Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 98 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 607 Nr, fit, 9.3m 1027־ Aus der Berliner י Repräsentanten-Versammlung Ihn die HlndenlHirg י Spende — Der Gemeinde •Vorstand zensurier* das Prolokoll — Für die Erdbebenopfer In Palästina - Wintersaat und Arbeitslosigkeit Von unserem Berichterstatter. Die Berliner Repräscntantenversammkaig am 5. d. M. begann mit der offiziellen Mitteilung, daß der Oemeindevorstand sich konstituiert hat. Den Vorsitz im Oenieindevorstand führte KommerzienratOerson Simon,der gemeinsame Kandklat der Jüdischen Volkspartei, der Mittelpartei und der Konservativen. Zu stellvertretenden Vorsitzenden sind gewählt die Herren Kammergerlehtsrat Wo! ff und Direktor Georg Kareski. Die Versammlung hatte einen hochpolitischen Auftakt In der ■vorigen Sitzung hatte Direktor Guth mann bemängelt, daß in der Klrschner-Herlltz’schen Enzyklopädie sich auch ein Artikel über Barmat befindet. In derselben Sitzung wurde eine Hindenburgsnende für kriegsbeschädigte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde anläßlich des 80. Geburtstages des Reichs- Präsidenten beschlossen. In der Diskussion hatte sich Prof. Loewe gegen Guthmann gewandt und darauf hingewiesen, daß von weiten Kreisen der Reaktion der Kampf für die Reichsprisidentenschaft Hindenburgs mit dem Schlagwort ״Gegen den Barraat-Sumpf‘1 geführt sei. Die Barmat-Affäre sei also eine historische Tatsache, die in einer Enzyklopädie festgehalten werden müsse. Rechtsanwalt Dr. Klee hatte namens der Fraktion der Jüdischen Volkspartei eine Friedrich-Ebert-Speude be- Die Frleärteh-Ebert-Spende sollte" sozialen Zwecken nutzbar gewidmet sein, ln der Diskussion wandte sich später Dr. Oskar Cohn (s. seinen Brief in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 01) fegen die Hlndenburg-Spende und erklärte, daß er auch in einer bert-Spende, die er nicht für richtig halte, keinen Ausgleich sehe gegenüber der Hindenburg-Ehrung; mit dem Namen Hjridenburg sei die böse Angelegenheit der Judenzählung im Kriege verknüpft Prof. Türk polemisierte insbesondere gegen Dr. Oskar Cohn. Der Gcmeindevorstand hat nun beschlossen, diese politische Debatte aus dem Im Gemeindeblatt erscheinenden Protokoll zu streichen. Hiergegen wandte sich aufs schärfste Prof. Türk, der jede Zensur des Gemeinde- Vorstandes für untragbar erklärte. Für die Jüdische Volkspartei stellte sich Rechtsanwalt Dr. Klee auf den Standpunkt, daß der Gemeindevorstand kein Recht habe, aus den Verbandlungen ihm ungeeignet erscheinende Teile des Protokolls auszumerzen. Er erinnerte allerdings daran, daß früher, z. B. als die Verhandlungen gewisser liberaler Kreise im Innenministerium über den Wahlprotest höchst unliebsames Aufsehen erregten, gerade von liberaler Seite ebenfalls für eine Berichterstattung im Gemeindeblatt eingetreten worden ist Dr. Q s k a r .C o h n erklärte, daß der Standpunkt des öemeindevorstandes eine H e r ~ abdrückung der Reprisentantenversammlung bedeute, Es wurde einstimmig beschlossen, in gemischter Deputation mit dem Gemeindevorstand zu beraten, daß das Wiederkehren eines solchen Vorgangs unmöglich gemacht ,werden könne. Kammergerichtsrat wolff, der zunächst den Standpunkt des Gemeindevorstandes verteidigte, erklärte sich bereit, io Verhandlungen über