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Jüdische Rundschau · 1927-12-16 · Heft 100-101 (16.12.1927) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 100-101 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 100/101. lö.NU. 1927 J U E DI SCHE RUN DS C H A U Seite 717 Für unsere Kleinen Salomos Zaubergarten L'iii lustiges Puppenspiel in ר Akten nach Motiven aus üem Midrasch. Von Albert B a e r. (Figurinen von Hüte Baer-Frever.) Nachdruck verboten! Aufführungsrecht durch den Keren Kajtmelli l.ejisriiel, BerlinW15, Mt'inckeslr Hl 1 ’ e r s o 11 e 11: Der Koi!!;; Salomo; Asnuxlai, sein Oherhof/.atihercr; Kis, sein Diener; Ri/pa, seine Dienerin; Ein Voglern. 1. Akt. Kis, spater Ri/pa. (Kis allein aut der Huhne, sieht sich um, Ri/pa kommt von hinten.) Ri/pa: Kis, Kis, Kis! Kis (erschrocken, fällt auf den Rucken): Ri/pa, so mich hier /u necken. Ach was, necken, /u erschrecken! Dich so heimlich /u verstecken Und /u lauschen hinter licken, Midi zu necken, /u erschrecken, Hinter Licken, hinter Ecken! Plumps! da lieg ich auf dein Rücken, Ri/pa, so mich /u erschrecken! (Dreht sieh 11.11) Plumps! da lieg ich auf der Nase, Ri/pa, so mich hier /u necken. (Dreht sieh um) Plumps! da lieg ich auf dem Bauch. R. (gibt ihm einen Stall):. Aber stellen kannst Du auch. (Kis stellt auf und fällt wieder tun ) Kis, so stell’ doch, sei nicht dumm. (Er steht und fällt wieder um.) K.: Ach, ich falle wieder tun. Mich zu necken, /u erschrecken. Zu verstecken hinter Ecken, (Stellt auf). Beide (tanzend): Necken, necken, zu verstecken, Hinter Ecken, hinter Ecken. R.: SchluB, ich mul! den Tisch jetzt decken. Kis, ich geh’, ich muH mich sputen. K.: Warte, Kind, ein paar Minuten. ((icheiimiisvoll sich umsehend.) Lauscht auch niemand in den licken? Hör', ich muH Dir was entdecken, Ich hab’ Lust zu Schabernäeken. R.: Schabernack, mein lieber Kis, Ich mach’ mit, das ist gewiß! Schleunigst, Kis, sei mir entdeckt, Was Du wieder ausgeheckt. Beide (tanzend, geheimnisvoll): Schleunigst, schleunigst, sei entdeckt. Was jetzt wieder ausgeheckt. K.: Salomo -״ Beide (sich verneigend): Hoch lebe der König! K.: Asinodai. Beide (sich ängstlich schüttelnd): Huih, der böse Zaubermann! K.: Salomo und Asinodai. Beide: Lang’ lebe der König, Huih, der böse Zaubcrmann! K.: Salomo und Asinodai Sind bei neuer Zauberei; Oh, ich wäre gern dabei, Doch ich t'ürcht’ den Asinodai. R. (ihm nachmaeheud): Salomo und Asinodai. Sind bei böser Zauberei, Ural Du wärest gern dabei, Doch Du fürchtest Asinodai. Kis, nun sprich doch, ich muH fort! K.: Rizpa, Du nimmst ja das Wort. Hör’ doch, was ich ausgeheckt: Immer an den Eirigcr steckt Salomo den grollen Ring, Wenn zum Zaubergarten ging F.r mit Asinodai; de 11 Ring, Zauberring und Siegelring־, Diesen Ring. R. (nachmachend): Zauberring und Siegelring, Kis, nun sprich doch etwas flink, Denn Du weilit doch, ich muß fort. K. Ach, ich komm’ ja nicht zu Wort . (flüsternd): Diesen Ring will ich verstecken. R. (fällt um): Kis, oh, so mich zu erschrecken. Oh, Du machst, sogleich das wußt' ich, Dich nur über mich hier lustig. K. (gibt ihr einen Stoß): Rizpa, sei doch nicht so dumm! (Rizpa steht auf.) R. (wieder