Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 98 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,33 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meiaekestraße 10. Erscheint reden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich J.85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Ausiandsabonncmttrt• werdae וזי der Währung der esaaetsee Linder berechnet. Anzeigen - Verwaltung Jüdisch« Rundschau G.m,b. Berlin W15, Meinekeatr.lÖ Telephon! Amt Bismarck 7165—70. A&seifeiißf eis! §ge*paitJMotsp*reffi«s@Ö# 030 G-*M SteiJengeioehefUS AuscigtntcbhiBs Dteostag und F r i ♦. t g nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 - 70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 FSt Oesterreich! P<Mtjp*rk*»«o«mt Wieo, Konto Nr. 15* 030, F8r T»cb*cho»Iowak«i; Poibpsrkuteaaait Pr*A Konto Nr. 59 410. Für Polen; Poalsparkaasetiaanl Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. IVUmm” 98| Berlin, 9, XIL1927 ט״ו כבלו הרס״ח | xxxil jahrS. Der Zionismus erstrebt für das indische Volle die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*' ״tü1IKf&c ReBc dvdi NdislbM'' 11 1 1 #1!1#1 & ו v\ 1*1 1 «1r# Ein Buch des C. V.״ Syndikus Dr. Alfred Wiener Der Syndikus des ,,Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüüdischen Glaubens‘', Dr. Alfred Wiener, der bekanntlieh im Frühjahr 1926 Palästina besucht hat, veröffentlicht soeben unter dem Titel ,,Kritische Reise durch Palästina“ im Philo-Verlag ein Buch, das seine Eindrücke und seine Beurteilung der jüdischen Siedlungsarbcit zusammenfaßt. Herr Dr. Wiener hat sich also viel Zeit gelassen und große Mühe gegeben, um das gesamte Material zu verarbeiten und wir zweifeln nicht, daß er im guten Glauben ist, wirklich die Wahrheit über Palästina geschrieben zu haben. Wir machen die Beobachtung, daß tiefere Scelenmächtc hier einen Mann von Bildung und Kultur verhindern, das von ihm selbst gesammelte Material wirklich objektiv zu sehen. Dr. Wiener ist darüber gekränkt, daß er in Palästina als ״einer der Führer der deutschen Anti- Zionisten“ bezeichnet wurde. Wie berechtigt aber diese Charakteristik war, beweist sein Buch, das — vielleicht gegen seinen Willen — eine antizionistische Kampfschrift wurde. Wir werden uns mit dem Inhalt des Buches und mit der Bel euchtung, die es den Tatsachen zuteil werden läßt, noch ausführ-!!eher auseinanderzusetzen haben. Heute kommt es uns nur darauf an, auf einige Kleinigkeiten hinzuweisen, die einen psychologischen Fingerzeig zum Verständnis dieser Schrift bilden können. Das Pafäsfinawcrk bedarf, wie jede menschliche Unternehmung, der Kritik, des Hinweises auf Fehler, die verbessert werden müssen. Die Zionisten sind selbst zu allererst bestrebt, diese Fehler zu sehen, denn sie wollen, daß ihr Werk gelingt, und dies wäre unmöglich, wenn falsch gearbeitet wird. Dr, Wiener aber schreibt auf Seite 136, nach Aufzählung einiger mißlurtgener palästinensischer Unternehmungen: ״Leistungen der Zionistischen Organisation Soßen wahrlieh nicht harnisch heruntergezogen oder'gar abgeleugnet׳ werde«. .Wer sich üfw •Säte.Tntgsnierwwill, ,findet 'dar״., .... JJ^tr:1iöeÄÄKfc: ÄbsÄieM־.',;?>«1«»: iesi A:olSaBfer״€rl^t,:w«1g::01ftftssenÄ und Zu-" santmcnfassendes über Palästina und. über einen engen Kreis hinaus. Einige» nmJlff■■hier,, immer mit dem Blick aut die fieferlfe’cnlea Ursachen, gerade aus Liebe zum Lande unseres Ursprungs offen ausgesprochen werden.