Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 86 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 608 jUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 86, 28. X. 1927 Verwalter des Historischen Jüdischen Archivs. An der Hand von Daten, Ziffern und Dokumenten weist der Zeuge nach, daß die Pogrome von Offizieren der regulären Armee Petljuras nach einheitlichem Plan und in Verfolg einer bestimmten Politik inszeniert worden sind. Die Behauptung, daß Petljura nicht über die Macht verfügte, ist grundfalsch. Wo es alt, seine eigene Position zu befestigen, schreckte Petljura nicht avor zurück, die äußerste Energie zu entfalten und sogar höhere Militärs hinrichten zu lassen. Nur gegenüber Judenmördem zeigte Petljura eine große Nachsicht. Ein Minister des Kabinetts Peujura hat dem Zeugen mitgeteilt, Petljura habe in Gegenwart von Prof. Bruschewsli, dem ״Vater der ukrainischen Revolution“, und Kriegsminister Schukowski die Notwendigkeit der Pogrome unterstrichen und (largetan, daß man am besten die Disziplin in der Armee aufrechterhält, wenn man die Soldaten auf Pogrome hinlenkt. Jüdischen Abordnungen war Petljura unsichtbar. Die Kiewer oberste Militärbehörde verbot Geldsammlungen zugunsten der Pogromopfer. Die bekannten Führer bei Pogromen, General Angel, General Scheffer, General Struck und General Wolymitz, gehörten der regulären Armee Petljuras an. Scheffer und Petrow (auch ein berüchtigter Führer) wurden von Petljura zu hohen Aemtern berufen, dagegen wurde ein orthodoxer Bischof, Katkowsld, der die Schlächterei verhindern wollte, von Soldaten Petljuras getötet. Leo Motzkin als Zeuge erklärt, er wolle das Andenken Petljuras schonen, weil Petljura die Freiheitsbewegung der Ukraine verkörpert hat; aber er erklärte mit Bedauern, seine historischen Studien hätten ihm die Ueberzeugung verschafft, daß Petljura die Pogrome verhindern konnte, und daß er die notwendigen Befehle überhaupt nicht oder ver« spät et gab. Dieser Prozeß sei notwendig zur Reinigung der Atmosphä re. Erschütternd war die Aussage des Zeugen Jacob Safra, dessen einziger Sohn vor den Augen des Vaters getötet wurde, und der geschworen hat, an Petljura Rache zu nehmen. Er bat das Gericht, mit Schwarzbart die Verantwortung teilen zu dürfen, da Schwarzbart ihm nur in der Ausführung der Tat zuvorgekommen sei. 1 Abbruch des Zeagenverhör* Paris, 26. Oktober. (J. T. A.) Der Prozeß Schwarzbart nahm gestern Abend eine sensationelleWendung. Nach der Einvernahme Leo Motzkins und Jacob Safras, unmittelbar vor Schluß der Sitzung, nahm der Verteidiger Schwarzbarts, Advokat Torris, das Wort zu der Erklärung, die Verteidigung, die noch sehr viele Zeugen ins Treffen zu führen habe, wolle den Prozeß nicht ins Unendliche gehen lassen und sei bereit, auf die Einvernahme ihrerübrigen Zeugen zu verziehten, wenn auch die Zivilpartei auf die Verhörung von weiteren Belastungszeugen verzichtet. Draufhin erklärte der Anwalt der Petljura-Partei, Campinchi, er nehme den Vorschlag von Torres an. Das Gericht faßte sonach den Entschluß, das Zeugen• verhör als beendet zu erklären und den Advokaten das Wort zu geben. lieber die Plaldoyers werden wir in der nächs'en Nummer berichten. Im Zeugei&zimmer Von Moses Waldmann. Paris, 25. Oktober 1927. Eigentlich tot jede Gerichtsverhandlung, ־und gar ein Sen- י sationsprozeß vor-eaüem französischen Gerichtshof em Spektäkel, Von* Inhalt des betreffenden Falles, vom Ablauf der Verhandlungen und von dem Ausgang der Gerichtstagung hängt es ab, (di dieses Spektakel ein Drama schlechthin