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Jüdische Rundschau · 1927-12-09 · Heft 98 (9.12.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 98 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 094 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 9. XU. 1927 Diese Gefahr besteht darin, daß wir, abgeschnitten und ausgerodet aus der fruchtbaren Tiefe des allein lebenspendenden Bodens, verdorren müssen, wenn wir nicht den Rückweg zur Erde finden. Wir Juden fühlen uns bis auf den heutigen Tag noch als das Volk der Religion, als das Volk der Religion, welche als praktische Aus- Wirkung des Glaubens an den einzigen Gott den Gedanken einer alle Völker zur Einheit umschlingenden Menschheit gefunden hat Aber gerade, wo es uns darum Emst ist, wo uns die Lehre zu einem wirklichen Leben wird, empfinden wir voller Sehnsucht und voll tiefsten Schmerzes, daß nur in natürlicher Volkhaftigkeit menschlichen Daseins, in dem breit verankerten, von Gott und Natur gewollten Aufbau, der von der Arbeit am Boden zu himmelanstrebenden Gedanken steigt, die Möglichkeit eines instinktsicheren, gesunden, triebkräftigen und damit auch religiösen Lebens liegt. Weil es uns um jüdische Weltanschauung, um jüdisches Lebensgefühl, um den Geist Jüdischer Religiosität Ernst ist, müssen wir danach trachten, zuerst wieder einmal eine Lebens- Wirklichkeit überhaupt zu schaffen. Die Lebenswirklichkeit, die wir liier meinen, ist aufs festeste verklammert mit echter Volkhaftigkeit, mit einem menschlichen Dasein, in welchem der Einzelne aus einem breitgefügten und natürlich geschichteten Volkswesen hervorgeht Das aber ist es, was uns Juden bei der Gestalt der sozialen Assimilation, die wir erlebt haben, am meisten fehlt. Eingesprengt einigen wenigen städtisehen, ja heute schon nur fast noch weltstädtischen Klassen und Berufsständen, mit den diesen eigentümliehen Gesinnungsarten und Lebensgefühlen, verbluten wir in wörtlichem Sinne, weil uns der fruchtbare Zufluß frischen Blutes von den breiten, bodennahen Schichten fehlt, in denen wir nicht Wurzel gefaßt haben und nicht Wurzel fassen können. Selbstverständlich sind wir aufs innigste verbunden mit der Kultur unserer Heimat; aber deren Breite und Tiefe, die allein in der Allseitigkeit und Selbstgenügsamkeit wirklichen Volkslebens beruht, kann diejenigen nicht umfangen, die einzig und allein in dünnen Gruppen einiger weniger großstädtischen Berufsbetätigungsweisen ihr ganzes Leben sehen. Die ausschließliche Fortsetzung dieser Existenz bedeutet mit Sicherheit unseren Tod, indem wir einfach aussterben. Zuvor aber werden wir, wir mehr als alle anderen, an Leib und Seele zerquält durch die praktischen Folgen solch unnatürlicher Situation. Wir, die wir zum bei weitem größten Teil in die neuen, die weltstädtischen Ghetti gesperrt sind, fühlen mehr als andere, sofern wir überhaupt noch fühlen, die Probleme, welche den Bau der Gesellschaft gegenwärtig so schwer beunruhigen, die Fragen der Ehe, der geburtlichen Erneuerung, der Aufrechterhaltung oder Vernichtung der Familienbande, -der׳- mechanisierenden' entseelenden Berufsarbeit, der uns fehlenden Sammlung zur Hingabe an hehre und heiligende Ideen, der Veräußerlichung und Uniformierung seelischen Wesens. Eine Gesundung kann nur die Rückkehr zu natürlich volkhaftem Leben bringen. Auf dieses kommt es uns noch viel mehr an als auf die vielberufene nationale Eigenart. Wir sind aber überzeugt, daß gerades, menschliches, unverbogenes, natürliches Wesen nicht gedeihen kann, für eine große Gemeinschaft nicht gedeihen kann, außer wenn diese eingebettet ist in wirklich volkhaftem Leben. Die Erneuerung, die Wiedergeburt, erwarten wir von dem Lande unserer Vorväter, die Verjüngung jüdischer Menschheit durch die Verjüngung der jüdischen Mensehen. Wieviel dieses Land