Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 95 (29.11.1927)
- Date
- 1927-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 95, 29. NI. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 673 Zeit *Spiegel Ohne Hebräisch und Palästina? Die Berliner jüdische Reformgemeinde veranfaltete vor einigen Tagen r ten Gemeindcabend. Interessant, die Strömungen zu bcobachmvi, die innerhalb dieser Gemeinde einander gegenüberstellen. ln der Diskussion, die sich an ein Reterat von Dr. Peyser über ״Erreichtes und Gewolltes‘‘ und von Frau Heinrichsdorff über ״Praktische Arbeit“ anschloß, beklagte Dr. Friedrich Brodnitz als Jugcndvertrcier, daß zwischen den Jungen und der älteren Generation ein tiefer Riß klaffe; zu sehr habe man die traditionellen Formen, die die Juden der ganzen Welt miteinander verbinden, außer acht gelassen, einem Außenstehenden müsse die Form der Gottesdienste, in denen z. ö. ohne Koptbedcclsung gebetet werde, müsse die Liturgie, aus der, namentlieh am Versöhnungstag, mit die schönsten und erhabensten Stellen gestrichen seien, fremdartig־ berühren. Prediger Dr. Lehmann wandte sich gegen diese Auffassung; die Sitte der Kopfbedeckung sei national-orientalischer Brauch, der im deutschen Gottesdienste keinen Raum haben dürfe. Diese Bemerkung veranlaßte unseren als Gast der Versammlung beiwohnenden Gesinnungsgenossen, Herrn Hans Klee, das Wort zu nehmen und darauf hinzuweisen, daß die Mißerfolge, die Dr. Peyser trotz achtzigjähriger intensiver Arbeit für den Reformgemeindegedanken in Deutschland konstatiert hätte, durchaus erklärlich seien. Während die Kreise des jüdischen Liberalismus in Deutschland unter Führung der jungen Rabbinergeneration sich wieder zum jüdischen Volkstum Irekennen, als Träger jüdischer Religiosität, verharrten die Kreise der Reformgemeinde in ihrer Isoliertheit. Nicht eine künstliche Reform, angepaßt an emanzipierte Bedürfnisse der Diaspora habe Lebensberechtigung, sondern lediglich eine Neugestaltung jüdischer Religiosität, wie sie sich in historischer Entwicklung aus einem freien jüdischen Volksleben im Lande der Väter ergeben werde. Die weitergehende Debatte, die in sachlicher und vornehmer Form geführt wurde, befaßte sich namentlich mit diesen Ausführungen. Interessant war in der Debatte der mannigfache Hinweis auf die amerikanischen Verhältnisse und auf das Zusammengehen selbst sehr weit linksstehender retorm'erter Kreise in Amerika mit der zionistischen Bewegung und dem Palästina- Aufbau. Jüdisches Denunziantentum Wie wir kürzlich gemeldet haben, ist die Zionistische Organisation in Ungarn nach langem Kample von der Regierung legalisiert worden. Natürlich erhebt sich in dipsem klassischen Lande der militanten Assimilation bereits von jüdischer Seite Widerspruch, Die orthodoxe Landeskanzlei hat, wie uns aus Budapest berichtet wird, eine Landesrabbiner-Versammlung einberufen, die gegen Juden, die an der zionistischen Bewegung teilaehmen, den Bann (Cherem) aussprechen soll. Außerdem haben diese Herren den Abgeordneten Sandor P ä 1 zum Minister des Innern geschickt, um die Auflösung der Zionistischen Organisation zu fordern. Dabei wurden die bekannten Methoden der Denunziation angewendet. Der Herr Abgeordnete erklärte dem Minister, der Zionismus sei eine gefährliche ״Nationalitätenbewegung“, er treibe in den Ungarn benachbarten Nachfolgestaaten eme ungarnfeindliche Propaganda usw. Ueber diese Unterredung, die zwei Stunden gedauert