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Jüdische Rundschau · 1927-11-01 · Heft 87 (1.11.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 87 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 818 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 1.3a 1927 Der Schwarzbart-Prozefj Die PISdoyer» Paris, 26. Oktober. (J. T. A.) Ueber den denkwürdigen heutigen Tag ist noch zu berichten: Den Geschworenen wurden die folgenden fünf Fragen vorgelegt: 1. Ist Schwarzbart schuldig, auf Simon Petljura geschossen zu haben? 2. Haben die Schüsse den Tod Petljuras verursacht? 3. Hatte Schwarzbart die Absicht, Petljura zu töten? 4. Hatte Schwarzbart mit Vorbedacht gehandelt? 5. Hatte er Petljura in einen Hinterhalt gelockt? Es begannen hierauf die Plädoyers der Zivilankläger und des Verteidigers. Zunächst sprach der AdvokatWilm, dessen Rede voll von antisemitischen Ausfällen war und der nachzuweisen versuchte, daß Schwarzbart Mitwisser fehabt und als Agent der russischen Sowjets gehandelt habe. r könne somit nicht als der idealistische Rächer seines Stammes angesehen werden, als den die Verteidigung ihn im Laufe der Zeugenvernehmung hinzustellen versucht habe. Petljura bezeichnete er als den Held der Ukraine, als edlen Märtyrer, dessen Andenken man jetzt zu beschmutzen versucht. In Wirklichkeit fei Petljura nicht für die Pogrome verantwortlich, da selbst 350 Mann deutsche Truppen nicht imstande gewesen seien, sie zu verhindern. (Bekanntlich setzten die Pogrome erst ein, als die deutschen Truppen die Ukraine verlassen hatten und Petljura zur Macht gekommen war. Die Red.) Die Geschworenen dürfen nicht zugeben, fuhr Wilm fort, daß das Andenken Petljuras verleumdet und er moralisch zum zweiten Malegetötet werde. Seit Monaten zirkulieren in den jüdischen Gemeinden Listen, um die Mittel für die Verteidigung Schwarzbarts und für einejüdische Propaganda zusammenzubringen; Israel habe den Mörder Schwarzbart zum Verteidiger seiner Sache gewählt. Wilm versuchte, die Zeugen der Verteidigung zu verdächtigen und sagte, alle, die gegen Petljura ausgesagt hätten, seien Juden oder Russen. Das jüdische Volk, so schwer es geprüft sei, habe eine Art von Virtuosität auf dem Gebiete des Klagegeschreies entwickelt. Man müsse den Juden vorwerfen, daß sie allzu oft mit den Sowjets gemeinsame Sache gemacht hätten. Wilm verlas Teile aus irgendwelchen Dokumenten, die seine These beiegen sollten und fragte zum Schluß, wie es kommt, daß Schwarzbart Petljura erst im Jahre 1926 in Paris getötet habe, wo er das früher anderswo tun konnte. Milder waren die Ausführungen des zweiten Vertreters der Witwe Petljuras, des Advokaten C a m p i n c 11 i, der nachzuweisen versuchte, daß Petljura kein Antisemit gewesen sei, in seinem Ministerium Juden gehabt hat, stets gegen die Pogrome protestiert und niemals einen Pogrombefehl unterzeichnet hat. In dem gleichen Sinne wie Campinchi sprach der Staatsanwalt, der der Ansicht Ausdruck gab, daß es nicht von wesentlicher Bedeutung sei, festzustellen, inwieweit Petljura für die Pogrome verantwortlich zu machen sei. Mord sei Mord. Tatsächlich sei Petljura kein Antisemit, eher ein Philosemit gewesen. Wie dem aber sei, Schwarzbart habe nicht das Recht gehabt, als Rächer aufzutreten. Habe er dies getan, dann müßte er auch die volle Verantwortung für seine Tat auf sich nehmen, dann müßte er nicht den Freisprach erbitten, sondern die schlimmste