Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1927)
- Date
- 1927-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652967--19594-2677487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 09, 13. XII 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU *e*te 70S Zeit'Spiegel An! halbem Wege Einen Interessanten Einblick in die geistige Entwicklung des deutschen Judentums bildet das Referat, das Dr. Kurt Alexander, Krefeld, bei einer Tagung des CentraUVerelna gehalten hat und das in der C-V.-Zeitung veröffentlicht ist. Dr. Alexander geht aus von Arnold Zweigs Buch ״Cali' ban", worin dieser bekanntlich den Antisemitismus als eine Erscheinungsform der Gruppenleidenschaften analytisch deutet, und die Verheerungen schildert, die er auch in der Seele der Juden anrichtet Alexander, mächtig ergriffen von Zweigs Darlegungen, stimmt ihm fast vollständig zu; er übernimmt insbesondere die Darstellung des jüdischen Seelenrustandes als einer Minderwertigkeits-Neurose. Aus diesem Zu- Stand, der unsere Seele empfindlich schädigt, gibt es nur einen einzigen Ausweg, nämlich die Ueberwindung des Minderwertigkeitsgefühls durch Aktivierung des Judentums. Und da alle Juden von dieser Krankheit betroffen sind, so hat niemand das Recht abseits zu stehen mit der Motivierung, daß er vom Antisemitismus nichts verspüre. Das Ziel muß die freie Entfaltung der jüdischen Seele sein, die erst durch Aktivierung des Judentums möglich ist, wenn der Druck von ihr genommen wird. , Soweit Alexander. Was sich hier kundgibt ist ein bemerkenswerter Fortschritt der Erkenntnis unserer wahren jüdischen Lage, Wenn Alexander aber als ״innerjüdische Aktivierung“ nichts anderes vorzuschlagen hat als größere Aufmerksamkeit für das jüdische Gemeindeleben, dann bleibt er in» Fragment stecken. Denn durch Betätigung in einem so schmalen Teildi strikt des Lebens läßt sich der Erfolg einer jüdischen Selbstbehauptung kaum erzielen, zumal dem modernen Juden, durch Erziehung von allen jüdischen Lebensdingen entwöhnt das Interesse für diese Angelegenheiten meist abhanden gekommen ist und er nur dann zu ihnen zurückfinden kann, wenn er sie als Teile eines größeren Ganzen begreift. Eine Aktvierung des Judentums heißt eine Hebung des jüdischen Bewußtseins, eine Erkenntnis der Judenfrage in ihrem wirklichen Wesen, wozu Zweigs Buch fraglos wichtige Dienste leistet, zu der aber Alexander noch nicht vorgedrungen ist weil er auf halbem Wege stehen blieb. Durch jüdische Gemeindebetätigung und durch Abwehr des Antisemitismus wird das jüdische Selbstgefühl nicht den Minderwertigkeitskomplex verdrängen können. Das Problem liegt tiefer. Nur wem es gelingt sich innerlieh ganz freizumachen von der Abhängigkeit nur wer be* griffen hat daß das Judentum und der jüdische Mensch mit voller Legitimität mit seinen eigenen Maßen gemessen werden darf, und nicht nach Maßstäben, die aus der Vorstellungswelt anderer Völker stammen, nur der wird den Weg der richtigen Erkenntnis und jüdischen Tat finden. Und er wird das Gefühl der Freiheit und des Stolzes steigern durch Teilnahme an einer eigenen jüdischen Kollektivleistung, die nichts sein will als jüdisch. Werden Menschen, die heute schon so denken wie Dr, Alexander, diesen' Schrift ehrlicher Konsequenz zu tun vermögen? Ein Rabbiner als Filmkritiker; tte ״iüFelt am Mo־ntag" madht auf das Propaganda- Heftchen des Films ,,König der Könige“ aufmerksam, fegen den sich u. a. auch In der ״Jüdischen Rundschau“ nach eil ersten Aufführungen in Salzburg, denen erst die Aufführungen in den europäischen Großstädten folgten, eine kritische Stimme erhoben hat Allerdings widersprach dieser kritischen Einstellung Erich Cohns ein Leser unseres Blattes, den wir unter ״Eingesandt“ zu Worte kommen ließen. (Der Artikel Erich Cohns machte übrigens ohne Quellenangabe die Runde durch die jüdische Presse) Als der Film dann in Berlin aufgeführt wurde, konnten wir uns überzeugen, daß er tatsächlich — bewußt oder nebenbei, das ist einerlei ■— geeignet ist, Judäophobie schlimmster Art zu erregen. Darum berührt es doppelt peinlich, daß in dem Propaaodaheft des genannten Films neben dem Erzblschofvon a 1 zburg und dem lutherischen Hofprediger Dr. Vogel, die den Film loben, sich auch der Rabbiner Israel Goldfarb vom ״Beth Israel Anschei Emes“ folgen• dermaßen vernehmen läßt: ״Sie haben der Gesamtheit einen hervorragenden Dienst erwiesen und einen wundervollen Beitrag zur dramatischen Kunst geliefert, indem Sie dieses ehrwürdige biblische Drama ... darstellten ... wunderbar und herzergreifend.... Die musikalische Illustration ... war höchst ergreifend und Heß das Blut erstarren.“ Sollte dieser Rabbiner Israel Goldfarb tatsächlich existieren und nicht nur eine Erfindung einer smarten Reklame sein, dann raten wir den Mitgliedern des ״Beth Israel Anschei Emes", ihren Rabbiner vorzunenmen und ihm zu raten, sich in Zukunft nur über Bibel und Talmud öffentlich zu äußern, im übrigen aber, besonders aber in puncto Filmkritik, den Schnabel zu halten. m. w. Fritseh’s Geschält mit Bern? Fo״ä Theodor Fritsch, der bekanntlich geleugnet hat, daß ihm Ford den weiteren Vertrieb des Buches ״Der Internationale Jude“ in deutscher und spanischer Sprache untersagt hat, hat sich nun doch entschlossen, die Existenz dieses Ford-Briefes zuzugeben und veröffentlicht nunmehr sein Antwortschreiben an Henry Ford. In der Einleitung beeilt er sich, festzustellen, daß durch das Vertriebsverbot 9400 Exemplare der deutschen und spanischen Ausgabe entwertet werden und fügt hinzu, daß ״dadurch ein unschätzbares Oeistesgut der Menschheit verloren geht. Und nun kommen jene Schächerseelen, denen alles Große und Erhabene verhaßt ist, und wollen jenes leuchtende Geistesfanal zu einer trüben schwälenden Oclfunzel verkleinern — sie wollen das Buch unterdrückt sehen. Nein, großer Henry Ford, zu solchem Judasdienst dürfen Sie nicht die Hand bieten“. Fritsch fährt fort: ״Deutsche Denker haben seit mehr als 100 Jahren das Geheimnis des Judentums entlarvt; — leider haben diese Aufdeckungen noch keine Beachtung in anderen Ländern gefunden.... Nirgends haben Sie, hochgeehrter Herr Fora, in Ihrer Schrift der Seltsamkeiten der rabbinischen Lehren des Talmud und Schulchan aruch Erwähnung getan; und doch wird erst durch deren Kenntnis die Ungeheuerlichkeit des jüdischen Wesens verständlich. Wenn nur ein geringer Teil der ungeheuerlichen Tatsachen zu Ihrer Kenntnis gelangte. Sie würden nicht ruhen, bis der ge fahrliehe Feind des Menschentums entlarvt und entwaffnet und die schmachvollste Fessel der Geistesknechtschaft von den Seelen genommen wäre. Sie, Herr Ford, wären der Mann dazu gewesen, dies zu vollbringen!