Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 95 (29.11.1927)
- Date
- 1927-11-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652963--19557-2677446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 672 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Nr. 95, 29. KL 1927 Dieses Dokument hat er erkämpft gegen tausend Wider* stände. In seine Hände wurde es vor nunmehr zehn Jahren gelegt. Mit Beginn der hauenden und pflanzenden Arbeit wirklicher Erde wurde aus der Palästina *Idee das Palästina- Wc rk. Damit vollzog sieh ein Vorgang von zugleich tragischer und glücklicher Art. Tragisch, weil in das helle und nüchterne Eicht des Alltags gestellt, das Mcnscfienwcrk an Glanz und Farbe, an Schönheit und Vollkommenheit dem geträumten Ideal nicht gleichkam, glücklich, weil anders als der stets zur Abgrenzung führende Gedanke cs je vermocht hätte, das langsam und geduldig Stein au Stein fügende Werk durch das große Gewicht seines Daseins nach und nach ans der Angelegenheit einer Gruppe oder Partei eine Angelegenheit der gesamten jüdischen Menschheit machen mußte. Das ist die Entstehung des Keren Hajessod, des parteilosen Aufbauwerkes und das ist die für uns alle verbindliche und damit für uns alle verbindende Forderung und Aufgabe. Es ist ein neuer Beweis für die Größe Wcizmanns, daß er mit als erster auch das erkannte und sich mit dem großen Feuer seiner Energie widmete dem Dienste dieser Aufgabe. Immer und überall, wo Grolles geleistet wurde, war es ein Marin, der erst dein, was die Millionen gefühlt und gewollt, Form und Leben geben mußte, ein Alarm, umwittert von den Geheimnissen des Schöpfertums der gestaltende; Führer. Wir dürfen cs sagen, diesen Führer haben wir, wir haben Chain! Weizman«, in dem mit der Hingabe des leidenschaftlich Liebenden mit der Phantasie und Schöpferkraft des Künstlers zugleich der klare WlrklicJikeitssinn des Staatsmannes sich verbindet zu solcher Einheit, daß er Vollstrecker eines jahr* tausende alten Willens ist. Nach Dr. Perlmutter nahm das Wort Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer: Verehrte Anwesende! Die ge in e i n d 1 i c 11 c 11 Kölle* g i e n , deren Mitglieder heute zahlreich hier erschienen sind, haben mir der! ehrenvollen Auftrag gegeben, Herrn Prof, Dr. W cizmann im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde München herzlich willkommen zu heißen. Der Gruß gilt einer Persönlichkeit, die der bedeutendste Vertreter einer Idee ist, und es ist eben nicht leicht, neue Gedanken für diese Idee zu bringen nach den glänzenden Ausführungen, die wir von dem verehrten Herrn Vorredner gehört haben. Und doch möchte ich den Versuch machen, zum Aufbau von Palästina rein persönlich einiges zu sagen, zunächst allgemeiner Art. Es ist wohl eine der großartigsten Gestaltungen menschliehen Denkens und Fühlern und eine der größten Offenbannigen dichterischen Schauens, daß Faust, der rastlos bewegte Mensch, der in Sturm und Drang des Lebens Höhen und Tiefen durchmessen hat, am Ende seiner Tage höchste Befriedigung und das höchste Glück darin findet, dem Boden fruchtbares Land abzugewinnen. Die Sorge haucht ihn an, er wird blind, im Klirren der Staaten ergötzt sich der ge* blendete Manu. Die symbolische Kraft des Dichters nimmt immer höheren Flug, er gibt Befehl, die Zahl der Arbeiter zu vermehren und sie anzufeuern. Der von dem Schöpfer* glück erfüllte Greis spricht von seinem letzten Werk von einem abgesteckten Graben. Der letzte Plan dünkt ihm der Gipfel seiner Taten, die Austrocknung eines Sumpfes, der im fernen Gebirge h%zjehen41d(a»tEa1»d1׳reBj»Kt«t... ׳{Ba<.