Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 90 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 638 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, II. XL 1927 Das palästinensische Gemeinde-Gesetz Die Vorgeschichte der Organfsatfonsversudie Von unserem Korrespondenten. Jerusalem, Ende Oktober. Wenn alles seinen normalen Oang geht, so Ist zu erwarten, daß das von der Mandatsregierung im September in der ״Official Gazette“ veröffentlichte Gemeindegesetz in ein bis zwei Monaten seine offizielle Tätigkeit findet. Damit werden Bestrebungen, deren Anfänge zwei Jahrzehnte zu rückliegen, ihren endlichen Erfolg erreicht haben. Ais der neue Jischub Palästina zu besiedeln begann, fand er hier allenthalben jüdische Gruppen vor, die aber weder untereinander verbunden waren noch einen legalen Status hatten. Die sephardischen Gemeinden mit ihrem Chachambaschi besaßen zwar nach türkischem Recht gewisse Privilegien, zu denen auch das die Erhebung von Kultussteuern gehörte, in der Praxis war das aber ziemlich wertlos und wurde fast nicht ausgenutzt. Jüdische Gemeinden existierten de facto in den Städten überhaupt nicht, nur die Waadim der Kolonien bildeten etwas, das munizipalen Behörden entsprach. Vor 20 Jahren begannen in Jaffa die ersten Bestrebungen zur Bildung einer allgemeinen Kulturgemeinde. Hierzu gehörte vor allem das Bemühen, die lokalen Wohlfahrtsinstitute der Gemeinde anzugliedem. Nach dem Kriege wurden bereits wichtige Stadien zur Gemeindebikiung zurückgelegt; es wurde in vielen Fällen eine Aufsicht über die sozialen Institute erreicht, und auch mit der Einsetzung einer freiwilligen Be- Steuerung machte man erhebliche Fortschritte. In Haifa gab es ähnliche Ansätze zu einer Gemeindebikhing, wenn auch in kleinerem Umfang. Hier wie in Jaffa hatte eben im öffentlichen Leben der neue Jischub das Uebergewicht erlangt, und dieser strebte nach Organisationsformen. Anders war die Situation in Jerusalem, wo die judische Bevölkerung in Dutzende von unabhängigen, einander bekämpfenden Kolelim gespalten war, die nicht einmal die Notwendlgkeit des Zusammenschlusses spürten. Erst als auch hier der neue Jischub gewachsen war und seine Eigenart sich geltend machte, wurde hier ein Versuch zur Zusammenfassung der Glieder zu einem Gesamtkörper unternommen. Als Frucht dieser Vereinigung wurde, kurz «ach der Einnahme von Jerusalem!, im Winter 1017/18 der Waad-ha-Ir geschaffen. An der Organisation der einzelnen Kreise zu einer jüdischen Gemeinde nahmen damals auch Agudah-Kreise teil, die später sich isolierten, aber dem Bemühen nach einer wirklichen Verbindung setzten vor allem die vielen großen und kleinen Wohltätigkeits- Institute, die lieber unabhängig und unkontrolliert bleiben wollten, ihren Widerstand entgegen. Der erste Schritt auf dem Wege zu einer Zusammenfassung der gesamten palästinensischen Judenheit war schon vor 20 Jahren unternommen worden, und zwar durch den Vertreter der Chowewe Zion, der einen Palästinarat organisierte. Diese Schöpfung entsprang dem demokratischen Geiste der Chowewe Zion-Bewegung, der an dem undemokratischen Beamtenwesen, wie es damals im lande herrschte, Anstoß nahm. Dieser Palästinarat sollte — gegenüber der herrschenden Abhängigkeit — die palästinensische Bevölkerung zur Selbstverantwortung erziehen, wozu auch gehörte, daß er dem Odessaer Komitee seine Arbeitspläne und sein 'ftadget