“ Zum Schluß erklärt sich Fritsch bereit, die vorhandenen Exemplare des Ford-Buches zur Verfügung zu stellen ,,unter Bedingungen, die sich auf beiliegendem Blatt verzeichnet finden“. Dieses Blatt veröffentlicht Fritsch nicht, allein aus seinem Kreise verlautet, daß Fritseh’s finanzielle Bedlngungen so hoch sind, daß sie in keinem Verhältnis zu der immerhin hohen Vertriebseinnahme aus dem Ford-Buche stehen. Die Französiseli-Palästinensische Handelskammer Paris, 4. Dezember. (J. T. A.) Die vor kurzem unter Mitwirkung der Gesellschaft ״France-Palestine“ begründete Französiscn-Palästinensische Handelskammer hat bereits ihre Tätigkeit begonnen. Ehrenpräsident der Kammer ist der frühere Minister und Präsident der internationalen Handelskammer Senator Etienne Clementei, Präsident der Kammer ist der frühere Minister Senator Justin Godard, der zugleich auch Präsident der Gesellschaft ״Franae-Pa'estine" ist. In der letzten Sitzung der Kammer wurde beschlossen, ihre erste große Kundebung in Anwesenheit von Dr. W'eizmann, Henri de othSchild u. a. zu veranstalten. Es wurde bereits die Verbindung mit dem französischen Konsul in Palästina aufgenommen und die Vorbereitung zur Errichtung einer palästinensischen Abteilung der Kammer zwecks Entwicklung der wirt- ־..achaffllehea^iafihung•«. •«*wiseh®■« F*»«1l1«1rtb1*t1s§ getroffen. •■&■׳ ■ ׳■׳ *.'.. Der Bezalet geschlossen Jerusalem, 7- Dezember (J.T.A.) Nachdem die palästinensische Zionistische Exekutive in Verfolg ihres Spar- Systems der Jerusalemer Kunst- und Kunstgewerbeschule Bezatel die Subvention entzogen hat, mußte diese Schule geschlossen werden. Die Bezalel-Schule war im Jahre 1906 von Professor Boris Schatz begründet worden und konnte vor kurzem die Feier ihres 20 jährigen Bestehens begehen. Der Schule ist das ebenfalls von Professor Schatz begründete jüdische National- Museum angeschlossen, das mehr als 5000 Gemälde, Statuen und andere Kunstwerke enthält. Fallen der Orangenpreise Infolge übereilter Verschiffungen und großer Konkurrenz sind in Liverpool die Preise für palästinensische Orangen auf 9—11 sh pro Kiste gesunken. Die Jaffaer Orangenhändler beschlossen, die Verschiffung von Orangen für 14 Tage eineu stellen. Es wurde ein Komitee gewählt, dem Tolkosvsky, Jakobsohn, Kaganoff und Hellmann an gehören, das die weiteren Verschiffungen regeln so!L (Ziko.) Brief aus Polen Manifestationen für Wefzmann in Galizien. — Tagungen der ״Hitachduth“. (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Anfang Dezember. Dem polnischen Judentum war es leider auch diesmal nicht vergönnt, mit Welzmann längere Zeit zu verweilen, um ihm gegenüber seinen Gefühlen und aktive Anteilnahme am zionisfischen Aufbauwerke Ausdruck zu geben. Aber schon die eintägige Durchfahrt Weizmanns von Deutschland nach Ruminien über Schlesien, West- und Ostgalizien verwandelte sich in eine spontane, überwältigende Huldigung für die zionistische Bewegung und ihren unermüdlichen Führer. Die Bahnstationen auf der ganzen Strecke von Kattowitz bis Kolomea waren von einer koossalen Menschenmenge umlagert. Ueberall erschienen Delegationen sämtlicher zionistischer Organisa tionen und Institutionen, der jüdischen Kultusgemeinden und der Behörden. Weizmann war tief gerührt und erklärte, daß diese Begegnung nach langen Jahren mit kompakten jüdischen Volksmassen, vornehmlich in Polen, wo er seine lugend verbracht hat, auf ihn einen großen Eindruck machte, weizmann versprach, im Juni 1928 Polen