haben soll, lassen die frommen Herren selbst in einem der Regierung nahestehenden Organ berichten und hetzen aut diese weise die wahrhaftig schon genügend verhetzte ungarische Bevölkerung gegen einen Teil des ungarischen Judentums in skrupellosester weise aut. Selbstverständlich kann man nicht verlangen, daß die Herren sich selbst zum Zionismus bekennen, aber der Kampf um die iioaisfisclie Idee-Ist '.eh1e'-i«nefe-׳־g«Äge.,Jüdtehe.,.:AH|«leg«Ät hfclt Wenn die Führer der orthodoxen Landespartei, Herr Lazar H a r t s t e i n und Leopold F r a n k es für richtig halten, fegen einen jüdischen Oeguer die Polizei anzurufen una andersenkende Juden bei der ungarischen Öffentlichkeit zu denunzieren, so sollte die Entrüstung der gesamten jüdisehen Welt innerhalb und außerhalb Ungarns diesen Herren zeigen, daß solche Methoden des innerjüdischen Kampfes nur schwerste Verurteilung finden kann. Theodor Fritsch and Henry Ford Wie wir in Nr. 93 mitgeteilt haben, hat Henry Ford am 1. November an den Inhaber des Hammer-Verlages, Theodor Fritsch, ein Schreiben gerichtet, in welchem er ihm den Weitervertrieb der deutschen Ausgabe des Buches ״Der internationale iude“ untersagt Hierzu erklärt Theodor Fritsch im Buchändler-Börsenblatt: ..Ohne zunächst zu der Frage der Rechtswirkung eines solchen Verbots Stet ng zu nehmen, stellt der Harmer-Yera» ausdiücklichst fest, daß bis zum 22. November eiß solcher Nürnbergs Bestattung Warschau, 2f. November. Ü.T. A.) Unter ungeheurer Beteiligung der Warschauer Judermeit wurde der im Kurort Otwozk bei Warschau verstorbene Dichter. Publizist und Politiker H. D. Nomberg in Warschau zu Grabe getragen. Die Leiche wurde nach dem Lokale des Scliriftsteller- und Journalistenvereins gebracht, dessen Präsident Nomberg war. Der Raum und der Hot des Hauses waren mit Kränzen angefüllt, die von jüdischen Institutionen gestiftet worden waren. Aus allen Teilen der Welt liefen Beileidsdepeschen ein. Vor dem Trauerhaus« in der Thomazkagassc staute sich eine vieltausendköpfige Menge, Polizei zu Fuß und zu Pferd hielt die Ordnung aufrecht. Im Trauerhause fanden sich zahlreiche Delegationen jüdischer sozialer Kultur- und Schulorganisationen, wissensehaftlicher Institutionen und politischer Organisationen ein. Vertreten waren auch die Redaktionen aller Warschauer und zahlreicher auswärtiger jüdischer Zeitungen. Gegen 1 Uhr nachmittags wurde der Sarg von Mitgliedern der Redaktion der Tageszeitung ״Moment“, der Nomberg zuletzt angehört hat, aus dem Hause getragen.‘ Hinter dem Trauerwagen schritten das Präsidium und die Mitglieder des Schriftsteller- und Journalistenvereins, Abordnungen des polnischen Schriftstellerverbandes, des polnischen P. E. N.-Klubs und die Mitglieder der Familie Nomberg. Daran schloß sich eine unübersehbare Menschenmenge. In den Gassen, durch die sich der Trauerzug bewegte, war der Straßenbahnverkehr eingestellt, die Lampen brannten. Um halb zwei Uhr nachmittags langte der Kondukt auf dem Friedhof an. Auch dort hatte sich inzwischen eine unübersehbare Menschenmenge angesammelt. Am offenen Grabe hielt die erste Trauerrede der Vizepräsident des jüdischen Schriftstellervereins S. Segalowicz, der Nomberg als einen der führenden Geister der letzten 30jährigen Epoche der jüdisehen Literatur und als einen Schöpfer des modernen jiddischen Stils feierte. Im Namen der folkistisch-demokratischeJi Partei nahm Dr. Z. Schabad Abschied von dem Mitbegründer und einem der geistigen