bestimmen hatte. Diese Arbeit. gta|.,s|$ter,*auf־Jdas; zionistische Arbeitsamt über, das zwar keinen eigenen Rat hatte, aber öfter die Vertreter der Bevölkerung zur Entscheidung wichtiger Fragen einberief. Drei Wochen nach der Okkupation berief es die erste vorbereitende Versammlung ein, auf welcher der ״Waad-ha-Smani“ (״Provisorisches Komitee“) eingesetzt wurde. Dies war der Vorgänger des ״Waad Leumi“ (״Nationales Komitee“), dessen Wahl auf der im Oktober 1920 einberufenen Assefath-ha-Niwcharim erfolgte. Der Waad-Leumi — von HerbertSamuel sofort offiziell anerkannt — kämpft nun für die Erlangung eines legalen Status für sich und die einzelnen lokalen Gemeinden. Von Anfang an verlangt die ״Assefath-ha-Niwcharim“ (״Delegierten-Versammlung“) die Konstituierung einer jüdischen Gesamtgemeinde, worunter sich die Mehrzahl der Parteien eine rein weltliche Gemeinde vorstellt. Die Regierung dagegen — und mit ihr der Misrachi — verlangt, daß die erstrebte Gemeinde auch religiöse Pflichten ausüben solle. Als Mittel zum Ziel der Bildung einer Kulturgemeinde setzt die Regierung den Misrad-ha-Rabbanut (Rabbinats-Amt) ein, in ähnlieber Weise, wie sie den Moslem Supremc Council und den Reorganisationsausschuß der griechisch-orthodoxen Gemeinde gebildet hatte. Es war nun ein äußerst schwieriges, langwierige Verbandlungen zwischen den einzelnen Parteien erforderndes Unternehmen, eine solche Form des Gemeindegesetzes zu finden, die sowohl den verschiedenen Gruppen wie auch dem Misrad-ha- Rabbanut und der Regierung annehmbar erscheinen konnte. In der nun schließlich von der Regierung veröffentlichten Form untersteht die palästinensische jüdische Gemeinde einesteils geistlichen, teils weltlichen Behörden: als Vertreter der Geistlichkeit sind darin vertreten das Oberrabhinat und die lokalen Gemeinderabbiner, als weltliche Vertretung der Waad Leumi als Exekutive der Assefath-ha-Niwcharim. Diese geistlich-vveltüche Vertretung erhält das Recht der Besteuerung, und zwar für folgende Zwecke: Kuitusinstitufionen, Wohltätigkeitseinrichtungen, Schulwesen und zum Unterhalt von Waad Leumi und Rabbinat. Angestrebt war eigentlich eine Pfiichtgemeinde, der jeder Jude obligatorisch angehören sollte. In der sicherlich akzeptierten Form werden Register von Mitgliedern der Gemeinden angelegt, und Personen, die ihnen nicht anzugehören wünschen, müssen schriftlich ihren Austritt erklären. Die ausgetretenen Mitglieder können sich selbständig organisieren, können aber keine Steuern erheben. Sofort nach Veröffentlichung des Gemeindegesetzes durch die Regierung begann aufs neue eine heftige Agitation dagegen seitens der Agudah Jisroel und der orientalischen Gemeinden. Die Gründe des Widerstandes sind: erstens das von der Regierung bestätigte Wahlrecht der Frauen, ferner die Furcht vor der Besteuerung und schließlich die — unberechtigte — Angst der verschiedenen Wohltätigkeitsinstitute und -institütchen einer Kontrolle durch den Waad leumi, wodurch viele von ihnen ihre Existenz bedroht sehen. Die Agudah Jisroel hat bereits beschlossen, aus dem Gemeindeverband aus zutreten und sich sclbrf'h lig zu organisieren. Die sephardische ת Gemeinden haben sich darauf beschränkt, ein Memorandum einzureichen, das ihre besonderen Wünsche enthält, da bei ihnen die Jugend eine lebhafte Agitation für den Waad Leumi entfaltet und den Austritt der Sepharden aus dem Gemeindeverband