für längere Zeit zu besuchen. * In den letzten Wochen hielten die HitachduthOrganisationen in den einzelnen Teilen Polens — auch diese zionistische Föderation ist noch nicht organisatorisch vereinigt — ihre ordentliehe Landestagungen ab. Die Krise der Bewegung in Polen in den letzten zwei Jahren hat auch diesen Teil nicht verschont, obzwar hier mehr dynamische Kraft vorhanden war, als in der Bewegung der älteren Generation. Aus den Berichten auf den Tagungen ist aber zu ersehen, daß Gründe hierfür in Unzulinglichkeiten und Fehlern vornehmlich organisatorischer Natur zu suchen sind. Wo der organisatorische Apparat besser funktionierte, so z. B. in Galizien, ist auch die Hitachduth stärker. Alle drei Tagungen — in Lodz, Krakau und Lemberg — haben auch diesmal der praktischen organisatorischen Arbeit ihr Hauptaugenmerk gewidmet und die neue Leitung, insbesondere in Kongreßpolen mit dem Sitz nunmehr in Lodz, wurde unter der Losung ״Stärket die Reihen“ gewählt. Die Hitachduthkonferenzen haben auch positive Beschlüsse in bezug auf den zu schaffenden zionistischen Territorialverband gefaßt. Es muß aber leider bemerkt werden, daß andere zionistische Föderationen in dieser eminent wichtigen Frage blsnun Stillschweigen bewahren und sogar Gerüchte auftauchen, als ob die gegenwärtige Leitung der Allgemeinen Zi9nisten Kongreßpolens dieser Reform widerstrebe. Im Interesse der zionistischen Sache in Polen Hegt es, sofort an die Schaffung des Territorialverbandes zu schreiten. Wir sind hier schon in die Wahlperiode eingetreten und wäre der Territorial« verband schon da, könnte eine gute Arbeitsteilung getroffen werden. So aber droht uns die Gefahr, daß die aktivsten zionistischen Kräfte in den nächsten drei Monaten vollauf von der Wahlarbeit absorbiert sein werden. In den Beratungen der Hitachduth hat einen breiten Raum die Besprechung der gegenwärtigen Lage in Palästina eingenommen. Mitglieder aes palästinensischen ״Hapo'51 Hazair“, welche gegenwärtig in Polen weilen, Zwi Luft und Zipora Bat Ami, haben ausführlich die Probleme des arbeitenden Erez-Israel behandelt. Die Frage der Vereinigung der beiden großen Arbeiterparteien in Palästina konnte noch nicht offiziell und ausführlich betrachtet werden, da aus Palästina genaue Meldungen fehlten, aber nichtdestoweniger konnte man größtes Interesse für dieses Problem bemerken. Die Meinungen sind geteilt. Die Vereinigung wird gruhdlltzicrp»»cWÄr!l»e• *wehtet man dann weitere Spaltungen auf beiden Seiten in Palästina, und man fragt in den Hitachduthkreisen besorgt, -’־•־-־--י־־—" -י-sbasis gung beider Parteien in der G a 1 u t h beurteilt. Die palästinensisene Wirklichkeit und die jahrelange Zusammenarbeit in der ״Histadruth“ haben im Lande beide Parteien einander nahe gebracht. In der Galuth aber, wo Theorie und Wirklichkeit sich so schroff gegenüberstehen, haben sich letztens Hitachduth und Poale Zion mehr entfremdet als je. Mit vollem Einsatz aller Energie hat die Hitachduth in Polen die hebräische Bewegung in den letzten Jahren, als fast die einzige zionistische Partei, gestützt und entwickelt Das hebräische Schul- und Sprachproblem hat auch bei den letzten Tagungen der Hitachduth einen großen Teil der Beratungen umfaßt. Es wurde wiederum sehr stark die Lösung des Pioniertums auf diesem Gebiete betont und konkrete BesÄlüsse weisen der Partei einen klaren Weg nächster