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Jüdische Rundschau · 1927-12-21 · Heft 102-103 (21.12.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 102-103 (21.12.1927)
Date
1927-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 102/103. 21. m 1027 JtJEDISCHE RUNDSCHAU Seite 720 Lileratur-Blali Pulcelina (Sch. D. Goltein , ״Pulcelina“. Drama ln fünf Akten, Tel-Awlw 1927, Verlag Dawar.) Dieses Drama*) dürfte unter den hebräischen Originaldramen einen geachteten P.atz beanspruchen können, ja es ist möglich, daß es das erste und einzige untdf ihnen ist, das eine Hoffnung für diese Literaturgattung im Reiche des Hebräischen verkündet, denn eigentlich führt das Drama hier eine bloße Scheinexisten/, d. 'h. manches wurde geschrieben, weniges wird gelesen, fast nichts gelangt auf die Bühne, und die Jugend, die anderswo sich zum Pathos; zu den Erregungen und der Wucht des Dramas hingezogen fühlt, hat hier einfach kein Organ dafür, hat diese Kost noch nicht geschmeckt. Tief eingewurzelt m das Judentum, in hebräischer Sprache koirb'crt und schwer in ein anderes Sprachreich transponiexbar, dazu mit Einsicht und dichterischem Sinn geschrieben, trägt dieses Drama alle Vorbedingungen in sich, im jüdischen Bereiche ein Ereignis zu sein. Der Märtvrertod der Juden von Blois wird hier in engem Anschluß an historische Quellen gestaltet. Wie die kleine Judengemeinde von Blois um einer Fra.! aus ihrer Mitte willen, nach der die christlichen Herren Verlangen tragen, zugründe geht, oder wie sie vielmehr in sich selbst zugrunde geht, weil sie allzu fest auf die Begehrtheit dieser Fra 1 uni auf ihre Willfährigkeit ihren Verfolgern gegenüber baut, das ist hier dargestellt. Wenig betont oder doch in der Gestaltung weniger gelungen sind die anderen Ursachen dieses Untergangs, die sich alle mit dem Wort Juden'1# decken lassen und sich aus Habsucht, Aberglauben, Bosheit, Geilheit und Dummheit der Judengegner zusammensetzen. Nichts wäre verkehrter, als ein Drama auf eine bestimmte Stilart festlegen zu wollen, um es von solchem Vorurteil aus zu beurteilen. Weder Epigonentum, noch Eklcktik sind ein Vorwurf, wenn das "Werk selbst für sich zeugt. Bei diesem Drama aber ergeht es dem Leser eigen liimlich, und es ist sicher nicht nur die Voreingenommenheit des Belesenen, der sich durch die vielen Associationen gestört fühlt, die für d:e Beunruhigung und die Friedlosigkeit verantwortlich ist, die d::n I.escr a•Fällt. Man denkt beim Lesen sicher nicht un ,villig: Dies ist Shakespeare, und freut sich am Wortspiel und am natürlichen und festen!neinandergreifen des Dialogs; oder man findet ein Gedicht wie aus der ״Versunkenen Glocke“ oder einige Szenen, die einfach schön sind, bei denen dem Leser kein Gedanke mehr an ein Vorbild oder einen Anklang kommt, wenn er sic genießt. Dann aber sind Szenen Wieder ganz leer, und es fällen hausbackene und auch abgeschmackte Redensarten, oder der Bühnenapparat knarrt in seinen Angeln, und wir stehen gleichsam hinter den Kulissen. Man bekommt keinen festen Boden unter die Füße, der Eindruck wechselt zu sehr, und die Anteilnahme wechselt zu sehr. Sieht man näher zu, so hat auch diese Labilität, wenn auch nicht Ihr System, so doch ihre innere Folgerichtigkeit. Sie scheint weniger die Folge einer Einsicht, als einer mangelnden Gestaltungskraft auf bestimmten Gebieten zu sein. Zunächst i|t ffirrtite öd«1 Strecken der Mangel an vitalen Kräften in diesem d|esihi!Ktlfte1i iff’pHH־ Zitf'Wolf'wÄ ־fJätt*1trund“AÜsdnJckc Bei den Christen aber ist es anders und fast noch weniger der menschlichen Natur angemessen. Hier feiert die Natur Orgien in wilder Freiheit, alle Leidenschaften treten un gebändi gt und unverborgrn auf, aber gleichzeitig so schablonenhaft und unglaubwürdig, daß hier da# ganze