Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 100-101 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652968--19609-2677503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 100/101, 18. XU 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 719 Bücher zu Chanukk&h Es war eine Zeit — sie Ist noch nicht’allzu lange her — da wurde in diesen Winiertagen durchschnittlich in Jedem dritten jüdischen Hause mit einer gewissen Selbstverständlich* keit der Weihnachtsbaum angestedet und ״Bescherung“ veransfaltet. Man konnte damals, wann immer man Weihnacht»״ lichter schimmern sah, mit einiger Sicherheit gleich Pallenberg in ähnlichem Falle sagen: ״Gott sei Dank, nun weiß ich wenigstens, ich bin bei guten Juden!“ — Das ist ein wenig anders geworden; und der Zionismus hat, wie ihm selbst seine Gegner zugeben werden, sein Teil zu dieser Wandlung bei* getragen. Die Kinder mancher weihnachtsbaumliebenden jüdi* sehen Familie haben statt der Christbaumkerzen die Chanukkahlichter erwählt Nur eine schöne Sitte hat den Wandel der Begleitumstände überdauert: das Schenken. Deshalb sei auch hier nicht lange nachgeforscht, ob auch diese Sitte etwa fremden Ursprunges sei (oder von Purim unter dem Einflüsse der Um* gebung auf Chanukkah übertragen?); sondern es seien einige Bücher genannt, die am Chanukkah dem Anderen das Herz erfreuen können. Nenes von jüdischen Anloren Da ist zuerst das neu« Buch des unseren Lesern wohl• bekannten Georg Hermann, der die Lebensmarke ״Verfasser von Jeftchen Gebert“ wohl bis an sein noch eine geraume Zeit binauszuschiebendes Ende behalten wird. An dieser Stelle wurde kürzlich mit gebührender Ausführlichkeit sein merkwürdiges Bekenntnisbuch ״Der doppelte Spiegel“ gewürdigt, das typische Buch seiner Generation: die Wandlung vom jüdisehen Deutschen zum deutschen Juden, wie man es nennen könnte; veranlaßt, aber nicht verursacht, durch die Wandlung der nichtjüdischen Umwelt, durch Krieg und Antisemi i >mus und wie die apokalyptischen Reiter sonst heißen; jedoch hinführend zu besserer Erkenntnis des jüdischen Elementes in eigener Tiefe. Das neue Buch Georg Hermanns weiß nichts von diesen Kämpfen und Sorgen. Ist der ״Doppelte Spiegel“ das Buch eines Juden, so sind die ״Trinen um Modesta Zamboni“ (Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart) das Buch eines typischen Deutschen, dem die Sehnsucht nach dem Wunderland Italia tief im Blute lebt, seit Jahrhunderten schon, seit 1t der erste Handwerksbursche mit seinem Ränzel auf dem tücken über die Alpen wanderte. Der Kunsthistoriker Wilhelm Waetzoldt hat kürzlich ein schönes Buch über die Wandlungen des Erlebnisses Italien in der deutschen Vergangenheit geschrieheu. Danach gehört Georg Hermann sicherlich zu den roman* tischen Italien-Pilgern. Anders etwa als Goethe, zu dem die Steine des Landes reden und dem sie neue Augen leihen, ja fast ein neues Leben ein flößen, sieht dieser romantische Wan* derer trotz oder wegen seiner kunsthistorischen Absichten von ganz Italien nichts weiter als eine Frau, als die klassisch schöne Modesta Zamboni, auf deren Landgut er einen elysischen Sommer verträumt — bis ihn das Trugbild rauhester Wirklich* keit ihr aus den Armen reißt Es Ist vielleicht keins von Hermanns stärksten Büchern — der Faden der Erzählung ist zuweilen etwas dünn geraten — aber es sind unverwelkfiche Bflder darin von italienischer Augenlust in Natur und Kunst. Alfred Woiff, allzu früh durch den Krieg uns entrissen, versuchte vor Jahren einmal, die innere Verwandtschaft jüdisehen Wesens mit deutscher Romantik nachzuweisen. Georg Hermanns neues Buch ist eine späte Bekräftigung seiner These. * In demselben und doch in einem anderen Italien spielt das neue Buch Alfred