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Jüdische Rundschau · 1927-12-16 · Heft 100-101 (16.12.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 100-101 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite *710 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!00/10!, 16. OT 1027 '9* * Nicht nft dem Schwert, aber mit jener Macht, die die Hasmonäer besaßeti, und die viel größer war als ihre Kriegskunst: dem nationalen Willen und nationalen Glauben. Seit 30 Jahpn gärt es itn jüdischen Volk, der nationale Wille ist wieder erwacht Er ist noch nicht stark genug, um alle Hindernisse niederzubrechen. Die Spuren jahrhundertelanger ,Lethargie verschwinden nicht so rasch; aber unverkennbar ist der Prozeß der Wiedererstarkung des jüdisehen Bewußtseins, ale Bewegung ergreift die jüdischen Herzen, der Weg liegt klar vor uns. * t4t Reise Weizmanns dtircjt Deutschland, Galizien und FRumänien hat überwältigend dargetan, daß die jüdisehen .Massen hinter der Idee stehen, die er repräsentiert. Nur kleinliche Mißgunst kann das als eine ״Parteisache“ stigmatisieren» was in Wahrheit Ausdruck des lebendigen Volkse! npfindens ist. Mit allein Enthusiasmus bekennt sich d,9s jüdische Volk zur Sache der nationalen Wiedergeburtj die auch eine moralische Wiedergeburt ist. Die Begeisterung, die Juden in Winternächten durch schnecbedeckte Steppen zu den Bahnstationen trieb, um den Führer' der zionistischen Bewegung zu grüßen, war echt und tiqf. Die Bewegung lebt; sie wird genährt von der Kraft dies jüdischen Ideals, das durch alle Hindernisse hindurch zur Verwirklichung strebt. Mit Zuversicht können ״wir in die Zukunft blicken, wenn in unseren Reihen der nationale Glaube stark ist, der einst auch Makkabis Waffen Sieg verlieh, * /;T ' Abttsr Begeisterung muß zu Talen werden. Gerade ln diesem lAoment ist es unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß die a ktuellen zionistischen Aufgaben von uns Aufgebot aller Kritt und Vorsicht verlangen. Wir haben nicht das Recht, juns einem bequemen Optimismus hinzugeben, sondern müssen wissen, daß die heutige sehr schwierige Lage ut«; in jedem Augenblick vor schwerwiegende Ent- Scheidungen stellen kann. Die Personen, die die Zionistische Organisation mit der Führung der Geschäfte in Palästina betraut hat, sind in einer Klemme; eine Verkettung von Umständen hat der Organisation materielle Verpflichtungen auferlegt, denen sie nicht gewachsen sein kann, w tnn nicht alle Teile der Bewegung auf dem Posten sind. Aus dem Artikel des offiziellen Organes ״New Judaea“j, den wir in der vorigen Nummer auszugsweise veröffentlicht haben, haben unsere Leser — ebenso wie aus den Keren Hajessod-Ausweisen —׳ ersehen, daß die amerikaKdsqhe Organisation, deren Campagne erst im Januar -beginnt, mit den Zahlungen für das laufende Budget׳ im Rückstände Ist Wieso dies kam, können wir nicht urftersuchen, und wir hoffen noch immer, daß gerade diese Qxek’utive, von den Amerikanern vor allen andern lanciert,.nicht von Amerika im Stich gelassen wird. Aber ... ' hÄii^iesei Budget ist ,ein Minimum, das nur die notwendigsten tatsächlichen Verpflichtungen deckt; für Konsolidierung der Kolonisation reicht es nicht, aller Aufbau muß verschoben werden,; aber wenn auch die Verpflichtungen nicht bezahlt werden^ können die Konsequenzen unabsehbar sein. Dies gilt es zu verstehen. Die Exekutive hat, wie wir meldeten, mit der Regierung wegen Uebemahme der Arbeitslosenüülsorge verhandelt Eine palästinensische Zeitung deutet'.an, Wohin das führen kann: daß die Regierung vielleiffct Volksküchen einrichtet, zugleich aber die Auswanderjung fördert, und die Zionistische Exekutive auf einem entscheidenden