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Jüdische Rundschau · 1927-12-16 · Heft 100-101 (16.12.1927) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 100-101 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 718 JIJEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100/101, 16. XII. 1927 Direktor Wassermann in Palästina Dir. Oskar Wassermann, der Präsident des deutschen Keren Hajessod und Mitglied der Jewish Agency -Kornmission, war im November in Palästina. Unser Bild zeigt ihn (*) bei einem Besuch der jüdischen Siedlung Kirjath Anawim bei Jerusalem. * Orangenernte in Petach Tikwa Die Forderung der jüdischen Arbeiter, in höherem Maß als bisher von den Kolonisten bei der Orangen-Ernte beschäftigt zu werden, steht in denletztenWochen im Mittelpunkt einer heftigen Diskussion in Palästina, wobei die palästinensische Oeffentlichkeit und Presse die Forderung der Arbeiter unterstützt und die wohlhabenden Kolonisten an ihre Pflicht mahnt, bei Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mitzuwirken. ,•-•י/ ’S» ■ *Uli- י,,! י.., / 4-t.< ־. •■*iä Wo ist mein Ring? Wer k.'iiin mir dieses künden? Hilft einer mir, den Zaubrerin־״ zu finden? (Das Vöglein singt.) Wie? hör* ich recht? Das Vöglein stellt mir bei? Dank, liebes Vöglein, Dank, und so es sei: Such’ ich am falschen Ort, so singst Du leise, Stich’ ich am richt'gen, taut ton’ Deine Weise. Und so beginne ich: (lieht zu einem Banin.) Find’ den Ring ich hier, An diesem Oelbamn, der des (iartens Zier, Des Balsamöl heilt alle schweren Wunden Und Kranke schnell und sicher läßt gesunden? (Das Vogl ein singt leise.) Das Vöglein singt nur leis’, man hört es kaum. Ich suche falsch, — ((ieht nach der anderen Seite) Ein Fukalvptusbaum Steht hier, bin Baum, der wahre Wunder tut. Und der für Menschen wichtig ist und gut. Wo man ihn pflanzt, die Sümpfe sclmell verschwinden — Wcrd’ ich an diesem Baum den Ring wohl finden? (Das Vöglein singt leise.) Nur leise tönt des Vögeleins (iesang (Geht nach der anderen Seite.) So geh’ auf dieser Seite ich entlang. Hier ist ein Wiuiderbaum, der voll bedeckt Mit gold’ncr Frucht, die süß und prächtig schmeckt. ״Goldapfel“ hab’ ich diese Frucht benannt, Doch, wo sie sonst in meinem Reich bekannt, Trägt sie zwar Früchte mit dem gold'neii Schimmer, Doch bleiben sie bei and’ren sauer immer. Chaschchasch heißt sonst sie; mir im Zaubergarten Kann man vom Baume siille Frucht erwarten. Ist hier mein Ring? (Das Vöglein singt laut.) Das Vöglein singt so laut - - Hier ist der Ringe! So 11:1t>’ ich recht vertraut. (Nimmt den Ring vom Baum.) Dank, Vöglein, daß Du mir geholfen hast. Die Diener straf’ ich jetzt in dem Palast. 5. Akt. Kis, Ri/pa, spater Salomo, Asmodai und das Vöglein. (Kis, allein auf der Bühne, sieht sich ängstlich um.) Rizpa (von hinten): Kis, Kis, Kis! Kis (umfallend): Rizpa, so mich hier zu necken! R.: Ach was, necken! Denk’ den Schrecken. Den ich hab’. Vor wen’gen Stunden Ist der Zauberring verschwunden, kf.: Rizpa, oh, wie wird’s uns gehen! Unheil werden wir besehen! Salomo Beide (sich verneigend): Lang’ lebe der König! R.: Und Asmodai. Beide (sich schüttelnd): Hnih der böse* Zaubermann! K.: Salomo und Asmodai - Beide: Lang’ lebe der König! Hnih der böse Zaubermann! K.: Salomo und Asmodai Sind gestört bei Zauberei. Strafe folgt drauf eins, zwei, drei. R. (ihm nachmachend): Strafe folgt drauf eins, zwei, drei. Du hast Schuld alleine, Kis. K.: Du hast Schuld, das ist gewiß. Statt beim Zauberring