Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 100-101 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 712 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100/101, lft Xtt 1027 1 Ber Borodiow 21b seinem zehnten Todestag. Von S. Adle r-R udeL Ber Boroqhow, dessen Todestag sich jetzt zum zehnten Ma'e jihrt, war eine der großen interessanten jüdischen Figuren, an denen die letzte Jahrhundertwende so reic|» war. Sein Leben und Denken ist cliarakteristisch für eine ganze Epoche jüdischer Entwicklung, — weit über «ine rein parteipolitische Funktion hinaus. Wir haben ein«; poalezionistische Persönlichkeit gebeten, uns eine Würdigung Borochows und seiner Zeit zu Red. Die Jahrhundenfiwende leitete eine neue Epoche in der Oesiedlungsrayons, Pogrome und unaufhörliche Verfolgungen wurden unerträglich schwer. In den jüdischen Massen garte es dumpf. Kräfte, die im Verborgenen geschlummert hatten, begannen sich zu , regen und zur Sonne zu dangen. CHe Ideen des polnischen Zionismus und der »noder• hen Arbd eraewegung, die aus dem Westen tarnen, fanden einen freclwFaren Böden; trotz der Veefol• gungen und Oefahre% mit denen der Zarismus jeden bedrohte, der freiheitlicher Regungen verdächtig war, wurden neue, revolutionäre Ideen gepredigt. Gruppen formierten sich, upd Parfeien entstanden, es, begann der Kampf des jungen politischen Zionismus mit dem ״Bund“, der ersten jüdischen Arbeiterpartei Ein bisher unbekanntes Leben setzt«! ein. Eine neue Literatur entstand, Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren — legale und verbotene — über• schwemmten die jüdische Gasse. Die junge Generation, die um diese Zeit die Arena des politischen Kampfes betrat, war reich an eigenartigen und begabten Persönlichkeiten, Ber B o r o c h o w, der geistige Begründer und Theoretiker des Poale-Zionismus, gehörte zu ihren markantesten Erscheinungen. Borochow״ im Jahre 1881 als Sohn eines hebräischen Lehrers in der Nähe von Poltawa geboren, ging schon sehr früh seine eigenen Wege. Sein Vater war Zionist, und im Elternhause wurde viel über jüdische Dinge, insbesondere über Palästina, gesprochen. Unter dem Eindruck dieser Gespräche beschließt der Zwölfjährige, nach Palästina zu gehen. Er ver* läßt heimlich das Elternhaus, gelangt bis nach Odessa, und hier auf «inen Palästinadampfer, wird aber vor Abgang des Schiffes ontdeeW und davongejagt Er treibt sich einige Wochen im Hafen hqrum, Ws er schließlich, von Verwandten zufällig entdeckt, Betten Eltern wiedergebracht wird. Nach dieser Episode besucht er weiter das Gymnasium, seine Interessen ,*«*deiLlM» anderen Dingen m., Speichen, Maftem»tik, in#- Spinoza, llaac «ml Nietzsche und die Der Gymnasiast nimmt bereits an Diskussionen über philosophlsche und literarische Probleme teil. Sein Auftreten erregt überall Aufsehen, Insbesondere seine Kenntnis alter und moderner Sprachen wie auch trotz seiner fugend sein geradezu enzyklopädisches Wissen. Die wirtschaftliche Lage seiner Eltern zwingt ihn früh zum Broterwerb. Er erteilt unterricht, kommt mit der Arbeiterschaft in Berührung und nimmt an ihrem Leben und ihrer Not teil. Nach Beendigung des Gymnasiums lehnt er es ab, die Universität zu besuchen, trotzdem Begabung Und Neigung ihn zu wissenschaftlicher Arbeit dringen. Er verläßt die Vaterstadt und geht in die größere Industriestadt Jekaterinoslaw. Hier trifft er zum erstenmal wirkliches Industrieproletariat, von dem er soviel gelesen und geträumt hat Von den Nöten und Problemen dieses Proletariats aufs tiefste erschüttert, beschließt er, hier bei den Arbeitern zu leben und zu wirken. Er wird Mitglied der russischen Sozialdemokraiie und bald einer ihrer eifrigsten Apostel. In den Vorträgen und Versammlungen, die er für die Partei abhält, stößt er immer wieder auf jüdische Gegner, Bundisten und Zionisten. Die Auseinandersetzung mit diesen zwingt ihn, sich