Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 102-103 (21.12.1927)
- Date
- 1927-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 728 1Ü1ÖISCHE RUNDSCHAU Np.!02/103, 21.301!827 Fragen der Arbeiterschaft Von Dr, Fritz Loewensteln, Jerusalem. Pie Rolle der palästinensischen Arbeiterschaft unter den veränderten Bedingungen nach dem Kongreß unterscheidet sich ziemlich wesentlich von der Stellung, die die Arbeiter« schaft bis zum Kongreß eingenommen hat. Wenn man bis zum Kongreß zu behaupten pflegte, daß In Palästina eine Arbeiterherrschaft bestehe, daß die Exekutive die Gefangene der Histadruth sei, so war an diesen Uebertreibungen so viel rieht.igj daß ohne Zweifel die Arbeiterschaft die treibende Kraft 1m gesamten Aufbauwerk war, während die Exekutive sehr häufig demgegenüber die übrigens ebenfalls *ehr nützliehe Rolle des Hemmschuhs spielte. In keinem Teil des jischuw und der zionistischen Bewegung lebte soviel Initia• tive, soviel Wagemut und Opferwille, als in diesem Kreise, und so war es nur natürlich, daß vor allem auf den Gebieten der Einwanderung, des Bodenkaufs und der ländlichen Kolo• nisatioh die Arbeiterschaft Vorschläge machte und auf ihrer Durchführung bestand, während häufig die zentralen Fak• toren des Aufbaus bedenklich und zögernd der Initiative der Unken folgten. Das hat sich seit dem Augenblick geändert, als mit dem Scheitern der vierten Alijah, mit dem Aufhören der Ein- Wanderung und der Bautätigkeit es immer schwerer wurde, an neue produktive Aufgaben heranzugehen, weil die zunehmende Not im Jischuw Rettungsmaßnahmen verlangte. Die Arbeiterschaft blieb ihrer Richtung, die immer auf das Konstruktive ging, treu: sie unterbreitete eine Fülle Von Vorschlägen, wie man die beginnende und immer stärker werdende Arbeitslosigkeit beseitigen könne. Aber die finanziehe Lage erlaubte es nicht, und, wäre es im Anfang möglich gewesen, mit relativ kleinen Beträgen dem drohenden Gespenst aer Arbeitslosigkeit Paroli zu bieten, so wurde dies von Monat zu Monat unmöglicher. So entschloß man sich' notgedrungen, Unterstützungen zu zahlen, gegen den Willen der Arbeiter, die freilich Unterstützungen immer noch für besser hielten, als zunehmende Arbeitslosigkeit ohne irgendwelche Gegenmaßnahmen. Die Gerechtigkeit gebietet, daran zu erinnern, daß gerade Arbeiterführer auf die schwer demoralisierenden Wirkungen der Unterstützungen Immer wieder hingewiesen haben. So trat langsam die Arbeiterschaft als initiativreicher, vorwlrtstreibender Faktor zurück und die Histadruth erschien statt dessen als die Unterstützung- Fordernde, obwohl dies gerade den Arbeitern stets als das schlechteste Auskunftsmittel erschien. Diese Stellung der Histadruth ist nach dem KongreB noch ausgeprägter geworden. Nicht das ist entscheidend, daß die Exekutive zum erstenmal seit vielen Jahren keinen Arbeiter. Vertreter enthält. Sondern entscheidend Ist, daß das vom Kongreß beschlossene Budget Jeden Gedanken an konstruktive Aufgaben ausschließt und die Tätigkeit der Zionistischen Exekutive auf die Regelung der Finanzgebarung und die notdürftige Erhaltung des Bestehenden konzentriert. Die Rolle der Arbeiterschaft kann in dieser Situation nur darin bestehen, dafür zu sorgen, dafl vom Bestehenden möglichst wenig Schaden erleidet Vor allem gilt es, unser kostbarstes Out, die Menschen, in eine bessere Zeit herüberzuretten und das heißt immer wieder, die Alternative aufzustellen, entweder den Arbeitslosen Arbeit zu geben