Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 85 (15.10.1927)
- Date
- 1927-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite «50 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Nr, 85, 25. X. 1027 habe einmal zwei seiner Kosaken erschießen lassen, die sich an Pogromen beteiligt hatten. Am 22. Oktober wird das Zeugenverhör fortgesetzt Einer der Geschworenen fragt den Angeklagten, ob auch Mitglieder seiner eigenen Familie bei den Juden־■ Verfolgungen umgekommen seien. Schwarzbart erwidert: .״Viele Mitglieder meiner Familie sind mißhandelt und getötet worden“. Der Verteidiger Torres verliest ein Verzeichnis der Getöteten. Der Geschworene: ״Dann möchte ich wissen, weshalb der Angeklagte nicht in seinem eigenen Lande die Tat verübt hat, die er für ein Werk aer Gerechtigkeit hält“ Schwarzbart: ״Weil ich dort nicht in die Nähe der Hauptverbrecher kommen konnte. Der Vertreter der Familie Petljura, W i 1 m: ״Ich will dazu bemerken, daß der Angeklagte in Kiew war.“ Torres: ״Das ist richtig, aber Petljura war nicht in Kiew.“ Wilm: ״Wtnn man ein solches Rachegefühl empfindet, wie Schwarzbart, dann gibt es keine Hindernisse. Aber Schwarzbart hat bis 1926 nichts getan, um sein Rachewerk auszuführen.“ Scnwarzbart ruft aus: ״Frankreich hat 44 iahre auf Vergeltung für Elsaß-Lothringen gewartet, :h habe 6 Jahre warten müssen.“ (Bewegung im Saal.) Der Staatsanwalt: ״Es läßt sich vielleicht an Grund für dieses Abwarten denken. In der Ukraine gab es Kriegsgerichte, die sofort die Ermordung des Hetmans bestraft hätten. Schwarzhart wartete, bis er in Paris war, weil er auf die bekannte Milde der französischen Geschworenen rechnete.“ Der gerichtliche Sachverständige, Dr. Claude erklärt, daß er den Geisteszustand Schwarzbarts untersucht habe. Schwarzbart sei ein Schwärmer, aber er habe die Verantwortung für seine Handlungen zu tragen. Schwarzbart: ״Dazu bin ich bereit!“ Die Vertreter Petljuras machen den Versuch, jüdische Persönlichkeiten als Kronzeugen dafür zu zitieren, daß Petljura ein Judenfreund war. Es entspinnt sich eine Diskussion über Jabotinsky, der bekanntlich seinerzeit mit Petljuras Gesandten Slawinski verhandelt hat. Torres verweist auf Jabotinskys letzten Artikel, worin dieser die Schlußfolgerung, er halte Petljura für unschuldig, zurückweist Dann kommt Rewuckl daran, der ehemalige Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, der bekanntlich fetzt in Amerika lebt. Torres verliest eine Erklärung von ihm, worin er gegen die Behauptung protestiert, daß er für Petljura gewesen sei, weil er eine kurze Zeit Minister gewesen ist Der Verteidiger Schwarzharts zeigt, wie die Situation wirklich gewesen ist Die drei jüdischen Minister In der Regierung Petljuras haben ihre Detnession gegeben, um gegen die Pogrome zu protestieren. Silberfarb ist bereits in den ersten Tagen zurückgetreten. Rewutzki blieb nur vierzehn Tage Minister. Krasni, der vpn 1919—.1923 Minister gewesen ist hat an Torres einen Brief geschrieben, in dem er erklärt, daß Petljura der brutalste aller Pogromftthrer gewesen sei, brutaler als irgendeiner seiner Vorgänger. # Die Zeitung ״Comoedlä“ (Herausgeber Gabriel Alpfeaud) hat die Bemerkung des Advokaten der Petljura-Partei, Wilm, aufgegriffen, daß ״ganz Israel“ für Schwarzbarts Verteidigung mobilisiert ist und fragt Torres, ob es wahr sei, daß er zwei Millionen Francs für die Verteidigung Schwarzbarts erhalten habe usw. Darauf bat Torres in der Zeitung ״Paris-Matinal“ folgendermaßen geantwortet; ״Herr Gabriele Alphaud! Sie haben mich wie einen Strolch überfallen. Wenn der Prozeß, den ich jetzt zu führen labe, beendet ist, werde ich mit Innen abrechnen. Sie er- :ilblen.yen einer rumänischen Stadt, in. der ich niemal&.gc- ■wesen bin, und verbinden damit Anspielungen auf' fneme Beteiligung an einer ״deutsch-russischen Propaganda“. Wenn 'ein Alphaud etwas Derartiges über einen Mann sagt, der im Kriege schwer verwundet wordetj ist, dann ist das eine Un- Verschämtheit. Ihre übrigen Redereien beweisen, daß Sie den Prozeß, der Jetzt vor dem Schwurgericht geführt wird, mit alten Skandalaffären verwechseln, an denen S i e beteiligt gewesen sind. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie eich irren, wenn Sie glauben, mich behandeln zu können, wie einen der armen Provinzschauspieler, die Sie täglich ausbeuten.“ Bukarest, 7. Oktober. (J.T.A.V Das Regierungsorgan ״Cüwintul" ist dahin informiert worden, daß die Regierung eine Revision des Bürgerschaftsgesetzes in dem Sinne vorbereitet, daß Personen, die aus verschiedenen Ursachen auf die :rumänische Staatsangehörigkeit verzichtet haben, die Möglichkeit erhalten sollen, rumänische Staatsbürger zu werden. Sollte die Revision durchgeführt werden, so werden 10 000 rumänische Juden die Möglichkeit erhalten, die rumänische Staatsbürgerschalt zu erwerben. ״König der Könige“ (Ein Christusfilm von C e c i 1 d e M i 11 e.) Diese Verfilmung der Evangelien lief bereits im Rahmen der Salzburger Festspiele. Sie kommt in diesen Tagen in Berlin zur Aufführung. In einem Eingesandt der ״Jüdischen Rundschau“ war vor dem Besuch gewarnt worden; um zu beweisen, daß dem Film jede antisemitische oder missionierende Tendenz fehltj hat die Nationalfilm A.-G. einige Vertreter des deutschen Zionismus zu einer Sonderaufführung gebeten. Der Film ״König der Könige“ ist nicht antisemitisch. Hätte er nur etwas von der großartigen Feindseligkeit des Neuen Testaments, gegen Phansäer und Schriftgelehrte, gegen das damals herrschende Judentum, es stände besser um seine Wirkung. Leider wird der Geist dieses Judentums ebensowenig spürbar wie Glaube, Geist und Kraft Christi. Gezeigt wird der Lebensgang eines gutartigen Wundertäters, der an Haß und Neid einer geld- und machtgierigen Priesterschaft zugrunde geht. Akte hindurch tut der Christus des Films egal Wunder; man sieht Hände, die er Blinden und Lahmen auflegt, und hört Worte, die angeblich Tote erwecken. Der Geist und der Glaube, der Berg? versetzt, ist nirgends spürbar. Sie entziehen sich ebenso der Darstellung wie die Bergpredigt, auf deren Verbildlichung man zugunsten effektvollerer, im Grunde aber gleichgültigerer Szenen verachten mußte. Im übrigen muß es angenehm gewesen sein, in diesem Film-Judäa — von der Atmo- Sihäre Palästinas verspürt man keinen Hauch — zu leben, das n über alle Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Schäfer Ast durchzog: ״Wie war’s in Köllen doch vordem — Mit Heinzelmännchen so bequem.