Führer der Partei. Es sprachen noch eine Anzahl Vertreter von Institutionen. Mit dem Kaddisch-Gebet des Sohnes von Nomberg endete gegen 3 Uhr die Trauerzeremonie. Die Repräsentanz der Warschauer jüdischen Gemeinde hielt für H. D. nomberg eine Trauerfeier ab, in der der Vizepräsident des Gemeinderates, Dr. Gottlieb, die Gedenkrede hielt. Brief im Hammer-Verlag nicht eingegangen ist Der Veröffentlichung eines angeblichen Briefes in der Presse wohnt für ihn nicht die geringste Beweiskraft inne; das Buch wird daher nach wie vor ausgeliefert werden/‘ Disziplinarverfahren gegen Pro!. Möller Der Preußische Kultusminister hat die Voruntersuchungen in dem jüngsten Kathederskandal an der Berliner Universität (s. ״J. R.“ Nr. 01 vom 15. November) abgeschlossen. Er hat nunmehr gegen den außerordentlichen Professor an der juristisehen Fakultät Dr. E. v. Möller das förmliche Disziplinarverfahren eingelcitet. Nach Lage der Dinge kann kein Zweifel mehr daran sein, daß Dr. v. Möller seine akademische Lehrtätigkeit wird einstellen müssen. Faszismns und Antisemitismus Bukarest, 20. November. (J. T. A.) Der italienische Regierungschef Benito Mussolini empfing — wie ״Adeverul“ berichtet — mehrere ausländische, darunter auch rumänische, Journalisten und äußerte sich ihnen gegenüber über Faszismus und Antisemitismus. Der Faszismus, sagte Mussolini, ist, wie ich schon wiederholt sagte, keine Exportware. Die spezifischen Umstände in Italien gebieten andere politische Formationen als im Auslande. Faszismus bedeutet Einigung, Antisemitismus bedeutet Destruktion und Spaltung. Faszistischer Antisemitismus oder antisemitischer Faszismus ist daher krasse Absurdität. Mussolini fuhr fort: Wir amüsieren uns in Italien köstlich, wenn wir hören, daß in Deutschland die Antisemiten ihr Glück mit dem Faszismus versuchen. Und auch aus anderen Ländern wird uns berichtet, daß dort ein Faszismus mit antisemitischem Anstrich Wurzel zu fassen sucht. Wir protestieren aber mit aller Energie, daß aut diese Weise der Faszismus kompromittiert werde. Der Antisemitismus ist ein Produkt der Barbarei, während der Faszismus auf deT höchsten Zivilisationsstufe steht und dem Antisemitismus diametral entgegengesetzt ist. Unsere Tendenz geht dahin, um unsere Fahne alle Volksschichten zu vereinen. Wenn wir nun die Juden beiseite ließen, dann würden wir nur aut künstliche Weise das Lager unserer Feinde verstärken, denn es ist selbst• verständlich, daß wer nicht mit uns ist, gegen uns ist. RepräsentantenwaMen ln Leipzig Sonntag, den 27. d. M., fanden in Leipzig die Repräsentante 11 wählen statt. Es waren 11 Repräsentanten zu wählen. Das bisherige Ergebnis ergab, wie uns telephonisch mitgeteilt wird, folgende Wahlen: Liberale 6 Sitze, Jüdische V olkspartei 3 S itze, Erste orthodoxe Liste 1 Sitz. Handwerker und Zweite orthodoxe Liste konnten keinen Sitz erringen. Der 11. Sitz fällt entweder der Poale Zion, der Jüdischen Volkspartei oder der Ersten orthodoxen Liste zu. Die gewählten Vertreter der Jüdischen Volkspartei sind: Tumpowski, Frau Pfefferblüth und Dr. Pietrkowski. Repräsentantenwahl In Düsseldorf. Für die am 27. November durchgeführte Wahl der Repräsentanten war nach langen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Liberalen, Orthodoxen Zionisten und Ostiuden. die alle von dem Wunsche getragen waren, einen Wahlkampf mit seinen unausbleiblichen Erschutterungen zu vermeiden, eine Einheitsliste aufgestellt worden. Von