Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 98 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 896 JUEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. SS, O.XB 1927 Zur ״Vorgeschichte des Zionismus"9) Der Zionismus — selbst der Kongreßdomsmus! — Ist nun* mehr dreißig Jahre alt geworden; er Ist aus einem hoffnungstrunkenen Jüngling ein kampfgewöhnter Mann geworden; und immer noch war die Forderung des Heute und des Morgen allzu dringend und lebenbeherrschend, als daß die Forderung des Gestern hätte erfüllt werden können — die Forderung, die unser Lehrer Moscheh meinte, als er verlangte: Gedenk der Tage der Urwelt faßt die Jahre, Oeschlechi um Geschlecht deinen Vater frag’, der dir’s melde deine Alten, sie sprechen dir’s zu. . . . jet/t erst hat es Dr. N. M. Q e! be r, der rühmlich bekannte Historiker, unternommen, diese lang versäumte Ehrenpflicht zu erfüllen; ln richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit seiner Aufgabe hat die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation ln London zur Herausgabe des Buches, das im Phaidon-Verlage in Wien erschien, beigetragen. Freilich ist sich Gelber selbst dessen bewußt, daß sein Buch «ur einen geringen Teil der großen Aufgabe erfüllt. Der Wunsch der Juden nach einem eigenen Staate ist genau ge* nommen so alt wie der Verlust dieses Staates selbst — nicht umsonst wird am Tisciiah be Aw der Auszug aus Aegypten, der Beginn der jüdischen Eigengesetzlichkeit immer dem Auszuge aus Jeruschalajim, dem vorläufigen Ende des jüdischen Staates, gegenübergestdit. Schon in den ersten Jahrhunderten nach der Vertreibung aus der alten Heimat begegnen wir immer wieder einzelnen Versuchen, ‘die alte nationale Selbständigkeit wiederzuerringen. Bar Kodiba und der geistige Führer seiner Revolution Rabbi Akiba kämpften und starben danun. David Alroy aus Ainadia, der ״Fürst der Gefangenschaft“, und seine kühnen Pläne ״Israel mit Ismael zu vereinigen“ sind uns durch den Roman Disraelis, der in Alroy eine Zeitlang selbst eine Art Wunschbild seiner verirrten Judenseele sah, wieder vertraut worden. Der spanische Finanzminister Don Isaak Abrabanel spricht davon, daß ״die Völker selbst uns bei der Wiederbesdzuitg des Heiligen Landes ihren mächtigen Beistand leisten werden“. Don Joseph Nassi, hochangeschen am türkischen Hofe, verlieh dann dem Judenstaatsgedanken realere politische Form (um 1553). Schon sein Ziel war die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina auf der Grundlage einer Auto rtomie Daneben erscheint immer ■wieder die Nachricht von einem bereits existierenden selbständigen jüdischen Staate mit jüdischem Fürsten und jüdischer Obrigkeit, als ein Symbol der nimmer verlöschenden Sehnsucht; Chasdai ihn Schaprut will allen Glanz seiner Stellung in Cordava hingeben, wenn er dem jüdischen Könige ins Antlitz schauen darf. Gewiß, es wird ihm eine Enttäuschung zuteil: König und Volk sind fremden Blutes; aber das Chasarenreich Ist trotzdem ein jüdischer Staat und offenbart in der Bekehrung eines ganzen Volkes die Kraft religiöser Expansion, die dem Judentum innewohnte. Reubeni und Salomo Molcho haben zum mindesten ihre Zeitgenossen vom Dasein eines jüdischen Reiches überzeugt; und die immer wiederkehrende Erscheinung des sogenannten falschen Messias (warum eigentlich falsch? fragte Brod einmal) schürte die Flamme. Von allen diesen