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Jüdische Rundschau · 1927-11-08 · Heft 89 (8.11.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 89 (8.11.1927)
Date
1927-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 88, 8 XL 1827 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 831 Von den hebräischen Sprachschulen und Kursen in Deutschland Dar Ansschuß der Z. V. t. D. für Kultur׳• und Erzichungsarbeit bat sich In den letzten Monaten mit den organisatorischen und pidagogischen Leitern der Hebräischen Sprachschulen und -kurse in Verbindung gesetzt und zum Zwecke der Information Ober die bestehenden Verhältnisse auf diesem Gebiet für das Wintersemester 1026/27 sowie das Sommersemester 1927 eingehende Rundfragen veranstaltet. Während der Bericht für das Sommersemester, das an manchen Orten erst mit den Jüdi• sehen Feiertagen zu Ende gegangen Ist, erst jetzt zusammen• gestellt werden kann, liegen die Resultate* aus dem Winter- Semester bereits in einem!»sonderen Berichte vor. Um eine richtige Beurteilung der folgenden, dem Berichte entnommenen Angaben und Zahlen zu ermöglichen, muß vor• ausgeschickt werden, daß in ihm die spezifisch misrachisti• sehe Unterrichtstätigkeit, sowie Unterrichtskurse interner Art (spezielle Kurse der Jugendvereine, Studentenverbindungen usw.) zumeist nicht einbezogen sind. Ebenso ist in dem Bericht vorerst nicht mit enthalten die hebräische Unterrichtstätigkeit an jüdischen Kindergärten und Volksschulen jedweder (auch der nationalen) Richtung, sowie die der Talmud-Toroth und solcher Anstalten, die den hebräischen Unterricht nicht nach modernen Methoden und nicht zu Zwecken der Wiederbelebung des Hebräischen in Wort und Schrift erteilen. Die Erfassung der gesamten hebräischen Kulturtätigkeit in Deutschland Ist ein Ziel der Tätigkeit des Ausschusses, das er aber vorerst aus technischen und auch in der Sache liegenden. Grinden noch nicht vollständig zu erreichen imstande war.‘ Gründe technischer Art bestehen darin, daß verschiedene Verbände, an die sich der Ausschuß wandte, selbst erst ihrerseits eine detaillierte Information über interne Veranstaltungen ihrer Gruppen auf diesem Gebiete einholen müssen, eine Arbeit, die erfahrungsgemäß längere Zelt in Anspruch nimmt, so daß dieses Material wohl erst im zweiten Gesamtbericht mit verwendet werden kann. Ein Haupthindernis sachlicher Natur liegt in der Tatsache, daß der Ausschuß nicht ohne weiteres von solchen Kulturanstalten und Körperschaften das einschlägige Material zur Verfügung erhält, die auf streng-formale Unparteilichkeit ängstlich achten und sich auch auf rein kulturellem Gebiet hinsichtlich kooperativer Zusammenarbeit große Enthaltsamkeit auferlegen. Auch Mer ist aber zu hoffen, daß mit der Zeit ein Wandel der •eingebürgerten Vorurteile erreicht werden wird. Trotz dieser Einschränkungen erstreckt sich der Bericht auf die stattliche Zahl von 35 größeren deutschen Städten, in denen in 117 Kursen insgesamt zirka 1300 Schüler unterrichtet wurden. Sprachschulen mit einer größeren Zahl von Kursen bestanden ln 16 Städten (Berlin, Breslau, Dortmund, Dresden, Duisburg, Essen, Frankfurt a. M., Gelsenkirchen, Halberstadt, Hamborn, Hamburg, Leipzig, Köln, Königsberg, München, Nürnberg), ln denen in 93 Kursen 1026 Schüler Unterricht erhielten. Demgemäß lernten in 19 weiteren Städten (Bochum, Braunscbweig, Darmstadt, Dessau, Düsseldorf, Elberfeld, Emden, Erfurt, Gotha, Halle, Jena, Kassel, Köthen, Mannheim, Marburg, Oberhausen, Ratibor, Wiesbaden, Zwickau), in zirka 24 Einzelkursen noch weitere 274 Schüler. beffi^.