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Jüdische Rundschau · 1927-12-02 · Heft 96 (2.12.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 96 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr 00. 2.027! 01י JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 0R! *■ . .Ttfe aSI «g^, / Blätter des ״Bundes ml /;Zionistischer Frauen״״ Ansprache mit Frau Weizmann Anläßlich der Anwesenheit von Frau Dr. Weizmanti, der Präsidentin der Women’s International Zionist Organization (Wizo) fand im Hause von Frau Direktor Ka res ki am Sonnabend, den 19. d. M., ein Zusammensein mit den Mitgliedern des Vorstandes des ״Bundes Zionistischer Frauen in Deutsch-!and“, des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ und einer Reihe in der zionistischen Arbeit stehender Frauen statt Als Gast nahm au dieser Veranstaltung Frau Gerda Arlosoroff teil. Die Vorsitzende des Bundes Zionistischer Frauen gab in Ihrer Begrüßungsansprache ihrer Freude darüber Ausdruck, Frau Weizmann als Ciast der deutschen Zionistinnen begrüßen zu können, die außerordentlich erfreut sind, Gelegenheit zu haben, mit Frau Weizmanti eine Reihe schwebender Arbeitsfragen besprechen zu können. Frau Dr. Weizmanti gab einen Bericht über die Lage der palästinensischen Institutionen der Wizo, legte noch einmal ausführlich die Gründe dar, die auf der letzten Konferenz dazu geführt haben, das Programm der Wizo auch weiterhin wesentlich aut landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Erziehung der Mädchen zu beschränken und betonte die Notwendigkeit und Verpflichtung der Zionistischen Frauenorganisation, aufbauende Arbeit für Palästina zu tun. Sie berichtete ferner über die Arbeitsart der englischen Frauen und insbesondere über die von ihnen angewandten Methoden. An die Ausführungen von Frau Dr. Weizmann knüpfte sich eine lebhafte Aussprache, nach der zu hoffen ist, daß aut Grund der sehr wertvollen Anregungen eine intensive Arbeit für Palästina unter den deutschen Zionistinnen einsetzen wird. Damen-Tee bei Fraa v. Kardorfl Frau Dr. Welzmann nach London abgereist. Im Hause von Frau Katharina v. Kardorff-Oheirnb fand ein Tee statt, an dem etwa 130 Damen der Berliner Gesellschaft teilnahmen. Der Empfang war ursprüngli h zu Ehren von Frau Vera Weizmann gedacht, die aber in Berlin erkrankte und deshalb nicht erscheinen konnte. Unter den Anwesenden bemerkte man Frau Reichspräsident Ebert, die Gattin des Reichstagspräsidenten Lobe, Frau S‘aats- Sekretär von Schubert, Frau Staatssekretär Weismann, Frau Ministerialdirektor Schaeffer, Frau Staats- Sekretär Dernburg, Frau Ministe iairat Goslar, Frau Professor Koigen, Frau Kammersängerin Böhm van Endert, Frau Professor Warburgf Frau Dr. Baeck, Frau Professor Karl Lewin, Frau Else Eckersberg, Frau Paul Gold mann, Frau Chef edakteur Georg Bernh a r d , die Schriftstellerin Ola A l s e n u. v. a. Außerdem waren eine Reihe von Damen des J&dischna'.ionalen Frauenbundes und der zionistischen Gesellschaft anwe end. Frau v, Kardorff-Oheimb eröffnete die Aussprache, bcgrüßte die Gäste und wies darauf hin, welch wundervolles ethisches Werk der Aufbau der nationalen jüdischen Heimstatte in Palästina sei und wie diese Arbeit die Unterstützung nicht nur des gesamten Judentums, sondern der gesamten Kulturwelt verdiene Frau Gerda Arlosoroff sprach darauf