umfallend): Ach, ich falle wieder um! Zauberring willst Du verstecken, Oh, nur so was auszuhecken. Mich damit so zu erschrecken! (Steht auf.) K.: Ja, nur Dir wollt’ ich's entdecken. Doch Du sollst von meinen Taten Niemand etwa was verraten. Ohne Ring, das sollst Du wissen, Ist der König־ aufgeschmissen, Ohne Ring ist es vorbei Mit der ganzen Zauberei, - - Beide (flüsternd): Aus ist’s mit der Zauberei, Mit dem dunklen Zaubergarten, Den wir niemals dürfen seli’n. R.: Kis, Du mußt geduldig־ warten, Die Gelegenheit erspah’n; Nimmst den Ring, ihn zu verstecken. (Es klingelt hinter der Bühne; beide fallen um.) Beide: Oh, uns so liier zu erschrecken! Lauschte einer hinter Ecken? (Stehen auf.) Fort zum Dienst! Fein ist’s, so was auszuhecken! (Tanzend) Fein ist's, so was auszuhecken, Hinter Licken, hinter Ecken. - 2. Akt. (Salomo, dann Asinodai, später Kis und Rizpa und ein Vöglein.) Salomo: Oh, ich bin müde, Zeit ist’s wirklich nun, Von allem mich ein wenig ausyuru’hn. Ja, ich bin miide, volle 20 Jahr’ Ich intensiv mit Bau'11 beschäftigt war; Dm Tempel 11ml Palast hab’ ich gebaut, Auf die die Welt als Wunderwerke schaut. Oh, ich bin miide; scliwier'ge Fälle heut' l.egt man mir vor zu schnellem Rechtsentscliciil, Und fordert noch dabei zu jeder Frist, Daß stets das Urteil salomonisch ist. Ja, ich bin miide Menschen nicht allein, Audi Tiire woll’11 von mir gerichtet sein. Kein Mensch vor mir verstand je ihren Willen, Doch ich verstehe, was sie brummen, brüllen, Und miilin, watiwaucn, wenn die Kat/’ sicli duckt Versteh’ ich cs und wenn das Lama spuckt. Ja, müde hin ich, alles soll ich wissen, ״Den ganzen Tag hab' ich regieren!missen! An allen Gliedern Müdigkeit ich spüre; Das kommt davon, daß ich soviel regiere. Ich schlaf’ wohl schon, beginne ein/.tinicken. Ich will im Zaubergarten mich erquicken, Und von Rcgierungstätigkeit ganz frei Ein wenig zaubern dort mit Asinodai. Ich will ihn rufen Komm herbei, herbei, Mein lieber üher/aub'rcr Asmodai. (Asinodai erscheint.) Asmodai (zuerst ärgerlich): Schon wieder rufst Du! (sich besinnend) König, mit Dir Friede! S.: Ach, Asmodai, ich bin so schrecklich miide. Ich hatte heute furchtbar viel zu tun Komm', gch’11 wir in den Zaubergarten mm. Ein bißchen Zaubern mir Erholung bringt, Besonders wenn die Zauberei gelingt. A.: Ich, König, glaub’ mir’s, würde schlafen lieber. Mir ist die ganze Zauberei schon über. Ich wollt' mich g’rad ein bißchen schlafen legen. Da schallte Dein Befehlsruf mir entgegen. (resigniert) Du hist ja König über Alensehen, Geister, (sich verneigend) Ich bin Dein Hof- und Oberzaubcrmeister. (ärgerlich) Jedoch im Schlafe hast I)u mich gestört, Das ärgert mich, ich bin darob empört. Und hin ich ärgerlich, gibt's Znubcrblit/.e! (Es blitzt.) S.: Ach Asmodai, laß’ doch die faulen Witze. Die alten Blitze mir nicht imponieren, Lall’ lieber uns was Neues ausprobieren. A.: Was Neues? ״Neues“ ist Dein ew’ger Spruch! Hab’ ich Dir vorgezaubert nicht genug? Den Wundertan ich Dir von Indien brachte, Der alle Pflanzen herrlich blühen machte. Ich schuf dm Wtmderlhron, den Engel zieren, Mit Stufen, die von selbst hinauf Dich führen. Und höchstes Wunderwerk! ich brachte