Hoffnungen und Entwürfen, die ja doch allzumal zur Vorgeschichte des Zionismus gehören, spricht Gelber mitBedacht nicht oder nur, im Vorübergehen. Sein Buch beginnt 'erst mit dem Jahre 189fr/ da Öliger Paulli an den enge tischen König Wilhelm II. in einer Denkschrift die Forderung nach der Wiederherstellung des jüdischen Staates richtete. Denn um diese Zeit beginnt ein neuer Typus von Judenstaats־ planen zu erstehen. Auf lange Zeit hinaus sind es nun nicht mehr Juden, die in religiöser Sehnsucht die Verwirklichung der Verheißung herbeiführen wollen; fast scheint es jetzt, als ob die Prophezeiung des Don Joseph Nassi Wahrheit werden solle und die Völker selbst ihre Hilfe zur Wiederaufrichtung des jüdischen Staates darbieten wollten. Wer aber sind diese nichtjüdischen Förderer und Vorkämpfer des künftigen Judenstaates? — Es bilden sich unter ihnen in den verschiedenen Zeitabschnitten verschiedene Gruppen, deren Psychologie im einzelnen zu erforschen kulturgeschichtlich nicht uninteressant sein würde. Da ist der reichste Kaufmann Dänemarks, Öliger Paulli, der unter den Einfluß der Chiliasten gerät und in nächtlichem Gesichte die Aufgabe erhält, für die Wiederherstellung des jüdisehen Staates einzutreten, damit dem ״umherlaufenden Juden Ahasverus“ der Weg nach Jerusalem gebahnt würde. Bei den Königen von Frankreich, England, Deutschland wirbt er für diesen Plan, den er im Notfälle auch kriegerisch durchführen will; wird erst gefeiert, dann als phantastischer Grillenfänger verachtet. Aber seine Gedanken leben wieder auf in drei sonderbaren Gesellen: dem Marquis de Langallcrie, dem Pastor Juricux, mit dem sich die Amsterdamer Rabbinen eingehend auseinandersetzen, und schließlich dem tapferen General Herrmann Moritz von Sachsen, dem Sohne des Königs von Polen und der Gräfin Königsmarck, der, als es keinen Krieg mehr gab, in Südamerika einen Judenstaat gründen und sich zum König ausrufen lassen wollte. Es mag übrigens wundernehmen, daß Gelber dies Gerücht, das von den neueren Biographen des Moritz von Sachsen ins Reich der Fabel verwiesen wird, über• haupt erwähnt. Immerhin ist es bezeichnend dafür, wie nahe den Menschen dieser Zeit der Gedanke vom Judenstaat lag. Damit ist zunächst die Zeit der Mystiker unter den Judenstaatlcrn abgeschlossen; das 18. Jahrhundert bringt in seiner zweiten Hälfte zuerst den Versuch, das Problem von der politischen Seite aus zu erfassen. Wenigstens dürfen wir diesen Versuch in einem Plan vermuten, dessen Ausarbeitung wahrseheinlich nur vom Schreiber und vom Empfänger gelesen wurde und dann spurlos verschwand und dessen Urheber wir bis heute nicht kennen. ״Moses Mendelssohn und ein Judenstaatsprojekt“ heißt das geheimnisvollste Kapitel des Gelberschen Buches — dessen Dunkelheiten aber freilich auch Gelber nicht zu lichten vermag. Es handelt sich um den immer noch rätselhaften Brief Mendelssohns an ״einen Mann von Stande“. Wie bekannt, hatte Mendelssohn von einem Unbekannten ein verschlossenes Paket erhalten, das von einem Schreiben des Direktors der Kgl. Hauptbank, Koes, begleitet war und nach den Angaben im Begleitbriefe des Unbekannten eine Abhandlung über das Judenproblem und seine Lösung enthielt. Bedingung für die Liebergäbe war: daß Mendelssohn die Beilage nicht eher lesen solle, als bis er allein in seinem Zimmer sei; daß er nicht nach des Schreibers Namen und Art forschen dürfte; schließlich, daß er im Falle der Ablehnung über den Inhalt Schweigen bewahre. Aus Mendelssohns Antwort nun können wir den Inhalt der Beilage rekonstruieren. Denn Mendelssohn antwortet offenbar auf den Plan eines Judenstaates. Seine Antwort ist eine höflich¬ *) ״Vorgeschichte des Zionismus, Judenstaatsprojekte, 1696 bis 1845,“ Phakkra-Verlag, Wien, G.