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Jüdische Rundschau · 1927-10-15 · Heft 85 (15.10.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 85 (15.10.1927)
Date
1927-10-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 85, 25. X. 1027 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 601 nistisch völlig orientiert zu halten, zumindest setzte er ganz genaue Kenntnis der letzten Kongreßbeschlüsse und aller möglichen zionistischen Technizismen und Begriffe voraus, mit denen die Hörer — nebbich! — nichts anzufangen wußten. Er scheint nicht gewußt zu haben, daß er vor einem überwiegend nichtzionistischen Publikum sprach. Auf der anderen Seite hatte der Vortragende für Sowjetrußland eitel Lob, nicht das Geringste an ihm auszusetzen. Was geht auch diese jüdischen Hörer z. B. der so sehr den sozialistischen Maximen ״Freiheit, Gleichheit und Brüderliclikeit“ entsprechende Kampf Sowjetrußlands gegen die jüdischen Chaluzim in Rußland, gegen jüdische Religion an? Was brauchen sie von der administrativen Verschickung (nach zaristischem Vorbild) jener von Holitscher selbst als ״edelstes Element des Judentums“ bezeichneten Chaluzim nach Sibirien zu erfahren, wenn diese nur darum dorthin geschickt werden, weil sie es wagen, diesen ihren Idealismus in den Grenzen des ״freien“ neuheiligen Rußland zu bekennen? Wozu sollte Holitscher davon erzählen? Er fürchtete wohl damit sein Konzept zu verderben. Nun, das ist ohnedies geschehen. Aber die Scherben des Abends bezahlt ausschließlich der Zionismus. Hugo Schachtel. Die Tarbui'Bewegung in Litauen Von Dr. M. N e w i a s k y, Kowno. Das in Litauen zu einer Selbstverständlichkeit gewordene hebräische Schulwesen hat in den letzten wenigen Jahren einen derartigen — in erster Linie quantitativen — Aufschwung zu verzeichnen, daß das kleine Land am Nieman die Bewunderung der jüdischen Öffentlichkeit immer mehr auf sich zieht Unter Iwrith versteht man bei uns nicht nur Hebräisch als _ Unterrichtsfach, sondern als die Sprache, in der nun jüdische und allgemeine Fächer obligatorisch unterrichtet werden sollen und in der der gesamte Fragenkomplex der harmonischen Erziehung und der Ausbildung des neuen jüdischen Menschen zu lösen versucht werden soll. Der lange leidenschaftliche Kampf — auch in manchen zionistischen Kreisen — um die Frage, ob es pädagogisch empfehlenswert und praktisch klug ist, eine autonome jüdische Schule auf Hebräisch aufzubauen, erwies sich als gegenstandslos, sobald man an den tatsächlichen Aufbau der hebräischen Schule herangetreten ist. Nach sieben bis acht Jahren intensiver Arbeit kann die Organisation ״Tarbut“, dem das hebräische Schulwesen in Litauen unterstellt ist, auf folgende Zahlen zurückschauen: 86 Volksschulen 12 Gymnasien 32 Abendschulen 10 Kindergärten 11 Mittelschulen 1 Lehrerseminar 1 Dramatische Schule 38 Bibliotheken mit 6217 Kinder 3182 ״ Schüler 080 ״ Schüler 932 ״ Kinder 644 ״ Schüler 40 ״ Schüler 20 ״ Schüler Die Gesamtzahl der in Tarbut-Schulen untergebrachten Kinder macht 75 «/» aller jüdischen Schüler aus. wenn wir »och die 10 0f<> Schüler der Jawne-Schulen, wo die hebräische Sprache vorherrschend ist, hinzufügen, so ergibt sich, daß nur 15 Vo aller jüdischen Kinder in den Jiddischen (6ß °/o),-Utaul~ sehen (4,5 0/0), russischen (2 »*) und deutschen (2 0/8) Schulen ihre Ausbildung