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Jüdische Rundschau · 1927-11-18 · Heft 92 (18.11.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 92 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 92, 18. XI. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 853 / Blätter des ״Bundes Zionistischer Frauen*1 Die WIZO-Tagung in Basel Von Hany Löw-Tachauer, Frankfurt a. M. Als Auftakt zum allgemeinen Zionistenkongreß tagte vom 28. bis 30. August in Basel der 4. Kongreß der Zionistischen Frauenorganisation, Women'a International Zionist Organization, kurz Wizo“ genannt. Er waren drei Tage intensivster Arbeit, mit der man sofort begann, nachdem Laay Samuel, die Ehrenpräsidentin, den Kongreß eröffnet hatte und die Begrüßungsreden der Herren Dr. Weizmann, Ussischkin, Jaffe, CoT. Kisch, sowie der Vertreterin der Baseler Wlzogroppc verklungen waren. Die Verhandlungen kristallisierten sich um zwei Fragen: 1. Soll die Wizo in Palästina sich auf ihren alten Aufgabenkreis, der Erziehung der Mädchen zu produktiver Arbeit und besonders zu Landwirtschaft, beschränken oder soll sie unter vorübergehender Zurückftellung derselben Notstandsarbeit leisten.' 2. Die Fragen der Organisation in Palästina und im Galuth. Es ist ganz selbstverständlich, daß diejenigen Frauen, welche in Palästina wohnen oder längere Zeit dort gelebt haben, im Augenblick hauptsächlich das täglich an sie herantretende Elend sehen und den Wunsch naben, zuerst hier einzugreifen. Aber man darf niemals vergessen, daß eine zionistische Welt Organisation Arbeit auf lange Sicht unternehmen soll und daß Palästina für unsere Kinder und Kindeskinder geschaffen werden muß. Indem nun die neu gegründete Gruppe der Wizo in Tel-Awiw sich dieser Hilfsarbeit widmet, und von der Organisation subventioniert wird, kann der Weltverband selbst sich auf seinen alten Aufgabenkreis unentwegt konzentrieren. Da man weiß, daß Landwirtschaft den Kern aller Siedlungspolitik darstellt und wiederum weiß, daß das jüdische Volk sich vom Erdboden weit entfernt hat und es wiederum eine Unmöglichkeit ist, Landwirtschaft zu treiben ohne Bluerinnen, hat die Konferenz der Wizo beschlossen, ihren Weg der Erziehung zur Land- und Hauswirtschaft weiterzugehen. Von diesem Standpunkt aus, daß das jüdische Volk zum Boden zurückgeführt werden muß, daß aber für die Arbeit am Boden dieser Boden erst zu erlösen ist, hat die Konferenz den Entschluß gefaßt, von sich aus für die Frauen die Keren Kajemeth-Arbeit aufzunehmen und beauftragte Mrs. Sieff aus London, die Leitung dafür zu übernehmen. Die Frage der Organisation in Palästina ist dadurch autgetaucht, dal von Palästina aus der Wunsch geäußert wurde, daß man erstens zur Vermeidung einer Zersplitterung der Frauenarbeit in Palästina und zweitens zur Orientierung der im Galuth lebenden Frauen der Wizo eine Moazah, eine beratende Körperschaft einsetze, welche die Verbindung zwischen Palästina und London hersteilen sollte. Die deutsche und die tschechische Föderation haben einen diesbezüglichen Antrag eingebracht. Erschwert wurde die Behandlung dieser Frage einmal dadurch, daß kurz vor der Konferenz in Palästina eine Moazah gegründet worden war, an deren Spitze die Histadruth Nasrhlm [brloth steht, zweitens, daß die palästinen- »sehen Delegierten der Wizo nicht in dieser Form mit der neuen Moazah arbeiten wollen und drittens, daß die Histadruth Naschim Ibrioth, deren Vertreterin Frau Helene Hanna Thon aus Palästina ist, der Wizo sich nicht anschließ*» , ■WH und ferter eine von Frau'Anita. :'Äfflfer*C©!w« 'geirfindete Gruppe der Wfzo ln- Tel-Awfw־ besteht. Dadurch ist eine Moazah, wie sie im deutschen und tschechischen Antrag enthalten war, nicht zustande gekommen. Dagegen ist eine Palästinaexekutive der Wizo gegründet worden, deren Aufgabenkreis hauptsächlich darin besteht, für die Durchführung der Palästina betreffenden Beschlüsse der Konferenz Sorge zu