Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 94 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 668 jcrcmscRE kunöschxo Nr. §4, 25 XT. 1027 Zionistische Landestagnngen in Polen Imposante Balfour- Manifestationen (Von unserem Korrespondenten.) —-g. Warschau, Mitte November. Zwei Landcstagungen haben in einem Teile der Republik — in Kleinpolen — die dortige zionistische Tätigkeit nach dem Kongreß ehigdeitct, Der zionistischen Landeskonferenz Ost* galiziens ging ein ziemlich starker Wahlkampf voraus. Die offizielle Liste der ״Parteteinheit“ mit Dr. Reich an der Spitze, wurde nicht nur durch die Oppositionsliste Inslcr-Frostig- Ringel lebhaft bekämpft, auch mehrere starke Jugendgruppen — an sich eine sehr erfreuliche Erscheinung — traten aktiv m de« Wahlkampf ein und verlangten zusammen mit der Opposition grundsätzlichen Wandel im bisherigen System der zionistischen Arbeit in diesem Landesteile. Außerdem gab es eine revisionistischc Liste. Die Tagung in Lemberg war stark besucht, und ihre Hera hingen nahmen einen sehr stürmischen Verlauf. Die öppo* sition zählte von den über 200 Delegierten zirka ein Drittel. Der Kampf galt den bisherigen Leitern der zionistischen Arbeit, denen diktatorische Herrschaft, unkonsequente, opportunistische Politik, Mangel an Vertrauen zur zionistischen Masse, Vernach* lässigung der Palästina-, Kultur- und Jugendtätigkeit, Bevorzugung der Landespolitik und reparatistische Tendenzen vor* geworfen wurden. Die Kritik war insofern berechtigt, als sie das Sinken des einst in Galizien so lebhaften und pulsierenden zionistischen Lebens feststellten. Die Mehrheit gab vieles zu, verneinte aber ihre Schuld an diesen Zuständen. Sie bestritt, daß prinzipielle Unterschiede in der Auffassung zionistischer Probleme zwischen ihr und der Opposition bestünden. Das ist im allgemeinen zutreffend, wenn man auch nicht vergessen darf, daß ein Teil der Opposition mit Abg. Dr. Inster an der Spitze sich nunmehr schon formell im Lager der Radikalen be* findet, mit der ״Al Hamischmari'-G rappe des Abg. Grünbäum zusammengeht und auch ihre Leitsätze zionistischer Po* iitik dem Programm der Radikalen entnommen hat Die bisherige Mehrheit bleibt beim Ruder, wenn auch nur dank der Stimmenthaltung der Hälfte der Delegierten. Es ist zu erwarten, daß die neue Exekutive in sämtlichen Zweigen ihrer Tätigkeit weitgehend die sachlichen Vorwürfe und Bemangelungen der Opposition, insbesondere der Jugend, berücksichtigen ward. Zur allgemein-zionistischen Lage äußerte sich nur Dr. Schmorak in seinem RefcAte über die Lage im Zionismus und in Palästina. Es wurden die sachlichen Ergebnisse des letzten Kongresses positiv gewürdigt und festgestellt, daß dieser Kongreß ,,im Rahmen der objektiven Bedingungen seine Aufgäbe erfüllt habe“. Der Redner hielt es für wichtig, bei dieser Gelegenheit noch einmal die großen Leistungen der Privatinitiative und der vierten Alijah hinzuweisen. Dr. Schmorak sprach die Hoffnung aus, die neue Exekutive in Palästina werde den Wünschen der durch den Redner vertretenen Gruppt nachkommen. Die zugleich in Krakau tagende Konferenz der allgemeinen Zionisten Westgaliziens und Schlesiens verlief sehr ruhig und war mehr organisatorischen als prinzipiellen Fragen gewidmet. Die Exekutive konnte auf eine ganze Reihe wichtiger organisatorischer Erfolge Hinweisen. Die Kultur-, Jugend- und Frauenarbeit wurde in der Berichtsperiode sehr intensiv geführt Die eigentliche Palästinaarbeit blieb aber im Hintergrund und von manchen Delegierten wurde bemängelt, daß die Tagesordnung