Verurteilung hinnehmen. In einer groß angelegten Verteidigungsrede erläuterte Advokat Torrfcs die psychologischen und seelischen Hintergründe der Tat Schwarzbarts, erklärte, Schwarzbart habe keinerlei Mitwisser gehabt und sei ohne jede Verbindung mit irgendwelchen politischen Parteien gewesen. Er trat nicht allein als Rächer des vergossenen Blutes seiner Angehörigen und seiner Rasse auf, sondern er fühlte sich auch von der Pflicht gedrängt, denjenigen zu treffen, der auch weiterhin Haß gegen seine Brüder säte. Unter dem Rufe ״Es lebe unser Väterchen Petl וי*!“ veranstalteten die Soldaten ihre grausamen Massacres. bis zur äußersten Linken, haben die Pogrome verurteilt. Frankreich, das den vom Fanatismus der Völker gehetzten Juden Asylrecht gegeben habe, werde für diese Tat Verständnis aufbringen. Torres schloß mit den Worten: Wenn ihr den Angeklagten nicht freisprecht, so werdet ihr den tieferen Sinn dieses Prozesses fälschen und ihr werdet auch die Gesinnung Frankreichs fälschen. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo sich die Stimme Frankreichs erheben soll. Sie wird nicht geschmälert aus dieser Verhandlung hervorgehen. Die Schlußworte von Torres wurden von den Zuhörern mit starkem Beifall aufgenommen, weswegen der Vorsitzende den Saal räumen ließ. Kurz vor sechs Uhr zogensichdieGeschworcnen zur Beratung zurück. Vorher gab ihnen der Vorsitzende eine Rechtsbelehrung, wobei er betonte, daß das Strafausmaß von einer geringen Gefängnisstrafe bis zur Todesstrafe gehen könne. Nachdem die Geschworenen einige Zeit beraten hatten, erschien deren Vorsitzender im Saale und bat den Verteidiger Teures, ihnen einige Aufklärungen zu geben. Torres entsprach der Bitte. Nach einer halben Stunde weiterer Beratung erschien der Juryvorsitzende im Gerichtssaale und erklärte unter äußerster Spannung der Zuhörerschaft b felerliehem Ton, die Geschworenen hätten einstimmig, nach Schwarzbart nicht schuldig sei. Die Menge im Gerichtssaal brach in Jubel aus, Rufe ״Es lebe Frankreich!“ wurden laut. Die Kundgebung dehnte sich auf die Couloirs und auf die Straße aus, wo eine unübersehbare Menschenmenge auf das Bekanntwerden des Urteils- Spruchs «׳artete. Schwarzbart selbst blieb nach Verkündigung des Gesclrwo• renenspruchs und nach der Erklärung des Gericntsvorsitzenden, daß er freigesprochen sei, äußerlich ruhig, seine Frau aber weinte. Die Freilassung wurde für Donnerstag angekündigt. * Paris, 28. Oktober. (J.T. A.) Schwarzbart wurde sofort nach dem freisprechenden Urteil ausder Haft entlassen. Die Mitteilung, daß er erst am nächsten Tage den Justizpalast verlassen wird, wurde vom Gericht aus Gründen der Vorsicht gegeben, da man Akte der Petljura-Partei befürchtete. Der Verteidiger Torres hat es durchgesetzt, daß Schwarzbart nicht gleich in seine Wohnung zurückkehrfe, er brachte ihn zunächst an einen sicheren Ort, da auch er An- Schläge befürchtete. Die Besorgnis war gerechtfertigt, wenn man an die Schlußworte des Ziviladvokatcn der Familie Petljura denkt, der sagte: ״Wenn Sie Schwarzbart freisprechen, meine Herren Geschworenen, weil er die Leiden seines Volkes gerächt hat, dann müßten Sie auch den Bruder Petljuras freisprechen, wenn er den Mord seines Bniders an Schwarzbart rächen wird. Wer kann eine Bürgschaft für das Leben Schwarzbarts übernehmen, wenn er als freier Mann heute abend in seine Wohnung zurückkehrt?