tragen und der Exekutive in London ueue Vorschläge zu unterbreiten. Die Nominierung der Palästina- Exekutive wurde der Exekutive der Wizo übertragen. Frau Dr. Persilz■, Tcl-Awiw, konnte zur Leitung dieser neuen Palästina-Exekutive gewonnen werden. Dieser Palästina-Exekutive wird der Wunsch der Konferenz übermittelt, einen Weg zu finden, um mit den Vertreferinnen sämtlicher palästinensischen Frauenorganisationen einen paritätisch zusammengesetzten Council zu schaffen, der (len Vertreterinnen die Möglichkeit eines Austausches gegenseifiger Informationen über gemeinsame Arbeitsgebiete gibt und welcher daraus resultierende Vorschläge de! Palästina- Exekutive 211 unterbreiten hat. An die zionistischen Frauen Die IV. Konferenz der Weltorganisation Zionistischer Frauen hat erwiesen, daß der jüdischen Frauenwelt reiche Möglichkeiten gegeben sind, am Aufbauwerke von Erez- Israel tetlninehmen. Die Zionistische Organisation fordert alle jüdischen Frauen auf, sich der Weltorganisation Zionistischer Frauen anzuschließen, um sie in ihrer Arbeit, die sich auch vor allem auf die haus- und landwirtschaftliche Erziehung der Frauen und Mädchen in Palästina konzentriert, zu unterstützen. Damit ist allen Frauen ein spezifisches Arbeitsfeld gegeben, das einen wertvollen Faktor des neuen Palästinas bildet und die Entwicklung des Landes in hohem Maße stärken und fördern wird. Die zionistische Exekutive hofft zuversichtlich, daß die Föderationen der Weltorganisation Zionistischer Frauen das von der Konferenz angenommene Budget von £ 41 600 aufbringen und keine Sonderunteraehmen beginnen werden, die eine Zersplitterung der Kräfte bedeuten und Palästina nicht von Nutzen sein werde. Wir heißen das Programm der Weltorganisation Zionistischer Frauen gut und seine Erfüllung wird der jüdischen Frau von heute ein dauerndes Denkmal in der Geschichte des Aufbaus von Erez-Israel errichten. Ch. Welz mann. Nahum Sokolow. F. Rosenblüth. M. D. Eder. Frau Welzmann ln Deutschland Der Präsident der Zionistischen Organisation ist bei seinem Besuch in Deutschland diesmal von seiner Gattin, Mrs. Welzmann, begleitet. Mrs. Weizmann gehört zu den Initiatoren und Begründern der Weltorganisation Zionistischer Frauen (Wizo), in deren Präsidium sie seit ihrem Bestand tätig ist. Der Bund Zionistischen Frauen in Deutschland heißt Frau Welzmann herzlich in Deutschland willkommen. Die Delegierten unseres Bundes hatten bereits bei mehreren Tagungen, zuletzt in Basel, Gelegenhelt, mit Frau Welzmann in direkten Kontakt zu treten. Wir freuen uns, daß wir nunmehr auch in Deutschland mit Frau Weizmann im Dienste unserer gemeinsamen Sache Zusammenarbeiten können. Vielleicht gelingt es den palästinensischen Frauen, in den nächsten zwei Jahren bis zur neuen Konferenz diese Moazah zusammenzubringen. ,pne fite uni, Ugr. im. Koätinant *®kr .wiÄt^e.FriÄ.twar '"die,. ‘vH#;wfr' tihfere ‘Arbeit weSterfMiren sauen uni wie ־wir die Anerkennung der uns wichtig erscheinenden Aufgaben der Hachscharah bei der Konferenz durchbringeii können. Die Verhältnisse in England und in den liebersecländem sind so, daß man sich dort ausschließlich mit direkter Palästina- Arbeit beschäftigen kann, während bei uns hier andere Probleme gelöst werden müssen. Es war daher auf früheren Konferenzen noch nicht möglich, das Verständnis dafür zu erwecken, daß wir unser Budget für Palästina nicht so hochsfclicn können, da wir indirekte Palästina-Arbeit zu leisten haben. Deses Mai sind die Wünsche des Kontinente erfüllt worden, die Kulturarbeit Im Kontinent und die Arbeit für die Hachscharah wurde anerkannt, die Arbeitsgemeinschaft der kontinentalen Verbände ist genehmigt. Auf diese Weise ist unseren anders gerichteten Bedürfnissen Rechnung getragen worden, und wir können auf unserem Wege weiterschreiten. Line andere nicht weniger brennende Frage, die bisher noch ungelöst war, ist die Einordnung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, kurz ״Kulturverband'‘ genannt, der sich nicht ausschließlich aus zionistischen Frauen zusammensetzt, sondern auf neutralem Boden alle jene Frauen sammeln will, die, ohne Zionisten zu sein, doch für Palästinazwecke Geld aufbringen wollen. Die Lösung dieser Frage war nicht leicht, doch glaube ich, daß sie die Zufriedenheit aller Beteiligten gefunden hat Es winde nämlich die Gründung eines Keren Hanaschim vorgesehen, analog dem Keren Hajessod, an dem die neutralen Verbände teilnehmen mit denselben Rechten und Pflichten wie die Zionisten. Der Organisationsbeitrag und die Vertretung auf dem Kongreß sind dieselben wie bei den zionistisefien Verbinden; das Stimmrecht üben sie aber nur aus bei Fragen, welche Palästina-Arbeit betreffen. Den zionistischen Verbänden wird jedoch zur Unterscheidung gegen* über den Neutralen der Auftrag erteilt, an den Schekel- Sammlungen teilzunehmen. Das Erfreulichste an diesem Kongreß war die absolute, aut gegen sei tiefes Verständnis abgestimmte Einstellung. Die notwendig vorhandenen Gegensätze wurden in den Kommissionen ausgetragen, wo man sich persönlich Auge in Auge gegenüberstellt und wo es nicht auf rhetorische Kunstleistungen ankommt, sondern auf sachliche Aussprache. Mit dem auf allen Seiten vorhanden gewesenen guten Willen kam man überall zu einer Einigung. Es mußte jede Seite der anderen ein Stückchen entgegenkommen, und es soll hier besonders betont werden, daß auch die Exekutive sich alle Mühe geeben hak in langen Verhandlungen mit den Föderationen ie gemeinsame Plattform zu finden. Und 80 konnte Lady Samuel in ihrem Schlußwort sagen, daß wir als Fremde zusammengekommen sind und als Freunde scheiden. Die neugewählte Exekutive setzt sich aus folgenden Frauen zusammen: Lady Samuel, Frau J. H. Hertz, Eder, Goodman, Sieff, Weizmann, Marks, Miß Franklin, Mrs. Feivvel (London), Steiner (Prag), Wronsky (Berlin), Bension (Kanada). De Leitung der Konferenz hatte zuerst Lady Samuel, nach der Wahl des Präsidiums erst Frau Wrovkv, die Vorsitzende der deutschen Föderation, dann Frau Steiner, die Vorsitzende der tschechischen Föderation. De Konferenzspräche war größtenteils deutsch, die palästinensischen Delegierten sprachen teilweise hebräisch, von Gerda Arlosoroff glänzend übersetzt, die englischen Delegierten englisch. Dese Sprachdreiteilung aber und die dadurch notwendigen Ueber- Setzungen nahmen viel Zeit weg und geben uns mancherlei zu bedenken. Sollte es nicht möglich werden, daß aut einem zionistischen Weltkongreß sich alles in hebräisch verständigt? Sollten wir uns nicht alle noch hinter die Bücher setzen, um Sefath amenu, die Sprache unseres Volkes, zu lernen? Ist soziale Fürsorge In Palästina ״Chalukkah“? Von Nanny Margulies, Tel-Awiw•). z. Zt. Broumano (Libanon). Was stets am meisten geeignet ist, eine beginnende Zu* sammenarbeii zu stören, die betreffenden Kreise zu verstimmen, die wütigen Kräfte zu verbittern, das sind diese an Öffentlicher Stelle schnell ausgesprochen««, nicht immer־ lange ־erwogenen Urteile über die andere Partei. Es muß unter all«! Umständen ein Schlagwort sein, das in die Diskussion hinein geworfen wird — ein blitzendes, allen geläufiges Wort, das zwar im Moment manchen Beifall finden wird; aber in der Folge wieder zerstört, was Monate mühsamer Arbeit auf gebaut haben. In dem Bericht in der ״Jüdischen Rundschau“, Nr. 70, vom 2. September, über die Wizo-Konferenz findet sich eine Stelle, die ich gern als Entgleisung des Berichterstatters auffassen möchte, aber die dem unbefangenen Leser dargestellt wird als Acußerung dreier Vertreterinnen aus Palästina, also mit dem Nachdruck der Sachkundigen. Vielleicht ist inzwischen schon ein Protest erfolgt; ich lese den Bericht erst 18 Tage später — der Libanon ist hoch und Basel ist weit — aber ich bin sicher, daß ein Sturm der Entrüstung aus Palästina diesen drei Vertreterinnen antworten wird. *) Wir betrachten