Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 93 (22.11.1927)
- Date
- 1927-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. &3, 22 XL 1027 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seit« «59 Palästinensischer Brief Regierungsverordnungen - Oie neue Währung - Die Schulen noch nicht geöffnet (Von unserm Konespondenten.) F. L., Jerusalem, 10. November. Die Palästinaregierung hat in den letzten Monaten eine erhebliche gesetzgeberische Tätigkeit entfaltet, durch die eine Reihe seit langem im Mittelpunkt von Diskussionen stehender Materien neu geregelt worden sind. Unverkennbar zeigt die Regierung bei diesen neuen Maßnahmen eine verstärkte Neigung, die Wünsche der paiästinensischen Bevölkerung im allgemeinen und die des Jischuw im besonderen zu berücksichtigen, ohne daß freilich damit gesagt werden soll, daß von der bisherigen übermäßigen Bevorzugung fiskalischer Gesichtspunkte völlig Abstand genommen werde. Die erste dieser Verordnungen, die in diesem Zusammenhänge zu nennen ist, betrifft den Zehnten, den Oscher. Das Problem ist ja häufig genug diskutiert worden und dürfte Insbesondere in letzter Zeit durch Dr. Gra* nowskvs ausgezeichnetes Buch von allen Seiten beleuchtet und geklärt worden sein. Die türkische Oschersteuer geht in gerader Linie auf die Steuerform zurück, die die arabischen Eroberer des 7. Jahrhunderts den von ihnen unterworfenen Ländern auferlegten. Während aber in allen Ländern der ehemaligen Türkei und auch in der neuen Nachkriegstürkei diese Steuer radikal abgeschafft worden ist, besteht sie in Palästina bis zum heutigen Tage weiter. Die Mandatsregierung hat in Einzelheiten reformiert; sie hat die mittelalterliche Steuerverpachtung aufgegeben und die Steuer von 124י auf 10 «0 herabgesetzt ln einer von der Regierung eingesetzten Kommission zur Prüfung der Frage fand sich jedoch mir eine Minorität für die radikale Beseitigung des Oscher, während die Majorität nur langsame Reformen befürwortete. Die Regierung schloß sich dem Majoritätsvotum an und erließ demgemäß eine Verordnung, die in der Hauptsache darauf hinausläuft daß sie dem Oberkommissar das Recht gibt, in bestimmten Bezirken die Erhebung einer festen jährlichen Steuer an Stelle der Schätzung des Ernteertrages anzuordnen. Wenn der Oberkommissar, wie anzunehmen, von diesem Recht umfasserden Gebrauch macht, so kann das Gesetz von großem Segen für die palästinensische Landwirtschaft werden, die schwer darunter gelitten hat daß bei den Schätzungen der Ernte der zukünftige Erlös fast immer überschätzt wurde. Daß das Gesetz das Problem der Landbesteuerung in Palästina noch nicht gelöst hat bedarf keiner näheren Ausführung. In dieser Woche veröffentlichte die Official Gazette eine neue Zollordnung, die größte Ueberraschung hervorgerufen hat, da die Regierung in keiner Weise vor dem Erlaß mit den interessierten Kreisen Fühlung genommen hat. Eine nähere sachliche Untersuchung führt jedoch zu dem Ergebnis — obwohl die Wirkung neuer Zolltarife schwer vorauszusehen ist, — daß diese Verordnung in vieler Beziehung die For• derungen erfüllt, die speziell von zionistscher Seite zum Schutze der p a 1 ä s ti ne nsisehen Industrleimmerwiedergestelltwurden. Zur türkischen Zeit bestand ein zwölfprozentiger ad valorem Zoll auf alle importierten Waren. Die Mandatsregierung hat d|pj, f*l(3nntlid% *Hgeisd ygj!, Ausnahmen rintreten lassen, indem die Einfuhr bestimmter, für Palästinas neue Industrien wesentlicher Rohstoffe zollfrei gestattet wurde und dagegen auf Fertigfabrikate, die mit pa!