oder ihnen weiter Unter- Stützungen zu zahlen. Es scheint, als wenn wir in die־er Beziehung vor einem Wandei stehen, indem die Regierung sich nicht länger der Verpflichtung entziehen will, sich des Arbeltslosenprobleros •nzunehmen, wie das jede Regierung *ul der Weh tut Die nächsten Wochen schon werden Itfgen,: 01 d|e In Aussicht stehenden Maßnahmen mehr be• bleibt auch weiterhin die Aufgabe, für da*: ״Recht•;der׳jtt* disehen Arbeit überall da elnzutreten, wo Irgendeine Aus* sicht auf Beschäftigung Arbeitsloser gegeben zu sein scheint. Traurig genug, daß zu eiirer Zeit, in der die Regierung und sogar Unternehmer aus arabischen Kreisen sich die billiger gewordene jüdische Arbeitskraft zunutze zu machen verstehen, in Petach-Tikwah ein Kampf ausbrechen konnte, weil eine große Reihe von jüdischen Orangenbesitzern die Pflückarbeit durch arabische Arbeiter ausführen lassen, teil* weise in der Form, daß sie ihre Orangen auf dem Baum an arabische Händler in Jaffa verkaufen, die dann Jaffacr Arbeiter zum Pflücken engagieren, während Tausende arbeitsloser Juden in Tcl-Awiw und Petach-Tikwah Hunger leiden, zumal in Petach-Tikwah auch nicht Unterstützung gezahlt wird. Treten somit die kolonisatorischen und konstruktiven Aufgaben der Arbeiterschaft für den Augenblick zurück, so kann sie sich um so eher internen Fragen zuwenden und durch Ausbau der Histadruth und ihrer Institutionen und anderen Maßnahmen sich selbst auf die Zeit vorbereiten, wo die Arbeiterschaft wiederum ihre Pionierroüe zu spielen berufen sein wird. Die vor dem KongreB abgehaltene Allgemeine Konferenz der Histadruth hat üher eine Reihe Innerer Reformen beschlossen, deren Hauptrichtung darin lag, das Tätigkeitsgebiet der einzelnen Institutionen der Histadruth schärfer gegeneinander abzugrenzen und durch Schaffung eines obersten Kontrollorgans die Wirtschafts■ führung dieser Institutionen zu überwachen. Die vor kurzem abgehaltene Sitzung der Moazah der Histadruth hat die erforderlichen Personalwahlen vorgenommen, und es wird sich nun zeigen, ob diese ״KonsolidierungsmaBnahmen“ die Mängel und Reibungen zu beseitigen vermag, die sich unzweifelhaft im Betriebe der Histadruth gezeigt haben. Noch ein anderes Prob'em beginnt in diesen Wochen konkreter zu werden. Es ist die seit vielen Jahren diskutierte Frage der Vereinigung der beiden hauptsächliehen palästinensischen Arbeiterparteien, Achduth Haawodah und Hapoel-Hazair. Dieser Gedanke des ״Ichud“ hat in Palästina so häufig als aktuell gegolten, daß matt ein wenig skeptisch geworden ist, wenn diese Frage heute wiederum als unmittelbar aktuell behandelt wird. Aber diese Skepsis scheint nicht ganz berechtigt. Die bisherige Situation war 50, daß Achduth Haawodah zu wiederholten Malen die Vereinigung vorschlug, während im Hapoel-Hazair keine Neigung dazu bestand. Jetzt liegt zum erstenmal ein formeller Beschluß der Moazah des HapoS! Hazalr vor, der sich grundsätzlich für den ichud einsetzt und eine Konimisston wählte, um programmatische Vorschläge au;zuarbeiten. Es scheint, als wenn in beiden Parteien eine Mehrheit für die Vereinigung vorhanden wäre, während diasentie־ renJe Minderheiten ebenfalls nicht fehlen, zu denen in der Achduth Haawodah ein so prominenter Fühler wie Kaplansky gehört. Es ist überflüssig, viele Worte über den Nutzen zu machen, den das Gelingen des Ichud haben kann. Seit Jahren reiben sich wertvolle Kräfte beider Parteien in einem Bruderkrieg auf, der der Sache des Aufbaus keinen