diesen Artikel als Beitrag zur Diskussion eines wichtigen Problems. — Red. Die lildisclte Fran and das jüdische Hans Am 30. und 31. Oktober veranstaltete die ״Soziale Gruppe für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen“ in Breslau zum Bester» ihrer Hausgehilfinnenschule eine Ausstellung unter dem Titel ״Die jüdische Frau und das jüdische Haus“. Der Gedanke einer solchen Ausstellung ist nicht neu; er entstammt der Kölner Ausstellung im vorigen Jahre; aber wie die Breslauer Ausstellung durchgeführt, vor allem wie sie autgenommen wurde, das war für alle, die Ihn erlebten, ein tiefer, unvergeßlicher Eindruck. — Es ist ein besonderes Verdienst von Frau Edith Lachmann, deren Lieblingskind unter ihren vielen sozialen Großtaten diese Hausgehilfinnenschule ist, daß es ihr gelang, insbesondere die alteingesessenen Breslauer Familien zur werktätigen Teilnahme an dieser Ausstellung heranzuziehen. Nur so war es möglich, die Reihe der Festtische, die die jüdische Frau im jüdischen Hause weiht, in so besonders geschmackvoller Weise aufztibauen. Ganz besonders verdienen die gemütvolle Wärme der Schabbosstube, der herrliche Sedertisch und die in wahrster Erntefröhlichkeit prangende Sukkoh hervorgehoben zu werden. Lauter Köstlichkeiten aus altem Familienbesitz, lückenlose Reihen von Ahnenhildern bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hinauf, eine Vitrine an der anderen mit herrlichen Toravorhlingen, Bsomimbüclischen, CI! 3nukkahlfuehtern. Am interessantesten aber war die Menge der Schauenden, die, nachdem am 23. Oktober durch, die Vertreter der Presse und •der Behörden die Eröffnung stattgefunden, unaufhörlich vorbeizog. In drei Gruppen ließen sich d:e Schauenden teilen, in Nicht-, in Nie htm ehr- und in Nochn i c h t ן u d e n. Sehr zahlreich waren die Nichtjuden, die zum Teil unter verständiger Führung stundenlang in der Ausstellung verweilten und nicht genug ihrem Erstaunen über ,all diese Wirme, über all den Reichtum an Kultur und Bodenständigkeit Ausdruck geben konnten. Tief erschüttert standen d i e unter den Besuchern da, die diese Wärme und Schönheit der Feste in der Kindheit genossen und gemeint hatten, in der Großstadt wären all die lieben, alten Bräuche nicht mehr ״zeitgemäß“. Aber diesen durfte man mit froher Zuversicht versprechen, daß ihre Enkelkinder wieder die Freude an den Formen gewinnen würden, denn wer die dritte Grupoe der Nochnichtjuden gesehen, der weiß, wie weit die )Virkung dieser Tage reichen kann. Wer diese leuchtenden Augen gesehen hat, wenn man ihnen die Schönheit der Sabbatlampe, den tiefen Sinn der Sedergerlte erläuterte, der wird die Saat, die durch diese Tage gesät wurde, nicht hoch genug einschätzen können. Nun und die, denen all dies vertraute Dinge sind, die ihre Sukkoh erst vor wenigen Tagen abgebaut, die schon jetzt die Tage bis Chanukkah zählen — die Kinder der jüdischen Schule und der Religionsschulen — die jubelten und freuten sich, all die altbekannten Dinge in Schönheit wiederzusehen. Es ist zu hoffen, daß der Lieblingsgedanke des künstlerischen Beirats der Ausstellung, Prof. Grotte, zur Verwirklichung gelangt, daß aus dieser Ausstellung ein Breslauer jüdi- Rehes Museum liervorgeht, wie es dem Alter der jüdischen Gemeinde und ihrer Bedeutung entspricht. Vor allem aber auch, daß neben dem tiefen moralischen Erfolg, über den nur eine Stimme ist, die Hausgehilfinncnschule, die jüdischen Mädchen Kenntnisse und Arbeit vermittelt und schon reichen Segen gestiftet hat, durch diese Tage die Mittel zu weiterem Ausbau gewonnen hat. _ Bath-Awi. Kalender des Jüdischen Franen-Bundes Als ״einer schönen Mutter schönere Tochter“, wie der klassische Ausdruck es bezeichnet, erscheint nach dem vorjährigen ersten nun der zweite Kalender des Jüdischen Frauen- Rundes in diesem Jahre. Stärker als im Anfangsjahre vermitteln die lebendigen und eindringlich wiedergegebenen Bilder, die das Jahr