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Jüdische Rundschau · 1927-11-22 · Heft 93 (22.11.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 93 (22.11.1927)
Date
1927-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S**te 63® JUEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 03, 22. XL 1927 Wenn diese Entwicklung vor sieb gegangen ist, werden steh die Tore Palästinas nach zwei Jahren wieder öffnen. Dr. Weizmaiin geht sodann auf die politischen Beziehungen der Zionistischen Organisation zur Mandatarmacht über. Unter dem Einfluß der Krise haben sich diese Beziehungen intimer gestaltet, die Regierung hat unseren Problemen mfhr Aufmerksamkeit geschenkt und uns bei verschiedenen Gelegenheiten geholfen. Wir halten die Zeit für gekommen, von der Regierung eine aktivere Unterstützung zu verlangen. Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder bestimmte Forderungen an die Regierung gestellt. Man sagte mir jüngst von revisionistischdr Seite nach meiner Rede beim Balfour-B,inkett in London, ich hätte eine ״revisionistische Rede“ gehalten. Aber diese Herren, die das meinen, sollten wissen, daß ich seit Jahren in Reden und in meinen Briefen .111 die Regierung solche ״revisionistische“ Ausführungen gemacht habe. Selbstverständlich müssen wir politische Forderungen stellen, aber cs kommt immer darauf an, wann man eine Sache sagt, wie man sie sagt, Und wer sie sagt. Wer jahrelang bei jeder kleinsten Gelegenheit ״Wolf“ ruft, den wird matt nicht hören, wenn der Wolf wirklich kommt. Ich glaube, daß die Regierung heute die Verpflichtung fühlt, uns unsere Last tragen zu helfen. Ich kann aus meiner letzten politischen Tätigkeit zwei Beispiele heute bereits erwähnen. Das eine ist der Handelsvertrag mit Syrien, gegen den unsere palästinensischen Industriellen schwere Ein- Wendungen hatten; der Vertrag wird vorläufig nicht in Kraft treten. Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, wie sich in der, Zukunft diese Sache entwickeln wird, aber in den nächsten zwei oder drei Jahren droht in dieser Hinsicht keine Gefahr. Die Regierung hat sich unseren Vorstellungen in dieser Sache nicht verschlossen. Das zweite Beispiel, das ich berichten kann, ist die Bereitschaft der Regierung, bei den bevorstehenden großen öffentlichen Arbeiten eine Majorität jüdischer Arbeiter zu beschäftigen. Freilich wird die Regierung dabei nicht den bei uns üblichen Lohnstandärd aufrechterhalten, sondern sie wird sich nach dem allgemeinen Lohnniveau des Landes richten. Daraus folgt, daß wir unseren Standard werden hcrabdr&ckeh müssen. Aber angesichts der herrschenden Arbeitslosigkeit muß eine solche Lösung doch als sehr wichtige Erleichterung betrachtet werden. Ich möchte noch in einer anderen Sache eine Aufklärung geben, und zwar bezüglich der Ueberschüssc der Palästinaverwaltung, von denen oft die Rede ist. Die Ueberschüsse betrugen 11/8 Millionen Pfund, aber dieser Befrag ist nicht mehr vorhanden, weil Palästina seine internationalen Verpflichtungen und sonstige Verbindlichkeiten erfüllt hat. Ich habe mich überzeugt, daß man heute nur noch von einem Betrag von etwa £ 300000 sprechen kann, der für öffentliche Arbeiten evtl, zur Verfügung steht. Die heutige Lage ist für jeden Zionisten sehr schmerzlich, denn wir fühlen, daß der Aufbau stagniert und wir in unserem Vorwlrtssehreiten innehalten mußten. Die Aufgabe, in unserem H|fsi©rdB11n*^te־#^fffiu#:,1»nd-.d»i<pte Bastehende aaf eine gesunde Grundlage zu stellen, können wir nur dann mit Erfolg durchführen, wenn wir uns immer vor Augen halten, daß dies eine Uebergangszelt ist, die gewissermaßen die Voraussetzung schaffen soll für einen neuen Vorstoß. Um aber diese Uebergangszelt nicht länger ertragen zu müssen, als unbedingt notwendig Ist, sind gewisse Bedingungen zu erfüllen. Erstens müssen wir das kleine Budget, das nur das Bestehende