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Jüdische Rundschau · 1927-11-08 · Heft 89 (8.11.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 89 (8.11.1927)
Date
1927-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 89, 8.3Ö. 1027 Männer mit 25 Jahren und das passive erst vom 30. Lebensjahre. Der demokratische Charakter dieser Verordnung ist also höchst problematisch, wenn er auch in Galizien gegenüber dem bislicrfgen Zustand einen Fortschritt bedeutet Die Regierung hat sich auch das Recht reserviert, einige Mitglieder der Oemeinderäte und des Obersten Rates n 0 m i - n i e r e n zu dürfen. Kein Wunder, daß die jüdische Bevölkerung das neue Gesetz mit gemischten Gefühlen aufnahm. Ohne die Lichtseiten zu unterschätzen, wird fast überall lebhaft gegen die obigen nicht annehmbaren Bestimmungen protestiert. Zuletzt haben die Vertreter der ostgalizischen jMischen Gemeinden auf ihrer Beratung vor einigen Tagen in ietnberg ihrer Unzu* friedenheit starken Ausdruck verliehen. Dieser Tage wurden die zionistischen Abgeordneten beim Premierminister Pi 1 sudski und Bildungsminister Dob r u c k i in dieser Angelegenheit vorstellig. Der letztere beruhigte die jüdischen Vertreter und äußerte das prinzipielle Ein- Verständnis der Regierung mit einer Erweiterung der Kompelenzen der Gemeinden und forderte die jüdischen Organisationen auf, diesbezügliches Material vorzubereiten und der Regierung vorzulegen. Es ist mm abzuwarten, in welchem Geist die Regierung die Ausführungsbestimmungen zum Gewielndegesetz abfassen wird, * Den Verlauf des Schwarzbartprozesses in Paris begleitete die jüdische Bevölkerung in Polen mit der größten Spannung und Aufmerksamkeit. Hat doch die polnische Judenheit seinerzeit das Blutbad in der Ukraine als der unmittelbarste Nachbar am stärksten mitgefühlt, und ist damals als erste den ukrainischen Brüdern, von welchen viele noch in Polen leben, zu Hilfe gekommen. Nun haben wir es schmerzlich empfunden, daß fast die gesamte polnische Presse von rechts bis zu den sozialistischen Organen, den Sinn des Pariser Prozesses nicht verstanden hat, die Märchen über Schfwarzbart kritiklos ׳wiedergab und in der Glorifizierung Retljuras sich nicht genugtun konnte. Insbesondere zeichnete sich da die der gegenwärtigen Regierung nahestehende Presse aus. Petljura war eine gewisse Zeit der Verbündete Piisudskis, daher betrachtete begreiflicherweise die Presse dieses Lagers cs als ihre Pflicht, auch die Pogromtaten zu decken. Es verlautet auch, daß der dritte Verteidiger der Zivilanklage, Rechtsanwalt Poznanski aus Warschau (ein getaufter Jude), ein Anhänger des sogenannten Pilsudskischen Lagers, nicht ohne aktive Mithilfe dieser Kreise seine Tätigkeit in Paris entfaltete. Das Befreiungsurteii hat daher die polnische Presse in große Verlegenheit gebracht. Die Befürchtungen, daß der Pariser Prozeß die ukrainisch-jüdischen Beziehungen in Polen empfindlich benachteiligen werde, haben sich als unbegründet erwiesen. Die Erklärungen der jüdischen Zeugen wirkten beruhigend und die Perfektionierung des Minderheitenblocks zu den neuen S e j m w a h 1 e n in Polen, welche nächstens erwartet wird, wird all diesen Gerüchten ein Ende bereiten. ZurPsychologiedesAssimilanientums Charakteristischer Vorfall bei der Tagung des R.J.F. Ein eigentümlicher Vorfall anläßlich der Breslauer Tagung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten wird uns aus Kreisen des