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Jüdische Rundschau · 1927-10-21 · Heft 83-84 (21.10.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 83-84 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 83/84, 21.X. 1027 JUEDtSCHE RUNDSCHAU Seite 503 Nach einem Vortrag Von Sch. Qorelik. Viele, die am letzten Sonnabend dem Vortraf von Arlo* s o r 0 f f (in den Räumen der Z. V. f. D.) zuhSrten, waren ihm sicherlich dankbar für die Gelegenheit, die er ihnen bot, einmal Gedankengängen zu folgen, die zwar außerhalb der aktuellen Sorgen des Zionismus liegen, die aber nicht minder stark die Gemüter der Zionisten beschäftigen müssen. Arlosoroff, der jener Partei im Zionismus angehört, die am tiefsten von der gegenwärtigen Krise betroffen ist und also gewiß berechtigt wäre, immer und nur von diesen Bedrücktheiten und Sorgen des Tages zu sprechen, vermied es, sich an das angekündigte Thema ״Palästina nach dem Kongreß“ zu halten und beschäftigte sich in einer fast zweistündigen Rede mit scheinbar fernab liegenden Dingen, die in Wirklichkeit aber uns nahe angehen sollen. Er sprach über die ideologische Position des Zionismus von heute, über den nachlassenden Einfluß des Zionismus auf die Jugend, über den schweren Staml, den heutzutage eine nationale Idee überhaupt hat, und er sprach über eine gewiss« Einsamkeit des Zionismus, kurz Arlosoroff sprach über noch eine Krise im Zionismus, denn es sind in Wahrheit deren zwei Für die erste, die populärere, schmerzhaftere und auch der Außenwelt mehr bekannte Krise werden jetzt Anstrengungen gemacht, sie zu lindem und womöglich zu überwinden. Wer wird aber die zweite, nicht weniger ernsthafte Krise, die das Thema von Arlosoroffs Vortrag bildete, zu lösen imstande sein? Ich erinnerte mich während des Vortrags an einen wunderbaren Aufsatz von Chesterton, ״Ich suche einen unpraktischen Menschen“ benannt. Wenn in seinem Auto, sagt er, eine kleine Störung Vorkommen sollte und er dann den ersten besten Monteur holen und nach kurzer Reparlerung, die dieser praktische und höchst präzise Mann vornimmt, er die unterbrochene Fahrt wieder fortsetzen kann, wird er es bei einer ernsteren Störung nicht vermeiden können, sich an einen geschulten Techniker, vidieicht sogar an einen lngenieur zu wenden, und dieser nüchterne mathematische Kopf wird es gewiß in Ordnung bringen. Aber wenn sdn Auto sich in einer wirklich tiefen Krise befinden wird, dann — versichert Chesterton — wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben als nach jenem unpraktischen, zerstreuten, in Dingen des gewöhnliehen Lebens schlemlhlhaften Herrn, der aber ein großer Geist, ein großer Erfinder ist, zu suchen und ihn um Hilfe zu bitten.... Und so dachte ich eben, den interessanten Ausführungen Arlosoroffs folgend, daß für die von Ihm geschilderte und gewiß von vielen längst empfundene zweite Krise wohl jener große, geniale (ein Genie des Herzens), unpraktische Geist nötig sein wird, der dem Zionismus die Jugendfrische za verleihen, den Glanz und die Stoßkraft von ehedem zu geben und seine gelichteten Reihen mit einer begeisterten Jugend, die für das Gute begeistert ist, wieder zu füllen imstande sein wird. Es war lobenswert von Arlosoroff, daß er ohne irgendwelche Bedenken zu hegen, offen und aufrichtig über die verminderte Wirkungskraft der zionistischen Idee