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Jüdische Rundschau · 1927-11-25 · Heft 94 (25.11.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 94 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 94. 25 XL 1927 JUEI31SCHE RUNDSCHAU Seite 665 Nodi immer das Schulproblem b. Jerusalem, 17. November 1927. Die der zionistischen Exekutive unterstehenden Schulen önd noch immer nicht eröffnet worden. Die Schwerfälligkeit .(cs Apparates ist offenbar daran schuld, daß der Auftrag zur Eröffnung der Schulen von der Exekutive an die Lehrer noch immer nicht ausgegeben worden ist, obwohl seit zwei Wochen bereits der Plan feststeht, nach welchem die Exekutive die Abbatirnaßnahtnen durchführeti wird, die durch die vom Kongreß beschlossene Budgetherabsetzung notwendig geworden sind*). Zum 1 eil ist die Verzögerung auch darin begründet, ,laß mit den Ortsvertretungen der Kolonien Verhandlungen wegen ihrer Verpflichtungen geführt werden. In einzelnen Kolonien (Ncss Zijonah, Ben ja min ah, Chcderah, Rehoboth, Sichrem Jakob Petach Tikwali) sind die Verhandlungen beendet und der Unterricht eröffnet worden. In Jerusalem sind die untersten Klassen des Gymnasiums und die obersten Klassen ■»fizdner Volksschulen eröffnet worden, rvelche nicht auf Budget der Exekutive gehen, sondern \o;1 den Eltern und Lehrern erhalten werden. Alle anderen zionistischen Schulen sind geschlossen. Dagegen sind die nichtzionistischen Schulen (Alliance, Eveline Rothschild-Schule) begreiflicherweise mit einem starken Andrang von Schülern, die bisher die zionistisehen Schulen besucht haben, eröffnet worden. Zum ersten Male sehen wir auch das Phänomen, daß Juden in größerer Zahl in die christlichen Schulen in Jerusalem eingetreten sind. Natürlich haben auch die Schulen der christlichen Mission einen Zuwachs zu verzeichnen. In Tel-Awiw hat das Sehulproblein in der öffentlichen Meinung besonders akute Formen angenommen. Die Stadt hat seit einigen Jahren den Unterricht in dm Volksschulen ohne Schulgeld durchgeführt und die Kosten der Schulerhaltung, soweit sie nicht vom Keren Hajessod getragen werden, durch eine Schulsteuer eingehoben. Unter den veränderten Umständen von heute ist von mancher Seite gefordert worden, daß die Stadt das Schulgeld wieder cin'fiihre. Diesem Antrag widersetzten sich die Arbeiterparteien und verlangten die Er- Höhung des Schulbeitrags durch Einführung einer progressiven Unterrichtssteuer einzutreiben. Dieser Antrag ist nunmehr vom Stadtrat Tcl-Awiw angenommen worden. Als Grundlage der Besteuerung dient die Zahl der Wohnräume. Zugleich hat der Stadtrat beschlossen, der zionistischen Exekutive £ 12000 anzubieten — statt £ 10 000, welche im Budget der Exekutive figurieren — falls sämtliche Schulklassen wie im Vorjahre geöffnet werden. Sollte die Exekutive jedoch auf ihren Plan beharren, so wird Tel-Awiw für das zionistische Erziehung^- budget £ 10 000 beisteuern und mit £ 2000 nebst einen Teil der geschlossenen Klassen weiterführen. Der Beschluß auf Einführung der progressiven Unterrichtssteuer wurde mit den Stimmen der Arbeitervertreter, der Revisionisten und eines feiles der Zetitruimpartei gefaßt, die anderen Parteien enthielten sich der Abstimmung. Es ist allerdings im gegenwärtigen Moment noch fraglich, ob die Regierung ihre Zustimmung zu dem Beschlüsse des Stadtrates geben wird. Unterdessen hat in Tel-Awiw eine ebenso heftige wie unverständliche Agitation gegen die — Lehrer eingesetzt. Die Lage unserer Lehrer ist bekannt: Ihr Gehalt ist sehr knapp bemessen, .und was schlimmer ist, es wird ihnen mit einer Verzögerung von vier bis fünf Monaten ausgezahlL Trotzdem haben die Lehrer in den letzten Jahren immer wieder durch freiwillige( JJfibfirna6tne.