-L. 8,50 M., or. 6,— M. milde, doch entschiedene Ablehnung. Freilich ist ihr Schluß fast prophetisch zu nennen: erst durch einen Weltkrieg, so meint der Schreiber, könne die Möglichkeit des Judenstiates gegeben werden. Der ganze Brief Mendelssohns ist in seiner Schwäche und seiner Weisheit ein getreues Abbild des Mannes, der wie sein Briefwechsel zeigt, damals fast der Beichtvater des gebildeten Deutschland zu nennen ist. — Wer aber war der ״Mann von Stande“? — Wem könnte man unter den adligen Herren Deutschlands (denn das bedeutet doch wohl die Hinzufügung) diese lebendige Teilnahme an der Zukunft Israels Zutrauen? — Unter der Flut der Briefe, die den Briefband schon ln der alten Ausgabe der Werke Moses Mendelssohns (Leipzig, Brockhaus, 1844) fast zu dem lehrreichsten seiner Bücher machen und die in der 1929 erscheinenden Jubiläumsausgabe der Werke Mendelssohns noch reichlich vermehrt erscheinen werden, findet sich auch ein von Gelber nicht herangezogener Brief des Reichsfreiherrn v. Monster an Mendelssohn (a. a. 0-, Bd. V, 623 ff.), in welchem es sich um ein ähnliches Projekt eines zu gründenden jüdischen Gemeinwesens handelt. Freilich ist hier nicht von Palästina die Rede, sondern von einer in Deutschland selbst zu errichtenden jüdischen Kolonie. Ob diese beiden Briefe wohl zusammengehören? ob vielleicht der ״Mann von Stande“ dem Kreise Monsters angehörte (wenn sich hinter ihm mit der bekannten Geheimnistuerfel des 18. Jahrhunderts nicht etwa Monster selbst verbarg!) — jedenfalls einem Kreise, wo man Wesen und Zukunft der Juden häufig und eifrig besprochen haben muß? — Es wäre nicht ohne Reiz, dieser Vermutung einmal nachzugehen. Im Zeitalter der Aufklärung scheint der Plan, den umherirrenden Juden wieder zu ihrem Staate und ihrem Lande zu verhelfen, überhaupt ein Liebüngsgedanke der gebildeten Welt gewesen zu sein. Sehr bezeichnend: nicht als ein politischer, sondern vielmehr als ein philosophischer Gedanke, der für die nahe bevorstehend geglaubte Weitversöhnung durch die Vernunftreiigion als notwendig erschien, wird dieser Plan damals aufgefaßt. So etwa stellt sich dem geistreichen Weltmanne, dem Fürsten von Ligne, dem Freunde der Berliner Jüdinnen, der Gedanke dar; er hat ihn in einer Denkschrift auseinandergesetzt, die er seiner Freundin der Baronin Orotthus, die als Mädchen Sara Meyer hieß, widmete. Ganz andere Züge trägt dann die Judenstaatspolitik Napoleons * die das Geschlecht, das.den Weltkrieg erlebte, verdächtig an die deutschen Proklamationen an die Ostjuden erinnert. Als Napoleon 1799 vor Akko liegt und ihm alles darauf ankommt, Syriens Bevölkerung gegen die Türkei aufzuhetzen, läßt er eine Proklamation an die Juden ergehen, in welcher er sic, wie eine Notiz im Moniteur schreibt, auffordert, sich unter seine Fahnen 7u scharen, um mit ihm das alte Jerusalem wieder zu befreien. Es ist ja bekannt, wie seine spätere Politik diesen Judenstaatsgedanken, völlig aufgab und die Lösung der Judenfrage in vollkommener Assimilation sah. ״Le« Juifs s’assimferont peu a peu aux Fram;ais“ schrieb er selbst; und wahrseheinlich ist auch die bekannte Erklärung der Notabelnver- Sammlung durch ähnliche Ansichten des Machthabers beeinflußt worden. Der Raum verbietet es zu unserem Bedauern, auf die Judenstaatspläne im Anfang des 19. Jahrhunderts genauer einzugehen: auf die merkwürdige Staatsgründung ״Ararat“ des amerikanischen Juden Mordechai Noah, und auf die aus der •! rflistocbfeB 'RevÄfio»ftamÄ«ndeB־Fi!ne d^rPe^abfifden.