“ Besser als diese schließlich ermüdenden Wundertaten sind die Passionsszenen, die ja an und für sich dramatischer, darstellbarer sind. Aber hier rächt sich — zum Schaden nicht nur der künstlerischen, sondern auch der kirchlichen Wirkung des Films — seine Ungeistigkeit. Was sind das für armselige Machenschaften, was für dürftige Schürklein, über die dieser Christus leidend triumphiert. Dem Judentum und zugleich dem Christentum geschieht hier Unrecht. Nicht Kaiphas, und vor allem nicht dieser Kaiphas, war Christi historischer Gegen- Spieler, sondern das Judentum mit seiner gewaltigen Tradition. Starr, unerbittlich und großartig wie Dostojewskis Großinqui* sitor hätte neben dem Christus der Hohepriester stehen sollen, Martina!» ztomstiioa» uerainiflung Sonntag, den 6. November, vorm. 11 Uhr Im BACH-SAAL, Lützowstraße 76 FESTAKT tniaailch des Unter Mitwirkung de* Trio! ProL Jose! Wolfsthal (Violine), Carol Szreter (Klavier), Platlgoreky (Cello). F«atr idser! Kurt Bltuuenield, Dr. Nah tun Goldmann, Dr. Jakob Klatskin, Dr. Alired Klee, Prof. Dr. Heinrich Loewe, m₪₪₪₪mmmm₪m₪m₪₪₪₪m Arthur Höllischer und Palästina Brief aus Breslau. Man erinnert sich wohl noch des vor fünf Jahren erschienenen Büchleins ״Eine Reise durch das jüdische Palästina“ von Arthur Holitscher, das sich bemühte, der Tatsache jüdisches Palästina gerecht zu werden. Man erinnert sich auch des weniger erfreulichen Aufsatz« in der ״Neuen Rundschau“ von vor zwei Jahren, der neben der unverhüllt zutage tretenden Enttäuschung über die nicht oder nicht genügend kommunistische Entwijklung des jüdischen Palästina eine Reihe von Behauptungen enthielt, die durchaus nicht den Tatsachen entsprachen, worauf der Autor dann auch hingewiesen wurde. Jetzt hat Moli t sch er in Breslau zur Eröffnung des neuen Halbsemesters der dortigen ״Jüdischen Volkshochschule“ eine akademische Vorlesung gehalten, der man leider an Ort und Stelle nicht widersprechen konnte, die aber unmöglich hingenommen werden darf. Das Thema lautete: ״Das Judentum in der kommenden Weltkrise“. Der Gedankengang des Redners war, ganz kurz zusammengefaßt, etwa dieser: Eigentlich befinden wir uns schon jetzt in dieser Weltkrise, schon seit dem Weltkriege. Durch das Aufstreben der unterdrückten Völker und durch den allerdings noch unvollkommenen Widerstand der Arbeiterschaft gegen ihre besonders in dem so große Oegensätze aufweisenden Amerika sich immer mehr vervollkommnende Mechanisierung und damit verbundenen Verblödung wird die Krise immer schärfer sich zuspitzen und zu einer Lösung dringen. Vorläufig herrscht allerdings noch in aller Welt, besonders der englischen, def Kapitalismus, der immer gwl-edet6׳? Klttge־:?,bra#cht־‘'««iÄ*:• wird, und dieser wendet sich geschlossen gegen das "arbeiterbefreiende sowjetistische Rußland. Auch der Idealismus junger Juden, die auch ln Palästina das Sowjetsystem herrsehend machen wollen, was aber als auf einer Insel mitten im Meere des Kapitalismus kaum möglich Ist, wird wegen dieser Bestrebungen verfolgt und kann schon darum zu keinem Ziele kommen. Demgegenüber baut Rußland den Juden Koionien, die ihnen eine sichere Zukunft geben werden, wenn nicht etwa die Sowjetherrschaft vom Kapitalismus gestürzt wird. Dann allerdings