die zukünftige Behandlung der Frage einzutreten. Ans den vielen zur Verhandlung, gekommenen Vorlagen seiet! einige besonders interessante hervorgehoben: Für dl* Erd- -faewfliÄ» vm 'gesteBf ■ werriei.; für'die :leteligintg in 'Vorarbeiten'für itte Internationale Prease-AussteHung in Köln wurden 3000 M. bewilligt. In Köln Ist bekanntlich eine Sonderausstellung de» jüdischen Pressewesens auf der ganzen Welt in einein eigenen jüdischen Pavillon beabsichtigt ÖJicn breiten Raum nahm der Antrag der Jüdi sc hei• Volkspartei ein, der drohenden, im Winter erfahrungsgemäß steigenden Arbeitslosigkeit der jüdischen Bevölkerung durch rechtzeitige Bereitstellung ausreichender Mittel’zu begegnen und für die ärmste Bevölkerung, insbesondere auch für die Jugend, geeignete geheizte Räume für den Abendaufenthalt zu schaffen, in denen die Besucher auch in der Lage sind, kleine schriftliche Arbeiten zu verrichten und sich beruflich weiterzubilden. Rechtsanwalt Dr. Klee wies darauf , hin, daß schon im vorigen Jahr ein ähnlicher Antrag von der Jüdischen Volkspartei gestellt worden sei und verlangte umfassendste Hilfsaktionen. Er erinnerte an die Arbeitslosendemon- Stationen 1m Vorjahr. Ministerialrat Goslar wünschte vor allem eine größere Publizität der sozialen Einrichtungen. Es genügen nicht Veröffentlichungen im Gcmeindeblaft, sondern es müssen an allen öffentlichen Stellen, namentlich auf den Bahnhöfen und in Restaurants, Plakate vorhanden sein, auf denen simffiehe Wlrmehallen, IGubräume für Jugendliche usw. verzeichnet seien. Herr Loesser (Jüdische Vo'.kspartei) wies auf den Umfang der Kohlenversorgung für die minderbemittelte Bevölkerung hm. Von liberaler Seite beteiligten sich an der Debatte Stadtrat Herzberg und Frau Falkenberg. Es wurde beschlossen, Herrn Rabbiner Dr. Emil Cohn- Grtmewald zum akademisch gebildeten Religionslehrer für höhere Lehranstalten zu berufen. Herr Dr. Cohn behält neben dieser Lehrtätigkeit das Rabbinat in Grunewald weiter inne. Brief ans Nürnberg (Ergänzungswählen in die Kultusgemeinde.) Nach den Bestimmungen der §§ 8, 20 und 21 der Satzungen der Kultusgemeinde hat zum 31. Dezember 1927 die Hälfte der Mitglieder des Vorstandes und der Vertretung aus der Verwaltung auszuscheiden. Banfe hebrfiisdie Bühne imiuiintiiimmiuiiiiiiiiiiimniMimiiniiiiimiimmiiiiiiiiiiiiitmiiiiiiiiiiiiiiiiHuiiu Chanukkah-Veranstaltung der B. Z.V. u. desK. K.L. Sonntag, den 25. Dezember, abends 8'/2 Uhr im großen Festsaal des Ulap, Alt Moabit 4/10 Tänze und Gesinge / Rezitationen / Satiren und Parodien Hassan, ein orientalisches Bild. Unter Mitwirkung von: Frau Bernstein - Kohan vom Theatron Erez Israeli. Jehudit Perke! vom Theatron lwri und Theatron ״Kumkum", Palästina. Meir Teomi von Theatron lwri. Rafael Klatzkin vom Theatron ״KumkumM, Palästina. Ferner hat seine Mitwirkung zugesagt: Herr Iso Golland (Bariton) von der Berliner Staatsoper Eintrittskarten zum Preise von Mk. 2,50 erhältlich im Büro der B. Z. V., MeinekestraSe 10, Bismarck 7165/70, und Vcjrverkaufsstellen, Die Feier findet za Ehren der an diesem Tage stattfindenden Sitzung des Zentral •Komitees statt. Es scheiden zehn Mitglieder der Liberalen Fraktion und fünf der Volkspartei aus, darunter zwei Zionisten und drei orthodoxe Mitglieder. Die Ergänzungswahlen zur Vertretuag sollten Sonntag, den 18. Dezember 