Gebiete ihren Einfluß verliert. Dies wäre seibr bedenklich auch für die Zukunft Im übrigen hat die Regierung den deutlichen Willen, zu helfen. Sie hat überraschend schnell die Anleihe aufgelegt, was nur bedeuten .kann, daß sie die geplanten Arbeiten (Hafenbau!) beschleunigen will. Große Ansiedlungsprojekte sind in Vorbereitung. Aber dies alles nützt uns nichts in der akuten Notlage. Alle Zionisten müssen helfen, die kommendea׳Monate zu überstehen; es waren noch nie so ernsthafte Chancen für wirklichen soliden und gesunden Aufbau* wie heute, aber diese Pläne können nicht überstürzt werden, wenn sie gelingen sollen, und sie befreien uns nicht von der Sorge für die Arbeitslosen, die sich im Januar, nach Beendigung der Irrigationsarbeiten, vermehren werden, wenn nicht — wozu freilich Hoffnung besteht — neue Arbeiten .gefunden werden. Die neue Exekutive scheint energisch zu Werke zu gehen; säe verdient in ihrer prekären, durch das Ausbleiben der amerikanischen Gelder sehr schwierigen Lage, nicht nur materielle, sondern auch moralische Unterstützung und Aufmunterung. Man darf nicht Unmögliches von ihr ver■ langen u#d sie nicht für eine Situation verantwortlich machen, die sie nicht geschaf f en hat, in die sie hineingeriet, und die sie doch zur Liquidation zu übernehmen den Mut hatte. # Zehn .fahre sind in der Geschichte eine kurze Zeit; auch die Makkabäer hatten noch zu kämpfen, als sie ihr ״Mandat“ bereits besaßen. Damals saß das Volk im Lande, dennoch tat Aufbau not Heute ist das Volk in alle Ecken der Welt zerstreut, der Gemeinsamkeit entwöhnt, dem Lande entfremdet, nur von der magischen Kraft dieses Zentrums anygezogen, aber der Aufbau im Innern und äußern Sinne* die Reinigung des Volkstums und die Schaffung der notwendigen Einrichtungen, muß erst erfolgen, und dies dauert vielleicht mehr als ein Jahrzehnt. Wunder geschehen vielleicht in der Sphäre des Geistes, aber nicht in der Welt der Materie. Das wenige Oel vor 2092 Jahren mag acht Tage gereicht haben, aber das wenige Geld der Exekutive von heute kann nicht doppelt ausgegeben werden. An derartige Wunder zu glauben ist nicht Glaube, sondern Leichtsinn. Wir wollen uns nicht von momentanen Depressionen niederdrücken lassen; die Wiederaulrichtung Israels kann nicht davon abhingen, ob diese oder jene Fabrik Verluste hat oder rb sogar eine Zeitlang, unter falscher Einschätzung tatsächlicher Faktoren, eine falsche Einwanderungspoüiik getrieben \tmrde, deren materielle Folgen uns ein paar Jahre zurückwerfen. Wenn wir die Dinge erkennen, wie sie sind, und die Zusammenhänge sehen, so werden sie uns nicht entmutigen. Aber wir müssen uns auch hüten, uns mit begeisterten Festen und mit Erinnerung an historische Heldenzeitea über die Tatsachen der Gegenwart hinwegzutäuschen. Der Zionismus verlangt von uns heute zweierlei: nüchternste Erkenntnis der Lage und besonnenes, zweckmäßiges Handeln — und unerschütterlichen Glauben im Hinblick auf das Ziel, das uns im Lichte einer zweitausendjährigen Geschichte verklärt erstrahlt. Ein Gerechter in Israel Jede überragende Persönlichkeit, besonders eine von ausgedehnter öffentlicher Wirksamkeit, ist schwer auf eine Formel zu bringen. Sie ist vielfältig wie das Leben, in dem sie stand, und auf das sie Einfluß übte. Um aber doch in einer knappen Formulierung die Hauptbedeutung einer derartigen Persönlichkeit zu kennzeichnen, wird ihre beherrschende Eigenschaft genannt Wenn ein Mann öffentlichen Wirkens in der Vielheit seiner Eigenschaften eine besitzt, die alle anderen überragt, dann und nur dann ist es möglich, diesen Mann auf eine allgemein verständliche Formel zu bringen. Zwi Perez Chajes bedeutete für