sprach, die heute einer anderen Umwelt gegenübersteht. Eine sehr gelungene Analyse der Nachkriegsjshre, die auch die zehn Jahre der Balfour- Deklaration sind, vergegenwärtigte uns diese Umwelt Wie wechselvoll doch in der Tat diese Jahre waren! Als der Krieg beendet war, hofften alle, daß eine wirklich neue Zeit anbrechen werde. Mit gewisser Wonne vernahm man die Kunde von einem Untergang des Abendlandes, man konnte nicht glauben, daß eine Menschheit, die solches beging, die Kraft besitzen würde, in ,derselben Weise steh wieder aufzurichten. Man schwärmte vom Orient, Tagore, die indische Flöte fand andachtsvolle Ohren. Das war auch die Zeh, in der ein Teil der jüdischen Jugend all ihr Sehnen und Trachten einer neuen jüdischen Welt ln Palästina schenkte. Wie lange dauerte dies? Merkwürdig, nicht viel länger wahrscheinlich als Tagore begeisterte Schwärmer in Europa auf weisen konnte, denn — ״Hoppla, wir leben!" Die europäische Menschheit erhebt sich von ihren Ruinen, .aber keineswegs mit der Absicht, eine neue Weit zu schaffen. Sie richtet sich auf, um ihr Dasein genau nach den alten Prinzipien aufzubauen. Arlosoroff nannte diese verblüffende Erholung, diese strotzende Vitalität, dieses schnelle Vergessen der gewaltigsten Prüfungen die größte Ueberraschuag, die keiner von denen, die den Traum von einer neuen Zeit hegten, vorausahnen konnte. Nicht zu leugnen, daß in den Ruf ״Hoppla, wir leben“ auch ein beträchtlicher Teil jüdischer Jugend miteinstimmte, — und adieu Blau-Weiß, adieu Palästina! Romantiker von gestern sind wieder nüchterne, normale Menschen geworden, von jener Normalität allerdings, die Lombroso einst mit vemichtender Ironie charakterisierte. Aber abgewandert ist auch ein Teil, für den eine nationale Ideologie nicht mehr wie früher in verführerischen Farben leuchtet Früher kämpften die Zionisten für ihre nationale Ideologie in Gemeinschaft mit anderen Völkern, die dieselben Ideale hatten. Nun, die Ideale der anderen sind inzwischen verwirklicht worden, nur die jüdische nationale Idee harrt ihrer Erfüllung. Wir sind einsam. Wenn Arlosoroff es unterließ, von der tragischen Schönheit, die doch jeder Einsamkeit innewohnt, und die selbst ein Element der Anziehung«- kraft bilden kann, zu sprechen, so geschah es, weil er in seinen Ausführungen bald auf ein Gebiet übergehen mußte, das nicht der fremden Umwelt gehört, sondern unser eigenes ist. Bei den Bemühungen um die Verwirklichung des Zionismus müßten so oft Kompromisse zutage treten, die ein warmes Herz betrüben. Ein solches Herz suche dann Trost und Zuflucht bei anderen Ideen, die als Weltideen scheinen. Einige solcher Kornpromisse, die Arlosoroff selbst während seiner Amerikareise zugunsten des Keren Hajessod machen mußte und die er mit Offenheit schilderte, sind von der Art, daß sie von Gegnern, die auf Widersprüche zwischen Ideal und Wirklichkeit bei den anderen erpicht sind, sehr gern aufgegriffen und in ihren Gegenargumentationen ins Feld geführt,werden. Und werden denn nicht auch in den eigenen Reihen viele dadurch entmutigt, daß der Zionismus auf dem schweren Gang zur Verwirklichung sich vieles gefallen lassen muß? Wie schwer ist es doch, eine Idee immer in derselben Reinheit zu erhalten, wie da de nur ein Traum war, nur ein Gedicht! Aber lange ungestraft können Abweichungen, Kompromisse nidtt bleiben. Besonders