Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 86 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 006 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Nr. 88, 28.X. 1927 Das Mißtrauen Von Dr. Alfred Wolff, Breslau. Nachstehende Ausführungen gehen uns von nicht• zionistischer Seite zu. Wir gewähren dem Einsender um so lieber Gastrecht, als er selbst zu den eifrigen Palästinafreunden und Mitarbeitern des Keren Hajessod zählt. — Red. Der letzte Zionistenkongreß hat den Kampf um die Erwelterung der Jewish Agency nur formell beendet. Die große Mehrheit der Zionisten ist zwar nach wie vor entschlossen, die Erweiterung zu verwirklichen, und sie hat ihren Willen gegenüber der Minderheit durchgesetzt. Aber freudig war dieser Sieg nicht. Das Bekenntnis zur erweiterten Jewish Agency ist keine Herzensangelegenheit des Zionismus, es entspringt dem praktischen Bedürfnis, in größtmöglichem Umfange die verfügbaren Mittel der Judenheit dem Aufbau Palästinas nutzbar zu machen. Diesem Werben um Mittel mußte die Bereitschaft entsprechen, die Geldgeber in viel stärkerem Maße als bisher zur Mitleitung der Geschicke Palästinas heranzuziehen. Ein sicherlich gewagtes Geschäft, das den Charakter des Risikohaften auch dann nicht verliert, wenn der finanzielle Erfolg befriedigt Denn es bedeutet in jedem Falle die Veräußerung zionistischer Hoheitsrechte an Nichtzionisten. Und droht damit nicht die Gefahr, «faß die nationale Struktur des jungen Palästinas beeinträchtigt wird, daß die beklagte Schwächung der Schlagkraft der zionistlsehen Idee weiter fort schreitet? Darf ein Zionist überhaupt seine Hand dazu bieten, für ein Linsengericht die l^gen Güter jüdischen Volksbewußtseins einem Kreise von Stammesgenossen auszuliefern, in deren Seelen nationale Oefühle nicht widerklingen? Die Bitternis solcher Empfindungen blieb auch den Anhlngern der Mehrheitsparteien nicht erspart. Es bedurfte starker innerer Energien, um diese Gefühle zurückzudrängen, ein Stachel blieb zu rüde. Vielleicht hoffen die meisten unter ihnen, mit den anderen schon fertig zu werden, aber ein solches Kraftgefühl hindert nicht das tiefe Mißtrauen, das in jeder zionistischen Brust schlummert. Auch die anderen sind mißtrauisch. Sie dienen als Zeichner für den Keren Hajessod einer Sache, von der man ihnen mit Recht sagte, daß es rieh um keine Parteiangelegenheit, sondern um eine gemeinsame und die vornehmste Aufgabe der Juden unseres Zeitalters handele. Sie brachten dieser Sache nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Sympathie dar. Und bei vielen von ihnen verdichtete rieh diese Sympathie zu einer mehr als nur warmen Teilnahme an den Geschicken Palästinas. Die Zionisten haben diese Hingabe gern entgegengenommen, und sie haben es auch an freundlichen Dankes Worten nicht fehlen lassen. Sie tat« alles, was nach ihrer Meinung vonnöten war, um einen wertvoll« Partner bei guter Laune 1« erhalten, und sie Ueßen ihn auch ohne Schaden für ihre besonderen Interessen ganz offiziell über Dinge mitbestimmen, denen nur der eine Mangel anhaftete, daß es auf sie nicht ankam. Sowie es sich darum handelte, entscheidende Palästinafrag« zu er׳ Örtern, blieb man mit sorgfältigem Vorbedacht unter sich. Wer außerhalb der Zionistisch« Organisation stand, sah sich sogleich einer hohen Mauer gegenüber, hinter der alle die kleinen und großen Instanzen tagten, der« Tätigkeit und Votum für