Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 96, 2. XU 1927 JUEÖI5CHE RUNDSCHAU SeHe 679 Licht und Schatten Von unserem palästinensischen Korrespondenten. F. L. Jerusalem, den 21. November. Wer behauptet, daß sich das palästinensische Aufbauwerk in einem Zustande schwerster Krise befindet, »Ja, wer es so darstellt, als ob wir im Grunde am Orabe unserer Hoffnungen ständen, sieht mjf einen Teil des Geschehenen. Während unsere propagandistischen Erfolge bei der Geldaufbringung und der Verbreitung des zionistischen Gedankens wie bekannt noch recht unbefriedigende sind, haben wir leider auf einem Gebiete einen durchschlagenden Erfolg auf/uweisen: Es ist gelungen, die Kunde von der Krise in Paläsiina bis In die fernsten Winkel der Diaspora zu tragen. Zahllose Juden und Nichtjuden, die weder von der Bai four- Erklärung noch der Kolonisation des Emek roden gehört haben, erhielten ihre, erste Information über Palästina in der Form, cs sei alles zusammengcbrochcn. Palästina selbst arbeitete in dieser Richtung. Was jeder persönlich auf dem Herzen trägt, das erzählt er mit größter Unbefangenheit jedem Besucher des Landes, auch wenn dieser bisher nichts von Palästina und dem Aufbauwerk wußte und völlig außerstande war, die heutige Situation als die Folge bestimmter vorausgegangener Ereignisse zu begreifen und daraus wieder zu verstehen, daß auch auf diese Krise wieder eine andere Epoche folgen müsse. Wer den Typus des palästinensischen Touristen kennt, der weiß, wie unvorstellbar wenig er bei ihm voraussetzen darf. Jüdische Touristen, die in Palästina einen Judenstaat mit jüdischem Ministerium vorn!finden glauben, sind ebensowenig eine Seltenheit, wie Touristen, die überhaupt noch nichts davon gehört haben, daß es in Palästina jüdische Arbeit und Leistung gibt. Man versteht die verheerenden Folgen, die unvermeidlich dann eintreten müssen, wenn nun einem solchen Touristen Einzelheiten über die Lage erzählt werden, die bestenfalls Ausschnitte aus einem umfassenden Bild sind, schlimmstenfalls unbewiesene oder erweislich falsche Gerüchte. Die Frage der hohen Gehälter etwa, um ein praktisch sehr wichtiges Beispiel zu nehmen, wird hier in Palästina, meines Erachtens nicht mit Unrecht, als eine wichtige Frage angesehen; was aber versteht der Tourist davon, der nicht einmal weiß, daß es zionistische Institutionen und Beamte gibt und was sie zu tun haben? Wie gesagt, wir haben alles getan, um die Schwächen unserer Sache der Welt bekanntzugeben. Ist es nun wahr, daß das gesamte Aufbauwerk in Frage steht? Um diese Frage zu beantworten, muß man daran erinnern, daß Palästina bei all seiner Kleinheit doch große Entfernungen hat und, was wichtiger ist, ganz verschiedene Menschengnippen, die unter völlig verschiedenen Verhältnissen leben. Und so entsteht ein sehr verschiedenes Bild von Palästina, Je nachdem, ob man es vom Büro der Palästina-Exekutive, von dem ärmlichen Zimmer eines Tel- Awiwer Arbeitslosen, von einer Kwuzah des Emek, von einem Pardes In Petach Tikwah oder einer Fabrik in Haifa aus betrachtet. Der Versuch, zu einer umfassenden Uebersicht zu gelangen, wird etwa zu dem Ergebnis führen, daß in Palästina überall da Krise herrscht, wo di« Institutionen mehr oder weniger direkt von der Zionistischen Organisatioa und ihren finanziellen Mitteln abhängt, weit «rattnr das nicht der Fall .fel ifie'.