Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 90 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 636 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. SO, 11. XI.102ר in der ihn umfassenden Gesellschaft mit gutem oder schlechten Können gesellschaftliche Funktionen versieht, sich als Fremdkörper bezeichnen zu lassen. Gewiß gibt es Bezirke des gesellschaftlichen Lebens, an denen das־ Interesse verschieden ist, das gilt aber für jede und gar nicht allein ethnische oder religiöse Gruppe und gibt jener beleidigenden Bewertung auch nicht den Schimmer einer Berechtigung. Alles in allem kann man sagen, daß dieses Buch einen eigentümlichen Wirrwarr darstellt. Antisemitische Behauptungen, die an der einen Stelle entschieden abgelehnt werden (etwa die Einschätzung der Judenschaft als eines Verschwörerklubs), erscheinen an anderer Stelle als Bestandteile der Bellocschen Argumentation (etwa der eigentümlichen Ausdeutung jüdischer Solidarität). Gegenseitiges Uebereinkommen wird zur Voraussetzung jeder Lösung gemacht, an anderer Stelle wieder kann man lesen, daß, wo zwei Parteien gegenüberstehen, das Recht nicht auf der einen allein zu suchen sein wird und trotzdem wird eine auf sehr einseitiger Erwägung beruhende Lösung zunächst ״gütlich“ vorgeschlagen, für den Fall der Nichtannahme aber werden Gesetzesmaßnahmen angedroht. Die friedliche ״Absonderung“ der Juden und ihre fortschreitende Konstitution als eigene Gemeinschaft erscheint bei ihm als die Lösung, der Zionismus aber wird mit nichtiger und auf Unwahrhelfen beruhender Motivation verdächtigt und der Palästina-Kolonisation ziemlich unverhohlen ein schlechtes Ende gewünscht. Und so kommt man um den Schluß nicht herum, daß hier ein zweifellos begabter Publizist mit unzureichenden historischen Kenntnissen Impres• sionen zusammenstellt, während er vorgibt, eine systematische Untersuchung zu unternehmen, und daß er das — gelinde ausgedrückt — nicht frei von Hemmungen tut, die ihm die Möglichkeit klaren Urteils verstellen. Daß er wenig gewissenhaft im Sinne der Wissenschaftliehen Objektivität ans Werk gegangen ist, zeigt schon der Umstand allein, daß aus seinen Ausführungen zwar eine gewisse Kenntnis der antisemitischen Literatur und anscheinend auch einiger apologetischer Schriften der Assimilationsjuden spricht, von einer Kenntnis der umfangreichen zionistischen Literatur, die doch für die Beurteilung der Judenfrage einfach unerläßlich, aber keine Spur zu merken ist. Würde man ihm etwa F. Bernsteins (im ״Jüdischen Verlag“, Berlin, kürzlich erschienenes) Buch über den Antisemitismus zu lesen geben, das man ja gewiß nicht als der Weisheit letzten Schluß, aber doch als einen ernsten ״unsentimentalen“ und in der sozialpsychologischen Hinsicht sehr beachtenswerten Versuch werten muß, er würde vieles vorweggenommen finden, was er sagt; wahrscheinlich aber wäre ihm das nur ein neuer Beweis für die ״jüdische Ueberheblichkeit“. * tageirTsimin'ein ־‘seiies 3&aium -getreten. Der HumanitStsgedanke, von dem es schien, daß er, ein»׳ mal erworben, der Menschheit nie wieder verloren gehen kann und dessen Anbruch im europäischen Bewußtsein vor hundert Jahren unsere Väter als die Erfüllung der prophetischen Gesichte mit einem Jubel aufnahmen, der uns Heutigen nicht mehr ganz verständlich ist, büßt vor unseren Augen seine Herrschaft ein. Es gilt nicht mehr als selbstverständlich, daß es ein Maß von Menschenwü-rde gibt, das nicht geschmälert werden darf; scheinbar unüberwindliche Schranken, die dem Intgrcssenkampf gesetzt waren, sind gefallen. Die Errungenschäften der bürgerlichen Revolutionen werden von Bürgern von heute