den acht zu vergebenden Repräsentantensitzen erhalten die Liberalen fünf, der Block (Orthodoxe, Ostjuden, Zionisten) drei Sitze. Von den sechs Stellvertretersitzen erhalten beide Parteien je drei Sitze. Als Repräsentanten auf sechs Jahre sind gewählt; Josef Cohen, Rechtsanwalt Dr, G*MtlTte־h,• Manlz\f3<^|t,־l,f.e־fj״iV Samael *Oatidiene/., Raul Xtestädt^ 0!sk¥r Mänes , SaJly Rösenbtisch, Oskar Rosendahl. Als Repräsentantenstellvertreter sind gewählt: Josef Erle, Heinrich Horn, Julius Jelin, Rechtsanwalt Dr. Kann, Rechtsanwalt Dr. Orzegow und Dr. Ing. Herbert Simons. Konferenz des jüdischen Brzlehangswesens ln England London, 23. November. (J.T. A.) ln Manchester wurde eine von 230 Delegierten besuchte Konferenz des Zentral-Komitees für jüdisches Erziehutjgswesen in England abfehalten. Den Vorsitz hatte Dr. A. Eichholz inne, Prof. . B r od e ts k y von der Universität Leeds hielt einen Vortrag über die Ziele der jüdischen Erziehung. Rabbiner M. G 0110p behandelte die Frage der Lehrerausbildung, Rev. Dr. A. Cohen sprach über Erziehung der jüdischen Mädchen. Die Abendsitzung war den Berichten der Provinz-Komitees gewidmet. Erörtert wurden auch die Ernennung von Unterrichts-!eitern in den Provinzen und die Frage der Herausgabe geeigneter Unterrichtswerke und JugeacTschriften. Die neue Zollordiianii für Palästina Die Palästina-Regierung veröffentlicht in einer Extraausgäbe der ״Officia! Gazette‘1 eine ״Customs-Tariff-Ordinance Nr. 40 of 1927“, die für die palästinensische Wirtschaft eine Aenderung von großer Bedeutung bringt Bisher war bekanntlich in Palästina bis aut gewisse Ausnahmen als Zollsystem das System der Wertzölle in Kraft, das die Regierung als Erbschaft des türkischen Regimes übernommen hatte. Im Laufe der Zeit hatte sie zwar schon einzelnen Wünschen und Beschwerden palästinensischer Wirtschaftskreise durch Modifikationen und Erleichterungen bestimmter Zollpositionen Rechnung getragen, doch blieb im allgemeinen der Zoll ad valorem bestehen, der für die Mehrzahl der Artikel 12 °/0, in gewissen Fällen (Textilwaren, Seife, Möbel usw.) 15 «/» und für manche Artikel (Konfektion, Wein u. a.) 20 «,0׳ betrug. Nun hat die neue Verordnung für 208 namentlich angeführte Positionen mit dem Wertzoll gebrochen und dafür spezifische Zölle festgesetzt In kommerziellen Kreisen wird man mit dieser Aenderung zweifellos zufrieden sein, da es früher immer als ungerecht und mit den wahren Bedürfnissen einer entwickelten Volkswirtschaft nicht im Einklang stehend bezeichnet wurde, daß aut alle Importartikel schematisch der gleiche Zollprozentsatz erhoben wurde. Andererseits haben spezifische Zölle die Wirkung einer höheren Belastung der billigen Sorten der gleichen Warenkategorien, da der Zoll unabhängig von der Qualität und dem Preis in gleicher Höhe pro Gewichtseinheit erhoben wird. Die ärmeren Bevölkerungsschichten, die aut den Konsum der billigeren Lebensmittel angewiesen sind, werden daher durch die neue Regelung stärker betroffen werden als die bemittelten Schichten, was angesichts der herrschenden Teuerung und der bestehenden Vcrhmtnisse lebhaft zu bedauern ist. Darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß gewisse palästinensische Industrien durch die neue Ver- Ordnung besonders geschützt werden und in dieser Aenderung zu ihren Gunsten einen wichtigen politischen Erfolg der zionistischen Bemühungen um Berücksichtigung der jüdischen industriellen Interessen sehen können. Die