zu tragen vermag, das kann heute mit Sicherheit noch niemand sagen, braucht auch heute für uns noch keine Sorge zu sein, wo wir alle Hände voll zu tun haben, um den ersten Wellen der Einströmenden die Grundlagen ihrer Existenz zu schaffen. Aber eines ist schon heute gewiß: die Kraft der Vernatürlichung, der Erneuerung, hat der heilige Boden schon heute an Zehntausenden bewährt, und die Chaluzim von Erez-Israel sind auch bei uns schon das Vorbild geworden für ungezählte jüdische Männer und Frauen, die aus anstachelnder, heilsamer Unzufriedenheit heraus den ganz unromantischen, steinigen, beschwerlichen Weg zum Wiederaufbau natürlichen Lebens 'suchen und finden. Wir Juden, die wir als den Kern unseres Weltgefühls die Erfahrung des Göttlichen verspüren, blicken mit großer Hoffnung und sehnsüchtig gespannter Er- Wartung auf das neue Leben, was dort wird. Und gerade weil uns welthaft glückliches jüdisches Dasein nichts bedeuten kann, wenn es nicht immer wieder den Sinn bewährt, den die göttliche Vorsehung in unsere Seele gelegt, schauen wir erwartungsvoll auf ein neues Wiedergelebtwerden des Ganzen unserer Religion, Herr Oberbürgermelster Adenauer hat in seinem Begrüßungsschreiben Moses Heß erwähnt, der auf dem Detitzer Judenfriedhof begraben liegt. Dieser große Europäer, echt deutsche Kulturmensch und tiefe jüdische Denker hat das Wort gesprochen: ״Die objektive Philosophie und Wissenschalt hat direkt mit dein Leben nichts zu schaffen, während die religiöse Lehre mit dem nationalen, sozialen, sittlich religiösen Leben identisch, oder nichts als Heuchelei ist.“ Ja, wir erwarten die Verwirklichung der jüdischen Religion in einer Totalität jüdischer Wirklichkeit. Fünfzehn Millionen Juden gibt es auf der Erde, fünfzehn Millionen Menschen, die bestimmt nicht weniger bedeuten, der Welt nicht weniger zu geben und zu sagen haben als ebenso viele andere, wo immer man diese zur Einheit einer Gemeinschaft zusammengefügt sich denken möchte. Das Geschick dieser jüdischen Menschen Ht es gewollt, daß sie vielen andern eine Frage bedeuten, sich selbst die allergrößte. Palästina ist nicht d i e Antwort auf die Frage, hat atu־ den Sinn einer Teillösung, was den Gesamtkörper der Judenheit anlangt Aber das ist gewiß: wenn uns Juden die jüdische Frage vor allem darin bestellt, daß wir in unserer Gesamtheit mehr als andere Stämme auf diesem Planeten bodenfem und darum unnatürlich, ungesund, oft uns selbst zur größten Qual leben, dann ist Palästina das Leuchtfeuer auf unserer Fahrt zu aatfirlichem Leben. Uns rühmt man ja eine besondere Solidarität nach. Sie ist jetzt vor ihre schwerste Probe gestellt. Bestehen wir sie, so haben wir vor uns bestanden. Daß wir dann vor der Welt bestehen, ist keine Frage. Der Kampf um den Lehrstuhl für Jiddisch Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem. Wir haben in der vorigen Nummer der ,,Jüdischen Rundschau" einen Aufsatz über die beabsichtigte Schaffung eines Lehrstuhls für Jiddisch an der Universität Jeru- *ab tu veröffentlicht, worin die Wissenschaft ich«, jüdische und zionistische Bedeutung einer solchen Institution positiv bewertet wurde. Wir konnten schon bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß sich in Palästina in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten zeigen, und daß eine Agitation gegen den Dr. Magnes überreich* ten Vorschlag im Gange ist. Diese gegnerische Agitation scheint ernsteren Charakter zu haben, als wir zuerst annahmen. Nach Erscheinen des erwähnten Artikels erhalten wir aus Palästina die nachstehenden Ausführungen, deren Grundtendenz wir uns durchaus anschließen können. Die Ablehnung eines hebräischen Lehrstuhls für Jiddisch, der schon als Faktum nach unserer Meinung einen großen Triumph des Hebräischen darstellt, scheint uns von einem unbegreiflichen