Frontbundes mitgeteilt. Zu der Tagung, waren sämtliche Behörden eingeladen und ließen sich auch vertreten. Der Oberpräsident von Breslau schickte als seinen Vertreter einen hohen Beamten, der selbst Jude ist. Diese Tatsache hat in den Breslauer Kreisen des Frontbundes Unwillen hervorgerufen, und der Präsident der Breslauer Ortsgruppe, Herr Dr. Frankel, soll sich ungehalten geäußert haben, es sei nicht angenehm, daß der Oberpräsident gerade einen Juden geschickt habe. Bei den offiziellen Begrüßungen wurde dann ״vergessen“, dem Vertreter des Oberpräsidenten das Wort zu erteilen, obwohl dieser die höchste anwesende Staatsbehörde repräsentierte. Der Vorsitzende, Dr. Frankel, gab sofort dem Oberbürgermeister das Wort. Diese Brüskierang seines in amtlicher Eigenschaft erschienenen Vertreters veranlaßte den Oberpräsidenten, einen Brief an die Ortsgruppe Breslau des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten zu schreiben, worin er erklärte, daß er wegen dieses Verhaltens es ablehnt, an künftigen Veranstaltungen des R. J. F. teilzunehmen. Es ist überaus bedauerlich, daß eine große jüdische Organisation sich einer solchen Zurechtweisung von seiten einer Behörde wegen ungehörigen Verhaltens aussetzt. Am aliersonderbarsten aber Ist der Vorfall selbst, der den Anlaß zu dieser Maßregelung gegeben hat. Der Frontbund gehört gewiß in die Reihe derjenigen Organisationen, deren jüdische Ideale sich nur bis zur Forderung staatsbürgerlicher Gleichberechtigung erstrecken. Diese Gleichberechtigung besteht aber doch wohl darin, daß Juden auch als Staatsbeamte allen anderen Bürgern gleich geachtet werden; Was soll man nun sagen, wenn die obersten Organe des Fronthundes selbst gegen diesen Grundsatz verstoßen und einen jüdischen Beamten, der in Ausübung seiner Amtspflicht erschienen ist, wegen seines Judentums desavouieren. Welche Ghetto-Gesinnung äußert sich darin, daß man lieber durch die Anwesenheit eines nichtjüdischen Beamten geehrt worden wäre! Man sieht, wie sehr die innere Unfreiheit des Assimilantenturns gerade der Erreichung ihres eigenen Ideals, nämlich der bürgerlichen Gleichberechtigung, im Wege steht, und wie sehr ihre Handlungsweise geeignet ist, das staatsbürgerliche Ansehen der jüdischen Gesamtheit zu schädigen. Wir sind sicherlich weit entfernt davon, die Gesamtheit des Frontbundes für diesen Vorfall verantwortlich zu machen, da auch dort einsichtige Kreise, wie uns bekannt ist, das Vorgefallene verurteilen. Aber uns scheint der Vorfall symptomatisch für eine bestimmte Ein- Stellung zu jüdischen Dingen, die man in assimilatorischen Kreisen innerhalb und außerhalb des Frontbundes findet. Deutlicher als theoretische Auseinandersetzungen veranschaulichen oft kleine Episoden des wirklichen Lebens die Wahrheit der zionistischen Erkenntnis. Scmeslcrbeginn an der Jerusalemer Universität Die Eröffnung des diesjährigen Lehrjahres an der Hebräischm Universität Jerusalem fand Sonntag, den 30. Oktober, statt. Die Eröffnungsrede hielt der Justiz-Chefsekretär der Palästinaregirrung (?entwich und aic ersten Vorlesungen Dr. Land a u , Professor der Mathematik an der Universität Göttingen, und Dr. Mann , Professor der jüdischen Geschichte am Hebrew Union College in Cincinnati, (Ziko.) Die Konferenz des United Palestine Appeal New York, 1. November. (J.T.A.) Am 31. Oktober begann in Cleveland die Konferenz des United Palestine Appeal, die über die im Jahre 1928 für die