oder eine Tragödie wird. Immerhin, ähnlich wie bei einer großen Theateraunüh■ rung, bekommt das Publikum mir das fertige Schauspiel vor• gesetzt, ohne zu ahnen, welch ungeheure Mühe und was für eine umfassende Arbeit hinter den Kulissen der Gerichtsverhandlung notwendig sind, namentlich wenn die Akteure mit dem Inhalt und mit dem Milieu des behandelten Stoffes nicht von vornherein vertraut waren, sondern sich in diesen Stoff erst hineinleben müssen. Könnte es so sein, daß seit Jahrzehnteij in der Ukraine lebende Franzosen oder Engländer angerufen wurden, in diesem Streitfall ein Urteil zu sprechen, so wäre die ganze Sache viel leichter. Aber man stelle sich vor: Der Vertreter der Privat• beteiligten, der Verteidiger des Angeklagten, soll in kurzer Zeit ein Material beherrschen, zu dessen gründlicher Kenntnis Lernen keineswegs genügt, sondern Erleben notwendig ist. Und gar die Jury׳ und der Gerichtshof! Diese haben sich noch viel weniger mit dem Material zu beschäftigen vermocht als die Anwälte, welche seit anderthalb Jahren Spezialbureaus beschäftigt haben, um eine ungeheure Menge von Tatsachen zu sammeln, Daten herbeizuschaffen, Dokumente hervorzusuchen, und das muß besonders hervorgehoben werden — all dieses aus einem fremden Milieu stammende Material in fremden Sprachen in die fran* zösische Verhandlungssprache umzugießen. Aber nicht nur vor den Verhandlungstermin wird eine ganze Armee von Mitarbeitern der Anklage und Verteidigung in Bewegung gesetzt. Auch während der Verhandlung spielt sich hinter den Kulissen, wenn man die Sache recht betrachtet, viel mehr ab als im Gerichtssaale selbst. Greifen wir nur die Zeugen heraus! Diese stammen zumeist aus Rußland und der Ukraine, wohnen aber jetzt, da es sich vielfach um politische Flüchtlinge handelt, in allen vier Enden der Welt. Sie mußten von beide« Parteien zusammengetrommelt werden, wobei zu beachten war, daß nicht Zeugen kommen, die allsamt nur über einen Punkt auszusagen wissen. Vorher mußte somit das Aussagematerial geprüft und gesiebt werden. Die meisten Zeugen sind staatenlos und haben nahezu unüberwindliche Paßschwierigkeiten; auch das mußte in Ordnung gebracht werden. Diese Arbeiten dauerten lange Monate. Schließlich aber war das meiste, nicht alles, zur Zufriedenheit erledigt und am ersten Tage der Verhandlung waren die Zeugenzimmer des Palais de Justice überfüllt. Während im Saale verhandelt wird, harren die Zeugen in den dunklen Räumen, Kojen wäre die richtigere Bezeichnung, auf den Moment, wo sie in den Saal gerufen werden. Da die Einvernahme nur schleppend vor sich geht, da warten die meisten Zeugen bereits seit zehn Tagen. Täglich erscheinen sie pünktlich vor dem Beginn der Verhandlung und warten auf den Justizwachtmeister, der in den Zeugenkojen erscheint und die Namen derjenigen nennt, die sich parat halten sollen. Am ersten Tage kannten viele Zeugen einander nicht, man wußte nicht, wer pro und wer contra ist. Darum verhielt man sich reserviert, wenn man aber zehn Tage lang beisammen ist, so lernt man einander kennen wie auf einer Schiffsreise. Zuerst Fanden sich die einzelnen Lager: die Petljuristen und Schwarzbaiüaner. Kaum daß man, auch wenn Jahre vorher in der Ukraine Beziehungen zwischen den nunmehrigen Angehörigen der verschiedenen Lager bestanden haben, einander durch eine Kopfneigung begrüßte. Aber schließlich schmolz in der muffigwärmen Atmosphäre der engen überfüllten Zeugenkojen das Eis und man begann miteinander zu sprechen und zu diskutieren. 