der Gesetze im Notfall zu erzwingen. Aber abgesehen von der Tatsache, daß es in keiner Weise bisher klar Ist, ob eigentlich die Arbeiterwachen das Maß des zu* lässigen Streikpostenstehens überschritten haben, scheint uns, daß die Aufgabe der Polizei in dieser Lage eine andere gewesen wäre. Seit Monaten versichert die Regierung, daß sie alles Erdenkliche tun werde, um den Arbeitslosen zu helfen, und insbesondere Campbell hat seinen ernsten Willen in dieser Richtung immer wieder betont. In diesem Falle ■war Gelegen* heit, dieses Verständnis für die Lage des Arbeitslosen zu be* weisen, Indem man durch Druck auf beide Seiten den Arbeit*- losen geholfen und es ihnen ermöglicht hätte, die Wachen zurückruziehen. Wir glauben, daß ein solches Verhalten der Polizei um so mehr hatte erwartet werden können, als wir ltn letzten Jahre bereits drei Fälle hatten, b! denen die Polizei, von Unternehmerseite herbeigerufen, mit großer Bru* talitst gegen jüdische Arbeiter eingeichritten ist, nämlich In Haifa, Akke und Sichren Jakob. Es ist kein Wunder, wenn diese Taktik der Polizei schließlich den Eindruck erweckt, der heute In weitesten Kreisen besteht, daß man den Arbeitern fe״t»6ber nur Versprechungen übrig hat, bei Klas*en»t*eligeiten dagegen die Unternehmerinferesseji In schneidigster Wm4 *uverteidig«! 'vecitelit» - . ׳!1!1מי י« י*ימיי f י־ ff ׳ .#מי .Wipp ctpfÄuift 6Ägr׳׳Är ׳fög^tfciffe ־Äf׳׳•dM':Afbe!ts?bs%. verlangen, wenn die jüdische« Pflanzer von Petach T%wah in dieser Zeit einer nun mehr fast zwei Jahre an* haltenden schweren Arbeitslosigkeit bewußt und absichtlich keine jüdischen Arbeitslosen, sondern Araber beschfiftigen und zur Sicherung der fremden Arbeit In Petach Tikwah die Polizei zu Hilfe rufen, obwohl jeder voraussagen konnte, daß das Ergebnis des Einschreitens der Polizei Blutvergießen sein mußte?‘Die Volle und ungeteilte Verantwortung für die Ereignisse von Petach Tikwah trifft die Gruppe der Par d e ss a!»i m , die die Mehrheit des gegenwärtigen landwirtschaftlichen Rates der Ko’onie bilden. Es ist durchaus falsch, wenn man es vielfach noch so darstellt, als ob nur die Rücksichtnahme auf die Rentabilität der Wirtschaft es sei, die die Bojarettbesitzer zur Bevorzugung des arabischen Arbeiters führt. Das ist gewiß in diesem Augenblick nicht richtig, wo die Spanne zwischen jüdischem und arabischem Lohn so gering geworden ist. Es ist auch all* gemein nicht richtig, wie die Tatsache beweist, daß Rech 0• both ganz ohne arabische Arbeit auskommt und in Ne ss Zionah, Rischon le Zion, MagdIei, Chederah die jüdische Arbeit sich durchaus durehgesetzt hat Die w a h « ren Gründe für das Verhalten der Pardessanlm erkennt man aus einem Vorgang, der sich ebenfalls in diesen Tagen in Petach Tikwah abgespielt hat. Wie bekannt, ist das Gesetz über die Gemrindeautonomie, das dem Waad Leumi Besteuerungsrecht gibt, noch nicht verkündet, und der Waad Leumi Ist infolgedessen auf die freiwilligen Beiträge der jüdischen Siedlungen angewiesen. Petach Tikwah hat nunmehr beschlossen,‘dem Waad Leumi keinen Beitrag zu zahlen, da man diese ״Zionistische Parteiinstitution“ nicht unterstützen wolle! Am nächsten Tage beriet man unter dem Einfluß der nationalgesinuten Minderheit noch einmal über dieselbe Frage und beschloß, dem Waad Leumi in diesem Jahre — zehn Pfund zu geben, was kaum etwas anderes als eine Verh ö 11 n u n g ist und wohl auch so gemeint war. Hier erkennt man die Triebfeder im Verhalten des jüdischen Bojarenbesitzers aus Petach Tikwah; Fehlen jeglichen nationalen Gefühls, Haß gegen den jüdischen Arbeiter als den