sichern soll, wenigstens mit Gewißheit aufbringen, ura nicht die Exekutive gleich zu Anfang ihrer Tätigkeit in die Gefahr eines Bankerotts zu bringen. Zweitens müssen Wir uns bewußt sein, daß dieses Budget nur ein Minimum bildet und daß wir darüber hinaus viel Geld brauchen, um neue Landkäufe durchzuführen, größere Arbeiten wieder beginnen zu, können. Dieses Bewußtsein der Notwendigkeit einer neuen Vorwärtsbewegung müß alle Teile der Zionisti* sehen Organisation durchdringen. Mit der bloßen Beschränkung auf rein geschäftsmäßige Methoden können wir nicht auskofnmen, durch solche Methoden hätten wir niemals das Eraek erobert und auch nicht die alten Kolonien, die der Baron Rothschild dann so großzügig gefördert hat. DerGeist des Wagnisses, der Eroberung, darf in unserer Bewegung nicht verloren gehen, auch wenn wir im heutigen Moment keine Möglichkeit des weiteren Vordringens haben. Aber wir müssen für diese Zeit des Stagnieren eine klare Grenze setzen. Dies fördern auch die Menschen von uns, die heute in Palästina zu leiden haben und ihre Leiden ertragen werden, wenn sie nur wissen: bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, dann geht es wieder aufwärts. (Stürmischer Beifall.') * Dr. Salii Hirsch richtete einen eindringlichen Appell an die Anwesenden, in» Angesichte des Führers die Maasser-Pflfcht gegenüber dem Keren Hajessod zu erfüllen. Sofort nach diesem Appell konnte Herr Kurt Blumenfeld verkünden, daß die erste Spende von £ 1000 überreicht worden sei.. Im Verlauf einer halben Stunde waren über lOÜ OOO M. gespendet worden. ' Dr. Alfred Klee hielt dann noch eine zündende Ansprache an die Versammlung, in welcher er Weizmanns Wort aufgriff, man dürfe nicht übermäßig kritisieren. Dr. Klee appellierte an die deutschen Zionisten, die Inneren Kämpfe zurückzustellen und eine einige zionistische Front zu zeigen, sowohl gegenüber der nichtzionistischen und nichtjüdischen Welt, als auch ln der positiven Arbeit für den Aufbau Palästinas. Wenn wir einig sind, werden wir stark sein. Dr. Klee verweist in diesem Zusammenhang auch auf die zionistisehen Erfolge im Gemeindeleben und erklärt, obwohl er keinen offiziellen Auftrag habe, glaube er die Versammlung auch namens der Majorität der Berliner Judenschaft begrüßen zu können. Zum Schluß ergriff Dr. Weizmann noch einmal das Wort, um dem Präsidenten Blumenfeld und ״seinem alten Freunde Klee“ für Ihre Worte zu danken. Er erinnerte daran, wie er und Klee in früheren Jahren Schulter an Schulter manche Schlacht geschlagen, um für die Jugend bessere Tage vorzubereiten. Ohne Vorbild war die Arbeit schwerer. Die Jugend, die jetzt aufsteigt, sieht, daß das Nationalheim Wurzel gcschlagen hat, findet einen lebendigen, sich entwickelnden Crganismus. Ihr Jungen, schloß er, könnet das Wachstum beschleunigen. Ich wünsche Euch, daß Ihr dem Ziele immer näher kommet. Mit dem Absingen der ״Hatikwah“ schloß der Abend. Weizmann ln Leipzig ln Leipzig fand, wie uns von dort telephonisch berichtet wird, Sonnabend abend ein feierlicher Erapfangsabend zu Ehren von Dr. Weizmann statt. Es hielten Begrüßungsansprachen Herr Rabbiner Dr. Felix Gold mann in hebräischer und deutscher Sprache namens der Jüdischen Gcmeinde, ferner Herr Tumpovvski namens der Zionistischen Ortsgruppe, Vertreter der verschiedenen zionistisehen Vereine, dann sprachen Dr. Weizmann und Blumenfeld. Es wurden 54 000 M. für den Keren Hajessod gezeichnet. Am Sonntag fand ein Tee im Hause von Herrn Chaim Ei t in g on zu Ehren Dr. Weizmanns statt, ln der öffentliehen Versammlung am Sonntag abend war ein so u n - geheurer Menschenandrang, daß außer den zweitausend Personen, die den Saal füllten, noch viele hunderte draußen bleiben mußten. In der Versammlung sprachen Dr. Weizmann und Kurt Blu menfeld. Dr. Weizmann reiste noch am selben Abend nach Münc h e n ab. Eine große Schar von