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Jüdische Rundschau · 1927-12-21 · Heft 102-103 (21.12.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 102-103 (21.12.1927)
Date
1927-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 728 Nr. 1M21 ,103׳. XH. 1077 verstand. Die Verwalsthe.lt der jüdischen Jugend, der Chajes ein Führer über den Parteien war, ein Symbol, eine Autorität, ru der sie unbegrenztes Vertrauen hatte, drückte Direktor Viktor Kellner aus. Für die Verwandten nahm von Ciiajes sein langjähriger persönlicher Freund, Hofrat Dr. F rankfurter, Abschied. Nach der Trauerfeierlichkeit wurde der Sarg hinausgetragen und in das von der Gemeinde gestiftete Ehrengrab versenkt Mit Chajes starb ein Mann, wie wir deren nur wenige haben und einer, den wir liebten. Dt. Leopold Thaler. * Die Zionistische Vereinigung für Deutsch* land und der deutsche Keren Hajessod waren bei der Trauerfeier durch l>r. Martin Rosenbiüth und Dr. Nahum G; o I d in a n n vertreten. a h ü in Solcolow hat bei der großen T rauerversarnm- ▼trag in Wien am 20. d. M. die Hauptrede gehalten. Zum Begräbnis seihst konnte Sokolow nicht reditzci'ig eintreffen, weil für denselben Ta״ bereits die Besuche bei Masaryk und Bene sch in Prag vereinbart waren, die nicht abgesagt Werden konnten. Aus Palästina sind in Wien eine große'Anzahl von Kondoiciiz.tclcgrammen eingetroffen, darunter von der Zionistischen Exekutive Palästinas, dem Waad Lcumi, dem Pro* fessorenkollcgium der Hebräischen Universität und anderen jüniscnen Organisationen. Bundeskanzler Dr. SeIpei hat an den Präsidenten der israelitischen Kuitusgemeinde, Generaloberstabsarzt a. D. Professor Dr. Alois Pick, ein Schreiben gerichtet, worin es heißt: ״Es drängt mich, Ihnen und durch Ihre Vermittlung unseren jüdischen Mitbürgern meine aufrichtige Teilnahme an dem schweren Verluste auszudrücken, den die israelitische Kuitusgemeinde durch das Hin scheiden ihres geistlichen Führers, des Herrn Oberrabbiners Professor Dr. Chajes, er* litten hat. Ich hatte einige Male Gelegenheit, mit ihm persönlich zusammenzutreffen und mich über verschiedene Fragen mit ihm zu unterhalten. Jedesmal empfing ich von ihm den Eindruck einer nicht gewöhnlichen Person- Iichkeit. Der hohe Ruf, dessen er sich auch außerhalb des Kreises seiner Glaubensgenossen erfreute, war begründet in seiner tiefen Gelehrsamkeit, seiner charaktervollen Ueberzeugungstreue und stets bewährten Uneigennützigkeit“ Außerdem erhielt die Wiener Kultusgemeinde eine sehr große Zahl von Kondolenzen. Der englische Gecandte Lord Chilston kondolierte namens der engli chen Regierung, der Bürgermeister Dr. Seitz namens der Stadt Wien, Herr D. Schweitzer namens des Joint Di tribution Comrritee. Ein Kondolenzschreiben sandte auch der evangelische Oberkirchenrat; die altkatholische Kirche war durch einen speziellen Delegierten beim Begräbnis vertreten. Auch die Regierungen Deutschlands und Bulgariens waren durch ihre Wiener Gesandtschaften beim Begräbnis vertreten. Fast sämtliehe Ministerien der Bundesregierung entsandten spezielle Abordnungen. Chajes Ist gestorben. An seinem Sarge werden Schüler um den großen Lehrer weinen, Juden um den Führer des Volkes, Unglückliche um den nimmermüden Tröster und Helfer und Beschützer, Zionisten um die Zierde der Bewegung. Aber er war mehr, unendlich mehr als LeJjrer, Führer und Beschützer der Schwachen und Armen. Von ihm ging etwas aus. was mehr ist als höchstes Wissen, tiefste Gelehrsamkeit und zwingende Führerschaft. Man muß mit ihm gelebt haben, um zu wissen, was es war, und die Sprache gehorcht nicht, wenn man das Gefühl ausdrücken will, das er ein flößte. Man ״e.;׳nn den Glauben an Verlorenes wieder. Menschen, im Le׳׳-*i: verhärtet und verbittert, der Achtung vor Menschen verlustig, kamen mit ihm in Berührung und begannen wieder, Edles im Menschentum zu sehen, Juden, auf der Flucht vor ihrem Judentume, mit aufkeimendem Haß und Ekel gegenüber der jahrtausendalten Last erfüllt, kamen mit ihm in Berührung und wurden wieder Juden, stolz auf ihre Abstammung, die ihnen noch gestern ein unerträgliches Erbübel schien. Denn Chajes war Verkörperung des Schönen und des Stolzes im Judentum. Er war nur Jude und nicht ein Restchen Ghetto klebte an ihm. In ihm war Judentum, frei von Narben und Schlacken, Judentum in reinster Schönheit, Judentum wie es einmal gewesen sein und wie es einst wieder sein wird. In ihm war nicht jüdische Gegenwart, in ihm war jüdische Vergangenheit und jüdische Zukunft * Wie wenig von kleiner Gegenwart in ihm war und wieviel von großer Vergangenheit und großer Zukunft, das lernte man begreifen, wenn man ihn von den Propheten sprechen hörte und wenn man ihn mit Kindern zusammen sah. Chajes und die Kinder! Er liebte sie, er fieberte nach ihnen, nicht nach dem oder jenem Kinde, nach allen. Das Zusammensein mit einem Kinde riß ihn hin, weg von allem anderen. Freunde standen dabei und in das bewundernde Bewegfsein schlich sich ein sonderbares Gefühl, ein wenig drückend, ein wenig schmerzlich. Man hatte doch geglaubt, ihm etwas zu sein. Und man sah, daß ihm die Kinder alles sind, alles. Man glaubte, so viel von ihm empfangen zu. haben. Und wenn man sah, was er den Kindern gab, dann schien, was man empfangen halte, so wenig, so klein. Lieber die Kinder schüttete er seine ganze Liebe und seine ganze Seele gehörte ihnen, den Kindern, der Zukunft! Dann wich das Schmerzliche und das Bedrücktsein, es löste sich in reine Freude und man liebte mit ihm, die jüdischen Kinder, die jüdische Zukunft Robert Stricker. Erinnerungen Von Prof. Dr. Ismar Elb 0 gen. Es war Anfang Oktober 1902 als am Südbahnhof ih Wien mich ein hagerer, schüchterner junger Mann begrüßte und sich als der zu meinem Nachfolger in Florenz berufene Dr. Chajes vorstellte. Schon Ende des Monats saßen wir In dem gemeinsamen Arbeitszimmer, wir lebten mehrere Wochen in derselben Familie, ich hatte ihr — soweit das bei einem Manne seines Könnens notwendig war — in das Amt, den Studienplan und die fremde Sprache einzuführen. JUEUISCHE RUNDSCHAU Das Zionistische Landeskomftee für Oesterreich übermittelt der Presse eine Kundgebung, worin es heißt: . So gehört Zwi Pcrez Chajes, an dessen Bahre wir mit wundem Herzen stehen, nicht bloß uns Wiener Juden, sondern der ganzen Judenheit, für die er wirkte, lebte und starb. Und wenn heute Zwi Perez Chajes hier in die Erde gesenkt wird, so wissen wir, daß wir nur für kurze Zeit Hüter dieses teuren Grabes sein können, denn er, der für Erez-lsrael, das jüdische Land, gelebt und geschafft hat, dem es nicht vergönnt war, die Vollendung des Werkes zu erschauen, muß dort zu dauernder Ruhe gebettet werden, wo die Arbeit, an der er so viel Anteil hatte, vorwärtsschreite» zur Erfüllung. Wir wollen dafür wirken, daß Zwi Perez Chajes’ Gebeine nach Palästina, dem Lande 11• racls, überführt werden.