Träger des nationalen Gedankens und Bevorzugung des Arabers, der sieh unbegrenzt ausbeufen läßt und es noch nicht gelernt hat, sein Menschenrecht zu verteidigen. Man kennt Tatsachen über die Behandlung arabischer Lohnarbeiter in Petach Tikwah, die man allerhöchstens in den Zuckerplantagen Westindiens für möglich gehalten hätte. Die Bezeichnung des Da war ״jüdische E f f e 11 d i s“ charakterisiert diese Gruppe völlig richtig. Unter diesem Aspekt gesehen, erscheint der traurige Zwfschenfall von Petach Tikwah als ein Schritt auf dem Wege zum ״Kibbusch Haawodah“, zur Eroberung der Arbeit. Die Fortschritte der letzten Jahre in anderen Siedlungen geben die Gewähr dafür, daß auch Petach Tikwah schließlich der jüdtsehen Arbeit erschlossen werden wird. In den Kolonisation»- Programmen der letzten Zelt erscheint immer häufiger die Forderung der Anlegung von ArbeLersicdlungen am Rande der alten Pflanzungskolonlen, um den Arbeiter dort seßhaft zu machen und es ihm zu ermöglichen, auch die tote Saison aushalten zu können. Das aber setzt voraus, daß wenigstens in der Saison der jüdische Arbeiter auf Beschäftigung rechnen kann. Wenn das erreicht wird, ist das Biut, das in Petach Tikwah jetzt geflossen ist, nicht umsonst geflossen! Petach-Tikwah im englischen Unterhaus London, 21. Dezember. (J. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete der Arbeiterpartriler S n e 11 an den Unter- Staatssekretär für die Kolonien die Frage, was Ihm Über die Vorgänge in Petach Tikwah bekannt sei In Petach Tikwah, führte der Interpellant aus, herrscht eine große Arbeit*- loslgkelt. Trotzdem wurden hunderte unorganisierte arabische Arbeiter zur Einbringung der Örangenernte herangezogen. Darauf haben sich die jüdischen Arbeitslosen von Petach Tikwah friedlich in der Nähe der Orangenplantagen versammelt und an die Plantagenbesitzer die־ Bitte gerichtet, sie zur Arbeit einzustellea. Auf Befehl des anwesenden Gouverneurs von Jaffa aber wurden die Arbeit*!® en brutal auseinander getrieben, wobei durch die Polizisten fünf Frauen und neun Minner ver« letzt wurden. Der Sekretär der lokalen Gewerkschaft und 16 Arbeiter wurden verhaftet Will die Regierung nicht weitere Nachforschungen über diese Vorkommnisse anstellen? Colonei Wedgwood .(Arbeiterpartei) fragte ebenfalls den UnterstaatesekreUr, ob er Uirlfbs über di? Vorgänge in Petacü 1 ^rifftM'Wi-r'FfatteO und, tfeMn׳:l1Än#& schwer vlsMIKÄ-Walstt' die Polizisten Araber? Ist eine nähere Untersuchung der ganzen Angelegenheit eingeleitet ■worden? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Ortnsby-Gore erwiderte; Ich besitze keine Information über die Vorginge In Petach Tikwah; mir ist nur das bekannt, was die Presse darüber Berichtet hat. Ich werde mich an den Oberkommissar um einen telegraphischen Bericht wenden und hierauf all« über diese Angelegenheit an mich gerichteten Fragen beantworten. Das Budget der Palästina-Regierung Das Budget der Palästina-Regierung von Apr! f bis De* zember 19?? sieht Ausgaben In Höh« von £P 1923 933 vor. Darunter für ausländische Öffentliche Arbeiten £P 210 643, di« transjordanische Greiizschutztrnppe £P 132 713. für Polizei* und Gefängnisse £P 2T1GS6 und für Unterricht £P 105 502. Dies« Zahlen betreff eh nur eine Zeitdauer von neun Monaten, da das Finanzjahr der Palästina-Regierung, das bisher vön April bis April ging, von 1328 ab mit dem 1. Januar beginnen soll, ln den zwölf Monaten von April 1926 bis April 1927 betrug daS 'Ausgabenbudget der Palästina-Regierung £E 2 525034, Zentralkomitee der Z. V. f. D, Am Sonntag, den 25. Dezember, tagte