Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 85 (15.10.1927)
- Date
- 1927-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 85, 25. X. 1^27 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 509 '\ Die Pogrome vor Gerichi uhwarzbart, einer aus dem Volke Von Moses Wä Id mann. Paris, 20. Oktober 1927. Wäre nicht die Tat, die Schwarzbart am 25. Mai 1926 verübt hat, so würde ihn eigentlich gar nichts von vielen Hunderttausenden, ja Millionen seiner Volksgenossen aus «dem Osten unterscheiden und aus der Masse hervortreten lassen. Wenn im Nachstehenden gerade an Schwarzbart typisches JudenAhicksal exemplifiziert wird, so darum, weil sein Name jetzt in aller Leute Munde ist und weil er in einer Stunde seines Lebens Ausdruck dessen wurde, was Hunderttausende seiner Art gedacht und gefühlt haben. Nur daß bei den anderen noch eine letzte Hemmung bestand, nur daß die anderen vielleicht nicht den brennenden Ehrgeiz hatten, irgend etwas aus ihrer Vergangenheit gutzumachen, eine Scharte auszuwetzen. * Schwarzbart — wie heißt er eigentlich mit dem Vornamen? Schalom, nannte er sich jahrelang, Samuel heißt er in Wirklichkeit Ist das nicht typisch jüdisch? Man weiß selbst nicht mehr, wie man heißt Zumeist ist der Fantiliennamen strittig, denn die fremde feindliche Umwelt stellt unbegreifliehe bösartige Forderungen nach Papieren und Dokumenten. Und da heißt man bald so und bald so. Bei Schwarzbart ist der Vorname strittig. Warum? Etwa dämm, weil er in seiner Jugend etwas ausgefressen hatte und seiner Familie Schande zufügte? Wollte er also diesen Fehltritt seiner Jugend dadurch vergessen machen, daß er mit dem Namen Samuel auch die alte Dummjungentat begrub? Vor Gericht versuchte er der französischen Jury zu erzählen, Schalom sei gleich Samuel Man muß als Jude über diesen^ Versuch lächeln. Daß Schwarzbart solches tat, rührt wohl aus einem besonderen Ehrgefühl her, daß er den Grund nicht angeben wollte, weswegen er mit dem alten Namen auch den alten Adam abzulegen versucht hatte. Immerhin beweist diese N&memvertauschung, wie starte in Samuel Schwarzbart das Ehrgefühl entwickelt War. Er wollte vergessen machen, er wollte durch eia von Idealismus durchflutetes Leben den Fleck, den er dem Namen Schwarzbart zugefügt hatte, aus* löschen. Jugendsünde, Dumraerjungenstreich — wie steht es dar* um? Im Alter von 20 Jahren kam er nach Wien. Von einem dunklen Drange getrieben, der heimatlichen durch zaristische Gesetze besonders qualvollen Enge zu entfliehen und in fernen Welten das m suchen, woran es in der annseügen Heimat gefehlt hat Kam nach Wien mit 23 Hellern, einem Federmesser, ausgetretenen Schuhen und einem abgeschabten alten Anzug. ' Wahderte in jener wunderschönen Stadt obdachlos, durstend und hungrig einher. Da kam ein Versucher und schlug ihm ein gemeinsames Geschäft vor: Schwarzbart soll sich In einer Weinstube unter der Bank verstecken und über Nacht einsperren lassen. In der Naehi־ 80®־%f״däs (*gÜMMer-ttdd.:«egende־Gdf'*der Weinschenke an steh nehmen, dann werde er, der Versucher, erscheinen, die Tür öffnen, Schwarzbart befreien und die Beute mit ihm teilen. Sdnvarzbart tat, wie ihm geraten wurde. Nur daß er in der Nacht das Geld aus der Schublade dem Ver- Sucher durchweine Türspalte reichte, bevor