Drama einen empfindlichen Stoß erleidet. Denn der Christ kann hier für den Juden be• deuten, was er mag, wilde, rohe Kraft, die Macht des Bösen und Niederen oder auch die schicksalhafte Gegnerschaft Edoms. auf jeden Fall müssen die Sailen hier voll erk’itigen und das Ganze nicht wie ein böses Inhaltsverzeichnis anmuten. So aber ist es in der Tat: Da ist T i b a 11, Herr der Stadt Blois. Er ist zynisch, lüstern und habgierig. Pulcelina auf deren Urteil man eigentlich etwas sollte geben können, nennt ihn klug. Aber er benimmt sich läppisch und man be■ kommt von seiner Klugheit nichts zu sahen, ln seiner Leidenschaft für Pulcelina verwickelt er sich in einen unangenehmen Rattenschwanz von Nebenaffären, einen Kleinkrieg mit seinem eifersüchtigen Weib Isebel und seinem Nebenbuhler, dem Stadthauptmann Renalt. Daß er diese beiden noch unteremander verkuppelt, macht die Handlung wohl abwechslungsreicher, aber nicht fruchtbarer. Man braucht sich nur das Bild zu vergegenwärtigen, das Sigrid Undset in Christin Lavrans- Tochter vom christlichen Mittelalter gibt, um zu e־keinen, wie ungerecht hier der Verfasser eine Enoche ihres wahren Sinnes und Seins beraubt, indem er ihr solche Vertreter, solche Führer und Priester gibt. Dieser Ti halt war wohl dazu ausersehen, einen großen Gegenspieler der Juden abzugeben, so aber kommt eine Situation zustande, wie wenn etwa Polonius und nicht das sündige Königspaar der Gegenspieler Hamlets wäre. Es fehlt an dem Uhrwerk dieses Dramas ein Gewicht. Eine noch kläglichere Gestalt ist der Stadthauptmann Renalt. Er ist aJs Schwächling konzipiert und sein Judenhaß scheint einzig auf die rauhe Abweisung, die er von Pulcelina erfahren hat, begründet zu sein. Er ist ein Monoman dieses Hasses und sonst eine kleine, kriecherische Persönlichkeit. So ganz lernen wir ihn eigentlich erst aus den szenischen Anmerkungen kennen, denn auch er ist mehr ein Schattenriß als ein menschliches Wesen, und gerade er sollte eine ausnehmend lebendige Figur sein, in der Haß und Liebe sich eine große Schlacht liefern. Schemenhaft und bek'agenswert durch seinen Autor vernachlässigt, zieht er über die Bühne. Die Seele des Autors aber gehört Pulcelina, und liier ist es ihm auch geglückt, einer Gestalt Leben zu gehen. Sie ist eine jüdische Frau von nicht herkömmlicher, aber doch von charakteristischer Art. Eine herbe Frau, eine Frau, die sich und anderen nichts durchgehen läßt, nicht eine geringe Krümmung des sittlichen Wegs, nicht eine kleine Sentimentalität. Sie ist klug und kennt ihre Juden bis auf Herz und Nieren. Sie fordert das Höchste von ihnen und sie weiß nur zu gut, wie wenig sie vor diesen Forderungen bestehen können; sie selbst lebt ein einsames, stolzes Leben; die Christen, die sie begehren, trauen sich nicht an sie heran, die Juden scheuen ihre scharfen Worte und trauen ihr nichts Gutes zu. ihr einziges Kind, Tow Eiern, wohl die liebenswürdigste und rührendste Gestatt des Dramas, kann ihr nicht genügen: Ein leichtsinniges Kind, ein kindisches Kind, andere mögen au seiner kindischen Einfalt Freude haben, sic vermißt jede Verständigkeit und jeden Ernst. So führt sie ein kämpferisches, mutiges Leben, stets auf,der Wacht und wchrbercif. Und doch möchte sie, daß alles dies nicht nötig wäre, daß die Menschen anders und besser wären, daß sie glauben, vertrauen und ruhen könnte. Viele Male setzt sie ihre Kraft ein, um die Gefahr der Blutbeschuldigung von Blois zu bannen, immer wieder will sie nicht weiter, *) Der Dichter dieses hebräischen Dramas ist ein aus Deutschland stammender Zionist, der seit einigen Jahren in Palästina lebt. Es ist wohl die erst« hebräische Originaldichtung eines im deutschen Kulturkreis erzogenen Juden. A. d. Red. jetzt Ist es genug, die Gefahr scheint vorüber, andere