die Geschicke Palästinas und die übrigen mit dem Aufbauwerk zusammenhängenden Frag« allein entscheidend war. An dieser Mäueff ilÄcheflf« Verantwortungsgefühl und Tätigkeitsdrang, nur ein Gesinnungsopfer hätte die Pforten der Mauer öffnen können. Gewiß, dieses Opfer wurde nicht gefordert. Aber warum, muß man fragen, kann es eines solch« Opfers bedürfen, da es doch einer Sache gebracht werden würde, der man aus Liebe zu ihr und ganz abseits seiner politischen Oesinnung dienet» will? Dieses beiderseitige Mißtrauen muß endlich ausgeräumt werden. Sonst wird die neue Agency, mag sie auf noch so breiter Basis gebildet werden, und mögen zufolge ihrer Schaffung unendliche Ströme von Dollars nach Palästina fließen, doch Immer ein blutleeres Gebilde sein. Solange nicht die Zionisten jeder Richtung die tätige und verantwortungsvolle Mitarbeit aller interessierten Nichtrionisten uneingeschränkt als heilsam empfind«, und solange nicht umgekehrt jedem inter essierten und fähigen Nichtzionisten Gelegenheit zur Mitwirkung auch an entscheidender Stelle gegeben wird, kann ein wirkliches Vertrawnsverhältnis nicht hergestellt werden. Me praktisch« Schwierigkeit«, die der Beseitigung des Mißtrauens entgegenstehen, sind viel geringer, als man auf den ersten Blick annehmen möchte. Sie sind mit ein bißchen Einsicht und geringem guten Willen zu überwinden. Wenn es anders scheint, so beruht das darauf, daß sich Zionisten und Nichtzionisten in den letzten Jahrzehnt« in erschreckender Weise politisch auseinandergelebt haben. Die Gegensätzlich kelt der beiden Anschauungen hält man für einen gegebenen Zustand, und leider scheint die Methode, politische Fragen des Galuth zu behandeln, eine solche Auffassung zu rechtfertigen Aber gerade für Palästina liegen die Verhältnisse anders. Die Probleme des Aufbaus sind, wie wir doch immer wieder betonen, dem jüdischen Parteienstreit entrückt, und nur die jenigen Juden machen aus dem Palästina-Auf bau eine Parteifrage, die von Palästina nichts wissen wollen. Diese Juden müssen, solange sie ihre Ansicht nicht ändern, im Rahmen unserer Untersuchungen ohnehin außer Betracht bleiben. Uns interessieren nur die Juden, die den Palästina-Aufbau wünschen, und zwischen ihnen ist für Parteischranken kein Raum. Es liegt gar kein Anlaß vor, an der Möglichkeit einer auch gefühlsmäßig gemeinsamen Arbeit zu zweifeln, und nur zwei Voraussetzungen sind zu erfüllen, damit eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen wird. Zunächst muß man sich in den Kreis« der Nichtzionisten darüber klar sein, und es erforderlichenfalls mit aller Deutlichkeit erklären, daß Palästina, wenn sein Aufbau auch keine zionistische Parteisache ist, doch nur als ein national jüdisches aufgebaut werden kann. Es ist merk würdig, daß diese Selbstverständlichkeit fast nur von solchen Juden geleugnet wird, die Palästina nicht besucht haben. Wer Palästina kennt, der kann über die gedankenlose Phrase, es dürfe nur ein ״nichtzionistisches“ Palästina geschaffen werden, lediglich den Kopf schütteln. Denn jeder Besucher des Landes wird, wofern er nicht einer abträglichen Tendenz zuliebe bewußt seine Augen verschließt, von dem starken nationalen Willen der Palästinajuden gepackt, und er würde, wenn er diesen Willen bekämpfen wollte, sieh vermessen, das einmütige begeisterte Empfinden der Bevölkerung und damit die wertvollsten seelischen Kräfte des Aufbaus zu