Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 92 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 92. 18. XI. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 651 Weizmann in Hamburg Dr. Weizmann und Frau sind am 16. d. M. in Hamburg eingetroffen. Am Bahnhof wurde ihnen ein festlicher Empfang bereitet, cs hatten sich große Scharen von Zionisten eingefunden und die Gäste wurden mit der Hatikwah begrüßt. Aus Berlin waren der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Rlutnenfcld und der Direktor des Keren Haiessod, Herr Alfred Berger, zum Empfang erschienen. Um 12 Uhr mittags besuchte Dr. Weizmann in Begleitung des Voisitzenden der Z. V. f. D., Herrn Blumenfeld und des Vorsitzenden der Hamburger Zionistischen Vereinigung, Dr. Erich Bu chbolz, den Oberbürgermeister von Hamburg, Uetersen und hatte mit ihm eine längere Unterhaltung, in deren Verlauf Dr. Weizmann sowie die beiden anderen Herren das Wesen der zionistischen Bestrebungen darlcgte». Der Oberbürgermeister nahm die Aufklärungen mit großem Interesse entgegen. Mittags fand in den Räumen der Jüdischen Gemcindc Hamburg der von der Gemeinde veranstaltete Empfang statt. Der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Levv, hielt eine warme Begrüßungsrede, worauf der Bürgermeister von Hamburg, Dr. Schramm, eine eindrucksvolle Ansprache hielt, in welcher er die Persönlichkeit des Gastes würdigte. An dem Empfang nahmen u. a. teil, der Oberbürgermeister von Altona, Herr Brauer, Vertreter des Senats Hamburg, die Vertreter der jüdischen Gemeinden von Altona, Lübeck, Bremen, Kiel, sowie die Oberrabbiner und Rabbiner. Abends fand im Hotel Atlantic das vom Keren Hajessod gemeinsam mit der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg veranstaltete Bankett statt Obwohl nur Zionisten und Keren Hajessod-Zeichner eingeladen waren, nahmen 700 Personen an der Veranstaltung teil, die zu den glänzendsten jüdischen Veranstaltungen gehörte, die Hamburg jemals erlebt hat. Die erste Ansprache hielt der Vorsitzende der Repräsentanten-Ver- Sammlung der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Herr Alfred Lisser, sodann Herr Dr. Erich Buchholz in hebräischer Sprache, der insbesondere die Gefühle der jüngeren zionistisehen Generation zum Ausdruck brachte, als nächster Herr Blumenfeld, und schließlich der Oberrabbiner von Altona, Herr Dr. Carlebach. Schließlich erwiderte Dr. Weizmann, stürmisch begrüßt, dankte für den großartigen Empfang und schilderte in großen Zügen die zionistische Situation. Unter dem Eindruck der Rede Dr. Weizmanns wurden von Zionisten und Nichtzionisten Keren Hajessod-Zeichnungcn im Gesamtbeträge von 55 000 M, abgegeben. Dr. Weizmanns weiteres Programm Donnerstag, den 17. d. M. sind Herr und Frau Dr. Weizmann in Berlin eingetroffen und im Hotel Adlon abgestiegen. Mittag waren sie Gäste von Dr. Nicodemus Caro, dem bekannten Chemiker, Donnerstag Abend fand im Marmorsaal des Zoo das Bankett der Z. V. f. D. und B. Z. V. statt. Das weitere Programm Dr. Weizmanns ist wie folgt: Freitag, den 18. d. M., mittags, Frühstück, veranstaltet vom Auswärtigen Amt. Abends ist Dr. Weizmann Gast eines bekannten Berliner Industriellen. Söimabend, ddp 19. Leipzig: Abends Bankett Im Zentraltheater. Sonntag, den 20., abends, öffentliche Versammlung im Concordiafestsaal. Montag, den 21. München: Nachmittags Tee im Hause des Herrn Generaldirektors Weiß, abends Bankett im Hotel Vier Jahreszeiten. Dienstag, den 22. Nürnberg: Nachmittags Tee in einem angesehenen jüdischen Privathause. Abends Bankett im Künstlerhaus. Mittwoch, den 23., Frankfurt a. M•: Nachmittags Zirkel in einem angesehenen jüdischen Hause; abends Bankett im Frankfurter Hof. Donnerstag, den 24., Mannheim: Nachmittags Zirkel, abends Bankett im Parkhotel. Freitag, den 25., Berlin: Abends Zirkel. Sonnabend, den 26., mittags, Frühstück mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten; abends Zirkel im Hause des Generalkonsuls