ästinensischen Fabrika'en konkurrieren, höhere Einfuhrzölle gelegt wurden. Der neue Zolltarif bricht für fast alle Artikel mit der ad valorem-VerzolIung uni führt Differentialzolle ein, wobei der Schutz palästinensischer Industrien wirksanier durchgeführt werden kann. Dies kommt etwa für Zement, Schokolade, Oele und Seifen zum Ausdruck, Gegenstände also, wo bemerkenswerte Anfänge palästinensischer Industrien vorhanden sind. In diesem Zusammenhänge sei übrigens erwähnt, daß die Proteste der Zionistischen Organisation und des gesamten Jischuw wie auch der Araber in der Frage des syrischen Handelsvertrages nicht ganz erfolglos gewesen zu sein scheinen: es verlautet, daß die Regierung den Wünschen der palästinensischen Bevö’kerung entgegenkommen wird. (Die Bestätigung dieser Vermutung brachte Weizmanns Berliner Rede. — A. d. R.) * Seit dem 1: November hat Palästina seine eigene Währung, das mit dem englischen gleichwertige palästinemischc Pfund, das in tausend Mills zerfällt. Die bisherige Währung kann nicht einfach abgeschafft werden, da sie ja die gültige Währung eines wichtigen Nachbarlandes bleibt Die Banken waren zwei Tage geschlossen, um während dieser Zeit bei der im Aufträge der Regierung handelnden Barklay’a Bank ihre ägyptische in palästinensische Währung um zutauschen und seit dieser Zeit wechselt das Publikum sein Geld um. wobei der vorgeschriebene Kurs OTU. ägyptische Piaster gleich einem palästinensischen Pfund ist. Metall- und Papiergeld zeigen Aufdruck in den drei offiziellen Sprachen, so daß damit zum ersten Male seit den Zeiten Bar Kochbas Münzen mit hebräischem Aufdruck kursieren. Das Publikum hat sich überraschend schnell an die Währung gewähnt; vorläufig sind die beiden Währungen nebeneinander im Umlauf, doch überwiegt schon heute das palästinensische Geld. Ueber das Hauptproblem, ob nämlich die neue Währung eine allgemeine Verbilligung des Lebensniveaus herbeiführen wird, indem allgemein an Stelle des ägyptischen das palästinensische Pfund ohne Aufschlag tritt, läßt sich Abschließendes noch nicht sagen, doch steht fest, daß dies jedenfalls vielfach der Fall ist. Die Schachtel Zigaretten, die bisher zwei oder drei Piaster kostete, kostet jetzt 20 oder 30 Mills. In allen zionistischen Institutionen wird entsprechend den Kongreßbeschlüssen keine Erhöhung der Gehälter vorgenomraen, sondern — unbeschadet der allgemeinen Gehälterherabsetzung — das palästinensische dem ägyptischen Pfund gleichgesetzt. Die Regierung selbst scheint freilich bei ihren Beamten Ausnahmen insbesondere bei den englischen Beamten — zu machen. Im ganzen dürfte die neue Währung eine geringfügige Senkung des Lebensniveaus herheiführen. Es ist bedauerlich, daß eine erhebliche Wirkung nicht erwartet werden kann. Das wäre vielleicht möglich gewesen, wenn die Regierung als Münzeinheit nicht das Pfund, sondern etwa eine Münze wie den Dollar angenommen hätte. * Bei Absendung dieser Zeilen sind die Schulen der Zionistischen Organisation noch nicht geöffnet, so daß nunmehr schon etw׳a drei Wochen die Kinder ohne Unterricht geblieben sind. Jedoch hat es den Anschein, als wenn nunmehr die sich einen vollen Monat hinziehcndeii Ver- Handlungen dem Abschluß zustreben. Die Frage wird zurzeit durchaus als die zentrale Frage des Jischuw empfanden, in der Presse und in Versammlungen heftig diskutiert. Und eine steigende Ungeduld macht sich geltend, bei der übrigens Lehrerschaft und Exekutive in gleicher Weise einer unangebrachten Hartnäckigkeit im Vertreten ihres S'andpunkts beschuldigt werden. Nachdem die anfänglichen direkten Ver- Handlungen des Merkas Hamorim und des Waad Leumi mit der Exekutive ergebnislos verliefen, wurde endlich die Instanz einberufen, die die legitime Vertreterin der Erziehungsinte■ essen ist, nämlich der Waad Hachinach, dessen Zusammensetzung, wie erinnerlich, auf dem Kongreß etwas verändert worden ist, der sich aber auch jetzt aus Vertretern der Exekutive, des Waad Leumi, der Lehrerschaft und der Regierung zusammensetzt Die Exekutive legte dort ihr ausgearbeitetes Erziehungsbudget vor, über das seit nunmehr fünf Tagen verhandelt wird. Dabei stellte sich heraus, daß doch einer großen Reihe ׳ iie..:Eefejc|(to1ng juta» den gegebenen Verhältnissen nicht