Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1927)
- Date
- 1927-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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יי*» Seite 700 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 99, iS.XH 1837 Handwerkerorganisationen einzudrfngen. Das alles schafft für die Partei eine Unmenge von aktuellen und prinzipiellen Fragen, welche in Lodz, Lemberg und Krakau eingehend diskutiert, kaum aber einer praktischen Lösung zugeführt wurden. Die Tagungen haben ein groß« Anwachsen der Jugendbewegung ״Gordonia“ festgestellt und im Zusammenhang damit auch der Chaluzbewegung viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die ParlamenLswahien io Polen Warschau, 7. Dezember (J.T. A.) Im Hause des jüdisehen Nationalrates fand die erste Sitzung aller jener jüdischen Parteien und Organisationen statt, die ihre Bereitschaft erklärt haben, dem jüdischen nationalen Block beizutreten, der bekanntlich einen Teil des allgemeine n Minderheltenblock es bildet An der Beratung nahmen teil Vertreter der Zionistischen Organisation, des Misrarhi, der Hitachduth, des zentralen Handwerkerverbandes, des Verbandes unparteiischer religiöser Juden, der folkistisch-demokratischen Partei tmd des zentralen Frauenvereins. Abg. Grün bäum gab ausführlichen Bericht über die Bildung des Mindcrhcitenblocks und dessen Aussichten bei den kommenden Wahlen. Seine Ausführungen fanden allgemeine Billigung. Die Organisation Agudas Jisroel lud ihrerseits alle jüdischen Parteien und Organisationen zu einer Beratung über die Schaffung eines allgemeinen jüdischen Blockes aus Anlaß der kommenden Wahlen zu Sejm und Senat ein. Die Agudah hat sich gegen den Eintritt der Juden in den Minderheitenblock ausgesprochen. Große Sensation erregte die Nachricht, daß rwischen der Arbeiterpartei ״Bund" und den ״Poale Zion" ernste Verhandlungen wegen Schaffung eines gemeinsamen Wahlblorks zu den kommenden Wahlen gepflogen werden. Wie aus Lemberg telegraphiert wird, hat Dr. Leon Reich in einer. Sitzung der Exekutive der Zionistischen Organisation Ostgalizien.« beantragt, mit den westgatizischen Zionisten einen gemeinsamen Wahlblock zu bi'den, der dem Mindcrheitenbbck nicht angehören wird. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Hauptrat der ostgalizischen Zionisten zur Entscheidung vorzulegen. Vom hebräischeil Selbststudium Es wäre ein sehr verlockendes Unternehmen, einmal im einzelnen festzustellen, auf welche Weise diejenigen in Deutschland, die es zu einer gewissen Beherrschung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift gebracht haben, sich ihre Kenntnisse erworben haben. Es wäre vor allem ungemein interessant, zu erfahren, welchen verhältnismäßigen Anteil an ihrer Ausbfldung def zwei- bis vierstündige Wochenunterricht an den öffentlichen hebräischen Lehrkursen hat Ohne dem Resultat einer derartigen Feststellung vorgreifen zu wollen, glauben wir auf Grund langjähriger Erfahrung die Vermutung aussprechen zu können, daß die weitaus überwiegende Zahl derjenigen, die bis zu einer Beherrschung des Hebräischen vorgedrungen sind (darunter sei zunächst nur verstanden: mühelose Lektüre sprachljch vollentwickelter unpunktierter Texte schwierigerer Art und dje Fähigkeit, über das Gelesene in freier Form mündlich und schriftlich zu referieren), — doch wohl den