zionistischen Institutionen aufzubringende Summe zu bestimmen hatte. Es wurde für das Jahr 1928 eine Quote von T500000 Dollar angenommen; diese Summe soll im Verlauf des kommenden Jahres durch die Komitees des United Palestine Appeal aufgebracht und dem Palästina-Aufbau zugeführt werden. Die Delegierten selbst brachten unter sich eine Summe von 300000 Dollar auf, die der zionistischen Exekutive in Jerusalem noch vor dem 1. Januar 1928 übermittelt werden wird. Dr. Stephen S. Wise wurde zum Ehrenpräsidenten des United Palestine Appeal, Richter Lewis zum Präsidenten des Komitees wiedergewählt. Die Tagung verlief sehr bewegt. Mehr als 1000 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten waren anwesend. Dr. Stephen S. Wise übte scharfe Kritik an der zionistisehen Führerschaft und an der britischen Regierung wegen der bis jetzt hinsichtlich des jüdischen Nationalheims in Palästina befolgten Politik. Die britische Regierung, führte Dr. Wise aus, hat die von ihr übernommenen Aufgaben, die Arbeit der jüdisehen Pioniere bei der Schaffung des Jüdischen Nationalheims zu erleichtern und zu unterstützen, nursehr mangelhaft erfüllt. Aber die Verantwortung ruht nicht allein auf ihr, denn auch die zionistische Führerschaft hat es unterlassen, mit dem gehörigen Nachdruck die gerechten jüdischen Forderungen zu vertreten. Der zionistischen Exekutive in Jerusalem kann der Vorwurf fehlerhafter Verwaltung und partel- Ischen Regimes nicht erspart werden. Großer Erregung be-!nächtigte sich der Zuhörer, als Dr. Wise auf die Gründe zu sprechen kam, die ihn veranlaßten, den Zionisten-Kongreß in Basel zu verlassen und vorzeitig in die Vereinigten Staaten zurückzukehren. Ich drohe nicht, die Zionistische Organisation zu verlassen, sagte Dr. Wise; ich drohe in ihr zu verharren, um innerhalb der Organisation zu kämpfen, ich bin weder für Weizmann, noch gegen Weizmann, weder pro-britisch, noch anti-britisch. Auch bin ich nicht für oder gegen Brandeis; ich bin für Palästina. Dr. Wise skizzierte den Vorschlag, den er in seiner Eigen- Schaft als Vorsitzender der Politischen Kommission des Kongresses gemacht hat und der darauf hinausging, eine Kornmission unter dem Vorsitz Dr. Weizmanns einzusetzen, die mit der britischen Regierung über eine Neuordnung ihres Verhältnisses zum Zionismus und zum Jüdischen Nationalheim verhandeln soll. Die politische Arbeit, sagte Dr. Wise, darf nicht einem Manne überlassen werden, der britischer Untertan ist; sie muß einem Komitee anvertraut werden, das sich aus Zionisten der ganzen Welt zusammensetzt. Dr. Wise schilderte, wie dieser Vorschlag zum Ausgangspunkt einer Meimmgsverschiedenheit zwischen ihm und Dr. Weizmann geworden ist und wie er von der Mehrheit der Politischen Kommission desavouiert worden ist. Ich habe, schloß Dr. Wise, ein Recht, an der britischen Regierung hinsichtlich deren Arbeit in Palästina Kritik zu üben, weil ich ein Freund und Unterstützer der britischen Regierung gewesen bin. Miß Henrietta Szold, die Präsidentin der Hadassah und Mitglied der zionistischen Exekutive in Palästina, Welt auf der Konferenz eine Ansprache, in der sie ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gab, daß Dr. Weizmarn bei seiner Anwesenheit in Palästina den Arbeitslosen von Tel-Awiw eine außerordentliehe Zuwendung von £ 300 wöchentlich machte, ohne vorher die palästinensisch-zionistische Exekutive zu befragen. Dabei ist zu bedenken, fuhr Miß Szold fort, daß