1927 stattfinden, vorausgesetzt, daß die Parteien sich nicht einigten, um eine gemeinsame Liste aufzustellen■ Wird nur ein Wahlvorschlag eingereicht, so gelten satzungsgemäß die Vorgeschlagenen als gewählt, unter .Wegfall einer förmlichen Wahl. Bis in die letzten Tage hinein galt es als sicher, daß die bisherigen Parteien zu einer Einigung kommen und die ausscheidendfen Vertreter aut einer Einheitsliste wiederwählen werden. Da meldete sich kurz vor Torschluß eine neue Fraktion, die sich ״Freie jüdische Linke“ nennt. Äh;־, |eht wohl nicht fehl in der Annahme, daß es sich zum kleinsten bei Bekannt werden der* Einigung der beiden Fraktionen" der Gcmcindestube nur ein 'Z13 hatten; eine Wah r muß erzwungen werden. Ferner wollte man mit keiner der bisherigen Fraktionen «in Kompromiß schließen. Wie lange es her Ist, daß man auch bestimmte sachliche Forderungen jüdischen Inhalts, die mit der Jüdischen Gemelnde in Zusammenhang stehen, bei dieser neuen Partei aufgestelit hatte, ist nicht bekannt. Es sollte auch nicht viel bekannt werden, weil man in gewissem Sinne eine Ueberrumpelungstaktik befolgte. Manche Schönheitsfehler und Versäumnisse waren freilieh in der bisherigen Nürnbe-ger Gemeindeverfassung zu konstatieren. Wer aber die Verhältnisse VoS־ zehn Jahren in der Gemeindestube in Nürnberg kannte, muß sich sagen, daß dem früheren Zustand gegenüber heute wesentliche Fortschritte im positiv jüdischen Sinne auf dem Wege triedlicher Arbeit und gegenseitigen Verständnisses und Entgegenkomntens gemacht worden sind. Und soweit noch Wünsche zur Verbesserung vorhanden gewesen sein mögen, sollten auch diese erfüllt Werden. Insbesondere bemühte sich die Jüdische Volkspartei seit ihrem Entstellen, im Bayrischen Gemeinde verband sowohl, als auch in den jüdischen Gerne! ־den den Ostjuden gleiches Recht mit den Westjuden zu verschaffen. Es wird nicht In Abrede gestellt, daß die Jüdische Volks- Partei auf schöne Erfolge hinweisen kann. Ihrer Initiative ist es zu danken, daß der Bayrische Gemeindeverband in seinen Statuten den Ostjuden aktives und passives Wahlrecht tingeräumt hat, und in der Nürnberger Oemeiudestube hatte man bereits das aktive Wahlrecht bewilligt. Das passive Wahlrecht war bisher trotz aller Bemühungen der Volkspartei, aus ganz bestimmten, den Ostjuden gut bekannten Gründen lokaler Art, nicht zu erreichen. Als die neue Partei glaubte, mit dieser Forderung des passiven Wahlrechts für die Ostjuden eine geeignete Wahlparole gefunden zu haben, bestand der Vertreter der Volkspartei darauf, ohne daß die neue Partei irgendwie Kenntnis von diesem Schritt oder Gelegenheit zur Mitwirkung hatte, daß den Ostiuden das passive Wahlrecht mit sofortiger Wirkung zugestanaen werde. Nachdem bisher schon ein ansehnlicher Teil der Liberalen, vor allem der erste Vorsitzende der Kultusgemeinde, Herr Ludwig Rosen zweig, von der Gerechtigkeit dieser Forderung überzeugt war, war eine Einigung zwischen Liberalen und Volkspartci rasch berbeigeführi Und so konnte man der neuen Partei gegenüber darauf hinweisen, daß das passive Wahlrecht der Ostjuden nicht mehr zu erkämpfen nötig sei. Und ebenso zeigten sich die beiden Parteien bereit, der neuen Fraktion einen Sitz zuzugestehen für einen vorgeschlagenen Vertreter ihrer Anschauung, da man übereinstimmend der Meinung war, daß für jede ernste jüdische Anschauung, die von einer größeren Zahl von Menschen getragen wird, in der Gemcindcstubc Raum geschaffen werden solle. Nach dieser Einigen״ mit der neuen Partei konnte man zur Aufstellung einer Einheitsliste kommen, durch die eine förmliche Wahl erspart bleibt. Ab 1. Januar 1928 wird die Gesamtvertretung der Jüdischeu Kultusgemeinde (einschließlich des Vorstandes) aus 33 Vertretern bestehen. 