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Jüdische Rundschau · 1927-11-15 · Heft 91 (15.11.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 91 (15.11.1927)
Date
1927-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 645 Nr 91, 15. XL 1927 unsere Fehler zu erkennen und zu begreifen, daß gerade das Ressentiment uns ein großer Helfer in unseren wiederbelebungsvcrsuchen sein kann. Wir brauchen die zion 1 s t i s c h e Loge, wo die des Zusammenhanges beraubten Menschen wieder in Kontakt mit dem lebendigen Zionismus treten können. Diese Ordensgründung, aus der sich mit der Zeit die aktivsten Kräfte des deutschen Zionismus herausbilden werden, ist gemeinsame Aufgabe aller Richtungen. Der Feind, den es zu bekämpfen gilt, ist nicht so sehr der Parteigegner, als die erschreckende Indolenz der Nur-Schekclzahler. Es muß ein Forum geben, wo jenseits aller Meinungsverschiedenheiten zionistische Energien zur Entwicklung gelangen können. Wo der Mut zur jüdischen Sache erweckt und der Wille neu gestählt wird. Wo das berechtigte Bedürfnis nach gesellschaftlichem Zusammenhänge in Einklang gebracht wird mit der Notwendigkeit verstärkter zionistischer Leistung. Der deutsche Zionismus ist mehr als die mechanische Zusammenfassung der in Deutschland wohnenden Zionisten. Von jeher beruhte seine Stärke darin, daß er aus seiner spezifisch deutsch-jüdischen Situation ein eigenartiges Element in der Oesamtbewegung darstellte, das man je nachdem mit dem Vorwurf der ideologischen Verstiegenheit degradieren oder mit dem Lobe besonderer zionistischer Bereitschaft auszeichnen konnte. Keine Judenheit der Welt hat die Abgründe der Assimilation tiefer erlebt, keine einen schwereren Kampf gekämpft um die innere Einkehr. Als fast schon Entjudetc wurde uns die Entdeckung des jüdisehen Volkes zu einem beinahe metaphysischen Erlebnis, da die Frage unserer moralischen Weiterexistenz angerührt und unser Persönlichkeitsproblem getroffen wurde. Indem uns der politische und wirtschaftliche Druck der östlichen Länder fehlte und jedes materielle Motiv zur Auswanderung damit entfiel, konnten wir alle unsere Energien der Analyse unserer jüdischen Situation und dem Ideenkampf zuwenden. Das Charakteristikum des deutschen Zionismus war sein Bemühen, die Fundamente der modernen Zionsidee akademisch zu erforschen, aber darüber hinaus kennzeichnetc ihn eine ausgeprägte Disziplin in der Erfüllung der zionistischen An- Forderungen. Wenn wir dies feststellen, sind wir uns keinen Augenblick im Unklaren, wie sehr uns das ostjüdische Eiement mit seiner durch Leiden erworbenen Zähigkeit und Entbehrungsfähigkeit als Pioniermaterial überlegen ist. Diese uns oft beschämende Erkenntnis darf uns aber nicht blind machen gegen die historischen Aufgaben, die gerade die deutschen Zionisten im Weltzionismus zu erfüllen haben. Wenn die geschlossene Einheit, die trotz aller Gegensätze der deutsche Zionismus bisher darstellte, zerfällt, wenn Menschen, die durch ihre soziologische Struktur und ihr besonderes jüdisches Schicksal zusammengehören, nur darum sich künstlich entfremden sollten, weil sie in politischen Fragen des Weltzionismus divergieren und an außerdeutsche Zionisten fraktionell gebunden sind, so wäre dies nicht nur ein Schlag gegen die gesamtzionistischen Interessen, sondern ein erschütternder Verstoß gegen die Gesetze der Vernunft. Ein solch trauriges Beginnen würde dahin führen, daß es bald nur einige Parteiführer mit diversen fügsamen Jüngern, aber keine Jugend, keinen Nachwuchs, keinen deutschen Zionismus mehr gibt. Ciialnzim!ordern Zertifikate Warschau, 8. November. (J.T. A.) Eine Gruppe von 60 Chaluzim aus verschiedenen Teilen Polens erschien