“ Es verlautet, daß Schalom Schwarzbart und Frau nach Palästina übersiedeln werden. Advokat Torrfes wurde eingeladen, nach Amerika zu kommen, um in der bevorstehenden Tagung des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses eine Rede zu halten. Wie es heißt, beabsichtigen jüdische Kreise in Paris, eine Zusammenkunft mit führenden Ukrainern abzuhalten, um zu versuchen, bessere Beziehungen zwischen Juden und Ukrainern herzustellen. Kundgebungen in Palästina und in Polen Jerusalem, 28. Oktober. (J. T. A.) Die palästinensisehen Zeitungen teilten in Extraausgaben die Freisprechung Schwarzbarts mit. Die Nachricht wurde von der jüdischen Bevölkening mit Freude aufgenommen. In Tel-Awiw wurde eine große Straßenkundgebung veranstaltet, wobei Fahnen mit der Aufschrift ״Es lebe Frankreich“ vorangetragen wurden. W a r s c h a ti, 28. Oktober. (J. T. A) Im jüdischen Viertel Warschaus hat die Meldung von der Freisprechung Schwarzbarts großen Enthusiasmus hervorgerufen. Zahlreiche aus der Ukraine stammende Juden, an der Spitze eine Gruppe Waisenkinder, deren Eltern in den ukrainischen Pogromen umgekommen waren, marschierten zur französischen Botschaft und zum französischen Generalkonsulat und veranstalteten eine Kundgebung für Frankreich. Rufe ״Es lebe Frankreich“, ״Es lebe die französische Gerechtigkeit“, wurden laut, zum Schluß stimmte die Menge die Marseillaise an. BläUerstimmen P a r i s , 27. Oktober. (J. T. A ) Die gesamte französische Linkspresse gibt ihrer ehrlichen Freude über die Freisprechung von Schalom Schwarzbart Ausdruck. Aber auch die großen Boulevardblätter, die sich vor dem Prozeß 1 -yTMder- PcLijara-Partei mfortmeren ließen, enthalten sich einer Kritik über das Urteil und fassen sich sehr kurz. ״Petit Parisien“ schreibt: ״Das Urteil war zu erwarten, die Geschworenen hatten schon vor Beginn der Beratung durch ihre Tränen ihre Antwort gegeben.“ Die Zeitung ״Oeuvre“ meint, alle die im Herzen noch das Gefühl für Gerechtigkeit hatten, erwarteten den Freispruch. ״Paris matinal“ erklärt, die braven Leute, welche den Mörder Petljuras freigesprochen haben, hätten der ganzen Menschheit einen Dienst erwiesen, die Würde der Welt wieder hergestellt und das schwarze .Bild der Pogrome aus der Welt geschafft. ״Figaro“ kritisiert scharf den Freispruch und meint, der Spruch des Gerichtes ziehe ihm die ausländische Kundschaft der Mörder zu. Das Urteil von gestern zeige, daß die internationalen Rächer richtig daran täten, auf die Schwäche des französischen Schwurgerichts zu bauen. Im ״V i c 10 i r e“ spricht Gustave Herve von dem ״klassischen“ Freispruch. Die reaktionäre Presse, die unter Führung des ״Echo de Paris“ vom ersten Tage des Prozesses ab Schwarzbart als einen bolschevvistischen Agenten hingestellt und seine scharfe Bestrafung gefordert hat, erklärt den Freispruch für eine Schande der französischen Justiz. — Sämtliche Blätter aber behaupten, daß bei der meisterhaften Führung der Verteidigung durch Torres schon von Anfang an ein ireisprechendes Urteil zu erwarten die Kellner und die Gäste wollten Einzelheiten wissen. Frau Fiambom lud uns für den nächsten Tag ein und versprach allen Zeugen und Journalisten Freisekt. (Die Einladung wurde angenommen, aber die Durchführung kam nicht zustande.) * Vom Fiambom ging ich auf das ״Plätzel“. So heißt das Zentrum des Judenghettos in Paris. Dort standen die Leute dicht gedrängt. Alle freuten sich, alle wußten tausend Dinge zu