zahlreiche Bezirke des jüdischen Lebens außerordentlich viel. Von verschiedenen Seiten kann und wird seine Bedeutung gewürdigt werden. Was aber war er für die jüdische Gesamtheit? Die Antwort lautet: Persönlichkeit Das will heißen, eine von den leider so seltenen, innerlich geschlosscnen Naturen, in denen eine ungebrochene Linie von Empfindung über Gedanken und Wort zur Tat führte. Fügt man hinzu, daß Wollen und Streben immer auf Großes und Letztes gerichtet waren, so entschleiert sich einem ־das Geheimnis, warum Zwi Perez Chajes, wie kaum ein anderer ln unserer Generation, eigentlich von der Parteien Ounst und Haß unberührt blieb. Zwi Perez Chajes hatte ergebene Freunde, viele Bewunderer and keinen einzigen Feind. Selbst Menschen aus anderen Parteilagern beugten sich ehrerbietig vor diesem kristallklaren Charakter, vor dieser reinen Seele, vor diesem lauteren Wollen. Er war, im besten Sinne des Wortes, ein Gerechter in Israel, das jüdische Gewissen unserer Zeit Und ob man es deutlich aussprach, oder nur im Unterbewußtsein fühlte: alles, wofür Chajes sich einsetzte, mußte gut und edel sein. Denn die Vorstellung ist undenkbar, daß sich Zwi Perez Chajes in de« Dienst einer Sache hätte stellen können, die In ihren letzten Auswirkungen nicht groß und ethisch ist Zwi Perez Chajes war Persönlichkeit, ein großer Charakter, Verkörperung des tiefsten Sinnes aller jüdischen Dinge: unbeugsamster Gerechtigkeit und höchster menschr Iicher Ethik. M. W. * «MM Jdifer l«1-35־ MÄ«S1 *b Aktten».'!St ferner Mitglied des Kuratoriums der Universität Jerusalem. In der jüdischen Kriegs* und Nachkriegsfürsorge war Chajes sehr aktiv tätig, er war eine Zeitlang das Haupt det־ sehr weit verzweigten sozialen Fürsorge Wiens, und er hat diesen Posten nicht als Ehrenposten aulgefaßt, sondern als ein Amt, das unermüdliche Tätigkeit auch in kleinsten Dingen zur Linderung von Not una Elend erfordert In Angelegenheiten der Fürsorge war er wiederholt im Ausland, auch In Amerika. Chajes nahm ferner lebhaften Anteil an den Arbeiten für das ״Komitee der jüdischen Delegationen“ und der Jüdischen welthl'.fskonferenz, die 1920 zum erstenmal einberufen worden war. Er war auch Vorsitzender der Jüdischen Völkerbundltga in Oesterreich und hat an mehreren internationalen Sitzungen der Völkerbundligen ieilgenommen. Er stand an der Spitze zahlreicher Institutionen, darunter des Jüdischen Pädagogiums in Wien. * Die Zionistisch« Vereinigung für Deutschland hat an die Oesterreichische Landesorganisation folgendes Beileidstelegramm abgesandt: Tief erschüttert durch di• Nachricht vom Tode unseres von uns verehrten und geliebten Führers und Freundes Chajes empfinden wir mit Ihnen den Verlust, den die Zionistische Organisation und die ganze jüdische Welt erlitten haben, in seiner ganzen Schwere. An der Beerdigung werden für unsere Organisation Kurt Blumen* feld, Martin Rosenblüth und Nahum Goldmann teilnebmen. In zionistischer Verbundenheit Zionistische Vereinigung für Deutschland. Dr. Weltmann, der am 14. d. M. auf der Durch* reise von Rumänien nach Paris sich in Berlin aufhielt und hier die Trauernachricht empfing, hat an das Zionistische Landeskomitee in Wien telegraphiert: Auf der Reise nach Paris und London trifft mich soeben die Nachricht vom Tode meines lieben Freundes Chajes. Die zionistische We t besaß in ihm eine Persönllcfikeit mit einzigartigen große! Gaben des Geistes und Charakters. Er war ein wahrhafter Repräsentant der zlonistischen Idee in ihrer ganzen Fülle und Weltweite und sein Leben legte Zeugnis ab von den elementaren und un* besieglichen Mächten, die unser Werk tragen. In seinem Sinne handelnd, setze ich meine Reise, die der Befriedigung dringender Bedürfnisse unseres Jischuw dient, fort, obwohl mein Herz mich treibt, an der Beerdigung tei :zunehmen. Die Zionistische Exekutive wird mein Kollege Nahum Sokolow vertreten, den Ich bitte, auch meinen Empfindüngen Ausdruck zu geben. Mit Zionsgruß ihr Chaim Weizmann. 