gäbe es ״schon bei der ersten kriegerischen Handlung gegen Rußland den blutigsten Pogrom, den die Geschichte je erlebt hat“. Um das zu vermeiden, müßten die Juden die Sowjetherrschaft stützen, sie, die selbst stets unterdrückt, doch das meiste Verständnis für die Unterdrückung anderer Völker und der Arbeiter aufbringen müßten. Sie, das Volk des Individualismus, haben auch das tiefste Gefühl für die. Notwendigkeit der Entmechanisierung der Massen und für die jetzt neu aufstrebenden religiösen Ideen, die sich im Bolschewismus zeigen. Sie, aus deren Mitte Männer wie Spinoza, Heine, Marx, Lassalle und Trotzki .־" ■ ""־.■ n. ..!,!;.»!,iw.. der ebenso aus innerer Notwendigkeit hätte verfolgen und töten, wie Christus wirken und leiden müssen. Gerade vom christlichen Standnunktlius wäre erst in einem solchen Vertreter des Judentums das Judentum überwunden, der Triumph der Kirche offenbar geworden. Dann hätte auch der Film die Möglichkeit gehabt, ein historisches Unrecht wieder gutmachen zu helfen. Pilatus spielt, einer Version des Neuen Testaments folgend, in diesem Stück eine leidlich sympathische Rolle. Neben einem richtiger und gerechter gesehenen Kaiphas wäre seine Haltung in ihrer einzigartigen Jämmerlichkeit deutlich geworden. Hatte doch Pilatus als einziger nicht nur die äußere Macht, zu verdammen und freizusprechen, sondern auch das innese Recht dazu. Wollten Kaiphas und das durch ihn verkörperte Judentum nicht sich selbst untreu werden, so mußten sie verfolgen und vernichten. Pilatus, der, über barbarischen Sektengeist spöttelnd, fragt: ״Was ist Wahrheit?“, der Christus für unschuldig hält und seine Haltung bewundert, mußte freisprechen und dürfte der tückischen Drohung nicht weichen: ״wenn du diesen freigibst, bist du des Kaisers Freund nicht“. Kaiphas war ein fanatischer, vielleicht sogar grausamer Eiferer wie mancher Papst, Pilatus, der Träger aller weltlichen Macht, ein Mörder aus Feigheit. ״König der Könige“ ist kein Missionsfilm. Smarte Reverends werden gewiß mit ihm ihre Kirchen vorübergehend füllen. Aber sie werden keine Seelen damit gewinnen. Da wir Gegner eines wirklich missionierendem Films sein müßten, dürfen wir mit seiner Geistlosigkeit und selbst mit seiner Ungerechtigkeit zufrieden sein. Daß es üble Jaden und machtgierige jüdische Notabein gibt wie den Kaiphas des Films, wird am wenigsten von uns bestritten. Jeder Unverblendefe wird empfinden, daß es neben dem Judentum dieser jämmerlichen Gesellen ein anderes Judentum geben muß, gegen das mit der Verfolgung und dem Tod Christi nichts gesagt ist. Rudolf Schtldkraut gibt in seinem Kaiphas einen gutgesehenen Gemeindegewaltigen aus Wilna oder aus Frankfurt am Main. Bei aller Virtuosität seines Spieles hätte man gewünscht, er hätte sich hin und wieder seines unvergeßlichen Shylocks erinnert. H. B. Warners Christus, eine schöne menschliche Maske, war im ganzen farblos, aber weniger unangenehm und eitel als andere Christusdarstellungen. Die Maria Magdalena der Jacqueline Logan war eine ganz reizende Büßerin, Joseph Schildkraut als Judas nicht uninteressant. hervorgegangen sind, die stets Vorahner und Vocbereiter neuer Zeiten waren, müßten auch hier wieder Führer der Menschheit zu großen neuen Idealen