Vorteil bringen kann; die Arbeit unter der Chaluzjugend der Diaspora leidet schwer unter der Tatsache, daß die palästinensischen Differenzen auch in die Jugendbewegung hineingetragen werden. Ist die Vereinigung möglich? Wer das tägliche Leben der palästinensischen Arbeiterschaft kennt, wird diese Frage unbedenklich bejahen. Das Leben hat längst die Einigung vollzogen; die Parteiideologie hinkt nach. Alles, was uns als Leistung der palästinensischen Arbeiterschaft erscheint, Ist gemeinsame Leistung beider Parteien. Der jüdische Landirbeiter Palästinas lebt in den Formen der Kwuzah oder de* Moschaw, der städtische Arbeiter zeigt dieselbe Tendenz zur Kooperative, die Histadruth, die Arbeiterbank, der Hamasehblr, die Kupath Cholim, der Dawar sind gemeinsame Leistungen der Arbeiterschaft. Wer heute noch ftn Emst versuchen sollte, etwa der Achduth Haawodah geringeres Eintreten für die hebräische Sprache oder zu wenig zionistische Entschiedenheit vorzuwerfen, wer sich noch im Ernst mit dem Problem auf* hält, ob die sozialistischen Auffassungen de! HapoSI-Hazalr zuverlässig genug sind oder ob der Hapoel-Hazair zu wenig Verständnis für die Probleme des städtischen Arbeiters zeigt, kennt Ideologie und Polemik besser, als das wirkliche Leben. Längst gibt es eine typische zionistisch-sozialistische Auffasseng der pa'ästfnensiscnen Arbeiterschaft, an deren Wiege Führer beider Gruppen wie etwa A. D. Gordon und Brenner Pate gestanden haben, und deren Schlagwort etwa ״das arbel* tende Erez-Israel“ heißt Es gibt eine gemeinsame zionistische Auffassung, die Berl Katznelson neulich im ״Kuntres“ ironisch und polemisch etwa dahin charakterisierte, daS er sagte, der ״deutsche und angelsächsische Achad Haamismus“ werde niemals einen Chaiuz nach Palästina bringen, das könne nur der ״primitive und illusionistische“ Massenzionismus des jüdischen Arbeiters. Die Polemik' bei seifegelassen, gibt der Ausdruck recht gut das wieder, was die überwältigende Mehrheit beider Arbeiterparteien miteinander verbindet Zwei Schwierigkeiten liegen noch aut dem Wege zum Ichud. Achduth Haawodah und Hapoel-Hazair umfassen nicht die gesamte pa'ästinensische Arbeiterschaft; links von der Achduth Haawodah stehen die linken Poale Zion, der linke Gdud, die Kommunisten und außerhalb des Rahmens der Parteien die Haschomer HazaTr-Organisation. Das Ziel, auch diese Oruppen in die Vereinigte Partei hineinzuziehen, Ist jedenfalls vorläufig praktisch unerreichbar und es besteht die nicht zu unterschätzende Qefahr, daß eine Vereinigung der beiden Hauptparteien radikalisierend auf den Re3t wirkt Wichtiger!st ein anderes Problem. Die beiden Vcreinigungskandidaten sind ja nur Landesverbände zweier größerer Bünde, der Poale Zion und der Hitachduth, und es scheint nicht, als ob überall diese beiden Gruppen bereit seien, sich zu vereinigen, wenn das auch in manchen Ländern durchaus im Rahmen der Möglichkeit liegt. Es ist noch unklar, wie hier eine Lösung gefunden werden kann. Der vielfach ge. machte Vorschlag, in Pa'ästina die Vereinigung zu vollziehen und im Galuth ruhig die Entwicklung abzuwarten, stößt natürlich auf vielfachen Widerspruch und dürfte auch statu, tarlsch schwer zu konstruieren sein, immerhin erscheinen alle diese Schwierigkeiten nicht unüberwindlich. Gelingt der ichud, so ist nach unserer Ueberzeugung damit nicht nur für die palästinensische Arbeiterschaft, sondern für die gesamte zlo* nlstische Bewegung viel gewonnen. Denn eine in sich