die Tür geöffnet war. So war er geprellt und gefangen und büßte dann die Tat, deren Ertrag einem anderen zufiet. Wenn man diesen Sachverhalt erfährt, der authentisch auf Grund von Polizeiakten und Gerichtsurteilen in Wien erzählt ist, dann weiß mal Bescheid. So handelt kein abgefeimter Verbrecher, so verhält sich ein Naivling, der aus dem kleinen Balta in Wolhynien in die große Kaiserstadt Wien urplötzlich ohne Pfennig Geldes, ohne Verbindung, ohne Hilfe, verschlagen wird. Die Ukrainer hatten gehofft, im Prozeß aus dieser Geschichte einen Rocher de Bronze zu machen, an dar Schwanbarts Charakter in den Augen der Jury zerschellen sollte. Die Jury* erwies sich weit menschlicher. Sie hörte den Fall an und ging achtlos darüber hinweg. ... Ein Dummerjungehstrach! Der Uhrmacher Schwarzbart. Ist er wirklich ein Uhrmacher? Hat er sein Handwerk regulär in vorgeschriebener mehrjähriger Lehrzeit erlernt? Nein. Er wurde Uhrmacher, weil sich'das gerade bot. Wie zahllose Vorbeter und Kinderlehrer aus dem Osten nach New York kommen, plötzlich Zuschneider oder Schuster werden. Dieser Typus ist bekannt Kommt da heute noch irgendein junger Mann aus dem Osten, sacht Arbeit, übernimmt in der Not alles, was sich bietet Wird Chauffeur, wird Lehrer, wird Handwerker — mir ist ein Fall bekannt — es war in Brasilien, — daß er Minister wurde. Judenschicksal. Da das alte Rußland und auch andere Staaten des Ostens den Juden nicht die Möglichkeil gewährten, aus der Enge des Händlers und Luftmenschentams herauszutreten und etwas Rechtes gründlich zu lernen, so griffen jüdische Auswanderer zu allem, was־ sich bot. Dann erzählte man von den einzelnen, die die Treppe des Erfolges steil emporgestiegen sind und erwähnte nicht die vielen Zehntausende, die unterwegs elend zugrunde gingen, Schwarzbart war Arbeiter, war Uhrmacher, lebte als Kleinbürger und ergab sich proletarischen Ideologien. Dabei aber las er Tag und Nacht und heimlich schrieb er Gedichte und Novellen. Sicherlich eine allgemein menschliche Figur, aber in dieser Art typisch jüdisch. Wer kennt nicht die zahllosen, armseligen kleinen Juden im Osten, die tagsüber handeln und feilschen und dann am Abend ihre Häupter über schwere Folianten beugen und ihre Phantasie ins Wunderiand der Romantik schweifen lassen. Solche Typen kommen auch bei anderen Völkern vor, bei den Juden aber, dem geistigen Volke, dem Volke des Buches, ist die Zahl solcher Figuren Legion. Quantität wird zur Volksqualität. Heine hat in dichterischer Vision diesen Typus in der Prinzessin Sabbat verewigt Schwarzbart, der Kleinbürger, der Handwerker, eigentlich ein verzauberter Dichter. Kein Ausnahmsfall, einer aus dem Volke. ע Ein guter Junge, sagte mir Monsieur Ferdinand Mignat, seines Zeichens Haarkünstler, Samuel Schwatzbarts Nachbar. Er ist von der Verteidigung als Leumundzeuge geführt. Wenn ich recht überlege, ist Monsieur Mignot der ״bon garson“, der gute Junge, und nicht Samuel Schwarzbart Denn was ist ein guter Junge? Ein braver Durchschnittsmensch, der darum mit seinem Teil zufrieden ist, weil seine Sehnsucht nicht höher fliegt. Ist das bei Schwarzbart der Fall? Ich glaube nicht. Und das ist das Jüdische an ihm. In diesem alten Volke, in den Einzelnen dieses Volkes, liegen ungeheure Kräfte, ähnlich wie