wieder mit jüdischen Fragen zu beschäftigen. Er geht mit der ihm eigenen Gründlichkeit ans Werk, um seine Gegner vernichtend schlagen zu können. Das für jüdische Fragen wach gewordene Interesse macht nicht immer Halt bei der Rüstung zur Polemik. Die Beziehung zu Juden und jüdischer Arbeiterschaff wird immer stärker, der Prozeß der Judaisierung wird durch die negative‘ Haltung der russischen Sozialdemokratie zur nationalen Frage, insbesondere zur jüdischen, beschleunigt. Er kehrt nach Poltawa zurück, veröffentlicht seine ersten Aufsätze über jüdische Probleme und wird bald aktiver zionistischer Agitator. Die junge zionistische Bewegung־ ist voll innerer Kämpfe und Probleme, die Auseinandersetzung um den Sinn und die Begründung des Zionismus setzt ein. Der junge Borochow steht bald auch hier mitten im Kampf. Seine Vorträge, die insbesondere von der fugend stark besucht werden, erregen Aufsehen und lassen die Hörer aufhorchen. Ein neuer Ton, eine neue Art der Behandlung jüdischer Probleme sind hier unverkennbar. Der am Marxismus geschulte Geist Borochows erstrebt eine marxistische Begründung des Zionismus und der nationalen Bewegung, eine beide Ideen vereinigende Synthese, Dieses Streben zur Synthese war in jener Zeit ein Wagnis und eine kühne Tat, denn beide Ideen wurden als diametrale Gegensätze empfunden. Der Sozialismus, der von einem kleinen Kreis junger Studenten der jüdischen Arbeiterschaft näher* gebracht wurde, war anational und kosmopolitisch, der Zionismus des Bürgertums war die romantische Sehnsucht nach Zion Und der Rückkehr in das historische Vaterland, geboren aus der Verzweiflung am Galuth und aus einer Verkennung der Kräfte, die hier in den jüdischen Massen ruhten. Aber auch in der national und sozialistisch eingestellten Arbeiterschaft tobten erbittert# Kämpfe um Sinn und Wesen des Zionismus und der nationalen Bewegung, Parteien entstanden und spalteten sich, verschwanden bald, um anderen Parteien Platz zu machen. In dieser Zeit des Durcheinanders von Ideen und Bewegungen war es ein schweres Unterfangen, den proletarischen Zionismus wissenschaftlich zu begründen und, ungeachtet der Angriffe von rechts und links, den einmal beschrittenen Weg weiter zu gehen. Borochow, trotz seiner Jugend mit dem ganzen Wissen seiner Zeit ausgerüstet, hatte den Mut dazu, und er schuf die theoretische Begründung der zionistisch-sozialistischen Idee» 1905 erscheint seine erste größere Arbeit ״Klasseninteressen und nationale Frage“. Hier versucht er, ohne zunächst auf das jüdische Problem einzugehen, den Begriff der Nation zu klären und die Rolle des Proletariats im nationalen Kampf marxistisch zu begründen. Die Idee der nationalen Bedeutung des Sozialismus, die heute Gemeingut der ganzen Arbeiterbewegung ist, war damals vor mehr als zwanzig Jahren in der Zeit eines falsch verstandenen Internationalismus und Kosmopolitismus neu und revolutionär. ln ״Unsere Plattform“ und einer Reihe anderer Arbeiten, die kurz hintereinander folgten, wendet Borochow die Methoden der materialistischen Geschichtsforschung auf das jüdische Problem und den Zionismus an. Er untersucht die jüdische Oekonomlk in der Vergangenheit und stellt ihre Tendenzen für die Zukunft fest. Die eigenartig schwere Lage des jüdischen Volkes ist eine Folge seiner wirtschaftlichen Anomalie, und nur wenn diese beseitigt wird, kann das jüdische Volk zu einem normalen Leben gelangen. Um dieses zu erreichen, muß ein nationales Zentrum geschaffen werden, das eine normale wirtschaftliche und nationale Entwicklung er möglieht. Ein nationales Zentrum und Palästina sind für ihn identische Begriffe. Er sieht voraus, daß ״schon bei Beginn der natürlichen Einwanderung nach Palästina der Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit, der Kampf um wirtschaftliche, politische und kulturelle Forderungen entbrennen wird“. Dieser Kampf