Zionisten gab ihm das Geleite bis zum Bahnhof, wo bei der Abfahrt die ״Hatikwah“ gesungen wurde. — Sämtliche Veranstaltungen waren von der Leipziger Ortsgruppe in vorbildlicher Welse vorbereitet; einen genaueren Bericht werden wir noch nachtragen. Der Parteitag der österreichischen Zionisten Von unserm Korrespondenten.!. th. Wien, 17. November. Am 12., 13. und 15. November haben die österreichischen Zionisten ihren diesjährigen Parteitag abgehalten. Den gegenwärtigen, mehr als traurigen Zustand der österreichischen Orgänisation und damit auch den Geist und Gehalt diesek Parteitage« beleuchtet am besten dessen Resultat: die Unmöglichkeit, sich auf einen Präsidenten zu einigen und der daher im letzten Augenblick als ״Rettung“ gefaßte Beschluß, den Parteitag bis Anfang Dezember zur Wahl eines Landeskomitees zu v e r - tagen. Aus diesem Resultat, das für einen Außenstehenden kaum verständlich sein dürfte, geht die ganze Problematik der jetzigen Situation innerhalb des österreichischen Zionismus hervor. Was sich hier abspielt und auf diesem Parteitag seinen Ausdruck fand, ist mehr als die überall zutage getretene Zerklüftung der Zionistischen Organisation in Gruppen Und Sonderverbinde, es ist eine provinziell anmutende Verzerrung dieses Gruppen* und Parteienstreites Im Zionismus. Der Parteitag, dessen Vorsitz Dr. Desider Friedmann Referat des PrisMimten W. Üoldlläinm er tlBOf dlfe gtgiii־ wärtige Lage im Zionismus, in dem er ein Resümee der dreißigjährigen Arbeit des Zionismus gab und sich speziell mit der zur Entscheidung dringenden sozialen Entwicklung befaßte und nach einem Kulturreferat Dr. RothblUms, der insbesondere auf die ungeheure Bedeutung der Verlebendigung der he bräischen Sprache auch In der Galuth hinwics, kam in der Generaldebatte als erste die Jugend zu Worte. In kurzer Aussprache appellierte Frau Dr. Martha Hofmann an den Parteitag, eine Atmosphäre des Glaubens zu schaffen, des gegenseitigen Glaubens und des Glaubens an die Idee des Zionismus. Sie verlangte, durchdrungen vom Erlebnis Palästinas, guten Willen und Bereitschaft zum gegenseitigen Verstehen. Dann hielt ein Jugendlicher, der Vertreter des Bundes ״Blau- Weiß“, Dr. Münzer, eine längere kritische Rede, die die beste und am meisten durchdachte der ganzen Generaldebatte war. Münzer hielt den Führern des österreichischen Zionismus sozusagen den Spiegel der Jugend vor. Er sagte ihnen klar, deutlich und eindringlich, welchen Eindruck sie in den Augen der Jugend Hervorrufen, er hielt ihnen ihre Politik vor, die etwas anderes nach innen proklamiert und etwas anderes nach außen vertritt. Und er traf in allem fast das Richtige. I n einige Sätze zusammengedrängt ließe sich die Kritik Münzers etwa folgendermaßen formulieren: Wir bejahen im Prinzip die LandespoMtik, müssen aber ebenso entschieden die Formen ablehnen, in denen sie bisher von den zionistischen öffentlichen Mandataren und Vertretern geführt wurde. Wir verurteilen eine Politik der rüden Bekämpfung, die uns nur Feinde bringt und Menschen und Parteien abstößt und verlangen eine Politik der Auf* klärung, die uns Freunde gewinnen und Gleichgültige bekehren soll. Ein spezielles Beispiel: es gehe nicht an und ganz besonders könne es nicht von einer zionistischen Jugend, die sozialistisch orientiert ist, gebilligt werden, daß man den eigenen Gesinnungsgenossen, den Zionisten, immer wieder beteuert, man bekämpfe in der österreichischen Sozialdemokratie nur die Assimilation und die Assimilanten, und dann in die öffentlichen Versammlungen geht und auf Breitner und die Wohnbautätigkeit der Wiener sozialdemokratischen Gemeinde schimpft. Diese Politik und eine Vernachlässigung der Jugend, die erst im letzten Jahr unter der Präsidentschaft Dr. Goklhammers einer intensiveren Bemühung der Erwachsenen um die Jugend gewichen ist, führten zum Abfall großer Teile der Jugend