abgespröchen werden kann. Notgedrungen verzichtet man langsam auf die Forderung, daß ״keine Klasse geschlossen und kein Lehrer entlassen“ werden dürfte, wie die ursprüngliche Formel lautete, und man beginnt mit einer sachlichen Erwämmg, welche Sparmaßnahmen erträglich sind und welche als zu gefährlich für den Bestand des Schuhverks durch andere Ersparnisse ersetzt we־den müssen. Man wird in den Lehrerseminaren die unterste Klasse diesmal nicht eröffnen, man wird voraussichtlich in den Volksschulen die oberste Klasse schließen. Dies sind zwei Maßnahmen, die relativ am ungefährlichsten sind. Pa’ästina produziert jährlich auf seinen Seminaren eine Reihe von Lehrern, die sehr schwer in Palästina Arbeit finden können und es ist keineswegs ein Unglück, wenn in diesem Jahre keine neue Generation in das Seminar eintritt. Und was die oberste Klasse der Volksschu’e anbetrifft, so argumentiert man mit Recht, daß Kindern, die nach Beendigung der siebenten Volks- Schulklasse die Schule weiter besuchen wollen, in eine der höheren Schulen übergehen sollen. Ebenso hat man der vor¬ ,^äsfina" in Paris (Eine nfchtjüdische Propalästinazeitschrift.) Von Dr. N a d i a Stein. Palästina in so großer, klarer und eindrucksvoller Schrift, wie es von seinem Titelblatt sich abhebt, einzuschreiben in das geistige Leben von Paris, d. h. vop Frankreich und der internationalen Welt, die von Genf ausgehend gleichfalls seine Sprache spricht — das ist das Ziel, das die neubegründete Zeitschrift des französischen Pro Palästina-Komitees sich gesetzt hat*). Die bisher erschienenen ersten zwei Nummern geben die volle Gewähr dafür, daß dieses epochemachende Unternehmen Erfolg haben wird. In einem glänzend geschriebenen Vorwort bespricht der Senator Justin Godart, der Vorsitzende der französischen PalästinagcseUschaft, den Sinn der Ideenverbindüng: France — Palestin e. Frankreich hat keine polifischen oder sonst welche praktischen Interessen von Bedeutung in Palästina. Freilich die Tatsache, daß es ein Land der Auferstehung ist, daß eine heimatlose' Nation dort heute Freiheit und Selbstbestimmung wiederfindet, daß ein zerstreutes Volk mit einem Glauben, einem Mut und einer Intelligenz, die die staunende Bewunderung der ganzen Welt erweckt haben, sich dort heute neu konstituiert, daß ein soziales Experiment sich dort vollzieht und ein atemraubendes politisches Expcriment, in dem nicht nur das jüdische Volk und seine Führer, sondern die Maiidatsnation, ja der Völkerbund selber seine Ehre verpfändet haben — das alles wäre Grund genug, um eine Interessenvcrknüpfung Frankreich - Palästina herzustellen. Aber Palästina umfaßt noch viel nt ehr. F.s ist ein Losungswort, an dem sich die Geister scheiden. Das Prinzip der Völkergerechtigkeit, der nationalen Freiheit und Gleichheit, die Verständigung von Orient und Okzident, von Asien und Europa, die neue Aera in der Kolonialpolitik, die mit dem Mandatssystem eingesetzt hat — alle diese großen •) ״Palestine“, Edition Rieder, Paris, 7 Place St, Sulpice. Ideale und Hoffnungen, die die Parolen des Weltkrieges waren, stehen und fallen mit dem jüdischen Palästina. Darum die Notwendigkeit einer Revue, in der sich Palästina im internationalen Leben spiegelt, po'ifisch, rechtlich, sozial, literarisch, im Lichte der Analvse, der Kritik, der Dokumentierung und der künstlerischen Schau, und die das Land und sein Volk kennen und lieben lehren soll So der Leitartikler, und nun seine Mitarbeiter. Herbert Samuel an erster Stelle erinnert an die wenig bekannte Tat- Sache, daß die französische Regierung durch ihren Minister Cambon schon am 4. Juni 1017, fünf Monate vor der Balfour- Erklärung, seine Sympathie ausgesprochen hat ״für die Wiedergebürt des jüdischen Volkes in eben dem Lande, aus dem es so lange verjagt war“, und gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der englische Mandatar die ihm anvertraute Mission