“ Jeder Leser der ״Jüdischen Rundschau“ weiß, daß diese Behauptung eine objektive Unwahrheit ist. Ganz abgesehen von hebräischen Quellen, die vielleicht den Freunden Dr. Wieners nicht zugänglich sind, hat die ״Jüdische Rundschau“, die keineswegs auf einen ״engen Kreis“ beschränkt ist, und die jedermann, der sich für die Palästinasache wirklich interessiert, geliefert bekommen kann, niemals eine der Schwierigkeiten des Palästina- Aufbaus verschwiegen, niemals das Scheitern eines Einzel- Versuches unterdrückt, vielmehr gerade ira Bewußtsein der Verantwortung für die Palästina-Sache, aus einer ״Liebe zum Lande“, die Dr. Wiener auch uns zubilligen wird, die realen Palästina-Probleme offen behandelt. Und Dr. Wiener straft sich selbst Lügen, indem er auch bei Aufzählung von Mißerfolgen ausschließlich zionistische Quellen benutzt. Wir haben kein Interesse daran, die Schwierigkeiten zu verbergen, denn nur ein Kind könnte annehmen, daß eine so ungeheure Sache ohne Opfer und Rückschläge vor sich gehen kann. Gerade diese unvermeidlichen Schwierigkeiten berechtigen uns, an das Interesse und die Unterstützung der jüdischen Welt zu appellieren, die die Pflicht hat, die Leiden und Mühen der für ein jüdisches Ideal schwer ringenden Menschen zu verkleinern. Natürlich ist es nicht nur Parteitendenz, sondern Gebot der Gerechtigkeit, auch die Q r ö ß e der Sache und des Zieles zu sehen, um derentwillen dies alles geschieht. Durch den Unterton der Wienersehen Darstellung aber soll offenbar Mißtrauen gegen die zionistische Propaganda erzeugt werden, und zrwar unter dem Deckmantel eines objektiven Berichtes, der zum ersten Male die ״Wahrheit“ enthüllt. Dr. Wiener ist entrüstet sowohl über Unfreundlichkeit, als auch über Freundlichkeit, die ihm zuteil wurde. Wenn z. B. das Jüdische Informationsbüro, — dem er komischerweise das Recht auf die Bezeichnung ״jüdisch“ abspricht, als ob jüdisch ein Monopol der Assimilanten wäre, — sich erbietet, ihm das Land zu zeigen, so erklärt er vielsagend, er habe dies ״aus naheliegenden Gründen“ abgclehnt. Und er fügt gleich hinzu, daß auch Regierungspräsident Hausmann und der Schriftsteller M e i e r - G r a e f e ״von zionistischer Seile geführt“ wurden. Damit ist natürlich angedeutet, daß die Zionisten die Reisenden von allen zionistischen Schwierigkeiten fernhalten und ihnen Potemkinsche Dörfer zeigen wollen. Wir empfehlen Dr. Wiener, in dein soeben erschienenen Buche des von ihm erwä.mten Meier-Graefe ״Pyramide“ und Tempel“ (Verlag Rowohlt, Berlin) nachzulesen, was dieser arme Irregeführte darüber sagt. Dieser christliche, wahrhaftig nicht für den Zionismus vorein־ genommene Beobachter spricht nämlich seine Verwunderung darüber aus, daß die zionistischen Führer und insbesondere seine eigenen zionistischen Reisebegleiter so offen und rückhaltlas alle Schwierigkeiten des Werkes selbst aufdecken; und er fügt hinzu: wie stark muß eine Bewegung sein, die sich das erlauben kann! Wäre Dr. Wiener nicht vom Informationsbüro als der Fremdcnstelle der Zionistischen Exekutive begrüßt worden, so hätte er dies wahrscheinlich als eine ihm als Antizionisten bewiesene Unfreundlichkeit und Verletzung der Gastfreundschaft gebucht. Es ist selbstverstündlich, daß die Zionistische Exekutive jedem interessierten Reisenden in