offiziellen Kursbetrieb*nur als befruchtende Anregung, als willkommenes Mittel der Selbstprüfung, der Bewährung angesehen und benützt haben, während (Jje eigentliche Erarbeitung Ihres Sprachbesltzes3־uf dem •Velüp-j: fijng; falls 4fe sich als richtig erweisen solltej besagt :nichts über Wert öder Unwert unseres hebräischen Kursunterrichtes. Die Energiequellen des ernsthaft Lernenden werden ohne Zweifel durch die regelmäßige Teilnahme an einem Gruppenunterricht vermehrt, seine Erkenntnisse befruchtet, erweitert, korrigiert, vor allem aber jene der Sprache eigentümlichen Klangeindrücke vertieft, die nun einmal für die Fähigkeit, visuell-statisch Aufgenommenes ins Akustisch-Motorische zu übertragen (d. h. vom verständnisvollen Lesen zum freien Spreeben zu kommen) unerläßlich sind. Wer aber andererseits den Gruppenunterricht (von 2—4 Wochenstunden) und eine halbwegs genügende oder gar nur dürftige Vorbereitung dazu für das Maximum dessen hält, was er für die Erlernung der Sprache zu!eisten vermag, dürfte es wohl auch in mehreren Jahren regelmäßigen Studiums dieser Art zu keinem zum Endziel in irgendeinem erträglichen Verhältnis stehenden Fortschritt bringen. Gewiß, er wird tröpfchenweise sein lexikalisches Wissen und seine sprachlichen Erkenntnisse vermehren. Aber weit wird er es darin kaum bringen (bei durchschnittlicher, nicht außerordenüiclicr Sprachbegabung). Man gibt wohl kaum ein Geheimnis preis, wenn man sagt, daß die zuletzt geschilderte Einstellung zum Gruppenunterricht das bedauernswerte Schicksal vieler Hunderte, ja der erdrückenden Mehrheit der heute in Deutschland (und vielleicht überhaupt im Westen) Lernenden besiegelt. Der ernste Schüler wird sich hingegen stets bewußt sein, daß ein wirklicher Erfolg ohne weitgehendes Selbst- Studium unmöglich ist, daß jede Kursstunde, wenn sie in ihrem ganzen Gehalt ausgewertet werden will, den mindestens doppelten Zeitaufwand häuslicher Vorbereitung und Durchdringung erfordert (vorausgesetzt natürlich, daß der Lehrer das Seine fordert und sich nicht der anderen Einstellung des Schülers beugt). Was hier von dem Kursschüler gefordert wird, der die Unterstützung und Hilfe des Lehrers zur Seite hat, gilt in noch ausschließlicherem Maße für den eigentlichen Autodidakt e n. Die Bedeutung des autodidaktischen Studiums des Hebräischen in Deutschland wird vielfach verkannt. Die große Zahl derer, denen es versagt ist, an einem Gruppenunterricht mit Lehrer teilzunehnien, sollte uns veranlassen, dieser Frage größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zumeist handelt es sich um berufstätige Menschen, deren Zeiteinteilung oder sonstigen Verhältnisse die Teilnahme an Kursen nicht erlaubt und die, aus bekanntem Grunde, sich die Inanspruchnahme eines Privatlehrers nicht leisten können; vor allem aber auch um diejenigen, an deren Ort es infolge der numerischen Verhältnisse oder aus anderem Grunde überhaupt keinen hebräischen Lehrer gibt (gerade dieser Fall ist in den kleineren jüdischen Gemeinden typisch). Viel zu wenig hat man sich, unseres Erachtens, bisher um diese Autodidakten gekümmert, obwohl doch gerade diese Kreise eine sehr wertvolle Ergänzung und Bereicherung der hebräischen Sprachbewegung in Deutschland darstellen könnten. Für diese Kategorie Selbstlernender kommt doch wohl nur eine Methode in Betracht, die es ihnen