über Frauenarbeit in Palästina. Die Darlegungen da*»Vortragende» fanden-׳ ׳starkes^Mewsseb I« Verlauf der anschließenden Diskussion gab auch Frau Dr. Turhöwski- Pinner ergänzende Aufklärungen. Die Damen blieben in angeregtester Aussprache mehrere Stunden beisammen. Die Veranstaltung gab Gelegenheit, in Kreisen, die bisher über die zionistische Bewegung und die praktis־hc Palästina- Arbeit noch wenig informiert waren, über die Arbeit der Zionistischen Organisation und der Frauen-Organi ationen zu sprechen und neue wish ige Verbindungen anzuknüpfen. Frau Dr. Weizmann, die trotz ihrer Schonungsbedürf.igkeit die Reise nach Deutschland unternommen und hier an mehreren Sitzungen teilgcnommen hatte, konnte leider aus zwingenden Gesundheitsgründen ihren Plan, noch mehrere Städte zu besuchen, nicht ausführen, und mußte nach London zurückkehren. Berafsengfehang and soziale Hilfsarbeit Von Gerda Ar 1 o So r of f -O old b e r g*). Die Konferenz der Wizo in Basel hat Meinungsverschiedenheiten über die Frauenarbeit ia Palästina, die seit längerer Zeit sich im Lande und im Galuth bemerkbar machten, wieder besonders aktuell werden lassen. Man debattiert überall über ״Prod aktiviert« g“ oder ״soziale Arbeit“. Wie liegen nun die Dinge praktisch gesehen? Die Wizo hat sich vor einigen Jahren konstituiert mit dem Ziel, ein Hilfsinstrunfent der Zionistischen Organisation bei der Kolonisation zu schaffen, und mit der Tendenz, die Er- Ziehung von Zionistinnen zu fördern und neue Kreise von Frauen für die zionistische Arbeit heranzuziehen. Ein Hilfs- Instrument für die Kolonisation: wir können uns nicht damit begnügen, Juden nach Palästina zu bringen, sondern wir müssen sie kolonisationsfähig machen, d. h. abgesehen von allen kulturellen, oder, wenn man will, ideologischen Vorarbeiten, berufliche Qualifizierung eines jeden Einwanderers. Praktisch gesprochen für Frauen: Ausbildüng in Landwirtschaft und Hauswirtschaft und außerdem — ein Problem, um das wir heute schwer ringen — Erschließung von städtischen Berufen. An die Erreichung dieses Ziels ist die Wizo herangegangen mit der Schaffung von Schulen (Nahalal und Hostel) und in letzter Zeit mit der Untersetzung von Mädchenfarmen und städtischen Chawuroth. Es wird heute der Wizo vorgeworfen, ebenso wie man eine Zeitlang bei der Zionistischen Organisation gewohnt war, daß sie den größeren Teil ihres Budgets auf dem Lande investiert, während doch in der Stadt der größere Prozentsatz der Einwanderer säße. Wie unrichtig diese Argumentation ist, erweist sich, wenn man einmal bedenkt, daß es ja heute keine andere Möglichkeit gibt, die anormale Lage der Stadt zu ändern als durch die Entlastung der Stadt, also durch Abzug von Menschen auf das Land hinaus, also durch Investition von Geld in die Land- Wirtschaft Die Haupttendenz jeder Frauenarbeit in Palästina muß also heute sein, den Weg zu gehen zur Produkt!vierung, zum beruflichen Training, zur Ausbildung von Menschen zu Berufen, die sie wirtschaftlich unabhängig machen. Und *) Mit diesem und dem folgenden Beitrag setzen wir die in der vorigen Frauen-Beilage von Frau Margulies aufgenommene Diskussion fort. — Red. das ist kein Prinzip der Wizo, sondern überhaupt unsere Kolonisationspolitik. Nun pflegt man zu erklären, daß diese Anschauung im Prinzip recht schön sei, daß wir aber ein großes Gebiet