gleicher Weise behilflich zu sein strebt, ohne darum sein Urteil zu beeinflussen. Im übrigen ist cs unverständlich, daß ein Mann, der im Auftrag einer großen Organisation reist, die Möglichkeit eines selbständigen und objektiven Urteils dadurch gefährdet sieht, daß jemand ״kostenlos“ (wie er betont) ein Auto zur Verfügung gestellt wird. Dr. Wiener ״enthüllt“ ferner die niemals und von niemandem abgclcugnete Tatsache, daß das jüdische Leben in Palästina in nationaler Beziehung jüdisch gestaltet ist. Er äußert sich nicht darüber, ob es nach seiner Meinung lieber englisch oder arabisch sein sollte. Auch die von der Pica gegründeten Kolonien können sich selbstverständlich dem nationalen Geiste nicht entziehen; obwohl er diese Selbst- Verständlichkeit feststellt, empfiehlt er doch den deutscher, Juden, falls sie für Palästina etwas tun wollen, dies nicht im Wege des Keren ,Hajessod, sondern durch die Pica zu tun. Die Pica ist bekanntlich nur ein anderer Name für Baron Edmond Rothschild; der Baron dürfte sehr erstaunt sein, wenn ihm die deutschen Juden zu seiner Unterstützung Geld anbieten, damit er in Palästina mehr arbeiten kann. Der Zweck einer solchen Empfehlung ist also offenbar nur die Schädigung des Keren Hajessod. Dazu gehört es auch, daß Dr. Wiener in seinen Schlußbemerkuugen davon spricht, der Zionismus wolle in die nationale Heimstätte ״alle Juden der Welt politisch und hebräisch-kulturell einbeziehen“, obwohl natürlich kein Zionist daran denkt, die Juden der Welt politisch — etwa im Sinne einer palästinensischen Staatsbürgerschaft, nur das kann ja gemeint sein — zu verbinden, ebensowenig wie irgendein deutscher Staatsbürger, und gehöre er selbst ׳ zu den Superpatrioten des Central- Vereins, etwa auf die Idee kommen •wird, die Deutsch- Amerikaner sollten die : deutsche - Staatsbürgerschaft annehmen. Und was das Kulturelle betrifft, so sind wir alterdings der Ansicht, daß den Juden der Welt etwas mehr jüdisch-kulturelle Verbindung jucht. schaden. vdtfL.es hraML ÄkÜr«*«»*1tfafiwiÄSÄe' •'"ד■ Etc ־:b-r Jit- *,ne י ־־!Bf*üRsio#“1lfeÄci •׳W •Silgeir; we®'' ■ Öf.' '־ ־־»יוייי genau, daß In der BMtar-, Deklaration, die 'die Grundlage der ׳ heutigen j zionistischen 1 Arbeit in Palistitta bildet, atfedriiddkh gesagt* und damit Völkerrechtlich' festgelegt ■ Ist, daß ״nichts getan werden darf, was die Rechte und die politische Stellung der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnte“. Um aber die Beteiligung der deutschen Juden am Keren Hajessod zu diskreditieren, bedient sich Dr. Wiener leider noch anderer Mittel, die wir 111m nicht zugetraut hätten. Auf Seite 121 seines Buches berichtet er mit scheinbarer Sachliciikeit über den Keren Hajessod in Deutschland folgendermaßen! ״Danach bestehen übrigens in Deutschland zwei Keren Hajessod-Vereinigungen: 1. Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod), Präsidium: Kurt Blumenfeld, Bernhard Kahn, Martin Rosenblüth; 2. Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk), Präsidium: Kurt Blumenfeld, Mariin Rosenblütb, Alfred Berger, lieber den Zweck dieser Zweiteilung ist Näheres nicht gesagt.