Eugen Landau. ״Zionistische Politik"*) Die Literatur des Zionismus entspricht an Umfang und Inhalt keineswegs dem, was man von einer Bewegung erwarten dürfte, die von Juden und für Juden gemacht wird. In der Welt der Gedanken, die den wissenschaftlichen Grund für die zionistischen Erkenntnisse bilden, finden seit Jahren lebhafte Bewegungen statt — aber wenn sich jemand über die Theorie des Zionismus orientieren will, so wird er noch immer auf Pinsker, Herzl und Achad Haam verwiesen. Zur Orientierung über die brennenden Fragen unseres Lebens, die durch den Prozeß der Verwirklichung des Zionismus in ihrer vollen Bedeutung aufgedeckt worden sind, haben wir kaum irgendwelche Schriften von einigermaßen dauernder Bedeutung zur Verfügung. Nur Ruppins Bücher sind hier für ein bestimmtes Gebiet zu nennen. Aber sonst steht das, was uns bewegt, gelegentlich in einer Broschüre, hin und wieder in einer offiziellen Publikation, vor allem aber in den Zeitungen. Wer diese nicht regelmäßig liest, hat kaum eine Möglichkeit, die Probleme des Zionismus kennenzulernen. Auch das neue Buch von Hans Kohn und Robert Weltsch ״Zionistische Politik“ ist eine Sammlung von Aufsätzen aus Zeitungen und Zeitschriften. Aber diese Aufsätze wirken nun, da sie in Buchform dargeboten werden, nicht mehr als vorübergehende, für den Tag geschriebene Aeußerungen. Sie bilden Kapitel eines Buches. Diese Kapitel behandeln die Hauptfragen, vor die die Politik des Zionismus heute gestellt ist. Es ist der erste Vorzug dieses Buches, daß es den Anfang einer systematischen Bezeichnung und Behandlung der Fragen bietet, mit deren Lösung die zionistische Politik sich heute zu beschäftigen hat. Die Verfasser haben einen erheblichen Teil ihres Buches, der ״ideologischen Grundlegung“ gewidmet. Mit Recht, denn unsere politische Praxis leidet darunter, daß ihre ideologischen *) ״Zionistische Politik“. Eine Aufsatzreihe von Hans Kohn und Robert Weltsch, Verlag Dr. R. Färber, Mährisch- Ostrau, 3,80 M. Sonntag, den 27״ Breslau: Nachmittags Zirkel im Hotel Monopol; abends Bankett im Konzerthaus. Montag, den 28., Bcuthen: Festabend im Hotel Kaiscrhof. Erinnerungen Von Harry Sacher. Anläßlich des Balfour-Tages am 2. November ver- ״ffcntlicht ,,Haarez“ nachstehenden Beitrag des neuen Mitgliedes der Palästina-Exekutive Harry S a r h e r, der bekanntlich an den Vorarbeiten der Balfour-Deklaration in England hervorragenden Anteil genommen hat. Vor einigen Tagen sagte mir Dr. Weizmann, daß sich in seinem Besitz der Original-Entwurf der Balfour-Deklaration befinde, der der englischen Regierung vorgelegt wurde. Er ist in meiner Handschrift geschrieben und mit den Anfangshuchstaben der Namen Lloyd George und Lord Ralfour gczeichnet. Zugleich erinnerte mich Dr. Weizmann daran, daß in wichtigen Punkten dieses Dokument verschieden sei von dem endgültigen Text, der von der englischen Regierung äugenommen wurde. Diese besondere Tatsache war mir entfallen, wie ich auch die meisten Einzelheiten jener großen und interessanten Zeit vergessen habe. Daher sind denn meine Erinnerungen dunkel und abgerissen, und ich müßte, mir all die Dinge nochmals zurückrufen, durch Einblick in die Protokollc jener Periode, bevor ich etwas nur irgendwie Befriedigendes zur Geschichte der Balfour-Deklaration beitragen könnte. Was ich hier sagen kann, ist also leider sehr fragmentarisch. Die ganze Epoche von 1014 bis 1010 zeichnete sich durch zwei Dinge aus: Mangel an Menschen, die sich mit wirklicher politischer Arbeit befaßten und Mangel an materiellen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen. Damals war in England nur eine kleine Gruppe von Menschen, die es auf sich nehmen mußten, sich zu beraten, die Hauptpunkte des Projektes zu bestimmen und Beschlüsse zu fassen, und die Geldsummen, über die sie verfügten, waren ganz klein. Mit unseren Finanzen lag cs so: Wir in England waren nicht die Zionistische Organisation, und wir besaßen nicht einmal die