der Konferenz kein Palästinareferat enthielt. Als erfreuliche Erscheinung wurde verzeichnet, daß die Zusammenarbeit mit den zionistischen Fraktionen im allgemei* neu ohne Reibungen vor sich gegangen sei. / Eine spezielle Resofution verpflichtet die neugewählte Exekutive an die Sejiftffting eines Territorialverbandes heranzutreten. Der gegenwärtigen Lage im Zionismus war bei der Tagung in Krakau ein Referat Dr. Schwarzbarts gewidmet. Der Redner, welcher in der letzten Zeit eine oppositionelle Stellung in der Partei einnimmt, doch keiner der bestehenden organisierten zionistischen Oppositionsgruppen angehört, griff stark die politische und kolonisatorische Tätigkeit der bisherigen obersten zionistischen Instanzen an. Die Londoner Exekutive sei ohne ״strategischen Plan", ohne klares Arbeitsprogramm. Das bisherige Kolonisationssystem in Palästina sei in sozialer Hinsicht allzu radikal, was kapitalistischen Elementen deo Eintritt in die Jewisb Agency erschweren könnte. Ferner behauptete der Redner, die Jugend verlasse uns deshalb, weil wir das zio- תistische Ideal abgeschwächt hätten. Die Orthodoxie dürfen wir von uns nicht abstoßen. Zuletzt hob Dr. Schwarzbart die imposante Kraft des Zionismus, welche der XV. Kongreß offenbart hatte, hervor. An dieses Referat schloß sich eine sehr lebhafte prinzipielle Debatte. Der Standpunkt des Referenten in Fragen der zionistisehen Politik und Kolonisation wurde von den meisten Rednern bekämpft. Besonders stark wurde die Notwendigkeit einer sozial-schöpferischen, mit chaluzischem Geiste beseelten, auf Landwirtschaft beruhenden Kolonisation betont. In den gefaßten Resolutionen wurde das Vertrauen der zionistischen obersten Leitung ausgesprochen und die Wichtigkeit stärkerer Akzentierung unserer politischen Postulat© hervor* gehoben. * Die Feiern anläßlich des zehnten Jahrestages der Balfotrr- Deklaration wurden in ganz Polen in großem Maßstabe organi« siert und hatten überall einen überaus imposanten Verlauf In Warschau, Lodz, Czenstochau, Luck, Bialystok und vielen anderen Städten — in manchen, insbesondere in Weinpolen stehen sie noch bevor — wurden Massenversammlungen, feierliche Akademien, Jugendmeetings und Straßenumzüge veranstaltet In Warschau und in Lodz, in den zwei größten jüdischen Zentren, betetiieten sich an den Feierlichkeiten viele Tausende Juden aus allen Schichten und Ständen. Die Erinnerung an den großen historischen Tag hat wiederum — nach langer Zeit —- großen und echten Enthusiasmus im Volke, und — was festzuhalten ist — in der Jugend ausgelöst Es war für viele Führer der zionistischen Bewegung in Polen eine freudige Ueberraschung, für uns eine Bestätigung dessen, was wir vor einem Monat an dieser Stelle behaupteten: die Krisenstimmung in Polen beginnt bereits zu weichen; für ihre Verlängerung sind in erster Linie die verantwortlich, welche den Glauben an die Volksmassen verloren haben. Eine gute Stimmung und nicht schlechte objektive Bedingungen für eine Wiederaufnahme einer großzügigen zionistischen Tätigkeit sind vorhanden. Es ist charakteristisch, daß man sich allenthalben nach alter zionistischer Ideenpropaganda und Kulturarbeit sehnt. An der Organisation liegt es, die Stimme der Zeit zu verstehen. Vor allem ist die Jugend weder in zionistischem Lager. Vor kurzem wurde das Palästinaamt in Warschau von einer Gruppe Chaluzim «*überfallen“, welche von ihren Hachscharahpunkten, mehrere in langen Märschen zu Fuß ankommend, stürmisch nach Zertifikaten verlangten und drohten nicht abzutreteu, bevor ihr Verlangen