in Berlin das Zentralkomitee der Z. V. f. D. An der Sitzung nahmen teil; Vom Qeschäf tsf ührenden Ausschuß: Blumen׳ Feld, Rosenblüth, Erich Cohn, Feuerung, Foerder, Max J. Kober, Sandler, Waldmann, Weltseh. Vom Landesvorstand; Benno Cohn (BeriHi), Er* hard, Ginsburg (Königsberg), Salli Hirsch, Kanowfiz, Klee, Kollenscher, Landsberg (Wiesbaden), Lichtheim, Kabln (Brca* lau), Rau, Rosenfeld (Karlsruhe), Alfred Schwarz, Wolfsberg. Vom Zentralkomitee: Julius Kaufmann (Aachen), Aron, Abiseh, Etttsch, Fett, Fränkel, Klinoff, Lion, Wolletmann (Berlin), Silberstejn (Misrachi-Berlin), Bones und Powitzer (Breslau), Simon Strauß (Cassel), Sichel (Chetftnitz), Frau Dr. Winter (Dresden), Frau Satonowa (Erfurt). Krause (Frankfur a. M.), Scheiner, Schwabacher und Heinricn Strauß (Hamburg), Lehmann (Misrachi-Hamburg), Dr. Liebstädter. (Nürnberg), Block (Gruppenverband Oberschlesien), Ledermann (Gruppenverband Rechtsrheinland-Westfalen), Sali] Hirsch s. o. (Gruppetiverband Sachsen*Anhalt), Kuit Lewin« sohn (Ostdeutscher Oruppenverband), Blleski (Vor:ritzender des Ehrengerichts), Siegfried Hirsch (Finanzausschuß), Frau ßlumenfeld (Bund zionistischer Frauen), Schnurmadier (Hfr chaluz;. Von Beamten: Berger, Frankenstein, Glaser, sowie die Sekretäre und Sekretärinnen aller Ressorts. Als O äste: Professor Warburg, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Hammersteio, sowie zahlreiche Mitglieder der Vertreter-Versammlung der B. Z. V., der zentralen Korn* missionen der Z. V. f. D. und Vertreter der Jugemdorgani* satlonen. Der Vorsitzende Kurt Blumenfeld eröffnet« die Tagung mit einem warmen Nachruf auf Oberrabbiner Dr. Chajes, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. An Stelle von Herrn Felix Rosenblüth, der durch wichtfge Beratung der Exekutive verhindert war, nach Berlin zu kommen, erstattete Dr. Martin Rosenblüth einen Berieht über die Lage in Palästina und in der Ge- Samtorganisation, wobei er insbesondere das Arbeitslösenproblem, die finanzielle Situation und die Tätigkeif det neuen Palästina-Exekutive behandelte. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Lichthelm, Bones, Klee, Klinoff, Bileski, Scheiner, Ettisch, Feuerring, Weltsch, Berger, Kosenfeld. Als letzter sprach Herr Blumenfeld, der mW der Erklärung schloß, daß alle diejenigen, die die neue Exekutive auf dem Kongreß gewählt haben, der Exekutive das Vertrauen aussprechen. In der Nachnaittagssitzung referiert« Dr. landsberg (Wiesbaden) über das Problem der innerzionistischen Arbeit in Deutschland. Er erörterte tusberendere die Stellung des einzelnen Zionisten sowie der zionl tischen Grupp« zu Pa» iästlna und zu der Umwelt. Der Referent charakterisierte die durch die Verlangsamung des Tempos der Palästina- Arbeit geschaffene Lage, die Konsequenzen auci in der praktischen Arbeit haben müsse. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Otrtsburg, Block, Klee, Glaser, Rabin, Klinoff, Liebstädter, Heinrich Strauß, Kanowitz, Berger und Biumenfeld. (Ein ausführliches Protokoll wird den Mitgliedern des Landesvorstandes und den zionistischen Ortsgruppen demnächst zügelten.) Die Tagung faßte folgende Beschlüsse: 1. Oer n״clisle Daleglortenlag der Z. V.f.D. soll im SU Iw״״, . : nelunen.(Der pÄ'^idli -liwikA?■*Ära#■:׳ JlL 1״ Mitglieder des Landesvorstandes und des Zentralkomitees sind verpflichtet, sich persönlich an der Schekelarbeit der .jSfrta* gruppen mit äußerster Hingab« und Intensität zu beteilig««. 