im zentralen Palästina-Amt Polens und forderte die Ausgäbe von Zertifikaten zur Reise nach Palästina. Sie erklärten, nicht früher das Büro zu verlassen, als bis ihnen die Reise- Zertifikate ausgefolgt werden. Die Leitung des Palästina-Amtes setzte sich mit dem zionistischen Zentralkomitee Polens in Verbindung, und es wurde eine gemeinsame Beratung zur Lösung der dringenden Cbaluzfragen für den gleichen Tag angeordnet. Daraufhin verließen die Chaluzim das Büro. Henrietta Szold, Mitglied der Zionistischen Exekutive in Palästina und Präsidentin der Zionistischen Frauen- Organisation ״Hadassah“, hat am 11. d. M. an Bord des Dampfers ״Carmania" die Reise nach Palästina angetreten, um dort ihr neues Amt zu übernehmen. JUEDISCHE RUNDSCHAU Zar neuen MaasserOrdnunö Von Dr. Nahum Goldmann. Die Keren Hajessod-Kommission veröffentlicht in dieser Woche eine neue Maasser-Ordnung, deren Sätze gegenüber der bisherigen Ordnung teilweise recht erheblich herabgesetzt sind. Der Sinn dieser neuen Maasser-Ordnung, deren Ausarbeitung das Ergebnis einer langen und eingehenden Diskussion in der Keren Hajessod-Kommission und im Geschäftsführenden Ausschuß darstellt, besteht nicht etwa darin, die Bedeutung und Gültigkeit des Maasserprinzips für die deutschen Zionisten zu erschüttern; vielmehr verfolgt die neue Ordnung gerade den Zweck, die Verwirklichung und konkrete Durchführung des Maassergedankens durch immer weitere Kreise des deutschen Zionismus zu ermöglichen. Es gab in der alten Ordnung manche Forderung, die, wie Zionisten, die es sehr ernst mit der Leistung des Maassers nahmen, pachgewiesen haben, vielleicht allzu rigoros waren. — Aus der Erkenntnis dieser berechtigten Einwände heraus hat sich die Keren Hajessod-Kommission dazu entschlossen, die Forderungen zu ermäßigen; aber nach wie vor basiert auch die neue Ordnung auf dem Prinzip des Maassers, den geschaffen und im Zionismus immer sehr stark betont zu haben ein wesentliches Verdienst gerade des deutschen Zionismus darstellt. Es muß erwartet und gefordert werden, daß die neue Ordnung, die die Leistungen herabsetzt, von einem weit größeren Kreis von Zionisten zum Maßstab ihrer Keren Hajessod-Leistungen gemacht wird, als es mit der alten Ordnung der Fall war. Niemals vielleicht wie gerade in der gegenwärtigemSitnation war es so wesentlieh für den Zionismus und für die Zionisten, zu begreifen — und dementsprechend zu handeln —, daß Zionismus auch darin keiner anderen jüdischen Organisation gleicht, daß man mit einem höheren oder niedrigeren Jahresbeitrag seine finanziellen Pflichten erfüllen könnte, sondern daß er die Gemeinschaft von Menschen darstellt, die entschlossen sind, eine der schwersten Aufgaben, die die Geschichte einem Volke gestellt hat, zu erfüllen: den Aufbau eines neuen Landes, und die bereit sein müssen, die Opfer und Leistungen, die eine solche Aufgabe verlangt, auch zu vollbringen. Der unselige Irrtum einer bequemen Geschichtsauffassung, daß alles Wesentliche im Grunde genommen schon von selbst sich mache, erweist sich nirgendwo im jüdischen Leben als so falsch wie im Zionismus. Der Aufbau eines Lapdes vollzieht sich nicht von selbst; und es genügt nicht, die Forderung nach diesem Aufbau durch Propaganda und Ueberzeugungskraft zur allgemeinen Anerkennung zu bringen. Vielmehr muß eine solche Kolonisation, wenigstens in ihrem ersten Stadium, vqh -denen, die die Verantwortung für sie tragen, eggen Vfete ״*MWHIch#Heismarigen nnd ,Widerstände tftrteligeführt werden; dies verlangt Mühe, Opfer, Zähigkeit und eine verbissene Unermüdlichkeit, die nicht bei den ersten Schwierigkeiten resigniert und verzichtet, sondern den Einzelnen dazu bringt, seine Leistungen im