Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 682 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 06, 2 XII. 1927 Aufruf! Der Ausgang des XV. Zionijtenkongr«<»es und die Situation In Palästina stellen die zionistische Welt und alle am Aufbau Erez-Israels Interessierten vor sehr große und schwere Aufgaben. Die Aufbringung des auf dem Kongreß beschlossenen Budgets Ist die selbstverständliche Vorbedlngung jeder weiteren Arbeit. Deshalb Ist die Keren Ha- Jessoü-Pfllcht die elementarste Voraussetzung jeder zionistischen und palästinensischen Arbeit. Doch sichert das allgemein-zionistische Budget nicht einmal die dringlichsten Arbeiten. Wie ernst die Lage im Erziehungswesen Ist, weiß jeder. Es gilt darum, über dieses Budget hinaus Mittel zu beschaffen. Der Misrachl steht besonders schwierigen Verhältulssen gegenüber. Er hat, Im Gegensatz zu früheren Kongreßperloden, übrigens mit seiner eigenen Zustimmung, angesichts der finanziellen Notlage, l!n Budget keinen Posten für seine eigenen Angelegenheiten. Schulen, die nicht vom Keren Hajessod erhalten werden, kulturelle und religiöse Institutionen, für die die für Inj'ane Dath angesetzte Summe nicht reicht, das Büro des Merkas Otaml und die Interessen unserer Arbeiterschaft usw. erfordern — ohne irgendwelchen Zusammenhang mit der oppositionellen Stellung des Misrachi aut dem Kongreß — eine Aktion für den Misrachl, durch die alle die blühenden Institutionen am Leben erhalten werden sollen. Der Merkas Olami sehe! Hamlsrach» hat deshalb unter Einhaltung der entsprechenden Beschlüsse der Gesamtorganisatlon einen Fonds begründet, dessen Ertrag diesen Bedürfnissen gewidmet ist und glaubt hiermit, sowohl den Erfordernissen des Misrachl als auch dem gesamten Zionismus zu dienen. Indem wir der Oeffentlichkeit die Begründung des Keren Erez-Israei schel-Hamisrachl bekanntgeben, richten wir zugleich an alle Gesinnungsgenossen und Freunde unserer Arbeit, des Wiederaufbaus Erez-Israeis im Geiste der Ueberliefer u n g, die dringende Bitte und Forderung, dem Fonds reichliehe Mittel zuzuwenden. Der Erfolg der Aktion wird nicht nur unserer Föderation und den durch sie begründeten und unterhaltenen Institutlonen aller Art, sondern auch dem bedrängten Jischuw überbaupt von größtem Nutzen sein und die Ueberwindung der Krise beschleunigen helfen. Zionistische Föderation ״Misrachl“ Deutsches ZentralbUro Dr. Oskar Wolfsberg, Alexander Adler, Lazarus Barth, Dr. Alfred Lehmann, Edmund Lewy, Dr. Sinw Schereschewsky, Dr. Paul Sulzberger. ־.*״.«0־ Barth; Bert*-Otei .WIHI Oavjd, Saa^RatPÖri•• ־Altohar Prot? ־Or. *jfc Fra$ kel, Marburg, Justizrat Dr. Frlnkel, München, Rabb. Dr. I. Hoffmann, Frankfurt a. Ni., Barucji Kahan, Berlin, Dr. Rud. Möller, Hamburg, Prof. H. Pick, Berlin, Dr. 1. Rabin, Breslau, Dr. Hugo Rothschild, Lübeck, I. B. Sachs, Leipzig, Jacob Schnelling, Köln. Keren Er»-Israel schel Haraisraclii Von Alexander Adler. Der vorstehend abgedruckte Aufruf wendet sich an alle diejenigen, denen die Gestaltung des Lebens in Palästina im Gedankenkreis traditioneller Anschauung erstrebenswert erscheint Die Zuspitzung der wirtschaftlichen Nöte in Ercz- Israel bringt es mit sich, daß die Mittel, die dem Keren Hajessod, der in erster Reihe Instrument des wirtschaftlichen Autbaus sein muß, zur Verfügung stehen, Jetzt und in den nächsten Jahren nicht ausreichen, um den kulturellen Aufgaben, die der Misrachi keiner anderen Aufgabe hintangestellt sehen will, gerecht zu werden. In der Ueberzeugung, daß