“ Traaerfeler Im Hanplbdro Im Hauptbüro der Zionistischen Weltorganisation wurde am 14, Dezember nachmittags eine Trauerfeier abgelialten, der «alle ln London anwesenden Mitglieder der Exekutive, des Aktions-ComiUs und des Direktoriums der jüdischen Kolonial• Bank, sowie der gesamte Beamtensfab und zahlreiche Zio• nisten beiwohnten. Nach einem von Rev. Goldbtoom gesprochenen Gebete gab der Vorsitzende, Dr, Eder, Mitglied aer Exekutlye, der Trauer der Kollegen und Freunde von Dr. Chajes, sowie aller Zionisten, Ausdruck. Die zionistische Bewegung steht mit tiefer Trauer vor diesem unersetzlichen Verlust. Redner beklagt ln dem Verstorbenen auch einen persönlichen Freund, in Zeiten der Not fand dieser Führer immer Rat und scheute keine Anstrengung, wo es galt, der Sache zu dienen. Sein Hingang hat eine furchtbare Lücke gerissen. Der Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz timriß ein Bild von der Persön’ichkeit des großen Toten. Dr, Chajes war ein beispielgebender Führer in Religion, Moral und in der nationalen Sache. Er war nicht nur der geistliche Führer einer der größten jüdischen Gemeinden der Welt, sondern auch einer der größten Talmidej Chachamlm im heutigen Judentum und einer der Bauer der Zukunft des Judentums. Leo M o t z k I n gab in bewegten Worten eine Charak• teristik seines Vonrängers in der Würde des Präsidenten des Aktions-Comitfis. Dr. Chajes diente der Bewegung jaus seinem ganzen Herzen und seinem ganzen Sein. Als Präsident des Aktions-Comites hat er jedes A.־C.*Mitglied anzuregen und anzufeuern verstanden. Als j Mitglied des Komitees der jüdischen Delegationen kämpfte er auch für die Rechte des jüdischen Volkes in den Ländern der Diaspora. Erst vor wenigen Tagen hat er an die verschiedenen Gruppen der Bewegung einen Brief gerichtet, in welchem er sie aufforderte, sich in dieser schweren Zeit tu positiver Arbeit zusammenzuschließeu. Dr. J. L. Magnet, der Kanzler der Hebräischen Uni• vmltlt, der hebräisch sprach, gab der tiefen Trauer der Universität über den Verlust ihres großen Freundes und Förderers Ausdruck, dessen sehnlichster Wunsch es war, als Lehrer an dieser Anstalt zu wirken. sehr verschteden waren, wurden wir; rasch gute Freunde und sind; es immer gebTeben. Wir standen stete In Verbindung, schickten einander alle ünstr« Veröffentlichungen zu tfnd begrüßtenwie die Arbeiten' auch die Kritik des anderen. Nachdem ich geheiratet hatte, kam er häufig in mein Haus und freute sich besonders auch mit den Kindern; schrp als junger Mensch war er beglückt, wenn er ein Kind sah, und diese Freude am aufblühenden Menschen darf als einer der charakteristischen Züge im BUde seiner edlen Persönlichkeit nicht vergessen werden. Chajes ist als ein vorzüglicher Kenner des Tabbinischen Schrifttums, als bedeutender Hebraist und Bibelforscher allgemein bekannt. Wenige wissen, was für ein belesener Mann er auch sonst war, daß er 2. B. ein ausgezeichneter Goethekenner und begeisterter Napoleonschwärmer war. Er konnte sich im Gespräch über solche Gegenstände sehr ereifern uhd eine ganze Gesellschaft fesseln. ln Florenz hatte er rasch glänzende Erfolge; freilich fand er das Coilegio Rabbinico gut im Gange, von unserem verewigten Freunde Margulies vortrefflich organisiert und geleitet. Sie begründeten gemeinsam die Rivista Israelitlca, deren Hauptmitarbelier Chajes war, so daß sein Fortgang von Florenz ihr Weitererseheinen gefährdete. Seine Aufsätze behandelten meist biblische Fragen. In denen der Schwerpunkt seiner Vorlesungen lag. Ihr bedeutsamster Ertrag Ist der hebräische Psalmenkommentar, der mir in der Auffassung zu «ehr an protestantische Vorbilder assimiliert, aber in der Dar- Stellung klassisch und dazu berufen ist als Muster für moderne Kommentare in hebräischer Sprache zu dienen. Der größte Florentiner Erfolg war die Habilitation an der Universität. Noch zu meiner Zeit herrschte an ihr ein so scharf ״antiklerikaler“ Zug, daß die Verbindung mit einem Institut einer Religionsgemeinde als Stigma galt; Chajes hat dieses Vorurteil so glänzend besiegt, daß er eine Ver* trauensstellnng in allen