gesehlossene und schlagkräftige, disziplinierte Arbeiterschaft ist die unumgängliche Voraussetzung für das Gelingen des schmerzhaften Prozesses, in dem wir im Augenblick stehen und bedeutet zugleich die Garantie, daß eine Kerntruppe sich für den Augenblick bereit hält, wenn es neue Positionen zu schaffen gilt. Wenn diese Kerntruppe sich nicht damit be* gnügt, auf diesen Augenblick zu warten, sondern seine An* kunft zu beschleunigen sucht, so erfüllt sie nur ihre historische Aufgabe. Sr John Campbell abjjeretsl Jerusalem , 15. Dezember (I.T. A.) Sir John Camphell, Vizepräsident der Völkerbundkommtssion für Hilft *n die grfe» chiaehen Flüchtlinge und Mitglied der Saitverstlndlgenkom• missloB der Jewish Agency, hat heute Palästina verlassen, nach» dem er mehrere* Woche« Jang die gtaamte Aufbw*Arb8tt ln Filjtlp .״ f« iin'ett OesB'rldrtnif dem Verfreter tfeir j;t,A. fiift« Sir John Campbell aus: Ich habe In diesem Lande ein außer* ordentlich tüchtiges M e n •eh e« m a t er Ja I vorgefun» den, und wenn das notwendige Geld, sowie gute Maschinen noch dazu kommen, so wird die jüdische Koloiti« sation in Palästina gewiß von Erfolg begleitet sein. Die alt-n und die jungen Ko'onisten sind alle, unge'ehtef der Krise, von gutem Mute und Arbeitseifer beseelt Die gesund* höflichen Verhältnisse sind zufriedenstellend, die Geburten« Ziffer ist eine hohe. Ich bewundere insbe*ondere die aus* gezeichnete gesundheitliche Verfassung der Kinder. Sfr John Campbell fügte noch hinzu, daß er Ende d. M. der Zionistischen Exekutive in London einen ausführlichen Bericht er• statten wird, PalSsHna-ldse Sir Alfre* Monds Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, werden Sir Alfred und Lady Mond in Gesellschaft einiger Freunde Ende Januar 1028 eine Reise nach Palästina antre'en. Sir Alfred Mond wird in seine» Eigenschaft als Mitglied der Jewish Agenev-Kommpsfon eine Reise durch das ganze Land unternehmen und Studien Ober den Gang der Aufbauarbeit anstellen. De Meldung amerikarischer Zeitungen, daß Sir Alfred Mond zu Beginn des komnrnden lahres nach den Vereinigten Staaten zu kommen gedenkt, entbehrt der Grundlage, Jüdische Arbeiter bei ilefelfude■ In letzter Zeit macht sich bei den arabischen Bau- Unternehmern eine größere Nachfrage nach fach'Uh ausgebil* d?ten Bauarbeitern bemerkbar, die nur unter den Juden zu finden sind. Daher beschäftigen letztens die arabischen Unter׳ nehmer hei wichtigen Bau arbeiten Immer mehr jüdische Ar׳ beiter. So hat neulich ein arabischer Unternehmer, eine Ab* machung mit zwei jüdischen Fauarbeiter-Kwuzoth, die zwanzig Arbeiter zählen, wegen Errichtung eines größeren Gebäudes in Jericho gesch'ossen. Diese Arbeiter werden dort gegen zehn Wochen beschäftigt sein. Bei den Wiederherstellun״aarbeiten der vom Erdbeben ver* ursachten Schäden an den Klöstern in ferusa’em, Beth* lehem, Ejn Kerem usw, ist auch eine Reine jüdischer Arbeiter, besonders Facharbeiter, beschäftigt. So arbeitet eine Kwuzah von!5 jüdischen Arbeitern am armenischen Kloster in Bethlehem. Der leitende Ingenieur ist ebenfalls Jude. Auch bei den Klöstern i»1 T ransjordanien sind jüdische Arbiter beschäftigt. Die Löhne sind ziemlich zufrieden• stellend. (Ziko.) Abraham Goldberg wiedergewäUt New York, 15. Dezember. <J -,T. A) Ahraham Gold• berg, der frühere Vizepräsident der Zionistischen Organ! sation Amerikas, dessen Kandidatur in das administrative Komitee der Organisation während der Jahrekonventlon im Juni d. J. auf den Widerstand der Hadassah-Vertreterinnen und der von Samuel Rosenson geführten Zionisten-Grunpe stieß und nicht durchdrang, ist nunmehr von der Naßonal-Exekutlve der Zionistischen Organisation in ihrer letztenS tzung wiederum mm Mitglied des Verwaltungskom itees gewählt worden. 