Dir Ein Zaubcnvesen doch, den Wurm Sehamir, ln dem geheimnisvoll die Urkraft waltet, So daß er Felsen leicht und Steine spaltet. Aut seine Kraft allein komit'st Du vertrauen Und ohne Eisen Deinen Tempel bauen. Ist das genug? S.: Mein lieber Asmodai, Was soll die ganze lange Rederei? Nach langen Reden stellt mir nicht der Sinn, Weil dazu heute ich zu müde bin. Komm’ in den Zaubergarten Asmmlal, Doch mache vorher schnell noch: 1, 2, 3. Laß’ mit ein bißchen Zaubern bitte meinen Mir stets so riöt’gen Zauberring erscheinen. Zu müde bin ich, mir ihn selbst zu holen. Nun gut, es sei, so wie Du mir befohlen. (Zaubernd) Chad, Threin, Tlatlia, Jcte al pinn atha*). (Auf der Bühne erscheint ein Kasten.) S. (klatscht Beifall): Oh, gut gezaubert, Asnuxlai, und flink! Bravo, bravissimo! Wo ist der Ring? (Während Asmodai die Zauberformel wiederholt, erscheint in der einen Ecke der Bühne der Kopt des Kis, in der anderen Ecke der der Ri/pa, die schnell wieder verschwinden.) A. (wiederholend): (?hat, Threin, Tlatlia, jcte al puni atha. (Der Kasten öffnet sieh, Asmodai nimmt den Ring heraus.) A.: Hier ist der Ring! (Legt ihn zurück, der Kasten schließt sich.) Du siehst, er ist zur Stell’. Willst Du ihn, sprich die Zauberworte schnell. S.: Chad, Threin, Tlatlia, Jetc al puni atha. (Der Kasten öffnet sich, Salorno nimmt den Ring.) A.: Wohlan, ich ühernehm’ des Zaubers Leitung. Nur einer Stunde noch der Vorbereitung, Bedarf ich zu des neuen Zaubers Glück. Solange lege noch den Ring zurück, (Salomo legt den Ring zurück, der Kasten schließt sich.) Du kannst die eine Stunde auf mich warten, Dann gehen wir zusainm’n zum Zaubergarten, (Ab.) S.: Zu warten eine Stunde ist nicht schön, (gähnend) Da werd’ ich lieber etwas schlafen geli’n. (Klopft an den Kasten.) Der Zauberring liegt wohl verwahrt indessen, Den Zatiberspmch hab' ich noch nicht vergessen. (Ab.) (Kis kommt langsam, sich ängstlich umsehend.) K.: Niemand da: Kis, sei geschickt, Daß der Schabernack Dir glückt (Geräusch, Kis fällt um). Jemand da, mich zu erschrecken? Lauscht da einer hinter Ecken? (Steht auf.) Sieh Dich um, Kis, — Kis, nun such' Still, nun sag’ den Zaubersprueh: Chad Threin Tlatlia <) weh, bunibum, atha. Was? Der Kasten bleibt verschlossen? *) Aramäisch, zu deutsch: ״Eins, zwei, drei; erscheine nach meinem Zeichen,“ ( )11, das macht mich ganz verdrossen. Nochmals, nochmals muß ich's wagen, Um! den Zaubersprueh jetzt sagen: Chad, Threin, Tlatlia, () well, bumhum, atha. Was der Kasten ist noch zu? (Schlagt den Kasten.) Ach, Du dummer Kasten, Du! (Geräusch.) Bums, da fall' ich um \or Schrecken! Lausch(’ da einer hinter Ecken? (Rizpa kommt.) R.: Kis, ich bin’s, hast Du den Ring? (Kis steht auf.) K. (auf den Kasten ziigeiid); Zu ist noch das block• Ding Nochmals mach’ ich den Versuch Mit dem schweren Zaubersprueh. Chad, Threin, Tlatlia. O weh, bunibum, atha k.: Nicht der Kasten, Du hist blöde! 1־;lisch ist Deine Zaubi!