verhindert hat. Durch die Bemühungen des M i 9 r a c h i ist auch anzunehmen, daß die um den Oberrabbiner Kuk gruppierte aschkenasische Gemeinde zum Verbleiben im Gemeindeverband veranlaßt wird. So wird also demnächst der lange Jahre erkämpfte Zusammenschluß der verschiedenen geistlich-weltlichen Kreise — allerdings unter Nichtbcteiiigung der Agudah Jisroel zum Gesetz erhoben werden. H. H. T. Der 10. Jahrestag der Balfour-Deklaration Kundgebungen britischer Staatsmänner. ״New Judaea“ veröffentlicht in seiner Nummer vom 5. Noventber Kundgebungen britischer Staatsmänner zum 10. Jahrestag der Balfour-Deklaration. Lord Balfour schreibt: Zehn Jahre sind seit der Deklaration über den Zionismus verflossen, die ich im Jahre 1917 im Namen der britischen Regierung gegeben habe. Nichts hat sich in dieser Periode ereignet, was den geringsten Zweifel* an der Weisheit dieser neuen Richtung rechtfertigen würde. Das Experiment war kühn, indem es rieh mit einer einzigartigen Situation in einer Weise auseinandersetzte, die in der Geschiente ganz ohne Beispiel ist Ich bin aber überzeugt, daß es ganz gewiß gelingen wird, wenn es von den jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt unterstützt werden wird; die jüdische Rasse wird eine Heimat finden in dem Lande, welches seit unvordenkliehen Zeiten mit ihrem Namen verknüpft ist. David Lloyd George, der zur Zeit der Verkündung der Balfour-Deklaration Ministerpräsident war, schreibt: Die in der Balfour-Deklaration verkörperte Politik ist durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre erprobt und voll gerechtfertigt worden. Ein erneuertes Palästina ist im Werden, die Juden nehmen an seiner Wiederaufrichtung vollen Anteil. Es haben sich Schwierigkeiten ergeben, die der von den Juden übernommenen Aufgäbe innewohnen; man wird auch weiterhin auf solche Schwierigkeiten stoßen. Aber das, was in Palästina bereits vollendet ist, genügt schon, um zu beweisen, daß solche Schwierig- Keiteniiberwunden werden könnenund werden. Unter der weisen und staatsmännischen Führung von Dr. W e i zmann ist es der zionistischen Bewegung bereits gelungen, die Grundlage für das Jüdische Nationalheim zu schaffen. Ich bin überzeugt, daß die Juden bei der begotinenen Arbeit nicht wanken werden und daß in der vorbestimmten Zeit ihre Bestrebungen in Palästina verwirklicht sein werden. Die im Palästinainandat verankerte Balfour-Deklaration ist ein Pfand britischer Sympathie und britischen guten Willens. Sie ist ein Pfand, das pünktlich einfelost werden wird. Die Deklaration ist von jeder Partei des ritischen Staates als bindend akzeptiert worden. Welche Regierung auch kommen mag: Großbritannien wird zu seinem Worte stehen. Mögen die Juden ihr Teil beitragen! Daß Großbritannien das Seine nicht schuldig bleiben wird, darauf kann man sich verlassen. Sir Herbert Samuel schreibt: Als die Balfour-Deklaration im November 1917, gerade während der Krise des Weltkrieges, verkündet worden war, welches prophetische Auge konnte da Voraussagen, welche Resultate nach zehn Jahren zu verzeichnen sein werden: Palästina wurde vom türkischen Reich abgetrennt und zu einem separaten Staat gestaltet; es wurde in die Hut Großbritanniens gegeben; die jüdische Bevölkerung des Landes hat sich verdreifacht; fast in dem ganzen großen Tal von Esdraelon und in anderen großen Landgebieten entstanden jüdische Dörfer; die kleine jüdische