dann nicht, wenn man von der Verwirklichung 80 fern Ist Arlosoroff, der zu Anfang seines Vortrap vor zu häufiger Selbstkritik, die das Selbstbewußtsein des Zionisten herabdrücken könne, warnen zu müssen glaubte, Ist sich gewiß Im klaren darüber gewesen, daß auch seine Ausführungen nicht dazu angetan waren, einen Zionisten gerade heiter zu stimmen, aber auf heitere Stimmung kommt es gar nicht an, sondern auf Wahrheit, auf Erkenntnis dessen, was ist Auch die andere Krise darf nicht als unüberwindbar angesehen werden. Der Zionismus besitzt noch Reize genug, um auf schöne, aufrechte Seelen wirken zu können, man hat sie nur bei den Abgeplagt• beiten des täglichen Kampfes, bei den Sorgen am di» Verwirklichung vernachlässigt Diese ideellen und geistigen Reize wieder sichtbar zu machen, wird nicht Aufgabe der gewiß unentbehrlichen Menschen, die wir Jetzt in der Not als Führer nennen, sein, sondern wahrscheinlich jener, die ein Chesterton meinte, als er seinen herrlichen Essay ״Ich suche einen unpraktischen Menschen“ schrieb. Bandismiis und Zionismus Ein Diskussionsabend in Berlin. Am Sonnabend, den 14. Oktober, hielt der bekannte jüdische Statistiker Jacob Leszczlnski im Rahmen einer Veranstaltung der Berliner Oruppe des ,,Bund“ im Scholem Alechem Club einen Vortrag über ״Die Bilanz von dreiBig Jahren Zionismus“. Leszezinski ist ein Gegner des Zionismus, dessen tiefes Verständnis für jüdische soziologische Fragen auch wir mit größtem Respekt anerkennen. Sein Vortrag gab Oelegenheit zu einer interessanten Diskussion. Der Referent brachte an und für sich wertvolles statistisches Material, um darzulegen, daß im Vergleich mit dem großen Umschichtungs- und Emigrationsprozeß, der sich im letzten Jahrhundert im Judentum vollzogen hat die zionistische Idee und vor allen Dingen Palästina zur Losung der Judenfrage nichts oder so gut wie nichts beigetragen habe. Ein Produkt!■ vierungsprozeß von ungeahntem Ausmaße, in dem wiederum der Uebergang zur Landwirtschaft eine wesentliche Rolle spielt, hat sich im Judentum seit der Emanzipation vollzogen. Während es Anfang des 19. Jahrhunderts nur etwa 20000 Juden gab, die von der Landwirtschaft lebten, sind es heute 650 000. ln derselben Zeit sind im Osten etwa 2'4 Millionen Juden, die Familien eingeschlossen, zu Handwerk- und Industriearbeit übergegangen. Demgegenüber verschwinden die Zahlen, mit denen Palästina aufwarten kann. Der Zionismus habe sich seit jeher im Widerspruch zu seinen Prätentionen außerstande gezeigt, die jüdische Frage zu lösen. Ein Judentum von 300000 oder sogar 500 000 Seelen, das in Palästina einmal entstehen mag, und das vielleicht bei den Gefühlen, die Palästina Im Juden Hervorrufe, eine gewisse Bedeutung für die jüdische Welt würde haben können, hat sich durch die Aufrichtung einer chinesischen Mauer, der hebräischen Sprache, vom Weltjudentura abgesondert. Die Zukunft des nationalen Judentums sieht Leszezinski in der Ausbildung und Erstarkung der jiddische» Kultur ln Osteuropa, in der fortschreitenden Berufsumschichhwg und Emigration. Die Möglichkeit zur ungehemmten nationalen Entfaltung wird wachsen in dem Man, in dem der Sozialismus die Herrschaft in Europa und Osteuropa erlangen wird. Unter einem sozialistischen Regime wird die jüdische Minorität in Osteuropa überall die Möglichkeit der nationalen Selbstbehauptung haben. Bei