haben, das wir mit diesen Maßnahmen überliaupt nicht berühren, nämlich das grolle Feld der Wohlfahrtspflege, der sozialen Hilfsarbeit usw. Nun muß hier einmal klar auselnaiidergelegt werden, daß wir im Lande zwei Gebiete sozialer Hilfsarbeit haben. Das eine Problem ist die Abhilfe der akuten Notlage in den Städten, vor allen Dingen in Tel-Awiw. Die Entwicklung ist bekannt: Arbeitslosigkeit, infolgedessen ein Standard, der das Existenzminimum nicht erreicht, infolgedessen unterernährte Kinder usw. Hier muß cingegrlffen werden, und zwar auf zweierlei Art, 1. indem man Arbeit schafft, und nurdas ist eine r a d i - kale UeberWindung des gegenwärtigen Zu- Standes, und hier gibt es nur den einen Weg, der vorher als der Weg der Zionistischen Organisation und auch der Wizo gekennzeichnet worden ist, nämlich Schulung und Arbeitsbeschaffung; 2. muß man da, wo dieses radikale Mittel noch nicht angewendet werden kann, weil wir nicht genügend Geld haben, zeitweilig Unterstützungen schaffen (Kinder- Speisungen und ähnliches), damit wir durch den in omentaneu Zustand nicht dauernde Schädigungen davontragen. Es ist aber undenkbar, daß wir für diesen Zweck Mittel hergehen, die mit Fug und Recht bcrcitgestellt worden sind für die erste Aktion, d. h. für Arbeitsbeschaffung, für Kolonisation. Für die direkte Hilfsarbcit gilt cs daneben Mittel zu mobilisieren, und das wird ja bekanntlich in Palästina und im Galuth von einzelnen Organisationen aus gemacht. Nebenbei bemerkt sind die Aktionen der Arbeitsbeschaffung und der direkten Unterstützung nicht immer streng geschieden, eins greift ins andere, wie überall, aber man darf nicht unter dem Eindruck der Not in Tel-Awiw unser Kapital angreifen, d. h. verlangen, daß die Zionistische Organisation oder die Wi/o einen Teil ihres Budgets für Hilfsarbeit zur Verfügung steßt. Die Forderung der Teilung des Wizo-Budgets in der Weise, daß 50 ״/o der Londoner Gelder für soziale Hilfsarbeit zur Verfügung gestellt werden, ist absurd, denn bekämpfen können wir die gegenwärtige Notlage nur durch das, was die Wizo heute tut Es hat sich niemand dagegen gewendet, daß Organisationen die Hilfsarbeit in Palästina leisten, im Gegenteil, es wird heute angestrebt, daß eine Koopc - ration aller Aktionen von der Wohlfahrtspflege bis zur landwirtschaftlichen Schule erreicht wird. Es handelt sich nicht um die Degradierung irgendeines Zweiges unserer Arbeit, jedes für sich hat seinen speziellen Wert, sondern es handelt sich darum, zu erkennen: was ist geeignet, das Uebel an der Wurzel zu bekämpfen. Und nun zum zweiten Gebiet unserer sozialen Hilfsarbeit, dem großen Feld der Fürsorge für die orientalischen Juden. . Hier handelt cs sich .nicht um eine Maßnahme für ei« {■odfewe!.: Jahre,;sondern' wahrscheinlich um;eine *;AfSeff für ein Jahrzehnt oder mehr. Niemand wird bezweifeln, daß die Aufklärung orientalischer Juden über europäische Methoden, daß die Einrichtung von Settlements in den alten Vierteln von Jerusalem usw. usw. wesentlich seien. Die Frage heißt ganz anders: kann dii Zionistische Organisation oder die Wizo heute, wo sie für die unmittelbaren Erfordernisse der Kolonisation nicht genügend Mittel zur Verfügung hat, noch dhses gafize ungeheure Feld okkupieren? Die Antwort heißt klar: nein. Diese Arbeit muß privat gemacht werden, d. h. von speziellen