2! Liberale, 10 Volksparteimitglieder, 1 Ostjude, 1 Vertreter der ״Freien Linken“. Wir hoffen und wünschen, daß die Gesamtvertretung der Kultusgemeinde in . ihrer neuen Zusammensetzung auch weiterhin aufs eifrigste bestrebt sein wird, in friedlicher Arbeit und trotz aller Gegensätze zum Segen der jüdischen Gesamtheit zu wirken. Eduard Lsszynski SO Jahre Erst 50 Jahre? wird die alte Garde aus der Herdzeit verwundert fragen; denn vor ihren Augen stehen Jahrzehnte, in denen Leszynski immer ruhig, gleichmäßig, immer abgeklärt für den Zionismus und im Zionismus gearbeitet hat In diesen Jahren haben wir ihn nie himmelhoch jauchzend, nie z®m Tode betrübt gesehen, aber wir haben auch kaum jemals eine Dummheit aus seinem Munde gehört. Was er sprach, war immer zur Sache. Diese besonnene und energische Ruhe zeigte er schon, als er gemeinsam mit Hantke, wollsteiner und mir das erste Zentralbüro der Z. V. f. D. unter schwierigen Verhältnissen begründete und leitete, zeigte er als Weizmaans allergetreuesfe Opposition im ,,Binjan Haarez“ und auf allen Kongressen, anי denen er teilnahm. Diese besonnene Ruhe bedeutet aber nicht, daß in seinem Inneren nicht das Feuer der Zionsliebc geglüht hätte wie bei irgendeinem. Ich erinnere nur an die Hingebung, mit der er seine alte Freundschaft mit dem Hause Herzl durch die Grün• düng des Herzl-Muscums in seinem Heim weiter pflegte. Wolffsöhn wußte wohl, was er 'tat, als er Leszynski an erster Stepp zum Pfleger seines den monistischen Idealen geweihifh י Vs n#gens, «achte, und wenn die Universitit8Äf»tt#k.2il " |^Äiln-*rf»iit, * hat sie das nächst; ,RpHOi'*־ 3ski zu danken. Audtein skizzenhaft«»^ ... 5n. Für ihn waten 'die:relijiäse uad-Sfcl!iir:Änsliöflä1n1g'niemals .Gegensätze, sonderä Ä. .... Teile.'"'Manchem galt er deshalb schon vor Jahrzehnten.:.., unmodern. Vor 27 Jahren sagte mir auf der Rückfahrt von V. Kongreß ein heute in Jerusalem lebender führender Hebrilit mit Stolz, religiöse Akademiker wie Lessynski und Oronenuunt könnten in Rußland nicht Vorkommen. Schon 53 Jahre? So wird die jüngere Generation verwundert fragen, die ihn mit jugendlicher Elastizität bei der Arbeit sieht, und so dürfen wir ihm hoffnungsvoll weitere Jahr• zehnte treuer Arbeit für das jüdische Volk wünschen. E. Simonson. Die Reaktion in der Wiener Jüdischen Gemeinde Wien, 4. Dezember. (J. T. A.) Der Vorstand der Wiener Israeli Ischen Kultusgemeinde hat nach einer »iOrmischen Debatte mit 16 gegen 15 Stimmen den neuerdings von den Zionisten und Poale-Ztonlsten gestellten Antrag auf Einfüllung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes für die Gemeinde abgelehnt. Das derzelüge Wahlrecht ist von der Leitung einer Kuitussteuer hs einer gewBren Höhe abh'ngig; viele Tausende Juden Ad darum nicht wahlberechtigt. «MÖGEN 0WAIISM In der Berliner Philharmonie Herr Alexander Weinbau«, der dem Berliner Musikpublikum als Leiter des