berücksichtigt werden wird. Sie warten schon drei Jahre auf diesen Augenblick der Ueberfahrt nach Palästina, um dort Landarbeit, zu welcher sie sich vorbereitet hatten, zu leisten. Man mag mit realistischem MaBstab diese Forderung bewerten wie man will, aber als Symptom ist dieser Sturm und dieses Drängen zionistischer Jugendscharen gar nicht hoch genug einzuschätzen. Jiddisch an der Hebriischen Universität New York, 9. November. (J.T.A.) Im Hause des Herausgebers der New Yorker jiddischen Tageszeitung ״Der Tog“ wurde zu Ehren des hier weilenden Kanzlers der Hebrätschen Universität in Jerusalem, Dr. J. L. Magues, ein Diner gegeben; bei dieser Gelegenheit machte der Gastgeber, Herr David Shapiro, die Mitteilung, daß die Redaktion des ״Tog“ beschlossen hat, eine Stiftung von 100000 Dollar zwecks Errichtung eines Lehrstuhls für Jiddisch an der Jerusalepier Universität zu schaffen. Als erste Spende übergab Herr Shapiro Herrn Dr. Magnes einen Scheck über 10000 Dollar. Die ״Tog"-Redaktion übernahm die Garantie für die Aufbringung von 50000 Dollar und hofft, die Gesamtsumme in Höhe von 100000 Dollar aus Leserkreisen aufzubringen. Sämtliche Redner betonten, daß das Bestehen eines Lehrstuhls für Jiddisch an der Hebräischen Universität zur Versöhnung zwischen Hebraisten und Jiddischesten in allen Ländern beitragen wird. Der Chefredakteur des ״Tog“, Herr Margoshes, führte aus, das Bestehen eines Lehrstuhls für JiddPch würde bedeuten, daß die Volkssprache des größten Teiles der Judenheit Universitälsatterkenmra# erlangt hat; ... Dr. J. I. Magnes erklärte, den Stiftungsfonds im Namen der Leitung der Hebräischen Universität zu Jerusalem entgegenzunehmen und bemerkte dabei, da die Universität eine hebräische sei. werde der Professor, der den Lehrstuhl für jiddische Sprache und Literatur innehaben wird, seine Vorlesungen in hebräi scher Sprache halten müssen. Jedenfalls werde der jiddische Lehrstuhl einen Teil des Judaistischen Instituts bilden. Jiddisch würde in die Vorlesungsrübrik ״Jewish Institutions and Life“ (jüdische Einrichtung und jüdisches Leben) fallen. Das landwirtschaftliche Masenm Vor kurzem brachte die palästinensische Zeitung ״Dawar" die Nachricht, die Zionistische Exekutive verhandele mit der Regierung wegen Uebernahme des Landwirtschaftliehen Museums, das ein Jahresbudget von etwa £ 600 erfordert. Die Zeitung protestierte scharf gegen diese Preisgäbe nationalen Eigentums, Wie nunmehr mitgcteilt wird, hat die Exekutive die Verhandlungen mit der Regierung, die schon vor dem Abschluß standen, hinausgeschoben und es besteht die Hoffnung, daß eine andere jüdische Institution, 1. B. die Universität, das Museum übernehmen wird. Amerika and das Palästina-Mandat In einem Aufsatz der angesehenen politischen und literarisehen englischen Wochenschrift ״The Nation“ veröffentlicht Loenard St ein, der politische Sekretär der Zionistischen Exekutive, einen Aufsatz anläßlich des zehnten Jahrestages der Balfour-Deklaration. Stein gibt eine Darstellung der ״Vorgeschichte der Balfour-Deklaration, insbesondere der Verhandhingen über die künftige staatsrechtliche Zugehörigkeit Palästinas. Er hebt hervor, daß mit Rücksicht auf die zwischen den alliierten Mächten schwebenden Verhandlungen noch keine Entscheidung darüber getroffen war, daß England die Verwaltung Palästinas übernehmen solle. Die Balfour-Deklaration enthält über die staatsrechtliche Stellung Palästinas keinerlei Angaben. Die Zustimmung Frankreichs zur Balfour-Deklaration bedeutete keineswegs einen Verzicht auf die ihm zustehnden Rechte aus