ermöglicht, an Hand von sorgsam gewählten Texten mit (in deutscher Sprache gegebenen) lexikalischen, grammatischen und syntaktischen Erklärungen sich allmählich in Sprache und Sprachgeist einzuleben und die Fähigkeit zu erwerben, später selbständig, mit Hilfe von Grammatik und Wörterbuch, Texte in steigender Schwierigkeit verstehen zu können. Mit anderen Worten: für diese Autodidakten kommt die sogenannte lwrith-be-Iwrith-Methode nicht in Betracht. Auch die in den Kursen mit Vorliebe benützten les0- und Lehrbücher sind, well sie rein hebräisch sind und auf eine dem SchMer verständliche Erkilruugssprache verzichten, in der ersten Zeit d« Selbststudiums gänzlich unbrauchbar. Für humanistisch Gebildete, die den Vorzug ihrer philologischen Erudition bei der Erlernung des Hebräischen mitverwerfen können und wollen, konnte man bisher zumeist als erste Einführung mit mehr oder weniger gutem Gewissen nur die Durcharbeitung einer der mehr wissenschaftlichen Grammatiken (etwa von Strack oder Steuernagel) anraten; allerdings bezog sich das ״gute" Gewissen dabei nur darauf, daß hier anerkannte Pädagogen und Wissenschaftler akademisch Gebildete theoretisch in das Gerippe der biblisch-hebräischen Sprachformen einführen. Man konnte dem Lernenden wenigstens versprechen, daß er bei Durchackerung einer derartigen Grammatik eine gewisse Fähigkeit erwerben werde, leichtere hebräische Texte mit Hilfe eines Wörterbuches mühselig zu entziffern. Banfe hebr&isdie Bühne וווווווווו1ווווווווווווווווווווווו1וו1וווווווווווווו1ווווווווווווווווווווו1ווווווווווווווווווווווווווווווווו Chanukkah-Veranstaltung der B. Z.V. u. des ICK.L. Sonntag, den 25. Dezember, abends 8*/2 Uhr im großen Festsaal des Ulap, Alt Moabit 4/10 Tanze und Gesänge / Rezitationen / Satiren und Parodien Hassan, ein orientalisches Bild. Unter Mitwirkung von: Frau Bernstein - Koban vom Theatron Erez Israeli Jehudit Perkal vom Theatron Iwri und Theatron ״Klinikum". Palästina Melr Teomi von Theatron Iwri. Rafael Klatzkin vom Theatron ״Kumkum", Palästina. Ferner hat seine Mitwirkung zagesagtr Herr Iso Gotland (Bariton) von der Berliner Staatsoper Eintrittskarten zum Preise von Mk. 2,50 erhältlich im Büro der B. Z. V., Meinekestrafte 10. Bismarck 7165/70, und Vorverkaufsstellen. Die Feier findet *u Ehren der an diesem Tage stattfindenden Sitzan«r dea Zentral-Komitees statt. Freilich hatte man das Gefühl, daß wohl nur sehr wenige sich dieser etwas trockenen und jedenfalls anstrengenden Arbeit unterziehen werden. (Die knappe, mit philologischen Terminen überladene Sprache dieser Bücher macht häufig unüberwindliehe Schwierigkeiten.) Es fehlte also bisher ein Lehrbuch, das sich einerseits von allzu wissenschaftlichem Ballast freihilt und die Kenntnis des Gesamt- Hebräischen an Hand reichhaltiger Texte vermittelt, andererseits aber auch die Texte, die es zugrunde legt, dem Selbstlernenden durch genügende Erklärungen vollkommen ver-« ständlich und durchsichtig macht. Diesen bisher empfundenen Mangel hat unseres Erachtens in weitgehendem Maße erst das von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegebene Lehrbuch von B o r n s t e i n ״Einführung in das Hebräisch.. der , Gegenwart“*) hehoben. Heute ,tarnt kein Er-, waebsener mehr, der das Neu-Hebräische ,auf autodidaktischem Wege erlernen will, sich mit der entbindenden Feststellung