erhalten, wo die hebräische Sprache endweder gar nicht oder nur sehr wenig unterrichtet wird. Dabei muß noch bemerkt werden, daß ein großer Teil der Eltern, die ihre Kinder in die nicht hebräische Schule schickt, für einen Privatunterricht im Hebräischen für ihre Kinder Sorge trägt. Fragt man nach den Ursachen der großzügigen Entwicklung des hebräischen Kulturwerkes in Litauen, So sind neben den günstigen politischen Voraussetzungen — insbesondere in den Flitterwochen der Entstehung des litauischen Staates — und der Unmöglichkeit einer raschen Assimilation an die junge litauische Kultur noch die latenten geistigen Potenzen des litauischen Judentums, sein Verbundensein mit der Sprache der Bibel und der Mischnah, sein Streben nach Wissen (auf je 1000 Mitglieder einer Nationalität entfallen in Litauen 93 jüdische, 70 litauische, 46 polnische und 22 russische Schüler) und die Opferfreude der jüdischen Eltern und zum Teil der Lehrer besonders zu betonen. Scheint nun jetzt in den Sphären des litauischen Bildungsmfnisteriums eine nicht unbedenkliche Wendung — vielleicht auch als Folge der Hintertreppenpolitik der jiddischistischen Partei und aer extremen Orthodoxie — sich bemerkbar zu machen und wird auch die materielle Last des Schulhaushaltes, den zum erheblichsten Teil wir selbst zu decken haben, für die wirtschaftlich ruinierte litauische Judenheit immer unerträg- Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Memekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Mittwoch, den 26, Oktober abends 8 Uhr Verband jüd. Frauen für Kulturarbeit In Palästina, Oeffentlicher Vortragsabend im Logenhaus, Kleiststr. 10. Frau Anita Müller-Cohen (Wien-Tel-Awiw): ״Ein Arbeitsjahr in Palästina.“ " Abends 81,4 Uhr Zusammenkunft der Gruppe Ost der B. Z. V. in den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4. Donnerstag, den 27. Oktober abends 8ג/י Uhr Sitzung der Vertreterversammlung der B. Z. V. im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Arbeitsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Antrag der revisioriistischen Gruppe auf Anerkennung als Sondergruppe innerhalb der B. Z. V. 4. Aussprache über: Die Auswirkungen des Kongresses auf die zukünftige zionistische Arbeit in Deutschland. Die Sitzung ist für Mitglieder der B. Z. V. öffentlich. Sonnabend, den 29. Oktober nachm. 3 Uhr Zentral-Komltee-Sitzung des Hapoäl-Haza'fr, in den Räumen des K. J. V., Bleibtreustraße 5!). Referenten: Chawer Georg Landauer: ״Die Stellung der Hitachduth in Palästina und im Galuth nach dem Kongreß“; Chawcra Gerda Arlosoroff: ״Die politische Lage im Zionismus“; Chawer Franz Lichtenstein: ״Die künftige Arbeit der Hitachduth in Deutschland“. Chawerim sind herzlich eingeladen. Dienstag, den 1. November abends 8(4 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung ,Bund Zionistischer Frauen im Logenhaus, Kleiststr. 10. Frau Gerda Arlosoroff (Palästina): ״Frauenproblemc in Palästina". Mittwoch, den 2. November abends 8!/s Uhr Jugendkundgebung der Berliner Zionist. Vereinigung in der Aula der 4. Pflichtfortbildungsschuie, Oeorgenstr. 30/31, anläßlich des 10. Jahrestages der Balfour-Deklaration. Thema• Jüdische Jugend — zionistische Bewegung und Palästina-Aufbau. Redner: Gerda Arlosoroff, Palästina, Dr. Werner Bloch, London, Dr. Siegfried Kanowitz, Berlin. Sonntag, den 6. November vorm. 11 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Bach-Saal, Lützowstr. 