geringen Mittel der Zionistischen Organisation. Wir waren eine kleine Gruppe von Menschen, auf denen notwendig die Verantwortung und Verpflichtung lag, und wir mußten da und dort kleine Summen sammeln, soweit sie erreichbar waren und man an Leute herantreten konnte. Lange Jahre hatten wir überhaupt kein Büro. Alle Akten lagen in einer Kiste, die Sokolow unterm Bett in seinem kleinen Zimmer im Hotel ״Strand Palace“ aufbewahrte. Eine unserer wichtigsten Geldquellen war die Opferfreudigkeit des Baron de Rothschild, und ich erinnere mich daran, wie dankbar wir ihm waren, als er uns etwa £ 300 gab, von denen wir 200 zur Herausgabe des Buches: ״Der Zionismus und die Zukunft der Juden“ verwendeten. So waren die Bedingungen, unter denen wir arbeiteten, und ich glaube, wir können es ohne Ueberhebung sagen, daß in der Geschichte der zionistischen Bewegung niemals Geld Früchte zeitigte, die seiner mehr wert waren. Und wäre dieses Spätstem in der folgenden Epoche fortgesetzt worden, als Geld in großen Summen einströmte, vielleicht wäre die Lage in Erez-Israel und in den anderen Ländern gesicherter, als sie es heute wirklich ist. Denken wir doch nur an die Schwierigkeiten, die uns in den Weg traten. Eine öffentliche Meinung zugunsten des Zionismus existierte überhaupt nicht in England und bei seinen Bundesgenossen, und das wegen völliger Unkenntnis unserer Bestrebungen bei den Massen und bei ihren Führern. Wir mußten ,,grst'•״• diese»;-äKeoäichj*., Meinung..schaffen, JE* war eine erzieherische Arbeit, die einesteils erleichtert wurde durch die Tatsache, daß der Krieg die Juden und mit ihnen den Zionismus zu einem politischen Faktor gemacht hatte, mit dem man rechnen mußte, andererseits aber dadurch erschwert wurde, daß alle Gedanken damals nur auf die einzige Sorge konzentriert waren: nämlich den Fortgang des Krieges. Dazu kamen noch diplomatische Verwickelungen, die uns nach und nach klar wurden. Wir mußten erst bei bedeutenden und einflußreichen Menschen den Glauben an den Zionismus als solchen und als eine richtige Kriegspolitik durchsetzen. Wir mußten die öffentliche Meinung erst erziehen zur Erkenntnis, wie wichtig vom politischen und strategischen Standpunkt Erez-Israel und der Zionismus waren. Und im Zusammenhang damit kann ich sagen, daß man ne von den Theorien und Fundamenten, die heute dem Zionisten Axiome sind, damals vollkommen neu geschaffen werden mußten, für die, die wir in unsere Einflußsphäre ziehen wollten. Und außerdem mußten wir gewissermaßen die ganze jüdischnationale Oeffentlichkeit erst mobilisieren, und so den Eindruck erwecken, als ständen hinter der kleinen aktiven Schar unzählbare Legionen des jüdischen Volkes. Dieses ״Scheinheer“ wurde im Laufe der Zeit zu einem wirklichen Heer, Grundlagen zu schwach ausgebildet sind, daß wir wichtige Fortschritte der Wissenschaft nicht mitraachen und uns im großen und ganzen noch immer mit eiifem primitiven Anfangs- Stadium begnügen. Nicht zuletzt aus diesem Grande entstehen in unseren politischen Diskussionen mitunter Reibungen und Erhitzungen, die schon dann vermieden werden könnten, wenn von allen Beteiligten auch nur der terminologische Apparat einwandfrei gehandhabt werden würde. Das neue Buch erörtert in einer grundsätzlichen Weise die Begriffe, ohne deren Klärung weder ein Plan für eine zionistische Politik aufgestellt, noch eine dauernde Wirkung der politischen Gedanken des Zionismus erwartet werden kann. Diese Erörterung beginnt gleich mit unserer ersten Frage, mit dem Problem des Nationalismus. Eine Reihe von Aufsätzen, in denen die Ideengeschichte des Zionismus dargcstellt wird, enthält den Versuch, die besondere Art des jüdischen Nationalismiis herauszuarbeiten. Der Kritiker kann sich hier freilich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Scheinwerfer, der auf der Suche nach diesem besonderen Wesen des jüdischen Nationalismus Hilfe leistet, die Erscheinungen der nationalen Bewegung des Judentums