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Jüdische Rundschau · 1927-10-15 · Heft 85 (15.10.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 85 (15.10.1927)
Date
1927-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 508 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 25. X. 1027 cs für den Zionismus Feuerproben. Im großen und ganzen kann gesagt werden, daß der Zionismus die Probe jetzt nicht schlecht bestanden hat. Ueberall Mt sich zwar weiter ein Anschwellen jüdisch-zionistischer Stimmen feststellen, aber weit nicht in dem Maße wie vor einigen Monaten in Warschau und Lublin. Die Taktik der zionistischen und bürgerlich-jüdischen Parleien war in den verschiedenen Orten nicht gleich. Es mangelte an einheitlicher Führung, was wohl auf Meimmgs- Verschiedenheit innerhalb der zionistischen Zentralbehörden zurückzuführen ist. So konnte man in vielen Ortschaften ein Erstarken der Blockidee bemerken und das Zusammengehen der Zionisten mit der Agudah und anderen Gruppen brachte gute zahlenmäßige Resultate. Anderorts aber war schon deutlich in den zionistischen Reihen eine prinzipielle Abneigung gegen ein Zusammengehen mit der Agudah zu spüren und da bildete sich oft eine zionistische Front gegen die Agudah, was nur selten zur Abschwächung der allgemein-jüdischen Position führte. Die Zionisten waren da nicht immer einig. So schloß z. B. in Kaliscli ein Teil der allgemeinen Zionisten einen Block Hiit der Agudah, ein anderer Teil trat mit der Hitachduth «elbständig auf. Interessant war der Wahlgang in Lodz. Die allgemeinen Zionisten waren hier zum Teil Anhänger eines gesamtjiidisehen Blocks, welcher aber infolge des Widerstandes der Agudah nicht zustande kam. Die ״Hitachduth“ war entschieden gegen einen Block mit der zionistenfeindliclien Orthodoxie, hielt es aber später auch nicht für möglich, mit den allgemeinen Zionisten und Misrachi zusammenzugehen, weil nach ihrer Meinung das von diesen Gruppen vertretene Programm der Kommunalpolitik reaktionär sei und einseitigen wirtschaftlichen Interessen diene, was in einer solch überwiegenden Arbeitsstadt wie Lodz dem Zionismus schweren Schaden zufüge und breite Kreise der jüdischen Arbeitsmenschen in die Arme der linken sozialistischen Gruppen treibe. Das Resultat war, daß sämtliche jüdische Parteien «elbständig zur Wahl gingen und sogar zwei zionistische Listen — eine bürgerliche und eine ״zionistisch-demokratische" der ״Hitachduth“ — aufgestellt wurden. Das Ergebnis war — wider Erwarten — ein positives. Man konnte einzeln die Stärke der Parteien messen und sowohl die Zionisten (zusammengenommen) als auch der Bund und Poale Zion- Linke haben ein Anwachsen ihrer Stimmen zu verzeichnen. Der jüdische Besitzstand im Stadtrat verg r ö ß e r t e sich sogar um vier Mandate. Die Agudah konnte nur ihre bisherige Position erhalten. Die Wahlen in Lodz haben aber gezeigt, wie dringend der Zionismus auch hier, ja erst recht hier in Polen, eine große Auseinandersetzung mit der jüdischen Umwelt wiederum beginnen muß. Es gilt, sich nicht nur der ,,Agudah“ und dem ״Bund“ gegenüber zu behaupten, sondern darüber hinaus eine starke Ideenoffensive zu unternehmen. Und diese Propaganda wird gute Früchte tragen. NatioDaldeatsche Zitate Das Organ der nationaldeutsche n Juden brachte in seiner Septembernummer ein Zitat aus der Wiener Wochenschrift ״Die Wahrheit“, dem Organ der Union österreichischer Juden, wo ein angeblicher Artikel des Abgeordneten Grün bäum betitelt ״Die Krise im Zionismus“ abgedruckt war. Darin werden Grünbaum folgende Worte in den Mund gelegt: ״Oe Aufbauarbeit in Palästina darf nicht als Endziel des Zionismus propagiert werden, soll vielmehr nur als ein Mittel dienen, um unsere nationalpolitischen Bestrebungen in der Diaspora zu bemänteln.