Organisationen, wie es auch heute geschieht, denn, wenn man so ungeheure Aufgaben vor sich hat und so geringe Mittel sie zu lösen, muß man sich für bestimmte Oebietc entscheiden, wenn man sich nicht vollkommen ver- Heren will. Und mm zum Schluß eine allgemeine Bemerkung: es ist eine experimentell festgestellte Tatsache, daß man Frauen leicht dazu bringen kann, sich mit einen Kinderhilfswerk oder Absatz von Handarbeiten, — ■was fraglos sehr wichtig ist, — zu beschäftigen, aber sehr schwer dazu, kolonisatorische Probleme in ihrer Schwere und Grausamkeit zu verstehen und sich zu entscheiden, was wesentlich ist 90 «;0 der Freuen sind für eine Kinderspeisung zu bekommen, aber vielleicht nur 10 0/0 für die systematische, notwendigerweise langwierige und harte Kolonisationsarbeit und Berufsausbildung. Es ist aber sehr gefährlich, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Es ist unsere Aufgabe, die Palästina-Probleme so weit zu klären, daß unsere Mitarbeiter sich dazu entschließen, nicht das zu tun, wozu sie Neigung haben, sondern was notwendig ist. Das Problem heute heißt die richtige Wertung unserer verschiedenen Arbeitsgebiete der kolonisatorischen Schulung auf der einen Seite und der sozialen Arbeit auf der anderen Seite, und so weit wie möglich ihre gemeinsame Aktion. Steigerung der Kräfte Seit dem Baseler Kongreß herrscht zwischen den für Palästina arbeitenden Frauen ein Kampf — ein Kampf, in dem oft schwer zu untersdieiden war, ob er um Personen, Begriffe oder Arbeitsgebiete ging. Es war sinnlos, das Negative, Zerstörende dieses Kampfes weiter hinaus zutragen. Dieses lag da, wo die Arbeitenden den Wert ihrer Arbeit zu bezweifeln begannen, und wo ihr Wille erlahmte, weil sie Feinde fühlten, wo sie Freunde brauchten. Heute hat sich aus diesem Negativen ein Positives herausentwickelt: die größere Klarheit über die Abgrenzung und Berechtigung von Arbeitsgebieten; darum ist es wertvoll, über die Gegensätze zu schreiben. Die Wizo hat auf ihrer Konferenz in Basel beschlossen, den weitaus größten Teil ihres Budgets für die land- und hauswirtschaftliche Erziehungsarbeit in Palästina zu verwenden. Ihr zentrales Interesse gehört der landwirtschaftlichen Schule in Nahalal, dem Hostel und der neuentstehenden Mädchenfarm In Ncß-Zionah. (Zur Aufbringung des Wizo-Budgets trägt Deutschland durch den Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina mit einem Betrage von £ 375.—.— jälirlich bei.) Eine Gruppe in Palästina tätiger Frauen verwarf dies Proramm der Wizo. Sie verlangte eine stärkere Berücksichtigung er städtischen, vor allem auch der heute drängenden sozialen Probleme. Die Wizo stellte sich ihrer Forderung gegenüber aut den Standpunkt, daß eine für die Dauer wirksame Arbeit und Bekämpfung der momentanen Notlage nur durch die Produktivierung unproduktiver Kräfte geschehen könne, und daß die geringen zur Verfügung stehenden Mittel nur bei der Be* schrlnkung auf Produktivierungsarbeiten und sogar innerhalb derselben nur auf ein bestimmtes Feld nützlich verwendbar sind. Diese Ansicht innerhalb der Wizo siegte. Das Budget ist bis zum Jahre 1929 festgelegt. Vor der nächsten Konferenz wird man genauer, als es dieses Mal geschah, nachzuprüfen haben, ob die Mittel der zentralen zionistischen Frauenorgauisation glücklich angewandt waren und wie sie weiterhin zu