zerstören. Und kein einsichtiger Besucher wird an dieser nationalen Struktur etwa um deswegen rütteln wollen, weil er sich als Nichtzionist hierzu für verpflichtet hält. Denn die Möglichkeit und der Wille, ein nationaljüdisches Palästina zu schaffen, setzt kda Präjudiz für «Me nationale Verbundenheit der Juden des ganz« Erdballs, so wenig wie die Schaffung der nordamerikaalschm Nation präjudiziell war für die nationale Zugehörigkeit der Mensch« in den Ländern, aus d«en sich die amerikanische Nation rekrntierte. Das Beispiel Palästinas lehrt, daß sich Menschen, deren nationale Verbundenheit im Streit ist, kraft ihres Willens und gewisser gemeinsamer Eigenschaften zu einer Nation ver• schmelzen können, aber es lehrt auch, daß die für das Galuth bedeutsame Frage nach der national« Gemeinsamkeit der Juden für Palästina kein Problem ist. Die zweite Voraussetzung betrifft das Verhalten der Zionisten. Ist Palästina eine interparteiliche Angelegenheit der Judenheit und wird die Stellung der Juden zum nationalen Palästina von ihrer Parteirichtung nicht berührt, so ist es ein Unding, die Leitung des jüdischen Palästinas in da Händen der zionistischen Partei zu belassen. Daran ist es nicht mehr be* rechtigt, die zionistische Exekutive als die maßgebade Verwaltungsinstanz zu betracht«, da Keren Kajemeth als zionistische Organisation beizubehalt« und den Keren Hajessod von der zionistischen Exekutive ressortieren zu lassen. Die zionistische Partei mag sich ihre besonder« Parteiinstanz« schaffen, die Palästinaverwaltung einschließlich der Fonds muß sie aus der Parteiorganisation herausnehmen. An die Stelle des Zionistenkongresses muß, soweit nicht Parteifrag« zu behandein sind, der allgemeine Palast! nakongreß treten. Es kommt wirklich nicht darauf an, die Verantwortlichkeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten gleichmäßig aufzuteilen, und die Gerechtigkeit erfordert es, den Zionisten ihr Uebergewicht zu lassen. Worauf es ankommt, ist die Beseitigung des Zustandes, daß Palästina nur namens der zionistisch« Partei regiert wird, und daß für ein« Nichtzionist« in einer solchen Regierung kein Raum ist. Schon heute läßt sich erkenn«, daß die verlangte Reform durchaus nicht etwa dazu führen wird, in den Organisation« zwei geschlossene Anschau• ungen je nach der jüdischen Parteirichtung zu schaff«. Eine Gegensätzlichkeit der einzelnen Mitarbeiter wird nur auf s a c hliehen» Gebiet vorhanden sein, wie dies gegenwärtig bei d« verschiedenen zionistischen Gruppen der Fall ist Die Stellung des Einzelnen zum Zionismus wird in dies« Omni« niemand zu interessieren brauchen. Das Eis muß schmelzen, und es wird schmelzen. Aber man warte mit der Aufteilung nicht, Ws es in viel« Monat« nach mühselig« Verhandlungen vielleicht geling« wird, die neue Jewish Agency zu konstituieren. Wir können heute nicht einmal übersehen, welches Gesicht diese Agency zeigen wird, und die Befürchtung liegt gar nicht so fern, daß «Me Agency ein kunstvoll konstruiertes Formalgebilde sein wird, das keiner Richtung sonderliche Freude bereiten wird. Aber wenn dieses Gebilde wirklich die wahre und entscheidende Regierung»• instanz für Palästina werde!» und sie damit alle parteimäßig« Steil« ersetz« sollte: Wer kann dafür bürg«, daß sie im fern« Augenblick ihrer Entstehung dm freudig« Widerhall auslösen wird, ohne den sie ein iebaswarmes Dasein nicht führen kann, daß bis dahin die schmerzlich beklagte Palisüaa׳ mftdlgkeit nicht weiter fortgeschritten ist? Dieser Widerhall muß schon jetzt vorbereitet, der Müdigkeit ohne Verzug Einhalt geboten werden. Aber hierzu bedarf es einer Aktivität, die zugleich das Mißtrauen an seinen Wurzeln zerstört. Man muß endlich ernst damit machen, die so nötige Vertrauensatmosphlre durch Wort und Tat ..