der Diskussion, an der sich außer den Zionisten auch Anhänger der anderen jüdisch-nationalen und jüdisch-sozia- Mischen Parteien sowie ein Vertreter des ״Bund“ beteiligten, war besonders interessant die Einmütigkeit, mit der, außer vom Vertreter des ״Bund“, die ungeheure nationalisierende Bedeutung der zionistischen Bewegung betont wurde. Jizchak Steinberg (Sozial-revolutionär) betonte, charakteristisch für den Wert und die Lebendigkeit der zionistischen Bewegung, die er, der Nichtzionist, anerkennen müsseä sei das revolutionäre Pathos und die sozialistische Energie, die in Rußland jetzt nur bei der zionistisch-sozialistischen Jugend und den Grusinern zu finden sei. Die Existenz einer solchen Jugend ist das beste Zeichen für Blühen und Wert einer Bewegung. Herr D i j o u r (Volkist) betonte, daß der volklstische Gedanke sich leider dem zionistischen gegenüber nicht habe durchsetzen können. Ganz falsch Ist es, Wert und Erfolg des Zlonlsmus an Mißerfolgen in Palästina zu messen. Niemand könne die nationalisierende Kraft der zionistischen Idee und der zio■ nistischen Bewegung für den Golus leugnen. Solange dem Zionismus keine andere umfassende jüdische Bewegung entgegenzustellen sei, könne von keinem ״Bankerott׳‘ gesprochen werden. Dr. Senator wies hin auf die eminente kulturelle und geistige Bedeutung des Zionismus, speziell ta Westeuropa und Amerika. Der Zionismus hat nicht behauptet, die Lösung der ganzen Judenfrage zu sein, wohl aber der Judentumsfrage. So feschen gehen die soziologisch sehr interessanten und beeutungsvollen Ausführungen Leszczinskis an dem Kernpunkt der Frage vorbei. Nur die zionistische, keine andere jüdische Idee beschäftigt sich mit der nationalen Frage der Gesamtjudenheit und verzichtet nicht auf die Erfassung der sieben bis geht Millionen, die im Westen Europas und in Amerika, aber auch in Osteuropa, sich der jiddischen nationalen Kultur entfremden. Zum Schluß der Debatte, in der noch Redakteur Klin0 f f als Vertreter der Revisionisten sprach, gab Herr Leszezinski zu, daß es im Judentum Fragen gibt, auf die in der Tat die Antwort sehr schwer zu finden sei. Die Lösung der jüdischen Frage im Osten, wie er sie sich denke, lasse in der Tat die Frage der westlichen Assimilation unberührt. Aber die löse auch der der Zionismus nicht. r. Emlgdtred bei Alber! Thomas Berlin, 17. Oktober. (J.T.A.) Herr Albert Thomas, der Direktor des internationalen Arbeitsamtes, empfing bei Oelegenheit der Tagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes In Berlin eine Delegation des Vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung (Emigdirekt), bestehend aus dem Vizepräsidenten der Exekutive, Dr. Oskar Cohn, dem Exekutivmitglied Herrn Adler-Rudel, und dem Generalsekretär des Emigdirekt, Herrn J, Dijour. Es wurde darauf hingewiesen, daß infolge der speziellen Lage der jüdischen Wänderung die jüdischen Emigranten unter den bestehenden Einwanderungsbeschränkungen ganz besonders zu leiden haben, obwohl keine speziellen gesrtzlicnen Ausnahmebeschränkungen für jüdisehe Wanderer bestehen. In diesem Zusammenhang wurde Albert Thomas auf die besondere Aktivität der vereinigten jüdisehen Emigrationsgesellschaften auf dem Gebiete der Produktivierung der jüdischen Emigrantenmassen hingewiesen. Thomas versprach, sein möglichstes zu tun, um den jüdischenWanderfürsor ge