־f«toteBcÄ,:f‘ÄÄ;‘Ä;'/di^:sVÄtlthWe'während ' des Somme» 1927 nicht wesentlich geändert haben. Besondere Tabellen über Alters- und Berufsgliederung der Schülerschaft gewähren interessante Einblicke in die Zusammen• Setzung der lernenden. Das Alter der Schüler ist für die Verhältnisse in Deutschland (und wohl für Westeuropa überhaupt) charakteristisch. Während nur in manchen unserer Schulen bereits 6—10jährige lernen und auch noch die Zahl derjenigen Schulen verhältnismäßig gering ist, in denen 10—13jährige Unterricht erhalten, stellt die Teilnahme der 13—16jährigen bereits die Regel dar. ln fast allen Schulen bildet die reifere Jugend (16—20jährige) etwa ein Viertel der Gesamtschülerschaft. Daraus ergibt sich, daß den größten Prozentsatz der Schüler, beinahe 40 0/0, die Erwachsenen (über 20 Jahre) stellen. Im einzelnen zeigt die Statistik folgendes Md: Schüler im Alter von 6—10 Jahren zirka 10»/#' 10—13 n 10 ״ O/o n n n n n ft ff 99 f9 n n 13-16 16—20 über 20 n $$ n 9» *s n n ס/״ 17 10» 24 19« 39 Diese wenigen Ziffern zeigen bereite, in weicher Richtung sich die hebräische Kulturarbeit in Deutschland zu bewegen hat Solange sich der Gründung eigener jüdischer Volksschulen mit genügendem hebräischen Sprachunterricht (nach dem Muster der Schulen des Berlin«' Jüdischen Schulvereins) für die Mehrzahl der deutschen Städte unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellen, muß es das Streben unserer Sprachschulen bleiben, die Kinder bereits im Volksschulalter zum Unterricht heranzuziehen. Am leichtesten wird dies dann gelingen, wenn bereits der hebräische Kindergarten, den es heute leider nur ganz vereinzelt gibt, eine gewisse Vorbereitung der Arbeit geleistet hat. Aber auch da, wo der Kindergarten fehlt, sollte es mit dem Beginn des allgemeinen Schulbesuchs als s e 1 b s t verständliche Pflicht jüdischer und besonders zionisti scher Eltern gelten, dem Kinde die erste Berührung mit dem Hebräischen zu ermöglichen. Es ist eine unumstößliche Wahr• heit, daß die Erfolge hebräischer Spraeherlernung um so aus׳ sichtsreicher sind, je früher das Kind zum Unterricht herangezogen wird. Ein sehr interessantes Bild ergibt sich aus der Statistik üb« die soziale Struktur unserer Schülerschaft. Die Zahlen sprechen für sich selbst. Von den in diese Statistik ehtbezogenen Schülern waren: Volksschüler 17/2 »/#' Mittel-, Fachschüler und Gymnasiasten Studenten 13,6 «/» Kaufmännische Angestellte 22,0 <y* Selbständige Kaufleute 1,4 •/o In akademischen Berufen 3,6 ס/יי In sonstigen Berufen 5,6 <yo Ohne Beruf 7,2 ®/o In Haehscharah befindlich 6,7 */o Auffallend ist, daß die Beteiligung der in akademischen Berufen Tätigen das Zweieinhalbfache der selbständigen Kauffeute beträgt Erfreulich ist der große Prozentsatz von Chaluzim. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß von der hebräischen Sprachbewegung ln erster Linie die jüdische Jugend (Schüler, Studenten, Chahirim und die zum größten Teil eben auch jüngere Angestelltenschaft) ergriffen ist. Die Eimclberichte der Sprachschulen und -kurse zeigen 'linsichtiich der in Anwendung kommenden Unterrichtsmethode — bei aller Mannigfaltigkeit der Nuancen — ein recht gleichmäßiges Bild, das eine zukünftige Vereinheitlichung auf Grund gegenseitiger Verständigung der praktisch tätigen Lehrerschaft als aussichtsreich erscheinen läßt. Im allgemeinen hat das in allen Städten ähnliche Schülermaterial auch auf die Methode der Lehrer — vielleicht ganz unbewußt — vereinheit- Hebend gewirkt. Die Tendenz zur ״natürliche!1“ Unterrichtsmethode (Iwrith-be-Iwrith) hat über alle anderen die unumschränkte Oberhand gewonnen. Daß unsere Lehrerschaft die Vorzüge dieser Methode voll auszunützen weiß, unter* liegt keinem Zweifel. Eine andere Frage ist es natürlich, ob nicht gewisse Elemente anderer Spracherlermingsmethodert gerade für die in deutschen Schulen aufgewachsene Jugend organlsch in den Unterricht aufgenommen werden und so zu einer gewissen Bereicherung der ״natürlichen“ Methode, die ja durchaus die Grundlage bilden soll, führen könnten. Uebrigens hat auch hier die Wirklichkeit bereits manche