begleiten, das Schaffen lebender jüdischer Künstler. Max Osborn konnte aus der Wesensart der am Kalender mitarbeitenden jüdischen Künstler ein Bild des Gesamtschaffens des jüdischen Künstlers in unseren Tagen gewinnen, das vielleicht dazu beiträgt, manchem von diesen noch Jungen und Unbekannten Eingang ins jüdische Haus zu verschaffen. Schon damit würde der Kalender eine schöne Aufgabe erfüllen. Aber noch manche andere Aufgabe erfüllt er. Besonders hervorzuheben ist in diesem Begleiter durchs jüdische Jahr die kenntnisreiche und geschmackvolle Auswahl von Stellen aus dem jüdisehen Schrift turne in alter und neuer Zeit, welche die Sabbate des Jahres in vieltöniger Harmonie begleitet. ״Es ist der Versuch gemacht worden, im ersten Teile des Jahres dem Rhythmus des jüdischen Jahres nachzugehen“, sagt aas Vorwort des Kalenders. Warum nur im ersten Teile des Jahres? möchten wir fragen. Die Erbauungsbücher unserer Großmütter, Zeennoh Urrennoh und Kaw Hajoschor und wie sie alle heißen, fehlen unseren Häusern. Wertvoll und unverächtlich wäre es, wenn in der knapp gefaßten Form dieser losen Blätter der Kalender des J. F.-B. dies große Erbe antxätc: von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde beizutragen zur Durchdringung unseres Lebens mit jüdischem Gehalt und jüdischer Seele. Dr. Bertha Badt-Stranß. The Three Pillars (A Book for Jewish Women. By Deborah M. Melamed. Published by The Wörnern League of the United Synagogue of America, New York City.) Es scheint, als ob sich im Amerika der letzten drei Jahrzehnte im Eilzttgstempo wie es Land und Menschen entspricht, Entwicklungen vollzögen, die uns aus der deutschen Judengeschickte im 18. und frühen!9. Jahrhundert vertraut sind. Der begeisterten Begrüßung der neuen Heimat als des ״Gelobten Landes“ wie sie sich in Mary Antins Büchern kennzeichnete, der schrankenlosen Hingabe an die neue Welt und freiwilligen Hinopferung alten Vätergutes, die wie bei Mary Antin selbst zum jenseitigen Ufer führte, folgten Bekenntnisse wie ״Gegen den Strom“ von L. Lewisohn und ״You Gentiles“ von Maurice Samuel; Erkenntnis des äußeren und inneren Zwiespalts zwischen amerikanischer Umwelt und jüdischer innenweit führen auch hier schon zum Besinnen und zur Rückkehr. Aber zur Rückkehr wohin? — Ucberall in Amerika, so will es uns scheinen, erwacht nun Begierde und Sehnsucht nach jüdischeu Gedanken und jüdischer Lebensgestaitung. Marx und Margolis schrieben die erste große ״Geschichte des jüdischen Volkes“, die in Amerika erschien. Rosenau, Rabbiner und Universitätslehrer, veröffentlichte ein Handbuch der ״Sitten und Gebräuche des Judentums“, das in kurzer Zeit auch in deutscher Uebersetzung (im Jalkut-Verlage) vorlieeen wird. Und nun fügt Deborah M. Melamed in ihrem Buche ״The three Pillars“, das von der Frauen-Vereinigmig der United Synagogue herausgegeben wird, einen knappen und doch warmherzigen Handweiser für die jüdische Frau hinzu, der den Frauen von heute helfen soll, das jüdische Haus, in welchem schon unsere Alten die Grundlage unserer Gemeinschaft sahen, so zu gestalten, daß wie im Zelte unserer Ahnmutter Sarah ״die Sabbatlichter darin brennen von Freitagabend bis zum nächsten Freitagabend“. Wer jemals in kleinen süddeutschen Städten die ״Frauenbüehle“ sah, die noch bei unseren Großmüttern verbreitet, die Pflichten der jüdischen Frau verzeichneten, nun aber längst vergessen sind, der freut sich dieser neuartigen und geistig vertieften Nachfolgerin, die es mit Geschmack verstand, den alten jüdischen Wein in amerikanische Schläuche zu füllen. — Gewidmet ist das schöne Büchlein dem Andenken einer Frau, deren ganzes Leben dem Wirken für das jüdische Haus und die jüdische Gemeinschaft gehörte: dem auch bei uns unvergessenen Andenken von Mathilde Schechter. Dr. Bertha Badt-StrauS. rf׳ 4»;1!! G. j II'־ ( J;; l 1־. *14 '1 •I ... 4; י V I li! :ולד f

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