zu wachen, Triebst Du lauter Nebensachen. Du hast Schuld. R. : Allein nur Du (gibt ihm eine Ohrfeige). K.: (sich wehrend): Du, ich sag’ es immerzu! (Kleine Keilerei) (Salomo kommt, beide nichts merkend, keilen sich ein wenig weiter.) Salomo: Kis, Rizpa! Haltetein! So geht es nicht! (Beide erschreckend, lassen ab, verneigen sich.) Beide: Lang’ lebe der König! S. : Ihr seid entdeckt, Ihr kommt vor das Gericht! Und Asmodai soll Euer Richter sein. (Asmodai kommt.) K. und R. (ängstlich): Huih, der böse Zaubermann. Asmodai: Zu allererst sperr’ man die Schurken einl Drei Tage soll’n sie im Gefängnis fasten, Dann lege ich sie in den Zauberkasten, Aus dem den Ring sie heimlich hab’n entwendet. Der Zauberkasten schließlich wird entsendet Von mir mit beiden in die Unterwelt. Dorthin hab’ die Schedim*) ich schon bestellt, — K. und R. (ängstlich): Oh, was uns beiden gar nicht gut gefällt! (Das Vöglein kommt und singt.) S.: Das Vöglein singt. Ich höre was es sagt. (Das Vöglein singt weiter.) Kis, Rizpa, meint es, sind genug geplagt Schon durch die Angst, die reichlich sie empfände«, Seitdem der Zauberring von neu’m verschwunden. Und wenn sie beide Schlimmes auch verbrochen, Sei so für sie mein Urtcilsspruch gesprochen: Kis hat ab jetzt beim Zauberring zu wachen Und Rizpa hat ihn täglich blank zu machen; Woran sie beide fehlten, sollen nun Von heute ab sie beide Gutes tun! A. (teuflisch lachend): Ha, Ha Ha! S.: Ich mein’ es ernst, ich mein' es nicht ironisch. A.: Auch dieses Urteil, seheint’s, ist salomonisch. (Salomo und Asmodai ab.) R.: Ich bin froh, daß wir entronnen, Dem, was Asmodai ersonnen. Beide: Llui, der böse Zaubermann. K.: Doch nach solchen Schabernacken, So ein Urteil auszuheeken, Das uns beide macht so froh, Kann nur König Salomo. Beide: Lang’ lebe der König! Beide (tanzend): Aber Spaß macht's doch, zu necken And’re Leut' mit Schabernacken. - Eine MOnzsammlang in Palästina Im Rahmen des Bezalel-Museums in Jerusalem ist eine Münzsammlung eröffnet worden. Der Saal, m dein die Münz- Sammlung aufgestellt wurde, ist nach dem ersten jüdischen Numismatiker Raffaeli benannt worden. Es handelt sich um eine Sammlung von zunächst etwa 1000 Stücken, unter denen sich sehr viel seltene und besonders schöne Exemplare befinden. Freunde dieser palästinensischen Sammlung werden gebeten, zur Vermehrung der Sammlung beizutragen. Gewünscht werden 1. jüdische Münzen, 2. Münzen und Medaillen jüdischer Künstler, 3. solche Medaillen, die zwar von nichtjüdischen Künstlern stammen, aber anläßlich jüdischer besonderer Ereignisse geprägt worden sind. *) Schedim, hebr. Wort, sind böse Geister. Palästinensische Geschichten Von M. Y. Ben-Gavriel, Jerusalem. Ich denke, daß es wohl keine Sprache gibt, in der man derart umfangreich fluchen kann, mit derartiger Häufigkeit und Intensität, wie die arabische. In einem Gespräch von drei Minuten weniger als sechs Flüche zu gebrauchen, würde einen bedauerlichen Mangel an Sprachgefühl verraten. Es sind aber, dies sei ausdrücklich vermerkt, diese Flüche und Verwünschungen, so grob sie auch, wörtlich genommen sein mögen, durchaus nichts, das den Fluchenden gesellschaftsunfähig machen würde, im Gegenteil, sie haben etwas Anheimelndes an sich. Kein Vorgesetzter, zum Beispiel, würde, glaub’ ich, etwas daran finden, wenn ein Untergebener etwa so zu ihm spräche: ״Ich habe mir ergebenst erlaubt, deinen Brief, o hoher Herr, mir von einem Schriftkundigen vorlesen zu lassen, sein Arbeitsglauben möge verflucht sein, und habe mich, o erlauchte Gegenwart, über den Ausdruck deines Wohlwollens, möge dein Haus zerstört werden, außerordentlich geehrt gefühlt.