verraten, die in einem neuen Kampf, diesmal um die Erhaltung ihrer Macht, stehen. Es ist nicht neu in der Geschichte unseres Volkes, daß für schwierige Situationen zunächst eine Entspannung auf seine Kosten gesucht wird. Das ist gefahrlos und schafft den angesammelten Affekten ein Ventil, Eine Theater Habimah in Frankfurt 3. M. Gerade ein Jahr nach ihrem ersten Auftreten in Deutschland kam die ״Habimah“ nach Frankfurt, um am hiesigen Schauspielhause ein zunächst auf zehn Tage berechnetes Gastspiel 711 absolvieren. S i e kam — m a n sah — und s i e siegte!! Der Erfolg der Habimah ist so außerordentlich, wie man es seit langem im Frankfurter Theaterleben ähnlich nicht erlebt hat. Zunächst nahm niemand von dem Gastspiel besondere Notiz; bei der Premiere — man gab den ״Dybuk“ — waren die Zuhörer neben dem üblichen Premierenpublikum hauptsächlieh Zionisten, Ostjuden und sonstige ״Orientierte“. Aber dann war cs interessant zu beobachten, ־wie nach den ersten Kritiken der großen Tageszeitungen — die übereinstimmend die Kunst der Habimah als etwas Außerordentliches, auf deutschen Bühnen noch nicht Gebotenes feierten — wie sodann das Interesse der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung an und für Habimah erwachte, von Tag zu Tag wuchs, wie Habimah zum Tagesgespräch wurde. Neben dem wohl auch vorhandenen und wirkenden Motiv des Sensationellen, rein Modemäßigen — es gehörte zum guten Ton, bei der Habimah gewesen zu sein, — war es jedoch bei der Masse des anonymen Publikums lebendige Anteilnahme, der Drang des Erlebenwollens, was das Theater fast bei jeder Aufführung bis aut den letzten Platz füllte, den ieder Einzelne mit vollem Herzen und mit stärkster Anerkennung für diese Künstler verließ. Es ist überflüssig, hier eine Kritik der Stücke oder eine Analyse der Kunst der Habimah zu geben, da dies in diesen spalten bereits während des Berliner Gastspiels geschehen ist. Es muß aber berichtet werden, welch großen Eindruck die Habimah gerade in Frankfurt als dem großen und bedeutenden lüdischen Zentrum machte. Habimah bewirkte — den Wenigsten mag dies zum Bewußtsein gekommen sein — einen unsichtbaren Zusammenschluß der Juden aller Richtungen. Nicht nur יי daß sie alle kamen, um zu sehen ~ liberale und Orthodoxe, Zionisterij Centralvereinler und Agudlsten — sondern sie alle fühlten sich offenbar mit den Künstlern innerlich verbunden, :mptanden Habimah als ihre Sache und als wunderbar, die Lebendigkeit des Hebräischen auch auf der Bühne zu erleben. Man fand sich plötzlich tingegliedert in die Front des Judensolche Situation ist jetzt gegeben und sie verschärft sich immer mehr. Mit Schwärmern, Narren und Verkommenen hat es angefangen; aber immer deutlicher verlegt sich die Linie des Willens, das Lebensrecht der Juden in Frage zu stellen, in die Kreise der Gebildeten und Mächtigen. Man behauptet, wir hätten kein Recht, uns in die europäischen Dinge zu mischen, wir seien ״Fremde“. Dieser Begriff des Fremden, der da zurechtgezimmert wird, um uns des natürlichen Anspruches auf volle menschliche Betätigung innerhalb der Gesell- Schaft zu berauben, setzt sich über mehrere Tatsachen hinweg, z. B. auch über die Tatsache, daß es in den meisten Staaten Europas heute große Minoritäten gibt, die nicht entrechtet werden können. Beiloc stellt den Begriff eines Staates auf, in welchem die Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsminorität in ״verhängnisvollem“ Widerspruch zu dem Anspruch steht, ״im vollsten Sinne des Wortes“ Bürger zu sein. Der Minderheitenschutz des Friedensvertrages ist für ihn, der in geschichtlichen Dingen der Vergangenheit und Gegenwart eine