Vorstaat Jaffas, Tel-Awiw, wurde zu einer Stadt, die ebenso groß ist wie das benachbarte Jaffa; Hebräisch ist als eine der offiziellen Sprachen des Landes an- >■ *rlttmiit;- Ä-ist zurUräg4®gisF#irft#>dfir־*}tt4fsdte1t Bevölkerung geworden; eine hebräische UnfversitSf, voti toid Dslfmn׳ #lb$t eingeweiht, ist in der Entwicklung; acht bis zehn Millionen Pfund wurden in der ganzen Welt für Landkauf, Ansiedhtng von Bauern, Begründung von Industrien, Anlegung von Garten- Vorstädten, Unterrichtswesen, Einwanderer-Fürsorge usw. aufgebracht. Alles das bei gebührender Beachtung der berechiigten Interessen der arabischen Bevölkerung, deren Wohlstand zu gleicher Zeit stark zugenommen hat; infolgedessen hat auch eine zunehmende Beruhigung der arabischen Empfindsamkeit stattgefundem. Wer würde cs vor zehn Jahren gewagt haben, eine solch« Fülle von Leistungen und Erfolge in einer einzigen Dekade vorauszusagen. Es hat vor kurzem eine Wirtschaftsdepression gegeben. Wirtschaftskrisen sind keinem Lande fremd, besonders nicht neuen Ländern; Palästina, das älteste Land,ist abergleichzeitigdasjüngste. Solche Depressionen gehen vorüber und ein neues Gedeihen setzt ein. So wird es auch in Palästina sein. Laßt uns die Hoffnung ausdrücken und die Entschlossenheit kimdgeben, daß die zweite Dekade ebenso große Ergebnisse wie die erste zeitigen wird. Es gilt, einen hohen Standard zu erreichen; mit nie ermüdender Anstrengung wird es gelingen. Viscount Cecli schreibt: Ich habe mit tiefem Interesse die Bemühungen und den Fortschritt des Zionismus in Palästina verfolgt; jetzt, am 10. Jahrestage der Balfour-Deklaration, hege ich die Ueberzeugung, daß ihre Verkündung einweiserund weitblickender Akt der Staatskunst war; auch in Zukunft wird es Schwierigkeiten geben, wie es solche in der Vergangenheit gegeben hat. Aber sie werden durch die Hingebung und die Klugheit der Zionisten und ihrer Führer sicherlich überwunden werden. Ballour-Feiern Aus Breslau wird uns berichtet: Zur Feier des 10. Jahrestages der Balfour-Deklaration veranstaltete die Verbindung Jüdischer Studenten ״H a s - monaea“ am Sonntag, den 6. November, eine Matinee, zu der sich außer einem zahlreichen Publikum Vertreter der Synagogengemeinde, der Repräsentantenversaminlung, der K. Z. V. Zephirah, der Logen und der Presse eingefunden hatten. Nach Begrüßung der Gäste durch den Erstchargierten gelangten Klavier- und Gesangsvorträge der Herren Dr. Oskar Guttmann und Oberkantor Borin zu Gehör. Hieran schloß sich die Vorführung des Filmes der Universitätseröffnung an, worauf Dr. Joseph Marcus das Wort zur Festrede ergriff. Er gab einen kurzen Rückblick auf die Oeschichte der Balfour-Deklaration und auf die Entwicklung, die die zionistische Arbeit in Palästina seitdem genommen hat. Als Abschluß der Feier wurde ein Palästina-Jugendfilm gezeigt, der über das gesamte Erziehungswesen in Erez- Israel Aufschluß gab. Die eindrucksvolle Feier schloß mit der Hatikwah. m * Danzig, »8. November. (J.T. A.) Im Schützenhaus wurde ein Festakt aus Anlaß des 10. Jahrestages der Balfour- Deklaration abgehalten, der von der Danziger jüdischen Bevölkerung sehr stark besucht war. Ansprachen hielten Dr. Herbert Levi im Namen der Danziger Zionistischen Organ!