außergewöhnliche Umstände auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern, daß ein außergewöhnlicher Notstand auch berechtigt, außergewöhnliehe Opferfreudigkeit von dem überzeugten Anhänger einer großen Idee m fordern, ist der Merkas Olami des Misrachi zur Gründung eines Fonds geschritten, der ihm die Möglichkeit geben soll, alle die Schulen und Seminarien, d'e Synagogen und Lehrhäuser, die Rabbanim und Schochtim, für die er bisher gesorgt hat, auch in unvermindertem Maße weiter zu unterstützen. Es wäre sicherlich für die gesamte traditionell eingestellte Judenheit ein unerträglicher Gedanke, wenn das so verheißungsvoll begonnene Werk der religiösen Stärkung unseres Volkes im Gleichtakt mit seiner nationalen Regeneration unterbrochen werden müßte, wenn man jüdischen Kindern den Eintritt in religiös geführte Schulen zu verweigern hätte, weil materielle Erwägungen es nicht erlaubten, neue Klassen einzurichten, wenn man wertvolle Lehrkräfte entlassen müßte, weil man sie nicht regulär besolden kann. Dieser Misrachi-Erez-Israel-Fonds darf und wird nicht in Konkurrenz treten mit dem Keren Hajessod. Wer die Aufgabe, die die Judenheit m Erez-lsrael hat, voll erfaßt, dem ist auch der Begriff für die volle Verantwortung eines jeden Juden für alle Zweige des Palästinaaufbaus aufgegangen. Er muß wissen, daß kein jude die Förderung des wirtschaftlichen Aufbaus von sich weisen kann, muß aber auch wissen, daß dieser wirtschaftliche Aufbau seinen Sinn verfehlt hat, wenn nicht Hand in Hand mit ihm für die geistigen, seelischen Bedürfnisse Erez-Israels Vorsorge getroffen wird, — und zwar im Sinne des traditionellen Oedankens. Wer den Anspruch darauf macht, zu denen zu gehören, deren ganzes Sein ausgefüllt ist mit jüdisch-gesetzlichem Inhalt, der hat die Konsequenz zu ziehen aus solch nationalreligiöser Gesinnung und sowohl den nationalen, als auch den religiösen Fonds gegenüber sein Möglichstes zu tun. Der Kampf uro die Ideenwelt des Misrachi hat gerade in den letzten Monaten in zionistisch nichtreligiösen und nichtzionistisch religiösen Kreisen verschärft eingesetzt. Durch den Keren Erez-lsrael hoffen wir, unseren zionistischen Freunden bcweisen zu können, daß die religiöse Judenheit den festen Willen zu kultureller Tätigkeit In Erez-lsrael hat, deren Durchführung unabhängig sein muß von noch so berechtigten Forderungen des Tages, eingedenk des biblischen Satzes, daß nicht vom Materiellen allein der Mensch leben dart. Unseren Kritikern im orthodoxen Lager hoffen wir zeigen zu können, daß die praktische Betätigung unseres Judentums einet! Geist in den Palästina-Aufbau hfneinträgt und trotz aller Krisen erhält, den bisher keine andere Partei hat Hervorrufen und erhalten können. Der Misrachi darf nicht gezwungen werden, auch nur den kleinsten Stützpunkt seiner bisherigen Aufbauarbeit jüdischen Geisteslebens aufzugeben. Dazu soll ihm der neugeschaffene Fonds verhelfen. Die Gemeindewahlen In Leipzig (Ergänzung des veröffentlichten Drahtberichtes.) Be! den am Sonntag, den 27, November, stattgefundenen Wahlen zur Leipziger Jüdischen Gemeinde konnte die Leipziger Jüdische Volkspartei, die dort zum ersten Male auftrat, einen schönen Erfolg erringen. Von den abgegebenen 4010 Stimmen vereinigte sie 1096 auf ihre Liste, während es die Liberalen auf 989 Stimmen brachten. Leider stellt das mittelalterlich amuutende Wahl- System in Leipzig einer vollen Auswertung des Volksparteiliehen Sieges entgegen: von den II ausgeschiedenen Gemeuidevertretem