1n11n11m1m11nnnuwwm1nnmnn11n11rnmtnmnm11n»mwu11111t111(w1n1HHinn1w1t1t11w1tmw11mw1m1nnnmtn1mmmm11 Die heutige Ausgabe ist eine Doppel - Nummer In der kommenden Woche erscheint die ״Jüdische Rundschau“ wegen der Feiertage nur einmal! und zwar am Mittwoch, den 21.diesen Monats. iiiuiimiuiuiiiuiiiiniumiiimuiiiiiuiiiuuiiuiiumuiiuiiuiuiuiumiiuuiiuuiiiiuiimimuiuiiiiiiiimuiimiimuiuimiiuiiil Das Amt Von Oberrabbiner Dr. Z. P. Chajes. Die Antrittsrede, die Dr. Chajes nach *einer Amtsübernahme in Wien am 3. August 1918 hielt, bildete damals ein ge waltiges Ereignis. Dr. Chajes legte dar, wie er den Beruf des Rabbiners auffaßt: nicht als Seelsorger im chrlstöchea Sinne, nicht als Mittler zwischen Menschen und Gott wollte er angesehen sein, sondern als ein geistiger Volksführer, der seiner Gemeinde aus seinem reichen Wissen die Schätze des Judentums offenbart und in ihr den Judenstolz weckt, den er alt das kostbarste Erbe unserer Vergangenheit und als die Basis unserer Zukunft betrachtet Die mutige Art, in der Chajes seine Freiheit und Unab* hängigkeit betonte und dann tatsächlich in einer bis dahin nicht gekannten Weise auch seine Unabhängigkeit vom Gemeindevorstand wahrte, hat damals einen außerordentlichen Eindruck gemacht Wir geben nachstehend zur Ehrung des Andenkens des verstorbenen und gleichzeitig als beste Festworte für Chanukkah diese Antrittsrede wieder. Red. Tiefe Genugtuung schwellt meine Brust an diesem für mein Leben entscheidenden Tage, da Ich Besitz ergreife von der Kanzel, die zu den ragendsten im Judentume gehört. Schwer Ist die Verantwortung, die auf mir ruht, groß aber auch die Macht, die in meine Hand gelegt wird. Nicht jene Macht ist es, die die Gläubigen anderer Völker und anderer Bekenntnisse ihrem Geistliehen zu eigen geben.' Kein Priester steht vor Euch von Weihrauchsnebel umhüllt, klar und scharf soll sich das Bild meiner Persönlichkeit vor Euren Augen abheben, ein freier Mann will ich zu freien Menschen sprechen, mit freien Menschen wirken, wenn nötig und wo nötig, zur Freiheit Euch erziehen. Nicht vermag ich Sünden zu lösen und Seelen zu binden, die Wonnen des Paradieses kann ich Euch nicht verheißen, die Qualen der Hölle nicht androhen. Nicht soll ich Euch erscheinen als Vertreter der Gottheit, noch steht es mir zu, bei der Gottheit Euch zu vertreten. Vielleicht kann ich den Weg Euch weisen, der zu dem Göttlichen führt, das in Eurem Innern lebt, in Eurer Seele, In Eurem Gewissen. . Ich werde Euch nicht sagen, hier ist die Wahrheit, glaubet daran, beugt demütig Euer Haupt unter ihr Joch. Euer irrender Bruder bin ich, unfehlbar ist in mir nur das heiße, leidenschaftliche unbeirrbare Streben nach Wahrheit. Vielleicht kann ich den Weg Euch weisen, der zur Wahrheit führt, doch den Weg kann ich für Euch nicht gehen. Aus eigener Kraft muß ein jeder seine Hindernisse und Fährtichkeiten überwinden lernen. Und trotzdem, meine Freunde: groß Ist die Macht, die in meine Hand gelegt wird. Den alten heiligen Judenstolz, die wundertragende wundertätige Judenkraft kann ich Euch wieder lehren. Stolz sollt ihr wieder darüber empfinden, daß Ihr dem Volke angehört, das das jugendfrischeste ist unter den am Web- Stuhl der Geschichte wirkenden. Nicht das Ist unser Ruhm und unsere Stärke» daß wir die älteste bilden unter den an der Befreiung der Menschheit schaffenden Kräften, sondern daß wir trotz unseres Alters, obschon wir den Pyramiden gleich vier Jahrtausende auf unseren Schultern tragen, so blühend stad und schaffensdurstig, so gegenwartsfest und zukunftasicher, wie an dem Tage, da wir in grauer Vorzeit ins Ucht der Geschichte getreten, .?