76. Festakt! 10 Jahre Balfour-Deklaration. licher, so ist andererseits die Tarbut-Ideologie so populär geworden und ihr ideeles Aktivum so bedeutend gewachsen, daß man das Gefühl hat, die litauischen Juden würden sich mit allen Möglichkeiten und Regungen an das Geschaffene klammem. Die während der Feiertage in Kowno abgeha’tene Landes, konferenz der Tarbut-Organisatlon war berufen, weniger eine Demonstration nach außen — wie es im vorigen Jahre der Fall war, als die Jiddischisten zu einer Offensive ansetzten — zu veranstalten, als eine Reihe von praktischen Fragen zu lösen, in erster Linie die der Ausbildung und Kontrolle aer hebräischen Lehrer, die der Vervollkommnung der schon existierenden hebräischen Zeitschrift ״Netiwoth“, der Jugendarbeit, der Linderung der finanziellen Not der Schulen, der Reinigung der Schule vom Parteigeist, des Unterrichtes von religiösen Fächern usw. Neben der Wahl der neuen Tarbut-Leitung, zu der sämtliche zionistischen Parteien und Jugend- und Frauen- Organisation herangezogen wurden (mit Ausnahme des Misrachi und Z.-S.), hat sich die Konferenz mit der Frage einer engeren Zusammenarbeit mit den anderen baltischen Staaten intensiv befaßt. Einige Tage nach der Konferenz wurde in Riga die baltische Tarbut-Konferenz einberufen, zu der sich Vertreter von Litauen, Lettland, Estland und Polen eingefunden haben. Wie zu erwarten war, hatten die litauischen Delegierten die Führung in allen Fragen, Eingesandt Die Siedlonpbestrebongen des Reichsbnndes Ittdlscher Frontsoldaten Der am 15. d. M. im ehemaligen Herrenhaus vom R. J. F veranstaltete Abend, der bezweckte, ein größeres jüdisches Publikum mit den neuen Plänen des R. J. F. bekannt zu machen, mußte bei jenen Teilnehmern, die sich schon seit Jahren mit den Fragen der Berufsumschichtung der jüdischen Jugend befassen, eine tiefe Enttäuschung hervorrufen. Nicht die wie immer geistvollen Ausführungen Prof. Oppenheimers Ober sozialpolitische Fragen, nicht die ethisclv-philosophischen Gedanken Dr. Baecks, nicht die packende Anrede Dr. Klees enttäuschten, sondern die Ausführungen des bekannten Landwirtes Dyk, der seiner Aufgabe, die praktischen Vorschlage für die Ausführung der Pläne des R. J. F. darzulegen, nicht gerecht wurde. Es ist überflüssig, an dieser Steile darauf hinzuweisen, wie notwendig und wünschenswert für die Regeneration des Judentums die Rückkehr der jüdischen Jugend zur Bodenbewirtschaftung ist. Leider muß ich aber den Plänen des R. J. F., eint jüdische Bauernsiedlung in Deutschland zu errichten, auf Grund meiner Kenntnisse der derzeitigen Verhältnisse mit starker Skepsis begegnen. Die lang'ährigen Erfahrungen des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden (Bodenkulturvereins), der Gesellschaft ״Ort“ (Verband zur Förderung der Land- Wirtschaft und des Handwerks unter den Juden) in Deutsch- Land, des Hethaluz, der Stiftung Ahlem und einer größeren Anzahl jüdischer Landwirte und Gärtner beweisen, daß die Berufsumschichtung der jüdischen Jugend nicht nur schwierig nach der ideellen und physischen Seife hin ist, sondern vor allem auch, und das ist ja heutzutage überall ausschlaggebend, nach der finanziellen Seite hin. Keine jüdische Organisation ist in der Lage, die nötigen Gelder zu beschaffen, um