mußten nämlich 7 von der reirhsdeutschen Minorität und nur 4 von der Majorität der Nichtreiriisangehörigen gewählt werden. Von letzteren erhielt die Jüdische Volkspartei 2 Mandate zugesprochen und von der deutschen Wahlkurie eines. Die Liberalen konnten auf diese Weise 6 Sitze gewinnen, während auf die Orthodoxie und die Poalc Zionisten 1 Vertreter entfällt Aufgabe der jetzt in Leipzig neugegründeten. Jüdischen Volkspartei wird es In erster Lime sein, das ganz unmögliehe Wahlsystem zur Abänderung zu bringen. Gelingt dies, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Jüdische Volkspartei, der absoluten Zahl ihrer Anhänger entsprechend, die ausschlaggebende Rolle in der Leipziger Jüdischen Gemeinde spielen wird. Konferenz der Hitadiduth in Polen Lodz, 28. November. (J. T. A.) In Anwesenheit von 130 Delegierten aus 120 Städten fand hier die Landeskonferen 1 der zionistischen Arbeitspartei ״Hitachduth“ in Polen statt Die vier Sejmdeputierten der Partei waren anwesend. Die zionistische Exekutive in London, die Arbeiter- Organisationen in Palästina hatten Begrüßungsschreiben gesandt. Am ersten Sitzungstag sprachen Depolierter Lewinson und Zipora Bath-Ami aus Tel-Awiw. Am Schluß der viertägigen Konferenz wurde das folgende Zentral-Komitee gewählt: Joseph Levi, Dr. Ellenberg, Dr. Schweig, Dr. T artakower, Dr. Riege r. Palästinensische Küns&sr tat Berlin Vor einigen Tagen kam nach Berlin aus Palästina der hebräische Schauspieler Meir Teomi, der zu den Gründem des hebräischen Theaters in Palästina gehört. Der Künstler will mehrere Monate in Beulin zubringen, um das Theaterleben in der Stadt kennenzulernen. Mit ihm kam auch seine Gattin Judith Perkai-Teomi, früher Mitglied der Kammerspiele von Tai!־off, die in der letzten Zeit im ״Kumkum“ in Tel-Awiw aufgetreten ist. Interessenten, die mit den Künstlern in Verbindung treten wollen, mögen sich wenden an M. Teomi, bei Boetcher, Charlotten bürg, Leibnizstr. 35. Diese Woche ist ferner Frau Miriam Bernstein- Kohan, die hebräische Schauspielerin, aus Palästina nach Berlin gekommen. Sie war Mitbegründerin des ״Tai“ im Jahre 1924 in Berlin und spielte die gefangene Jüdin Rahel in ״Belsazar“ Rochö's, der damals in der Kommedia Valetti aufgeführt wurde. Nach einer erfolgreichen Tourne in Rumänien, wo sie mit Bibel- und Dichtungrezitationen aufgetreten ist, ging Frau Bernstein-Kohan wieder nach Palästina, wo sie die letzten 2•/* Jahre spielte. Sie kommt jetzt nach Berlin, um das deutsche Theater wieder zu sehen. Ihre Adresse ist: Kaatstr. 50, bei Brauer. Ein Konzert zugunsten des Keren Kajemeth, Herr und Frau Prof. Warburg hatten am letzten Sonntag die Freunde des Keren Kajemeth zu einem musikalischen Tee in ihr gastliches Haus geladen und ihnen zugunsten dieser ältesten zionistischen Institution einen selten künstlerischen und gesellschaftlicben Genuß geboten. Tossy Spiwakowski und Iso Golland hatten sich ihnen in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt. Beide Künstler sind uns wohlbekannt Wir haben die Entwicklung des Wunderkindes Tossy zum Teilen Künstler miterlebt und verfolgt wie er von Jahr zu Jahr menschlieh und künstlerisch gewachsen ist Nun ist der kaum zwanzigjährige zu früher Meisterschaft herangereift, aber der wunderbare Ueberschwang, der bestrickende Geigenton, mit dem der Knabe einstmals bezaubert hat, ist ihm geblieben, so daß seine Darbietungen auch an diesem Nachmittag höchste Begeisterung entfachten. Golland, das jetzige Mitglied der Staatsoper, ist uns