“ Mitunter aber, das heißt, wenn man dem Sprachgebrauch auf den Grund geht und solche ständige Redensarten nach ihrem wirklichen Sinn wertet, ergeben sich mitunter groteske Situationen. S., ein dicker Hausbesitzer, saß vor seinem Haus und schaute sehr zufrieden einem Kind zu, das In der Straße saß und sich komplizierten Spielen hingah. Als sich dieser Knabe aber entschloß, die Vorübergehenden mit Steinen zu bewerfen, untersagte es ihm der Dicke. Der Erfolg dieses Untersagens aber war ein höchst unwesentlicher, so daß die Ermahnung sich mehrmals wiederholen mußte, bis endlich dem Dicken die Geduld riß und er wütend schrie: ״En al abuk, o du Teufel!“ Wozu zu bemerken ist, daß erstens ״en al abuk“ auf deutsch heißt: dein Vater soll verflucht sein! und zweitens, daß der, der es rief, der Vater dessen war, dem der Fluch galt. * Eine andere Historie von der Macht der Gewohnheit. Man weiß, daß die moslimische Frau in den Städten stets den bekannten schwarzen Schleier vor dem Gesicht trägt und daß es ihr strenge verboten ist, sich vor einem fremden Mann unverschleicrt zu zeigen. Nun standen letzthin zwei Damen aus Jaffa an einem heißen Nachmittag an einem abseitsgclegenen Teil des Strandes, um ein Bad zu nehmen. Sie standen im Hemd und ließen das Wasser über ihre Füße spülen, als ahnungslos ein fremder Mann um eine Felsklippe bog. Er sah so aus, als wäre es ihm zuzutrauen, daß er keine Ahnung hatte, daß eben zwei Damen sich anschickten, ein Bad zu nehmen. Ein fremder Mann war es, wie gesagt Was hätten die beiden Damen nun anderes tun können, als der Schleier lag zu weit entfernt, als daß sie ihn hätten schnell noch ergreifen können — als eben, entsetzt wie sie waren, die Hemden hochzureißen und ihr Antlitz damit zu verdecken? * Man weiß, daß es in vielen jüdischen Dörfern Palästinas sogenannte üerim gibt, russische Bauern, die, zum Judentum übergetreten, an Frömmigkeit und oft auch an nationaler Begeisterung einen unheimlichen Grad erreichen. Letzthin kam ein solcher Ger zum Vorsteher seines Dorfes, um einen Kredit zu verlangen. Der Vorsteher, in guter Laune, beliebte einen Spaß zu machen. Sagte: ״Ich kenne dich zwar sehr gut, Moscheh Abramoff, aber, sag’ mir, bist du wirklieh Jude? Wenn du einen Kredit willst, mußt du mir beweisen, daß du tatsächlich und unzweifelhaft ein Jude bist.“ Moscheh Abramoff, ein Mann um die Vierzig, war von ruhigem Temperament, aber dieser Zweifel schien ihm ein starkes Stiick^ so daß er es sich nicht nehmen lieft, noch am gleichen Tage nach Jerusalem zu fahren, um den Beweis seines Judentums ein für alle Male sicherzustellen. Drei Wochen etwa blieb Moscheh Abramoff aus. Als er darin zurückkehrte, sah er sehr angegriffen und schwach aus, aber es lag ein triumphierender Zug der Zufriedenheit auf seinen bärtigen, slawischen Zügen, als er wortlos dem Vor- Steher einen Brief des Rabbinats vor die Augen hielt, in dem stand: ״Es wird bestätigt, daß Moscheh Abramoff Merkmale seiner Aufnahme in die jüdische Religionsgemein- Schaft aufwies, doch wurde für alle Fälle, um ganz sicher zu gehen, die Operation noch einmal durchgeführt.“ Der Vorsteher, ein wenig kurzsichtig, wollte nach dem merkwürdigen Papier greifen. Da sprang aber der andere mit einem entsetzten Satz zurück und schrie: ״Und wenn dein Haus verbrennt, o Vorsteher, dieses Papier gebe ich nicht aus der Hand, denn ein drittes Mal lasse ich mich nicht mehr ins Judentum aufnehmen.