die zionistische Exekutive nicht in der Lage sei, £ 50#) für kleine Gläubiger der Baukooperative Solei Boneh aufzubringen, wodurch die Kooperative dem Bankerott nahe kommt. Miß Henrietta Szold richtete einen flammenden Appell an die amerikanischen Zionisten, sich geschlossen hinter die neue Exekutive zu stellen, den United Palestine Appeal reichlich zu unterstützen und so die Durchführung der Arbeit in Palästina zu ermöglichen. Louis Lipsky, der Präsident der amerikanischen Zionistisehen Organisation, unterstützte den Appell von Miß Szold um größere Zuwendungen. Es wurden auf der Konferenz Begrüßungstelegram me von Lord Balfour, Lord Cecil, Lloyd George, General Smuts u. a. m. verlesen, die das Vertrauen in die Zukunft des Zionismus ausdrücken und erklären, daß, wenn die Juden ihr Teil leisten, sie sicher sein können, daß Großbritannien sein Teil leisten werde, um die Balfaur-Deklaration zu verwirklichen. Die Konferenz nahm eine Resolution an, in der die britische Regierung aufgefordert wird, ihre Politik ln Palästina nach der Richtung zu ändern, daß sie von jetzt ab die jüdische Arbeit im Lande erleichtert und fördert. Die Konferenz spricht gleichzeitig der britischen Regierung Vertrauen und Dankbarbelt aus, unterstreicht aber energisch die Notwendigkeit einer Verbesserung der Palästina- Administration. Es wird insbesondere die Aufmerksamkeit auf die fiskalischen Maßnahmen in Palästina gelenkt und erklärt, daß diese Maßnahmen ungerechtfertigt sind und schwer auf die Kolonisationstätigkeit im Lande lasten. Eine Erklärung Dr. Eders zum Falle Wise London, 3. November. (}. T. A.) Herr Dr. M. D. Eder, Mitglied der zionistischen Exekutive, teilt der J. T. A. mit: Dr. Stephen S. Wise ist während der Konferenz des United Palestine Appeal der Zionisten Amerikas auf seinen Rücktritt von der Präsidentschaft der Politischen Kommission des letzten Zionistenkongresses und seine vorzeitige Abreise aus Basel zu sprechen gekommen. In meiner Eigenschaft als Mitglied der letzten Exekutive habe ich allen Sitzungen der Politischen Kommission beigewohnt und sehe mich gezwungen, über das, was in dieser Kommission wirklich geschah, folgendes zu erklären: Jedes Kongreßmitglied weiß es, daB die ersten Tage der Kommissionen, ebenso wie die des Kongresses, der Kritik an der Arbeit der Exekutive gewidmet sind, und daß die späteren Sitzungen der Fassung von Resolutionen Vorbehalten sind, die — bevor sie dem Plenum vorgelegt werden — von der Exekutive zu prüfen sind. Es steht der Kommission natürlich frei, von der Exekutive für solche Resolutionen gemachte Vorschläge anzunehmen, abzulehnen oder abzuändern. Dieses Verfahren wurde von den Mitgliedern der Politischen Kommission befolgt. Nachdem Dr. Wise zum Vorsitzenden der Kommission gewählt worden war, unterbreiteten Colonel Kisch, Dr. Jacobson und ich unsere Berichte. Die Kritik begann. Am Vormittag des zweiten Tages richtete Herr Tulin Angriffe gegen die Exekutive, die sich auf Ihren Verkehr mit der britischen Regierung bezogen. Den Ton dieser Kritik möge man nach der Tatsache beurteilen, daß Herr Jabot insky, der nächstfolgende Redner, ausführte, es bleibe ihm kaum übrig, etwas hinzu zufügen, indem Herr Tulin alle Kritik, die er, Jabotfnsky, vorzubringen hatte, in noch schärferer Form vorweggenommen hatte. Am Schlüsse seiner Rede unterbreitete Tulin eine Resolution. Die Resolution, nicht auch die Kritik an der Exekutive, wurde von