von der ״Habimah“ her als Darsteller und Sänger in bester Erinnerung. Wir erlebten von seinem wohltönenden Bariton den seltenen Genuß, hebräische Vorträge in vollendetster Wiedergabe — u. a. auch die Figaro-Arie — zu hören. Das Kaddisch des Berditschewer Rebben ist wohl an keinem Zuhörer ohne tiefste Erschütterung vorbeigegangen. So verlief dieser Nachmittag in festlicher Stimmung und hinterließ die Ueberzeugung, daß Prof. Warburg in seinen Gästen dem Keren Kajemeth treue Freunde erhalten oder neu erworben hat, und ihm so seine jetzt besonders schwere Arbeit etwas erleichtert haben wird. M. N. Bücherschall Zwei Ballour •Schrillen _ Aus Amaß des zehnten Jahrestages der Balfour-Deklaration ist in Wien eine sehr interessante Broschüre vom Zionistischen Landeskomitec herausgegeben worden, die eine Reihe wertvoller Beiträge umfaßt und eine ausgezeichnete zionistische Propagandaschrift darstellt. Das Buch enthält Kundgebungen des tschechischen Ministers Dr. Benesch, des französischen Senators Godart, des englischen Abgeordneten Wedgwood, ferner drei wichtige OriginaP beitrüge zur Geschichte des Zionismus, und zwar ein Artikel von Dr. Gelber, der im einzelnen die diplomatischen Ereignisse während des Krieges bis zur Balfour-Deklaration darstellt, ferner Bemerkungen von Oberrabbiner Dr. Chajes und eine Darlegung der Arbeit der Zionistischen Organisation in Palästina seit Kriegsende von Adolf Böhm. Weiter enthält das Buch Aufsätze von Otto Abeies ״Dank an Baitour“, von Dr. Goldhammer ״Pro Palästina“ und von Dr. R 0 t b 1 u m ״Der Blick nach innen“. Auch die Ausstattwig der Broschüre ist lobenswert Eine ähnliche Publikation in englischer Sprache wurde von der Zionistischen Organisation Südafrikas (Johannesburg, Oceana Buildings Simmons Street) herausgege. ben. Bemerkenswert ist vor allem die Vorrede des Gene« rals Srauts, in welcher dieser alte Freund des Zionismus die Bedeutung der Deklaration und der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in warmen Worten würdigt. Samts warnt davor, von den bisherigen Ergebnissen des Palästina-Aufbaus enttäuscht zu sein. Man müsse verstehen, daß hier ein Anfang gemacht wurde, indem zunächst die Idee selbst sich durchsetzte, und daß die Wirklichkeit nur in allmählicher Arbeit der Idee angepaßt werden könne. Die Broschüre enthält ferner Ansprachen des südafrikanischen Chief-Rabbi Dr. Landau, des Präsidenten des Landesverbandes A b r aha ms, sowie eine Reihe prominenter zionistischer Ansprachen sowie Aeußerungen bedeutender afrikanischer Nichtjuden. England Einen willkommenen UeberbUck über Englands Geschichte, Verfassung und staatlichen Einrichtungen bietet das soeben in erweiterter, bis auf die Gegenwart fortgeführter Auflage erschienene Buch von Prof. G. W e n d t (״England“, Verlag O. R. Reisland, Leipzig 1927, 8 M,). Das Buch ermöglicht eine schnelle Orientierung über die Formen des englischen politischen Lebens, die in vielen Punkten sehr stark von kontinentalen Sitten abweichen. Die Geschichte ist kurz gefaßt, alle Zweige des öffentlichen Lebens (Parlament, Heer, Beamtentum, Erziehungswesen, Rechtspflege usw.) werden erklärt Leider ist Sprache und Stil etwas schleuderhaft, und auch die Tatsachen selbst nicht mit letzter Sorgfalt überprüft; man findet eine Reihe erstaunlicher Fehler und Irrtümer (Wendt läßt z. B. Herriot und Macdonald in Locarno auftreten, versetzt Churchill und Chamberlain in das erste Kabinett Baldwin usw.). Es kommt sogar vor, daß zwei aufeinanderfolgende Absätze dieselben Tatsachen verschieden darstellen. Die nächste Auflage erfordert also eine gründliche Revision. Wer von uns versteht heute wirklich England, den englischen Geist, der das ganze Leben der Nation durchdringt, von der Politik bis zum Spiel? Ein Volk kann nur aus seinen eigenen Voraussetzungen begriffen werden, und es rieht sich bitter, wenn man ohne psychologische Erkenntnis die Handlungen des anderen nach den eigenen Maßstäben mißt Darum;M;dfs;n§1$.