erzählen, und die Legende spann bereits wunderliche Blüten um das Haupt von Henry Torres und ״Schalom“ Schwarzbart (unser Scholeml), den das ״Plätzel“ als zugehörig, als Fleisch von seinem Fleische und Blut von seinem Blute betrachtet. * Schließlich um Mitternacht im Cafe ״Rotonde“. Dieses ist ein ״Romanisches'Kaffeehaus“ mit der Zahl zehn multipliziert. Dort diskutierten Juden aus allen Ecken und Ländern der Welt über den Prozeß, seine verschiedenen Phasen und seinen Ausgang, während Zeitungsverkäufer ununterbrochen die Extraausgaben feilboten, in denen die Reden des Verteidigers und das Verdikt der Geschworenen zur Kenntnis von Paris und der ganzen Welt gebracht wurden. * Nach Mitternacht gingen wir nach Hause, durch die wundervollen breiten Boulevards und Avenues. Der Zauber dieser ״schönsten Stadt der Welt“ erfaßte uns. Und tief im Herzen fühlte ich, daß jeder Mensch zwei Vaterländer hat: das seine und Paris... Und während ich im Verhandlungssaale trotz des Tosens und Rufens der enthusiasmierten Menge still geblieben war, wiederholte ich jetzt leise vor mich hin: ״Vive la France, Vive la France“, und dankte auf diese Weise für meinen Teil diesem Lande, diesem Volke, welches durch den Freispruch Schwarzbarts vergessen macht, daß es vor 33 Jahren den unschuldigen Dreyfus verurteilt hat. * Und dann die Amerikaner. (Nicht unsere Freunde!) Die sind ein Kapital für sich. Am nächsten Tage erschien im Büro des Komitees der Vertreter eines der größten Hotels von New York und überbrachte die Einladung für Schwarzbart und seine Frau, ein ganzes Jahr lang unentgeltlich Aufenthalt in dem vornehmen Gasthof zu nehmen. Man bedenke diese Reklame! Ein anderer Amerikaner erschien ganz früh (offenbar um Konkurrenten das Feld abzujagen) und wollte partout verhandeln, daß Schwarzbart in allen Stadien Amerikas Vorträge halte. Der Mann wurde höflich aber entschieden an die Tür befördert. Wie die Dinge liegen, denkt Schwarzbart nicht daran, sich für amerikanische Geschäftemacher mißbrauchen zu lassen. Mich hestärkten diese Intermezzi in meiner auf Amerika bezüglichen Devise: Nicht einmal begraben möchte ich dort werden. * Am 28. früh, 14 Stunden nach dem Freispruch, kamen die ersten Glückwunschdepeschen aus Kanada, aus Tel-Awiw, aus Polen und Rumänien, aus Ungarn und Süd-Amerika — alle Länder, in denen Juden leben, waren unter den Glückwünschenden. Außerdem gratulierten große jüdische Organisationen. Unter diesen die zionistische Exekutive in London. Mit gutem Recht. Denn trotzdem das Interesse aller Zionisten in den letzten zwei Jahren gespannt an Palästina und den Vorgängen in diesem Lande hing, fanden viele Zionisten Zeit, um sich der Sache Schwarzbart zu widmen, und nicht zuletzt ihrer Arbeit und ihrem Auftreten im Gericht ist der Freispruch in Paris zu verdanken. Die deutsche Mark von 1914 bis 1924. Dieses im philatelistischen Verlag von E. Schuster in Nürnberg erschienene Büchlein bringt im ersten Teil sämtliche deutsche Reichsbanknoten, Reichskassen- und Darlehenskassenscheine der Vorkriegs-, Kriegs- und Inflationszeit von 1 Mk. bis zum 100 Billionenschein nebst erläuterndem Text. Der 2. Teil enthält die Briefmarken des Deutschen Reiches von 1914 bis 1924 (von der 2 Pfg-Germania- bis zur 50-M₪arden-Marke). Der Preis desselben beträgt 1,— M. Die zwölfte Tagung der Mandatskommission K-y, Genf, Ende Oktober 1927. Auf der Tagesordnung der zwölften Tagung der