Philipp Guedalla unterstützt. Bernard Shelvin und Richards schlossen sich der Kritik Tulins an. Die Haltung dieser drei amerikanischen Delegierten in der Politischen Kommission war so auffallend, daß ein Mitglied der Linken seine Kritik mit der Bemerkung einleitete, gegenüber der Haltung der drei Vorredner werde das, was er vorzubringen habe, wie eine Verteidigung der Exekutive klingen. Tulin forderte in seiner Resolution, daß der Kongreß einen Sonderausschuß einsetze, der aus dem Präsidenten der Zionistischen Organisation und vier anderen Herren bestehen soll; die Kommission solle alle wichtigeren fiskalischen Probleme nochmals einer Prüfung unterziehen und der Regierung der Mandatsmacht Vorschläge machen. Gegen diese Formulierung hatten ich und andere Mitglieder der Exekutive Einwendungen erhoben und darauf hingewiesen, daß es einen Mangel an Vertrauen in die zu wählende Exekutive bedeuten würde, wenn eine außerhalb der Exekutive stehende Körperschaft über die Häupter der Exekutive hinweg der Regierung Vorschläge unterbreiten sollte. Im übrigen hatte kein Mitglied der Exekutive gegen das Bestehen eines Sonderkomitees von Experten oder Nichtexperten, die sich mit fiskalischen Problemen zu befassen hätten, etwas einzuwenden. Angesichts der Haltung dieser drei amerikanischen Mitglieder der Politischen Kommission ersuchte ich Dr. We i z - mann, mit den amerikanischen Delegierten in Fühlung zu treten, um ihre allgemeine Stellungnahme zu erkunden. Dr. weizmann wohnte am dritten Tage der Beratung der Politischen Kommission bei, behandelte eingehend das Jewish Agency-Problem und bemerkte dazu, daß er nicht in der Lage sein würde, die Führung zu behalten, wenn die A m e r i k a n e r, die die größte Gruppe des Zentrums sind, nicht hinter ihm stehen. Ich erwiderte den verschiedenen Kritikern und stellte fest, dab weder ich, noch ein anderes Mitglied der Exekutive, Ein- Wendungen machen wolle. Herr C h a r I e s C o w a n, ein anderes amerikanisches Mitglied der Politischen Kommission, erklärte nun, daß Herrn Tulins Resolution noch nichtGegenstandeinerDiskussioninnerhalbderamerikanischen Delegation gewesen ist. Daraufhin teilte Dr. Wise mit, daß er im Hinblick auf die Haltung von Dr. Weizmann und die Erklärung von Cowan nicht in der Lage sei, sein Amt in der Kommission weiter zu behalten. Wir erfuhren zum erstenmal, daß Dr. Wise und Guedalla an dem Entwurf von Tulins Resolution mitgearbeitet hatten. Nach der Abreise von Dr. Wise wurden Sokölow und ich gebeten, an der Abfassung der verschiedenen Resolutionen mitzuwirken. Ich möchte nun die folgenden Punkte völlig klären: 1. Weder von Dr. Weizmann noch von mir, noch von irgendeinem anderen Mitglied der Exekutive wurde ein Einwand gegen Kritik an der Leitung erhoben, so heftig im Ton und so inkorrekt in der Auffassung sie sein möchte. 2. Einen Einwand erhoben wir nur gegen Tulins Resolution, weil wir in der Errichtung einer vom Kongreß gewählten Sonderkommission außerhalb der Exekutive eine Ignorierung der zukünftigen Exekutive erblickten. 3. Dr. Wises Anteil an der Abfassung der Resolution war der Exekutive und —- wie ich glaube — den meisten Mitgliedern der Kommission mit Ausnahme der Herren Tulin und Guedalla unbekannt. 4. Dr. Weizmanns Schwierigke!t lag nicht allein in dey ,Tnteach« dar iinb#i|1gung <f*r,Resolution Ttilins, sondern auch darin, daß die Gefahr eines Abfalls einer großen Gruppe von Anhängern der Weizmann-Politik bestand. 