können ihr Werk fortführen. Und diese anderen versagen nicht nur, nein, sie verkennen und schmähen die Beschützerin. Solange sie im Kampfe steht, ern'et sie nur Bitterkeit Als aber alles entschieden ist, als der Tod beschlossen ist und die Kämpferin besiegt, welch traurige 1!nl doch tiefe Erfüllung findet da all ihr Sehnen! Wie wird die kleinlich־:, hämische und leichtsinnige Gemeinde von Blois so groß in der Stunde, als die Annahme des Christentums die einzige Möglichkeit der Lebensrettung bedeutet, wie ungeteilt kan! ihr Herz ihrem Kinde gehören in der Stunde, da sic es töten muß, damit es nicht in die Hände der Christen falle! Als ihr Leben in den s:hlinsten Versen des Dramas verklingt, nahe dem Schefle häufen, auf dem die Gemcinde von Blois lobsingend stirbt, hat sie Frieden gefunden. Ein pa'äs'.inensisclwr K;1 iker bat behauptet, die Gestalt der Pulcelina würde an Tiefe gewonnen haben, wenn ihre Triebe von dem Werben der Christen versucht worden wären, wenn sic etwas von der Polarität Dirne-Heilige in sich getragen hätte. Das ist sicher rieht richtig, denn ein so rohes Begehren kann eine Frau von dieser stolzen Art nur abstoßen, und so wenig den! modernen Erwarten entsprechend das Verhalten Ptilcelinas auch sein mag, so wahr ist es. Das Min 1s an Erotik, das das Drama zweifellos hat, ist n ir dort, wo man berechtigt ist, ein Plus zu erwarten: bei Pjlce.inas Bewerbern, bei Tiba'.t und Renalt. Nur zu dem Juden Baruch hat Pulcelina eine wahre Be• zlelirng, die sieb "in vertrauten Gesprächen zeigt. Baruch erscheint brav, verständig, würdig, aber ein wenig hausbacken und Pulce'ina reichlich unterlegen. Er ist sicher größer gedacht als er dem Autor ״dun חסי ist, a's der Charakter konzipiert, der PuJcc'ini ebenbürtiger ist als di:! Juden von Blois, die der Autor 1ms in glaubwürdigen Einzeltypcn zeigt, recht zum Wiedererkennen und sicher 'wahr. Irn 'einzelnen mögen sie gute Leute sein, mit ein paar weniger schönen Eigenschaften wie sie jeder Mensch hat, aber ein paar sehr böse Nationaleigenschatten sind hier an ihnen bezeugt: Ein sehr schlechtes Gedächtnis für eine vergangene Gefahr, großer Leichtsinn, das Ausrr.it/en verdächtiger und unsauberer Dinge, an denen man sich selber nicht die Finger zu beschmutzen braucht. Im gm׳e!1 gesprochen: Es ist ein gutes Buch. Es ist klug und nachdenklich, es hat Licht auf unsere Geschieht? ge.vorfcn an Stellen, wo andere künstlich Schatten herstellen. Der Jude tritt vor uns, spricht in seiner dicsseits-entrü״kten Sprache, und ist doch kein Phantom und kein bloßes Objekt für Leiden, unfere llirierlialf ungsbcilagc Vom 1. Januar 1928 wird die ״Jfidl'ache Rundschau“ eine ständige Unterhaltungsbeilage haben, wo in höherem Maße als bisher unsere Leser mit Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, Kunst und Wissenschaft bekannt gemacht werden sollen. Die Unterhaltungsbeilage 1^Are^f«l^1ae^Dllsn»t%puii^erbelfigelip-|»rttie& Wir beginnen im neuen Jahrgang zunächst mit der Veröffentlichung von zwei Werkens dem Roman ״Hotel Savoy“ von Joseph Roth und den Reise-Memoiren ״Ein jüdischer Schriftsteller reist nach Kanada44 von Schmarja Gorelik. ״Hotel Savoy״ ist einer der besten und fesselndsten Romane der Nuchkriegsliteratur. Er schildert die Heimkehr eines jüdischen Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft in sein jüdisches Heimatsstädtchen in Galizien, die Liebe und Erlebnisse des etwas weltfremd gewordenen schüchternen jungen Mannes, das Milieu der reich gewordenen Bürger und die Schicksale einer Komödiantentruppe, mit großer Charakter-Kunst. Gorelik, unsem Lesern wohlbekannt, zeigt in zarter, humorvoller Erzählung, mit dem etwas resignierten Ton des Skeptikers, die Situation des jüdischen Schriftsteilere inmitten einer geschäftigen Welt, die