3. Die zur Nachprüfung der Keren Haiessod-Zeüchnungen von Zionisten eingecetzie Oberste Vertrauenskommi-slon wird׳ neu konstituiert. Sie besteht in Zukunft aus den Herren Dr. Saiif Hirsch (Vorsitzender), Lazarus Barth, Dr. Water Czapski, Dr. Erich Moses und Alfred Berger. Ein Antrag Ettisch auf Abänderung der Wahlordnung für die Wahlen zum Delegiertentag wurde dem Lande#- verstand iberwiesen. Riga, 26. Dezember. (J. T. A.) Der Staatspräsident vm Lettland hat den jüdischen Sejmdeputierten und Vorsitzenden des demokratischen Minderheitenblocks, Rabbiner M, N uro k, mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Rabbiner Nurok hat erklärt, daß er selbst nicht die Absicht habe, an die Spitze der neuen Regierung zu treten, sondern versuchen wolle, eine demokratische Reglerungskoalition mit Einschluß der nationalen Minder heften Zu bilden. Alfred Ken־ wurde sechzig Jahre alt. Es ist kein Druckfehler, wenn auch das Werk die Zahl der Jahre Lügen straft Viel wurde, ihn zu feiern, in den letzten Tagen über den Dichter und Kritiker, über den Kämpfer — stark im Hassen und innig in der Liebe — und über den Weltbürger veröffentlicht. Ueber den Juden Kerf, der ganz Jude ist, obwohl sein Sich-als-Deutseher-fühlen gerade von ihm immer betont wird, wurde fast gar nichts gesagt Und doch ist Kerr, der Kosmopolit und Deutsche, im Tiefsten seines Herzens und seines Gemüts ein Jude, ein herrlich tapferer, bewußter, aufrechter und auch zuschlagen könnender Jude. Er, der die deutsche Landschaft wie kaurh ein anderer erlebt und deutsche Sprache zum Singen gebracht hat, kann seine ״Herkunft von diesem Fabeivolk“ (nämlich den Juden) nicht verleugnen. Und wenn e r auch die ״Sonderung“ als ״unnütz“ betrachtet, der Schreiber dieser Zellen hält sie, gerade in diesem Fall, für notwendig. Kerrs Ironie und Empfinden, Witz und Herzlichkeit, das Seelische, das in all seinem Geschriebenen mitschwingt, seine Sehnsucht und die Gabe, aus aMem etwas Beglückendes festhalten zu können und vor allem seine Sprachmeisterung sind in der Tat Eigenschaften, die ihm eben nur als Jude innewohnen können. Wenn er vor fast fünfundzwanzig Jahren über Palästina Eintragungen in sein Tagebuch machte, die mit zum Tiefsten gehören, was über diesen uns heiligen loden gesagt wurde, die, trotz des Dichters Betonen seiner Liebe und Zugehörigkeit zu Deutschland, lauteste# Bekenntnis zum Judentum und Judenvolke sind, die Kraft seiner Ausdrucks- Möglichkeiten wundervollste Dichtung wurden, wenn Kerr also sein ״Jeruscholajim“ schrieb, dann ist in diesem Gesang die MüMk unserer Psalmen zu hören, dann hat er unsere Melodien aufgelangen, dann muß er mit seinem beißen Merzen und seinem fanatischen Mut zur Gerechtigkeit, mit seinem sicheren Blick ffir da* Wahre, mit seinem empfindsamen Ohre und, auch das kt eine spezifisch jüdische Eigenschaft, mit der Weichheit seiner Empfindsamkeit sich für den Stamm der Juden entscheide«; dann sind das Blut und die auf ihn einströmenden Melodien starker als eigene Erziehung und Vorsätze, jg tnufi aus überquellendem Herzen sich zu den Juden bekennen, so sehr bekennen, daß er sogar politisch aggressiv wird und wir ein kaum unterdrücktes Schluchzen aus den bedruckten Seiten eines Buches vernehmen können. Er liebt die ״starken Juden“ und sagt sich mit an Deutlichkeit nicht zu überbietenden Worten von den ״Vertusch) uden“ los, ja er spricht von der ״Komik bürgerlichen Judentums“, welches er dem ״gewaltig-düsteren Geistesvolke mit dem Abglanze des Sinaigewissens“ gegenüberstellt. Man soll einmal die Einleitung Kerrs zu Heines Romanzero lesen und man wird eine treffende Zeichnung des assimilierten Juden und, weit mehr als das, man wird den deutschen Juden kulturell getroffen und mit seinem Einfluß geklärt und echt charakterisiert finden. Das Räfsd seiner Sprache, ״sdilankgewögen und falkenjäh“, er selbst löst es uns: ״Wißt Ihr was vom Tonfall des Alten Testaments?. Ich höre Christus mauscheln. Well meine Schriften, die singend-gedrungensten In deutscher Sprache seit ihrem Bestand, — weil meine Schriften selber mauscheln, In, sozusagen, steingeschnittenem Tonfa’l.