muß auch in Palästina mit dem Sieg des Proletariats enden und die Verwirklichung des Sozialismus bringen. * 1 Von der theoretischen Erkenntnis bis zur paktischen Parteiarbeit war der Weg nicht mehr weit. An dem VII. Kongreß nimmt Borochow bereits als Mitglied der Poale-Zion •Fraktion teil. Nach dem Kongreß bleibt er eine Zeitlang in Berlin, wo sich um' dieselbe Zeit ein großer Kreis jüdischer Studenten aus Rußland befand. Hier vertieft er sein Wissen, arbeitet an sieh und hält Vorträge über Poale-Zionismus. Es nahen die Tage der Oktober-Revolution 1905, Borochow und seine Freunde eilen nach Rußland, um an dem Befreiungskampf des russischen Proletariats teilzunehmen. Es kam aber anders, die Reaktion siegte und rächte sich bitter am Proletariat, noch mehr aber an den Juden, die mit ihrem Blut in zahllosen Pogromen für die mißlungene Revolution büßen mußten. ' Die junge Poale-Zion-Bewegung hatte schwere innere und äußere Kampfe zu bestehen. Der Kampf um Uganda setzte ein. Borochow, der zum wirklichen Führer der inzwischen konstituferten Partei geworden war, kämpfte erbittert mit der ihm eigenen Energie und Gründlichkeit für Palästina. Seine Arbeiten aus jener Zeit gehören zu den besten und geistreichsten Begründungen des Palästinismus. Er lebt nun das Leben des sozialistischen Agitators in Rußland. Gehetzt und verfolgt, unter verschiedenen Namen verborgen, organisiert er Konferenzen, hält Vorträge, redigiert Zeitungen, von Ort zu Ort eilend, immer die Verfolger auf den Fersen, treibt er die Bewegung vorwärts. 1907 wird er verhaftet, nach einiger Zeit wieder frei und wieder verfolgt. Dem Drängen seiner Freunde nachgebend, verläßt er, um der Partei erhalten za bleiben, Rußland. Er geht nach Krakau, organisiert hier den ersten Parteitag der russisdien sozialdemokratischen Poale-Zion, der in Rußland nicht stattfinden konnte. Von Krakau nimmt er an der ersten Weltkonferenz der Poale-Zion teil, es erfolgt die öründung des Weltverbandes der Poale-Zion, in dessen Leitung er gewählt wird. Und nun setzt ein Wanderleben ein: Belgien, Deutschland, Oesterreich, Immer lernend und forschend, dabei der Partei in Wort und Schrift dienend. Der Kulturkampf im jüdischen Leben, die Auseinandersetzung wischen Hebräisch und Jiddisch, nehmen außerordentlich scharfe Formen an. Der russisch erzogene Sohn des hebräischen Lehrers schrieb seine ersten ooaiezionistischen Aufsätze russisch und hielt sein« Vorträge in der gleichen Sprache, du er des jiddischen nicht mächtig war. Er spürte aber die Wand, diejwttcien ihn! und der׳ jüdischen Arbeiterschaft bestand, solange ׳er nicht ihre Sprache sprach. Mit ungeheuerer Energie machte sich Borochow daran. Jtadisch za lernen. Sehern in wenigen Jahren beherrschte er die Sprache meisterhaft, aber darüber hinaus nahm er einen höchst positiven Anteil am Sprachenkampf: Er wurde der Schöpfer der tn 0 - de men jiddischen Phi tote gie. Um den Gegnern das Argument zu nehmen, daß Jiddisch nur eine vorübergehende Episode Im Leben des jüdischen Volkes sei, ohne Vergangenheit und Zukunft, widmete er fahre seines Lebens der Erforschung des liddlschen. Seine Arbeiten, die er darüber im ״Pinkes“ veröffentlichte, geben von der Gründlichkeit seiner Studien und seiner wlssenscha't'ichcn Begabung Zeugnis. Seine ״Bibliothek der jiddischen Philologen“, vier Jahrhunderte umfassend, ist eine bis jetzt einzig dastehende Leistung der jüdischen Wissenschaft Trotz seiner Liebe und Begeisterung für Jiddisch ala der Sprache des Volkes, hat er nie die Bedeutung des Hebräischen für die na ticmale Kultur des jüdischen Volkes übersehen. Er war einer der wenigen Jiddischesten, die gleichzeitig hebräisch schrieben. Wenn aber Fanatiker im Sprachenkampf überheblich wurden und jiddisch ganz negierten, konnte Borochow scharfe Worte gebrauchen. Sein Aufsatz ״Hebraismus mtlitans", erschienen in der ״Jüdischen Welt“ 