Mandatskommission finden wir keinerlei Palästinafragen vor. Die Kommission hat die Jahresberichte der Mandatarmächte nachstehender Gebiete zu prüfen: Irak (britisches Mandat, Kategorie ״A“), Kamerun und Togo (britisches Mandat, Kategorie ״B“), RuandadJrundi (belgisches Mandat, Kategorie ״B“), Inseln Samoa (neuseeländisches Mandat, Kategorie ״C“, ehemals deutsehe Inseln im ruhigen Ozean, nördlich vom Aequator (japanisches Mandat, Kategorie ״C“). An dieser Tagung nimmt zum ersten Male das neuemannte deutsche Mitglied, Herr Dr. Ludwig Kasti, teil. Die Zahl der_ stimmberechtigten Mitglieder der Kommission — die ursprünglich durch den Rat in der Konstitution der Kommission aut neun festgesetzt wurde — ist schrittweise, durch die Ernennungen im Dezember 1924, des Herrn Professors W. Rappard und im Verlaufe der letzten Ratstagung des Herrn L. Kasti, auf elf gewachsen. Als zwölftes Mitglied, jedoch mit bloß beratender Stimme, wohnt den Sitzungen der Kommission auch noch der Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes, Herr H. A. Grimshaw, bei. Es ist zu bemerken, daß das Stimmverhältnis zwischen den Mitgliedern, die Staatsbürger von Mandatarmachten sind, und solchen, die Staaten angehören, welche keine Mandate besitzen, nunmehr zugunsten der letzteren gewachsen ist und sich anstatt wie früher 5:4 jetzt wie 7 :4 verhält. Unter den allgemeinen Fragen steht auf der Tagesordnung auch die Frage der ״Kodifikation der Beschlüsse betreffend die Prozedur in Petitionsangelegenheiten“, die eine größere Aufmerksamkeit verdient. Diese Prozedur wurde durch einen Beschluß des Rates vom 31. Januar 1923 festgelegt und enthält folgende Hauptbestimmungen: Alle durch die Bevölkerung der Mandatsgebiete verfaßten und für den Völkerbund bestimmten Petitionen müssyn ihm durch Vermittlung der Mandatarmacht zugeschickt werden. Die Mandatarmacht fügt ihnen die von ihr für nötig erachteten Bemerkungen bei. Petitionen, die das Sekretariat des Völkerbundes auf einem anderen Wege, als durch Vermittlung der Mandatarmacht, erhält, werden den Petenten zurückgeschickt mit der Bitte, die vorgenannte Regel zu befolgen. Petitionen, die von außenstehenden Personen oder Institutionen, also nicht von der Bevölkerung der Mandatarmacht selbst herrühren, werden zunächst dem Vorsitzenden der Mandatskommission übergeben, welcher sie prüft und nach eigenem Ermessen als einer weiteren Behandlung würdig bzw. unwürdig erklärt*). Im ersten Falle wird die Petition der Mandatarmacht zugeschickt mit *der Einladung, ihre Bemerkungen, falls sie solche für nötig hält, der Kommission binnen einer Maximalfrist von sechs Monaten zukommen zu lassen. Im zweiten Falle, d. h. im Falle der Abweisung, gibt der Vorsitzende in seinem Bericht an die Kommission die Gründe der Abweisung der Petition an. In den Protokollen der elften Tagung der Mandatskommission finden wir ein interessantes Beispiel einer solchen abgewiesenen, das Palästinamandat betreffenden Petition, wir zitieren den diesbezüglichen Passus des ״Abgewiesene Petitionen“ betitelten Berichtes des Vorsitzenden: ״Palästina: 1. Brief, In hebräischer Sprache, des Herrn Benzion Brett* Schneider aus Skala a. Zbrucz (Polen), beinhaltend verschiedene Anregungen für die Administration Palästinas, sowie besonders die Bitte, daß die Einwanderungsbeschränkungen für Juden nach Palästina aufgehoben werden und der Bittsteller selbst sich dorthin begeben könne. ״Ich