ihn ihrer ganzen Natur nach als überflüssiges Requisit empfinden muß. Außer einer charakteristischen Zeichnung des jüdisehen Lebens und seiner typischen Figuren in Kanada und Amerika, gibt Gorelik, an der Hand seiner Erlebnisse, allerhand nachdenkliche Betrachtungen, die von leiser Ironie des Romantikers und doch von gütiger lebensbejahender Liebe zeugen. Auch der übrige redaktionelle Teil der ״Jüdischen Rundschau“ wird im neuen Jahrgang erheblich ausgebaut werden- Von besonderen Beilagen, die periodisch er* scheinen werden, erwähnen wir außer der Unterhaitungsbeilage die Franenbellage und eine Jugendbeilage. Ferner wird das Leben in den jüdischen Gemeinden sowie die Probleme der jüdischen Gemeindearbeit, Kulturarbeit und sonstigen Gegenwartsarbeit in einer eigenen Rubrik behandelt werden. In der Rubrik ״Zelt- Spiegel“ werden charakteristische Erscheinungen und Ereignisse, die ein Licht auf die Lage des Judentums und die Mentalität der heutigen Juden werfen, glossiert werden. Die Berichtezstattung aus Palästina sowie aus andern großen jüdischen Zentren, wo wir eigene Korrespondenten haben, wird wie bisher unsere Leser über alle wichtigen Vorkommnisse der jüdischen Welt und insbesondere der zionistischen Bewegung unterrichten. Wir bitten unsere Freunde, der Werbung von Abon> nenten die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Evtl. Auskünfte erteilt der Vertag. Redaktion u. Verlag der ״ Jüd. Rundschau “ Berlin W, 15. Meluekestr.10 sondern lebendig, sündig and «! zugleich. Es gibt vieles hier, was nicht gelungen ist, was hölzern, kindlich und fremd wirkt, aber es ist doch die Hauptsache, daß diese Lücken wenigstens Lücken geblieben sind, daß über sie keine kunstgerechte Brücke geschlagen wurde, daß der Ton zwar oft nicht voll, aber niernals falsch ist Hier wurde gearbeitet, jedes Wort floß aus Ehrlichkeit; was der Dichter wußte una dachte hat er gesagt, und was er nicht konnte, hat er nicht geschrieben. Hier fand nicht eine bei uns fast Gemeingat gewordene literarische Gesdiicklichkcit ihren Niederschlag, hier kämpfte ein Dichter um die Gestaltung. " E. Sc holen!. Ms Franz Kafkas Tagebuch In Franz Kafkas bisher unveröffentlichten Tagehtichern finden sich viele Notizen über eine kleine jiddische Theatertruppe, die eine Zeitlang in Prag gastierte. Max Brod, Kafkas; literarischer Nachlaßverwatter, stellt uns auf unsere Bitte nachstehende Stücke zur Verfügung. Vorgestern bei den jiddischen Schauspielern im Cafe Savoy. Die ״Sejdernacht“ von Feimarm. Zu Zeiten griffen wir (Im Augenblick durchflog mich das Bewußtsein dessen) nur deshalb in die Handlung nicht ein, weil wir zu erregt, nicht deshalb weil wir bloß Zuschauer waren. _! * Die jüdischen Schauspieler: Frau T. hat Vorsprünge auf den Wangen in der Nähe des Mundes. Entstanden teils durch eingefallene Wangen infolge der Leiden des Hungers, des Kindbetts, der Fahrten und des Schauspielens teils durch ruhende ungewöhnliche Muskeln, die sich für die Schauspielbewcgungen ihres großen, ursprünglich sicher schwerfälligen Mundes entwickeln mußten. Als Sulamith hatte sie meist die Haare gelöst, die ihre Wangen verdeckten, so daß ihr Gesicht manchmal wie ein Mädchengesicht aus früherer Zeit aussah. Sie hat einen großen, knochigen, mittelstarken Körper und Ist fest geschnürt, ihr Gang bekommt leicht etwas Feierliches, da sie die Gewöhnheit hat, ihre langen Arme zu heben, zu strecken und langsam zu bewegen. Besonders als sie das jüdische Nationalüed sang, in den großen Hüften schwach schaukelte und die parallel den Hüften gebogenen Arme auf und ab bewegte mit ausgehöhlten Händen, als spiele sie mit pinem langsam fliegenden Ball. * Die Schauspieler überzeugen mich durch ihre Gegenwart immer wieder zu meinem Schrecken, daß das meiste, was ich bisher über sie aafgeschrieben habe, falsch ist. Es ist falsch, weil ich mit gleichbleibender Liebe (erst jetzt, da ich es aiifschreibe, wird auch dieses falsch), aber wechselnder Kraft über sie schreibe und diese wechselnde Kraft nicht laut und richtig an die wirklichen Schauspieler schlägt, sondern dumpf sich §n dieser Liebe verliert, die mit der Kraft niemals zufrieden ■sejp: , wW,1|nd,dfsh|lb׳l,dsd»tfeh,1^aß 'sie sie, jutfhllt, ״<Ue-Sdte1ttpielffr zu schützen, meint. 