“ Wie Kerr dann den Satz ״Wenn Dich Dein rechtes Auge ärgert, reiß es aus“ seinen Lesern nahebringt, das gehört zum Köstlichsten und Tiefsten, was über Phonetik gesagt werden kauft. Oft gleicht Kerr einem großen Kinde, das alles zerlegen muß, um auf den Kern der Dinge zu stoßen, um alles zu erfahren. Er durchdringt das Gehäuse und tpüß sezieren und oft zerpflücken, um — Positives schaffen zu können. Das scheinbar Zersetzende, fördert und besorgt den Aufbau. Der aber wird übersehen, und die Gegner posaunen Jüdischen zersetzenden Mäkelgeist in die Welt, nein, gottlob, nur in Ihre Partei, die in demselben Maße begrenzt ist wie Ihr« Geistigkeit beschränkt Ist. Und wenn Kerr seine« ״Lebenslauf“ — Im Buch ״für Alfred Kerr“ vei» JOSenh Chäpfrö — Beginnt, ״der Gedanke, daß Ich mich an der Ehrung für mich beteiligen 8011, kommt mir weniger Überraschend aU diese Ehrung selber. Ich setze ja nur fort, wus Ich bisher getan“, dann mSge man nicht von Anmaßung reden, dann läcfjlg mäß night' Ober einen gelungenen .,geistreichen" Witz, dann soll man vielmehr daran denke«, daß das, was dieser Dichter über und von sich scherzhaft sagt, jüdische Tragik Ist; denn wir müssen für uns selbst zeuge«, wie in Immerwährender Abwehrstellung, ln ständiger Erwartung eines hirnlosen mit Fäusten stark ausgerüsteten Gegners. Heinz Str0h. (Die Werke Alfred Kerrs sind — ebenso wie das ihm f" köstliche Feuilleton-Sammlung ״Es sei wie es wolle — es war doch so schön!“) Zwei Ansstellnngeii (Mischer Kaust (Professor Leonld Pasternak bei Viktor Hartberg, Marek Swarc bei Gurlitt.) Als ich vor zwei Jahren an dieser Stelle zuerst über Marek Swarc und seine Metallreliefs schrieb, geschah es, weil ich das Erlebnis jüdischer Kunst so unmittelbar plastisch und guttural nackt hervorbrfichen sah wie vordem noch niemals. Dazwischen liegt von Selten der jüdischen Ma'er viel fruchtbare Entwicklung zu lockerer farbiger Bildwirkung. Ma'er wie Bardzynsky und Kirschenbaum fanden ihren Ausdruck in Volkstumsnaher liedhafter Gestaltung des jüdischen Themas, einer liebenswerten Version der eher zur Schwere neigende« jfl* dischtn Kunstsehnsucht. Marek Swarc bleibt Böen ihnen was er war: die jüdische Magnetnadel. Die B bei ist «ein Magnet, Er ist unter den bildenden Künstlern das, wae die Haoimah darstellt gegenüber den Wilnaern. Das rein Kümatlerische überwiegt gegenüber der Volkskunst Seine neuen Reliefs sind einfacher geworden und plastischer. Die Ausstellung der Galerie Gurlitt, ln der neben den neuen Platten sehr viele alt# Arbeiten zu sähen sind, zeigt diese Entwicklung sehr deutlich. Die alten Reliefs wirken, neben den neuen flacher, zeichnerischer. Die neuen sind viel« leicht weniger zugespitzt, weniger herausgthaue« mit axt* scharfen» Hieb konzentriertester Energie, aber sie sind runder, naturplaaöschtr. Sie sind Gewordenes, sie sind gewachsen. Gestalten wie das Flscbermldehen haben noch genau so viel gefühlt Völkern! öigea, aber der Künstler legt Distanz, oder ei« Thema wie Geburt 21t in demselben Gräne gesättigt rtlt Ab. mosplüre des Persönliche«; aber es ist ia der Linie Eutfer- *i

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