50 bilden jetzt nach zehn Tagen alle Zeugen eigentlich eine einzige große Familie. Da sind zunächst die Ukrainer, gewesene Minister- Präsidenten, Minister, Gesandte, Generale und weiß der Himmel, was noch. Da sind ferner die gewesenen jüdischen Vertreter in der ukrainischen Regierung. Dann die verwandten Schwarzbarts, Frau und Bruder, dann die Nachbarn, die den Leumund bezeugen sollen, und schließlich die Kriegskameraden, die herbeigeeilt sind, um von Schwarzbart, dem mutigen französischen Krieger, zu berichten. wenn man als unbefangener, nichtsahnender Zuschauer ln das Zeugenzimmer hineingeführt würde, so müßte man erst lange überlegen, was eigentlich die in den Zeugen zimmern be- Endlichen Personen darstellen. Am nlchstliegenden wäre die Annahme, daß es sich um eine Versammlung von Schauspielern handelt, die entweder bereits für einen Film auf genommen wurden oder erst aufgenommen werden sollen. Sonst muß#es einem ununterrichteten, zufällig Eintretenden schwer fallen, zu glauben, daß all diese Menschen wirklich Minister, Oenerale oder Gesandte gewesen sind, die sich jetzt abgeschminkt und ihre Uniformen abgelegt haben. Ein philosophisch veranlagter Zuschauer müßte zur Erkenntnis gelangen, daß es nur tatsächlich die Kleider und die Umstände sind, die aus belanglosen Mensehen Minister und Generale machen und ihnen Macht in die Hand geben. Er käme vielleicht auf diese Weise zur Einsicht, daß das menschliche Leben im besten Falle ein Film ist. Nur daß dieser Film Wirklichkeit war und ein Meer von Tränen und Leiden umschloß. Beim besten Willen, man kann an all diesen ehemaligen Ministern und Führern einer großen Unabhängigkeitsbewegung nichts besonderes finden. Weder besondere Größe noch besondere Teufelei, mehr oder minder brave Kleinbürger, die, hätte sich das Rad der Geschichte anders gedreht, heute wohl in glänzenden Positionen wären und wahrscheinlich bei ihrem Besuche in Paris von dem Präsidenten der Republik als Gäste behandelt würden.... Heute stehen sie, arme Flüchtlinge, im Zeugenzimmcr des Schwurgerichtes, wo der Schwarzbart-Prozeß verhandelt wird. Wären sie, sofern sie nicht Zeugen, sondern offizielle Gäste Frankreichs geworden wären, bedeutender, als sie jetzt sind? Die jüdischen Zeugen: Einige, die es heute besser wissen, als sie es 1919 und 1920 gewußt haben. Die meisten jedoch Zeugen und Opfer der Pogrome; wenige, die nachträglieh in die Ukraine gereist sind, um die Folgen der Schreckenszat zu studieren. Unter den jüdischen Zeugen befinden sich solche, die ohne direkt Geschädigte oder Zeugen der Pogrome gewesen zu sein, durch ihre Stellung oder Beziehungen über die Politik und den Charakter Petljuras und seiner Regierungen aus- Zusagen wissen. Es sind berühmte Juristen darunter, die im ehemaligen Rußland eine große Rolle gespielt haben. Schwarzbarts Familie: Frau und Bruder. Die Frau, eine sympathische Kleinbürgerin, merkwürdig ans Pariserische assimiliert, aufgeregt über die Tatsache, mittelbar im Zentrum eines Weltinteresses zu stehen. Sie ist außerordentlich freundlich und gutmütig, offenbar mit mütterlichen Instinkten besonders ausgestattet, denn sie nimmt sich liebevoll der zwei verstümmelten Mädchen an, die als Zeuginnen aus Amerika und London erschienen sind, um von ihren Erlebnissen in der Pogromzeit zu erzählen. Man merkte, Frau Schwarzbart ist glücklich, daß sie jemanden zu betreuen vermag. Schwarzbarts Bruder erschien am ersfen Verhandlungstag mir einem russischen Kriegskreuz auf seinem Sonntagsrock, den er anläßlich des Tages, da der Name Schwarzbart in aller Leute Mund ist, an gezogen