■und', mit starkes» ehrlichen Wille)» M schaffen. Nachbemerkung der Redaktion Die Frage der Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten für Palästina ist eine überaus ernste und wichtige und bildet seit langer Zeit ein zentrales Interesse der zio nistischen Weit. Auch nach unserer Meinung ist eines der Haupterfordernisse für die Lösung dieses Problems die Beseitigung des gegenseitigen Mißtrauens. Dieses Ziel könnte nicht unschwer erreicht werden, wenn alle Nichtzionisten bereits so dächten wie Dr. Wolff. Die zionistische Leitung hat sofort «ach dem Krieg alle Jude!» zur Mitarbeit autferufen und als Instrument der neutral« Zusammenarbeit en Ker« Hajessod geschaff«, in welchem sich auch wirklieh allmählich das positive Palästina-Interesse auch nichtzionistischer Kreise manifestierte, in der Leitung des deutsehen Keren Hajessod sitzen eine große Anzahl prominenter Nichtzionisten. Seit der Schaffung des Keren Hajessod bemüht 815h die Zionistische Organisation weiter, geeignete Instrumente der Zusammenarbeit zu schaffen, durch welche auch die Nichtzionisten ihren vollen Teil an der Verantwortung direkt in Palästina übernehmen sollen. Der Ver• such, einen alljüdischen Palästina-Kongreß einzuberufen, ist leider gescheitert. Die Erweiterung der Jewish Ag«cy durch Nichtzionisten ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Schaffung der von Dr. Wolff geforderten Organe. Wenn der Verfasser dafür eintritt, daß schon vor der Konstituierung der erweiterten Jewish Agency die Palästina-Verwaltung der Zionistischen Organisation weggenomm« werden soll, so ist dagegen einzuwenden, daß hierfür kaum eine Form gefunden werden kann. Wer soll die nichtzionistischen Mitglieder bestimmen, da es keine organisierte Qruppe gibt, wie sie etwa die erweiterte Agency mit sich bringen würde? Auch unsere nichtzionistischen Freunde müssen verstehen, daß die Zionisten, die jahrzehntelang die einzige!» treuen Anhänger der Paästina-Idee waren, Befürchtungen für_ die ihnen teuerste Sache haben, mindestens solange die Nichtzionisten bezüglich der Ziele der Palästina-Arbeit nicht die von Dr. Wolff formulierten Thesen, allgemein anerkenn«. Die Zionisten werden ihre Bemühungen um eine fruchtbare Kooperation, die beiden Teilen Verantwortung auferlegt, fortsetzen, aber aus vielen Gründen, die hier darzulegen zu weit führen würde, ist dies ein langsamer und schwieriger Entwicklungsprozeß. Er kann sehr gefördert werden, wenn auf Grund von persönlichen Taten und Leistung« das Mißtrauen, das wir alle beklagen, schwindet. Der Lubatschewer Rebbe, Herr Schneersohn der in Rußland wegen Geldsammlungeu für Jeschiwoth verhaftet worden war, wurde von der Jüdischen Gemeinde in Riga zum Rabbiner gewählt. Namens seiner Anhänger führte Dr. Oskar Cohn (Berlin) in Moskau Verhandlung«, die ein großes Entgegenkommen der Sowjet-Behörden zur Folge hatten. Rabbiner Schneersohn und seine ganze Familie erhielten Auslandspässe und die Erlaubnis zur Mitnahme seiner Bibliothek. In Riga wurde der Rabbi von einer großen