׳Ztdc1}afte• bild, die Besiedelung dieser neu erschlossenen gesunden fruchtbaren Erde mit Tausenden tätiger, in Gemeinsinn verbundener Menschen erfüllt sein Sehnen. Dieses Ideal eines friedlichen, aber durch stete Gefahr gestählten tüchtigen Da* seins, ist seine letzte Sehnsucht. ״Nur der verdient die Freiheit und das Leben, der täglich sie erringen muß.“ Diesen Gedanken hat ein jüdischer Denker unserer Tage mit Bezugnahme auf den Aufbau Palästinas in wunderschönen Worten aufgenommen, die in der Kundgebung des deutschen Pro-Palästina-Komitees enthalten sind. Rabbiner Dr. B a e c k nämlich sagt: Wir Meiischen mit allem unserem Verlangen des Emporfliegenwollens bleiben doch Mensche» dieser Erde, die nie größer werden wird. Aber es gibt doch eines, wodurch diese Erde größer gemacht werden kann. Wenn irgendwo Menschen den Erdboden mit einer Idee verbin• den, wenn irgendwo, wo immer es auch sei, der menschliche Gedanke mit dieser Erde, die immer gleich bleibt, sich ver* mahlt, dann ist die Erde größer geworden. Goethe wiederum drückt diesen Gedanken mit den ergreifenden Worten aus, daß menschliche Arbeit die Erde mit sich Selbst versöhnt, daß sie aus dem Chaos einen Kosmos macht. So zeigt sich uns der Gedanke des Aufbaus Palästinas vom allgemein menschlichen Standpunkt aus als eine den Menschen emportragende schöpferische Begeisterung. Und vom jüdischen Standpunkt sind wir auf das Tiefste berührt, daß diese schöpferische Kraft aus unserer eigenen Mitte quillt und mit dem Boden unserer Väter sich berührt, daß in der Kolonisation des Landes, In der Sprache, in der Schule, In der Universität, ihm Gebilde erwachsen sind, die der schöpferischen Kultur, der menschlichen Kultur und dein jüdischen Namen in gleicher Weise zur Ehre gereichen. Und mit unserem geistigen Auge schauen wir weite Strecken, vom Euphrat bis zum Nil, Länder, die im Altertum zu den blühendsten gehört haben und die heute eine halbe Wüste darstellen. Und unsere Einbildungskraft möchte in dem Wiederaufbau Palästinas den Ausgang sehen für eine Befruchtong dieser einst so gesegneten Länder der Welt Die Israelitische Kultusgemeinde München hat in Anerkennung dieser Leistung und in herzlicher Teilnahme an ihr der Universität in Jerusalem ein Angebinde überreicht: Zahlreiche, in einer Kassette zusammengelegte Fliegeraufnahmen, die während des Weltkrieges gemacht worden sind und die ein charakterisches Bild von der Struktur und der geographischen Beschaffenheit des Landes geben. Es stellen sich Fragen der Weltanschauung ein. Was will diese Schöpfung uns Juden der Welt, uns deutschen Juden sagen? Wem gehört unser innerstes Selbst, unsere ganze Liebe, unsere Zukunft? Was Ist der geistige Mittelpunkt unserer Persönlichkeit? Wir sind heute nicht zusammengekommen, um zu diesen und Ihnliehen Fragen der Weltanschauung Stellung zu nehmen. Wir haben uns versammelt, um dem Manne unsere Verehrung und Bewunderung zu zeigen, der der hervorragendste Vertreter des Palästina-Aufbaugedankens unter uns Lebenden ist. Wir begrüßen ihn als den Repräsentanten einer