den Geheimverträgen. Ende 1918 hat Frankreich seine Ansprüche zugunsten Großbritanniens auf gegeben; aber noch auf der Friedenskonferenz betrachtete Balfour die Sache keineswegs als entschieden. In diesem Zusammenhang weist Stein auf ein außerordentliches Interessantes Dokument hin, das kürzlich in Washington veröffentlicht wurde. Dieses Buch enthält eine Sammlung von diplomatischen Schriftstücken zwischen England und den Vereinigten Staaten; darunter befindet sich ein Brief Lord Baifours an den amerikanischen Staatssekretär Hughes, datiert vom 13. fantiar 1922, worin Balfour über die delikate Aufgabe spricht, die Großbritannien in Palästina unternommen hat und erklärt: ״In Paris bin ich stets warm dafür eingetreten, daß diese Aufgabe nicht von Großbritannien, sondern von den Vereinigten Staaten übernommen wird.“ Aus diesem interessanten Brief geht hervor, daß zumindest der Urheber der Balfour-Deklaration mit diesem Akt nicht spezielle Interessenmomente Englands im Auge gehabt hat. * Die amerikanisch-zionistische Zeitschrift ״The New Pa- 1 e s t i n c“ gibt anläßlich des Jubiläums der Balfour-Deklaration: eine 70 Seiten starke illustrierte Sondernummer heraus, die der Würdigung des bedeutungsvollen Ereignisses und seiner Folgen gewidmet ist. Außer speziellen Botschaften von Balfour, Lloyd George, General Smuts, Dr. Weizmann, Herbert Samuel enthält die Nummer Beiträge der bedeutendsten zionistischen Führer Amerikas sowie einer ganzen Anzahl nichtjüdischer Mitarbeiter. Nach einem enthusiastischen und doch realistischen Einleitungsaufsatzes von Lipsky folgt eine Darstellung des amerikanischen Anteils an der Erreichung der Balfour-Deklaration von Stephen Wlse, worin dieser besonders Wilsons Verdienste würdigt Die Nichte Lord Balfours, Mrs. Dugdale, gibt eine Charakteristik ihres Onkels. Der bekannte englische Journalist Herbert Sidebotham schreibt über die Parallelität des jüdischen und englischen Interesses in Palästina. Der bekannte Schriftsteller Waldo Frank veröffentlicht die ersten Eindrücke seiner Palästinareise. Es folgt eine große Reihe von Aufsätzen, die Erinnerungen hervorragender Zionisten an jene Zeit enthalten. Die Nummer bietet eine eindrucksvolle Beleuchtung «Ines wichtigen Anschnittes der Geschichte und der dabei beteiligten Persönlichkeiten. Das Gemeindegesetz Das Gesetz über die Organisierung der jüdischenGcmeindenin Palästina, dessen Entwurf vor einiger Zeit veröffentlicht wurde, soll nunmehr In vier bis fünf Wochen in etwas geänderter Fassung verlautbart werden. Die Regierung hat von den vielen Aenderungsvorschllgen!» die wir vom Waad Leumi, von der aschkenastschen Gemeinde (Agudas. J asroel) •und von der sephardischen Gemeinde gemacht .'dW-.e&iife .»׳«gge ^®! geringer Wlchttekelt berücksiclitigt. Die Trenmingsgemeinden der Agudah sollen das Recht bekommen, sich ״Kongregation“ zu nenne« und nicht, wie früher bestimmt war, ״Synagogue“ zu nennen. Der sefardischen Gemeindc wurde zugesichert, daß ihr Verfügungsrecht über ihr Vermögen unangetastet bleibt In der letzten Zeit hat sich besonders unter den orientalischen Gemeinden wieder eine starke Austrittsagitation bemerkbar gemacht. Dr. WUensky imd der Keren Hajessod Nach einer sechsjährigen außerordentlich erfolgreichen Tätigkeit als einer der Hauptdelegierten des Direktoriums des Keren Hajessod, scheidet Dr. Jehuda Wilensky aus den Diensten des Keren Hajessod. Dr. Wilensky, ein altbekannter Zionist, der bereits ein Teilnehmer am I. Zionistenkongreß gewesen isi, hat in den sechs Jahren seiner Tätigkeit mit einem außerordeutliehen Erfolg, vor allem in Rumänien und Südamerika, gewirkt. Er hat sich jetzt in Palästina niedergelassen. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Kar! Hilb, früher in Mannheim, hat sich als Rechtsanwalt in Haifa niedergelassen. Körper des Gedemütigten hätte, ungeachtet aller Konsequenzen, das ihm zukommende Pfund Fleisch aus dem Körper des lächerlieh kleinen Antonio geschnitten. Eine derartige Gewalt ging von ihm ans, daß, als er den Gerichtssaal betrat, das Pfeifen und Johlen des Volkes den Zuschauern körperlichen Schmerz bereiteten; er, der Verurteilte, wirkte so erhaben, daß, diesmal, Graziano nicht laut spotten konnte, daß dem Schauspieler Paul Rildt nur stockend, leise und gehemmt die Worte, Shylok nachgesprochen und ihm nachgeahmt, entfuhren. Daß die ״Komödie“ bewahrt blieb, dafür sorgte der lächelnd erhobene Zeigefinger des Dogen, der kitig genug war, sich nicht in die Verhandlung hineinziehen zu lassen, der der einzig Wissende und Weise war, als er zu bemerken sich erlaubte, Shvlok möge nun aber zu Hause die Akte tatsächlich auch unterschreiben. Der Beifall eines voll besetzten Hauses hatte Taifunstärke und galt immer wieder Kortner, der an der Spitze einer Sehenswerten Vorstellung eines zwar nicht einheitlichen, aber nicht oft genug?1! spielenden Stückes stand. Palästinalandschaften von Hans Adler sind augenblicklich bei Heu ß ft Pollack ausgestellt. Der junge Künstler, der in Wien Architektur studiert und sich erst Vor kurzem der Malerei zugcwandtNhat, beschränkt sich vorläufig wohlweislich aut die Aquarelltechnik und will in diesen anspruchslosen Blättern nicht mehr geben als die Wiedergabe zufälliger Ausschnitte. Adler lebt seit einem Jahr in tel-Awiw, Die Begeisterung für das Land, seine eigenartige orientalische Schönheit und Sonnigkeit, hat ihn zum Maler gemacht. Er versucht es zunächst mit dem ihm vertrauten Gebiet, der Architektur, will uns die Städte, besonders Tel-Awiw, mit den breiten Straßen, den niederen Häusern und den flachen Dächern zeigen und nichts weiter als die Tatsachen schildern. Er ist gewohnt, Architektur zu sehen und zu zeichnen, und diese Schulung hindert ihn noch, etwas unvoreingenommener an den Vorwurf heranzugeheu und die manchmal nüchterne Realistik in freierer Frische malerisch zu gestalten. Bisweilen gelingen ihm aber glückliche Kompositionen, vor allem Durchblicke durch vferfallene Torbogen, bei denen die Schlagschatten des prallen Lichtes die grelle Lichtwirkung der Orieatsame ahnen lassen. Besonders schön sind die Blätter mit den eigenartigen Minaretttürmen, die sich über dem Gewirr der niederen Araberhütten emporwinden. Daß in dem jungen Künstler noch Fähigkeiten ruhen, lassen diese ersten Versuche dort erkennen, wo er sich zur Darstellung von Pflanzen vorwagt. So möchte ich ein Gartenbild mit hohen Palmen als das beste dieser Serie bezeichnen. Die Schwierigkeiten, die dem Maler gerade in Palästina, diesem so geheimnisvollen Lande eines neuen Er- Wachens, entgegentreten, sind so ungeheure, daß wir über den Versuch froh sein müssen, der mit dem Mut ehrlichen Strebens sich dieser neuen Erkenntnis zmvendet. Es genügt nicht, mit europäischem Wissen und Können dorthin zu gehen, sondern es muß das Erleben hinzukommen. das nur ein langes Verweilen im Lande, ein Leben mit dieser neuen Generation, die eine eigenartige Mischung von Idealisten und zielbewußten Realisten, von selbstlosen Tatenmensrhen, ermöglicht. Denn was dort geschieht, ist wirklich die Schaffung von Neuland, ein neues Leben in einem neuen Gewände. Und