־M0fllLästcn. :Defizite im zionistischen Unterrichtsbudget zu decken. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage der Lehrer ist nun in Tel-Awiw die Parole ausgegeben worden, die Lehrer müßten durch Herabsetzung ihrer Gehälter das Defizit des Erziehungsbudgets decken. Man verweist darauf, daß die Exekutive sich außerstände sehe, die Arbeitslosenunterstützung jn voller Höhe auszuzahlen. In solcher Lage haben sie das Recht von den Lehrern zu verlangen, sich solche Abzüge von ihren Gehältern gefallen zu lassen, wie sie durch das Kongreßbudget notwendig geworden sind. Diese Forderung, daß gerade die Lehrer die Defizite des Schulbudgets tragen sollen, und welche das Lebensniveau des Lehrers an dem des Arbeitslosen mißt, ist natürlich ebenso unsinnig als die' Forderung wäre, daß in irgendeinem anderen öffentlichen Institut die Angestellten die Defizite des Betriebes decken müssen. Ls ist nicht einzusehen, warum gerade die Lehrer und nicht der ganze Jischuw leiden soll. Aber diese *) Siehe ״Palästinensischer Brief“ in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“. Forderung ist, wie meist solche Schlagworte, populär. Ebenso populär war nach dem Kongreß die Forderung nach Herabsetzung des administrativen Budgets der Exekutive, während es sich jetzt zeigt, daß gerade die Abbaumaßnahmen, wenn sie sinnvoll und zweckentsprechend und nicht mechanisch durchgeführt weiden sollen, eher eine Vermehrung als eine Verminderung des administrativen Apparates verlangen würden. Vermutlich wäre uns die schwere moralische Kruse, welche Palästrna infolge der Schließung der Schulen beherrscht, erspart geblieben, wenn das Kongreßbudget von vornherein auf einem sorgfältig bis in die Details ausgearbeitefen Abbauplan fundiert gewesen wäre. In den Kreisen der Lehrer herrscht unter dem Druck der verhetzten öffentlichen Meinung in Tel-Awiw eine Verbitterung, wie sie in dem Briefe einer Kindergärtnerin, der Wit we Brenners (Dawar, 15. XL) zum Ausdruck kommt. Während diese Zeilen geschrieben werden, tagt in Jerusalem neuerlich eine Konferenz der Delegierten der Lehrerschaft, am zu beraten, welche Opfer die Lehrer bringen können. Die Zahl der vollbeschäftigten Lehrer der Zionistischen Organisation beträgt etwa 300, und diese Lehrer werden wohl etwa £ 4000 für die teilweise Aufrecliterhaltung der geschlossenen Klassen aufbringen. Eine sehr beträchtliche Summe, die ungefähr dem Verzicht auf ein Monatsgehalt glcicnkoramt. Wenn — was hoffentlich nun nicht mehr allzu lange dauern wird — die aktuelle Krise der Schulen gelöst sein wird, wird sich der Jischuw um eine dauernde Lösung der Schulfrage bemühen müssen. Die Regierung hat am 10. Oktober einen Gesetzentwurf (Education Ordinance 1027) veröffentlich( (s. ״J. R.