Idee, als den Träger einer echt jüdischen Idee. Wir begrüßen ihn als den Vertreter des Geistes, der die Materie überwindet. Möge der aJlverehrte Gast freundliche Erinnerungen an die Stunden mit sich nehmen, die er in Münchens Mauern verbrachte. Nachdem Herr Dr. Seide in hebräischer Sprache Herrn Professor Welzmann als den langjährigen Vorkämpfer für die hebräische Renaissancebewegung und den Mann, dessen Ver* diensten in der Hauptsache die Gründung der Universität Jerusalem zuzusr!treiben sei, begrüßt hatte, nahm dieser selbst, empfangen von brausendem Beifall, das Wort. Dr. Weizmann gab in seiner Rede eine umfassende Analyse der gegenwärtigen Lage in Palästina sowie der politischen und wirtschaftlichen Probleme und kenn* zeichnete, anknüpfend an die Darlegungen Dr. Neumeyers, das gewaltige Kultun^erk der Juden im Vorderen Orient und die großen!-*ortschritte die das Palästinavverk trotz allen Rückschlägen gemacht hat. Dabei sagte Dr. Weiztmnn: Es war kein Boden in Palästina, den haben wir aufgekauft; es war keine Sprache, wir haben sie geschaffen; es war keine Industrie, auch die haben wir geschaffen. Wir haben gezeigt, daß wir nicht nur die Spitzen des Lebens, Kabinettsminister oder Professoren sein können, sondern wir sind geeignet, auch Bauern und Schornsteinfeger zu machen, kurz, die Dinge, die die Grundlagen des Lebens bedeuten, bauen wir heute auf. Die Welt sicht deswegen mit so großem Interesse auf das Palästinawerk. Es dürfte Ihnen doch durch den Kopf gegangen sein, daß heute in New York 1 800 000 Juden und in Palästina nur 150 000 Juden leben und doch spricht und schreibt und polemisiert man über Palästina tausendmal mehr als über die Juden in New York. Denn diese sind nicht verschieden von Mündien oder London oder Berlin oder Warschau. Im Prinzip ist es immer dasselbe. Aber diese kleine Gemeinde in Tel- Awiw ist im Prinzip eine andere. Ich war »och vor 15 Jahren dort da ist man bis zu den Knien im Sand gewatet, heute ist dort eine Stadt, wo der Engländer hebräisch sprechen muß, um sich durchzubringen, und statt daß wir alle Sprachen der Welt sprechen, sprechen die anderen unsere Sprache. Es ist dies so grundverschieden, daß die Welt das einsieht und die Welt es nicht geglaubt hat, daß wir es fertiggebracht haben. Vor allen Dingen aber deswegen, weil wir es der Welt selber eingeredet haben, daß wir es nicht fertigbringen werden, vielleicht auch, weil unsere Vertreter der Welt eingeredet haben, daß wir unsere Sprache vergessen haben. Und nun möchte ich die Juden daran erinnern, daß die Welt mich und uns alle fragen wird: ihr habt gesagt, daß die ganze jüdische Geschichte aut diesem Wunsch äufgebaut ist, nun zeigt, daß das, wofür ihr und eure Ahnen geütien habt, jetzt verwirklicht werden kann. Und für das, was dort geschieht, tragen nicht nur die Zionisten die Verantwortung, sondern alle Juden. Denn diese Welt, die außerhalb uns steht, die macht keinen Unterschied zwischen einem Zionisten oder einem neutralen Juden, solche Finessen kennen nur wir. Hier ist die Mög* lichkeit gegeben, den Juden Palästina aufzubauen, und nun müssen wir zeigen, was wir verstehen. Nach Dr. Weizmanii, dessen Ansprache mit großem Enthusiasmus aufgenommen wurde, forderte Herr AI* fre d Berger zu Zeichnungen für den Keren Hajessod auf. Die Zeichnungen ergaben ein Resultat von 