^ipeji^ Darstellung von kundiger Häüd Tfns besonders ffartkenswert“ erscheint Höchst lehrreich ist gerade in der Entwicklung du sonderbaren Mordechai Noah jene Wandlung zu verfolgen, die sich zwei Menschenalter später im Zionismus vollzog: von der Kolonie Ararat (dem Vorläufer des afrikanischen ״Nachtasyls“) entwickelt sch Noah zum ausschließlichen Palästinismus. In seinen letzten Kundgebungen erkennt er als einzig« Lösung der Judenfrage die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina. Damit wird er zum ausgesprochenen Vorläufer Theodor Hcrzls. Mit dem ״Krimprojekt“ des Jahres 1811 schließt Gelbers Buch, von dessem überreichen Inhalt wir hier nicht viel mehr als einen Begriff geben konnten. Die Darstellung des Autors wird in höchst dankenswerter Weise durch Beilagen ergänzt, welche schwer zugängliche Dokumente im Wortlaut wieder• geben. Mit Dankbarkeit begrüßen wir das große Unternehmen des gelehrten Verfassers, wenn es uns vielleicht auch mehr durch die Fülle seines Materials als durch die Weite seiner geistesgeschichtlichen Perspektiven befriedigt. Hier sind — höchst wertvolle — Bausteine zur Vorgeschichte des Zionismus. Vielleicht braucht es einen Späteren, um aus ihnen ein Gebäude zu errichten. . Das schön gedruckte und geschmackvoll ausgesiattete Buch krankt an einer Fülle von Druckfehlern, die eine hoffentlich bald erforderliche zweite Auflage sicher beseitigen wird. Dr. B. Badt-Strauß. Arbeitersehnfz in Pallstina ״Official Gazette“ veröffentlicht den Gesetzentwurf hetreffend den Schutz von F rauen und Kindern in Industrie und Gewerbe. Bekanntlich führt die Judenschaft Palästinas seit langem Klage darüber, daß es im Lande noch keine Arbeitergesetzgebtmg und keinen Frauen- und Kinderschutz gibt. Das nun veröffentlichte Gesetz gibt dem Oberkommissar Vollmacht, die erforderlichen Anordnungen zu treffen und eine Liste gesundhcitsschädlicher Industrien anrulegen, in denen künftighin Frauen und Kinder nicht beschäftigt werden dürfen. Nach dem Entwurf ist ferner die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren sowie die mehr als täglich achtstündige Beschäftigung von* Kindern unter 16 Jahren verboten. Eine regelmäßige Fabriks- und Werkstätteninspektion ist vorgesehen. Die Vorschriften des Gesetzes haben für die Landwirtschaft keine Geltung. Die ungarischen Orthodoxen und der Zionismus Wien, 5. Dezember. (J.T. A.) Der Oberrabbiner der Pester orthodoxen jüdischen Gemeinde, Oberhausmitglied Koppel Reich, stellt in einer Zuschrift an die ״Neue Freie Presse“ die Meldung von dem Stattfinden einer Konferenz orthodoxer Rabbiner Ungarns in Abrede. Damit wird auch, fährt Rabbi Koppel Reich fort, die Mitteilung illusorisch, daß sich c ne orthodoxe Rabbiner-Konferenz mit dem Zionismus befaßt habe. Das Dementi von Rabbi Koppel Reich bezieht sich auf die auch von uns wiedergegebene Mitteilung der ßudapester Zeitung 8״ Ora Ujzag“, wonach