getreu erfüllen werde. Dr. Be ne sch, der tschechische Minister des Acußeren, feiert die jüdische Befreiung als Sieg der Demokratie und des Ge.dankens des Minoritätfiischutzes, Weizniarui dankt für die Hilfe und Ermutigung, die die Tat des französisehen Pro Palästina-Komitees bedeutet und schi'deri des längerc.o die Periode des praktischen Idealismus, die für Palästina beginnen muß: ״Die beiden ersten Kapitel unserer Schöpfungsgeschichfe sind geschlossen. Gott hat das schlummernde Palästina wieder belebt. Die Wüste ist. erwacht und beginnt zu grünen. Das Land, das Licht, die Wasser, die Tiere, die Vögel sind unser. Gott hat auch uns wiedererschaffen und wir stehen aufrecht auf unserer Erde, jetzt geht es für uns darum, das dritte Kapitel , zu vermeiden, dem Dämon und dem Sündenfall zu entgehen und nicht noch einmal aus unserem Paradies gejagt zu werden. Wir leben in keinem paradiesischen Zeitalter, Wollten wir der naiven Leidenschaft unserer Anfänge zu treu sein, fortfahrend Träumer des Paradieses zu bleiben, dann droht uns das schreckliche Abenteuer des verlorenen Garten Eden. Darum heißt cs jetzt uns den Gesetzen und Forderungen der Zeit anzupassen“. Albert Thomas, der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes, plädiert für die Einführung einer Sozialgesetzgebung in Palästina, das ungleich allen Mandats- und Kotonialländera eine Arbeiterbevölkerung von höchstem geschlagenen Schließung der Kindergärten In den alten Kolonien zugestimmt, wo die Eltern die Kindergärten allein erhalten können, und hat die Subvention für das Tel-Awiwer Gymnasium und die Haifaer Realschule wesentlich gekürzt Aber freilich genügt das alles nicht. Auch so wären noch immer £ 7000 bis 8000 mehr nötig als verfügbar sind und die weiteren Vorschläge der Exekutive, die z. B. die Schließung der Mädchenschule in der Altstadt Jerusalems vorschlagen, begegnen vielfachem und zum Teil sicher auch berechtigtem Widerstand. Jedenfalls ist es notwendig, die Verhandlungen in der kürzesten Zeit zum Abschluß zu bringen und die Schulen zu eröffnen. Denn die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Eltern schließlich die Geduld verlieren und ihre Kinder anderen Schulen anvertrauen werden. Das aber wäre nicht nur ein nationaler, sondern auch ein materieller Verlust und könnte das mühselig erstrebte Ziel der Budget* balancierung wieder zweifelhaft machen. Weizmann-Veranstaltungen in Berlin Ara Freitag, den 18. November, mittags, gaben Herr Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim und Gemahlin zu Ehren von Herrn und Frau Prof. Wcizmann ein Frühstück im intimen Kreise. Anwesend waren der Dirigent im Auswärtigen Amt, Freiherr v o n R i c h t h 0 f e n , Herr von Kardorff und Frau Katharina von Kardorff-Oheirab, Herr und Frau Willy Drcyfus, Dr. Victor Jacobson, Herr Kurt Blumen• Feld, Dr. Martin Rosenblüth, Dr. Oskar Wo 1 fsberg u. a. m. Am Abend fand im Hause des bekannten Berliner Indo• striellen Leo Simon eine Abendgesellschaft mit Herrn und Frau Dr. Weizmann statt. Man sali mehrere Persönlichkeiten der deutschen Industrie, Vertreter des Auswärtigen Amtes, Re• gierungspräsidenten Hausmann und Gattin, den Pressechef der französischen Gesandtschaft H e s n a r d, Dr. Victor Jacobson, Prof. Dr. Ludwig Stein, Ministerialdirektor Dr. Badt, den früheren Reichskanzler Wirth, die Herren Kurt Blumenfeld, Dr. Martin Rosenblüth und Alfred Berger u. a. m. Herr Prof. Dr. Weizmann gab auf an ihn gestellte Fragen Bescheid über die neueste Entwicklung in Palästina. Dr. Luther Ober das Pro Palästina-Komitee Danzig, 13. November. (I.T.A.) In Danzig weilte in diesen Tagen der frühere Reichskanzler Dr. Hans Luther und hielt ein eingehendes Referat über deutsche Politik. Ein Mitarbeiter des Warschauer ״Moment" befragte nach dem Vortrag dem früheren Reichskanzler nach seiner Stellungnahme zum Palastinaproblem. Dr. Luther