Neumanns, der ihn’ich wie Georg Hermann in Gefahr ist, für die deutsche Lesewelt als Verfasser eines einzigen Brches registriert zu werden. Das ist der grandiose ״Teufel“, der die Geschichte Ludwigs Xf. vor! Frankreich und seines unzertrennlichen Begleiters und Seelenbruders, des Sleur Le Mauvais, den das Volk den Teufel nannte, ln dem neuen Buch ״Rebellen" (Deutsche Veratsansta't, Stuttgart) zeigen sich in einem Nebeneinander von Erscheinungen und Ereignissen die am Ende vergeblichen po!tischen Bemühungen der Rebel’en im Großherzognim Toscana der dreißiger Jahre. Unzweifelhaft kommt durch diese Vielheit, die nicht ganz zur Einheit geworden ist, ein Element von Zerrissenheit in das Buch. Auch der Führer Guerra und seine schöne Schwester Maddalena werden nicht zum Mittelpunkt. Der Autor hat, so scheint es, diesen Mangel empfunden und will das Buch nur als Vorspiel zu einem zweiten Bande gelten lassen; dort soll dann das Schicksal des Führers auf seinem stürmischen und dämonischen Wege zur Diktatur und der endlichen Tragik seines Sturzes behandelt werden. Auch wir sehen diesem zweiten Band mit Spannung entgegen; denn schon das Gewirr des vorliegenden ersten Bandes enthält ßi’der von Menschen, Landschäften, Städten und Stadtvierteln, die mit al’er Kraft künstkrischen Schauens eingefangen sind. Dazu gehört — für uns von besonderem Reize — das Bild des Florentiner Ghettos in den dreißiger Jahren mit seinem Durcheinander von Gerüchen und Geräuschen; mit dem Hauskniuel, den man die Cortacce nannte und der mit seinen verworrenen Gängen, Winkeln und Treppen manchem politischen Flüchtling Zuflucht bot Da lebt der Hauswirt, der Schächter Salomone, Carbonaro wie nicht wenige Juden und ״so etwas wie der revolutionäre Führer der Gemeinde“; mit fanatischer Treue hängt er an Guerra und erwartet von ihm in der alten mystischen Hoffnung der Entrechteten ein großes Zukunftsg'.ück: etwa einen Sondermessias für sein Florentiner Ghetto.... Manchmal psalmodiert er plötzlich die Hände aufhebend, seltsam feierliche Worte in einem grimmig verbogenen Italienisch: ״Er hat bekommen vom Ewigen die Macht,..“ Dann sprach er ein paar Sätze ln den rauhen und erhabenen Lauten seines Volkes..Der Mann taucht auf und ist wieder verschwunden; und doch scheint es in diesen paar Augenblicken, als seien wir Ahasver selber begegnet wie er unter den italienischen Rebellen, wie er unter den russischen Revo'utionlren so gut wie unter den deutschen Freischärlern zu finden war: immer seinen besonderen Messias vor Augen.... * ״DasGeheimniseinesMenschen“ nennt Franz Werfel seinen neuen Novellenband (P. Zsolnay Verlag, Wien) nach dein Titel einer — und gerade der schwächsten der darin enthaltenen Novenen. Und doch hat dieser Name seine Berechtigung. Die Geheimnisse eines Menschen zu belauern, sie darzustelien, aufzulösen und eben dadurch schärfer zu knüpfen — darum bemühen sich alle vier dieser Erzählungen. Die ״Ballade des äußeren Lebens“ verschwandet: nach innen führt der geheimnisvolle Weg. Mit un'eugbarer Sicherheit und einer fast zum Selbstzweck gewordenen Kunst der Darstellung. Da baut sich etwa aus den halb im Fieber dahingewühlten Traumen einer verunglückten Frau, die im Krankenhause operiert wird, ein Leben auf. Oder die letzte Stunde eines Miachendaselns bringt unerbittlich beobachtetes Nebeneinander von Schuld und Gnade, Auf und Nieder — bis zum unentrinnbaren Ende. Schnitzlers Fräulein Else liegt nicht allzu weit. Frech wie ein niederländisches Gemälde wird dann das Höllentrciben eines Trauerhauses, das eigentlich ein Freudenhaus war, dahingekleckst. — Auch hier sind Götter. Und doch — bei diesem Buche steigt in den alten Freunden Franz Werfels ein Gefühl auf, wie es etwa Merck beim Clavigo empfand: ״Solches Zeug mußt Du nicht machen; das kann ein anderer auch...