Zementindustrie z. B. genießt nach der neuen Verordnung gegenüber dem vorherigen Zustand einen mehr als dreifach erhöhten Zollschutz. Ebenso werden eine Reihe kleinerer Industrien von der Einführung der Differentialzölle Vorteil haben, da sie die billige Konkurrenz minderwertiger ausländischer Ware nicht mehr so zu fürchten brauchen. Die Zukunft wird zeigen, ob die geschützten lndustrien den ihnen von der Regierung gewährten Schutz nicht zu egoistisch auf Kosten der breiten Schichten der Bevölkerung ausnutzen werden. Die Auswirkung aut den Handelsverkehr mit Deutschland. Zunächst ist von Bedeutung, daß im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Währung׳ in Palästina auch bei den für die Zölle zu entrichtenden Beträgen eine Ersparung von 2,5 *h stattfindet, da die Zollsätze unverändert in der alten Höhe erhoben werden. Darüber hinaus sind aber eine Anzahl von Aenderungen in einzelnen Zollpositionen eingeritten. So ist der Einfuhrzoll für Zement, der früher P. T. 23 pro Tonne betrug, jetzt aut 0,6 Mils pro Kilogramm, d. h. also um das Dreifache, ninaufgesetzt worden. — Nachstehend noch eine Uebersicht der nun geltenden Zollsätze für die wichtigsten Artikel des deutschen Handelsverkehrs mit Palästina: Zement und Kalk Bier fn Flaschen unter 40 ctis. Bier in Flaschen *von 40—80 cds. Bier in größeren Flaschen Alkohol u. a. Spirituosen denat Alkohol für menschlichen Konsum verwendbar Aluminiumwaren; Grammophon- und Phranogmmmplatten bis 25 cm Dürentn. über 25 cm Durchm. Elsen für Bauzwecke (in Form von Barren Stab- und Winkeleisen) Platten und Bleche aus Eisen Galvanisierte Platten und Bleche aus Eisen Träger- und T-Eisen Drähte, galvanisiert, verkupfert oder geflochten Eiserne Röhren Bleiröhren Eiserne Nägel, bis 25 mm lang Eiserne Nägel, über 25 mm lang Acidkarbon 0,6 Mils pro kg 7,5 ״ ״ Flasche 15.Q * n n 20,0 99 *9 99 15,0 99 » hg 165,0 n n a» 30,0 n » » 1» ״ Stück 40,0 9» n 9f 0,8 n ״ kg 1,0 n 99 9f 2,0 19 9f *» 0,5 n ff 9» 2,0 n 99 ff 3,0 99 יי $f 8,0 99 9t »» ¥ 99 n 99 99 99 *9 3,0 ff 99 99 Für die meisten der übrigen bisher aus Deutschland irapor tierten Artikel, wie Maschinen aller Art, Elektromotoren, Uhren usw., bleibt es, soweit sie nicht überhaupt zollfrei sind, bei den! bisherigen Sätzen in Höhe von 12 und 15 »A>. (1 Mil 2 «־־ Pf.) (Zika) Wieder ein jiddischer Schriltsteller gestorben Paris, 24. November. (J.T.A.) Heute verstarb hier an den Folgen einer Operation im Alter von 47 Jahren der jüdische Schriftsteller und Publizist Leizero witsch, der unter dem Pseudonym Isidor Lazar in der jüdischen Literatur und Journalistik sehr bekannt geworden war. Er veröffentlichte populär-wissenschaftliche Werke in hebräisch und jiddisch und übersetzte ״Grätz’ Geschichte der Juden“ ins Jiddische. Mehrere Jahre studierte er in Leipzig. Nach Rußland zurück• gekehrt, arbeitete er an dem Journal Woschod“ und an der Tageszeitung ״Hasman“ und leitete die Bibliothek der Moskauer jüdischen Gemeinde. In den letzten Jahren war er Pariser Korrespondent der New Yorker Tageszeitung ״Vorwärts“. Hebräischer Vortragsabend in Breslau Die Breslauer Zionistische Vereinigung veranstaltete gemeinsam mit dem hebräischen Sprachschulverein Kirjath Sefer am Sonntag, den 23. d. M., den ersten hebräischen Vortragsabend dieses Winters, der wiederum, wie im Vorjahre, einen erfreulich großen Besuch zu verzeichnen hatte. Der Vortragende war ein junger Dichter aus Palästina, Jizchak Lau• d a n, dessen