Fragen der semitischen Studien hatte und daß zuletzt sogar der Rabbino Maggiore U. Cassuto zum ordentlichen Professor ernannt wurde, 1911 besuchte ich den Freund zuletzt in unserer Floreniiner Wohnung, unser Arbeitszimmer war unverändert, zum großen Teil standen die Bücher und Zeitschriften noch da. die ich der Bibliothek entliehen hatte und er nun weiter benutzte. Damals beschäftigte ihn die Schicksalsfrage, ob er die Berufung nach Triest annehmen sollte. Nach schwerem Ringen hat er sich dazu entschlossen, weil er in Florenz kein rechtes Arbeitsfeld mehr sah und weil wahrscheinlich damals schon sein Blick nach Erez-Israe! gerichtet war. Triest hat diese Verbindung zwischen seiner Seele und dem Lande der Sehnsucht enger geknüpft, die erste günstige Gelegenheit benutzte er zu einer Reise nach Palästina; an andere ab kulturelle Pläne dachten in den letzten Jahren vor dem Weitkriege die wenigsten Zionisten. Der Krieg zwang Chajes in der von jeder Zufuhr zur See abgeschnittetien und seit 1915 den italienischen Geschützen preisgegebenen Stadt eine ausgedehnte Fürsorgeorganisation auf und er erprobte hier im kleinen Kreise seine Kräfte. Er weckte aber auch sein politisches Verständnis. Als wir Ihn 1917 vergeblich für unsere Hochschule zu gewinnen suchten, entwickelte er bei einem hiesigen Besuche politische Gedanken, die mir lange tu denken gaben. Der Atagang de» Krieges führte Chajes dann zu Inten- •Ivster Betätigung, die bekannt ist Ebenso anerkannt ist •eine wunderbare Hilfstätigkeit für Wien und die Bedrängten in Osteuropa. Hier sei nur hervorgehoben, welch tiefen Eindruck Chajes’ vornehme und gütige Persönlichkeit in New York hinterlassen hat Rebecka Kohut hat ihm in ihrem Memoirenwerk ״My Portion“ ein Denkmal gesetzt das auch den spätesten Geschlechtern künden wird, was wir alte verloren haben. In trüber Ahnung sprach der Freund oft davon, daß er die Fünfzig kaum überschreiten werde,. Er hat wie Immer zu seinem Wort gestanden. Uns aber hat dieser plötzliche Verlust getroffen, als wir׳* ein Stück von utts! זרי לי מאד עליך אחי נעמת לי מאז־ Zn Chajes Tod Es bt gerade acht Jahre her, daß ich mit Dr. Chajes die erste Reise machte. Wir brachten gerade zur Chanukkah- Zeit einen Transport von 1300 Kindern nach Holland and gingen von Waggon zu Waggon, um unseren kleinen Reisen* den die Chanukkah-Llchter anzuzünden und mit ihnen die alten lieben Ljeder zu singen. Chajes war glücklich. Er war im Kreise seiner Kinder, der Kinder, die sein geworden waren durch die heiße, tiefe, Innige und unerschütterliche Liebe, die er zu ihnen hatte. So können nur Menschen Kinder lieben, deren Wesen erfüllt ist von einer weiten, starken, heiligen Güte. Diese Güte haben wir in manchem späteren Jahr gemeinsamer Arbeit an Oberrabbiner Chajes immer mehr erkennen und verehren gelernt. Es war eine Güte und Liebe, die nicht nur der ganzen Menschheit gehörte, sondern jedem einzelnen Menschen. Noch niemals hat es wohl eitlen Rabbiner gegeben, der so sehr der Rabbiner der Armen gewesen Ist Nicht nur die großen Fragen brachte man zu ihm, auch die kleinen Nöte und Sorgen des Alltags wurden vor ihn hingebreitet Er hörte sie alle mit unendlicher Langmut und Geduld, und keiner ging von ihm, dem er nicht geholfen, oder den er nicht getröstet hätte. Darin liegt die Größe seines Wesens und seiner sozialen Arbeit, daß sie nicht vor Kleinem Halt machte, daß sie den Schmerz jeder Menschenscele als eigenen Schmerz empfand. Jedes Menschenwesen war ihm wichtig, war ihm wert und heilig. Es wäre müßig, die lange Liste der sozialen Institutionen anzuführen, der Vereine und Korporationen, denen Chajes angehörte. Es gibt