“ Unsere Leser wissen wohl, worum es sich handelt. Der erstgenannte Fonds wurde lediglich von Zionisten auf Grund des Beschlusses der Jahreskonferenz in London ins Leben gerufen. Das Präsidium besteht aus den Herren Kurt Blumenfeld, Dr. Martin Rosenblüth, Alfred Berger. Der zweite Fonds wurde in einem späteren Stadium von Nichtzionisten und Zionisten gemeinsam alsneutralerFonds gegründet und wird auch heute als neutraler Fonds unter Teilnahme zahlreicher palästitiafreundlicher Nichtzionisten verwaltet. Das Präsidium besteht aus den Herren: Direktor Oskar Wassermann als Vorsitzenden, Generalkonsul Eugen Landau und Kurt Blume nfeld als stellvertretenden Vorsitzenden, und den Herren Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, Dr. Arnold Barth, Berlin, Dr. Bernhard Kahn , Berlin, Alfred Li s6e r , Hamburg, Professor Dr. Carl Lew i n, Berlin, Bankier Willy Dreifuß, Frankfurt a. M., Dr. Alfred Apfel, Berlin, Dr. Martin Rosenblütb, Berlin, als Mitgliedern des Präsidiums. Das Mitglied des Präsidiums, Justizrat Dr. Cahcn, Köln, ist leider vor kurzem gestorben. Das Abstruseste an dieser Art der Information liegt aber darin, daß Herr Dr. Wiener, um seinen Ausführungen den 11armlosen Anstrich der Authentizität zu geben, bei seinen oben erwähnten Angaben den ״Geschäftsbericht des Keren Hajessod für 1923■—1927, erstattet dem XV. Zionistenkongreß, S. 52 ff.“ zitiert. Wer sich die Mühe nimmt, diese Quelle wirklich nachzuschlagen, erkennt sofort die offenkundige Fälschung der Tatsachen, denn an der erwähnten Stelle sind alle Namen natürlich vollständig richtig angegeben. Wir bedauern außerordentlich, daß die Gegner des Zionisnius in Deutschland mit solchen Mitteln arbeiten. Der Central- Verein hat schon kürzlich zwei Vorträge von C.-V.-Führern, der Herren Dr. Bruno Weil und Staatsrat Cohn, die in wenigen Tagen im Auto durch Palästina fuhren und sich zu Urteilen über die Sache des jüdischen Aufbaus befugt glaubten, in tausenden von Exemplaren verbreitet. Wir müssen zugeben, daß Dr. Wiener sich mehr Mühe gegeben hat als seine etwas zu schnellen Kollegen. Um so schlimmer ist es, daß nichts Besseres herausgekommen ist als dieses Buch, das wir vorläufig mit einigen Strichen hier charakterisiert haben, Palästina und die Juden Von Rabb. Dr. Max Wiener, Berlin. (Nach der bei der Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina in Köln am 22. November gehaltenen Rede.) Wenn man den Versuch macht, die Weltgeschichte der vier Generationen vor dem Weltkriege zu deuten, so wird das relativ sicherste Ergebnis eines solchen Unternehmens jedenfalls d ie Formel sein, dafl die Völker der Weit sich irgendwie zu einem einzigen in seinen Gliedern aufeinander bezogenen Mcnschheitsorganismus ztisnmmengefundert haben. Dieses Einhcifserlebnis hat den Krieg nicht verhindert, im Gegenteil, es hat ihn erst zu einem wahren Weltkrieg, an dem nahezu alle sich beteiligten, gemacht; aber es ist doch keine ■Frage, daß eben die Größe dieses Kampfes, seine Ausdehnung auf fast alle Völker der Weit und die leidenschaftliche Parteinahme aller ohne Ausnahme, der erste Ausdruck einer GesamtlebensäuRcrung der Menschheit gewesen ist Die Erde war zum ersten Male der einheitliche Schauplatz eines Weltgeschehens geworden. Dessen Inhalt war eine Katastrophe; aber der Sinn dieser Katastrophe, daß sie den Zusammenbruch der bisherigen Beziehungen zwischen den Völkern der Welt in ihrer Allheit darstellt, bestimmt auch den Sinn des Aufbaus. Er muß Befriedigung und Befriedung aller sein. Es gibt nichts Gleichgültiges, nichts zu Vernachlässigendes im Leben der Kleinen, was die Großen und Mächtigen und Saturierten nichts anginge. Denn die Weltgeschichte der Menschheit hat, wie die Oberfläche des Planeten, auf dem sic sich abspielt, kein Zentrum und keinen Rand; es gibt in ihr kein diskretes Nebeneinander, sondern nur organisches Ineinander. Alles geht alle an; die Solidarität der Glieder eines gesunden Organismus ist ihr Bild, Hier ist der Ort für die wel th ist arische Elf - der Frage «Jes J.udeqtums־ Jn die :■lt־W t־rt»g i n -W elf s il e® •1 «5;׳HÄ!