verwenden sind. Heute gilt es, die eingegamgenen Verpflichhingen zu erfüllen und eine Arbeit zu unterstützen, an deren Wert noch keiner gezweifelt hat und zweifeln kann. Eine andere Frage lautet: Erlaubt der Augenblick den Frauen die Beschränkung auf die Arbeiten der Wizo? Bedeutet der Verfall der körperlichen Kräfte von palästinensischen Mensehen, bedeutet die mangelnde Pflegt■ und geistige Schulung palästinensischer Kinder nicht einen Verlust vou aufbauenden Kräften im Lande, der unersetzbar ist? Hat die Wizo mit der Begrenzung auf ihr Programm richtig gelundelt? Wahrscheinlieh nicht in den Einzelheiten ihrer midgetvertdlung, wahrlieh ja in ihrem Grundgedanken und in ihrer nur scheinbar kalten Starrheit. Es ist besser, das Positive zu erkennen, als 711 verurteilen; und dieses Positive ist. daß hier ein Aufbau geschieht, daß man gewagt hat, weiter zu bauen. I )ant'hen bleiben aber die Forderungen aus den Tatsachen des Augenblicks — erschütternder und gefährlicher als alles andere: die Gefährdung der Jugend. Welches ist die Antwort? Steigerung der Kräfte. Ucberschrcitung des fest gelegten Budgets. Der Kulturverband wird seinen Verpflichtungen und seinem Willen gemäß seinen Anteil 311 dem Budget der Wizo aufbringen und an ihrer aufbauenden Arbeit teilnehmen. Er “wird daneben ein Kinderhilfswerk aufhaucn. Das der Wizo bewilligte Budget erschien den deutschen Delegicrtinnen in Basel als Grenze der Bewilligungskraft. Der Kulturverbend nimmt heute sein Hilfswerk nicht im Kampfe gegen die Wi/o-Arbeit, sondern neben der Wizo-Arbeit auf. Wie weitreichend er sein wird, das wird von dem Willen der zionistischen Frauen in Deutschland abhängen. Wenn sie Palästina gewollt habt-11, müssen sie wissen, was das Land heute von ihnen fordert. M. Turnowsky-Pinner. Der Bern! der Krankenschwester Hebräischer Vortrag in der Frauengruppe Breslau. Am 23. Oktober sprach in einer sehr gut besuchten Ver- Sammlung der Zionistischen Frauengruppe Breslau Frau Sah a w a Olitzki, Oberschwester am Hadassahhospital in Safed, über ״Die Arbeit der Frau in der Krankenpflege und soziale Fürsorge in Palästina“. Zum ersten Male seit Bestehen der Frauengruppe ein hebräischer Vortrag! Mit besonderem Stolz wurde dies festgestellt und auch die Tatsache, daß den in klaren, schlichten Worten gemachten Ausführungen von Frau Olitzki ein nicht unerheblicher Teil der Anwesenden, Frauen und Männer, zu folgen vermochte. Es klingt dies wenig und ist doch viel für den, der die Verhältnisse der hebräischen Sprachbewegung in Breslau noch vor wenigen Jahren, besonders un'.er den Frauen, gekannt hat Daß die Kenntnis unserer lebendigen Sprache nun endlich auch in Breslau solche Fortschritte zu machen beginnt, ist das Verdienst des Vereins!et*j»*th 'S’e>e¥;;’def’heirilsche11''"Spfighichüle, Vor all« ihres ujisrmüdlichen Leiters, Herrn Rezfiikow, der in Vorbild« llcher Pädagogik seins zirka 103 Schüler, die sich aus Haiwlwerkern und Schülern, Lehrern und Rabbinern ln den versehiedensten Altem zusammen setzen, in acht Kursen zur Arbeit anzuspornen weiß. Aus der Mitte der zionistischen Frauengruppe heraus hat sich in den letzten Wochen ein neuer Frauenkurs gebildet, der unter Herrn Reznikows Leitung rasche Fortschritte macht. Da aber immerhin noch nicht alle im Hebräischen so weit vorgeschritten sind, übersetzte Fräulein