hatte. Schwarzbarts Bruder ist der Typus des einfachen jüdischen Arbeiters. Schwielige Hände, ein von harter Arbeit durchfurchtes Gesicht. Scher* und ängstlich hält er sich sozusagen am Kleidersaum seiner Schwägerin fest Schwarzbarts Nachbarn und Kameraden. Die Nachbarn Hinz und Kunz, belanglose Kleinbürger, mit denen Samuel Schwarzbart Verkehr gepflogen hat und die von ihm nur Gutes zu erzählen wissen. Hinz und Kunz blähen sich, sie sind auch dabei. Die Kriegskameraden sind interessanter. Zwei sind Krüp-« pel, einer, ein gesunder Junge, der jetzt in Monaco lebt und aus eigenem Antriebe herkam, um für Schwarzbart zu zeugen, den sie im Regiment wegen seiner Schützentüchfigkeit ״le petit Wilheim Teil״ nannten. Der Monegasse ist außerordentlich redselig. Wenn der Prozeß noch zwei Wochen dauern und der Monaco- Mann diese Zeit im Zeugenzimmer verbringen wird, so werde ich noch erfahren, daß eigentlich Samuel Scnwarzbart den Krieg gegen die Deutschen entschieden hat Die interessantesten Zeugen sind diejenigen, die nicht da sind: die berühmten Gelehrten, die illustren Franzosen, welche sich bewogen gefühlt haben, in den Dienst einer futen Sache zu treten. Diese Persönlichkeiten warten nicht im eugenzimmer. Wenn sie daran kommen sollen, dann werden sie aus ihren Heimen, aus ihren Bureaus durch Spezialkuriere geholt. Die anderen aber, die nicht mehr, oder überhaupt nicht einen berühmten Namen haben, gehören zum kleinen Volk. Und das drängte sich seit zehn Tagen in den engen Zeugenkojen des Palais de Justice an der Seine. Jüdische Waisenhilte Kürzlich fand in Berlin die Präsidialsitzung des Vereins ״Jüdische Waisenhilfe, Gesellschaft zur Förderung der Er- Ziehung jüdischer Waisenkinder zu produktiver Arbeit e. V.“, unter dem Vorsitz von Frau Professor Albert Einstein statt. Es nahmen vom Präsidium teil: Frau Lola Hahn-Warburg, Frau Carry Hirsch, Professor Otto W a r b u r g, ferner der 2. Vorsitzende, Herr Geheimer Justizrat Dr. Timendorfer, Ehrenpräsident der Großloge U. O, B. B. und der Schatzmeister Herr Bankier Dreyfus. Aus den vom Finanzreferenten des Vorstandes, Herrn Battsek, und Vorsitzenden des Arbeitsausschusses, Dt. Werner Senator, erstatteten Berichten ging das erfreuliche Wachstum der Organisation hervor, die, im wesentlichen in Deutschland, Ms 31. August 1927 bereits einen Betrag von über 100000 M. für die Durchführung der Zwecke der Organisation aufgebracht hat. Die ״Jüdische Waisenhilfe e. V.“ beabsichtigt, im Winter durch einige Vorträge von hervorragenden Pädagogen über jüdisch-pädagogische Fragen auch weitere Kreise über ihre Ziele aufzuklären. Außer Vorträgen Dr. Lehmanns, des Leiters des Jugenddorfes Ben-Schemen, der für etwa zwei Monate nach Europa kommt, sind Referate von Dr. Siegfried Bernfeld, Rabbiner Prinz und Frau Bergei in Aussicht genommen. Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht die vorläufigen Ergebnisse der Preußischen Volksschulerhebung vom 25. November 1926. Danach hat gegenüber der gleichartigen Zählung von 1921 die Zahl der Schüler der öffentlichen Volksschulen in Preußen 1926 um 24,3 #/0 abgenommen. Es ist dies eine Folge des Geburtenausfalles während des Krieges. Der Rückgang der Schülerzahlen um etwa ein Viertel erstredet sich fast gleichmäßig auf die evangelischen und katholischen Kinder, während die Zahl der jüdischen Volksschüler nur um 6«/0 abgenommen, die der religionslosen Kinder sogar um 21,9 »/o zugenommen hat In Berlin erscheint demnächst ein Geschichtswerk des jüdisehen Historikers und Deputierten des polnischen