1 ,-׳-•׳ v\': » Streit zwischen T* und L.z Edelstatt Ist der größte jüdische Schreiber. Er ist erhaben. Rosenfeld ist natürlich auch ein großer Schreiber, aber nicht der erste. L.: T. ist Sozialist, und weil Edelstatt sozialistische Gedichte macht, er ist Redakteur einer sozialistischen jüdischen Zeitung in London, deshalb hält ihn T. für den größten. Aber wer ist Edelstatt? Seine Partei kennt ihn, sonst niemand, aber Rosenfeld kennt die Welt. — T.: Auf die Anerkennung kommt es nicht an. Alles von Edelstatt ist erhaben. — L.: Ich kenne ihn ja auch genau. Der ״Selbstmörder“ zum Beispiel ist sehr gut. — T.: Was hilft der Streit? Einigen werden wir uns nicht Ich werde meine Meinung bis morgen sagen und du auch. — L.: Ich bis übermorgen. * ״Der große Adler“, der •berühmteste jiddische Schauspieler aus New York, der Millionär ist, für dem Gardon ,,den wilden Menschen“ geschrieben hat und den L. in Karlsbad gehet«! hat, ja nicht zur Vorstellung zu kommen, da er vor ihm auf ihrer schlecht ausgestatteten Bühne zu spielen nicht <jen Mut hätte. — Nur Dekorationen, nicht diese elende Bühne, auf der man sich nicht bewegen kann. Wie werden wir den ״wilden Menschen“ spielen! Da braucht man einen Divan. Im Krystallpalast Leipzig war es großartig. Fenster, die man au {machen konnte, die Sonne schien herein; man brauchte Im Stück einen Thron, gut, da war ein Thron, ich ging durch die Menge ZU ihm hin und war wirklich ein König. Da ist viel leichter zu spielen. Hier beirrt einen alles. * Das Mitleid, das wir mit diesen Schauspielern haben, die so gut sind und nichts verdienen und auch sonst bei weitem nicht genug Dank und Ruhm bekommen, ist eigentlich nur das Mitleid über das traurige Schicksal vieler edler Bestrebungen und vor allem der unseren. Darum ist es auch so un Verhältnismäßig stark, weil es sich äußerlich an fremde Leute hält und in Wirklichkeit zu uns gehört. Trotzdem ist es aber mit den Schauspielern immerhin so eng verbunden, daß ich es nicht einmal jetzt von ihnen lösen kann. Weil ich cs erkenne, bindet es sich zum Trotz noch mehr an sie. Kinderbücher. Der Verlag Josef Scholz in Mainz hat wieder eine ganze Reihe seiner altbewährten soliden Gaben vor uns ausgebreitet Da ist ״Im Zoologischen Garten“, 22 Bilder auf Pappe (unzerreißbar) von C. Fa'hringer, bunt und einprägsam (4,50 M.); ähnlich, vom selben Maler, ״Die Tiere des Waldes“ — Texte der schwächere Teil — (1,75); nett ist ״Putiputs Abenleuer“, die Schicksale eines Huhucliens (3 M.). Prof. Putz trifft gut Farbe der Märchenwelt (König Drosselbart, 1,75 M.). — Weit über die Bedeutung eines Spielzeugs ragt hinaus das künstlerisch bezwingend charmante, wie Musik aumutende ,,Hundefest“ von Emst K reidolf (Rotapfel Verlag, _Zürich). Wie das voriges Jahr erschienene ״Lcnzgeslnd“ ist es lebendige Natur, Vertnenschüdiung der Welt, und schlägt dein Kind unwillkürlich die Gefuhlsbrücke zu Blume und Tier. Entzückend sind die Bilder, von sonniger Heiterkeit, und auch die Verse sind gelungen. — Für Größere sind die Dschungelgeschichten des Inders Dhan Gopal Mukerd sc hi (Karin der Elephant, Jugendjahre im Dschungel, Rütten & Loening, Frankturt/M.) als wirklich reine und seeienbiWende, dabei spannende und unterhaltende Lektüre zu empfehlen.

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