cand. phil. Hanna Emmerich in besonders dankenswerte׳ Gewandtheit Absatz für Absatz der Ausführungen von Frau Olitzki. Zunächst schilderte Frau Olitzki den Lehrgang in den Schulen für Krankenschwestern, die die Hadassah Medieal-Oranisation unterhält. Es ist dies die Organisation amerikanischer icnlstinnen, die den bisher weitaus größten Teil des Gesundheitsdienstes im Lande in der Hand hat. Von der eintretenden Kendidatin wird Absolvierung einer höheren Schule und vor allem gute Kenntnis der hebräischen Sprache verlangt. Es gibt zwei Arten der Ausbildung: Hilfsschwestem, die in ernenn sechswöchentlichen Kursus, und Vollschwestern, die drei Jahre und drei Monate ausgebildet werden. Letztere bekommen nach dem ersten Halb'ahr eine Bezahlung von zwei Pfund pro Monat (also wesen lich mehr als hier), während die Hadassah für freie Station und Kleidung völlig sorgt. Die Schwestern müssen besonders auch in der Hinsicht ausgebildet sein, daß sie an Orten, wo ein Arzt nicht zu erreichen ist, gelegentlich selbständig zu handeln vermögen. Im letzten Halbjahr ihrer Lehrzeit wählt sich die Schwester ein ihr naheliegendes Sondergebiet, wie soziale Fürsorge, Tuberkulosebekämpfung, Säuglingsfürsorge, Schulpflege usw. und erhält eine dorthin gerichtete, spezialistisehe Ausbildung. Bisher haben etwa fiO Hadassahschwestern im Laufe der Jahre ihr Examen bestanden und sämtlich sofort Arbeit gefunden; etwa SO sind noch in der Ausbildung. Im Auslände ausgebildete Schwestern stellt Hadassah nur ein, wenn sie zum mindesten den sechswöchentliehen Kursus in einer ihrer Schulen absolviert haben, um eine Gleichförmigkeit des Systems der Krankenpflege za garantieren. Das Schwestemmateria! setzt sich aus allen möglichen Ländern zusammen, vorwiegend Ostiüdinnen, aber auch persische, bucharische, jemenitische Jüdinnen sind darunter. Bis auf eine einzige holländische Schwester, die noch in der Ausbildung ist, sind, wie Frau Olitzki mit Bedauern feststellte, keinerlei Westjüdinnen unter den Hadassaffschwestern, wahrscheinlich eine Folge ihrer durchgehend zu geringen hebräischen Kenntnisse. Frau Olitzki schilderte dann das große Arbeitsgebiet, das sich speziell der Sozialschwester im Lande bietet. Wie sie Vater, Mutter, Kinder, Säugling, Wohnung, Ernährung, Kleidung, Sauberkeit inspizieren und( umstellen muß, wie besonders beim alten Jischuw man in der ersten Zeit vor der Fürsorgerin die Türen schloß und sich erst allmählich an ihr Walten {gewöhnte. In den Schulen erteilt die Schwester als gleichberechtigte Lehrperson Unterricht in Hygiene, und die Kinder nehmen ihn begeistert auf und bringen die neu gewonnenen Anschauungen nach Hause mit. Zum Schluß beantwortete Frau Olitzki allerhand Anfragen über die Aussichten, die sich von Deutschland kommenden Schwestern im Lande bieten; sie riet unbedingt dazu, aber nur nach gründlichem Erlernen des Hebräischen. Die Zuhörer dankten Frau OlitzM durch herzlichen Beifall für ihre anschaulichen, klaren AusfühiDngen und baten, auch nach Frau Olitzkis baldiger Heimkehr durch ständige Berichte über die Arbeit im Lande auf dem Laufenden gehalten zu werden. Die Zionistische Frauengruppe Breslau hofft, soweit es in ihren Kräften steht, sich an der Linderung der Not im Lande beteiligen zu können. Dr. Frager-Badt.

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