auch nur ihre nächsten Ziele zu erreichen. Wie wenig aussichtsvoll muß daher der von dem R. J. F. propagierte Siedlungsplan sein; denn seiner Ausführung treten alle genannten Schwierigkeiten in erhöhtem Maße entgegen. Ob der~R. J. F. die zur Siedlung notwendigen sehr erhebliehen Mittel zur Verfügung hat, ob er jüdische Bauern kennt, die über das zur Ansiedlung notwendige Kapital verfügen, ob er hofft die Gelder durch Sammlungen atifzubringen, darüber ist nichts gesagt worden. Zwar wurde von Herrn Dyk darauf hingewiesen, daß die Auswahl geeigneter Siedler außerordentlich sorgfaltig getroffen werden müßte, da jeder Mißerfolg das Siedlungswerk diskreditieren würde. Woher aber die geeigneten jüdischen Siedler genommen werden sollen, ob der R. I. F. in aller Stille solche geeigneten jüdischen Siedler ausgebildet hat, darüber ist nichts gesagt worden. Es ist kein Geheimnis, und es wurde auch von Herrn Dyk erwähnt, daß die Ausbildungsmöglichkeiten in dem landwirtschaftlichen Beruf für die deutsch-jüdische Jugend außerordentlieh schwierig sind. Die wenigen jüdischen Gutsbesitzer in Deutschland nehmen jüdische Lehrlinge wegen des Antisemitisnms, dem sie in ihrer isolierten Lage selbst ausgesetzt sind, ungern oder gar nicht auf. Die Unterbringung bei christlichen Bauern bietet auch aus naheliegenden Gründen erhebliche Schwierigkeiten. Die wenigen vorhanden gewesenen jüdischen Lehrgüter (Steinhorst, Halbe, Buckow usw.) mußten wegen Geldmangels — Lehrgüter sind immer zuschußbedürftig — autgelöst werden. Wie ein tüchtiger und ausgebildeter Nachwuchs für die Landwirtschaft heran gezogen werden soll, darüber ist nichts gesagt worden. jeder Fachmann, insbesondere aber auch Herr Dyk, kennt den Unterschied der Ausbildung eines Gärtners und eines Landwirtes. Er weiß, daß die Existenzbedingungen beider Berufe verschieden sind, er weiß auch, daß die wirtschaftlichen Aussichten des Gärtnerberufes die bedeutend besseren sind. Er weiß ferner, daß ihre nun einmal vorhandene intellektuelle Veranlagung die Juden für den gärtnerischen Beruf oder für ein landwirtschaftliches Spezialgebiet geeigneter macht als für eine bäuerliche Tätigkeit. Es ist auch nicht unbekannt, daß es im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Ausbildung leichter ist, gute Lehrstellen für jüdische Lehrlinge zu finden, und daß die Gärtnereischule Ahlem trotz großer finanzieller Schwierigkeiten immer eine noch relativ gute Ausbildung ihren Zöglingen gibt. Ob diese wohl nicht zu bestreitende Tatsachen in dem Siedlungsplan des R. J. F. Berücksichtigung gefunden haben, darüber ist nichts gesagt worden. So willkommen an sich die neu angekündigte Tätigkeit des R. J. F. ist, erschien es mir doch notwendig, auf die Schwierigketten hinzuweisen und vor leichtgläubigem Vertrauen zu warnen. Sollte, wie wahrscheinlich, der groß gefaßte Plan des R. J. F. scheitern, weil alle Vorbedingungen für die Erfüllung fehlen, so würde die Enttäuschung darüber den nützlichen Be- Strebungen zur Berufsumschichtung der Juden in Deutschland unermeßlichen Schaden zu fügen. Berlin, 20. Oktober. Dr.