vom Zionismus. Im weiteren Verlaufe seiner Rede befaßte sich nun Münzer mit dieser Gefahr der Abkehr der Jugend vom Zionismus und mit den Möglichkeiten, hier Abhilfe zu schaffen. Neben der Intensivierung der Kulturarbeit betonte Münzer die Notwendigkeit eines direkten organisatorisehen Verhältnisses zwischen dem Landeskomitee und der Jugend und verlangte Berücksichtigung ihrer Forderungen. An das Referat Münzers knüpfte einige treffende Bemerkungen über die jüdische Schule Rabbiner Dr. Feuchtwang, um dann einer üblichen, mit Schlagworten operierenden Generaldebatte Platz zu machen. Diese Debatte brachte kaum einen neuen Gedanken, sic erschöpfte sich nur itn gegenseitigen Ueberschreien und Verdächtigen. Sie war, mögen auch manche der Redner von den besten Absichten geleitet worden sein, unzweifelhaft wenig fruchtbar. * Eine rühmliche Ausnahme machten die Referate Adolf Böhms und Direktor Viktor Kellners. Böhm, der die kolonisatorischen Probleme Palästinas besprach, wies auf die große Bedeutung der Konzeption der erweiterten Jewish Agency hin, die ein Weg war, der gegangen werden mußte. Er sprach über die Notwendigkeit der Gründung einer Agrarbank für Palästina, äußerte sieh dagegen skeptisch über die Aussichten einer Anleihe. Direktor Kellner befaßte sich in seinem groß* angelegten Referat mit der zionistischen Ideologie und ihrer Beziehung zur Jugend, insbesondere zur Jugend, die sozialistisch orientiert ist. Für einen bewußten jüdischen Sozialisten könne es, führte Kellner aus, eine sozialistische Betätigung nur innerhalb des Zionismus geben und andererseits sei die zionistische Ideologie nur im Verein mit den großen und fortschrittlichen Menschheitsgedanken denkbar. Die Jugend kann nur durch eine Synthese des Zionismus mit dem Sozialismus begeistert und gewonnen werden. Dem Zionismus soll die Jugend durch eine systematische, ausgebreitete und intensive Kulturarbe.it nahegebracht werden. Ein solches Kulturprogramm bemühte sich Direktor Kellner in seinem Referat in großen Zügen zu entwickeln. Die Resolutionen waren die üblichen, nur der Schluß, den ich am Anfang des Berichtes vorweggenoramen habe, war leider nicht üblich. Bis 1 Uhr nachts verhandelten die Gruppen (einerseits die Agency-freundiichc Gruppe ״Aufbau“, andererseits d'e Radikalen) über die Personenfrage des künftigen Landeskomifee. Die Radikalen haben dem einzigen Mann, der jetzt im österreichischen Zionismus als Präsident des Landeskomitees in Betracht kommt und auch große, noch zu erwähnende Verdienste um die österreichische Organisation hat, Hern» Dr. Leo Ooldhammer, der ihr Klubgenosse ist, die Erfaubnis verweigert, die Präsidentensteile anzunghmen, obwohl ihn die nichtradikale Majorität einstimmig gewählt hat. Die Radikalen schützten zwar vor, daß sie als Minorität den Präsidenten nicht stellen wollen, in Wirklichkeit aber konnten einige ihrer Führer Dr. Ooldhammer nicht verzeihen, daß er während der Wahlen zum österreichischen Parlament den Sozialderaokraten gegenüber eine versöhnlichere Politik eingeleitet hat. Dr. Goldhammer hat ein besonderes Verdienst, zur Gründüng des österreichischen Pro-Palästina-Komitees, dem die hervorragendsten Persönlichkeiten aller österreichischen Parteien, ferner Männer der Wissenschaft, Kunst und Literatur angehören, sehr viel beigetragen zu haben; die konstituierende Sitzung dieses Komitees dürfte in kurzer Zeit in An- Wesenheit Dr. Weizmanns, der nach Wien kommt, stattfinden. Ein weiteres Verdienst erwarb sich das abgetretene Landeskomitee und mit ihm in erster Linie der Präsident Dr. Goldhammer, durch die Herausgabe einer Sammelschrift ״Z e 11 n Jahre Balfour-Deklaration“, die besonders aaläßlcli der bevorstehenden Konstituierung des Pro Palästina-Komitees an Bedeutung gewinnt. Die Sammelschrift enthält eine historische Zusammenfassung der Verhandlungen, die zur