Maße der neuerkannten Schwierigkeiten zu erhöhen. Dies ist eine Forderung, die nicht in vollem Umfange gelten kann für den großen Kreis der Mitläufer, derer, die lau und indifferent ja sagen, ohne Konsequenzen daraus zu ziehen, für die große Peripherie, die immer mit dabei ist, wenn etwas Großes in der Geschichte sich verwirklicht, ohne wirkliche Verantwortung für das neue Werden zu tragen. Aber diese Forderung galt und gilt noch auf Jahre hinaus in um so höheren Maße für den Kreis derjenigen, die wirklich Kern und Zentrum des Zionismus darstellen wollen, die sich verantwortlich fühlen für sein Schicksal und für das Schicksal Palästinas, und die den Stolz und die beglückende Genugtuung in sich fühlen, Zeitgenossen und Träger des Aufbaus einer neuen jüdischen Zukunft zu sein. Was das Judentum im Galuth in den schwersten Zeiten von Verfolgungen und unerfraglicher Not befähigt hat, allen Feinden zu trotzen und ungefährdet alles Leid zu überdauern, war das ungeheure Stolzerlebnis, das der einzelne Jude aus dem Bewußtsein der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke schöpfte, als Träger einer ihm von Gott bestimmten weltgeschichtliehen Aufgabe. Nur auf der gleichen psychologischen Basis wird der Zionismus sich realisieren können: wenn der einzelne Zionist gerade in Zeiten schwerer Not und erhöhter Schwierigkeiten allen Widerständen, allen Angriffen, aller Skepsis und aller Resignation mit dem tiefen Bewußtsein des inneren Stolzes trotzt, das er schöpfen muß aus der Erkenntnis der weltgeschichtlichen Aufgabe, die er sich gestellt hat. Ein solches Bewußtsein verpflichtet, aber es ermöglicht es auch dem Einzelnen, seine Pflichten zu erfüllen. Niemals war die seelische Intensivierung der einzelnen Zionisten so notwendig wie heute. Alle Krisis, von der wir reden, ist eine innere Krisis, und alle Schwierigkeiten, die wir erkennen, sind letzten Endes psychologischer Natur. Die Lösung der Krisis ist nur möglich durch die psychologische Regeneration eines großen Kreises von Zionisten, die den Zionismus als eine täglich neugestellte Aufgabe ״mit aller Intensität und Radikalität eines neuen Erlebnisses“ erleben. Es gibt kein besseres Mittel zu einer solchen inneren Renaissance wie das Ernstmachen mit den Verpflichturigen, die der Zionismus auferlegt Geld geben, so verstanden, ist nicht nur wegen seines finanziellen Wertes von Bedeutung, sondern es kann zum Ausgangspunkt und Mittel einer inneren Belebung der Bewegung werden. Auch aus diesem Gesichtspunkt — von detn anderen selbstverständlichen, der in der Schwierigkeit der ökonomischen Lage in Palästina begründet liegt, gar nicht zu sprechen — ist es heute notwendiger denn je, daß die gesamte Bewegung, daß insbesondere auch der deutsche Zionismus mehr als es bisher geschehen ist, mit dem Maa sse rprinzip ernst mache und sich daran gewöhnt, die durch keine staatliche Gewalt, sondern auf rein freiwilliger Anerkennung basierenden Forderungen und Gesetze der Organisation als mindestens ebenso verpflichtend zu betrachten, wie man es Gesetzen gegenüber zu tun pflegt, hinter denen Zwangsgewalt steht. Nur ein Zionismus, der sich stützen kann auf einen großen Kreis von Menschen, die sich mit diesem Emst zu ihren selbstgegebenen Gesetzen beziehen, wird in der Lage sein, die Krisis zu überwinden und in absehbarer Zukunft seine Aufgabe in Palästina zu erfüllen. Verein der palästinensischen Ingenieure Die Frage des Haifaer Technikums. ן Vom 14« bis 16. Oktober tagte In Td-Awiw die aehte Jahreskonferenz des Vereins der palästinensischen Ingenieure und Architekten, an der neben einer großen Anzahl von Gästen aus ganz Palästina 33 Delegierte teunahmen. In einem Referate