-Ing. Max Lcwy. tan. Während Steinrück den ehemals pathetischen Schildkraut- Stil zu mimen hätte, das Jüdische fehlt ihm jedoch, rückt Schildkraut in seinem Füm in die Nähe seines großen Kollegen Chaplin. In diesem Film des christlichen Landarztes leuchtet das bekannte jüdische Herz und die schiemihlhafte, zitternd zerdrückte Träne der Güte ist weltweise und symbolhaft fern. Die Tragik des älteren Mannes, das Fleischhäufchen mit den wabbeligen Backen und der Lehre von der Vergänglichkeit des Fleisches ist ganz vergeistigt worden, ganz schlicht und still. Ganz herrlich ist er in der gelösten Güte, in der alle Lichter von Humor und Rührung spielen. Nur manchmal saust etwas von dem alten Schildkraut mit durch. Etwas Undiszipliniertes mit schlechter Pathetik. Der Regisseur muß eben aufpassen wie ein Luchs, dazu ist er ja schließlich da. Immerhin, ״Der Landarzt“ ist der bisher beste Schildkraut-Film. Ruth Morold. Die ( esellschail für die Wissenschaft des Jadentoms Am 2. November 1927 kann die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Ihre Gründung erfolgte ln einer Epoche tiefer Depression und seelischer Not der westeuropäischen Judenheit. Es war die Zeit, da unter den Gebildeten der Abfall vom Judentum grasslerte, namentlich unter den Akademikern die Taufe ihrer Kinder an der Tagesordnung war, es war die Zeit, wo Friedrich Delitzsch Vorträge über Bibel und Babel und ähnliche Veröffentlichungen sich bemühten, ״den Nimbus des auserwähltem Volkes herabzusetzen“, wo Bücher wie Harnacks ״Wesen des Christentums“ verschlungen und als Lockruf zu einem ״geläuterten Glauben“ verstanden wurden. Jüdische Schriften von Bedeutung, die diesen Gefahren in wirksamer Weise begegnen könnten, gab es nicht, oder sie blieben unbekannt; sie gelangten über einen kleinen Kreis von Fachmännern nicht hinaus, nicht einmal im Religionsunterricht fanden sie Verwertung. Aber In der Hauptsache beschäftigte man sich in jüdischen Kreisen mit kleinlichen Untersuchungen philosophischer oder historischer Einzelheiten, die großen Fragen der Weltanschauung und des unmittelbaren Lebens blieben ebenso vernachlässigt wie die damals viel besprochene und durch die Ausgrabungen im Vorderen Orient in Fluß geratenen Probleme der Biblischen Kritik. In der Not der Zeit propagierte ein junger Rabbiner, Dr. Leopold Lucas in Glogau, die Gründung einer ״Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“. Zwei Ziele hatte er vor allem im Auge: erstens sollte der Zusammenschluß aller verfügbaren geistigen Kräfte der gesamten Wissenschaftliehen Bewegung die Möglichkeit bedeutsamer gemeinsamer Arbeiten, die alle anderen Zweige der Wissenschaft groß gemacht haben, gewährleisten. Sodann sollte die Gesellschaft einen beträchtlichen Mitgliederkreis werben, ihn für jüdischwissenschaftliche Werke interessieren und so den VerÖffentlichungen auf jüdischem Gebiete einen ausgiebigen Leserkreis sowie eine gewisse Resonanz sichern. Schon der erste Aufruf hatte unerwartete Wirkung. Fast alle eingeladenen Gelehrten erklärten sich zur Mitarbeit bereit. Die Gesellschaft trat unter der tatkräftigen Leitung von Professor Dr. Martin P h i 1 i p p s o n , Berlin (gest. 1916), und Rabbiner Dr. Jacob Guttmann, Breslau (gest. 1919), ins Leben. Sie übernahm die von Dr. M. Brann in Breslau (gest 1920) geleitete ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ als ihr Organ und sandte sie ihren Mitgliedern unentgeltlich zu. Ebenso ließ sie ihnen das ״Jahrbuch für jüdisehe Geschichte und Literatur“ zugehen. Ferner wurden Gelehrte in Ihrer Forschungsarbeit unterstützt und