Gefühl der Schwäche auf Seite der Hebraisten zu zeugen. Es ist bemerkenswert, daß der Mann, der geradezu als Inkarnation des modernen lebendigen Hebräisch gelten kann, B i a 1 i k, auch in dieser Sache nicht auf der Seite der militanten Hebraisten steht. Red. Vor einigen Wochen veröffentlichten die Zeitungen ein Telegramm, das besagte, daß Freunde des Jiddischen In Amerika dem derzeit dort weilenden Kanzler der Universität Jerusalem, Dr. Magnes, einen größeren Geldbetrag zwecks Errichtung eines Lehrstuhls für Jiddisch zugesagt hätten. Dr. Magnes nahm dieses Anerbieten unter der Bedingung an, daß die Vorträge des Dozenten in hebräischer Sprache stattfinden. Wenige Tage nach dem Eintreffen dieser Nachricht in Jerusalem meldeten die palästinensischen Zeitungen, daß eine Konferenz von Delegierten der palästinensischen Lehrerschaft, welche aus Anlaß der Schulschwierigkelten in Jerusalem zusammengetreten war, an Dr. Magnes ein Telegramm sandte, in dem er ersucht wurde, von der Errichtung eines Lehrstuhls für Jiddisch derzeit ab- Zusehen. Telegramme ähnlichen Inhalte wurden von privater Seite an Dr. Magnes abgesandt. fSowsit;״dl%־Tat^1ch«m.,r Die Entscheidung über die Frage uegl natüriichTnicht 10'dffln*Hln€!M״d«i'KaHÄ#i" Jer־UaivcraitILdem die Spende angetragen wurde, sondern beim Kuratorium des judatetischen Institutes der Universität, das sich Mitte Dezember in London versammeln wird. Die öffentlich« Meinung Palästinas ist in zwei Lager gespalten. Die chauvinistischen Leidenschaften, die sich im Sommer austobten, als Bialik durch die denkwürdige Begrüßung der beiden jiddischen Dichter Asch und Hirschbein dem Streit zwischen Hebräisch und Jiddisch ein Ende zu machen versuchte, sind wieder am Werke und bedrohen diesmal die junge Universität, die bisher vom Parteienstreit versphont geblieben ist Welches sind die Argumente, welche gegen die Annahme der Spende durch Dr. Magnes vorgebracht werden? Von wissenschädlicher Seite wird eingewendet ein Katheder für Jiddisch sei überhaupt kein einheitliches Gebilde. Entweder sei ein Lehrstuhl für jiddische Philologie gemeint dann erfordere er einen Germanisten oder germanistisch geschulten Hebraisten, oder aber es sei eine Geschichte der jiddischen Literatur gemeint, dann müsse der betreffende Lehrer ein Literarhistoriker sein. Ein Lehrstuhl für diese beiden Disziplinen sei ein Unding. Man wendet ferner ein: Dem Judaistischen Institut fehlen noch lebenswichtige Fächer. Noch fehlen, Professuren für Bibelkunde, für Hebräisch und für j'üdische Philosophie, um nur die wichtigsten Fächer zu nennen. Man könne doch nicht daran denken,, einen Lehrstuhl für jiddische Philologie zu errichten, bevor einer für die hebräische geschaffen seL Das Studium des Jiddischen sei im Gesamtorganismus der Judaistischen Fächer ein Nebenfach, dessen Lehrkanzel so lange verfrüht sei, als noch die lebenswichtigsten Facher fehlen. Man wird diesen Einwänden eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können, und es ist zu fordern, daß sie in Ruhe erwogen werden. Der ״Lehrstuhl für Jiddisch" ist zunächst ein Schlagwort, das noch wissenschaftlich geklärt und abgegrenzt werden müßte. Es Ist auch unbedingt zu fordern, daß der Aufbau der Universität planmäßig geschieht und nicht nach der zufälligen Willkür der Geldgeber, daß zuerst die notwendigsten Fächer eingerichtet werden und dann erst die weniger wichtigen und nicht grundlegenden. Ueber alle diese berechtigten Forderungen könnte eine ruhige sachliche Beratung entscheiden, ohne daß deswegen Warnungstelegramme in die Welt zu gehen brauchten. Dies aber ist das Bedenkliche: Die Proteste setzten erst ein, als der Lehrstuhl für Jiddisch versprochen wurde. Die öffentliche Meinung regte sich bisher nicht auf, weil z. B. in Jerusalem noch keine jüdische