“ In diesen dreihundertundlünfzehn Seiten findet sich nicht eine Zeile, die so schlicht und unerbittlich wäre wie etwa der Schluß jenes Elternliedes, das Werfel vor Jahresfrist schrieb — oder wenigstens veröffentlichte: Und die Uhr geht Schritt für Schritt 4 Um den leeren Tisch .... Bath Hille 1. df Ein Zufall hat cs gefügt, daß zur gelben Zeit, wo der zweite große Roman von Jean Richard Bloch ״Kur* di sc he Nacht“ in der Uebertragung unseres Freundes Paul Aman dem deutschen Lesepublikum zugänglich wird (int Rotapfel-Verlag, Zürich, 8 M.), der Dichter selbst sich in dem soeben erschienenen Dezember-Heft der in Paris erscheinenden Zeitschrift ״Pa lest ine“ über die Judenfrage äußert. Nicht die äußere Judenfrage behandelte er, sondern das persönliche Problem des jüdischen Menschen, ausgehend von Martin Bubers ״Reden über das Judentum", die einen großen Eindruck auf ihn gemacht haben. Er findet bei Ruber Gedankengänge, die er selbst mit ganz andern! Worten in seinen Dichtungen angedeutet hat, er findet seine eigenen dunkeln Empfindungen klassisch ausgedrückt in Bubers Worten von der Macht des Blutes als der gestaltenden Substanz des jüdischen Menschen. Der Jude ist Orientale und Okzidentale zugleich, und obwohl er seit Jahrhunderten in Europa lebt, findet er in sich die Maßlosigkeit, die Seelenweite, die Inbrunst des Orients. Von diesem jüdischen Bekenntnis führt eine direkte Brücke zu dem Buch ״Kurdische Nacht“, das nichts mH Judentum zu tun hat. Im ״Vorklang“ sagt der Dichter: ״Ach, Frankreich, das ich so sehr liebe, Franzosen, in deren Mitte ich so gerne, so eifrig gelebt und gekämpft habe, am liebsten möchte Ich sagen: euch bin ich entsprossen, euch bin ich gleich. Aber die Sprache der innern Verwandtschaften ist vernehmlicher als meine Neigung.“ . . . ״Italien ist mir eine Schwelle ... sie führt zu den einzigen Teilen der Welt, wo ich aufhören würde, mich als Fremder zu fühlen. Italien ist der Vorplatz des Kontinents der Leidenschaft.“ . . . ״Die Größe des Orients kommt daher, daß er den Gläubigen den Rat zu geben wagt, wenigstens einmal im Leben alles von sich abzutun“, dem W ander- 300000CWOCCb00a00000»Xa000CKX300a00000000000CX3000KX Hol Iteueffe ts, M *um ätetwlfe 3t»ela: £tt**1t attf im fcetttft&ett tfubtte. £90 S., 16 Bildtafeln, bestes Papier, Genfleinen; RM. 7״— Eines der Bicher der Wintersaison von »925/27. ftitne UaUietc: 31a# tttttelottttfe tttttt* Gegen 300 S., festes Papier, Ganzleinen! RM. 6.— Robert Drill (Hauptredakteur der ״Frankfurter Zeitung״): ,Jch habe P.’s Konfessionen an einem Sonntag in einem Zuge durchgelesen, denn sie gaben mich nicht früher frei.‘‘ סוג § osmmm sa«*«*. Von Arnold Zweig. Mit 52 Zeichnungen von Hermann Struck, RM. 10.—. Soeben fertig ק estdlte Sonderautlage: 250 Exemplare, Büttendruck, Haibieder, Goldschnitt. Durch jede Buchhandlung. HStlt-0e«Ia0,9e1!litt!»52 Pallas-Strasse!0(11. -ooooocxxxxxiooooooSB V)000^yחוrדraגooootX)gמo^xיoם^yrr)0cx)00^CT*vיnrc niNffiiiifiiiniinnflniiitiiiifimffnHiitiHiniiiffiiriiNifiiiiifiRiniiiuiitwutHiiiifiiiHifijfifiniijfuiiiiifMHimKiffHnfrtnifiHiiinffiiifluuiiitinfHi tlAalaMMAH Cia ״״verbindliche Prelsanatellung für verlangen die Anseigen in der Jlliltscii.Rundschau uuiUiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiinnmritiniiiniiiiutiiaiiirrtiifiiiiiinfiiffRinfiftfiirfiifiiiiiuifiifiiiHimiiiißfffrffiifiiRnnHfifiiffiffimHmiifiinitiHii Jüdisches Lexikon Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens , Dl« ®raten Urteile der Presset Berliner Tegeblett! ־ Das Jüdische Lexikon fußt zwar auf Wissenschaftlicher Grundlage, will aber über alle Gegenstände allgemciaverständliche Auskunft geben; und