“ Wir haben in Basel Gelegenheit gehabt, den Abg. Grünbäum über die Richtigkeit dieses Zitates zu befragen, dessen Unwahrscheinlichkeit evident ist. Grünbaum erklärte, daß er einen solchen Satz niemals geschrieben hat. Da die erwähnte Zeitschrift eine genaue Quelle nicht angab, so stellen wir fest, daß es sich entweder um eine Mystifikation oder uni eine völlige Entstellung handeln muß, oder aber daß der Uebersetzer, der der ״Wahrheit“ dieses Material geliefert hat, selbst nicht jiddisch versteht. Eine Darstellung der zionistischen Jugendbewegung Im vierten Band der von Prof. Thurnwald herausgegebenen verdienstvollen ״Forschungen zur Völkerpsychologie und Soziologie“, der dem ״Jungen Deutschland“ gewidmet ist und eine ganze Reihe von Arbeiten enthält, die alle das Problem der ״neuen Jugend“ behandeln, befindet sich auch ein Aufsatz von Dr. Siegfried Kanowitz; ״Zionistische Jugen dbewegun g“. Der 30 Seiten starke Aufsatz ist im wesentlichen informativ. Von einer Darlegung der historisch-soziologischen Situation des Judentums, in der die zionistische Parole als ״Entladung der gespannten Atmo- Sphäre“ wirkte, kommt er zu einer Darstellung der Ent- Wicklung der zionistischen Jugendbewegung in Deutschland von ihren Anfängen in den Studentenverbindungen über den Blau-Weiß bis zur Gegenwart. Eine solche Darstellung existierte bisher nicht und man ist frappiert durch die eigentümliche Wirkung, welche allein schon die Aneinanderreihung der Tatsachen und ihre zusammenhängende Erzählung ausübt. Das vom Verfasser verfolgte pragmatische Prinzip in der Beurteilung des Zusammenhangs der Ereignisse ist die Heraus- Stellung des Antagonismus zwischen dem jugendbeweglerischromantischen Verlangen nach völliger Freiheit von allen Bindangen des Zweckes und den von der realen, durch die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke und ihre Probleme gestellten Aufgabe geforderten Entscheidungen, die Zweckbindungen bedeuten. Zwischen den beiden Polen, die der zionistischen Jugend von außen her auf der einen Seite durch die deutsche Jugendbewegung des Wandervogels, auf der anderen durch die zionistische Bewegung und ihre Erfordernisse nahegebracht war, pendelte sie vielfach hin und her und die larsteiiung dieser Pendelbewegung eben mit den sie verursachenden Voraussetzungen und ihren Folgen bedeutet die Geschichte dieser 30 Janre zionistischer Jugendbewegung. Eine Reihe begründeter kritischer Bemerkungen, welche die durchaus flüssige und anziehende Darstellung glücklich durchsetzen, machen diese gerade im gegenwärtigen Krisenzustand unserer Jugendbewegung sehr lesenswert und zu einer brauchbaren Grundlage für die ausführlichere Diskussion aller hierhergebörigen Probleme, die endlich kommen muß, soll es nicht zu spät werden. Es ist daher zu begrüßen, daß ein Sonderabdruck dieser Arbeit (in dem hoffentlich manche sinnstören-de Druckfehler beseitigt sein werden) angekündigt ist, der sie dem Dornröschenschlaf im dickleibigen Archiv entreißen und den interessierten Kreisen, besonders aber unserer Jugend, zugänglich machen wird. •0-1% Rundschau Irak and Palästina - Gdud Awoda und Sowjet• ruijland - Der Numerus clausus in Ungarn — Scheidende Palästinenser Berlin, 24. Oktober. Vor einigen Tagen ist König Feisal von Irak in Begleitung seines Ministerpräsidenten Djaffar Pascha in London eingetroffen, um mit der englischen Regierung Ver- Handlungen zu beginnen, die auch für uns von großem Interesse sind. Bekanntlich wurde das englische Mandat über Mesopotamien anläßlich der Festsetzung der Grenze im Mossulgebiet auf 25 Jahre verlängert, mit der Bestimmung, daß der Vertrag alle vier Jahre revidiert werden soll und daß das Mandat erlischt, falls Mesopotamien in den Völkerbund aufgenommen wird. König Feisal will nun eine Aenderung des Vertrages erzielen. Die dem Kolonialamt nahestehende Wochenschrift ״Near East“ weist darauf hin, daß König Feisal die Verhältnisse in seinen Nachbarländern Türkei und Persien, deren dikiatorische Verfassung mehr den orientalischen Vorstellungen entspricht, mit Neid betrachtet, dabei jedoch zu vergessen scheint, daß er von einer fremden Macht auf den Thron erhoben wurde und auf die Hilfe dieser Macht angewiesen