‘- sation und, als Gast aus Berlin, Dr. Nahum Gold mann, dessen meisterhaftes Referat stärksten Beifall auslöste. Es wurde beschlossen, den Namen Lord Balfours in das Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. * Kowno, 6. November (J. T. A.) In Kowno wurde am 2. November, dem Jahrestage der Balfour-Deklaration, in der überfüllten Chor-Synagoge eine eindrucksvolle Fei« abgehalten. Rabbiner Rosensohn würdigte die Bedeutung der Deklaration, erklärte aber, jetzt, nach 10 Jahren, müsse das Judentum vor Großbritannien hintreten und sprechen: Die Zusage ist nicht ganz erfüllt worden und es bleibt noch vieles zu erfüllen. Aber der Beginn der Erlösung ist es, und das Judentum wird seine Pflicht tun. -— Es sprachen noch Dr. B. Berger, der Redakteur der ״Ydischen Sfime“ R. Rubinstein, Dr. Z. Feldstein, N. G r ü n b 1 a 11 und Moscheh K a h a n. Sämtliche Redner würdigten die große Bedeutung der Balfour-Deklaration als Beginn der Befreiung und der nationalen Gleichheit des jüdischen Volkes. An Lord Balfour, Dr. Weiz man n und Nahum S oko 1 o w wurden Begrüßungstelegramme gesandt. * Stock holm, 8. November. (I,T. A) Am Sonntag, den 6. November, feierte der Stockholmer Verein ״Judisk Ungdom“ (״Jüdische Jugend“) das Andenken der Balfour- Deklaration durch einen solennen Festakt Der Redakteur der Monatsschrift ״Israeliten“, Organs der jüdischen Jugend Schwedens, hielt die Festrede, die auf die zahlreichen Anwesenden zündend wirkte. Dann folgte Rezitation einiger Zionslieder des Jehtida Halevy und Gesang hebräischer Chaluz-Lieder. PressesHmmen Auch die englische Presse widmet dem Balfour-Tag zum Teil ausführliche Artikel, z. B. beschäftigt sich der ״Manehester Ouardian“ aus diesem Anlaß mit der Lage in Palästina und dem letzten Besuch Dr. Weizmanns. Das Blatt stellt fest, daß die zionistischen Siedler sehr erregt sind über gewisse Handlungen der Palästina-Regierung, insbesondere über den bevorstehenden syrisch-palästinensischen Handelsvertrag. Das Blatt sagt, kein Jahrestag der Balfour-Deklaration dürfte bisher mit so wenig Enthusiasmus gefeiert worden sein wie dieser. Die antisemitische ,^loming Post“ benützt den Anlaß des Balfour-Tages zu einem Angriff gegen den Zionismus. Das Blatt schildert die Lage in Palästina, das Stocken der Ein- Wanderung, die Unzufriedenheit der Zionisten mit der Haltung der Regierung. Das Blatt erklärt, daß nach Meinung der Zionisten der Handelsvertrag mit Syrien die Industrien der wie ein Pilz entstandenen Staat Tel-Awiw schädige und einen Bruch des von England gegebenen Versprechens bedeute. * Herr Jacobus Kann, Haag (der unter Wolffsohn Mitglied der Exekutive war) beschäftigt sich in einer Zuschritt an den ״Jewish Chronide“ mit der gegenwärtigen Lage im Zionismus. Nach seiner Meinung sei die Depression in Palästina dadurch zu erklären, daß der Keren Hajessod sein Ziel, 25 Millionen Pfund in fünf Jahren aufzubringen, nicht erreicht hat und nicht erreichen konnte. Ea sei eine falsche Methode gewesen, anzunehmen, daß der Keren Hajessod alle Dinge finanzieren könne. Herr Kann schlägt vor, eine ״Round-table-Konferenz“ aller an Palästina interessierten Organisationen und Körperschaften einzuberufen, die einen Generalrat für Palästina ernennen soll, in welchem die Zionistische Organisation als solche nicht die Majorität hat und der die Aufgabe hat, Experten für die Leitung der Immigration, Kolonisation, des Kreditwesens usw. zu ernennen. Die Zionistische Organisation soll sich wieder in eine rein propagandistische Bewegung verwandeln, wie sie es früher