Konzessionen gezeitigt. Man kann sagen, daß fast nirgend die Iwrith-be-Iwrith- Methode in starrer Einseitigkeit durchgeführt wird. Besonders in den ersten Semester!, ues Sprachstudiums zeigen fast alle Berichte größere oder kleinere Abweichungen von ihr. Die streng konsequente Ausschaltung der Muttersprache als Hilfsmittel hat sich eben für die erste Zeit des Lernens als untunlich, wenn nicht als unmöglich erwiesen. Die Dauer dieser Uebergangszeit zur konsequenten ״natürlichen" Methode ist an den verschiedenen Schulen noch sehr verschieden. Aber auch in späteren Semestern kommen an mancheh Schulen neben der ״natürlichen“ Hauptmethode Nebenmethoden zur An- Wendung, die jedenfalls ein Zeichen geistiger Anpassungsfähigleert des Lehrers an gegebene Verhältnisse sind. So werden z. B. da und dort systematisch Uebersetzungen aus dem Deutsehen ins Hebräische gemacht, grammatisch oder inhaltlich schwierigere Stellen auch in höheren Semestern unter Zuhilfenähme des Deutschen erklärt usw. Eines freilich steht fest, die Interlinearübersetzung in der sinnlosen Form, wie sie heute noch zumeist im jüdischen ReUgionsunterrich( gang und gäbe ist, wird In unseren Schulen gänzlich vermieden, und das ist bereite ein großes Verdienst dieser Schulen und Lehrer. Auch der durchgenommene Unterrichtsstoff zeigt, bei aller Verschiedenheit der zugrunde gelegten Lehr- und Lesebücher, eine gewisse allgemeine Einheitlichkeit. Im allgemeinen beginnt der Unterricht mit einem der zahlreichen, zumeist für die ostjüdische Jugend verfaßten, Anfangslesebücher, geht dann möglichst bald, gewöhnlich schon Im dritten Semester, auch zur leichten Bibellektüre über und vermittelt in den Kursen der Fortgeschrittenen ln steigend« Schwierigkeit beste Proben aus der alten und neueren Literatur (in fortgeschrittenerem Stadium auch aus i1r n»lttpialterJ|qhen). & Beße. sich sehr we>h1 denken, daß alle diese Unterrichtsprogramme sich m einem־ allgemeinen Musterprogramm oder besser zu einigen Typenpro g r a m m e n (je nach Zusammensetzung der Schülerschaft, besonderen! Ziel des Unterrichte usw.) vereinheitlichen ließen, was natürlich — abgesehen von tieferilegenden Gründen — schon im Interesse des leichteren Ueberganges der Schüler bei Wechsel des Wohnortes und noch mehr im Interesse d« organischen Fortführung des Unterrichte bei Wechsel des Lehrers äußerst erwünscht wäre. Einer derartigen pidagogischen Organisationsarbeit stehen heute weit weniger Hindernisse entgegen als in früheren Jahren, und es wird eine der nächsten Aufgaben sein, sie durchzuführen• Die Anregungen des Herrn Dr. Julius Levinsohn, Königsberg, zu dieser Frage (״Jüdische Rundschau“ vom 28- Januar 1927) sowie zahlreiche Korrespondenzen mit den hebräischen Lehrern zeigen, daß die Zelt dafür reif geworden ist. Besonderer Hervorhebung bedarf es noch, daß an vielen Orten das Hebräische Im letzten Jahre den engen Rahmen eines schulmäßigen Unterrichtsbetriebs überschritten und sich in die freiere Sphäre des Klubs, der Versammlung, litera׳ rischer Veranstaltung usw. hinausgewagt hat. Das schöne Beispiel des Berliner Betb Waad 1 wri hat nunmehr auch in der deutschen Provinz eine, wenn auch unvoll kommene, Nachahmung gefunden,, und vielerorts gab es im verlaufenen Jahr hebräische Veranstaltungen mehr gesellschaff־ licher Natur. Vorträge und Referate (der Lehrer und Schüler) mit anschließender frei« Diskussion wurden auß« in Berlin in Breslau, Essen, Halberstadt, Hamburg, München und Nümberg abgehalten, Regelmäßige Klubabende (״Chug iwri“ ln Hamburg) sollten die Konversation fördern. Hebräische Kulturabende (Berlin, Halberstadt) dienten der Förderung des Verständnisses für die neuhebräische Literatur und der würdigen Ehrung hebräischer Dichter. Auch die anläßlich der jüdischen Feste abgehaltenen Feiern erhielten häufig ein teilweise oder vollständig