über das Budget und Arbeitsprogramm für das nächste Vereinsjahr wurden die allgemeinen Richtlinien der Arbeit und das Verhältnis zu den Behörden ■und den öffentlichen Institutionen festgelegt, ln einem eingehenden Referate des Architekten Kornberg in Jerusalem wurden die Grundsätze des Rechtsschutzes und eines Tarifs für professionelle Arbeiten fixiert. Ing. Reich, Haifa, sprach über den Schutz der Privattechniker gegen eine unlautere Konkurrenz seitens der in öffentlichen Aemtern festbesoldeten Techniker, worauf diesbezügliche Beschlüsse gefaßt wurden. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Frage der beruflichen Fachausbildung und die daran anschließende Ansprache über den beabsichtigten Ausbau des Hebräischen Technikums in Haifa zu einer Hochschule. Nach einer fünfstündigen gründlichen Besprechung wurde beschlossen, daß die realen Bedingungen für die Gründung einer technischen Hochschule (University) noch nicht gegeben sind. Alle Anwesenden erklärten sich einstimmig für die dringende Notwendigkeit einer Fach- und Handwerkerschule. r ׳11 ׳;11׳ : 1%!•£ r t; % % Jf;, Willkommen, ein Jode! Wenn in früheren Zeiten in eine enfiegene jüdische Sied-!ung des Ostens ein Volksgenosse aus der Ferne kam, so fragte man nicht erst lange nach Nam’ und Art, sondern kam ihm mit entgegengestreckter offener Hand entgegen und begrüßte ihn mit den Worten: ״Willkommen, ein Jude!“ Man tat das in dem sichern Instinkt, daß das wesentlich mit dem Gast Verbindende nicht etwa gemeinsame Geschäfts- oder Berufsinteressen seien, sondern die Tatsache, daß der Besucher dem gleichen Volke angehört und unter dem Zeichen des gleichen Schicksals steht. Man ehrte in ihm zunächst die Haupteigenschaft, daß er Jude ist, in seiner Person Grüße von unbekannten fernen Judensiedlungen tragend. Als Gesamtheit besitzen wir in der Gegenwart sehr viele Stammesgenossen, die in der großen Welt Anerkennung und Ehrung gefunden haben. Immer wieder kann man’s lesen, daß der Berühmte jüdische Musiker P. T. oder der Atlantic-FIieger X. Y. oder gar der weltberühmte Gelehrte N. N. in den Hauptstädten der Welt feierlich empfangen und von den Stadt- und Staatsoberhäuptern als offizelle Gäste begrüßt wurden. Derartige Nachrichten, gestehen wir es offen, schmeicheln jedem jüdischen Herzen. Man sagt sich mit gewissem Stolz, aber auch, leugnen wir auch das nicht, mit einem unbewußten, von außen eingehämmerten Minder- Wertigkeitsgefühl, der betreffende berühmte Mann wird geehrt und anerkannt, obwohl und trotzdem er ein Jude ist. In einigen Tagen kommt Chaim Weizmann nach Deutsch-!and und wird mehrere große Städte besuchen. Chaim Weizmann ist in den letzten Jahren mehrere Male zu uns gekommen und ist immer von der jüdischen und auch nichtjüdischen Welt mit Hochachtung und Ehrerbietung empfangen worden. Und merkwürdig, nicht trotzdem er ein Jude ist, sondern einzig und allein darum, weil er ein Jude ist. Chaim Weizmann hat als Gelehrter seine Verdienste. In jedem Lexikon berühmter Chemiker ist sein Name verzeichnet, seine biochemischen Erfindungen sichern ihm innerhalb seiner Fachkreise eine überragende Stellung. Wer aber in der ganzen Welt interessiert sich dafür, sobald der Name Chaim Weizmann fällt, daß er der Erforscher des Bazillus Sy ist? Man kennt Chaim Weizmann nur als Juden und wenn man ihn ehrt, so wird diese Ehrung dem Juden Chaim Weizmann zuteil. Aus diesem Grunde bedeutet Chaim Weizmanns Besuch, den er in den nächsten Tagen der zionistischen und jüdischen Gemeinschaft in Deutschland abstatten wird, grundsätzlich etwas ganz anderes, als wenn der berühmteste Künstler oder Gelehrte jüdischen Blutes nach Deutschland kommen würde. Denn in der Ehrung