Einzelschritten herausgegeben, ein sehr glücklicher Anfang wurde mit Leo Baecks Buch: Das Wesen des Judentums gemacht, dessen vierte Auflage inzwischen fast vergriffen ist. Vor allem aber wurden monumentale wissenschaftliche Veröffentlichungen in Angriff genommen, an denen heute noch gearbeitet wird. So die Germania Judaica; sie sollte alle Landschaften und Orte des Deutschen Reiches, wo von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen von 1815 jüdische Ausiedhmgetj bestanden oder hervorragende Juden gelebt haben, in alphabetischer Reihenfolge verzeichnen und deren Geschichte und Leistungen auf Grund der Quellen in möglichst knapper Form gemeinverständlich darstellen. Die Schwierigkeit der Arbeit wurde damals unterschätzt, nur die erste Hälfte des ersten Bandes konnte 1917 erscheinen und gerade Jetzt steht die zweite Hälfte dieses Bandes vor dem Abschluß. Elin anderes Schmerzenskind ist das Corpus Tannaiticum, das alle Texte der tannäischcn Literatur in kritischer Bearbeitung veröffentlichen sollte. Ein Unternehmen ganz großen Stils war der Orundrlß der Gesamt- Wissenschaft des Judentums, der zunächst auf 36 Bände berechnet war und Monographien über den ganzen Kreis der jüdischen Wissenschaft enthalten sollte. Auch dieser Plan konnte bisher noch nicht ganz durchgeführt werden; es sind im ganzen 13 Bändeerscnienen.die fast alle mehrere Auflagen erlebt haben. Neben kleineren Schriften, deren Ausgäbe noch bevorsteht, erscheint demnächst als Jubiläumsabe das Prachtwerk von Dr. C. Tassilo Hoffmann: Abraam Abrahamson; 50 Jahre Berlinischer Medaillenkunst. Wie diese beiden Künstler von epochemachender Bedeutung für ihr Gebiet waren, so wird auch dieses Werk durch die Fülle des neuen, bisher völlig unbekannten Materials, sowie durch seine Ausstattung Aufsehen erregen. Aus Anlaß ihres Jubiläums fordert die Gesellschaft zu Beitrittserklärungen auf, die an das Büro der Gesellschaft, Berlin- Sehöneberg, Beiziger Str. 46, II. 2 (Nathan) zu richten sind. Kir.üer-Revue- Soll unseren Kleinen eine wirkliche Freude bereitet werden, und wollen auch die ״großen“ Begleiter neben der langweiligen Pflichterfüllung etwas für sich herausschlagen: dann gehen sie mit ihren Kindern an einem der Nachmittage zu der Kinder-Revue ״Hans im Glück“, von Marcellus Schiffer, die im Theater am Kurfürstendämm gespielt wird. Das alte Märchen, an das im Grunde nicht gerührt wird, erscheint (zusammen mit anderen eingeflochtenen Märchen) durch witzige Einfälle und Zuschnitt aut heutige Tage beinahe als Neuschöpfung. Die leise Ironie, oft Parodie, macht die alten Grimm’schen Märchen wohl auch für die Kinder, die heutige Märchen noch nicht haben und doch Veraltetes leicht herausspüren, genießbarer. Alle Mitwirkenden leisten ihr Bestes. Die Musik von Paul Strasser verquickt lustig alte Kinderlieder mit Jazz, und Schauspieler und Musiker treten als treuherzig mitspielende Kinder auf. Der Jubel und das Entzücken kennen kaum Grenzen. m. Soeben erschien im Verlage ״Dwlr“ (Tel-Awiw) ein fünfaktiges Drama ״P u 1 z e 11 i n a"‘ von Schlomo Dow u 0 i t e i n. Das Drama spielt zur Zeit der Judenverfolgungen des Jahres 1171 in der Gemeinde Biois an der Loire. Wir werden diese hebräische Dichtung eines aus Deutschland stammenden Zionisten noch zu würdigen haben. li

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