Sejm Dr. J. Schipper. Der Verfasser hat auf Grund neu zugänglich gewordener polnischer Archive ein Quellenwerk für jüdische Geschichte in Polen geschaffen und behandelt insbesondere die Epoche des ״Waad arba haarazoth“ (Vier-Länder-Rat). Am 5. Oktober fiel In. Palästina der erste diesjährige Regen. (Ziko.) Unser Jugendproblem I Von Arjeh, Wien. I Mit dem Abdruck dieser Zuschrift setzen wir die — I durch die Kongreßberichte unterbrochene — Diskussion I der zionistischen Jugendfrage, die Dr. Feldschuh in I Nr. 72 u. Bl. aufgenommen hat, fort. — Red. I Eines der wichtigsten Probleme im zionistischen Leben ist I die Jugendfrage. Im jugendlager herrscht Chaos und Zersplitte- I rung. Und das nicht etwa in einem Lande, sondern zur I gleichen Zeit ist diese Frage auf dem ganzen Kontinent auf- | gischer Konflikt ist. Auf einmal ist den zionistischen Landes- I Organisationen ein großer Teil der ihnen untergeordneten Jugend verloren gegangen. Und nun sucht man Ursachen zu entdecken und Mittel zur Rückeroberung. Die Mittel sind noch nicht gefunden, dafür aber glaubt man, zwei Ursachen, die dann Zusammenhängen, entdeckt zu haben. Erste Ursache: Wir bieten der fugend keine Romant i k. Das ist nicht wahr. Zwar ist der Zionismus als Bewegung aus der romantischen Epochf längst heraus, nicht aber als Idee. Unsere Organisation ist heute groß und mächtig, ist tonangebend im jüdischen Leben. Auch als politischer Faktor! sind wir von der ganzen Welt anerkannt. Da gibt es wirklich keine Romantik. Aber die I d e e des Zionismus hat doch noch andere große Ziele, die nur durch einen schweren Kampt erreicht werden können. Es gilt die Schaffung neuer Mensehen, die Umwertung der Begriffe und Gefühle. Wir tun dessen öfters Erwähnung in schönen Reden und ganz gewiß begreifen es unsere Arbeiter in Erez-Israel. Hier 1m Galuth sind ale Größe und Schwere dieser Arbeit, dieser Idee noch nicht zum Bewußtsein gekommen. Man spielt noch immer mit Worten. Diesen Begriff Zionismus muß man der Jugend eintrichtem, daß sie fühle, worauf es ankommt. Dann wird es sie alle wie ein Feuer umzüngeln und in ihren Herzen auflodern. Dann werden sie Romantik haben. Die zweite Ursache ist der Sozialismus. Er ist zwar eine Ursache, nicht aber in dem Sinne, wie es die allgemeinen Zionisten auffassen. Auch im Interesse der zionistischen Arbeiter liegt es, sich dem Sozialismus, als Kämpfer für ihre Klassen- Freiheit anzuschließen. Dagegen kann niemand etwas einwenden. Nicht dem Sozialismus in unseren Reihen sollte also der Kampf '*־§ Priorität der Zionistischen Organisation vor den Sozialist!- sehen Parteien gekämpft werden. Erst dann kann es zur Verständigung und Mitarbeit kommen. Der ideologische Konflikt zwischen rechts und links wird und muß bleiben. Und nur in der Form von Priorität kann unsere Organisation die Zersplitte. rung beseitigen. Und nur in dieser Richtung kann der Weg zur Verständigung gesucht werden. Es gibt aber aucn eine dritte Ursache, von der man weniger spricht: die mangelhafte Organisation. Wir sind als Organisation längst stabilisiert. Wir haben bestimmte Formen und Richtung angenommen. Daher genügt heute die wilde Urkraft, die unsere ersten Organisatoren und Redner auszeichnete, nicht mehr. Wir brauchen geschulte Organisatoren und Führer. Solche, die dem Geiste der Zeit unserer Organisationsform Rechnung tragen könnten. Die Schulung aber fehlt unseren meisten Jugendführern, und das muß der Zionistischen Exekutive zur Last gelegt werden. Sie sollte für Führer- und Organisatorenschulen sorgen. Sie sollte