seht. ... Wenn das Publikum nach diesen Ausführungen dem Redner Beifall klatschte, so war das nur die Anerkennung der geistigen Leistung. Schon während des Vortrages machte sich eine bei einer solchen akademisch sein sollenden Vorlesung sonst ungewohnte Unruhe bemerkbar und es wurden sogar Zwischenrufe laut. Auch der stets liebenswürdige Vorsitzende der Volkshochschule dankte zwar dem geistvollen Mann, setzte aber hinter den Inhalt der Ausführungen ein deutliches Fragezeichen. Viel schärfer war die Ablehnung bei einem Teil der Hörerschaft Aber nicht so sehr wegen der Gesamttendenz, sondern wegen des Beiwerks di«« Vortrag«. . .. Daß der Vortrag den offenbaren Zweck, zu den Ideen des Kommunismus und •des Sowjetismus zu bekehren, nicht erfüllte, ist sicher. Aber was er erreichte, war rin anderes, war eine natürliche Folge der psychologischen Tatsache, daß Negative** immer mehr am Hörer haften bleibt als Positiv«, b«onders, wenn es seinen inneren Strebungen entspricht. Und das war Ablehnung, Bekämpfung d« ZIonismus. Nicht bloß der jetzigen Leitung, sondern d« Palästinagedankens an sich. Redner erklärte, sich nur gegen erstere zu wenden. Was er dazu vorbrachte, war geradezu unverantwortlich. Schon als er von dem Brüsseler Kongreß der unterdrückten Nationen berichtete und von dem jung« Chaluz sprach, der dort als ״Delegierter aus Palästina“ war und den Bolschewismus ais das Heil der Welt pries, hielt er es nicht für nötig zu sagen, welche'Gruppe aus Palästina ihn dahin delegiert hatte und wie klebt diese Gruppe war. Jeder Hörer mußte annehmen, daß es rin offizieller Driegierter des gesamten arbeitenden Judentums ln Palästina war. Er sprach dann weiter von der ״von der Exekutive verbrecherisch vernachlässigten Arbeiterschaft“, wärt* lieh! Daß man der zionistischen Exekutive all« andere eher nachsagen kann? als eine ״Vernachlässigung“ der Arbeiterschaft, sollte doch Herr Holitscher wissen. Weiß er « und spricjjt doch einen solchen Satz aus . . .? Er sprach weiter von Chaluzim, die er 1925 Im Emek krank und elend antraf, nachdem er sie drei Jahre itivor bei seiner ersten Palästinareise dabei getroffen hatte, wie sie mit Hergabe all ihrer Kräfte und ihrer Gesundheit den Boden amelioriert haben ״für jetzt ln Tel-Awiw sitzende Schieber“ . . . Weiß Herr Holitscher nicht, daß der jüdische Boden des Emek nicht spekulierenden Privatpersonen gehört, sondern Volkseigentum, Besitz des Keren Kajemeth, d« Nationalfonds ist? Wann und wo haben überhaupt Chaluzim für ״In Tel-Awiw sitzende Schieber“ Boden amelioriert? Und wo sitzen diese ״Schieber“ in Tel-Awiw? Hera« mit den Namen, Herr Holitscher, wenn Sie Ihre Behauptung beleg« können! Es fällt wahrlich schwer, de« Redner objektive Glaub- Würdigkeit zuzugestehen, wenn man ihn so reden hört. Das noch weniger mit den Dingen vertraute Publikum nahm solche Unrichtigkeiten genau so gläubig Mn, wie die Behauptung, daß die englische Politik sich jetzt immer mehr den Arabern zu- und von den Juden abwende, rinfe Behauptung, deren Gegenteil de« Tatsachen entspricht ,,Er ■:'eflähltd;Wrter-'TOn;ri׳nervjjstaWct".l::Äb#smifert'ug“ von pÄdtnensischen Chaluzim nach Rußland, — etwas, was zwar der ״Daily Mail“ gleich nach dem Erdbeben prophezeite, dessen