erwiderte; mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund entstand für unser Reich die Verpflichtung, an der Lösung aller internationalen Probleme, die den Völkerbund und seine Organe beschäftigen, mitzuarbeiten. Dies gilt selbstverständlich auch für das wichtige Palästinaproblem. Auch unsere Partei (Deutsche Volkspartei) ist im deutschen Pro-Palästina-Komitee vertreten, das übrigens deutsche Politiker aller Parteien und Richtungen zu seinen Mitgliedern zählt. Deutschland verfo’gi eine friedliche Realnolitik. Wo immer es sich um internationale reale und friedliche politische Aktionen handelt, kann man mit Deutsch- Iands Unterstützung rechnen. * Wie bereits geme’det, findet heute, am 22. d. M., in Köln eine Kundgebung des Pro Palästina-Komitees statt Graf Bernstorff ist leider durch Krankheit, die Ihn Mts Bett fesselt, verhindert, an der Ve״'־mml n־־ te:' ״ e' *e1־. Das Hauptreferat hält der Rektor der Kölner Universität Se. Magnifizenz Prof. Dr. Walb. Fragen• and Kinderarbeit in Palästina London, 16. November. (J. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses e־ruch‘e Miß Susanne Lawrence den Unterstaatsrekretär für die Ko'onien, um die Mitteilung des Inhalts des Gesctzentwu-fes, het'effend die Regelung der Frauenurd Kinderarbeit in Palästina, der dem Kolonialamt unterbreitet we־den soll. Mr. Ormsby-Gore erwiderte: Ich habe bereits den High Commissioner ermächtigt, dieses Gesetz sofort wirksam werden zu lassen. Auf eine Anfrage Kenworthys erwiderte Ormsbv-Go׳e, die Paläsfina-Regrrung stelle 100 003 Pfund zwecks Gewährung von Kredit-o an Erdbebengeschädigte זייי Verfügung; reine Hilfsmaßnahmen seien der privaten HilfstätigkeR vorbehalten. westlichem Standard hat und weist nach, daß Artikel 421 des Versailler Vertrages die Regierungen dem Sinn nach dazu verpflichtet. Charles Gide, der Großmeister der Genossenschaftslehre zeigt Palästinas führende Leistungen auf dem Oebiete genossenschaftlicher Organisation auf. Der Hamaschbir sei einzig darin, daß er eine Konsumgenossenschaft für ein ganzes Land darsfellt« daß er vielfach ohne Vermittlung des Geldes den Austausch zwischen den Produktions- und Kon• sumtionsgütern seiner Mitglieder bewerkstelligt und daß er prinzipiell seine Uebersehüsse nicht verteilt, sondern seinem Kapital zum Ausbau zuschlägt. Neben den Wissenschaftlern sind die anerkannten Wortführer der jüdischen literarischen Renaissance des heutigen Frankreichs mit Beiträgen vertreten: Andre Spire, Edmond Fl eg, Armand Lunel, J. Kessel, Albert Cohen. Henri Hertz, der Berichterstatter am Baseler Kongreß, der wegen Sprachschwierigkciten den Reden nicht folgen kann, nimmt um so intensiver das Schauspiel mit den Augen auf und bemerkt treffend und geistreich, daß bei dieser Tagung in der Mustermesse mit ihren jüdischen Musterresten aus der ganzen Weit, bei dieser Zusammenkunft des Jüdischen Völkerbundes das Jüdische als eine Eigenart nicht so sehr in der physischen Erscheinung als in der Seele zu finden war, mir die Palästinenser unterschieden sich als ein eigenes Geschlecht, inkrustiert von der Sonne und der Erde des Heiligen Landes und imprägniert mit einer ruhigen Z11versieht und Heiterkeit, die sie nicht mehr als die Söhne einer Rasse, sondern schon vielmehr als die eines bestimmten eigenen Landes kennzeichnet. Ein kleines Meisterstück dichterischer Wiedergabe ist der Bericht von Ben Oawricl über eine Aufführung von Bach und Beethoven in der Landschaft und vor dem Völkerbabel, von Jerusalem. Seltsam verknüpft ist Frankreich mit der Geschichte der jüdischen Renaissance. Seit dem Dreyfußprozeß und Herzl haben Ereignisse und Persönlichkeiten, die von dort ausgegangen sind, immer wieder internationale Wellenkrcise aufgerührt. Möge Gleiches auch im Gefolge der höchsten ruhmes- und dankenswerten Initiative des französischen Pro Palästina- Komitees sich vollziehen. Dann werden vielleicht auch endlich