Geschichte gelehrt wurde oder weil sonst der Aufbau der Fächer nicht organisch erfolgte. Jetzt aber wird der politische Streit in die Universität getragen und damit eine Gefahr beraufbesehworeti, deren Größe gar nicht überschätzt werden kann. Jedes Zurückweichen vor dem Terror des Chauvinismus und der Leidenschaften, mögen si׳' nun national oder religiös oder sonstwie politisch sein, wird unserer Universität Ruf und Leben kosten. Man sagt: die Geldgeber in Amerika verfolgen nicht wissenschaftliche, ,sondern politische Absichten. Ich weiß es nicht, will es aber sogar annehmen. Bedeutet dies irgendetwas für die Universität? Haben die Geldgeber für sich in Anspruch genommen, Einfluß zu üben atif die Wahl des Dozenten, oder auf das Programm des Unterrichts? In diesem Falle müßten wir das Geld sofort zurückgeben. Aber dieser Anspruch ist gar nicht erhoben worden. Die Universität wird frei entscheiden, wer unterrichten wird, und was unterrichtet werden soll. Die* Ist noch das einzige Argument der politischen Debatte, über das sich reden läßt. Alle anderen sind Demagogie oder Ausgeburt der Furcht. Man sagt: Die Jiddiachisten werden verlangen, daß Jiddisch in jiddischer Sprache unterrichtet werde. Aber handelt cs sich denn um einen Sprachkurs nach Berlitzmethode oder um die geschichtliche Untersuchung eines jahrhundertealten geistigen Organismus? Wenn die Studenten einmal jiddische Unterrichtssprache verlangen sollten, können sie jedes beliebige Kolleg zum Gegenstände ihrer Forderung machen. Oder man sagt: Das Hebräische wird in Rußland von JicJdischisten verfolgt, wie können wir da an der Hebräischen liniversitlt einen Lehrstuhl für Jiddisch errichten? Soll man gegen solche Argumente noch polemisieren? Sieht matt nicht, wohin diese Argumentation führt? Haben nicht mit denselben Argumenten in der Kriegszeit Chauvinisten (ganz wenige, ganz Verblendete, immerhin durch die Kriegspsychose zu entschuldigende) verfangt, daß die Sprache des Gegners aus den Schulen verschwinde? Man sagt endlich: Palästina wird nicht schweigen, und es wird zu einem wilden Sprachenstreit kommen. Ich will nicht untersuchen, ob solche Argumente Warnung oder Drohung sind. Ich will die Gefahr durchaus nicht leugnen. Wenn ein rein wissenschaftlicher Anlaß zum Gegenstände einer Propaganda in Zeitung und Versammlung gemacht werden sollte, wenn den Studenten nicht von den berufenen Faktoren die entsprechende Aufklärung zuteil werden wird, wenn ihnen nicht in klaren Worten gezeigt wird, daß ein judaistisehes Institut, welches es sich zur besonderen Aufgabe setzte, gerade auch das lebendige Judentum wissenschaftlich zu untersuchen, zur Absurdität wird, wenn es einer Jahrhunderte alten geistigen Gestaltung des Judentums seine Tore verschließt — wenn all diese selbstverständlichen Aufklärungen unterbleiben and Vcrhetzungen an ihre Stelle treten sollten, dann kann es zu Ausschreitungen kommen. Warum sollten jüdische Studenten immuner sein gegen chauvinistische Phrasen als ungarische? Was in Budapest oder Wien passiert ist, kann sich in Jerusalem wiederholen. Soll dies uns abschrecken? Sollen wir beim ersten Anlaß, wo die Freiheit der Forschung In Jerusalem von einer irregeleiteten öffentlichen Meinung bedroht ist, zurückwdchen? Friede ist eine gute Sache, solange man Frieden halten kann. Aber jeder Versuch, mit Hilfe politischer Propaganda eine rein wissenschaftliche Angelegenheit zu entscheiden, wird sich, wenn er gelingt, an der Universität in furchtbarster Weise rächen. Heute agitiert man gegen Jiddisch, morgen wird man eine Spinozafeier mit Gewalt hintertreiben und übermorgen wird man den Professor für Bibel, weil er nach links oder rechts Anstoß erregte, am Lesen verhindern. Unser Leben durch die Jahrtausende ist so voll von widersprechenden Erscheinungen, daß jede