einen Jugendreferenten haben, der zusammen mit den Landesorganisationen eine gemeinsame Erziehungsplattform schaffen sollte. Sie hätte auf diese Weise Kontrolle und Verbindung mit der Jugend. Am meisten aber mangelt es uns an Literatur. Aach dafür hätte die Exekutive zu sorgen. Und zwar als erstes. Sie sollte Literatur für die Jugend und Jugendführer hersteilen und den Landesorganisationen zur Herausgabe in den besonderen Sprachen überweisen. Erst dann wäre eine systematische und erfolgreiche Arbeit unter der Jugend möglich. Denn es handelt sich ja nicht nur um Rückeroberung, sondern und hauptsächlich darum, die Jugend aus dem fremden Lager, die Indifferenten und Gegner für uns zu gewinnen. Und wenn sich schon ein Redner auf dem letzten Kongreß an die Jugend erinnerte, so sollen seine Worte wenigstens nicht verklingen. Die Palestine Economic Corporation New York, 10. Oktober. (J.T.A.) Herr Bernard F1 e x n e r, der Präsident der amerikanischen Palestine Economic Corporation, hat kürzlich einen Bericht über die Leistungen der Corporation im letzten Jahre veröffentlicht. Aus demselben geht hervor: Die Palestine Economic Corporation wurde im Februar 1925 von der unparteiischen Palestine Conference, die unter dem; Vorsitz von Louis M a r s h al 1 abgehalten wurde, begründet. Herr Flexner wurde zum Präsidenten, Louis Marshai, Herbert Lehman und Robert S z o 1 d wurden zu Vizepräsidenten gewählt. Bei der Gründung investierte die Gesellschaft in Palistina 620 000 Dollar und eiiöhte diese Leistung im Verlauf des ersten Jahres ihres Bestehens um weitere 575000 Dollar. Von diesen Summen wurden 155 000 Dollar für landwirtschaftliche und Kooperativ-Kredite, 235 000 Dollar für Hypotheken, 155 000 Dollar für Kredite zur Durchführung ,öffentlicher Arbeiten bewilligt. 20000 Dollar wurden für den Bau einer die Kolonie Chedera mit der Eisenbahnstation verbindende Straße ausgef" . ‘ geliehen. "Der Loan Bank Ltd. wurde ein Kredit von"15 000 Dollar gewährt. Durch Vermittlung der Central Bank of Cooperative Institutions of Palästine hat die Corporation sich an einem Konsortium beteiligt, das zu dem Zweck begründet wurde, dem Solei Boneh einen langfristigen Kredit in Hohe von 100 (WO Dollar zu gewähren. Von großer Bedeutung ist die Arbeit der Central Bank for Cooperative Credits gewesen, die von der Corporation, in Zusammenarbeit mit der Palestine jewish Colonisation Association (PICA) und dem Londoner Economic Board kontrolliert wird. Die Corporation steuerte zu den langfristigen Krediten fieser Institution in Höhe von 500000 Dollar drei Viertel bei ■und bewilligte außerdem als einjährige Anleihe 75 000 Dollar für deren Betriebskapital. 80000 Dollar wurden als langfristige Kredite an landwirtschaftliche Kooperativen zur Anlegung von Orangenplantagen und Weingärten bewilligt. Die Corporation verhandelt gegenwärtig über ihre Beteiligung an mehreren öffentlichen Arbeiten. Der polnische Generalkonsul für Palästina, Zbys z e w s k i, und der Haifaer Konsul und Handelsrat für Palästina und Syrien, Dr. Bernhard Hausner, hielten in Warschau Beratungen mit den maßgebenden polnischen Handelsstellen ab über die Zusammenarbeit zwischen Polen und dem neuen Orient mH Hilfe der aus Polen stammenden jüdischen Aufbaukräfte in Palästina. In Haifa wurde kürzlich ein technisches Büro unter der Firma Agriculture and Constructlon gegründet, deren Mitarbeiter jahrelang der Pica und der Haifa Bay angehört haben. Der Architekt des Unternehmens ist der in Wiener zionistischen Kreisen bekannte Ingenieur Sobelsohn.