ausgezeichneten ״Typographia- Chores“ bekannt ist und als einer der besten Chördirigenten der Berliner Jüdischen Gemeinde gilt, hatte die gute Idee. Werke synagogaler Musik mit einem, großen Chorapparat aufzuführen. Er versammelte aus den Verbänden der hiesigen Synagogen Chöre, 130 Männer und Frauen, und am 4. Dezember ertönten auf dem Podium der Berliner Philharmonie in mächtigen Klängen die jüdischen Gebete des unvergeßlichen Hirsch Weintraub, des großen Königsbergers Eduard Birnbaum, von Arno Nadel u. a. Es war eine Freude, das musterhafte Wein trau bische ״Kol-Nidre“ in einer so soliden und technisch gut vorbereiteten Chorbesetzung zu hören. Es war die Glanzleistung des ganzen Abends. Hier hat Herr Weinbaum sich als Musiker und Chorleiter von Format legitimiert. Er beherrscht seine Chormasse mit souveränen Mitteln. Leider war die Auswahl des Konzertprogram in es nicht auf der Höhe der Weinbaumschen Dirigentenleistung. Die jüdische liturgische Literatur ist nicht so arm, daß man sie mit dem mittelmäßigen ״Adon Aulom“ von Wenzel Würfel (selbst wenn dieser kein Jude ist) oder mit dem ״Uwnucho Jaumar“ ä capella von Giacomo Meverbeer,; in dem keine Spur jüdischer Melodik oder jüdischen Empfindens zu fühlen ist, vertreten lassen muß. Uninteressant ist auch das Kantor-Solo ״Haschkivvenu“ von Weißmann, ein Gemisch von geschmacklosen Chasonischen ״Sogacfrtz“ mit trivialem Chorstil. Erhebend waren dagegen ״Die Gesänge Hiobs“ des greisen Leiters der Berliner Singakademie, Prof. Georg Schumann. Dieser Altmeister des Chorgesanges versteht wie wenige für Chorstimmen zu schreiben. Aber muß man überhaupt bei einem so selten stattfindenden Synagogenkonzert, bei Verwendung eines so großen und ausgezeichneten Chorapparates (was bei jüdischen Konzerten eine besondere Seltenheit ist), das Programm mit Brahms, Liszt, Händel, Schumann und — ausgerechnet Würfel füllen? Ist unsere eigene liturgische Musik wirklich so arm? Reichen die Schätze von Lewandowski. Sulzer, Weintraub. Nowakowsky, Gerowitsch, Naumberg u. a. nicht für ein interessantes, künstlerisch-eigenartiges und wertvolles jüdisch es Konzertprogramm? Und nun zu den Nadel’sehen ״Wajchufu-Baruch- Mögen owaus“. Seit 20 Jahren arbeitet Arno Nadel — dieser tiefe und vielseitige Künstler — im Aufträge der Berliner Kultusgemeinde an der Reform des Synagogengesanges. Sein ״Kompendium“ der besten Muster unserer Liturgik ist teilweise schon vollendet und enthält unschätzbare Werte tüdisch-relfgiösen Schaffens. Nadels eigene synagogale Kompositionen sind deshalb als Werke niclit nur selbständig musika'ischer, sondern auch sozusagen programmatischer Natur zu betrachten. Als solche sind sie ohne Zweifel sehr wertvoll, wenn auch im Sinn der öfteren Unklarheit des Nussach- Stiles nicht immer absolut zufriedenstellend. Die Kompositionen bedeuten aber einen wichtigen Schritt vorwärts zur Ueber- Windung der bedauerlichen Erstarrung der jüdisch reformierten Synagogen-Musik, die den allgemeinen Aufschwung des jüdisehen Lebens nicht mitgc-nacht hat. Darum verdienen sie die wärmsten Sympathien. Die drei Nadelschen Gebete kamen unter Welnbaums sicherer Leitung zu bester klangschöner Wirkung. Der Solist des Abends, Herr Oberkantor Leo G o I - Tan in, sang seine Solis mit jener hohen Vortragskunst, die diesen echten Künstler