im Radium, die stets bestrebt sind, zu emanieren. Schwarzbart ist durch die Be- Zeichnung ״guter Junge“ nicht zureichend charakterisiert Er ist weit mehr als das. In ihm, dem einfachen, alltäglichen Juden, steckte und steckt wie in vielen Juden ein Marschall auf irgendeinem Gebiete. Viele Juden sind ja verhinderte Marschälle. Der Vertreter der Zivilpartei fragte Schwarzbart, warum er nach der russischen Revolution, im Begriffe nach Rußland zu reisen, in seinem Paß Angaben gemacht hatte, die nicht voll zutreffen. Schon diese Frage kennzeichnet den gegnerischen Anwalt. Er hat ja keine Ahnung vom Juden und Pässen. Er weiß nicht, daß diese zwei Begriffe Feuer und Wasser sind. Er kennt nicht die Geschichte, daß ein jüdischer junger Mann im Osten vor Gericht nach seinem Alter gefragt, entweder ein Jahr zuviel oder ein Jahr zu wenig angibt, einfach darum, weil es ihm unmöglich erscheint, durch die richtige Angabe, sein Fortkommen in einer feindseligen Welt zu finden. Der Jude im Osten — und nicht auch im Westen? — ist eben gezwungen, sich zu drehen und sich zu wenden; er ist, mag er auch in einem Lande beheimatet sein, dennoch in der Fremde. Ewig unverstanden, sich und den anderen ein Rätsel. Und nun kommt Monsieur Wilm, Advokat vor dem Pariser Barreau, und fragt, wie es um Samuel Schwarzbarts Paß im Jahre 1917 bestellt war. Lächerliche Frage! Ich bin überzeugt, im Grunde seiner Seele hat Samuel Schwarzbart diese Frage nicht verstanden. Denn aufrichtig gesagt, auch ich verstehe sie nicht. Was hat denn in Wirklichkeit der Mensch mit seinen Papieren gemein! Samuel Schwarzbart Ist einer aus dem Volke, und jeder Einzelne von «ns auch. * Der Fortgang des Prozesses Nach Abschluß des ersten Verhörs mit dem Angeklagten Schwarzbart wurden vom Schwurgericht zunächst die Tatzeugen verhört, die.׳nichts wesentliches mehr auszusagen haben, als schon in der Anklage stellt. Der Gerichtshof ging dann zur Behandlung der Pogrome in Proskurow and Fcischin über. Es waren dies die ersten entsetzlichen Pogrome, die von Petijura direkt unterstellten Truppenteilen veranstaltet wurden. An einem Sonnabend, nachmittags, wurde der jüdische Teil der Stadt Proskurow von . regulären, Truppenteilen Petljuras, die unter dem Befehl des. Atamans Semasenko standen, Umzingelt, einzelne Trupps begaben sich in die Häuser, und schlichtete!» ...gänze ׳Fijiüfen:׳afe׳fire^e|:.Ba«it und KhtdeVr.ftmidea.'-nicht׳. gesötattfe, f?0ü.J0disfchft5Opfer*zShitt man an diesem:: Thge,-« Eh׳ anderer Truppenteil Semasenkos umzingelte die benachbarte, hauptsächlich von Juden bewohnte Stadt Felschin und tötete etwa 800 Juden. Bei Verlesung der Akten über Proskurow gerät Schwarzbart in große Erregung und rief aus: D a s j ü d i - sehe Volk hat immer seine Märtyrer gehabt, aber nie hörte man von solcher Bestialität. Tor res hielt eine leidenschaftliche Rede, in welcher er die Greuel des Pogroms von Proskurow schilderte. Die Rede machte einen außerordentlichen Eindruck und steht auch im Mittelpunkt der Berichte der Pariser Zeitungen. Es kam dann zum Verhör von Nerestenko, den Vorsitzenden des Kriegsgerichts in Proskurow nach dem Pogrom. Er erklärte, es seien alle möglichen Vorkehrungen gegen Pogrome getroffen worden. Auf die Frage, weicher Art diese Vorkehrungen waren, gab