hebräisches Gewand. Die finanzielle Lage d« Schulen Ist verschieden. Es gibt solche (leider nicht allzu viele), deren Ausgaben mühelos ged «kt werden. Das sind in der Regel Anstalten, die entweder gänzlich von der Jüdischen Gemeinde erhalten werden (Berlin) oder wenigstens von ihr oder ein« anderen Körperschaft in einem Maße subventioniert w«den, daß Subventton und Einnahmen aus Schulgelder das Budget balanzieren. An vielen Orten ringen die Sprachschulen schw« um ihre Existenz, und es bedarf häufig größter Anstrengungen, um sie am Leben zu erhalten. Die subventionierenden Körperschaften sind in zahlreichen Fällen die lokalen Jüdischen Gemeinden (Dresden, Duisburg, Frankfurt a. M., Hamborn, Hamburg, Königsberg, Leipzig, München, Nürnberg), an mehreren Orten auch die Logen (Breslau, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Nürnberg), in anderen Fällen spezielle ad hoc gegründete Körperschaften (z. B. ln Breslau der ״Verein der Hebräischen Sprachschule", in Königsberg die ״Freunde der Sprachschule"), in vielen Fällen auch die Zionistischen Ortsgruppen (Breslau, Hamburg, München, Nürnberg; häufig durch kostenlose zur Verfügungstellung von Unterrichtslokal, Heizung und Licht), sowie private Gönn« und Freunde der hebräischen Sprache. Es hat sich bei dem hohen Prozentsatz jugendlicher Teilnehmer, die zum größten Teil entwed« überhaupt noch nicht erwerbstätig sind oder knapp ihren Lebensunterhalt verdienen, in den meisten Orten als unmögükh «wiesen, das Schulgeld so hoch zu bestimmen, daß die Schulen auf der Basis der Einnahmen aus Schulgeldern existi«en können, zumal die teilweise Ermäßigung und gänzliche Befreiung Unbemittelt« die Einnahmen noch weiter erheblich verminderten. Vielmehr bedurfte es in allen Fällen, in denen es sich um bezahlte Lehrkräfte handelte (und das ist die Regel), der Subvention jüdisch« Organisationen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Förderung des hebräischen Unterrichte eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Gesamtheit ist und daß die Vertretung dieser Gesamtheit, die Jüdische Gemeinde, in erster Linie zur finanziellen Hilfe dieser Schulen herangezogen werden muß. Heute haben an vielen Orten die Jüdischen Gemeinden sich Überhaupt noch gänzlich von jeder Beteiligung an dieser Arbeit zurückgehaiten oder eine so spärliche Subvention gewährt, daß diese Summen eine nur sehr wenig fühlbare Wirkung haben. Hier «öffnet sich unseren Vertretern in den Gemeinden noch ein weites Feld fruchtbarer Tätigkeit In erster Linie ist eine systematische Aufklärungskampagne in den Gemeindestuben nötig, denn in vielen Fällen ist an der Vernachlässigung dieser Arbeit durch die Gemeinden weniger schlechter Wille als mangelndes Verständnis schuld. Das neue Wintersemester nimmt in diesen Tagen seinen Anfang. Schulen, die ihre Tätigkeit nur fortzusetzen brauchen, kündigen den Beginn des Unterrichte an und geben das Winterprogramm und den Stundenplan bekannt. And«e Orte, die den Unterricht neu installieren oder reorganisieren müssen, halten erst bei den Vorarbeiten. Wieder andere rüsten sich jetzt erst zur Diskussion über die Frage, ob die Einladung einer besonderen Lehrkraft zur Abhaltung von Kursen bei der bekannten Unstetigkeit des Kursbesuches (nach erster Begeisterung folgt häufig ein rasches Abflauen des Interesses) nicht zu gewagt sei Allen diesen Orten und Personen, die sich zurzeit mit Fragen And Zweifeln solch« und and«« Art beschäftigen, sei es ans Herz gelegt, sich in all diesen Angelegenheiten an diejenige Stelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu wenden, die sich die Förderung und Organisierung der hebriischen Kulturarbeit in Deutschland zur Aufgabe gestellt hat (Briefadresse: Kulturausschuß, Zwickau Sa., Werdau« Str. 7). Pflicht jeder Zionistischen Ortsgruppe und jeder Jugendorganisation, in deren Stadt es keinen hebräischen Unterricht gibt, ist es, die Frage zu prüfen, ob nicht Möglichkeiten zur Einriehtung von Kursen und zur Bestellung eines Lehrers vorhanden sind. Der Ausschuß der Z. V. f. D. für Kultur- und Erziehungsarbeit wird in Fragen der geeigneten Propaganda, der Lehrer- Vermittlung, des Unterrichtsprogramms, der Lehrbüch« usw. mit Rat und Tat helfend zur Seite stehen. Dr. Max Mayer, Me Konierenz da1 Zionisten Ostgaliziens Lemberg, 2. November. 