begnügen, daß es kein geeignetes Lehrbuch gäbe. Es söli hier keineswegs in eine erneute Erörterung über׳ Vorzüge oder Mängel dieses Buches eingetreten werden. Die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" hat das Lehrbuch bet seinem Erscheinen ausführlich besprechen lassen und mit Recht die sich daran anknünfende ausgiebige Polemik als geschlossen erklärt. Das darf aber nicht hindern, von Zeit zu Zeit auf die große Bedeutung dieses Lehrbuches hinzuweisen, die es ohne Zweifel gerade für Selbstlernende hat. Wer diese 46 Lektionen des Buches ernsthaft d'!rehstudiert, erwirbt sich nicht nur einen sehr reichhaltigen, auserlesenen hebräischen Wortschatz und zureichende Kenntnisse des Wichtigsten aus der hebräischen Formenlehre, sondern auch einen tiefen Einblick in den Geist der Sprache, ihre Bilder und ihre syntaktischen sowie stilistisehen Eigentümlichkeiten. Dr. Max Mayer. Ein Film von Jagenddorl Der Name ״Ben-Schemen“ ist von seinem ersten Auftaiichen her mit sympathischen Vorstellun״en verknünft. Die ersten Aufforstim gsversuche des Keren Kajemeth, eine der ersten und für die späteren vorbildlichen landwirtschaftliehen Genossenschaften, die Anfänge der landwirtschaftlichen Versuchsstation, efne Reihe der wichtigsten Pioniertaten in Palästina also sind mit diesem Namen verbunden. Nun ist er gleichsam zu einem Begriff geworden. Das Jugenddorf ״Ben-Schemen“ bedeutet untre den vielen aurivumnd revolutionären Taten, die Palästina in seinem neuen Werden bereits hervorrubrin^en vermochte, eine der schönsten und beisnielhaftesten. eine Tat, die weit übe/ den Kreis von Z!or>ist״n und luden hinaus zu wirken berufen ist und Aufmerksamkeft erhält. VieHePht zum erstenmale überhaupt stehen wir hier einem erfolgreichen Versuch gegenüber, die der Gesellschaft ob'ie׳-ende Walsenff!rsor״e in so konseauenter Weise zu produktivieren, daß die Schrksalsbenachteiliming der ohne verwandtschaftliche Stutze schon im Jugendalter den Härten des Lebens oreis gegebenen Waisen nahezu aufge«o״*m und in mancher Hinsicht wohl gar ühertroffen 1'1'rd durch die vo’Ie und schönferische Mjsnützung der Möglichkeiten. die sich daraus erzeben, daß nicht ein fa-Tiärer Er7rh׳״״zswilK sondern das von verantwortlichen und lieb•*- voll hin״e״eh״nen Menschen vertretene Gesamtinteresse für die erzieherische EmMiedenm״ lener jungen Menschen in die Gesellschaft aus«ch'ag<rehend ist. Das Jugenddorf Ben-Sch ״״׳en ist aus dem Waisenhaus in Ko'-no hervormegangen. Als infolge des Krieges die Zahl der indischen Waisen im Os4e1׳ ins Ungeheure gestiegen war, machte sieb eine Reihe der Besten aus der jüdischen Jugendbewemm״, mshe'öndere auch De״fs׳-h1and daran, ihre nSdago״iscben Einsichten und das Gefühl der Vera*d״-nrttmg für die jüdische fugend in Taten ummsetzen. Unter ihnen auch Dr. Siegfried Lehmann, der sich schon während des Krieges durch die Begründung und Leitung des ״tüdischen V0H:sh in Per'iu 1<nver״leich1>rhe Vc־di״nste envorben hatte und nun das iüdische Warenhaus in Kowno srtiut und leitete. Es war eine nädagömsehe und wirVhafthche Konseouenz d»r Führung dieses nicht b'oß um die Atmenblicksnot der Kinder besorgten Anstalt, daß ein großer Teil ihrer Zöglinge mit ihrem Leiter nach Palästina übersiedelte. Der ף Zu beziehen nur durch den Verlag der , fi'rhVhen Rund-; schau“. Berlin W 15, Meinekestraße 10. Broschiert 