der Zeuge keine Antwort, jedoch Advokat Campinchi verwies auf die bekannten Befehle Petljuras. T o r r e s wies nachdrücklich darauf hin, daß ,.diese Befehle nur für den Gebrauch des Auslandes fabriziert wurden. Während des Pogroms haben die Rabbiner wiederholt an Petijura appelliert, er hat jedoch nicht einmal geantwortet. T 0 r r e s sagte: In Proskurow hat man Tausende von Juden massakriert, ich Tiabe hier ein Verzeichnis der Namen. Jetzt höre ich, daß es sogar ein Kriegsgericht gegeben hat, und stehe dem Vorsitzenden dieses Kriegsgerichts gegenüber, ich bitte, ihm zu sagen, weiche von den schuldigen Generälen; Offizieren, Soldaten vor dem Kriegsgericht abgeurteilt wurden. Der berücbtigte Semeeenko war der schuldigste von allen. Wurde er vor das Gericht gerufen? Nein. Ihr habt keinen von den Organisatoren des Pogroms angeklagt, sondern nur 25 Juden des Bolschewismus beschuldigt, was tatet ihr mit den Organisatoren des Pogroms? Advokat Wilm (Vertreter der Petliura-Partei): Sie reden immer nur von den Opfern des jüdischen Volkes. Die Kräfte vonganzlsraelsindmobilisiert. Sie vergessen ganz, daß es auch christliche Opfer gegeben hat. Sie sprechen von den Pogromen der Jahre 1917 bis 1920 und sagen nichts von den Schicksalen der Ukraine, die von allen Seiten angegriffen wurde. Die Deutschen und Oesterreichcr, Denekin, die Bolschewiken, verschiedene Banden, alle fochten gegen Petijura, Es werden Zeugen auftreten, die von dem Leiden des Landes und von den christlichen Opfern erzählen werden. To rres: Es gibt keine ״Mobilisierung der Kräfte Israels“. Ich wollte nicht nur von Proskurow sprechen, aber wenn ich vor mir den Präsidenten des Kriegsgerichtes von Proskurow sehe, will ich von ihm wissen, ob er leugnet, daß die Soldaten den Pogrom veranstaltet haben. Wurde irgend jemand bestraft? Petijura war das Haupt des Landes und der Armee, seine Soldaten mordeten tausende unschuldige Juden. Ist er nicht schul• dig? Ich weiß, daß auch andere Pogrome veranstaltet haben, aber jed״*r ist für seine Pogrome verantwortlich. Wäre Denikin ermordet worden, dann würde ich dasselbe tun wie jetzt. Zur Abschwächung der Aeußerungen Schwarzbarts läßt die Zivilpartei einen Brief des (jüdischen) Sozialrevolutionärs Dubkowski verlesen, der erklärt, Schwarzbart sei Anarchist und habe stets Verbindung mit Agenten der dritten Internationale gehabt. Schwarzbart erwidert darauf, alles, was Dubkowski berichtet, sei Dummheit und Lüge, er habe persönlich Dubkowski viel geholfen, jetzt handele Dubkowski an ihm wie ein J ud as. Der Verteidiger Torres teilt mit, er habe Beweise dafür, daß Dubkowski in der Zarenzeit sich als Provokateur betätigt hat. Im übrigen ist es komisch, Schwarzbart zu beschuldigen, er sei Anarchist, und gleichzeitig zu behaupten, er unterhalte Verbindung mit den extremen Staatlern, den Bolschewisten. Das ist wie Feuer und Wasser, Von der Gegenpartei wird ein Brief des Obersten Budakoff verlesen, der seinen früheren Chef Petijura als einen edlen Mann schildert, der nie Unrecht tat. Torres erwidert, Budakoff selbst sei einer der Mitschuldigen ah dem Pogram in Proskurow und habe sich an der Abschlachtung von Greisen und Kindern beteiligt. Warum erschien dieser Budakofft nicht persönlich vor Gericht? Mögen die Geschworenen