Organisationen Gelegenheit zu geben, die an der Havanna-Konferenz teilnehmenden Regierungen über ihre Wünsche zu unterrichten. men«e des Keren Kaiemeth! Beendet dl• RoscRhascRanaR-aiitiQn und sRRdat die Eraahalsse umgehend an dl• zaatraii! Berliner Zionistische Vereinigung (Tätigkeitsbericht) In diesem Jahr hat die B. Z. V. sich bemüht, ihre beiden wesentlichsten Aufgaben: Orientierung und zionistische Er- Ziehung ihrer Mitglieder einerseits und Repräsentation und Werbung andererseits in immer stärkerem Maße durchzuführen. Von vornherein muß betont werden, daß wir zu unserer Freude eine wachsende Anteilnahme unserer Mitglieder am zionistischen Leben Berlins feststellen konnten, was sich auch zuletzt darin auagedrückt hat, daß annähernd 2000 Zionisten in Berlin sich an den Wahlen zum Kongreß beteiligt haben. Diese starke Anteilnahme der Berliner Zionisten konnte besonders bei bestimmten Ereignissen festgestellt werden. Wir erinnern z, B. an den imposanten Verlauf, den die Kundgebungen anläßlich der An- Wesenheit Dr. Welzmanns nahmen. Auch die Anteilnahme an dem eigentlichen Ortsgruppenleben wächst ständig. E« ist das nicht zum mindesten der regen parteipolitischen Auseinander* Setzung tu danken, die gerade Im letzten Winter in Berlin einsetzte und die das Leben der Ortsgruppen außerordentlich bnlebte. Auch zahlenmäßig drückt sich die gesteigerte zionistische Tätigkeit aus. Die Zahl der Schekelzahier stieg von 4000 im Jahre 5686 auf annähernd 6000 im Jahre 5687, trotzdem in diesem Jahre aus finanziellen Gründen die Schekelaktion nicht in dem Umfang durchgeführt werden konnte wie in früheren Jahren. Die Tätigkeit der B. Z. V, im letzten Jahre war zunächst darauf gerichtet, in größeren öffentlichen Versammlungen zu bedeutsamen zionistischen und allgemein jüdischen Fragen Stellung zu nehmen. Es wurden insgesamt elf große werbever* Sammlungen durchgeführt, die alle von vielen Hunderten von Zionisten besucht waren. Von diesen Versammlungen sind besonders wesentlich: zwei Kundgebungen anläßlich der Anwesenheit von Dr. Wei zm a n n und zwei große Versammlungen, in denen der Vorsitzende der Z. V. f, D., Herr Blumenfeld, sprach, und zwar diente eine dieser Versammlungen der Auselnandersetzung mit unseren Gegnern (״Palästina im Spiegel der Kritik“). In der zweiten Versammlung berichtete Herr Blumenfeld ausführlich über seine Palästina-Reise. Ferner er* wähnen wir Vorträge des Herrn Dr. Motzkin, in denen zu den Minoritltenfragen und zum Völkerbund Stellung genommen wurde, ferner einen Vortrag des Herrn Dr. Felix Welt sch, Prag, der die ideologischen Grundlagen des Zionismus behtndelte (״Antisemitismus, Nationalismus, Zionismus“). Eine besondere Versammlung richtete sich an die Jugend. Anläßlich der Aufführung des Palästina-Films ״Unsere Jugend in Pallstlna“ sprach Herr Ministerialrat Ooslar. Audi diese Ver- Sammlung wies einen imponierenden Besuch auf. Wir erwähnen aus den öffentlichen Versammlungen noch zwei, die einen be• sonderen Charakter trugen: einmal die Achad Haam-Oedenkfeier. bei der es uns gelang, alle führenden jüdisch-Wissenschaft• liehen Körperschaften zur Mitwirkung zu veranlassen. Diese Feier nahm einen außerordentlich würdigen Verlauf. Anläßlich der Anwesenheit der Habimah veranstaltete die B.Z. V. da Bankett und einen feierlichen Empfang. Ferner nahm die B.Z. V. zu einer