hiervon erzählen nicht nur die Menschen, sondern davon hallt das ganze Land wider. Ein neuer Rhythmus durchpulst es, Freude am Dasein, trotz atier momentanen Not, Glaube an die Zukunft, trotz mancher Enttäuschung. Das ist’s, was wir in Adlers Werken noch vermissen. Aber da er das Glück hat, Inmitten dieser Welt zu leben, wird es ihm gelingen, sein Können weiter zu entfalten und seine Kunst so zu entwickeln, daß er wirklich zum Künder dieser neuen Wirklichkeit wird. Daß sich seine Anfange nicht zu höheren Problemen versteigern, ist ihr Gutes. Man wird gerne die weiteren Proben seiner Kunst erwarten und Ihm den Aufstieg zu einer wahren palästinensischen Kunst, die uns bis heute noch fehlt, wünschen. Dr. KarlSchwarz. ״Menorah“. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, Wien 1. Die soeben erschienene Novembernumraer der Menorah enthält bisher unveröffentlichte Aphorismen Arthur Schnitzlers. Unter den übrigen Beiträgen ist eine Erzählung aus fernen Tagen ״Dav Royfe“ hervorzuheben. Auch der übrige Inhalt dieses Heftes ist außerordentlich interessant und wird der Zeitschrift neue Freunde gewinnen. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums feierte am 16. d. M. ihr 25 jähriges Bestehen durch eine Festsitzung ira Logenhaus. Der Vorsitzende, Professor Sobernheim, verlas zunächst verschiedene Glückwünsche, die u. a. der Reichsnrisident. der Minister für Volksbildung, die Universitäten Berlin und Jerusa’em und die jüdischen Studienanstaltcn von New York, London, Amsterdam und Budapest gesandt hatten. Er begrüßte sodam den eigentlichen Griinder der Gesellschaft, Herrn Dr. Lucas-Glogau, und die seit 25 Jahren besonders verdienstvollen Vorstandsmifgliederjierrn Prof. Dr. Baneth und Rabbiner Dr. Weisse und hob die Mitarbeit der Herren Dr. Elbogen, Baeck, Mittwoch und des Verlegers Karger hervor. Nachdem die Versammlung das Andenken der verstorbenen Pioniere der Gesellschaft, Prof. Philippson, Braun, Bloch und Hermann Cohen geehrt hatte, überreichte der Vorsitzende Herrn Prof. Dr. E1 b o g e 11 als Dank für seine besonderen Verdienste um die Gesellschaft ein Prachtexemplar des soeben fertiggestellten Werkes von Dr. Tassilo Hoffmann, Jacob Abraham und Abraham Abramson, 55 Jahre Berliner Medaiilenkunst (1755—1810), das auch dem Reichs- Präsidenten und dem Kultusminister Dr. Becker übersandt worden war. Es folgten Begrüßungsansprachen von Kammergerichtsrat Wolff für den Landesverband und die Jüdische Gcmnnde, Prof. Hch. Loewe für die Repräscntantcnversammlung. Prof. Dr. Outhmann für die Hochschule und die Akademie der Wissenschaft des Judentums, Dr. Grünberg für das Rabbinerseminar und Dr. Heinemann für das lüdisch-Tneölo&ische Seminar in Breslau. Sodann sprach Prof. Dr. Elbogen über Ziel und Leistung der Gesellschaft und gab eine kurze Uebersicht über die bisherige Tätigkeit, die es sieh zur Aufgabe gemacht hat. die Kräfte in doppelter Hinsicht zu sammeln, indem sie den Mensehen, die Anregung und Belehrung suchen,,das Material verschafften und den vielen Gelehrten Ge’e־״enheit zu Publikationen gibt. Den Festvortrag hielt Dr. Hoffmann über Abraham und Abramson. In einer kurzen UeSersicht ließ er die Werke der beiden Medailleure, dje er erstmalig in dem oben genannten Buche auf Grund neuör Forschungen und zahlreicher Entdeckungca zusammengestellt hat, in Lichtbildern vorüberzieh eil. Ein Festmahl, bei dem u. a. Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Lucas und Dr. Herlitz (in hebräischer Sprache) sprachen, schloß sich der Festsitzung an. Dr. Karl Schwarz.