bleibt. England könne bei dem heutigen Zustand des Landes seine Hand nicht von Mesopotamien lassen, doch seien gewisse Vertragsänderangen zu befürworten. Die Hauptschwierigkeit bereitet die Frage der Einführung der Wehrpflicht, die von Djaffar angestrebt wird und auch von dem englischen Inspektor General Daly befürwortet wurde, von dem britischen Oberkommissär aber abgelehnt wird. Die Bevölkerung selbst widerstrebt wenigstens zum Teil leidenschaftlich der Wehrpflicht.! Bei dem engen Verhältnis zwischen Palästina und Mesopotamien kann uns die Entwicklung in diesem Nachbarlande nicht gleichgültig sein. Sie ist auch staatsrechtlich von Interesse, da dieses Land so wie Palästina zu den A-Mandaten zählt, jedoch bereits eine weitgehende Selbständigkeit besitzt, mit eigenem König und Ministerium, und die Verhandlungen werden wahrscheinlieh eine weitere Vergrößerung der Selbständigkeit bringen. Mit einem Eintritt in den Völkerbund ist derzeit kaum noch zu rechnen, doch müssen wir für die Zukunft die Möglichkeit ins Auge fassen, daß durch einen solchen Akt das islamische Element im Völkerbund sehr gestärkt wird. Aufgabe der zionistischen Politik ist es daher, zur Vermeidung falscher Analogien die Sonderstellung Palästinas innerhalb der A-Mandate mit größtem Nachdruck zur Geltung zu bringen. Auch wirtschaftlich sind die beiden Länder eng verbunden. Die vor einiger Zeit durch die Presse länderte Meldung, daß die Hoffnungen auf Petroleum im Mossulgebiet übertrieben sind, werden durch die neuesten Tatsachen widerlegt. ״Times“ meldet aus Bagdad vom 20. Oktober, daß die Bohrungen außerordentlich erfolgreich waren und sogar eine Petroleumüberschwemmung von mindestens 50 CK» Tonnen in den letzten Tagen ernstliche Bedrohungen verursacht hat Durch diese Tatsachen wird der Gedanke der Röhrenleitung aus Mossul nach Haifa neu belebt. Die Vorbereitungen für den Ausbau des Hafens in Haifa scheinen aber sehr schleppend vor sich zu gehen; jetzt wird als Termin des Be• ginns des Hafenbaus, der bereits vor einem Jahre erwartet wurde, Anfang des Jahres 1928 angegeben. * Schon seit einiger Zeit beschäftigt sich die palästinensische Oeffentiichkeit mit der Abreise des Führers des ״Gdud Awodah“, E1 kind, der Palästina verlassen und sich nach RqBland begeben hat. Im Gdud Awodah, dieser auf den Namen Joseph Trumpeldors und in seinem Geiste gegründeten ״Arbeitslegion“, die aus der dritten Alijah der ersten Nachkriegsjahre hervorgegangen ist, hat es in den letzten Jahren wiederholt innere Krisen und Spaltungen gegeben, die in erster Linie politische Ursachen hatten. Die große Mehrheit der palästinensischen Arbeiterschaft hat mit größter Besorgnis diese Entwicklung verfolgt und die Organe der Arbeiterorganisation (Histadruth) mußten wiederholt einschreiten, um zu verhindern, daß die politischen Zerwürfnisse unmittelbare schädliche Folgen für die Wirtschaft haben. Bereits vor vier Jahren kam es zu einer Teilung des ursprünglich von dem Gdud einheitlich bewirtschafteten Nuris-Blockes. Die Siedlung En Charod löste sich los und bildete eine eigene ״Große Kwuzah“, der Gdud selbst verblieb in Tel Josef. Aber auch der Rest vermochte sich nicht zu halten, die Wirtschaft in Tel Josef verfiel, und vor einiger Zeit kam es zu einer neuerlichen Spaltung in ״rechten“ und ״linken“ Gdud. Der Führer des linken Gdud, Eikind, hat nun den hoffnungslosen Kampf für seine Ideen Innerhalb der Histadmth aufgegeben und ging nach Rußland. Es wird gemeldet, daß er von der Sowjetregierung freudig aufgenommen wurde und die Bewilligung zur Einreise von hundert Gen o s s e n erhielt, die die Sowjetregierung in der Krim ansiedeln will. Es bleibt abzuwarten, was sich aus dieser Affäre entwickeln wird. Da die Sowjetregierung bisher den jüdischen Kolonisten nicht selbst das Ansiedlungskapital zur Verfügung stellte, sondern dieses von jüdischen Gesellschaften kam, müßte wohl auch im Falle des Linken Gdud Awodah eine solche Hilfe von außen erfolgen. Die aus Rußland stammenden Chaluzün