״, Nr. 85), welcher für die Entwicklung des palästinensischen Schulwesens von großer Bedeutung sein kann. Die Regierung, welche sieh bisher gegenüber den von den verschiedenen Glaubcnsgemeinden und nationalen Gruppen erhaltenen Schulen ziemlich passiv verhielt, verschafft sich mit diesem Gesetz einen weitgehenden Einfluß auf die Gestaltung des ganzen Schulwesens. Das neue Schulgesetz sieht vor, daß die Regierung Schulen schließen kann, welche nicht registriert worden sind oder in einer ״der guten Ordnung und Moral zuwiderlaufenden Weise“ geführt werden oder wenn an der Schule Unterricht von Personen erteilt werden, welche keine Lehrberechtigung in Palästina haben oder wenn die Lage der Schule vom sanitären Standpunkt aus Bedenken erregt. Solche Bestimmungen können natürlich leicht mißbraucht werden. Wichtig ist auch, daß das neue Gesetz vorsieht, daß bei jeder Stadt- und Dorfgemeinde eine lokale Erziebungsbehördc (Local education authoritv) geschaffen wird, welche für die Erhaltung der Schulen in dem betreffenden Bezirke verantwortlieh ist und zu diesem Zwecke den Einwohnern eine Erziehungssteuer vorschreiben kann. Zwar ist vorgesehen, daß aus diesen Steuergeldern private Schulen der Religionsgemeinden einen Zuschuß erhalten können (der nicht größer sein darf als die von den Mitgliedern der betreffenden Gemeinde gezahlten Steuern), aber diese Subvention ist kein Recht der betreffenden Gemeinde, sondern hängt vom District Commissioner ab. Kurz, die Regierung kann, wenn sie will, die Mitglieder einer Gemeinde, welche auf eigene Kosten ihre Schulen erhält, zwingen, Erziehungssteuern zu zahlen, welche n Icht für die Gemeinschaftsschule, sondern für die allgemeinen Regierungsschulen verwendet werden. Dieser neue Gesetzentwurf der Regierung bedeutet Zweifelsich atiBrmarb des Netzes der Regterungsscjlulen befinden. Ob unsere allgemeinen politischen Ziele in Palästina und unsere Schulpolitik im besonderen es wünschenswert erscheinen lassen, daß unsere Schulen dauernd Privatschulen bleiben, darüber sind die Akten noch lange nicht geschlossen. Es wäre nur zu wünschen, daß die öffentliche Meinung des Jischuw, die sich endlich für Schulfragen zu interessieren begonnen hat, auch nach erfolgter Beilegung der aktuellen Krise den Schulfragen ihre Aufmerksamkeit zuwendet und sich sowohl mit der politisehen wie mit der erzieherischen Seite der Frage mehr befaßt als dies bisher der Fall war. Hebräische Bezeichnungen Mir die neuen Münzen Der Waad H alaschon hat für die neue Währung Palästinas folgende hebräische Namen festgesetzt: für 1 Mil ״Protah“, für 5 Mils ״Meah“, für 10 Mils ״Meatajim“ für 50 Mils *Chazi Schekel“, für 100 Mils ״Schekel“ und für 1000 Mils ״Litrah‘. An H. D.!Momberg Mein lieber toter Freund! Ich bitte Dich vielmals um Verzeihung, aber ich glaube nicht, ich glaube cs nicht, daß Du tot bist! Nein, lieber Freund, ich kann cs nicht glauben. Vielmehr vermute ich, Du bist nach den Azoren gereist oder nach dem Nordpol oder machst mit irgendeinem neuerfundenen Raketenflugzeug einen Rekord uin unseren kleinen Erdball; den Erdball, auf dem Du Dich so heimisch fühltest und den Du so liebtest. Mit fünfzig Jahren hast Du Charleston gelernt. Ja, Du hast nicht nur körperlich, Du hast seelisch Charleston getanzt, trotz Deines kleinen zerbrechlichen Körpers. Ich kenne unter meinen jungen Freunden keinen, der so elastisch, so! lebensbejahend, so voll Appetit das Lehen betrachtet. Und nun* solltest Du nicht mehr da sein?! Entschuldige, lieber Freund, aber ich glaube es nicht. Denn Du warst jung, jung und klug. Nein, nicht nur klug — weise warst Du. Mit weichem Verständnis sprachst Iht über die letzten Dinge, mit welcher gesunden Objektivität sprachst Du über neueste Dinge, mit welchen! H'unior standest Du über dem so beliebten, aber oberflächlichen Pathos. Lieber Nomberg! Du warst wie ein echtes Stück Kornhrot. Du warst volkshaft, instinktsicher und lebenslustig. Noch! vor vier Wochen waren wir in einem Nachtlokal! Du, Lebensbejalier, tanztest