Menschenmenge herzlich begrüßt. Der Vorsitzende der amerikanischen Gesellschaft ״ORT“ und Mitglied der Exekutive des Joint Distribution Committee, Herr Dr. Henry Mo scowitz, besuchte auf der Durchreise nach Sowjetrußland London und Berlin. In Liberale Hauptversammlung (Vorbericht unseres Sonderkorrespondent«.) Am 22. und 23. d M. fand in Frankfurt a. M. die orde ntliehe Hauptversammlung der ״Vereinigung für das liberale Judentum“ statt. Während der erste Tag, ein Sabbat, gottesdienstliche Veranstaltungen, Begrüßungsfeiern und, abends, einer intern« Qeschäftssitzung gewidmet war — R.-A. Heinrich Stern, Berlin, wurde wieder 1. Vorsitzender, R.-A. Rudolf Geiger, Frankfurt a. M., sein Stellvertreter — diente der Sonntag grundsätzlichen Erörterung« über das Gesamtthema ״Individuum und Gemeinschaft“, die vor einer — allerdings verhältnismäßig sehr kleinen — Oeffentlichkeit stattfanden. Ein bedeutendes und tiefdringendes Generalreferat von Rabb. Dr. Dienemann, Offenbach, über ״Gemeinschaft und Individuum in ihren gegenseitigen Rechten und Pflicht«“ bedarf noch näherer Darstellung und Auseinandersetzung an dieser Stelle: es ging uns an, obwohl das Wort Zionismus nicht fiel, mit Absicht nicht, wie das Schlußwort dieses Referenten zugab. In diesem allerdings war es unumgänglich, darauf einzugehen: denn unterdessen hatte Rabb. Dr. Salzberger, Frankfurt a. M., in einer tapferen und notwendigen Diskussionsrede auf das negative Kanzeich« dieser Tagung hingewiesa: auf das Fehlen der jungen liberalen Rabbiner, die, wie bekannt, dem Zionismus angehören oder doch sehr nahestehen. Als Folge dieser klärenden Worte gruppierten rieh deutlich zwei Ein- Stellungen zum Zionismus innerhalb der Liberalen Vereinigung: eine schroff ablehnende, die auf dieser Tagung die Mehrheit hatte und vor allem von Qaeralsekretär George G o e t z und R.-A. Geiger rednerisch vertreten wurde, während Dr, Dienemann und wohl auch Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M. — der Referent über ״Die Gemeinde und der Einzelne“ — Rabbiner Salzbergers verständnisvollem und versöhniiehem Standpunkt nahesteh«. Der Vorsitzende der Tagütig, R.-A. Heinrich Stern, suchte ein« mittleren Standpunkt zu wahren, steht aber vielleicht doch mit seinem Herzen mehr auf der antizionistisch« Seite. Auf alle diese Probleme, auf die übrigen Referate — Erich Bayer, Breslau, ״Die Kultur, die Gemeinschaft und der Einzelne“, und Bianca Hamburger, Berlin, ״Das jüdische Heim — unser zweites Gotteshaus“ ־- auf die teilweise recht interessante und scharfe Diskussion, auf die öffentliche Kundgebung am Sonntagabend, bei der Rabbiner Dr, W i I d e, Magdeburg, und R.-A. John W e r t h e i m, Berlin, sprachen, sowie vor allem auf die wichtigsten, die unausgesprochenen Fragen dieser Tagung und des jüdisch« Liberalismus überhaupt wird noch zurückzukomm« sein. Ernst Simon. Naknm Sokolow In Rom Der römische KorrespondMt des ״Berliner Tage• blattes“ drahtet seinem Blatte: Nahum Sokolow, der Chef des zionistisch« Exekutivkomitees, hatte eine Unterredung mit Mussolini Wie das ״O i 0 r n a 1 e d ’ 11 a 1 i 8“ berichtet, hob Sokolow die lebhafte Sympathie Hervor, die der Zionismus für das vom Antisemitismus völlig freie Italien hege, und deutete an, daß Italien, falls es vom Völkerbund die ihm gebührenden Kolonialmandate erwirken sollte, von der jüdischen Hochfinanz Amerikas sicherlich große Kap Italien erhielte. Ueber