1903, zeugt von der Schärfe seiner Feder im Kampfe gegen überhebliche Gegner. Neben den Sprachstudien widmete sieh Borochow ln Wien, wo er zuletzt bis zum Ausbruch des Krieges lebte, dem Studium der jüdischen Oekonomlk. Er veröffentlichte eine größere Broschüre über die ,,Jüdische Emigration“, wichtige Beiträge zur Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung und Studien zur wirtschaftlichen Lage der Juden. Bei all dem fanc er Zeit zum Studium alter Sprachen, des Arabischen, Türkischen und Persischen. Auch seine alte Liebe zur Philosophie packte ihn immer erneut In den Jahren der Wanderung durch Europa findet er noch Zeit zu philosophischen Arbeiten. Unter dem Eindruck der Arbeit von Lunatscharskl ״Religion und Sozialismus“ schreibt er ein größeres Buch ,,Virtualismus und das Problem von Religion und Ethik im Marxismus“. (Das Buch ist erst nach seinem Tode in Rußland erschienen.) 20000 Büchsen und mehr stehen in Deutschland. Beendet noch im Dezember die Bttchsenleening! Die Chanukkah-Stimmung erleichtert Euch die Erzielung angemessener Leerungsspenden. Bisher wurden mit Erfolg geleert 6000 Buchsen. Sorgfältige Nächlfcerung verbürgt restlose Erfassung der noch ausstehenden mehr als 14000 Büchsen! 1014. Bei Ausbruch des Krieges verläßt Borochow Wien. Er begibt sich zunächst nach Italien und von hier, die lange Dauer des Krieges ahnend, nach Amerika. Er übernimmt die Redaktion des Parteiorgans der amerikanischen Poale-Zion, wird Mitarbeiter an einer Tageszeitung, veröffentlicht ein'ge größere Arbeiten, hält Vorträge und Versammlungen. Er gewlnnt bald Einfluß und Ansehen in allen Kreisen des amerikanischen Judentums. Er gehört zu den Initiatoren des jüdischen Kongresses in Amerika, für dessen Verwirklichung er sich mit allen seinen Kräften einsetzt. 1917. Die siegreiche russische Revolution läßt ihm keine Ruhe, es drängt ihn zurück nach Rußland. Als Vertreter der amerikanischen Partei nimmt er teil an den Arbeiten des ״Hollindisch-skandinawisehen Comites“ in Stockholm. Zu• sammen mit Chasanowitseh formulierte er die nationalen und sozialen Forderungen der jüdischen Arbeiterschaft, die fast gänzlich in das Manifest des ״Holländisch-skandinawischen Comites“ übernommen wurden. Von Stockholm eilt er nach Rußland. Am 21 August 1917 betritt er wieder nach zehnjähriger Abwesenheit russischen Boden. Er reist direkt nach Kiew, wo der dritte Parteitag der Poale-Zion eben stattfindet. Der Führer wird mit ungeheuerem Enthusiasmus empfangen. Konferenzen! Vorträge, Versamm־- Hingen, er ist immer auf dem Posten, immer tätig. Während einer Reise erkrankte er in Tschernigow in der Ukraine, eine Lungenentzündung stellt sich ein, später nach leichter Besserung tritt eine Blutvergiftung hinzu, und am 17. Dezember stirbt er in der Fremde, fern von Frau und Kindern, die in Stockholm verblieben waren. Ein Jahrzehnt ist seit dem Tode Borochows vergangen. In diesem Zeitraum haben sich ungeheuere Änderungen vollzogen: Der Sturz des Zarismus, die beginnende Verwirklichung des Zionismus. Borochow, der für beide gekämpft hat, wurde dem Leben entrissen, als die Früchte seiner Arbeit zu reifen begannen. Ein tragisches Geschick ließ ihn kaum den Anbeginn der neuen Zeit sehen. Die Ideen aber, für die er Zeit seines Lebens gekämpft bat, haben dem Ansturm der Wirklichkeit und des Lebens standgehalten. Die Bewegung, die von Borochow begründet und geführt wurde, lebt überall, wo Juden wohnen. Der Name Borochow ist ihr zum Symbol geworden. Arbeiterheime, Bibliotheken, Fraktionen in Stadt- und Oemeindeparlamenten führen diesen Namen. Die erste jüdische Gartenstadt der palästinensischen Arbeiterschaft trägt seinen Namen, den Namen des Lehrers, Führers und Kameraden, der der kämpfen• den Arbeiterschaft Palästinas den Weg zu nationaler und sozialer Freiheit gezeigt hat. Die romSnlsebeii Stodentenexzesse