Arbeit. Die SteUung der Partei zu sozial-ökonomischen Fragen hat den Charakter reinen Theoretisierens verloren. Die Partei hat in den letzten Jahren ihre Vertreter nicht nur im Parlament, sondern auch in den Kommunalverwaltungen, in den jüdischen Gemeinden, ist stark vertreten in der jüdischen Kooperativbewegung, beginnt auch in die professionelle Arbeiter- und froßsprecherische Heuchelei des Assimilantcn zu elementarer omischer Wirkung bringt Albert Steinrfick hat sich nicht nur in die Biederkeit, sondern auch in die nationalreligiöse Sentimentalität des Chasket ausgezeichnet hineingelebt Von den übrigen Mitwirkenden sind die gelungenen Charakterfiguren dgr 11 k a G r Q n i n g (Sara), aes Oskar Karl weiß (Moische) und Willy Prager (Rebbe), sowie die reizenden Damen Berthie Hirschlaff (Reseia) und Hanna Ralph (Ztearetten-Miß) lobend zu nennen. Das Publikum, jüdisch una nichtjüdisch, ging willig und erheitert mit Der Jüdische Teil des Publikums Könnte sogar einigen nachdenkliehen Gewinn mit nach Hause bringen. Michael Walter. ״Die Kreatur“ Das zweite Heft der von Martin Buber, Viktor von Weizsäcker und Joseph Wittig herausgegebenen Vierteljahresschrift ״Die Kreatur“ (Verlag Lambert Schneider, BerHn-Dahlem), die dem Ausdruck aes gemeinsam Menschlichen im religiösen Gruredgefühl der drei Bekenntgisse dient, bringt neue Chassidische Geschichten von Martin Buber, voll tiefer Weisheit und religiöser Erkenntnis. Ein Beispiel: Rabbi Jechiel von Alexander fragte einen seiner Anhinger, warum er sich nicht in die Gesellschaft der anderen Chassiaim begebe, sondern immer allein einherziehe. Der Mann antwortete: ״Die Welt sagt: Wer meidet die Leute, hat noch niemals bereut" ״Das ist wahr", sprach der Rabbi. ״Wer die Leute meidet, erlernt die Reue una das Neuwerden nicht“ Aus dem übrigen Inhalt des Heftes nennen wir Joseph Wlttigs autobiographische Betrachtung ״Super aguas“, Rüdolf Ehrenberg ״Gewissen und Gewußtes“, Justus Schwarz ״Die Wirklichkeit des Menschen in Rilkes letzten Dichtungen". Ein Beitrag von Werner Picht ״Internationale Verständigung“, der gegenüber dem einseitig politischen Denken die wesenhaft menschlichen Voraussetzungen einer wirkliehen Völkergemeinschaft, die nicht bloße Fortsetzung jetziger olitischer Formen, sondern?:rundsätzlich Neues sein muß, ervorhebt, — sollte auch von Politikern und Nationalisten gelesen werden. Ausstellung Marek Szware in Berlin Die Kunsthandlung FritzGurlitt, Potsdamer Str. 115, veranstaltet eine Kollektiv-Ausstellung der Reliefs des gegenw&rtig in Paris lebenden Jüdischen Künstlers MarekSzwarc. Es sind 29 seiner schönsten Plastiken zu sehen, unter ihnen Schöpfungen nach biblischen und spätjüdischen Motiven wie Samson und Daltia, Segnung, Boas und Ruth, Joseph, Greisenhaupt, Hagar, der gute Hirte, Kamof, Rebekka, Hagadah, aus Ruth, Prophet u. a. m. Zu der Eröffnung am vergangenen Sonntag fanden sich zahlreiche Kritiker und Kunstkenner Berlins ein, die sich vom Schaffen des jüdischen Plastikers stark beeindruckt zeigten. Ueber Arno Nadel schreibt JuHus Meier-Graefe in der ״Frankf. Ztg": ״Arno Nadel war bisher einem kleinen Kreis nur als lyrischer Dichter und Philosoph und als Dramatiker bekannt. ErstaunIkherweise hat er sich jetzt als reifer Mann auch als Maler entpuppt und binnen wenigen Jahren eine Menge farbiger Kohlezeichnungen geschaffen, darunter bildnishaft* Köpfe