“ Bemerkungen zu meinem Pnppenspiel Wie in dem Büchlein ״Biblische Puppenspiele“ und in dem Stück ״Arche Noah“ (Verlag Aufbau, Berlin W15) war es auch bei ״Salomos Zaubergarten“ mein Bestreben, die Welt der Bibel und Midraschim durch möglichst lustige Dar- Stellung unserer Jugend zugänglich zu machen. Wenn auch das vorliegende Stück für Kinder und Jugendliche ohne weiteres verständlich ist, so möchte ich doch für die ältere Jugend und für Erwachsene, die das Stück Kindern und Jugendlichen vorführen, mit ihnen lesen und besprechen, einige Worte der Erläuterung hinzufügen, da ich dem Stück den Zusatz gegeben habe ״nach Motiven aus dem Midrasch“. Der König Salomo gehört mit zu denjenigen Gestalten der jüdischen Geschichte, von denen in der Bibel uns in den Midraschim die meisten Geschichten erzählt sind, wie sich aus den von mir benutzten Quellen Rawnitzky-Bialik: Sefer Haagadah, Bd. I S. 103 ff., Ben Gorion: Juda u. Israel, S. 155 ff., derselbe: Born Judas, Bd. III Seite 28 ff. ergibt. Die Hauptrolle in diesen Wund'crgeschichten um Salomo spielt Asmodai, der Fürst der Schedim, der Geister und Dämonen, der von Salomo gefangen genommen war und ihm dienstbar blieb, bis eines Tages Salomo seinen Siegelring verlor, dadurch seines Königstums verlustig ging und als Bettler im Lande umherirrte (vgl. bes. Born Judas S. •17 ff.; Juda lind Israel S. 187 ff.). Diese Bedeutung des Zauberrings für Salomo kommt in dem vorliegenden Stücke besonders stark zum Ausdruck in den Worten Salomos nach seiner Entdeckung, daß der Ring verschwunden ist. Von den in den Midraschim erzählten Wunderwerken des Salomo, die in dem Stück auf die Hilfe des Asmodai zurückgeführt werden, sind erwähnt: Der Wundertau aus Indien (Juda u. Israel S. 160) und der Wunderthron mit der ״Rolltreppe“ (Bialik Seite 106, Juda u. Israel Seite 163 ff.). Auch der Wurm Schamir stammt aus dem Midrasch. Salomo, der 7 Jahre den Tempel und 13 Jahre den Palast baute, also 20״ Jahre intensiv mit Bauen beschäftigt war“, hatte von Gott den Befehl erhalten, den Tempel, das Werk des Friedens, nicht mit Eisen, dem Instrument des Krieges, zu bauen, und bediente sich daher zum Behauen und Spalten der Steine des Wurms Schamir, den er mit Hilfe von Asmodai erlangte. (Juda u. Israel Sr 174 ff.; Bialik S. 105 ff.). Ferner wird von Salomo erzählt, daß er sich schöne Gärten anlegte, in denen allerlei seltsame Pflanzen wuchsen. (Juda u. Israel S. 182, 160, 161.) Die Verwandlung iii einen ״Zaubergarten“ ist eigene Erfindung, ebenso daß in diesem Garten die für Palästina so wichtigen Bäume: Eukalyptus und Orange wachsen, und daß Salomo zum ersten Züchter der Edelorange aus der ähnlichen Frucht Chaschchasch gemacht wird, die noch jetzt in Palästina als Grundfrucht der zu veredelnden Orange dient. In Bibel und Midrasch ist erzählt, daß Salomo die Sprache der Tiere verstand und daß er alle Tiere mit Namen nennen konnte, so daß er versteht, was das Vöglein spricht. Die Fabel des Stücks ist eigene Erfindung. Die Nahen Kis und Rizpa stammen aus der Bibel. Die Freude an dem Stück wird wachsen, wenn seine Leser und Spieler die von mir angeführten Midraschim nachlesen werden. (Vgl. auch ״Salomo und Aschmodaj“ in ״Sippurim“, Prager Sammlung jüdischer Legenden, Neuausgabe Verlag Löwit, Wien.) Albert B a e r.

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