0*T. A.) Nach einer läng«en sehr bewegten Debatte, in deren Verlauf die von Frostig und Dr. Insler geführte Opposition die Leitung mit Dr. Leon Kelch an der Spitze, scharf angegriffen hat, wurde der bisherigen Leitung mit 71 gegen 17 Stimmen das Vertrauen ausmit 35 gegen 15 Stimmen akzeptiert. Präsident der Zionistischen Organisation Ostgaliziens ist Dr. Leon Reich, Vizepräsidenten sind Dr. Schntorax, Dr. Schreiber, Dr. Rosmarin, Generalsekretär ist Ehr. Rosenfeld•: Die übrigen Mitglied« der Exekutive sind 'Dr,. Barsach, Mos« Tisch«*•' Redakteur Hescheles, Dinah Kart, Df. Leser, J; Maffus, Dr. Minier, F. Tauber mid A. Step. Die JaMkenlerenz der weslgaiiidseheii Koaistea An der vorige Woche in Krakau abgehaltenen Jahreskanferenz der Zionisten Westgaliziens und Polnisch-ScHlesiens nahmen 132 Delegierte aus 54 Orten und 32 Mitglieder d« Exekutive und des Zentralrates teil. Dr. Thon, der infolge noch immer andauernder Krankheit nur an einem Teil der Berate»• gen teilnehmen konnte, bereitete die Konferenz stürmische Övafionen. Nach Erstattung einer Reihe von Referaten und durchgeführter reger Debatte wurde der abtretenden Exekutive eia* stimmig das Absalutoriun* erteilt Ke Neuwahlen ergaben fbt* - und Mitglieder Hollaettd«, Lauterbach und Salpeter. Der Ballour-Tag In Holland Am Mittwoch Abend, dem 2. November, fand In Arasterdam anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Balfour- Deklaration eine feierliche Versammlung statt Mehr als 700 Personen, Mitglieder des Holländischen Zionistenbund« und Kontribuanten des Keren Hajessod, welche Organisation nen die Veranstaltung organisiert hatten, wohnten der Versammkmg hei. Der Vorsitzende des Holländischen Zionisten* bundes, Dr. A. van Raalte, hielt eine feierliche Anspräche, worin er die Entwicklung der zionistischen Bewegung seit Herzls Zeit schilderte. Sodann wies Rabbiner S. Ph. de Vries auf die moralische Pflicht hin, weiche die Balfour-Deklaration alten Juden auferlegt hat Dr. B. A. Kahn, Schriftführer des Keren Haiessod-Direktoriums ln Holland, appellierte an die Juden Hollands, die noch immer die Augen für das große historische Geschehnis geschlossen halten. I>ie Versammlung schrieb Lord Balfour in das Goldene Buch des J. N.-r. ein. Die Feier ia Sofia Sofia, 4. November. (J.T. A.) ln der Großen Synagoge Sofias wurde aus Anlaß des 10. Jahrestages der Balfour-Dekiaration ein Festgottesdienst abgenalten, der massenhaft besucht war. Anwesend waren die Mitglieder des Zentralkonsistoriums der bulgarischen Juden mit dem Präsidenten an der Spitze und die Mitglieder des Rates der Jüdischen Gemeinde Sofias. Festreden hielten der Präsident der Zionistischen Organisation Buif. ..-«-- —■*— «»*-M-X -i— ־»—»—I bete für das Leben des Königs Boris und des Lord Balfour. Nach einer offiziellen Mitteilung sind im Verlauf de* Monats September 362 (davon 272 Juden) Personen in Palästina eingewandert und 793 (465 Juden) aus Palästina ausgewandert. Die Zahl der Einwanderer im August betrug 283, die der Auswanderer In dem gleiches Monat 748. Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Vorsitzender des Central- Büros der Agudas Jisroei, trifft diese Woche in Palästina zu mehrwöchigem Aufenthalt ein. Im Verlauf des Monats September haben 3473 Personen Syrien verlassen, unter ihnen 752 aus dem Libanon.

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