von ungemein lebendigem Ausdruck. Dl« Gedankenblässe, die sonst Werke malender Dichter belastet, wird hier mit sicherem Instinkt vermieden, und niemand käme darauf, in diesem das Handwerk gelassen beherrschenden Realisten den Dichter des ,Orpheus‘ und der nicht leicht zu durchdringenden religiösen WeisheHs- Sprüche, die Nadel ln seinem Buch ,Der Ton* gesammelt hat, vor sich zu haben. Eher würde man auf einen ganz jungen Menschen, der di« Welt nur als Maler sieht, schließen. Die Blätter sind bei Felix Stößinger, dem mutigen Verleger der geschriebenen Werke Nadels, ln Verwahrung. — Schwarz- Weiß-Ausstellung der Akademie: Arno Nadels Blätter wurden hier perlen Haft wirken, aber man kann niemandem empfehlen, sich um diese Akademie zu bewerben . . “ Emil Ludwig hat unter dem Titel ״Tom und Sylvester" eine wundersam graziöse heiter-idyllische Versdichtung geschrieben, die er ״ein Quartett“ nennt, so schon den musikalischen Charakter «!deutend. Es ist eine unter der südlichen Sonne des Tessin spielende Liebegeschichte von zwei verschiedenen Männer Charakteren zu einer Frau, deren Beziehung zu beiden mit zartem Humor umsponnen wird. (Verlag Emst Rowohlt, Berlin. 4,50 AL) Eine Familienchronik. Wer schwarz auf weiß nach Hause tragen möchte, was für ein kurloses, unberechenbares Völkchen sein eigenes jüdisches Volk ist, aer lese das Buch von Heinrich K u rt z 1 g: Ostdeutsches Judentum (Eulitz- Verlag Stolp 1927). In dieser Familienchronik wird — offenskhtii h ohne die geringste Retouche — am historischen Material von Briefen und Schriftstücken aller Art der Versuch gemacht, die Zusammenhänge einer Familie bis in ihre äußersten Verästelungen aufzuzeigen. Was sonst allenfalls in S tarn rabaum zeic hnun gen deutlich hervortritt, gewinnt hier höchst lebendige Gestalt: die vielfältigen Beziehungen äußerlieh weit voneinander getrennter Figuren. Seltsamste Erscheinungen finden im Gefüge dieses Familienbildes ihren Platz: em Major der amerikanischen Befreiungskriege, eine westpreußische Dichterin, und ein jüdischer Bischof In Jerusalem! — eine Figur, die man gern als Mittelpunkt einer umfangreicheren Studie sehen würde. Man staunt über die ungeheuren Lebenskräfte, die ein so winziges Gebilde wie eine Familie zu einer derartigen Expansion treiben und die eben die Kräfte des Volkes sind. Man sieht hier auf dem Wege der Ch onik die Fäden bloßgelegt, die das Ganze Zusammenhalten, und wünschte nur, daß noch mehr Bücher dieser Art entstehen würden. Sie könnten uns wertvolle* Material liefern, die Struktur des gesamten Volksorgan Ismus zu erforschen. Alice H o 1 d n e i m. Ueber Psychoanalyse läßt Hans Prinzhorn in einem (bei Niels Kamp mann Verlag, für M. 4.50 erschienenen) interessanten ״Gespräch“ die Frau, den Dichter und den Arzt sprechen, von diesen drei Grundeinstellungen aus wird in tiefgehender, dabei gemeinverständlicher Weise Wert und Bedeutung, aber auch Gefahr und Bedenklichkeit der psychoanalytischen Theorie und Praxis diskutiert und ihre Bleibenden Erkenntnisse mit den Ergebnissen der Charakterologie von Ludwig Klages kombiniert. Das Buch regt zum Denken an una gibt manchen guten Hinweis über diesen Gegenstand, der leider zu sehr banalisiert und sogar als ״jüdischer Schwindel“ umstritten wurde. ״Die Pharisäer“ von Travers Herford erschienen a> eben deutsch von Walt« F i s c h e 1 im Verlag Engel, Leipzig.