wissenschaftliche Darstellung irgendeines Abschnittes der jüdischen Geschichte von ihren Uranfängen bis zum Chassidismus und bis zur nationalen Bewegung den Streit der Parteien erregen kann und erregen wird. E i n Erfolg der Politik gegen die Theorie, der Gasse gegen die Pflege der Wissenschaft in Jerusalem — und unsere Universität wird zu einer Anstalt, die □ur das platt Selbstverständliche und Durchschnittliche lehren darf. Der Platz einer solchen . Universität wäre besser ■Ä'• den sumpfigen Niederungen dp« Kfdrön als auf der hohen Warte d» ״Berges der Späher". Die Rothschild-Spende iür die Schule» Nach den ersten sensationellen Berichten Ist es still geworden um die große Spende des Baron Rothschild zugunsten des Jüdischen Schulwerks in Palästina. Bel unserer Nachprüfung dieser Nachricht, die sowohl von der J. T. A. als auch von dem Jerusalemer Korrespondenten der ״Times“, der sonst zuver* lässig ist» verbreitet wurde, hat sich ergeben, daß die Sache nicht ganz stimmt. Zwar wurden seit längerer Zeit Verhandlungen mit dem Baron geführt und er hat auch ein gewisses Angebot gemacht, es handelt sich aber um einen weit geringeren Betrag als den ursprünglich angegebenen von £ 15000, und auch dieser Betrag wurde von dem Spender zum großen Teil für ganz bestimmte Erziehungsinstitutionen gegeben. Die Annahme, daß durch die Spende des Barons Rothschild das ursprüngliche Erziehungsbudget des Waad Hachinuch wieder hergestellt ist, beruht also auf einem Irrtum. So anerkennenswert die Spende des Barons auch ist, an der Lage des Schulwesens wird dadurch nur wenig geändert. Demnach dürfte auch die Feststellung der ״Times“, daß die teil* weise Oeffnung der Schulen am 27. November mit der Spende des Barons in Verbindung steht, irrtümlich *ein. Wenn auch viele von diesem Sachverhalt enttäuscht sein werden, so muß man doch bedenken, daß vom Standpunkt der Gesamtverwaltung die Sache auch ihre guten Seiten hat. Man beginnt allmählich einzusehen, däß unser Schulwesen einer Revision und einer weitgehenden Einschränkung bedarf. Noch auf Jahre hinaus werden unsere Mittel sehr beschränkt sein und müssen vor allem für die wichtigsten Zwecke eines produktiven Aufbaus, für Kolonisation, ausgegeben werden. Seht viele Zweige des palästinensischen Lebens sind von Anfang an übermäßig ausgedehnt worden, weit über die durch die Mittel gesteckten Grenzen, ja auch über die wirklichen Bedßrfnisse des Jischuw hinaus. Es ist, um nur ein Beispiel za nennen, unerfindlich, daß das jüdische Palästina vier Lehrerseminarien braucht Wir hatten in Palästina seit jeher mit einer gewissen Willkür von Gründungen zu kämpfen; ohne Rücksicht auf einen Gesamtplan wurden Institutionen geschaffen, die dann, weil sie nun einmal da waren, an die nationalen Fonds appellierten und aus dem zionistischen Budget dotiert werden mußten. Die radikale Kürzung des Budgets auf dem XV. Kongreß, diktiert von unabwendbarem Zwang, gab den Anstoß zu einer Revision des ganzen Systems auch auf dem Gebiet des Erziehungswesens. Dabei wurden äußerst schmerzliehe Kürzungen notwendig, und es war sehr schwierig, gleich von Anfang an den richtigen Weg zu finden. Die Sorge der Exekutive und des Erziehungs-Departments muß es sein, daß jedes jüdische Kind Schule und Erziehung findet, dagegen müssen in allen Institutionen, die bei den heutigen Verhältnissen als relativer Luxus erscheinen müssen, Einschränkungen durchgeführt werden. Dies ist ein notwendiger Prozeß, und wenn er auch besonders in seinen ersten Stadien nur langsam vor sich gehen kann und Härten nach Möglichkeit vermieden werden sollen, so wäre es doch bedenklich gewesen, wenn durch eine große Einzelspende von neuem die Illusion erweckt worden wäre, als sei ein Abbau nicht erforderlich.

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