750 M., | Ganzleinen 9,— M, Keren Kajemeth stellte den Boden in Ben-Schemen zur Verfügung, auf dem nun das grundsätzlich auf EigenaTbeit seiner Bewohner auf gebaute Jugenddorf errichtet wurde. Vor geladenem Kreise sprach nun vor einigen Tagen Dr. Lehmann — für einige Zeit in Europa — in Berlin über dieses Dorf und zeigte sein Leben: Arbeit, Geselligkeit, Unterricht und Spiel, in Filmaufnahmen. Vielleicht ist es gerade seine Absichtslosigkeit, die diesen Film als den Im gru-en besten der bisher gezeigten Palästinafilme erscheinen läßt. Die sehr wenigen und kurzen filmhaft gewollten und daher weniger glücklichen Stellen verschwinden in dem mit freudiger Spannung aufgenommenen Ablauf lebendiger und absichtslos aufgenommener Bilder. Man kann die ganze Bedeutung dieses Unternehmens erst voll ermessen, wenn man sich vor dem Film sitzend vergegenwärtigt, was aus diesen Menschen geworden wäre, hätte man ihnen nicht so oder nicht in so radikaler Weise unter die Arme gegriffen, wie man es getan hat; wenn man daran denkt, daß diese frischbewegten Burschen und Mädchen, mit den munteren Gesichtern und Selbstgewißheit bezeugenden Bewegungen, denen man, nachdem man von ihrem Leben, ihrem Wollen und ihrer Arbeitsleistung durch Wort und Bild erfahren hat, nicht anders kann, als Herzliche Sympathie zuzuwenden, mit knapper Not dem traurigen Schicksal des menschlichen und wirtschaftlichen Unterganges entrissen sind, das ihnen vor* gezeichnet war. Nun wachsen sie zu einem tüchtigen, in Arbeit*- und Gemeinschaftsgeist im besten Sinne erzogenen Menschenschlag auf, der auch dem Lande von besonderem Nutzen zu werden verspricht. Es sind fast 100 Jugendliche und Kinder in Ben-Schemen; zu denen aus Kowno sind noch andere dazugekommen, Anmeldungen und Bewerbungen gehen in großer Menge unausesetzt ein Dr. Lehmann sagte zum Schluß, daß man die ah! der ״Dorfbewohner" in den nächsten Jahren auf 300 bis 40Ö vergrößern müßte, um nur den dringendsten Anforderungen entsprechen zu können. Zur Unterstützung der zur Aufbringung der hierfür notwendigen Mittel eingerichteten ״Jüdischen Waisenhilfe“ (Berlin, Passauer Straße 24) und ihrer Bemühungen wird Dr. Lehmann in Holland, England und mehreren Städten Deutschlands seinen Film zeigen und über Ben-Schemen sprechen. Er, der auf seine Tat und seine Erfolge hinweisen kann, wird überilf willige Zuhörer finden. Hoffentlich gelingt es ihm, zureichende Hilfe zur Vollendung seines einzig dastehenden Werkes zu gewinnen. Es verdient noch besonders hervorgehoben zu werden, daß die Arbeit für Ben-Schemen in Deutschland mit ihren Erfolgen in aller Stille, der großen Oeffentlichkeit fast Unbemerkt, von einigen wenigen Menschen geleistet wird und daß ihnen gelungen ist, ■was ohne den starken Eindruck, den das Werk an sich auf jeden, der es kennen lernt, macht, allerdings nicht möglich wäre: wirklich alle Kreise des diciitsehen hidentums zur Beteiligung heranzuziehen. Möchten sie doch weiter Erfolge haben! Mt S. Zwei Geburtslage 1L Goltein - 60 JaJjrc Am 30. November feierte Jakob L. Gaffeln seinen 60. Geburtstag. Keiner wird glauben, daß dieser rüstige, feurige Kämpfer schon diese hohe Anzahl Jahre fragt Br ist der jugendlichste Verfechter feines, zionistischen Ideals in den״ Sitzungen der' ^5««ä»de*epr-!s€0tanz- und. In ״•diu Versammlungen, in denen er aftch heute noch