40000 Mark für den Keren Hajessod. Nach der Pause dankte Justizrat Dr. Emil Frankel in zu Herzen gehenden Worten Dr. Welzmann für seine Rede und seinen Besuch und feierte Ihn als Repräsentanten ״der jüdischen chochmo und des jüdischen Kawod“, worauf Dr. Wei2- 'VerÜ6taItang,'4n der ®er• wö Refsonen ÄHaÄittöJ, war' von der Zionistischen Ortsgruppe In vorbildlicher Weise vorbereifet. In Frankfurt (Von unserem Berichterstatter.) Welzmann traf in Begleitung von Alfred Berger, dem Direktor des deutschen Keren Hajessod, am Mittwoch Mittag, von Nürnberg kommend, gegen 2 Uhr In Frankfurt ein. Er wurde am Bahnhof vom Vorstand der Frankfurter Zionistischen Vereinigung, des Misrachi, der Zionistischen Frauengruppe und der Jüdischen Vblkspartei sowie von zahlreichen älteren und jüngeren Zionisten empfangen und vom Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn DfpL-Ing. Nathan Grünstein, offiziell begrüßt. Nachmittags um 5% Uhr fand im Hause von Herrn Dr. Ernst Kahn ein Zirkel vor einem Kreise geladener Gäste statt. Weizmann sprach vor etwa 40 Personen, unter denen man Prof. Franz Oppenheimer, Dr. Heinrich Simon, den Geschäftsinhaber der Frankfurter Zeitung, Dr. Gustav Oppenheim, den Präsidenten der Frankfurt-Loge und andere bekannte jüdische Persönlichkeiten, — Akademiker und Kaufleute — sowie die Chefredakteure der führenden Frank* furter Zeitungen bemerkte, über die augenblickliche wirf* schaftÜche und politische Lage des Palästinawerks. Das Referat war kurz gehalten, um den Anwesenden die Möglichkert zu Fragen zu geben, die auch ausgenutzt wurde; Weizmann antwortete ausführlich und hatte Gelegenheit, vorhan* dene Zweifel zu zerstreuen, Mißverständnisse zu klären und ein objektives Bild der Situation Palästinas zii entwickeln. Die Veranstaltung war außerordentlich gelungen; die Persön• lichkeit Weizmazms und seine sachliche Darstellung der Verhältnisse gewann unserer Bewegung wichtige Freunde gerade in Kreisen, die sich uns gegenüber bisher ablehnend verhielten. Abends um SV* Uhr fand ün großen Saale des Frank* furter Hofs der offizielle Begrüßungsakt zugleich als Feier des 10. Jahrestages der Balfourdekla* ration statt. Die Einladung war ausgegangen und unteTzeichnet vom Vorstand der Frankfurter Zionisti* sehen Vereinigung und dem Komitee für den neutralen Keren Hajessod, dem die Herren Dir. S. Bacharach, Otto Feistmann, Ernst Kahn, Rabb. Dr. Hoffman», Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Rabb. Dr. Salzbergcr, Fritz Sondheimer und Hans Weinschenk angehören. Der riesige Festsaal war iu einer Weise überfüllt, daß es zunächst fast einen beängstigenden Eindruck erweckte. Jedes Stückchen-Raum war eng mit Tischen besetzt; zwischen ihnen, rings an den Winden, in den Musiklogen, waren Stühle aufgestellt, um der Jugend die Möglichkeit zu geben, den zionistischen Führer zu hören und kennen zu lernen. 600 Personen waren anwesend. Weizmann wurde, als er in Begleitung von Alfred Berger den Saal betrat — Kurt Blumenfeld, der von der Veranstaltung des Pro-Paläslhta-Komi'.ees in Köln kam, erschien eist später — stürmisch akklamiert Zunächst begrüßte Dipl.