in Palästina haben eine scharfe Protestresolution gegen die Aktion Eikinds veröffentlicht und ihre Genossen in Rußland aufgefordert, sich durch diese Ereignisse nicht in ihrem Zionismus beirren zu lassen. Für die zionistische Welt ist aber dieser Fall eine Warnung; die Entwicklung, die manche, wenn auch nur kleine Gruppen von Chaluzim in der letzten Zeit durchmachten, dürfte von dir zionistischen Bewegung nicht unbeachtet bleiben. * Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat in einer Konferenz der Regierungspartei die Erklärung abgegeben, daß das Gesetz über den Numerus clausus abgeände rt werden wird. Die Einschränkung der Aufnahme jüdischer Hörer an den Hochschulen soll abgeschafft werden. Der Ministerpräsident und auch der Unterrichtsminister Graf Klebeisberg, erklärten beide, sie wären stets Gegner des Numerus clausus gewesen. Sie wiesen auf die Schwierigkeiten hin, die im Völkerbund durch diese Sache entstanden sind. Sollte das Versprechen Befhlens Wirklichkeit werden, wird man mit Genugtuung begrüßen, daß eine der schmählichsten und mittelalterlichsten Einrichtungen in einem europäischen Staat beseitigt worden ist. Daß freilich von einem Rückgang des Antisemitismus in Ungarn, diesem ehemaligen Paradies des liberalen assimilatorischen Judentums, nicht die Rede sein kann, beweist der lächerliche und schändliche Theater• Skandal in Budapest, über den die Tageszeitungen berichten. Die Aufführung des Stückes eines jüdischen Autors erscheint den erwachenden Magyaren als eine Gefährdung ihrer natioaalen Kultur. Sie benützen die Gelegenheit, um ihre Kultur der Welt vorzudemonstrieren. Hoffen wir, daß wenigstens die Regierung ihren Entschluß, einen neuen Kurs herbeizuführen, ernst meint. * Mit großem Bedauern vernimmt die zionistische Welt die Nachricht, daß eine Reihe von Männern, die bisher an verantwörtlich exponierter Stelle in Palästina gewirkt haben, und denen Palästina großen Dank schuldet, ihren Posten verlassen haben. Dazu gehört Architekt Richard Kaufmann, der seit dem Kriegsende als Beamter der P. L. D. C. die Städtebauliehe Abteilung der zionistischen Exekutive geleitet hat. Richard Kaufmann, ein gebürtiger Frankfurter, ist in Palästina erfolgreich für den Gedanken einer planmäßigen Anlage der Städte und Siedlungen anstatt des zufälligen Entstehens eingetreten. Von ihm stammen die Entwürfe der jüdischen Stadtviertel Jerusalems Talpioth und Beth Hakerem, der Anlageplan von Nahalal, Kfar Jecheskiel und anderen Kolonien. Kaufmanns Leistungen von uns bereits wiederholt an dieser Stelle gewürdigt, haben auch außerhalb Palästinas lebhaftes Interesse und vielfache Anerkennung gefunden. Wir erinnern an seine im Verlag Wasmuth in Berlin erschienene Schrift, die mit zahlreichen Tafeln und Plänen ausgestattet, ein Büd von der Tätigkeit dieses Städtebauers gibt. Kaufmanns Entlassung ist durch die unvermeidliche Verkleinerung des Betriebes der P. L. D. C. nötig geworden. Ein anderer deutscher Zionist, der von einem wichtigen Posten zurücktrat, ist Ingenieur Hecker, der bisherige Direktor des Technikums in Haifa. Hecker hat sich um die technische Erziehung in Palästina außerordentlich verdient gemacht. Der Gedanke des Technikums war seine Lieblingsidee, und er hat für dessen Zustandekommen mit größter Energie gearbeitet; auch für die Aufbringung der Mittel und die Be- Schaffung der Einrichtung ist er persönlich in Europa, besonders in Deutschland, tätig gewesen. Hecker wurde im ersten Jahr nach der Eröffnung des Technikums zum Vizedirektor bestimmt und im darauffolgenden Jahr zum Leiter der Anstalt gemacht. Es bestanden jedoch zwischen ihm und dem Kuratorium Differenzen bezüglich der im Technikum einzuführenden Methoden und über die Frage des Bildungszieles der Anstalt. Da auch die Finanzierung seitens des Kuratoriums nicht in der erwarteten Weise durchgeführt wurde, und sich auch sonst Schwierigkeiten in der Verwaltung ergaben, hat Ingenieur Hecker gewiß wohlbegründete Beschwerden. Hecker hat