־rede! 111 imlicli hab' auch ich gehört, Wie der Asmodai sie lehrt’ Unser’n König Salomo. Und der Zauhcrspnicli heißt s(1; Chad, Threin, Tlatlia, Jele al pmn atha. (Während des Sprechens des Zaiiberspriuhs beugen sich heidi• über den Deckel, Der Deckel springt aut und schlägt ihnen an die Nase.) Beide: ()11, die Nase! Das tut weh! R. : Doch den Zauberring ich seid Kis, mm .schnell! Du ninunst den Ring, Und daun aus dein Zimmer flink. (Kis nimmt den Ring, in diesem Augenblick fiegt ein Vöglein über die Bühne. Beide fallen erschrocken tun.) Beide: Oh, uns so hier zu erschrecken! Lauscht’ da einer hinter Ecken? (Beide schleunigst mit dem Ring ab.) 3. Akt. (Salomo, dann Asmodai und das Vöglein.) S. : Der Schlaf tat wohl, zu neuem Zauberwerke Gab er mir reichlich Lust und. Kraft und Stärke. Ich nelint’ den Ring (sieht den offenen Kasten, erschrocken) Der Kasten leer, Und drinnen ist mein Zauberring nicht mehr? OI1! Ohne Zauberring bin ich verloren. Als Bettler jagt man bald mich aus den Toren. Mein Königtum ist hin, ich vogelfrei Erscheine, Asmodai! wo bleibst Du, Asmodai? (Asnuxlai erscheint.) V.: Du rufst mich ab aus nöt’ger Vorbereitung Des Zauberwerks; von guter Vorbedeutung Ist’s sicher nicht. Sag’ an, was ist geschehen? S.: Der Ring ist fort, ich kann ihn nirgends sehen! Mein Zauberring! Wer ließ ihn nur verschwinden? Schaff ihn zurück, Du mußt ihn wiederfinden. — Nun zaub're doch, ich will Dich reich beschenken. A.: Gemach, gemach, das muß man erst bedenken. Den Zauberring, mit dem man Zauber wirkt, Den Zauberring, der selbst den Zauber birgt, Zuriickzti/aubern ist ein schwer Beginnen. Sei still! Ich muß in Ruhe mich besinnen. S.: Von Ruhe nichts! Ich bin zu aufgeregt! A.: Sei still! In Ruhe sei es überlegt. S.: Von Stille nichts! Sag’ Deinen Spruch sofort! A.: Geduld mir schallt das richfge Zauberwort. S.: Nichts von Geduld! Laug' an! Fang' an! A.: So zwingst Du mich, bevor ’s gelingen kann. Es sei, wie Du befiehlst, es sei: (beschwörend) Ring, komm herbei, Ring, komm herbei Ring, komm herbei, Ring, komm herbei! (Beide sehen in den Kasten, die Kopfe schüttelnd.) S.: Dein Zaubersprueh versagt vor Zauberringen. A.: So ist’s, ich kann den Ring nicht wieder bringen. (Das Vöglein kommt und flötet.) S.: Ein Vöglein singt, was hör' ich? Es meint mich. (Das Vöglein singt weiter.) .Mein Vöglein, weiter, ich verstelle Dich. (Das Vöglein singt weiter.) Wie gilt, daß ich der Tiere Stimme kenne, Die Tiere alle auch mit Namen nenne. (Freudig) llör’, Asmodai, der Ring ist wieder da. Das Vöglein sagt mir, was mit ihm geschah. Der Diener Kis und Ri/pa, diese zwei, Versteckten ihn, das Vöglein war dabei LJnd folgte heimlich ihnen zu dem Ort, An dein sie ihn versteckten. Als sie fort, Hat schnell den Ring das Vöglein mitgenommen Nun soll ich in den Zaubergarten kommen, Den Ring dort suchen, weil ich schlafen ging, Und ohne Obhut ließ den Zauberring, Und so mich meine eig’nen Diener narrten. Wohlan, ich suche jetzt im Zaubergarten. 4. Akt. (Salomo und das Vöglein.) Salomo: Ich tret’ in meinen Zaubergarleu ein. Den Ring zu finden wird nicht einfach sein. Ich pflanzte ja in meinem Zaubergarten Der Bäum’ und Pflanzen tausendfälf ge Arten. Man bringt mir stets aus jedem Teil der Welt, Was für das Wunderbarste man dort hält. So wächst der Garten, dehnt sich täglich aus. Wie find’ ich da den Zauberring heraus?

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