bemerkenswerte Ignoranz aufweist, nur eine Judenschutzmaßaahme, die auf jüdische Bankiers zurückgeht. In Wahrheit kann der moderne Staat nur dann seinen Sinn erfüllen und sich einer — wofern wir das Weltchaos vermeiden wollen, — unumgänglich notwendigen neuen Weltordnung einfügen, wenn er die Organisationsform für das Leben der Gesamtheit seiner Bürger darstellt. Indem er der Minorität für ihre spezifischen Interessen eine Sphäre der autonomen Betätigung zubilligt, stärkt er nur das allgemeine Staatsgefühl und macht sich die produktiven Kräfte aller seiner Bürger zunutze. Aber auch Theodor Haecker, der Belioc in einigen sehr wichtigen Punkten entgegentritt und auch dessen kindliche Anschauungen vom Wesen der Minorität zurückweist, meint, die Juden müßten auf ihre vollen Rechte im Staat ״freiwillig verzichten“. Er übersieht, daß dieser Verzicht einen Verzicht auf Lebensentfaltung überhaupt bedeuten würde. Entspricht es Haeckers Gerechtigkeitsgefühl, daß Menschen in einem Lande, in dem sie leben und schaffen, als Ausgestoßene, Minderberechtigte behandelt werden, nur weil sie sich von der Majoritätsgruppe unterscheiden? Haecker ist ein seltsames Musterbeispiel dafür, wie schwer es ist, selbst bei bestem Willen und bei vorwiegend religiöser, antinationalistischer, ökumenischer Einstellung, gleichen Maßstab bei der eigenen und einer fremden Gruppe anzulegen. Obwohl er sagt, die Deutschen hätten heute psychologisch für die Erkenntnis der Lage der Juden etwas voraus vor allen anderen Völkern, weil auch sie viele Jahre von Haß umbrandet waren und zuweilen sogar in eine Ghettostimmung geraten seien, — obwohl er also selbst die psychologische Voraussetzung für das Verständnis der Judenfrage haben sollte, gerät er unversehens und unbewußt bei seiner eigenm iBetpreehung:' :«!»;י «» dem, was er«#, ln ^ito|wi-d«16ch%־A^eKgöBWt^1 gelt« ließe. Ein so einzigartiges historisches Problem wie die heutige Lage der Juden läßt sich nicht einfach damit abtun, die Juden wollten ״Vollbürger sowohl der eigenen wie der fremden Nation“ sein. Der Zionismus ist in unseren Tagen der große Versuch, das Problem in ehrlicher Weise, durch eigene Arbeit und Opfer der Juden, allmählich zu lösen. Diese Arbeit braucht Zeit, und sie bedarf freilich auch des Wohlwollens der besten Geister der anderen Völker, die verstehen sollten, daß eine zweitausendjährige Verwirrung nicht mit einem Schlage entwirrt werden kann, daß hier ein historischer Prozeß beginnt, dessen Resultate man zwar nicht im einzelnen vorhersehen kann, dem jedoch durch plumpe Gewaltmaßnahmen in den Arm zu fallen jeder wahrhaft humanen Gesinnung und jedem Kulturinteresse widerspräche, Den Juden aber, die bis heute das Wesen der Judenfrage nicht sehen wollen, möge dies Buch zeigen, wo wir stehen und worum es geht. Ein solches Buch mit Scheltworten oder mit Apologetik abzutun, wie es assimilatorische Kreise tun werden, genügt nicht. Auch aus einem solchen Buch kann Gutes kommen, wenn es seine jüdischen Leser zuinnerst erschüttert und jenseits des Widerspruchs, der sich an vielen Stellen erheben wird, sie zum Denken, zu einer neuen Ueberprüfung ihrer jüdischen Anschauungen anregt Wesentlicher als die Widerlegung des Inhalts scheint uns die Tatsache, daß solche Bücher geschrieben werden. Diese Tatsache belehrt uns, daß man sich um die Judenfrage nicht herumdrücken kann; Sache der Juden unserer Generation ist es, ihre Kräfte zu einer entscheidenden Tat der Selbsthilfe zusammenzufassen. Die Frage der Sondersammlnngen Louis Lipsky an die Poale Zion. N e ,,v York, 24. Oktober (J. T. A.) Louis Lipsky, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, sandte