Charleston und hast unsere letzte FlasÄe Wein bezahlt — ich kann mich nur noch mit Traurigsein revanchieren. Und die Pläne, die Du immer hattest! Und nie dachtest Du mir an persönliche Dinge, immer, Du Zarter, an Dein Volk, weil Du Dich nur als .Volkskind fühltest! Deshalb geht Dein Verlust nicht nur Einzelne an. Er geht die ganze große Allgemeinheit an, er geht Dein ganzes Volk an, und darüber hinaus alle. Denn Du warst ein Künstler und ein Mensch von europäischem Format. Wir trauern. _ Alexander Granach. Die Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde (Oranienburger Straße 29), die im laufenden Jahre reichhaltig vermehrt und räumlich erweitert wurde, eröffnete am Sonntag, den 27. November, ihre vierte Ausstellung. Gezeigt wurden neue und ältere Kunst. Die Sammlung ist Sonntags und Mittwochs, vorm. 10-1 Uhr, für jedermann unentgeltlich geöffnet. Schulen und Vereine können die Sammlung auch sonst nacli geschehener Anmeldung besichtigen. ״Der Kaufmann von Venedig“ (im Staalstheater) Von Heinz Stroh. Wieder einmal, nach nicht zu langem Abstand, zieht das Drama und die Tragödie des Juden von Venedig an uns vorüber. Diesmal ist dieser Shakespeare, dem soviel ״Sudermännisches“ beigegeben ist, als ״Komödie“ inszeniert und durch die Be- Setzung — wie stets — in der Logik der Handlung aulgedeckt worden. Jürgen Fehling, der Regisseur, tat gut daran, den Bassanio keinem Liebhaber amuvertrauen; freilich war dieser Bassanio nur sjiröde und trocken; hier müßte ein Hasardeur von flackernder Nervosität stehen, dem schon alles ganz gleichgültig, der bereits soweit gekommen ist, daß er auf eine Anzeige hin (״reiche, schöne Erbin mit großem Landbesitz usw. sucht sich zu vermählen“) eine Frau sich nehmen will. Freilich hat diese Brautschau, zu der er fest entschlossen ist, einen kleinen Haken: Bassanio hat so toll gewirtschaftct, daß er nicht einmal das Reisegeld in das Venedig benachbarte Beimont besitzt; auch ist er so klug, sich zu sagen, daß er — uni dort zu seinem Ziel zu kommen — repräsentieren müsse. Und weil er sich nun einmal wieder Geld borgen muß, so ist es ja auch ganz gleich, ob die Summe ein wenig größer ist. Viel Kredit scheint er nicht mehr zu haben; so wendet er sich, ein bißchen zögernd und fast so etwas wie Scham verratend, an seinen Freund, den er schon oft in Anspruch nahm, ohne seine Schulden bei ihm zurückzuzahlen, an Antonio, einen ״Kaufmann in Venedig“. Als Freund kann man sich aut diesen verlassen, obschoit es wenige Kaufleute geben dürfte, die ihren Verkehr mir mit jungen Nichtstuern, Pumpern und Gelddurchbringern pflegen, wahrscheinlich verbindet mit diesen Leuten den Kautmann noch etwas anderes als .... Freundschaft. Was für ein Kaufmann jedoch muß dieser Antonio sein, der ganz ohne Geld dasteht, der alle, alle seine Mittel ins Gesdiäft gedeckt hat. Wie wenig Würde besitzt er, dab er bei niemand anderem ein Darleben aufnehmen will als bei dem von ihm verachteten und bereits des öfteren tätlich beleidigten Shylok, einem Juden. Sollte es mit dem Ansehen und der Ehre Antonios, mit dem Vertrauen zu seinen geschäftlichen Fähigkeiten vielleicht doch nicht soweit her sein, daß er eben nirgendwo anders etwas eliehen bekommen hätte? Wie beschränkt dieser Antonio ist, as zeigt so recht der Geriehtsakt. Er, der ein wenig von der Art des Shylok doch wahrlich hätte spüren können, ja hätte spüren müssen, weiß als Gnade für den wider Recht gedc- Konferenz der Zionisten Litauens K o w 11 o . 