manchmal nur unvollkommen, von einer Seite ihres Wesens, beleuchtet, und mitunter Farben hinzufügt, die die beleuchteten Gestalten selbst nicht tragen. So z. B. wenn auf der einen Seite der politisch-territoriale Zionismus als ein ״kultureller Prozeß einer Anpassung des jüdischen Volkes an die Lebensformen der anderen“, auf der anderen Seite der Chassidismus als ״Voraussetzung und fortwirkender Faktor in der Bewegung des zur Regeneration strebenden jüdischen Volkes“, der Zionismus in seiner vollendeten Gestalt als Kind des Chassidismus und der Aufklärung bezeichnet wird. Bei der Erörternng des Nationalismus ist durchweg bestimmend die Absicht, die Verwechslung unserer Sache mit jenem grauenerregenden Begriff des Nationalismus zu verhüten, der nicht Menschheit fördernd, sondern Menschheit zerstörend wirkt, den wir alle kennengelernt haben, und den wir bei uns nicht kennen wollen. Aber in diesem lobenswerten Kampf gegen den uugehemmten Machttrieb des Nationalismus finden sieh auch Aeußerungen, die darauf schließen lassen, daß das jüdische aber das geschah nicht einfach durch zufällige Entwicklung, sondern insbesondere auf Grund eifriger und bewußter Tätigkeit. Der Balfour-Deklaration ging ein langer Prozeß vorauf- Aber sie war keineswegs notwendig bedingt. Hatte nicht jene kleine Gruppe gearbeitet, wäre der Krieg ohne Ralfour- Deklaration und ohne Mandat beendet worden ״ diese Tatsache, scheint es, verstehen die Zionisten im allgemeinen nicht, weit sic nicht voll die Arbeit jener kleinen Schar Männer und Frauen einschätmi. Irh stand d«1 Ereignissen so nahe, daß ich mit Bestimmtheit sagen kann, daß wir ohne Dr. Weizmann nichts erreicht hätten, weder Deklaration, noch Mandat oder eine internationale Anerkennung der nationalen Heimstätte in Erez-Israel. Das ist eine Wahrheit, die zweifeilos ihren Platz in der Geschichte finden wird, aber doch ist «s bedauerlich, daß unsere Generation so bereit ist, diese einfache Rechtfertigung -- wie alle anderen tierartigen Dinge — der Zukunft zu überlassen, die doch ganz andere Aufgaben zu lösen haben wird. Das jüdische Volk und die Zionistische Organisation als Organisation hatten keinen direkten Anteil an diesem größten Siege, den der Zionismus je erkämpft hat. Dieser Sieg wurde ihnen geschenkt. Und (las ist eine bedeutende Tatsache, nicht nur im Interesse für den Historiker, sondern auch als Lektion in der politischen Anschauung. Der erste Grundsatz. der zionistischen Politik ist: Wirklichkeitssinn finden, und ich habe den Eindruck, daß die Joden in Palästina und im Ausland nicht allzu sehr darauf bedach; du I. Diese Nachlässigkeit hat uns schon viel gekostet, seit PH0, und noch bis heute kostet sie uns viel. Vielleicht erlahmen die Kräfte der Generation, die die BaHour- Deklaration durchsetzten, und die Zeit Et da, allzutreten und einem jungen Geschlecht« Platz zu machen. Aber die kommende Generation wird sich ihrer Aufgabe nur dann würdig erweisen, wenn sie verstehen wird, welches die besonderen Fähigkeiten waren, die ihren Vorgängern ermöglichten, das zu tun, was sie taten, und wenn sie jene Fähigkeiten künftighin selber erwerben werden. Die Lebensmitteipreise in Palästina ״Dawar“ gibt interessant Einzelheiten aus der Rede wieder, die Direktor Wassermann in Jerusalem bei dem Empfang des Waad Leumi gehalten hat. Wassermann äußerte sich dahin, daß nach seiner Meinung nicht zu wenig, sondern zu viel Geld ins Land geflossen sei. Das Geld habe im Lande einen geringen Wert,'was sich darin ausdrückt, daß die Preise der Lebensmittel in Palästina außerordentlich hoch sind. Während in den meisten andern Ländern der Lebensmittelindex etwa 100 Prozent über dem Vorkriegsniveau steht, beträgt er in Palästina 250 Prozent der Vorkriegspreise. Wassermann bezeichnete es für ein Haupterfordernis der Palästina-Wirtschaft, auf eine Senkung der Lebensmittelpreise hinzuwirken. Die Arbeiten am Rutenbergwerk Am Rutenbergwerk am Jordan, unweit der Kwuzah Gescher, sind jetzt bereits 200 Arbeiter beschäftigt, davon 120 bei Grabungs- und Bauarbeiten usw.., die direkt von der Elektrizitats- Company vorgenommen werden, und die weiteren bei Transportarbeiten, in der Küche und Wäscherei, wie auch bei den verschiedenen Arbeiten, die dort von einzelnen Unternehmern im Aufträge der Elektrizitäts-Company ausgeführt werden. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Vorbereitungsarbeiten, während mit der Hauptarbeit, die eine weitere Zahl von Arheitern beschäftigen wird, erst nach Fertigstellung der Hauser begonnen werden wird. (Ziko.) Die palästinensische Toarislensaison 5688 Laut den bisher bei den Reisegesellschaften vorliegenden Nachrichten dürfte für dieses Jahr in Palästina eine günstige Touristensaison zu erwarten sein. Die größte Zahl von Touristen dürften auch dieses Jahr die Amerikaner stellen. Es liegen aber Nachrichten vor, daß auch aus anderen Ländern, vor allem aus Deutschland, zahlreiche Touristen zu erwarten sind. Die ersten Reisegesellschaften sollen in Palästina Ende Dezember eintreffen. _ (Ziko.) Die Zustände in der Jerusalemer Polizeisehule Das Jerusalemer Gericht verurteilte den arabischen Polizeioffizier Mohamed Mustapha, der im vorigen Jahre einen jüdischen Polizisten betäubte und an ihm einen Akt der Sodomie beging, zu sieben Jahren Gefängnis. Bekanntlich hat der jüdische Polizist nach dem ihm angetanen Schimpf Selbstmord begangen. Vor kurzem hat sich in der Jerusalemer Polizeischule, wie die palästinensischen Blätter meldeten, ein ähnlicher I Fall zugetragen. Das Opfer war diesmal ein junger ara- I bischer Polizdschüler. Der Täter, ein ägyptischer Korporal, wurde sofort entlassen und des Landes verwiesen. Volk mit dem Begriff der Macht überhaupt nicht in Verbindung gebracht werden soll. Wobei sich die Frage erhebt, ob nicht ein gewisses Maß von Macht für jede Nation Bedingung einer freien Existenz ist. Der Zionismus wenigstens ist, weil er diesen Zusammenhang erkannte und anerkannte, eine politische, d. h. eine mit den Einwirkungen auf Machtverhältnisse sich bcschäftigende Bewegung geworden. Wir müssen mit aller Kraft dagegen kämpfen, daß der Hunger nach Macht die bestimmende Triebkraft unserer nationalen Seele wird. Aber dieser Kampf, dessen ernste Bedeutung wir nach den Erfahrungen anderer nationaler Bewegungen gut verstehen müssen, ist unsere eigene, innere Aufgabe. Und wir können Hans Kohn — dessen Aufsätze im ersten Teil besonders zu diesen Bemerkungen Anlaß geben — nicht folgen, wenn er die grundlegenden Begriffe über das Wesen unserer nationalen Bewegung ausschließlich unter dem Gesichtspunkt dieser nach innen gerichteten, pädagogischen Aufgabe formt. Die Aussicht, daß wir von einer besonderen ״Intensität“ unseres Lebens leben werden, löst noch nicht die bescheidenere Aufgabe, gewisse primitive, aber notwendige Bedingungen für unser Leben zu schaffen. Ohne diese werden wir auch das Leben im Geiste und in der Gerechtigkeit nicht aufbauen können, das allerdings die Rechtfertigung einer riehtigen ״zionistischen Politik“ sein muß. Diese Unterschiede in der Auffassung der politischen Grund- Ligen ergeben Meinungsverschiedenheiten auch über bestimmte politische Aufgaben. Symptomatisch ist das im letzten Aufsatz des Buches gegebene Bild von der künftigen Gestaltung Pa- Listinas. Gegen den dort entwickelten Plan einer kantonalen Verfassung־ wäre vielleicht wenig zu sagen, wenn der Aufbau der jüdischen Heimstätte abgeschlossen oder auch nur gesichert wäre. Aber in einer Zeit, wo der dauernde Prozeß einer fortschreitenden jüdischen Entwicklung in Palästina als politische Aufgabe gegeben ist, kann nicht ein Schema akzeptiert werden, das höchst geeignet ist, die gegebenen Verhältnisse als dauernde zu stabilisieren. Zwischen den Grundlagen und der Zukunft steht die aktuelle Gegenwart. Die Aufsätze, die den politischen Gegenwartsfragen , gewidmet sind, bilden die bedeutende politische Leistung des