dem Gedanken des Technikums 16 Jahre gedient und es drei Jahre lang faktisch geleitet, es ist sehr, zu bedauern, daß er nun von seinem Werke scheidet. Schließlich sei noch erinnert an den von uns bereits früher mitgeteilten Abgang zweier bedeutender Hadassa- Aerzte, Dr. G e ry und Dr. F c 1 i x, die beide mit der Hadassa- Leitung Konflikte hatten. Dr. Felix, der sich in kurzer Zeit eine Autorität auf dem Gebiet der Malariaforschung erwarb, wurde an das weltberühmte Lister-Institut in London berufen. Es ist bedauerlich, daß Palästina den Mann, der als Zionist dem Lande seine Fähigkeiten widmen wollte, nicht halten konnte. Wir können nur die Hoffnung aussprieeben, daß das Scheiden dieser Persönlichkeiten kein definitives ist und daß wir sie bald wieder bei ihrer fruchtbaren Tätigkeit im Lande begrüßen können. Die Erkrankung Leib JaBes Kurz nach Schluß des Zionistenkongresses in Basel beabsichtigte der Direktor des Keren Hajessod, Leib J a f f e, von Berlin aus eine Anzahl von osteuropäischen Ländern in den Angelegenheiten des Keren Hajessod zu besuchen. Er sollte zunächst für einige Tage nach Kischinew gehen und dann für längere Zeit nach Polen, um dort die Keren Hajessod- Arbeit einzuleiten. Im Anschluß an Polen wollte Jaffe auch noch die baltischen Länder besuchen. Leider mußte Herr Jaffe vorläufig auf diese Reisen verzichten. Als Folge einer Operation, der sich Herr Jaffe in Berlin unterziehen mußte, stellte sich eine Lungenembolie mit gleichzeitiger Herzschwäche ein. Der Zustand Jaffes war eme zeitlang recht ernst. Augenblicklich ist zwar die Hauptgefahr bereits vorüber, aber er muß noch längere Zeit das Bett hüten und sich einer sorgfältigen Nachbehandlung unterziehen. Wann Herr Jaffe seine Arbeit wieder aufnehmen und seine Reise- und Arbeitspläne durchführen können wird, hängt von seinem Zustand und dem Gang seiner Genesung ab. Wir hoffen und wünschen, daß diese Genesung schnelle Fortschritte mache. Nachklflnge zur Erziehungskonferenz. Die deutsche Mittelstelle des ״Internationalen Arbeitskreises für neue Er• Ziehung“ — ,,Weltbund für neue Erziehung“ — berief ihre Berliner Mitglieder zu einer Versammlung in die Hochschule für Politik. Das Thema war: Berichterstattung über den Welt• kongreß in Locarno und Aussprache über die fernere deutsche Mitarbeit. Elisabeth Rotten, die Leiterin der deutschen Gruppe, bekannte als Ergebnis des Kongresses die Einsicht, daß die Fragen der neuen Erziehung untrennbar seien von den Aufgaben der Volksgemeinschaft, in Europa insbesondere der Aufgabe für die friedliche Zusammenarbeit der Völker. Daß also Erziehung untrennbar sein sollte von Sozialarbeit. Aus diesem Grunde war auf Frau Rotten nächst der Arbeit des tschechischen Lehrers Bakule an seinen Krüppelkindern das palästinensische Schulwerk der nachhaltigste Eindruck. Es erschien ihr beneidenswert, daß in Palästina neue Erziehung nicht wegzudenken sei vom Neuaufbau des Landes, beneidenswert, weil der Erzieher tätig Anteil nehmen könnte; und sie hoffte, daß das in Palästina zwangsläufig gegebene, durch den lebendigen Impuls in die Länder der alten Gesellschaft getragen werden könnte. Ich gebe im Interesse der Aufrechterhaltung«der deutschen Mittelstelle gern weiter, daß es wegen der pekuniär schwierigen Lage nicht mehr genügt, die Mitglied- Schaft durch das Abonnement des ״Neuen Zeitalters“ zu erwerben. Vorläufig soll nur ein freiwilliger Betrag über den Abonnementsbetrag gezahlt werden. Schlägt dieser Versuch fehl, dann bliebe nichts anderes übrig als Mitarbeit von der Londoner Hauptstelle aus. R. M. Bei den tschechoslowakischen Gemeindewahlen am 16. d. M. hat die 1 ü d i $ c 11 e P a r t e i in die Stadtvertretung von Groß- Prag 8205 Stimmen erhalten; darauf entfallen zwei Mandate; evvänlt sind Dr. Ludwig Singer und Dr. Emil Kafka, welche ereits Mitglieder der früheren Stadtvertretung waren. Auch auf der Provinz hat die Jüdische Partei ihren Besitzstand behauptet.

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