-Äge”'der: ArbÖterst' in den Pf 1 an zu n gssl ed Iu nge n , diese vtel behandelte Frage, erschöpft sich nicht in der Tatsache, daß viele dieser Arbeiter ohne Arbeit sind, sehr viele nur Saisonarbeit haben, ‘sondern sie erfordert auch die Konstatierung der anderen Tat- Sachen, daß Immerhin heute fast 5000 jüdische Arbeiter, in welchen Verhältnissen auch immer, in diesen Siedlungen arbeiten, während noch vor wenigen Jahren es nur wenige Hundert waren. Und jedenfalls Ist unbestreitbar, daß alle diese Siedlungen sich in einem Zustand atisgesprochen c r Blüte befinden, daß die Plantagenwirtschaften, vor allem die Orangengärten, sich glänzend rentieren, daß ständig neue Bojaren entstehen, daß neue Kulturen ausprobiert werden. Auch das ist ein Teil des Bildes des gegen• wärt!gen Palästina, ebenfalls nur ein Teil, aber weder weniger wichtig noch weniger richtig als die Darstellungen über die Krise. Ebenso liegt es auf dem Gebiete der städtischen Kolonisation. Es ist hier wie überall auf der Welt: Was gut ist, das ist selbstverständlich und braucht nicht erwähnt zu werden; über das, was schlecht ist, fallen alle her. Unbestreitbar ist, daß zahlreiche Einwanderer der vierten Alijah gescheitert sind, unzweifelhaft, daß viele Unternehmungen industrieller und kommerzieller Art mißlingen. Aber das Bild ist unvollständig, wenn man nicht danebenstellt, daß aflein in T el-Awhv 4000—5000 Juden in Industriellen Betrieben arbeiten, daß etwa ״Lod zi a“ in Tel-Awhv oder ״Nes eher“ bei Haifa sehr erfolgreich arbeiten, ihre Produktion und die Zahl ihrer Arbeiter vergrößern und daß insbesondere nach Inkraftsetzung des neuen Zolltarifs ein weiterer Aufschwung vieler dieser Unternehmungen zu erwarten steht. Man verstehe uns recht: Nichts liegt uns ferner, als beschönigen zu wollen. Der ganze Ernst der Lage wird nicht im geringsten dadurch vermindert, daß es erfreulicherweise Gebiete des Aufbauwerks gibt, die von der Krise nicht (oder muß man sagen: bisher nicht?) ergriffen wurden. Alle großen Zukunftshoffnungen sind leider nicht imstande, im Augenblick Abhilfe zu schaffen. Kein Zweifel, der H afenbau in Haifa nähert sich seinem Beginn. Ein Regierungsbüro zur Vorbereitung des Baus ist eröffnet worden, es werden Messungen vorgenommen und es scheint, als wenn hier endlich der entscheidende Schritt vorwärts getan wird. Und auch das größte und zukunftsirächtigste aller palästinensischen Unternehmungen, die Ausbeutung der Bodenschätze des Toten Meeres, scheint sich seinen! Beginn za nähern. Es ist klar, daß der ,Weg zur normalen Beschäftigung aller palästinensischen Arbeiter und gewiß auch zahlreicher Neueinwanderer nur durch derartige Unternehmungen gewährleistet werden kann. Aber ebenso unbestreitbar ist, daß das für den Augenblick nichts hilft, daß wir in einer bitteren Uebergangszeit stehen, wo Radikalmittel noch nicht zur Verfügung stehen. Auch das Ruthenberg-Zentral werk wird erst sehr langsam größere Arbeitermengen aufnehmen können und eine Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Im Augenblick ist die Lage so, daß nur in T c 1 - A w i w Arbeitslosenunterstützung gezahlt wird, während in den anderen Städten alle Arbeiter beschäftigt sind. In Jerusalem wk übrigem auch in Nablus, Jericho und Bethlehem arbeiten viele Juden bd der Reparierung der Erdbebenschäden. In Jerusalem baut man das Seminar und das Handelszentrum, man baut in der neuen Vorstadt Bajith Wcgan und Juden arbeiten auch vielfach bei privaten arabischen Bauten. In Haifa gibt es die wichtigen Entsumpftmgsarbeiten an der Kischonntündun g. Vor allem ist auch zu erwähnen, daß die Regierung in diesem Augenblick ungefähr 1000 jüdische Arbeiter beschäftigt, so vor allem bei den Chausseen RLchon 1e Zion --Rechohotli und Petach Tikwah—Jaffa. Im nächsten Jahr hat die Regierung einige weitere Unternchrmingen in Vorbereitung, so insbesondere den Bau des großen Museums aus der jüngsten Stiftung von Rockcfelfer und den Bau zweier landwirts c h a f 11 i c h e r Schulen (für die Juden im Emek, für die Araber bei Tulkerem) aus den Mitteln der Kadoorie-Stiftung. Auch hierbei wird hoffentlich mit