״■?cAm# «*ie zurück blicke n,reich an unschätzbaren Kulturwerten, dach dte ungezählten Millionen, die an den Ufern des sagen:! mströmten Ganges leben! die Söhne des Reiches der Mitte, sie sind verdorrt, zu Mumien vertrocknet, sie leben kümmerlich von den Abfällen ihrer einst üppig besetzten Tafel, sie haben seit Jahrhunderten kein neues Wort mehr der Welt zu sagen. Doch wir, wir leben! Einschneidend und bestimmend ist unser Wirken heute, wie an dem Tage, da wir den Söhnen Adants das göttliehe Geschenk der Bibel gebracht In den langen, langen Jahrhunderten unseres Daseins hat es kein Volk gegeben und kein Oeschlecht, das, mit uns ln Fühlung getreten, nicht erstarkt wäre, sich nicht bereichert hätte an den Schätzen unseres Geistes und unserer Seele. Wie einst unsere unvergleichlichen Propheten die Menschen gelehrt, an die Zukunft zu denken, für die spätesten Geschlechter sich zu mühen, aus der Enge der Gegenwart das in weiter Ferne Liegende zu umspannen, den Kommenden eine bessere Welt zu bereiten, so haben in der jüngst verflossenen Vergangenheit Männer unseres Stammes, die seelenlosen Massen zu neuem Leben erweckt, die verstreuten Knochen, wie ln der Totenfeldvision Ezechiels mit einer Seele begnadet, sie zum Bewußtsein ihrer Kraft und ihr« Wertes gebracht, ihnen die Macht verliehen, die morsch gewordene Gesellschaft aus ihren Angeln zu heben und das uralte jüdische Ideal der sozialen Gerechtigkeit seiner Verwirklichung näherzubringen, Wo immer gekämpft wird um Befreiung von mittelalterlichen Banden, um Sprengung schimpflicher Ket.en, um Er« lösung aus geistigem Drucke, da stehen Söhne Israels heute wie vor Jahrtausenden kämpfend und führend, leitend und blutend an vorderster Stelle. Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, daß Euer Stamm der stärkste ist unter den Bildnern der ewigen Werte. Wir, die Schwachen, wir, die Geschmähten, wir, die Gedrückten, wir, die Verfolgten, haben den mächtigsten Staaten und Völkern den Weg ihrer Geschicke geebnet. Der jüdische Imperialismus, der einzige, der den Menschen nicht zum Fluche, sondern zum Segen gereicht, der einzige, der nicht bedrückt, sondern erhebt, der nicht knechtet, sondern befreit, der nicht verwundet, sondern heilt, der jüdische Imperialismus, der seinen höchsten Ausdruck findet in dem Bibelworte: גי מלאה הארץ דעה אוו ה׳ (Jm. xl 9.) נמים לים מכסים ״Kommen muß, kommen wird die Zeit, in der unsere Weltanschauung die ganze Welt erfüllen wird G unser Imperialismus ist der einzige, der ungestraft Jahrtausende in die Schranken fordern darf, der einzige, der keinen Niedergang und keine Niederlage zu fürchten hat, der unbeirrt und unbesiegbar in mählichem, »aber stetigem Fortschreiten seinem Ziele zustrebt. Was im Altertume ein tiefer Denker und Staatsmann in der ewigen Stadt gesagt, als das weltumspannende Römerreich sich gerade anschickte, dem gehaßten und verachteten Judenvolke den vermeintlichen Gnadenstoß zu versetzen, was mit tiefem Verständnis Seneca von uns mit den Worten bezeugt: ״Die Besiegten zwingen die Sieger unter ihr Qesetz“, das gilt für alle Zeiten und alle Völker. Als wir vor mehr als 2530 Jahren, an Leib und Seele gebrochen, unser vom Feinde zerstörtes Vaterland verlassen und in die Verbannung wandern mußten, da genügten wenige Jahrzehnte und das anscheinend für die Ewigkeit zertrümmerte Israel findet in sich — ein unerhörtes Wunder

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