•'■' so erscheint das Problem des Judentums als ‘ein pasi« tives Problem auch für alle andern, die denken können und denken woben. Bei der jüngst in London abgehaltenen Jubiläumsfeier der Balfour-Deklaration ist darauf hingewiesen worden, daß die englische Regierung ursprünglich Heber Amerika als palästinensische Mandatsmacht gesehen hätte oder wenigstens die amerikanische Mitwirkung in der Verantwortung für dieses Gebiet. Es scheint daraus hervorzugeheti, daß in entscheidender Stunde jedenfalls ein ideelle; Element den Ausschlag gegeben und nicht reiner Opportunismus und bloße politische Berechnung. Wie dem aber auch sei, wir Juden, die wir in den jüdischen Propheten die Bahnbrecher der Idee weltgeschichtlicher Gerechtigkeit erblicken, wir dürfen doch zu allerletzt den Glauben fahren lassen, daß eine gerechte Ordnung der politischen und sozialen Dinge möglich sein sollte; und wenn seit Jahrtausenden zum ersten Male der Versuch gemacht wird, unser Volk in dieses System gerechten Ausgleichs und wirklicher Befriedung einzubeziehen, so sollten wir die allerersten sein, die freudig dazu ja sagen, nicht aber nur Schwierigkeiten sehefi, und wo uns die wirklichen nicht zu genügen scheinen, noch welche erfinden. Es handelt sich, wie gesagt, um das positive Problem des Judentums, nicht etwa um jenes außerjüdisehe Inter״ esse am Judentum, das seit alten Zeiten aus den vorschiedensten׳ Motiven heraus, und mit den verschfedensten Mitteln, sanft und roh, in aufrichtiger Mensehenfreundlichkeit oder aus brutalsten Instinkten, die Frage des Judentums in der Weise zu lösen versuchte, indem man die Juden aus der Weltgeschichte mehr oder weniger schnell verschwinden machen wollte. Unser Wort geht nur an diejenigen Nichtjuden und Juden, denen jüdischer Lebenswille und jüdisches Lebensrecht keine Frage ist, die vielmehr, überzeugt von der Rechtmäßigkeit unseres Dascinsanspruchs, nicht das Daß, sondern das Wie unseres Lebens zum Gegenstände fruchtbaren Fragens machen. Eine positive Antwort auf solches fruchtbare Fragen, eine Lösung, von der für das Schicksal des Weltjudentmns unendlich viel abhängt, ist der Aufbau Palästinas durch die Arbeit jüdischer Hände und die Hingebung jüdischen Geistes. Wir sagen, daß von der Art und dem Gelingen dieses Aufbaus unendlich viel, vielleicht alles, für die Stellung des Judentums in der Völkerwelt abhängt, weil an diesem Werk sich nicht der gruppenhafte Lebenswille der Fragmente des jüdischen Volkes betätigt, deutschen und russischen, polnischen und ameri- Iranischen Judentums für ihre besonderen Sorgen und besonderen Aufgaben, sondern der Lebenswille der Gesamtheit des jüdischen Stammes. Was bedeutet uns Juden, was muß gerade uns deutschen Juden die jüdische Arbeit an jenem Lande bedeuten, in dem alten Lande unserer Väter? Die Rettung unserer Seele, des jüdischen Geistes aus höchster Gefahr.