sich daraus ein Urteil über diesen Mann bilden. Der Zivil- Vertreter Campinchi tritt für Budakoff ein. Der Staatsanwalt kommt ihm zu Hilfe und erklärt, daß zur Zeit des ersten Pogroms in Proskurow Petijura einfacher Minister war und nicht die Macht hatte, dem Wüten Einhalt zu gebieten. War ja damals auch ein Jude Kabinettsmitglied, und auch dieser konnte nichts machen. Torres gibt seiner Verwunderung über die Unwissenheit des Staatsanwalts Ausdruck. In dem verhängnisvollen Monat Februar, da die Judenschaft von Prosktirow und Felschin abgeschlachtet wurde, war Petijura bereits Chef der gesamten Armee und Mitglied des Direktoriums. Schon damals war er faktisch der alleinige Dik» tator. Ein jüdischer Minister war nicht mehr in seinem Kabinett, der Jude Revutzki hatte schon Anfang Februar demissioniert, und zwar gerade wegen der Politik Petljuras, der dem Wüten der Soldateska freien Spielraum ließ, weil er glaubte, dadurch die Disziplin in der Armee zu erhalten. Zu jener Zeit schon wandten sich die wehrlosen jüdischen Gemeinden an ihn als den einzig Mächtigen mit der Bitte, das Blutvergießen zu verhindern. Petijura aber gab keine Antwort. Der Armeechef Petijura war aber für das Tun und Lassen seiner Truppen ver* antwortlich, ebenso wie Hindenburg für die Ordnung in defl deutschen Armee und Marschall Foch für die Ordnung in der französischen Armee verantwortlich waren. Zu Beginn der Freitag-Verhandlung ermahnt der Präsident des Schwurgerichts die Advokaten, die Verhandlung nicht durch Unterbrechung der Zeugenaussagen und lange Reden zu verschleppen, man könne sonst das Ende des Prozesses nicht absehe n. Trotz dieser Ermahnung begann der Advokat der Petljura-Partei, Campinchi, mit einem Resümee der bisherigen Dokumenteverlesungen und Zeugenaussagen und zog den Schluß, daß die Schuld Petljuras an den Pogromen nicht erwiesen sei. Der Verteidiger Schwarzbalte, Torres, protestierte gegen diese vorzeitige Schlußfolgerung, die sich ja nur auf die von der Zivilpartei gestellten Dokumente und Zeugen beziehen könne. Unser Material und unsere Zeu» gen, rief Torres aus, sind auch nicht gehört worden. Es wird sich erweisen, daß Petijura, der in den verhängnisvollen drei Jahren die erste Person in der Ukraine war una die gesamte Macht in seinen Händen konzentriert hatte, keinerlei Abwehrmaßnahmen gegen die Pogrome ergriffen und keinenderSchuldigenbestraft hat Er* wiesen ist jedenfalls, daß die Offiziere Petljuras die Judenver* folgungen organisiert und kommandiert haben. Er ist verant* wörtlich für das, was unter seinem Befehl geschehen Ist Auf die Frage Campinchis, was der Angeklagte dazu sage, erwiderte Schwarzbart: Napoleon III. war verantwortlich für das Unglück Frankreichs ■ im Jahre1870 ׳. Petijura, der ein Teufel io Menschengestalt .war! :ist: fttf; der Ukraine v«r» '«nfwoftlicfi.; :,. ׳ ,,. ’ .■s . .. ■ Nach dieser' Auseinandersetzung Icaie«׳ ettlge Weitere׳ Zeu* gen zu Worte. Der jetzt in Prag wohnende ukrainische Ppp*’ ifessor Alexander Sc hu lg in, der unter Petijura Auftefminister war, behauptet, Schwarzbart sei ein Agent der Tscnefc* und 11a1 auf Befehl Moskaus gehandelt Auf die Frage, ob er Beweise für diese Behauptung habe, erwiderte der Zeuge: Nein, aber es ist meine innerste Ueberzeugung (!). Die Po* grome, fügte er hinzu, seien keine direkten Judenverfolgungen gewesen, sondern eine Folge des bolschewistischen Verdichtungskrieges gegen die Ukraine. Petijura, sagte er, war mein: Freund, ein edier Mann; mit Befehlen und Taten war er gegen die Pogrome vorgegangen. Aber dieRoteArmeemachte die Pogrome (I). 