Eintreten indes bis jetzt die Statistik noch nicht berichtet hat. Die kleine nach Rußland ausgewanderte kommunistische Gruppe wird von der gesamten Arbeiterschaft scharf abgelehnt. Weiter schildert er die Chaluzim als Menschen, die ganz bewußt auf eine neue Form des Glaubens hinarbeiten, die ein ״Jenseits hienieden“ schaffen wollen, die aber gerade darum vernichtet werden sollen (von wem, das sich zu denk«, blieb dem zup Schweigen genötigten Zuhörer überlass«), obwohl sie im Grunde stark religiöse Menschen sind, allerdings nicht für ״eingefleischte Formen und Riten, die jede wirkliche Religion unmöglich machen“, und sprach weiter von den Bemühungen des offiziellen Zionismus, den Chaluz zu ״unterdrücken, weil er nicht koscher ißt, und damit der Sc^pck aus Amerika wieder größer wird“. Diese Bemühung um den größeren Scheck aus Amerika durch Unterdrückung der Chaluzim wurde dem Hörer übrigens zweimal serviert, ohne darum an Beweiskraft für den Orientierten ta gewinnen. Allerdings schien Herr Holitscher Alle Anwesenden für zio- Von starker bildhafter Wirkung waren die Apostel d« Films; vor allem der Petrus von Ernest Torrence, bin ungeschlachter, tief ergriffener Bauer. Der Szenerie merkt man ihre im Programm gepri«ene Kostspieligkeit an. Sie haftet begreiflicherweise an den taus«d bekannten Bildern, die jede Phase des heiligsten Lebens und Leidens in bestimmter Pose festhalten. Von erschütterndem Naturalismus sind einzelne Szenen der Passion; großartig der Aufruhr des Himmels und der Erde bei Christi Tod. Freilich ertrinkt alles in dem bombastischen Kitsch der Ausstattungsfilme und der hergebrachten Süßlichkeit der Traktätchenliteratur. Man hätte vor dem Film nicht warnen müssen. Er schhdet uns weder noch beleidigt er uns: er läßt uns kalt. Karl Glaser. Joden ln Film Der neue, im übrigen allzu honett-saubere Kriegsfilm aus Galizien, ״Leichte Kavallerie“ (im Marmorhaus), nimmt die Judenfrage weder pathetisch-mystisch noch tendenziös-antisemitisch. Es gibt ein brennendes Dorf und ein mehr als primitives Lazarett, aber der rauh-gemütliche Feldwebel ist allzu wenig jener preußische Feldwebelschreck, der alte Landsturmer im Urlaub auf der Straße anranzt, nur will sie ihn nicht vorschriftsmäßig gegrüßt haben. Auch alles andere Ist sehr auf ״Schön“ gefärbt. Aber der galizische Jude ist wahrscheinlich zur Enttäuschung der Antisemiten nicht das, was ein Studentenpöbel in den ersten Jahren nach de» Krieg aus Ihm machen wollte. Es gibt in dem Film durchaus nicht zum Tee die jfldisehen Mädchen, sondern im Gegenteil einen alten Rabbiner, der — natürlich vergeblich — eine siegreiche junge Liebe stören will. Dieser Rabbiner ist übrigens eine Schildxraut-Rolle, die aber von Steinrück gespielt wird, und er repäsentiert die alte Zeit gegenüber dem neuen Jahrhundert Jenseits der Vorurteile. Von dieser Vorurteilslosigkeit künden nicht nur die Worte im ״Filmband“, sondern auch die Regie. Siegfried Arnos junger Kaufmann Wasserstrahl brilliert nicht nur in komischer Angst, sondern stellt bei Skepsis und Humor mit dem bekannten lachenden und nassen Auge den Respekt wieder her. Der wirkliche Schildkraut hat im Film ״Der Landarzt“ (Tauentzien-Theater) einen großen Schritt vorwärts ge-