diese und andere Dinge habe am :'.mit׳' Mussolini gesprochen, bei de» ״erin jeder liiawk* Verständnis gefunden habe. Was die Lage des Zionismus betreffe, so stehe Mussolini, dem es übrigens nicht an Phantasie fehle, ihm mit Sympathie gegenüber. Mussolitii, als höchster Vertreter des Nationalismus, verstehe die Ziele des Zionismus sehr wohl. Daraus hätten sich viele Kontaktpunkte ergeben. Schließlich habe Sokolow Mussolini um seine Protektion für den Palästina- Staat gebeten, unter Hin web auf das Ooethe-Wort aus den» zweiten Teil des ״Faust“: ״Ein Werdender wird immer dankbar sein.“ Was Mussolini antwortete, wird nicht gesagt, doch kann die Antwort nicht ablehnend gewesen sein, wie ßokolow lächelnd andeutete. — (Diese Zeitungsmeldung ist wohl eine seltsame Mischung von Wahrheit und Dichtung. - Red. ״J. R“; Rom, 23. Oktober. (J.T.A.) Ca‘ Nabum Sokolow, der einige Wochen in Monte Patina zur Kur geweilt hat, hat die letzten jüdischen Feiertage In Rom zugebracht Am Simchas Thora besuchte Nanun» Sokolow aen jüdischen Tempel in Rom und wurde dort durch den Oberräbbiner Prof. Dr. Sacerdoti durch eine Ansprache sehr warm begrüßt. Er erinnerte daran, daß Sokolow vor zehn Jahren in Rom geweilt und den Erfolg gehabt hat, die Zustimmung der italienischen Regierung zur Balfour-Deklaration zu erhalten. Nahum Sokolow erwiderte In hebräischer Sprache und sprach den Wunsch aus, daß die römischen Juden, die noch vor der Zerstörung des zweiten jüdischen Tempels in Rom gewohnt haben, ihre Kräfte In den Dienst des Wiederaufbaus Erez-Israels setzen werden. Das neue Rom werde das aufbauen helfen, was das alte heidnische Rom zerstört hat. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Rom, Advokat Angelo S e r e n i, hat zu Ehren Sokolows ein Bankett gegeben, welchem die angesehensten Vertreter der italienisehen Judenheit beiwohnten. beiden Städten hielt Organisationen ab. Besprechungen mit den ,״ORT“ Der Halenbaa in Haila Der ״Dawar" vom 15. Oktober berichtet: ״Wie unser Jerusalemer Korrespondent erfährt, weilte vorige Woche ein Bevollmächtigter einer großen englischen Untemehmerfirma für Hafenbau, die in England und den Kolonien arbeitet, einige Tage in Haifa und Jerusalem. Der Besuch steht in Verbindung mit dem Hafenbau in Haifa, da diese Firma sich um die Uebernahme der Hafenbauarbeiten in Haifa bewirbt. Man darf annehmen, daß mit den Arbeit«, an denen gegen 2000 Arbeiter während einer Zeit von fast zwei Jahren Beschäftigung finden werden, im ersten Halbjahr 1028 begonnen werden wird. Aus England sollen nur einige Dutzende von Beamten und Facharbeitern nach Palästina kommen. Wie berichtet wird, hat die Eisenbahnverwaltung bereits mit den erforderlichen Vermessungsarbeiten für den Bau von Eisenbahnabzweigungen begonnen, die die Steinbrüche am Fuße des westlich« Karmel mit dem iür d« Hafenbau bestimmten Platze verbinden. Auch eine der arabischen Zeitungen berichtet aus ״sichere! Quelle“, daß die Hafenbauten in Haifa im Januar be• ginnen sollen. Nach dieser Quelle soll der Hafen in der Nähe von Bath Galim beginnen und in der Nähe von Akko enden. Die ganze Arbeit würde auf 10 Millionen Pfund zu stehen kommen. Die englische Gesellschaft, die die Konzession für den Bau erhalten hat, wird vorläufig mit Arbeiten beginnen, die auf eine Million Pfund zu stehen kommen. Die Arbeiten sollen, jeder Teil für sich, sukzessive vergeben werden.“ (Ziko.)