1u1nn1w1w1111111w1n1mnHw1nn1rwfw1wmnn111m1w11111HW111mtf1111ww11w1ww11m1t1111«nw[11)111n1111lHnm1f1111w Die nächste Nummer •«scheint wegen der Feiertage Freitag( den 30. d. Monats iii'j'imiiiiuimiuiuiumuiiimMUimimiiiHiimiiimiimiuNiimiiiiuiiiiiiiiiHiiiruiiuiiuiiauiiMiiauuiimiiiiuiuuiiiiuluui Dr. Wieners Palästina-Buch Kariöse AuOüSmngc• Herr Dr. Alfred Wiener antwortet in der letzten Nummer der ״C, V.-Zeitung“ auf unsere kritischen Be* merkungen zu seinem Paläatinabuche in Nr. 98 der Jüdischen Rundschau" vom 9. d. M. Es tat freilich keine sachliche Erwiderung, sondern nur eine persönliche Rechtfertigung gegenüber dem von uns erhobenen Vorwurf der Fälschung von Tatsachen bei Angabe der Zusammensetzung־ des Keren Hajcssod-PräsHiums für Deutschland. Die sittliche Entrüstung Dr. Wieners über die angeblich ungerechte Behandlung seiner Person durch die ״Jüdische Runds:hau" ist völlig unbegreif* lieh. Seine Aufklärung, daß der Fehler durch Verschulden einer Mitarbeiterin während der Abwesenheit Dr. Wieners en s and n ist, ist zw׳ar sehr interessant für alle, die die Art und Weise des Zustandekommens seines Buches studieren wollen, aber er wird doch nicht im Ernst dem Kritiker eines Buches zumuten wollen, er möge sich bei jedem Fehler, den er zu beanstanden hat, zunächst mit dem Autor in Verbindung setzen und fragen, ob nicht zufällig seine Sekretärin an diesem Fehler die Schuld trägt Nach unserer Auffassung hat die alleinige Verantwortung für ein schriftstellerisches Erzeugnis der Mann, der es mit seinem Namen deckt Dr. Wiener hat schließ* lieh anderthalb Jahre zur Abfassung dieses Buches Zeit gehabt und niemand kann auf den Gedanken verfallen, daß derartige Unrichtigkeiten Zufall oder Schuld eines Dritten sind. Nach dieser Replik Dr. Wieners ist es äußerst schwierig, sich weiter kritisch mit seinem Buche zu befassen. Denn man wird niemals sicher sein, ob nicht auch ein anderer Punkt den man als anfechtbar bezeichnen möchte, auf das Konto der Sekretärin zu setzen ist Dr. Wiener berührt in seiner Replik nur diesen einen Punkt und darum beschränken auch wir uns heute darauf. Wir können aber nicht an Wieners verwunderter Frage vorübergehen, welche Bedeutung denn die Zusammensetzung des Keren Hajessod-Präsidiums für das Paiästinawerk habe. Wäre sein Buch in Wahrheit eine kritische Studie über die Probleme der Palästina-Kolonisation, dann wäre seine Frage berechtigt. In Wahrheit aber befassen •ich große Teile seines Buches — und wahrscheinlich zumindest für viele seiner Leser gerade die wichtigsten — mit dem Problem der Beteiligung der deutschen Juden am Keren Hajeisod. Wiener Ist ein Gegner der Beteiligung von Nichtzionisten am Keren Hajessed, er sagt das unverblümt Immer wieder mit allem Nachdruck; und in diesem Zusammenhang Ist es sicher nicht gleichgültig, ob seine Leser die Tatsache erfahren, daß bedeutende Nichtzionisten und Persönlichkeiten, deren jüdische Führerstellung auch außerhalb des Zionismus unbestritten int, anderer Meinung sind als Dr. Wiener. Die für eine ernsthafte Argumentation sicherlich belanglose Tatsache der Zusammensetzung einer Organisator!