nie fehlt, er, der vor nunmehr 30 fahren, noch vor dem ernten Zionisten- Kongreß, die Frankfurter Zionistische Ortsgruppe gründete, deren Ehrenvorsitzender er jetzt ist. Es war damals nicht einfach, als Ausländer — Goitein Ist Ungar — in Deutschland das jüdische nationale Bekenntnis abzulegen, und so frei, aufrecht und unverhüllt zu vertreten, wie Goitein es tat. Man wußte damals, in den ersten Jahren des Zionismus, gar nicht, daß Goitein überhaupt ein Geschäft besaß. Dauernd reiste er als zionistischer Agitator, nahm an allen Sitzungen teil, war Delegierter auf fast allen Kongressen von 1897 hl« 1913, sprach in vielen Orten und stand mit vielen Persönlichkeiten, auch mit Herzl, in lebhafter zionistischer^Korrespondenz. Durch ihn persönlich sind viele wertvolle jüdische Menschen Zionisten geworden, nicht zuletzt seine ganze große Familie- Heute hat er eine Tochter und mehrere Netten in Erez-israel. Er selbst ist der alte, optimistische. Kämpfer für seine Idee geblieben, er ist nicht — wie leider viele seiner Generation — lau geworden, er begriff die Forderung der Stunde und ist stets einer der ersten, sie zu erfüllen. Die Frankfurter Zionistische Vereinigung grüßt den Jubilar, mit ihr die Z. V. f. D., und wünscht ihm, daß es ihm vergönnt sei, weiter in Rüstigkeit und aktiver Hilfe an der Verwirklichung seiner Idee noch recht viele Jahre tätigen Anteil zu nehmen. Dipl. Ing. Nathan Griinstein — SO Jahre Noch ein weiteres Jubiläum konnte die Frankfurter Zionistische Vereinigung in diesen Tagen begehen. Dipl.-Ing. Nathan Grün st ein, ihr Vorsitzender, wurde 50 Jahre alt. Grünstein ist von früher Jugend Zionist ln Karlsruhe, wo er von 1901—1909 Chemie studierte und sein Studium mit der sehr bedeutenden wissenschaftlichen Arbeit über den Aufbau der organischen chemischen Verbindungen aus Kohle, Wasser und Luft beschloß, gehörte er der zionistischen Studentengruppe an. Bald nach dem Kriege, der für ihn empfindliche Unterbrechung seiner chemischen Arbeitet» bedeutete, kam er in den Vorstand der F. Z. V. und ist nunmehr seit drei Jahren ihr tatkräftiger, gerechter und beliebter Vorsitzender. Grünstein ist der Typ des russischen Zionisten: jüdisch gebildet, opferbereit, eng mit Erez-israel verbunden und damit menschliches, zionistisches Vorbild für weite Kreise. Griinstein gehört zu den ersten Chemikern Deutschlands. Seine Patente, die synthetische Herstellung von Essigsäure betreffend, die ihrerseits eine enorm verbilligte Herstellung von Indigo und eine Art Kunstseide ermöglichte, wurden von der J. G. Farbenlndustrie gekauft Ganze, neue Industriezweige entstanden durch seine Erfindungen; seine Leistungen bedeuten Marksteine in der Entwicklung der neuzeitlichen Chemie. Auf Grund seiner chemischen Studien — übrigens hat Grünstein mit Weizmann gemeinsam studiert, seine Erfindungen gehören in ein dem Weizmanns sehr ähnliches Gebiet — hat er sich für die Ausbeutung des Toten Meeres stets besonders interessiert. Möge Grünsteins zionistische und chemische Arbeit hier, noch besser aber: in Palästina weiterhin segensreich und fruchtbar sein! Die Frankfurter Zionistische Vereinigung hat beschlossen, die beiden Jubilare, ihren Gründer und derzeitigen Ehren- Vorsitzenden J. L. Goitein und ihren Vorsitzenden Dipl.- Ing. Nathan Grün stein, in das Goldene Buch des Keren Kajemeth einzutragen.