-Ing. Grünstein im Namen der Zionistischen Ortsgruppe den Präsidenten, gedachte der Balfour-Dcklaration, der Erfolge und unermüdlichen Tätigkeit Weizmanns, der Fortschritte des Palästinawerks und der momentanen schwierigen Situation, die zu überwinden Pflicht aller Juden sei. Nach ihm hielt der erste Vorsitzende der Frankfurter Kultusgemeinde, Justizret Dr. Blau in deren Namen eine Begrüßungsrede, in welcher er, nach dem Dank für die Einladung der Gemeinde, folgendermaßen fortfuhr: Hochverehrter Herr Professor Welzmann! Welch jüdisches Herz schlägt nicht höher bei dem Gedanken an Zion, an Zion, von dem die Lehre ausgegangen, deren Verbreitung der vornehmste Daseinszweck, die göttliehe Aufgabe Israels ist? Und wel:her Jude, der erfüllt ist von den Weissagungen un erer großen Propheten, sehnt sich nicht herbei die Zelt, in der der wleaerauigebaute Tempel zu Jerusa’em ein Bethaus sein wird für alle Völker? Dieser religiösen Sehnsucht, dieser religiösen Hoffnung, die die Judenheit in den Jahrhunderten ihrer schweren Wanderschait durch die Welt aufrechterhalten, hat die zionistische Bewegung neue Nahrung gegeben, indem sie sich zur Aufgabe gestellt, das Land, das belüge, auf dem unsere Ahnen gewandelt, wieder zu einer Stätte zu machen, in der Juden und namentlich solche, die Ungerechtigkeit und Grausamkeit hindern, in den Ländern der gottgewollten Zerstreuung sich jüdisch auszulebei, getreu der jüdischen Aufgabe leben und die Zeit des Heiles vorbercitcn. Ihnen, hochverehrter Herr Professor, hat die Judenheit es in hohem Grade zu verdanken, wenn die erhabensten Endgedanken unserer Religion wieder Wurzel gefaßt haben in den Köpfen und Herzen vieler, denen unser Erbgut fremd geworden und die im Begriff waren, fremden Göttern zu dienen. Auch die in der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. geeinte Judenheit, als deren Vertreter ich zu Ihnen spreche, weiß ihnen herzlichsten Dank für Ihre aufopferungsvolle Tätigkeit für Zion, sie dankt lhnep um so herzlicher, je mehr sie weiß, daß Sie wesentlich mifgewlrkt haben an der Fassung jener Deklaration, in der die englische Regierung, die Inhaberin des Palästlnamandats, sich bereit erklärt, alle Bemühungen zu unterstützen, die die Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina bezwecken und die ausdrücklich hervorhebt, daß nichts geschehen dürfte, was die Rechte und den poütischen Status der Juden in irgendeinem Lande zu gefährden geeignet ist. Wenn auch nach dieser letzteren Richtung alles getan wird, was die deutschen Juden In ihrer großen Mehrheit für erforderlich halten, um ihrem Vaterland und dem Judentum mit gleicher Kraft zu dienen, dann können, ja dann müssen affe deutschen Juden Ihre Bestrebungen mit Herz und Hand unterstützen und heiß wünschen, daß das Aufbauwerk gelinge. Mir persönlich, dem es vergönnt gewesen ist, an der Hebung der Lage unserer armen bedrängten jüdischen Brüder im Osten jahrzehntelang ndtzuwirken, mir wollen S'c, hochverehrter Herr Professor, besonders gestatten, Ihnen meine tiefste Verehrung für Ihr Wirken in der gleichen Richtung zum Ausdruck zu bringen. In solchem Sinne sejen Sie, hochverehrter Herr Professor, In der Mitte der 1 sraelitlschen Gemeinde zu Frankfurt a. M. auf das herzlichste willkommen! Der allgütige Gott, der Hüter Israels, auf den wir bauen und dem wir vertrauen, schenke Ihnen noch lange die Kraft, zum Segen Israels und der Menschheit zu wirken. Sodann sprach der Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann, der bekannte Führer des Misrachi, hebräisch