der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in weiterem Umfang gerechnet werden können. So bleibt vor allen Dingen das Problem der 6000 Unterstützungsempfängcr in Tcl-Awiw. I las wäre allein schon kritisch genug, aber es kommt ein weiteres Moment hinzu. Alle die Arbeiten, bd denen heute jüdische Arbeiter iu Jerusalem und Haifa sowie den Chausscehauteti beschäftigt sind, sind ja kurz befristete Aufgaben, von denen ein Teil, wie etwa die Haifaer Drainage-Arbeiten, beim Einsetzen der Hauptregenperiode abgebrochen werden müssen, während die anderen sich ohnedies ihrem Abschluß nähern. So muß schon heute der Tatsache ins Auge gesehen werden, daß etwa im Januar ein wesentlicher Teil der im Augenblick beschäftigten Arbeiter wiederum arbeitslos sein werden, ohne das vorläufig die Hoffnung gehegt werden könnte, daß bis zu diesem Zeitpunkt etwa der Hafenbau oder ein anderes der größeren Projekte bereits Arbeiter beschäftigen können. Die schmerzliche Frage, ob damit in Jerusalem und Haifa von neuem Unterstützung gezahlt werden muß und, was wichtiger ist, ob das unter den gegenwärtigen Verhältnissen überhaupt möglich ist und was geschehen soll, wenn keine Unterstützung bezahlt und keine Arbeit gegeben werden kann, erhebt sich drohend. So etwa stellt sich die Lage dem dar, der das Oute und das Schlechte richtig zu sehen und zu einem Bilde zusammenzufassen sucht. So wird es auch dem Touristen erscheinen, der unvoreingenommen das Land besucht, nicht zu knappe Zeit zu seiner Verfügung hat und nicht auf Zufallsinformationen hört, sondern sich bemüht, leine Informationen aus den ersten Quellen zu bekommen. Mehr als je zuvor sollten wir heute alles tun, um möglichst vielen Juden Reisen nach Palästina nahezulegen. Nichts falscher als die Befürchtung, daß die gegenwärtige Lage in Palästina nicht geeignet sei, uns Freunde zu gewinnen. Gewiß, wer unberaten nach Palästina kommt, jedem Gerücht Olauben schenkt, statt den eigenen Angen oder zuverlässigen Gewähremännern zu trauen, mag enttäuscht, ja verzweifelt zurückkehren. Deshalb gilt es, die jüdische Öffentlichkeit aufzuklaren, den Touristen noch in seinem Helmatlande zu sagen, was er ln Palästina finden wird: efnen hoffnungsvollen, begonnenen Bau, eine augenblickliche Stockung des Werkes, die er, der Tourist, nach seiner Rückkehr aus Palästina zu beseitigen mitzuhelfen vermag. Die Palästina-Anleihe ״Times״ vom 30. November veröffentlicht Jta Hlandelsiell den Prospekt der AnlelhederPalästina-R*g1erung für die bekanntlich die britische Regierung *ach Behandlung Im Parlament die Garantie übernommen hat. In dem Prospekt heißt es: Die Ausgabe erfolgt auf Grund der Palestine Loan Ordinance von 1927 zum Jlweck einer Aufbringung von 4(4 Millionen Pfund, wovon ein Teil für den Bau eines Hafens in Haifa, für die Verbesserung des Hafens in Jaffa und für Verbesserungen derEiscnb ahnen sowie für öffentliehe Arbeiten verwendet werden wird. Von dem anderen Teil wird eine Million Pfund an die englische Regierung bezahlt werden für Eisenbahnen und andere Kapitalgüter, die von der Palästina-Regierung übernommen wurden, und der Rest wird zum Teil zur Deckung der Kosten der Aufbringung der Anleihe und zum Teil zur Rückzahlung von Geldern verwendet werden, die för Ausstattung und Verbesserung der Eisenbahnen, für andere öffentliche Arbeiten und für die Uefcernähme der Eisenbahn Jaffa—Jerusalem verwendet wurden. Im folgenden werden die Ziffern der Einnahmen und Ausgaben der Palästina-Regierung in den letzten fünf Jahren wiedergegeben. JaHr (bis 3t. 3.) Einnahmen St&rreuHo« der brU’sch&n Reffena יזו* für GeneÜirmerc ©d. trenif. Grenzkorp* Gesamt- Einnaairtn Gesamt' Ausgaben £ £ £ £ 1923 1,810,176 281,379 2.09-1355 2,169,064 1924 1,677.226 240,621 1,917.847 1,916,976 1925 1,959.820 