auszeichnef. In dem Psalm 137 von Liszt legitimierte sich die junge Hilda Lind als Mezzo- Sopranistin mit frischer und klangvoller Stimme, die außerdem eine gute Schule verrat Stephan Frenke! spielte glänzend die Baal-Schem-Suite von Bloch und ein entzückendes jüdisches Berceuse von Joseph Achron. Weinbaum, Leo OoIIanin und besonders Arno Nadel mußten immer wieder für die herzliche Aufnahme und den warmen Beifall danken. Hermann Swet ״Habimah“ in Amerika liew York, 22. November. (LT.A.) Der Teil des Ensembles des hebräischen Theaters ״Hablmah“, der nach der letzten amerikanischen Oastspieltour ln New York verblieb, und sich unter der Leitung des Direktors Zemach ergänzt hat, hat in dem Neighbourhood PlayHouse mit einer Aufführung von Richard Beer Hofmanns ״Jaak obs Traum“ die Saison eröffnet Zahlreiche führende jüdische Persönlichkeiten, unter ihnen Herr Felix M. Warburg, wohnten der Vorstellung bei. Die große amerikanische Presse zollt den Leistungen des En- *emtxei bete Lob. Aim§ Palllfcre Deutsch Wir haben in Nr. 41/42, etwa vor einem halben Jahre, eine ausführliche Würdigung des inzwischen berühmt gewordenen Buches ,,Le sanctuaire inconnu“ von A i m £ Pallifcre aus der Feder des bekannten französischen Dichters An dre Spire gebracht, worin die große jüdisch-religiöse und dichterische Bedcutung dieses Bekenntniswerkes dargestellt wurde. Nunmehr ist das Buch auch in deutscher Sprache erschienen, als eine willkommene Gabe des segensreich zur Verbreitung guter jüdischer Bücher wirkenden Heine-Bundes. (A i m e P al li e re: ״D a s unbekannte H c i 1 i g t u in“. Aus dem Französischen von Z. Holm. Mit einem längeren Vorwort von Rabbiner Dr. L. Bacck. 28S S., holzfreies Papier. In Ganzleinen gebunden. Dritter Band der ersten Jahresreihe des Heine-Bundes, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 9, Linkste. 39. Mitgliedsbeitrag für die vier Jahresbände: 14 Rin.) So hat jetzt auch der deutsche Leser Gelegenheit, den merkwürdigen Weg eines Mannes, der aus streng katholischer Umgebung, durch allerlei Schicksale zum Judentum geführt wurde und heute ein leiden- ' schaftlicher Führer des französischen Judentums und glühen- ■ der Zionist ist, kennen zu lernen. Die deutsche Ausgabe ist { ausgezeichnet durch ein Vorwort von Dr. Leo B a e c k, der 1 das Buch ü. a. mit folgenden meisterhaften Sätzen charakterisiert: ״Der Mensch, von dem das Buch spricht, ist immer nur zu einfachen Menschen und schlichten Ereignissen in Beziehung gesetzt; das Große kommt nur von den Gedanken her, die groß gedacht sind. Diese Bescheidenheit und Reinheit, diese wahre Demut, die sich auch in der bleibenden Ehrerbietung gegen die Religion zeigt, von der dieses Menschen Religion fortgeführt hat, ist für das Buch kennzeichnend. Die absientslose große Sachlichkeit, «las Unartistische und Unspiclerische gibt ihm seinen Gehalt, seine Besonderheit“ — Wir wünschen dem Buche in Deutschland denselben Erfolg, den es in Frankreich gehabt hat. _ Das Neue Deutsche Reich. Soeben erscheint im Verlag Woltgang Jeß in Dresden ״Das neue Deutsche Reich“, von Och.-Rat Dr. Schulze, Leiter der Sächsischen Staatskanzlei. Das Werk nimmt Stellung zu allen jetzt offenen innerpolitischen Fragen und wird durch seine leidenschaftslose Darstellung der zahlreichen Probleme für weite Kreise von Bedeutung sein.