eine Konferenz orthodoxer Rabbiner Unberufen werden soll, um zu beschließen, diejenigen ■ Mitglieder orthodoxer Gemeinden, die der zionistischen Bewegung beitreten, in den Bann (Cherem) zu tun. Die palästinensische Unterrichts-Verordnung Jerusalem, 4. Dezember, (J. T. A.) Colonel Symes, der Chefsekretär der Palästina-Regierung, hat einer bei Ihm versprechenden Abordnung des Waad Leuml mitgeteilt, daß die Regierungsverordnung Ober den Unterrieht, gegen die die Judenschaft, einschließlich der Agudas J'sroei, Einwände erhoben hatten, vorläufig nicht in Kraft tritt Die Regierung wird das Gesetz abändern und dabei die von allen Seiten erhobenen Einwände berücksichtigen. Jerusalem, 1. Dezember. (J.T.A.) Der Verband hebrfiiseher Lehrer in Palästina hat beschlossen, seine Mit* glieder zu besteuern, um die Mittel zur Wieder• eröffnung der aus Sparsamkeitsgründen geschlossenen Schulen auf zubringen. Die Lehrerschaft will auf diese Weise 3200 Pfund beschaffen, eine Summe, die ausreichen würde, die nicht mehr eingeschulten Kinder wieder der Schule zuzuführen. Ein neuer Leiter des hebräischen Schulwesens Jerusalem, 4. Dezember. (J.T.A.) Dr. isaac B. Berkson, ela in New York sehr angesehener Fachmann auf dem Gebiete der Erziehung, ist zum Direktor des Unterrichtsausschusses der palästinensisch-zionistischen Exekutive und damit zum Leiter des gesamten hebräischen Schulwesens io Palästina ernannt worden. Er ist bereits zusammen mit Miß Henrietta Szold der Präsidentin der Hadassah und Mitglied der palästinensisch-zionistischen Exekutive, in Jerusalem eingetroffen. Dr. Berkson ist seit dem Jahre 1911 auf dem Gebiete des jüdischen Erziehungsweseas ln Amerika hervorragend tätig. Er war Direktor des Central Jewish Institute in New York und Inspektor des Schulwesens und des Forthildungswesens des New Yorker Büros für jüdischen Unterricht. Er war auch Dozent für Pädagogik am Jewish Institute of Religion. Mit dem Eintreffen von Miß Henrietta Szold weilen bereits alle drei vom XV. Ziomsten-Kongreß gewählten Mitglieder der palästinensisch-zionistischen Exekutive in Jerusalem. Colonel Kisch und Dr. Harry Sacher waren vor Miß Szold in Palästina eingetroffen. * Die neue Exekutive ist entschlossen, die Verwaltung י des Erzichungswesens gründlich zu reformieren. Eine Lieberraschung bildet die Ernennung efnes neuen Er- Ziehungsdirektors, den Miß Szold aus Amerika mitgebracht hat. Miß Szold ist innerhalb der Exekutive Reterentin für Erziehungswesen und sie hat die von ihr in ihrer letzten Rede dargeiegten Grundsätze (siehe vorige Nummer der ״Jüdischen Rundschau“) bezüglich der Ernennung fachminnischer Ressortleiter offenbar sofort in die Tat umgesetzt. Zuletzt war bekanntlich Dr. Lurie Chef des Er- Ziehungsdepartements, doch hat er schon vor einiger Zeit sein Amt niedergelegt und sich insbesondere außerstande erklärt, die notwendigen Kürzungen durchzuführen. Seit der Demission Dr. Luries war das Departement verwaist. Der neue Erziehungsdirektor, Dr. Berkson, ist der zionistischen Oeffentlichkeit Europas unbekannt, wir hoffen jedoch, daß die Wahl von Miß Szold aut den richtigen Mann gefallen ist Einem tüchtigen Administrator, der zugleich voll« Verständnis für die nationalen Bedürfnisse und die Eigenart unseres Kulturproblems hat bietet sich hier eine außerordent- 1 liehe, Ja ,,ih,re|';'W|d|titk:eÄ: gaj־ picht!genug, hoch ein»!