und deutsch, unterstrich die Verbundenheit aller Juden der Welt mit •ftj|1tfea,.1׳betente״die.1Nato|endi#eit.:;rigr ,religiösen Mbtmg des Aufbauwerks und bezteiciraete es als religiöse Pflicht Jedes Juden, sich am Aufbauwerk und insbesondere am Keren Hajessod zu beteiligen. Gerade seine Rede fand wegen ihrer Wärme und des aufrechten unverhüllten Zionismus besonders herzlichen Beifall. Darauf hielt Weizmann, nochmals stark akklamiert, ein etwa 8/4 stündiges Referat über die Lage in Palästina, die er als schwer, jedoch überwindbar bezeichnete. Die Wirkung der Rede war außerordentlich tief. Weizmann hatte sehr warm gesprochen; man spürte in den gemessenen Worten die starke innerliche Erregung, den absoluten Glauben an die Erreichung des zionistischen Zieles. Emst Simon forderte danach Zionisten und Nichtzlonisten, die sehr zahlreich erschienen waren, zur Abgäbe ihrer Keren Hajessod-Zeichnung auf. Die dann einsetzende Aktion erbrachte das sofortige Ergebnis von mehr als 40 000 M., die am folgenden Tage auf 48000 M. erhöht werden konnte. Nach einer Rede Prof. Franz Oppenheimers, der die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und sozialistischen! Aufbau besonders unterstrich, sprach Weizmann noch einige Schlußworte. Die Versammlung sang stehend die Hatikwah. Der Abend gehörte zu den stärksten zionistischen Ereignissen Frankfurts; seine Wirkung auf die zionistische Arbeit kann noch gar nicht abgeschltzt werden. Es bleibt Aufgabe der Ortsgruppe, sie mit allen Mitteln zu vertiefen und für die Bewegung fruchtbar zu gestalten. In Mannheim weilte Dr. Weizmann am 24. d. M. Bis weit aus dem Saargebiet •waren die Zionisten herbei geeilt, um Dr» Weizmann zu hören. Hunderte konnten keine Einlaßkarten mehr bekommen. Der Abend verlief äußerst eindrucksvoll. Neben Weizmann sprachen u. a. Dr. Hildeshe im er für die Zionistische Ortsgruppe, Dr. Martin Buber und für die alten zionistischen Mitkämpfer der Präsident der Jüdischen Gemeinde Dr. Moses. Auch in Mannheim war das finanzielle Ergebnis ein sehr gutes. Barlassina and der Zionismus Das Berliner Zentrums-Organ ״Germania“ brachte eine anscheinend aus Vatikan-Kreisen inspirierte Feststellung über die Stellung des katholischen Patriarchen von Jerusalem. Msgr. Ludwig Barlassina, zum Zionismus, ln dieser Fest- Stellung wird die Autorschaft Barlassina« mit Bezug auf den in den Londoner ״Catho'.ic Press“ erschienenen scharf antizionistischen Artikel in Abrede gestellt und auch das in jüdisehen Zeitungen erschienene Interview des Patriarchen, in dem Msgr. Barlassina seiner freundschaftlichen Gesinnung für den Zionismus Ausdruck gegeben haben sollte, als aus der Luft gegriffen bezeichnet. Zum Schluß heißt es: ״Alles, was an diesen Berichten und Gerüchten als tatsächlich festgestellt wurde, ist, daß der Patriarch in einem Gespräch mit einem Zionisten, in dem er keineswegs einen ״Interviewer“ vermutete, einige Bemerkungen fallen ließ, die dem Gerücht, es sei der Katholizismus dem Zionismus feindselig gesinnt, widersprachen. Was den Vorwurf anbetrifft, es ständen viele Katholiken dem Zionismus feindselig gegenüber, so äußerte der Patriarch, daß man unmöglich von den Katholiken Gleichgültigkeit verlangen könne, wenn das zionistische System seine Absicht kund tut. in Palästina alles zu zerstören, was nicht Jüdisch sei (!).