einen Appell an die in Chicago stattfindende Konferenz der Partei Poale Zion in Amerika, in dem er auf die auf dem Baseler Kongreß vom Zentrum eingebrachte Resolution hinweist, wonach die Aufbringung von separaten Fonds für Institutionen, deren Unterstützung zum Teil im Keren Hajessod- Budget vorgesehen ist, zu unterbleiben hat. Da die Annahme der Resolution von den Linken und den Rechten vereitelt wurde, muß die von Poale Zion und Misrachl geführte Tätigkeit ntgunsten separater Fonds als legal bezeichnet werden. Allein da nun P o a 1 e Z i o n, unterstützt von Zeüre Zion, eine Aktion zugunsten des palästinensischen Arbeiterfonds aufnahm, der dazu bestimmt ist, die Arbeiterinstitutionen in Palästina fütanzieil zu kräftigen, und da auch der amerikanische Misra chi die Absicht kund tut, in diesem Jahre an die Oeffentllchkeit wegen Aufbringung eines Fonds von 500000 Dollar zwecks Erhaltung der misrachistischen Institutionen heranzutreten, erhebt sich die naheliegende Frage, wohin das führen soll Man kann ja dann auch derHadassah nicht verwehren, Fonds für ihre medizinische Tätigkeit in Palästina aufzubringen. Dies alles kann sich auf die Arbeit für den United Palestine Appeal sehr nachteilig auswirken, und es entsteht die weitere Gefahr, daß sich einzelne Parteien von der Tätigkeit zugunsten des Appeal absemdem wenden. Es würden drei oder vier separate Zionistische Organisationen In Amerika entstehen, von denen aber nur eine die Last der Verpflichtungen, die vomZionistenkongreß übernommen worden sind, zu tragen hat Es ist an der Zeit, schließt Lipsky, um über Pläne für die Vereinheitlichung der zionistischen Bewegung in An«• rika ernstlich zu diskutieren, in Deutschland ist eine Form solcher Vereinheitlichung gefunden. Ebenso wie alle Parteien im Zionistenkongreß vereinigt sind, dessen Beschlüsse sie als autoritativ anerkennen, so sollte eine geschlossene axnerikanfsche Zionistische Organisation bestehen, in deren Rahmen jeder Partei verbürgte Rechte gewährt werden •dien. Kommt Interessen zu rechnen haben. Wie schon mitgeteilt, hat die Chicagoer Konferenz der Poale Zion beschlossen, einen Fonds von 25 000 Dollar für politische Arbeit des Verbandes Poale Zion aufzubringen, von welchem ein Teil der palästinensischen Achduth Haavodah zugeführt werden 8011. Die amerikanische Poale Zion-Partei zählt gegenwärtig 5000 Mitglieder, Berl Locker in Amerika New York, 28. Oktober. (J.T.A.) In Amerika weilt ' . " . Chicago abgehaltenen 16. Poale Zion Convention teil und unternahm eine Propagandatour für die Poale Zion-Bewegung durch die wichtigsten Zentren der Vereinigten Staaten. Die Aktion Herrn Lockers hat überall ansehnlichen Erfolg. Auf seine Anregung wird ein Fonds von 25 000 Dollar für politische Tätigkelt des Verbandes Poale Zion gesammelt. tums, dadurch, daß ein national-kulturelles Phänomen in einer Form auftrat, die allgemein verstanden und geschätzt wird — Bühnenkunst —, und während man sonst über sein Judentum oft zumindest wenig klar sieht, war man ln diesem Zusammenhang plötzlich stolz darauf. Um das Bild des Gastspieles in Frankfurt abzurunden, muß noch erwähnt werden, daß das Auftreten der Habimah angesichts des stürmischen Erfolges um 14 Tage verlängert werden mußte, während welcher Zelt gleichzeitig Gastspiele ln Wiesbaden, Darmstadt und Karlsruhe stattfanden, überall mit riesigem Erfolge. Neben dem Dybuk, Golem und Jaakobs Traum zeigte die Habimah Pinskis ״Ewiger Jude“ und damit, was Künstler aus einem Stück von mindestens fragwürdigem dramatischen und theatermäßigen Wert machen können. — Auch die sonst als ״steif“ bekannte jüdische