195,126 2,154,916 1,852,955 1926 2,604.446 201,878 2,899.321 2,092,648 1927 2,364,889 86,476 2,451,365 2,123,568 Die Amortisationsdauer der Anleihe Ist 1942 bis 1967. Fm Jahre 1967 muß die Bank von England das vom britischen Schatzamt garantierte Anlcihekamtal zürn Parikurs (IOO 0׳״) rückzahlen, iedoch bleibt der Palästina-Terrierung das Recht Vorbehalten, die Anleihe schon vom fahre 1912 an jederzeit nach voran״c״an״ener dreimonatiger Kündigung z׳!m Pankurs zu tilgen. Die Zinsen sind im Mai und im November iedes Jahres zu zahlen. Da die Anleihe dem Ze;chner für eine Dauer von mindestens 15 Jahren eine füntnro^entice Verz'nsun״ garantiert, waren die Aussichten der Anletiie m der City von vomherein als sehr günstig beurteilt worden. Direkter Fisenbahverkehr London - Palästina London, 27. November. (J.T. A.) Im Verlaut des Monats Dezember wird ein direkter regelmäßiger Zugdienst zwischen London und Cairo über Palästina eröffnet werden. Die Route ist folgende: Eng- Lind—Frankreich —Schweiz—ItaBen—lugoslavicn—Bulgarien — Euronäisrhe Türkei—Asiatische Türkei—Svrieti—Palästina—Aepvnten. Nur an zwei Stellen wird der Eisenbahn!״״ mittels Fähre das Meer Obernuereu: Zwischen Dover und Calais und zwischen Konstantteopel und Faidar. Die Reisedauer beträgt vorläufig sechs Tage, dürfte aber in Kfhre a״f fünf Tage reduziert w׳erd״n. Zwischen Trfnoüs und Haifa wird bis zur Fertigstellung der geofanfen Eisenbahnlinie die Strecke mittels Auto zurückgelegt werden. f , .1, •® Die Er6Bnm10 der Schales Jerusalem, 28. November. (J. T- A.) In allen von Juden bewohnten Ortschaften Palästinas sind die hebräischen Schulen, die seit den letzten großen Ferien geschlossen waren, am letzten Sonntag wieder eröffnet wor■ den; der Unterricht geht normal vor sich. Eine Ausnahme machen die Städte Tel-Awlw und Haifa, wo noch mit Bezug auf die Höhe des Beitrags dieser Städte zum Unterrichtsbudget Schwierigkeiten bestehen. Kompliziert wurde die Angelegenheit dadurch, daß die Palästina-Regierung ihren Beschluß, der vom Magistrat von Tel-Awlw beschlossenen Einführung einer progressiven Schulsteuer zucustinunen, plötzlich umgestoßen hat. Der Korrespondent der ״Times“ hebt hervor, daß die Eröffnung durch die Spende Edmond Rofhsch ilds und durch die Beiträge der jüdischen Ortsgemeinden ermöglicht worden ist In Tel-Awiw wurden in den letzten Tagen mehrmals Umzüge der Kinder als Demonstration gegen die Schließung der Schulen veranstalte(. Dies zeigt die Unhaltbarkeit der Verhältnisse. So sehr wir Genugtuung empfinden über die Eröffnung der Mehrheit der Schulen, 60 sehr beunruhigt nach wie vor das Problem Td-Awiw, Es müßte alles daran gesetzt werden, dein Zustand dort schnellstens ein Ende zu machen und wenigstens die Schulklassen zu eröffnen, über die kein Streit bestellt. Das palästinensisch-syrische Zollabkommen Der Korrespondent der ״Times“ meldet aus Jorusalern, daß das zwischen den Regierungen Palästinas und Syriens vereinbarte Zollabkommen fallengelassen wor ־ den ist. Dies wäre eine Bestätigung der Mitteilung, die Dr. Weizmanti bereits in seiner letzten Berliner Rede gemacht hat. Der Aoshilirhatco Iflr das Irali-Oel London, 27. November. (J. T. A3 Das jüngst getroffene Arrangement zwischen den führenden Oeiproduzenten und Oelhändlern der Welt hat die Frage des Austuhrhatens für das Oel aus dem Irak wieder akut werden lassen. Während die syrischen Teilnehmer der Oelkonzerne den Plan einer unterirdischen Röhrenleitung aus dem Irak nach Alexandrette in Syrien befürworten, bevorzugt eine andere Gruppe, in der sich die britischen Interessenten befinden, den Bau einer Röhrenleitung aus dem Irak nach dem Hafen von Haifa in Palästina. Wie die J.T. A. erfährt, ist König FeisaI vom Irak, der gegenwärtig zu Besuch in