habe,“ sagt ■der -'Vofsimt# 'In'.'ftriaeip׳דÄeriehte, ״i^ese• 'PetitionTalgenden QrüräÄ'äte der Aufmerksamkeit der Kommission für nicht würdig erachtet: 1. ein Teil, der in ihr vorgebrachten Klagen ist unvereinbar mit den Bestimmungen des Palästinamandates, 2. ein anderer Teil war unlängst Gegenstand der Verhandlungen der Kommission, 3. die Petition bringt keine neuen Informationen, 4. die Bitte des Petenten um einen Paß zwecks Reise nach Palästina betrifft weder die Ausführung noch die Auslegung der Bestimmungen der Satzung ixler des Mandates.“ Auf Grand einer Anregung des Sekretariats will nun die Kommission an eine Zusammenstellung aller bisherigen Beschlüsse über die Prozedur in Petitionsangelegenhelten schreiten, wobei Sie sich auch bemühen wird, gewisse noch vorhandene Lücken dieser Prozedur auszufüllen. Im Laufe der Eröffnungssitzung hat der Vize-Präs i d e n t der Kommission van Rees — der soeben ein interessantes Werk über das Mandatssystem veröffentlicht hat**) — noch nachstehende Fragen angeführt, deren Diskussion ihm im Verlaufe der jetzigen Tagung als nötig erscheinen: Die Revision gewisser Bestimmungen des inneren Statutes der Kommission, die Besprechung der Anregung Dr. Nansens hinsichtlich einer Vermehrung deröffentliehen Sitzungen der Kommission (mit Ausnahme der Eröffnungssitzung sind alle Sitzungen der Kommission geheim), eine Reform in der bisherigen Art der Redaktion der Berichte der Kommission an den Kat und schließlich eine Initiative seitens der Kommission dahingehend, daß in den Handbüchern der Geographie für Volks- und Mittelschulen dem Manaatssystem Rechnung getragen werden möge. Mit Bezug auf diese letzte Frage, las Herr van Rees einen Artikel der französischen Revue ״La palx et le Droit“ vor, in weichem hervorgehobeu wird, daß die französischen Handbücher für Geographie die Mandatsgebiete als Kolonien der Mandatarmacht darstellen, ohne auch nur mit einem Worte das Mandatssystem zu erwähnen. Zwei der Mitglieder der Kommission, das englische und das japanische, durch wichtige Familienrücksichten am Kommen verhindert, nehmen an der Tagung nicht teil. Die Verhandlungen der Kommission werden mindestens zwei Wochen dauern. Der Kampt um den Numerus clausus Budapest, 27. Oktober. (J.T. A.) Der Zustand dez Unruhe dauert auch heute an den ungarischen Universitäten fort. Die Eingänge zu den Budapester Hochschulen sind von Studenten belagert, die mit Gewalt verhindern wollen, daß ein jüdischer Student ein Hochschulgebäude betritt. Wenn es einem Juden gelingt, in das Gebäude zu gelangen, so wird er mit Gewalt hinausgeführt und dazu noch mißhandelt. *) Zur Ausführung dieser wichtigen Funktion gab die Koinmission dem Vorsitzenden folgende Richtlinien: Der Vorsitzende wird diejenigen Petitionen als der Aufmerksamkeit der Kommission würdig erklären, die die Ausführung oejer Auslegung der Bestimmungen der Satzung des Völkerbundes oder der Mandatstexte betreffen, vorausgesehen, daß a) diese Petitionen nicht Klagen enthalten, welche mit den Bestimmungen der Satzung oder der Mandattexte unvereinbar sind, b) sie nicht anonym sind, c) sie nicht Klagen wiederholen, die Gegenstand einer der Mandatarmacht bereits vorgclegten Petition waren und keinerlei neue Information erhalten. **; M. van Rees, ״Les mandats internationaux“, Rousseau & Cie., editeurs» Paris Vc 14, rue Soufflot

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