* schätzende־ ÄüfgaK'־־׳ ״:'l’1'”"׳ ' '־‘';:־'• .־' ־'־ ־"'l"'*? Joset TreldeÜ’] Aus Palästina erhalten wir die Trauernachricht, daß Ing. Josef Treidel am 29. November tot auf dem Karmel aufgefunden wurde. Der Verblichene, der ira 55. Lebensjahre stand, wurde an der Seite seines jüngeren Bruders Alfred in Kinereth beigesetzt. Wir haben Prof. Warburg gebeten, uns über Leben und Arbeit dieses aus Deutschland stammenden verdienten Palästinensers eine Würdigung zu geben. Red. Soeben wird uns die traurige Kunde, daß JosefTreldel nicht mehr unter den Lebenden weilt. Damit ist wieder einer der wenigen älteren Pioniere dahiagegangen, die nach Palästina gingen, um ihre Arbeit dem Wiederaufbau des Landes zu widmen, ohne an ihr eigenes Fortkommen zu denken, nur der Sache wegen, und ohne daß sie die Protektion des Barons oder irgendeiner gemeinnützigen oder charitativen Institution in Anspruch nahmen. ln Mayen in der Rheinprovinz geboren widmete er sich dem Studium der Landmeßkunde und siedelte sich dann in Palästina an, wo er viele Jahre der einzige in den modernen Methoden ausgebildete Landmesser war. So ist sein Name mit der neueren jüdischen Kolonisation aufs engste verbunden, wurde er doch, weil man sich auf die Exaktheit seiner Arbeiten und vor allem auf seinen unbestechlichen, geraden Charakter durchaus verlassen konnte, bei den meisten jüdischen Landeswerbungen mit der Vermessung beauftragt Auch erhielt er einen ehrenvollen Auftrag, Vermessungen in Ostafrika zu machen als Grundlage eines großen Bewässerengs- und Entwässerungspro'ektes. Treidel war aber nicht nur ein Vermesser des Landes, sondern auch ein wirklicher Pionier. Wenige Leute im damaligen Palästina kannten das Und so gut wie er, der, ein intimer Freund von A. Aaronsohn, das Land auch vielmals mit ihm gemeinsam durchstreifte. Besonders die Gegend des Tiberiassees war seine Domäne, dort kaufte sich auch sein Bruder an, und bei der Erwerbung des schönen Gutes Migdai war er durch seine Landeskunde behilflich. Für die Zionistische Organisation unternahm er auch eine topographische Erkundungsreise des Hule- oder Meromsees. Obgleich der zionistischen Sache von Herzen ergeben, sagte ihm doch die damalige, fast rein politische Richtung der Bewegung wenig zu, und auch persönlich fühlte er sich, und zweifellos mit Recht häufig zuiückgcsetzt, so daß er ebenso wie sein Freund Aaronsohn allmählich fn eine Art Opposition- Stellung zum offiziellen Zionismus geriet. Diese Verbitterung zeigte sich in einer gewissen Herbheit gegen die Umwelt und zunehmendem Sarkasmus, besonders aber darin, daß er sich immer mehr von der Geselligkeit zurückzog. N’ament.ich nachdem er nach dem Tode seines Bruders den Besitz desselben am Tiberiassee verwaltete, beschränkte er seinen Verkehr auf seine näheren Freunde und fühlte sich am woblsten allein mit seiner Frau und den zwei Kindern auf dem schönen Landsitz und in dem sich prächtig entwickelnden Orangenhain am See jedoch gab er seine berufliche Tätigkeit nicht auf, und leitete insbesondere die Vermessungsarbcitcn der Ruth'enberg-Oesellschaft südlich vom Tiberiassee sowie auch die der Haifa Bay Co, Ueber die Todesursache wissen wir nichts näheres. Mit s iner Familie trauern seine Freunde u׳n diesen wirklich edlen, aufrechten Menschen, und in der Geschichte der Kolonisation Palästinas wird sein Name ehrenvoll aufbewahrt bleiben. Otto War bürg.