das Ist ihm in ausgezeichneten• Welse gelungen. Minner aller religiösen und politischen Riehtungen wurden als Mitarbeiter gewonnen und dem Werke dadurch eine erfreuliche Objekthrit&t gegeben. DruckaussUttung und Einband des Lexikons sind mit besonderer liebe und ausgesuchtem Geschmack hergeriditet wor* den. Ueber 2000 Wustrationen und ganzseitige Schwarz• und Buntdrucke schmücken in des Wortes eigentlichster Bedeutung das Buch, erklären den Text und erfreuen aas Auge. Prof. Qotihold Weil. Königsberger Hertungschc Zeitung■■ Das W erk kommt wirklich einem Bedürfnis weiter Kreise innerhalb und außerhalb des Judentums entgegen. Eine Reihe von Stichproben ergab ein sehr günstiges Resultat bezüglich der ZuverlSssigkelt der einzelnen Artikel. llabb. Prof■ telix Perles. C. V.-Zeitung 1 Pie Ausstattung ist glänzend. Man kann jetzt bereits sagen, daß man auf die übrigen Bände außerordentlich gespannt ist und Herausgebern und Verlag herzlich zu danken hat. L. H. The Jewish G ׳ardien, London t This German eneydopedia will take a very high rank among the domestic treasures of its readers. Wirtschaftskorrespondenz für Polen: Der 1 Band übertrifft jede Erwartung. Jeder Mensch, nicht nur der Jude, der Bereicherung seines Wissens, geistige Zusammenhänge sucht, wird auf das Höchste erfreut sein über dieses Standard work. Preis: Ganzleinen RM. 35.-, Baibieder RM. 44.- pro Bend. Ausführliche Prospekte kostenlos durch jede Buchhandlung oder durch Jüdischer Verlag / Berlin W37 KFX״™'I7 in vier Bänden Herausgegeben von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschncr unter Mitarbeit von über 230 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern יוויווווייו^וווווווו» w®1wwrmnmmnmw iwwwm Moses Rath: ««S ff «1111 A in n n 11** &פת ג§1בו Lehrbuch der hebräisches Sprache für Schul, und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis. Einführung in die Literatur. Praktisch® Methode zur Erlernung der hebräischen Sprache in Wort and Schrift mit deutscher Unterrichtssprache. ״Sfath Amenu“ ist ferner in polnischer, englischer, ungarischer und rumänischer Sprache erschienen. Das 403 Seiten starke Buch ist gut aasgestattet und kostet gebunden nur Nk. t.-־ Die englische Ausgabe kostet Mk, 4.— Bei größeren Beateilangen wird hoher Rabatt gewährt Bestellungen nid s» richten aa H. Rath Verlag, Wien II, Taborstr. 20a DER GROSSE TEPPICH Roman von Georg Hirschfeld 389 Seiten. Geheftet RM, 3.—, in Ganzleinen RM. 5.— .... Ein GeaeUichaftsraman. Hinter der e'ndrtng Idee י Zeichnung Interessanter Typen der Welt und der Halbwell, Unter einem Scherl gete.dtnelen Milieu der Grote ad: sieht des liefere Wissen um den Sinn der Zelt' ■ ___ (Btamtsthweiger N■ NaihrUMenJ Als preiswertes Gesdbenkbudh besonders so empfehlen Ist das Relsebuch des berühmten Autors von ״Jcllchen Geben‘• und ״TrHnen uns Modesite Zamboni“ HOLLAND, REMBRANDT UND AMSTERDAM von Georg Hermann Mil!?Wiedergaben Rembrandtscher GenUBde u.H ־nd elchnungen. G-drudrt In einem schonen Grad derTlemann-Antlqua. , Nur gebunden (Halbleinen) RM 5 — .... Wenn ein buch gut 1 t sofern es Neues. Herrliches, Bereicherndes In uns elnsMme» 186t so Isst es dieses.Eine auserlesene Oabef ___ (Persianer Zetiung) Lfslane Sarah Bernhard!: Der Lebensabend Sarah Bernhardts 64 teilen. CroMormsl. MSI •Al zum Teil bisher anver 5 (entltchten Bildern aus Famillenbeslts. Nur steif broschiert RM 3 50 .Von «!! der ungeheuren Tragik, die auf ihren!eilten Lebensjahren last-te. wfite man nur wenig, würde man nlch* Jetzt eus einer eben ln deuscti r S ■rache erschienenen Bro chOre der Enkelin der Me sterin ein getreues Bl d dieses qualvolie.1 Endes der Lau bahn einer groben Künstlerin erhal en.״ (Neues Wiener Journal) MERLIN-VERLAG HEIDELBERG