20. November, (J. T. A.) ln Srhaulen wurde die fünfte Konferenz der Zionistischen Organisation Litauens in Anwesenheit des Mitglieds der zionistischen Weltexekutive L e I i v R o s c n b 1 ii 111 feierlich eröffnet. Die Brgrüßungsrede hielt der Präsident der Organisation f)r. B. ßc rger. (n das Präsidium wurden gewählt Dr. M, Wolf-K'owno, Dr. Jardani-Witkomir. Sarhs-Schaulen und Dr. ('.horonsehizki- Kmvini. Herr Felix R o s c 11 b I ü t h hielt ein eingehendes Referat über dir Lage in der zionistischen Bewegung und in Pa* lästina und erklärte es als die Aufgabe der heutigen zionistischen Generation, auf dem in den vergangenen zehn Jahren gelegten Fundament das Gebäude des Jüdischen Nationalheims aufzuhauen, Dr, J. Berger, Direktor des hebräischen Gymnasiums in Schaulen,’ hielt das Referat über die Kulturarbeit. Der Re* dakteur der Kownoer Tageszeitung ,.Ydische Stirne“. R. Rn־ binstein, sprach über ..Das jüdische soziale Leben und die Organisationsformen des allgemeinen Lebens“. Er erwähnte die Zerstörung der nationalen Autonomie in Litauen und wies auf das Postulat der Züricher Konferenz für den Schutz der jüdischeu Minderlieitsrechte hin, die die nationale Autonomie als den Grundstein des nationalen Lebens des organisierten Judentums gekenn/i'ichnct hat. Dieser Auffassung ist nachher der Minderheitenkongreß in Genf teige treten. Die /.weife Sitzung der Konteren/ begann mit einer lebhaften Diskussion über die drei Hauptrefcrate; lu-rnaeh wurden die Berichte des zionistisehen Landeskomitees, des Keren-Kajemeth, des Keren Hajessod und der Tarbufh erstattet. Felix Roscnblüth wurde in Schaulen mit großen Ehren empfangen. Die ״Ydische Stirne“ begrüßt ihn in einem speziellen Leitartikel. Ehe Konferenz ist nach Referaten von Dr. Berger über die Tätigkeit des Zent ■al-Komitees, von Moses Kahn über die Tätigkeit des Kulturkomitees Tarbufh und über Organisation, von Dr. J. Robinson über Arbeitsgemeinschaft beendet worden, ln das Zentral-Komitee wurden gewählt: Dr. Berger, Bernstein, Dr. Wolf, Dr. Karonischitzki, jaskimski, M. Kahn, Dr. Lapin, Alpcrn, Dr. Feldstein, Zernes, Dr. J. Robinson, R. Rubinstein und Dr. Schwarz. Wie uns aus Memel berichtet wird, hielt dort Herr Felix R o s e 11 b I it t 11,!Mitglied der Zionistischen Exekutive, einen Vortrag über England und Palästina, worin er die Beziehungert Englands zum Zionismus und die politische zionistische Siluation darlegte. Das überaus zahlreich erschienene Publikum folgte den Ausführungen des Redners mit großer Aufmerksamkeit und großem Interesse. Das palästinensisch-syrische Zollabkommen London, 22. November. (J.T. A.) In der heutigen Unterhaussitrong befragte Kenworthy den Unterstaats- Sekretär für die Kolonien nach dem Charakter des palästinensisch-syrischeti Zollabkommens und wollte wissen, ob die syrisehe Verwaltung ein Recht habe, Zölle auf von Palästina nach Syrien eitigeführte Fertigwaren zu erheben. Ormsby-Gorc erwiderte. Gemäß dem Abkommen von 1921, das noch in Kraft ist, sind nach Serien eüigeführte Waren palästinensischen Ur- Sprungs zollfrei. Ein neues Abkommen ist erst im Stadiu in der Erwägung. Auf die weitere Frage Kenworthys, ob nach dem neuen Entwurf palästinensische Waren in Syrien zollpflichtig sein werden, erwiderte Ormsby-Gore: Da die Angelegenheit mit der französischen Regierung besprochen wird, halte ich es nicht für angemessen, ins Einzelne gehende Aus- Wiafte zu erteilen. ■ v/- , .