des Juden Weizmann wird die jüdische Gesamtheit geehrt. In der Anerkennung, die Chaim Weizmann zuteil wird, wird die jüdische Gemeinschaft anerkannt; die Würde, mit der Chaim Weizmann den Mächtigen der Erde entgegentritt, fällt auf das ganze jüdische Volk zurück. Wenn Chaim Weizmann der jüdische Führer und Alienveitsjude zu uns kommt, in seiner Person die Wünsche der jüdischen Gemeinschaften aller Länder und die Forderung der jüdisehen Gegenw׳art in sich tragend, so ist es wie ein herzlicher Gruß, den die Juden der ganzen Welt durch ihn der jüdisehen Gemeinschaft in Deutschland entbieten. Zu seiner bevorstehenden Ankunft weiß ich nichts Besseres zu sagen, als den traditionellen alten Gruß: ״Willkommen, ein Jude!“ Wem die jiddische Form dieses Grußes ״Sc'nolcm alechem, a Jid“ vertraut ist, der kann ermessen, wieviel Innigkeit in dieser Begrüßung liegt, und welchen Sinn die ausgestreckte, offene Hand hat, die man dem Gaste entgegenhält. _____ Das ״Buch vom lande‘“") Von Simon Ernst, Tel-Awiw. Eine schöne Kulturgabe war uns zur 25jährigen Jubelfeier des Keren Kajemeth beschert: ein Buch, das eine *) ״Ssefer Ha aretz“, Antologia schel Erez Israel, herausgegeben von Jacob Fichmann im Verlage ״Dvir“, Tel- Awlw, 5687. (Vgl. die Einleitung in Nr. 79/80 der ״Jüd. Rundschau“.) einzigartige Sammlung aller irgendwie bedeutsamen Schilderungen Palästinas sowohl aus der hebräischen wie auch — vereinzelt — der Weltliteratur darstellt. Staunenswert ist die Leistung Fichmanns, der sein dichterisch-schöpferisches Ich unterdrückte, um den zahllosen Stimmen der vom Heiligen Lande Ergriffenen Gehör zu schenken und lebendiges Sprachgewand zu leihen. Zuerst hat die Dichtung Palästina zum Gegenstand genommen. Durch das Bett ihrer Rhythmik flössen Seufzer und Tränen der Zerstreuten dem Sehnsuchtsufer entgegen. Einen großen Teil des Buches nehmen die ״Piutim“ der spanischen Periode unserer Dichtung ein, als der Zusammenhang mit der Urheimat noch nicht zerrissen war. Und sie heißen ״Klagen“ und ״Gebete“: keine Frühlingshymnen. Noch unmittelbarer wirken die ״Briefe“ der alten Reisenden, unserer Pilger. & gab ihrer viele seit Benjamin aus Tndela, der das Land mitten in der Herrschaft der Kreuzfahrer besuchte, und ganze drei jüdische Familien in Jeruschaiaim, der Stadt der Könige, Propheten und der beiden Tempel wiederfand. Aber nicht nur Pilger waren diese Reisenden, sondern schon Pioniere, Vorläufer der ״Chaluzim“. ln einem Briefe des Rabbi Itzchak Latif, vor etwa 400 Jahren, heißt es: ,,Die Araber sind zu uns gut; weder rauben, noch schlagen sie uns (wie in der Zerstreuung). Handwerker haben ein gutes Fortkommen. Das Klima ist vorzüglich. Schiffe gelangen nach Jaffa mit allen Kostbarkeifen reich beladen.“ Dieser war ein gesunder Optimist; er wollte keine entmutigenden Berichte hinaussenden wie seine Nachfolger heutzutage, die schnei! Enttäuschten. fm hohen Grade interessant sind die hier gesammelten Aussprüche der vermeintlichen Messiasse über ihr Verheißungsland. Sabbatai Zevi, Sciilomo Molcho, Joseph de la Raina, Abenteuerer der Leichtgläubigen, hinterließen liebesdurchzuckte Bekenntnisse für das Heilige Land, zu dessen Befreiung sie riefen. Von jenem mystischen Stammeln gelangen wir zu der neueren Dichtung. Mapu, Levinson, J. L. Oordon sind allzusehr Verstandesmenschen, um das Land heiß und innig zu begehren; sie schildern nur seine ewige Vergangenheit. Mit Bialik und Tschernichowski sind wir in unserer Empfindungswelt. Der erste, der große Dichter des Schmerzes, sehnt sich noch immer nach dem nie erfüllbaren Besitz; selbst nach seinem dauernden Aufart־!1 וייflv '׳ f I: III t

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