Balfour- Deklaration geführt haben, sowie der Geistesverfassung der englischen Gesellschalt, die dieses Dokument ermöglicht hatte, aus der Feder von Dr. N. M. Gelber, ferner Aufsätze von Dt. Eduard Benes ch , Col. Wedgwood, Justin Godart, Dr. Goldhammer, Dr. Abeies und Dr. Rothblum. Dieses erfolgreich begonnene Werk der Aufklärung der nichtjüdischen Öffentlichkeit, der versöhnlichen Politik nach außen, der strafferen Zusammenfassung der Organisation und der intensiveren Jugendarbeit sollte nun Dr. Ooldhammer weiterführen. Leider aber siegte das Gruppenbewußtsein übet dat iatOff «Ä«rftik&ncnel1: ,•Szene« "ta' Ptahutf 'des Pirlettager'ltomiÄ,■ wobei Dr. Goldhammer zwar die Wahl zum Präsidenten, gegen die nur seine eigenen Klubgenossen gestimmt haben, ablehnen mußte, sich aber gleichzeitig in sehr scharfer Weise gegen das Vorgehen seines IGubs öffentlich aussprach. Schließlich mußte angesichts des drohenden Auseinandergehens in dieser chaotisehen Situation als ״einzige Rettung“ der vorher erwähnte V e r - tagungsbeschluß gefaßt werden. Die einzig und allein in dieser Situation Triumphierenden sind die Wiener Assimilanten, die sich auf die b C v 0 r s t e h e nden Kultusgemeindewahlen freuen und schon jetzt die Uneinigkeit unter den Zionisten ausnützen. Auf diese Weise Wird es uns keineswegs gelingen, die Kultusstube zu erobern und aus der Kultuseine wahre Volksgcmeindc zu machen. Ganz zu schwelgen von den anderen Zweigen der zionistischen Arbeit, der Palästinaarbeit, der Tätigkeit der Fonds und der Kulturarbeit, die alle dadurch lahmgelegt werden müssen. Es muß an alle die dringende Mahnung ergehen, sich im Interesse der Zionistischen Organisation und der zionistischen Idee rechtzeitig zu besinnen, und zwar nicht nur um den relativ leichten Ausweg aus der augenblicklichen Situation zu finden, sondern sich zu besinnen zur Einigung, zu gemeinsamer, ehrlicher und von gegenseitigem Verstehen getragener Arbeit, um erfolgreich schaffen und kämpfen zu können. Ueberfall aal den Abg. Grflnbaom Warschau, 17. November. (J.T.A.) Der bekannte Abgeordnete des polnischen Sejm und zionistische Führer Jizchak Grünbaum wurde, als er sich am Mittwoch spät abends von einer Beratung des Landeskomitees der Zionistischen Organisation nach Hause begab, auf der Straße von drei Individuen überfallen und durch Schläge mit Knütteln auf den Kopf verletzt. Grünbaum stürzte zu Boden, konnte sich aber gleich wieder erheben und seinen Weg fortsetzen. Die Attentäter folgten ihm, um ihn aufs neue anzugreifen, als aber Personen sich näherten, ergriffen sie die Flucht und entkamen unerkannt. Abg. Grünbaum konnte sich ohne fremde Hilfe nach Hause begeben; sein Befinden ist zufriedenstellend. Im Verlauf des Donnerstags empfing Grünbaum den Besuch zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer politischer Persönlich• keifen der verschiedensten Richtungen, die ihm ihr Mitgefühl ausdrückten. Am Abend erschien in der Wohnung Grünbaums ein vom Innenminister entsandter hoher Beamter, der dem brutal Ueberfallenen das Mitgefühldes Innenministers ausdrückte und das 'Versprechen gab, daß all« aufgeboten werden würde, um der Attentäter habhaft zu werden. Uebe-r die Persönlichkeit der Attentäter werden verschiedene Mutmaßungen aogestellL Der Ueberfall wird mit den gegenwärtig stattfindenden Besprechungen über die Bildung eines Blocks der nationalen Minderheiten in Polen aus Anlaß der kommenden Wahlen in Zusammenhang gebracht. Abg. Grünbaum führte diese Verhandlungen von jüdischer Seite. Man nimmt an, daß die Täter entweder polnische Nationalisten sind, die die Bildung eines Minorititenblocks stören wollten, oder aber Anhänger der ukrainischen Petljura-Partei, die zwar für einen Minoritätenblock ist, aber sich gegen den Einschluß der Juden in einen solchen Block wendet.

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