־ , , ■ v ■ . •-׳;י׳־'■1־ ־ ׳• •י־-־־;‘‘ ׳יי־* י,4,׳־־* «•*״־'* **״ Die palästinensische Anleihe London, 22. November. (J.T.A.) In der heutigen Unterhaussitzung erkundigte sich Wedgwood über den Stand der beschlossenen Palästina-Anleihe und den Zeitpunkt des Beginns des Hafenbaus i n H a i f a. Ormsbv-Gore erklärte, nicht in der Lage zu sein, über die Anleihe Auskunft zu geben und teilte mit, daß sich im vorigen Monat eine Vermessungs komraission nach Haifa begab, um einen spezifizierten Plan des Hafenbaus auszuarbeiten. Auf die IVmerkung Wedgwoods, daß durch die Verzögerung der Anleihebegebung die Eisenbahn- und Hafenarbeiten verzögert werden und dadurch die Arbeitslosigkeit steigt, erwiderte Ormsby-Gore, es würden die Arbeiten nicht verzögert; die Anleihe werde zu einer für die Plazierung der Bons günstigen Zeit — vom Gcsichtspunkt des palästinensischen Steuerzahlers — begeben werden, uni die Anleihe auf dem Londoner Markt zu guten Bedingungen aufzulegen. mütigten Gegner nichts anderes, als einen Christen aus ihm zu machen. Da ist schon der Zuhälter Lorenzo sympathischer, der in seine Jüdin immerhin verliebt genug ist, um sie sich zu holen. Die ist die Verräterin, die sich aes Judentums und Vaters schämt, die, wahrscheinlich ohne Aufforderung und Berner* kungen ihres Galans, den Vater bestiehlt, ihn den Feinden preisgibt und mit den schwer verdienten, leicht geraubten Kostbar* keiten ohne Uebcrlrgung verschwenderisch umgeht. Nur zu leicht ist es verständlich, daß der junge Springinsfeld Lanzelot (von Lothar Miithel mit spielerischer Anmut köqterlich sehr gelöst herrlich erfrischend gespielt) sich zu den Schmarotzern hingezogen fühlt. Dali in diese Gesellschaft eine Porzia.von der schalkhaften Grazie und innigen Zärtlichkeit der Bcrgner tritt, daß sie mit diesen ,,Männern“ paktieren muß, das tut uns direkt weh. Und mau hat die Empfindung, daß Flisaheth Porzia, wenn sie irr ihren Bassanio nicht so schrecklich verlieht wäre, sich gar nicht so sehr wohl dort fühlen würde. Es geht etwas von Mitleid, ja direkt Zuneigung zum Shylok von ihr aus, wenn sie mit tiefer Eindringlichkeit, gleichsam in' traulichem /wiegesprach die Worte von der Gnade vor Shylok dicht stehend mit überredender Beschwörung an ihn richtet. Kortner war der Shylok, neben dem der kauende, fast überirdisch wirkende Tuhal aus dem Ghetto Fritz Valks geiiannt werden muH. Also Kortner war der Shylok. Die Leute, die immer wieder behaupten, der ,,Kaufmann von Venedig" wolle den Gegensatz zwischen Aristokratie und Proletariat zeigen, mögen sich diesen Shylok einmal anselten: dann werden sie die Unhaltbarkeit ihrer durch nichts gerechtfertigten Auf- Fassung; erkennen. Kortner ist der Jude; jawohl, sein Gewand ist nicht ganz sauber und sein Gang ist ein wenig müde, auch ist der schwere Kopf wie unter einer unsichtbaren Last der Dornenkrone des Martyriums, als Jude durch die Welt gehen zu müssen, leicht geneigt; aber die ganze Gestalt strömt eine Hoheit aus, die in ihrer Einsamkeit und Würde ergreifend, ja erschütternd ist. Gewiß haßt er die anderen, deren Welt er nicht versteht; aber noch stärker als ein Haß ist ein Widerwillen. Er trauert nicht dem Diebstahl seiner Tochter nach, ihr Verrat läßt ihn sie verdammen und verfluchen. Bei allem ist er Patriarch. Wohlgefällig betrachtet er Porzia; 11m der Gereriitigkeit willen und aus der Abneigung des Blutes heraus besteht er auf seinem Schein, den Parteilichkeit falsch auslegt. Der Shylok Kortners mit den brennenden Augen und dem müden

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