1920 seien ganze Dörfer auf Befehl Ra* kowskis vernichtet worden. Zum Schluß der Verhandlung erfolgt die Vernehmung des Professors Paul Langevin.die auf Antrag der Verteidigung vorgenommen wird. ״Es sind keine Zweifel möglich“, führt der Professor aus, ״über die Realität der Judenpogrome“ in der Ukraine. Es Ist ebensowenig zweifelhaft, daß mindestens die Hälfte dieser Pogrome das werk der regulären ukrainischen» Truppen gewesen ist. Der Führer dieser Truppen, der Hetman Petijura, ist also dafür verantwortlich. Seine Aufrufe genügen nicht, um vergessen zu machen, daß er gegen die Schuldigen keinerlei* Strafen eingeleitet hat.“ Langevin bemerkte zum Schluß, er könne Schwarzbarts Seelenzustand verstehen, der an» gesichts der Tatsache, daß in der grauenvollen Pogromzeit die verantwortlichen Elemente einen Zustand der Rechtlosigkeit duldeten, schließlich sich selbst das Recht nahm, die Mörder seiner Familie und seines Volkes zu strafen. Von großem Interesse war die Einvernahme von Pro kopowitsch, der eine kurze Zeit Ministerpräsident der ukrainischen Rada-Regierung war. Er spricht lange über die Geschichte der Ukraine und kommt zu dem Schlüsse, daß Petijura ein aufrichtiger Patriot war und mit den Pogro» men nichts zu tun hat. Torres fragt, ob Prokop owitsch Beweise dafür habe, daß Petijura Pogrome zu ver* hindern suchte. Prokopowitsch verweist auf die diesbezüglich bestehende Literatur. Im Saale wird über diese Antwort gelacht. Torres bemerkt, wenn ein früherer Ministerpräsident nicht einen einzigen konkreten Fall angeben könne, wo Schuldige bestraft wurden, so ist der Wert seiner Aussage allen klar. Prokopowitsch behauptet, daß in dem Petijura nahegestandenen Pariser ukrainischen Organ Judenhetzartikel nicht erschienen waren. Darauf verliest Torres einen in diesem Organ kurz vor dem Attentat er» schienenen Aufsatz, in dem scharf gegen die Juden gehetzt wird. Diesen Artikel hatte Schwarzbart vor der Tat gelesen. Der Zeuge Prokopowitsch erklärt, der Artikel richte sich besonders gegen die jüdische Kolonisation in der Ukraine, er, Prokopowitsch, werde immer gegen die Ansied lung von Juden auf ukrainischer Erde auftreten. Campinchi verliest das Dokument Nr. 65 aus dem vom Komitee der jüdischen Delegationen herausgegebenen־ Buch über die Pogrome, in welchem von der Verhaftung Palienkos die Rede ist, der den Pogrom in Schitomyr geleitet hat. Torres erwidert, Campinchi habe vergessen, das Dokument Nr. 69 zu verlesen, in welchem von Palienkos Freilassung und Glorifizierung die Rede ist Das Dokument beweist, daß Palienkd nicht nur das Morden, sondern auch das Plündern anbefohlen hat. Ferner wurde der ehemalige Untergeneral Petljuras, Dudowitschenko, ein vernommen, der gegenwärtig in einer Maschinenfabrik als einfacher Arbeiter beschäftigt ist. Er gibt zu, daß sich die Armee direkt an den Pogromen beteiligt hat, meint aber, man könne die dortigen Zustände nur verstehen, wenn man Land und Leute kennt Er selbsg