* sehen Körperschaft erhält eine ganz andere Bedeutung, wenn man die psychologische Wirkung auf den Leser ln Betracht zieht Man muß nicht erst von Freud in die Geheimnisse de• Unbewußten blicken gelernt habe», um »1 finden, daß ein derartiger *uflUlg«׳ uni, wie wir jetzt erfahren, unahaichfc lieber Irrtum auf «• Wunsebtrlume des A«t*w» schließen!frrntm, ,/«tr ' die";•mgegilF geietzt• ' psychologische Wirkung Mitte heben können," *nt«' gangen wäre, ♦ Nachstehend geben wir Stellen aus zwei in der letzten Woche erschienenen Kritiken des Buches. Die zionistische Prager ״Selbstwebr" schreibt: ״Die Tendenz Dr. Wieners ist, die Leistung der zio׳ nistischen Organiftion in Palästina auf das ihm richtig scheinende Maß zurückzuführen, im Effekt: zu verkleinern, und er trägt in dieser Hinsicht emsig alle Argumente zu» sammen. An einer Stelle unterbricht er *ich selbst: ״... aber hier soll ja kein Katalog de* Verfahrenen und Zerbrochenen im Heiligen Lande hergestellt werden.“ Und damit hat er, wenn auch negativ, die beste Charakteristik seines Buches ausgesprochen: es ist ein Katalog dessen, was man von irgendeinem Standpunkt gegen den Aufbau sagen kann. Gegen die Behandlung der Araberfrage, gegen Englands Politik, gegen die Kwuzoth — bezeichnenderwe'se hebt er hervor, daß hier polnischer und russischer Sozialismus (bei• leibe nicht jüdischer) verwirklicht wird —, gefeit d'e Uni* versitlt (er spielt gegen die jüdische Universität, de.en Be׳ deutung er offenbar überhaupt nicht versteht und auf die er es besonders scharf hat, das . . . ״deutsch-evangelische Institut für Altertumskunde“ in Jerusalem und . . . deutsche Katholiken geistlichen S andes aas, deren ״manche gediegene wissenschaftliche Leistung zu verdanken ist!״) —, ja, sogar gegen die große Geistigkeit der jüdischen Arbeiterschaft, welche ihm auf russische Vorbilder zurückzugehen scheint Das ist besonders interessant Aber ich glaube, so weit brauchte die Angst vor dem jüdischen Volkstum nicht zu gehen, daß man auch zur Erklärung der Geistigkeit der luden — russische Vorbilder heranziehen muß, nur um keine Eigenschaft des jüdischen Volkes anerkennen zu müssen. Das Resultat des Buches ist: Deutsche Juden, gebt nichts dem Keren Hajessod, denn — er will ein jüdischnationales Palästina aufbauen!“ ״Der nationaldeutsche Jude“ (M. N.) schreibt, nach Zustimmung zu der Grundtendenz des Buches, der Ab- Ichnung des zionistischen Palästina-Aufbaus: ״Es ist dem Verfasser zuzugeben, daß er sich so deutlich ausgedrückt hat, wie er sich als Angestellter des Central. Vereins ausdrüeken konnte, und daß sein Buch wertvolles Material für jeden darstellt, der in die Lage kommt, sich mit den üblichen zionistischen Scheinargumenten auseinandersetzen zu müssen. Bedauerlich ist nur, daß derselbe Central״ Verein, dessen Syndikus der Verfasser und in dessen Verlage die Schrift erschienen Ist, in seinem eigenen Vorstand Leute enthält, die genau das Gegenteil vertreten, die dem Keren Hajessod und dem Pro Palästina-Komitee angehören und neben diesen jüdischnationalen Beschäftigungen munter die unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung in diesem Verein der unbegrenzten Möglichkeiten betreiben.“ Das Oeneralkomitee der amerikanischen Studen* tenschaft hat in New York ein« Protestversammlung gegen die Verfolgungen der Juden und der jüdischen Studenten in Rumänien abgehalten. Den Vorsitz hatte der Präsident des City College Prot. Frederiek Robinson inne. Unter den Rednern waren Senator Copeland, Bischet Paul Jone» und Norman Thomas.