kürzlich erschienenes Werk ״Massadah“ den hiesigen hebräischen interessierten Kreisen zum Teil bereits bekannt war. Vor Beginn des Vortrags gab Herr Reznikow, der Leiter der Sprachschule, eine kurze Einführung in das Werk des Dichters, der alsdann das Wort zu seinem Vortrag über die gegenwärtige Lage der hebräischen Literatur in Palästina nahm. Herr Lamdan erwies sich als ebenso hervorragender Redner wie Dichter, und gab ein außerordentlich anschauliches Bild von der Entwicklung der palästinensischen Dichtung in den letzten Jahren. Weiterhin schilderte er die jetzige Lage der hebräischen Schriftsteller im Lande. Nicht nur die allgemeine wirtschaftliche Krise wirkt naturgemäß auch auf diese ״geistigen Chaluzim“, die rein äußerlich in schwerer Not leben, sondern außerdem tragen diese Menschen auch noch eine geistige Krise, deren Ueberwindung eine wahrhafte Pionierarbeit erfordert. Der Vortragende selbst erschien aber den Zuhörern wie eine Bestätigung seiner Zuversicht, das ebenso wie die körperlich arbeitenden Chaluzim trotz aller Schwierigkeiten zum größten Teil ungebrochen sind, auch diese Chaluzim der geistigen Arbeit durchhalten werden, Der Eindruck des Vorträges auf die Zuhörer war außerordentlich stark. Herr Lamdan las dann noch Teile aus verschiedenen seiner Werke vor und weckte damit zunächst den starken Beifall der Zuhörer. Als dann aber der offizielle Teil dieses Abends geschlossen war und die jüngeren Teilnehmer noch im kleinen Kreise längere Zeit mit ihm zusammensaßen, sprachen und palästinensische Lieder sangen, ergab sieh, daß eins seiner Gedichte schnell zum Lied geworden war und sich zwanglos in irgendeinen Nigun fügte, der sofort von allen wie ein längst bekanntes Lied gesungen wurde. So kann man in einer Zeit jüdischen Aufbaus leicht Zeuge werden, wie jüdische Volkslieder entstehen, -r. Herbstansstellimgeii Obwohl im Sommer gerade jüdische Kunst In der Juryfreien wie im Kartell nicht zu übersehen und repräsentativ in voller Eigenart durchaus anerkannt war, glänzt sie in der ״Akademie“ völlig durch Abwesenheit. Lediglich der Jude als die ״interessante Künstler-Einzelpersönlichkeit“ ist vorhanden wie immer, aber da sind die uns schon seit langem bekannten stets wiederkehrenden Namen. Neu war lediglich, daß in der ״Graphischen Ausstellung“ von einer solch anerkannten graphisehen Begabung wie Rahe! Szalit ganz ungraphische Arbeiten vertreten sind. Rahel Szalit, die von jüdischer Seite eine interessante Parallelerscheinung darstellt zu der großen graphischen Naturbegabung der Maria Braun, Rahel Szalit, deren Illustrationen zu Scholem Alechem und anderen jüdischen Autoren mit dem Volksleben so tief verwachsen sind, findet man hier nur mit einer Zeichnung, einem Doppelporträt: ״Zwei Kinder“. In der Akademie sieht man nur das eben Aktuelle: die Bühnenentwürfe Zuckmayers zum Schinderhannes. Einzig das Werk von Käthe Kollwitz ist herrlich groß in zwei Sälen. Die Monumentalität dieser gewaltigen Gestalten, die unserer Gegenwart Geltung gibt una erschreckende Wahrheit, zeugt immer wieder zur Ehrfurcht vor der fast mystischen Größe ihrer Linie. — Pechstein, für den in der jüdischen Oeffentlichkeit von Anfang an Interesse bestand, ist besser als seit langem. Die Zeichnungen von der See sind menschlich schlicht und ganz ohne Routine. Auch George Grosz ist eine Ueberraschung. Der radikale und unerbittliche Kenn- Zeichner des Gesichts der herrschenden Klasse ist unter die