England weilt, außerordentlieh dafür interessiert, daß eine Eisenbahn und eine unterirdische Röhrenleitung von dem Irak nach H a 11 a gebaut werden. Er hat der Apglo-Persfan Oil Company und der Turkish Petroleum Company diese seine Ansicht zur Kenntnis gebracht Die Palästina-Regierung und die palästinensisch-jüdischen Kreise sind ihrerseits sehr daran interessiert, daß die RöhreirteÖung nach Haifa gelegt wird, wo demnächst mit dem Bau des großen Hafens begonnen werden wird, dessen Bestimmung es ist ein Hauptumschlagsplatz zwischen dem Osten und dem Westen zu werden. Man glaubt daß die Haltung der arnerikeltischen Gruppe der Oelurteressenta» für die Wahl des Ausiuhrhafens entscheidend sein wird. Felix RoseaWflüi tat Riga Von unserem Korrespondenten. Riga, 27. November 1927. Am vorigen Sonntag trat In Riga das Mitglied der zionistischen Exekutive Herr Felix Rosenblüth ein. Es ist dies das erstemal, daß ein Mitglied der höchsten zionistischen Instanz Riga mit seinem Besuche beehrt. Bisher hatten wohl mehrere prominente Zionisten unsere Stadt autgesucht sie beschränkten sich aber bloß auf Propaganda, deren Wirkung leider nur kurze Zeit anhielt. Das lag vor allem daran, daß es an einer Zent r a 1 e fehlte, die imstande wäre, die jeweils durch Propaganda erzeugte Stimmung auszunutzen. Die wiederholt unternommenen Versuche, die Zionistische Organisation aus dem lethargischen Schlafe zu erwecken, sind an rein lokalen Hindernissen gescheitert Der Besuch von Rosenblüth war also eine Notwendigkeit, . Am Bahnhof wurde Rosenblüth von Vertretern aller zionisifedien Fraktionen und Gruppen sowie auch der zionistischen studentischen Korporationen empfangen. Er ist sofort mit den leitenden Persönlichkeiten des lettiändischen Zionismus in Fühlang getreten. Als Ergebnis drei Tage währender Verhandlungcn ist am Dienstagabend eine Arbeitsgemeinschaft sämtlicherzionistischerFraktionenundGrup• pen, von Misraehi bis Z.S., zustande gekommen. Für das zionistische Leben unserer Stadt und damit auch unseres Landes ist das ei* Ereignis von größter Bedeutung. Die Folgen werden steh in nächster Zukunft zeigen. Außerdem hat auf Initiative von Rosenblüth eine Besprechung von Vertretern der zionistischen Studenten- Korporationen stattgefunden. Es wurde die Gründung einer Arbeitsgemeinschatt beschlossen, deren Zweck die Koordinierung der zionistischen Arbeit sein soll, sowohl der kulturellen als auch der praktischen Palästina-Arbeit. Dieser Arbeitsgemeinschaft sind die Korporationen Hasmonaca“, ״Hechawer“ und der Landesverband des K. J. V. beigetreten. 1 Rosenblüth sprach aut einer öffentlichen Kundge bung über zionistische Probleme. Er schilderte die Lage der Organisation, besprach die wirtschaftliche Lage und beschäftigte sich darauf eingehend mit politischen Fragen. Aut einem Diskussionsabend für Akademiker, der vom Landesverbände des K. J. V. veranstaltet wurde, beautwertete Rosenblüth einige an ihn gerichtete Fragen und hatte dabei Gelegenheit, sich mrt dem Revisionismus auseinanderzusetzen, Mittwoch abend hat Rosenblüth unsere Stadt verfassen. Seine kurze Anwesenheit hat ihre Wirkung nicht verfehlt In die zionistischen Reihen ist wieder Arbeitsfreudigkeit gekommen. Es wäre zu wünschen, daß die Zionisten die übernommenen Verpflichtungen erfüllen, und daß bei uns im Lande wieder zionisfischcs Leben beginnt. Benzion A wi wi. 10 Jahre ״Hatikwah“ Jerusalem, 10. November. (J.T. A.) Vor genau 50 Jahren hat der hebräische Dichter Naphiali Herz Iraber das Lied ״H a 11 k w a 11״ geschaffen, das einige Jahrzehnte später zur Nationalhymne der Zionisten geworden ist. Aus Anlaß dieses Jubiläums gibt Srhmarjah imber, der in Palästina lebende Bruder des Dichters, die Gedichte Naphtali Herz Imhers gesammelt heraus.