gewesen ist. * Im ״H a arez“ schreibt K. F riedenberg über den Kongreß; Die Lag«* der neuen Exekutive Ist sehr schwierig, nicht g«Mder dm» Lande laiiHit jdet^onlMscheit *Organlsation, sondern auch wegen der negaitven Einstellung aller Kreise des Jischuw zu ihr. Der Kongreß fand keine Lösung für die Probleme unserer Aufbauarbeit im Lande und konnte sie naturgemäß auch nicht finden. Ein Kongreß kann keine Tatsachen schaffen, er dient in der Regel nur dazu, um die Tätigkeit der Vergangenheit zu überblicken und einen Rahmen für die weitere Arbeit zu bestimmen. Die schönsten und größten Pläne können keine Tatsachen schaffen. Der Kongreß stand vor der Aufgabe einer ״K 0 n s 011 d i erung“ und ״Gesundung", wenn diese Begriffe jetzt auch vielfach verächtlich oder ironisch wiedergegeben werden. Diese Konsolidierung ist nötig, nicht um ideologische Veränderungen in der zionistischen Politik herbeizuführen — das beweisen die Beschlüsse des Kongresses — sondern um die Zionistische Organisation vor einem schweren finanziellen Zusammenbruch zu retten. Der neuen dreigliedrigen Exekutive wurde die nicht sehr angenehme Pflicht auferlegt, diese Gesundung durchzuführen. Man übertreibt m. E. aie Bedeutung der Erez-lsrael- Exekutive. Ihr Tätigkeitsbereich und ihre Kompetenzen sind m. E. sehr begrenzt. Sie erhält den relativ kleinen Betrag von £ 500 000 jährlich und innerhalb der durch den Kongreß festgesetzten Grenzen der Budgets hat sie, soweit die Einnahmen ausreichen, ihre Arbeit durchzuführen, ohne die Zionistische Organisation in Verpflichtungen zu verwickeln, für die keine Einnahmen vorhanden sind. Die Tatsache, daß die Exekutive aus homogenen Kräften besteht, wird ihr zweifellos die Arbeitsmöglichkeit erleichtern, und wenn ich nicht irre, huldigt man diesem Prinzip nicht nur in Parlamenten anderer Nationen, sondern auch in Arbeiter- Organisationen und anderen Körperschaften werden oft 1'n die ausführenden Organe homogene Kräfte gewählt. Zionismus in iranzösischsprachigen Ländern Paris, 7. November. (J. T. A.) Während des XV. Zio nistenkongresses in Basel berieten die Delegierter! aus den tra 11 zösisehsprachigen Ländern über die Schaffung eines Zentralkomitees zwecks einheitlicher Führung der zionistischen Propaganda in diesen Ländern. Diese Beratungen wurden in diesen Tagen in Paris wieder ausgenommen, und es wurde beschlossen, ein gemeinsames Zentramomitee für die Länder Frankreich, Algerien, Marokko, Tunis, Schweiz, Belgien, Griechenland, Syrien, Aegypten usw. zu schaffen, das seinen Sitz in Paris haben und die zionistische Arbeit einheitlich leiten soll. Das Zentralkomitee setzt sich aus den folgenden Herren zusammen: Fernand Corcos, L. Bernheim, H. Ziatopoisky, H. Herrmann, J. H. Castel. Ständige Korrespondenten dieser Kommission sind Herr Metzger (Straßbourg), D. Florentin (Saloniki), L. Eliaschar (Jerusalern), Jose Jehuda (Genf) und S. Thursz (Marokko). Das Zentralkomitee in Paris wird die Zionistische Weltexekutive ersuchen, ihm die Leitung der zionistischen Arbeit in allen französischsprachigen Ländern zu übertragen. Keren Hafessod-Abend in Stuttgart Dieser Tage sprach Rabbiner Dr. L e 0 B a e cJc in Stuttgart auf Einladung führender jüdischer Kreise über Keren Hajessod und deutsches Judentum. Die Ausführungen des Vortragenden, der sich sehr warm für den Keren Hajessod einsetzte, wurden mit großem Interesse entgegengenommen.