Bukarest,!3. Dezember. (J.T.A.) Die Siebenbärger Rabbiner haben beschlossen, anläßlich der blutigen Ereignisse in ganz Siebenbürgen einen Fast- und Bußtag der Juden anzuordnen. Die in den Synagogen entweihten Tempel• gerät« und Gesetzesrollen, welch letztere zum großen. Teil ktrissen wurden, werden in den nächsten Tagen nach jüdischem Brauch ln feierlicher Weise beerdigt werden, wobei dieselben Zeremonien beobachtet werden wie . bei dem Begräbnis eines Menschen. Wie ״Dimineatza“ berichtet, haben einige Gesandt־ schäften beim rumänischen Außenminister aus Anlaß da jüngsten Studentenaussdireitungea Protest erhoben, weil auch fremde Staatsangehörige verletzt und geschädigt worden sind. •••.;. ,Na%׳.־Ä«d«nto!g1':,#ng;ll*»e11.e*,1pJi1ttjer tatet ״to die Entlassung des Unterstaatssekretärs im Innenministerium, Tatarescu, verlangt, der an der Organisierung der Pogrome beteiligt sein soll Die englischen Blatter sprechen von einem Boykott rumänischer. Anleihen an. den westeuropäischen und amerikanischen Börsen. Bukarest, 13. Dezember. 0.T.A.) Ein soeben ausgegebenes Comntuniquä besagt, daß sich der heutige Ministerrat mit den Vorgängen in Oroßwardein und in Klausenburg befaßt und beschlossen hat, dem Präfekten des Bezirkes Groß wardeins, sowie die Polizei-Präfekten von Großwardein und Klausenburg vom Amte zu entheben. Achtzig Studenten und vierzig sonstige Personen, die als die Schuldigen an den Ausschreitungen in Großwardein, Klausenbürg und in Bukarest festgestellt wurden, sind פו Haft genommen worden und sollen wegen Aufruhrs und Störung der öffentlichen Ruhe vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Es ist zu befürchten, daß mit den im Communiquö erwähnten ״vierzig sonstigen Personen“ Angegriffene gemeint sind, die man nun als ״Provokateure“ hinzustellen bemüht Ist Denn aus Großwardein wird soeben gemeldet, daß dort die Verhaftungen andauern. Jetzt werden von den rqmänischeu Behörden Arbeiter und jüdische Kaufleute unter cter Beschuldigung verhaftet, die Exzesse verschuldet zu haben. Fünfzig Personen wurden dem Oroßwardein« Strafgericht eingeliefert Die jetzt int Zuge befindlichen Schadensaufnahmen bei den Großwardelner Kaufleuten erfolgen in der Weise, daß die Kommission von den Kaufleuten die schriftliche Bestätigung verlangt, daß die Plünderungen von kommun ist isehen Arbeitern verübt worden seien und die Studenten hierbei Spottlieder gesungen hätten. Die meisten Kaufleute verweigern die Unterfertigung des Protokolls. Ls ist weiter erwiesen, daß einige Wochen vor den Ereignissen in Großwardein Funkt in äre der Polizeibehörde bei den Vertretern da Kaufmannschaft erschienen und auf die möglichenveise eintretenden Ereignisse hinweisend 500000 Lei für die Polizeimannschaft forderten, damit den Kaufleuten ausgiebiger Schutz gewährt werden könnte. Die Forderung wurde abgelehnt, und die nun elngetretenen Ereignisse haben gezeigt, daß gerade in den Geschäften und Wohnungen jener Kaufleute die größten Verwüstungen angerichtet wurden, welche die Bezahlung der verlangten Beträge verweigerten. Das erste Urteil In Jassy fand beute der erste Prozeß wegen der Studentenunruhen vom Sonnabend statt. Angekfagt war ein Student, der drei Soldaten tätlich angegriffen hatte. Der Angeklagt« wurde frei gesprochen, da man als erwiesen annahm, daß der Student die drei Soldaten mit einem eisernen Stock ״nur zufällig'* geschlagen habe. Die Halla-Bay Jerusalem, 11. Dezember. (J.T.A.) Hier verlautet, daß die von Felix M. Warburg und ßernard Fiexner geleitete Palestiae Economic Corporation of America beschlossen hat, sämtliche Aktiven der Haifa Bay Development Company zu erwerben. Die Haifa Bay Development Company wurde vor einigen Jahren zu dem Zwecke gegründet, um den nördlichsten Teil Palästinas zwischen Haifa und Akko landwirtschaftlich und industriell zu entwickeln, 485323235353910001535348485323895390534853