-$1pdt£«oa£ jtud(Mf K i r c rii er., dem Londoner ri&rrespoiiäeiitea ■der »Pra1ucf.“Z%.״;.'dessei1'"״EnglI'nder*# Uns schon die bedeutendsten Typen des englischen öffentlichen Lebens nahegebracht hat, besonders lesens- und empfehlen*- wert. Es heißt charakteristisch genug, ״Fair Play־‘ (Sport, Spiel und Geist in England. Frankfurter Sozietäts-Druckerei, Frankfurt 1927, 4,— M). Wie falsch eine oberflächliche Beurtcilung des englischen Snieltriebs und der Sportbegeisterung des Volkes ist, wie sehr der Sport höchste geistige uni soziale Werte, Ausgeglichenheit von Körner und Geist, Besonnenheit, Weitblick und Gerechtigkeitsgefünl erzeugt, zeigt Kirchcr in einer Reihe reizvoller, kluger, angenehm lesbarer Aufsätze, die alle Arten Sport und Spiel, die englische Mentalität und die englischen Volksgewohnheiten schildern. Deutlicher als durch trockene Theorie ersteht aus diesen lebensvollen Bildern vor unserem Auge die nationale Eigenart dieses Volkes, enthüllt sich sein Geheimnis. Sehr wichtig ist diese Kenntnis für den Umsturz eines einseitig intellektualistischen Wert-Empfindens, zu dem wir Juden neigen. Wie weit übrigens die Assimilation der Juden auch hier geht, zeigt das Kapitel über Boxkämpfe in Whitechapel, bei denen Manager, Kämpfer, Publikum Juaen sind. Das unfaire Verhalten eines jüdischen Boxers treibt, so führt Kircher als Kuriosität an, die Sympathien des jüdischen Publikums auf die Seite des nichtjüdischen Kampfgegners. So tief sitzt auch in diesen Seelen schon der Sinn für Fair Play... Der große Roman von H. G. Wells, ״TheWorldof William Clissold“, der bei Zsolnay deutsch erscheint, ist englisch nun auch in zwei Bänden der vorbildlichen und billigen Edition Tauchnitz in Leipzig erschienen. (Pro Band 2,50.) In diesem Werk, auf das noch zurückzukommen verlohnt, ist das ganze England von heute, mit seinem Denken, seinen Sitten, seinen Persönlichkeiten und Problemen, und die Grundfragen der heutigen Gesellschaft überhaupt werden aufgerührt. Kleine Nachrichten An der Technischen Hochschule in B r ü nn (Tscheehoslowakei) kam es am 28. November zu deutschnationalen Exzessen gegen die jüdischen Studenten und zu schweren Raufereien, denen die Polizei ein Ende machen mußte. Der Präsident der Fester Isr. Kultusgemeinde, Dr. Alexander Lederer, ist plötzlich an den Folgen eines Herzschlages verstorben. Er kam gerade von einem Besuch beim Unterrkhfcsminister, mit dem er wegen des Numerus clausus verhandelt hatte. In Berlin weilt gegenwärtig der ״Libawitscher Rebbe“, Rabbi Schneerson, der von den Sowjetbehörden verhaftet war und auf Intervention Dr. Oskar Cohns fragegeben wurde. Infolge der Krankheit des Keren Hajessod-Direktors Leib Jaffe mußte der Beginn der Winterkampagne des Keren Hajessod in Polen verschoben werden. (Ziko.) י Keren KBlemeth braucht Geld, denn Palästina brnucht Geld! überweist alle in Eurem Besitz benndiichsn Ertrane aus der Bochseniserung und anderen Snnndenzwaioen an die zentrale des Keren Kaiemetn, damit sie im ttovemher-Ausweis noch berocKsichtigt werden!