Gesellschaft Frankfurts öffnete ihre Häuser der Habimah. Neben einer Reihe privater Einladungen fand im Frankfurter Hof ein geselliges Zusammensein mit dem Ensemble der Habimah statt, das von einem ״Kreis der Freunde der Habimah“ veranstaltet, sehr harmonisch ver- Het. Bel dieser Gelegenheit wurde ein ״Komitee“ geschaffen, das sich die Förderung der künstlerischen Interessen und der weiteren Entwicklung der Habimah zur Aufgabe setzte. Er* freulicherweise wollen sich alle jüdischen Kreise an dieser Arbeit beteiligen. Alle Frankfurter, die Habimah auf der Bühne sahen, haben einen bleibenden Eindruck empfangen, — alle, die nlnez mit diesen wundervollen Menschen und Künstlern in Berührung kamen, war dies ein unvergeßliches Erlebnis. Unsere Gediflken und Wünsche begleiten die Habimah auf ihrer weiteren Reise. (׳uli־.) (Wir brachten kürzlich kurze Auszüge aus Kritiken der ״Frankfurter Zeitung“. Wir müssen es uns versagen, hier weitere Stimmen wiederzugeben. Sie sind enthusiastisch.) Zur Raspntin-Premiere bei Piseator fn dem von der Piscotor-Buhne vorbereiteten Drama ״Rasputin״ erscheint auch unter voller Namensnennung der gegenwärtig in Paris wohnende Generalkonsul Dr. Dmltri Rubinstein, ein früher vermögender Kaufmann in Rußland, der übrigens keineswegs eine politische oder historische, der Zeitgeschichte atigchörjge Persönlichkeit war, Man hat in dem Stiick ״Ruputln“ dte»•# Namen herausgegriffen, um in ihm den Typus des jüdischen Kapitalisten zu kennzeichnen. Er wird in dem Stück als gemeiner Verbrecher hingestellt, es wird behauptet, er wäre ein Spion, eine ganz minderwertige Persönlichkeit, ein Abenteurer schlimmster Art. Dr. Rubinstein hat durch den Berliner Rechtsanwalt Gronemann beim Landgericht II in Berlin im Wege der einstweiligen Verfügung der Piscator- Bühne bei Vermeidung einer fiskalischen Strafe von 10 000 Reichsmark für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagen lassen, bei der Aufführung des Dramas ״Rasputin“ Stellen zur Darstellung zu bringen, in denen Rubinstein auitritt oder von ihm die Rede ist. Die Frage gestaltet sich zu einer prinzipiellen, juristisch Interessanten, da im weiteren Verfolg des Verfahrens geprüft werden muß, ob und wie weit eine Privatperson, die keine der Zeitgeschichte angehörige Persönlichkeit ist, sich ein Eingreifen in ihre Rechtssphäre dadurch gefallen lassen muß, daß sie auf die Bühne gebracht und In eurer bestimmten Weise charakterisiert wird. I Sleinberg-Lcwadins ״Dornenweg“ Breme«, 2. November, (J.T. A.) Das vom Deutschen Goethe-Bund und dem Bremer Schauspielhaus preisgekrönte Drama ״Der Dornenweg, Szenen aus der russischen Revolution“ von M. lewaain wurde, den Bestimmungen des Preisausschreibens gemäß, auf der Bühne des Bremer Schau, spieihauses zum erste« Male aufgefflhrt und errang dort einen nachhaltigen Erfolg. Das Stück wird in kurzem auch auf einer namhaften Berliner Bühne zur Aufführung gelangen. Hinter dem Pseudonym M. Lewadln verbirgt sieh der bekannte Publizist Dr. J. N. Steinberg, der einer wegen ihrer hohen Gelehrsamkeit angesehenen Kownoer jüdischen Familie entstammt und ein Neffe des verstorbenen berühmten jüdischen Kritikers Baal Machschowoth (Dr, Eliaschew) ist. Dr. Steinberg gehörte dem Zentral-Komitee der sozialrevoluttonären Partei an und war nach der russischen Revolution eine Zeitiang Justizminister. Er lebt jetzt in Deutschland und gibt hier in Buchform ״Die freien Blätter für den jüdischen sozialistischen Gedanken“ heraus. Der erfolgreichen Aufiührung seines Stückes in Bremen folgte ein von dem Bremer Schauspielhaus und dem Goethe-Bund veranstaltetes Bankett zu Ehren des Dichters.