wohl kein einziges jüdisches Hilfswerk in Wien, dem er ferngestanden hätte. Wohl stand sein Name selten im Präsidium. Er verzichtete darauf, sich als ״Leiter“ nominiert zu sehen, aber er war stets und überall die Seele des Ganzen. Immer waren wir seines Rates und seiner Führung sichet; In jede Stunde der Sorge und der Ratlosigkeit brachte er Ruhe und Hilfe. Und wo immer er hinkam, wurde es heller und froher. Dieses Licht Ist nun erloschen, *u einer Zelt, da wir seine Führung und sein Verstehen mehr als je gebraucht!litten. UnssoriatenAxbeitem wird wohl ,immer seine hohe ethische jpeteö^cl^fj jfcי■ -aber«ine;Kraft;unajictol'Energie sftamn^verloren ge|ango1, . sein heller Opämtehnuf, seine durch keine Enftiuscbiing etschotterte Zuversicht, mit der er uns Immer wieder aufge:issen hat, wenn wir müde, körperlich und seelisch müde zu werden begannen. Nicht nur die Armen Wiens sind arm, bettelarm geworden durch Chajes׳' Tod; arm »ind wir alle geworden, die wir an seiner Seite arbeiten durften, an der Seite dieses Mannes, der es verstanden hat, Treue zu wahren nicht nur der Arbeit, sondern auch den Mitarbeitern. Tränen sind auf manches Grab gefallen; aber wohl noch kein Grab ist von so vielen Kindertränen genetzt worden, wie das Grab Chajes׳. Diese Liebe und Trauer der Kinder spricht wohl beredter als alle Zungen und alle Federn es vermöchten vön der Größe und Güte dieses edelsten Mensehen, uhd Ist das beste, Was wir seinem Angedenken widmen können. Anitta Müller-Cohen. Die Nalionaltraner In Rumänien Verbotene Protestversammlung. — Vernichtung alter Heiligtümer. Bukarest, 15. Dezember (I. T. A.) Die Union rumänfscher Juden, deren Präsident Dr. F Heiermann ist, hat für heute zu einer Protestversammlung gegen die Greuel der rumänischen Studenten, gegen die Schändung von Synagogen und Heiligtümern eingeladen. Die Polizei hat die A b h a I tun g dieser Versammlung ve ז b oten. Das Landesrabbinat, an dessen Spitze Senator Dr. Niemf* rover steht, hat den heutigen Tag als Buß* und Fasttag für die Juden ganz Rumäniens bestimmt zum Zeichen der Trauer über die begangenen Greuel, die Schändung jüdischer Synagogen, sowie Entweihung vieler Sefer Thöras. Die Zeitung ״Lupta“ teilt mit, daß während des Pogroms In Großwardein und der Zerstörung der Synagogen ein Sefer Thora vernichtet wurde, der vor elfhundert Jahren hergesteilt worden war. Diese Thoraro'.le wurde von der gesamten Judenheit Siebenbürgens und Ungarns als ein Heiligtum verehrt Die Trauer um den Verlust, der heiligen Re• liquie ist sehr groß. Der Stadtrat von Klausenburg hielt eine Si zu'1״ ab und sandte an den Ministerrat ein Telegramm, in welchem fest■; gestellt wird, daß sechs jüdische Tempel zerstöri und ein Schaden von vielen Millionen verursacht wurden. Der Stadtrat *teilt weiter fest, daß seitens der Behörden keinerlei Maßnahmen zur Hin'aihaltung von Unruhen getroffen worden wa־en und fordert die Regierung auf, aus Staatsmitteln die Opfer zu entschädigen; der Stadtrat trage keinerlei Verantwortung für das, was unter der Duldung der staatlichen Behörden geschehen ist. Die drei Zentralorganisationeti der siebenbürgißchen Juden veröffentlichen ein Protest-Manifest. Amerikanischer Protest Washington, 18. Dezember. (J.T.A.) In der letztes Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten hat der Senator La Guardia eine Resolution vorgeschlagen, in der der Staats- Sekretär Kellog vom Kongreß aufgefordert wird, bei der rumänischen Regierung energisch gegen d e grausamen Vertolgurtgen, der die friedliche jüdische Bevölkerung ln Rumänien ausgesetzt ist, zu protestieren.

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