5. Dr. Weizmann war nicht mehr anwesend, als Dr. Wise seinen Rücktritt erklärte und den Raum verließ. 6. Ich vermag über die Beziehungen zwischen Dr. Wise und der amerikanisenen Delegation nichts aus erster Hand zu sagen, allein ich habe alle Ursache zu glauben, daß diese Beziehungen seht herzlich waren und daß jeder andere Eindruck, den Dr. Wise haben mochte, auf ein Mißverständnis zurückzuführen sein muß. Stephen Wise gegen England New York, 3. November. (J.T.A.) Während dei Tagung des großen Komitees für den United Palestine Appeal in Cleveland am 2. November fuhr Dr. Stephen S. Wise in seiner scharfen Kritik gegen die britische Regierung wegen ihrer Palästina-Politik fort. Zur Illustrie• rang der Lage wies er auf die jüngsten Mitteilungen über die Vergebung der Konzession zur Ausbeutung de! Salze aes Toten Meeres hin, die so unklar und widersprechend lauten. Wie immer die Bedingungen der Konzession aber sein mögen, wir Zionisten werden darauf beharren, daß die Bestimmungen des Mandats betreffend die Kontrolle über die natürlichen Schätze Palästinas und deren Ausnutzung beobachtet werden und daß die Erträgnisse weder irgendeinem ein• zelnen Juden, noch irgendeiner Gesellschaft von englischen Nichtjuden, sondern dem Lande und dem Volke zugute kommen. Der Völkerbund würde einer Ausbeutung eines Haupt• aktivums von Palästina nur dann zustimmen, wenn dies im Interesse des Landes geschieht. Britische Gerechtigkeit und britische Vernunft würden nicht einen Akt billigen, der dem Geiste der Balfour-Deklaration und des Mandates widerspräche selbst wenn die zionistische Führerschaft und die Zionistische Organisation dazu schweigen würden. Dr. Wise kam dann noch auf den Artikel des ״M a n ehester Guardian“ zum zehnten Jahrestag der Balfour• Deklaration zu sprechen, ln diesem Artikel bemerkt das Blatt daß noch kein Jahrestag der Balfour-Deklaration mit w e n i g e t Enthusiasmus begangen worden ist als dieser, und daß die Juden Palästinas über viele Maßnahmen der Regierung ernste Klage führen und besonders durch den Abschluß des Palästinensisch *Syrischen Handelsabkom mens, das nach ihrer Ueberzeugung unvermeidlich viele indu■ strielle Unternehmungen der Zionisten in Palästina ruinieren muß, in Bestürzung geraten sind. Der Hinweis auf dies Ab kommen, sagte Dr. Wise, zeugt von Einsicht und Mitgefühl Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder widmet die britische Re■ gierang den wirtschaftlichen Notwendigkeiten Palästinas keiner• lei Beachtung oder unsere Repräsentanten in- und außerhall: des Landes lassen es an der notwendigen Intelligenz und Festig■ keit fehlen. Man soll nicht Palästina als Kronkolonie, noch dazu ohne die Vorteile einer solchen, behandeln. Mag die zio• nistische Führerschaft in London glauben, ohne die Mitarbeit der Zionisten anderer Länder mit den Schwierigkeiten fertig werden zu können; ich glaube nicht, daß sie dies kann. Weizmann und Sokolow wieder in London Dr. Weizmann* ist von seinem mehrwöchigen Aufcnthalt in Palästina nach London zurückgekehrt. Gleichzeitig traf Nahum S o k o 1 o w aus Italien in London ein. Aus Anlaß der Rückkehr der beiden Führer wurde eine Sitzung der zionistischen Exekutive abgehalten, in der eine Anzahl wichtiger Fragen betreffend die zukünftige Arbeit in Palästina und ein Plan intensiver Tätigkeit in der Diaspora durchgesprochen wurden._

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