Reihe wichtiger Erelgnisse des jüdischen Lebens Stellung. So fanden in mehreren Ortsgruppen Vorträge über die Tagung des Liberalen Rabbinerverbände« statt. Ferner wurden die Fragen der jücHschen Gemeindepolitik wiederholt behandelt. So u. au in einem Vortrag des Herrn Dr. Kolienscher über ״Die Krisis in der Gemeinde* Verwaltung“, ferner in einem Vortrag des Herrn Alfred Berger ,,Soziale Aufgaben jüdischer Oemdndearbeit" und ta einem Referat des Herrn Dr. Sandler über ״Der Kampf um die jüdische Schule“. In allen Ortsgruppen fanden zahlreiche Vorträge statt» die sich mit Problemen des inner zionistischen Lebens befaßtem. Es wurde mit großem Erfolg der Versuch gemacht, die eh► zeltien Gebiete ln systematischen JCursen abhandeln zu lassen; Wese Vortragszyklen erfreuten sich eines ganz bes«JfTMsZt*״ Spruchs. Es fand ein Palasfinä-Zyklüs statt, in dem die H erren Aschbel, Dr. Ascher, Kutzenok, Ruppin, Dyk, Dr. Brünn, Brat* lawski u. a. mitwirkten und in dem das ganze Gebiet der Palistina*Kunde, Palästina-Wirtschaft usw. von ersten Sachkenner■ behandelt wurde. Ein zweiter Zyklus des Herrn Dr. Weltsch über ״Zionistische Neuorientierung“ nahm zu den aktuellen wirf* schaftlichen und politischen Fragen des Zionismus Stellung. Unmittelbar daran schlossen sich zwei Vorträge des Herrn Lichtheim über ״Revision des Zionismus", die von einem entgegengesetzten politischen Standpunkt her dieselben Fragen behandelten. Beide Kurse, im ganzen fünf Abende, fanden da* größte Interesse der Berliner Zionisten. Die eigentlichen Gruppenabende beschäftigten sich mit den verschiedensten Gebieten zionistischen Lebens und versuchten, den verschiedensten Interessen, die es in einer so großen Orts*, gruppe wie Berlin gibt, entgegenzukommen. Ueber Fragen des Wirtschaftslebens in Palästina fanden eine Reihe von Abenden statt, so Vorträge des Herrn Dr. Brünn über ״Möglichkeiten rentabler privatwirtschaftlicher Betätigung in Palästina“, ferner ein Vortrag des Herrn Turnowski über ״Das Leben des Kaufmanns in Palästina", «in Vortrag von Herrn Dr. Ernst W01I- Stein über ,.Möglichkeiten von Investierungen von Privatkapital in Palästina", ein Vortrag von Herrn Dr. J. Thon über ״Palastinensische Bodenfragen“, ein Vortrag von Herrn Braslawskl Über ״Das Tote Meer als zukünftiges Industriegebiet“, ferner ein Vortrag von Herrn Kutzenok über ״Wirtschaft«* und Boden- Politik in Palästina“. Die Erörterung kulturpolitischer Fragen nahm in der Arbeit der Gruppen einen außerordentlich großen Raum ein, *0 referierten Herr Prof. Loewe über .,Sinn und Bedeutung der jüdisehen Feiertage“, Herr Dr. Wittkowski über ״Jüdische Erziehungspolltik“, Herr Bacher über dasselbe Thema, Herr Dr. Loewenherz über ״Das hebräische Schulwesen In Litauen". Ferner fand ein David Frischmaan-Abend mit Rezitationen •tatt Die bedeutsamste Veranstaltung auf diesem Gebiet war der große kulturpolitische Diskussionsabend, auf dem im Anschluß an eine Pressediskussion Herr Dr. Aron Barth über ״Bruch mit der Tradition?“ sprach. Auf diesem Abend, der ein außer* ordentliches Interesse fand, wurden diese Fragen von den Ver״ treten! der verschiedensten Richtungen behandelt. Die Mehrzahl der Veranstaltungen galt naturgemäß den Fragen unserer zionistischen Politik. Die Probleme des Kon- * ' ' ־־. ‘ " ' ־' '* ׳' '§ entfalteten alle Parteien in den einzelnen Ortsgruppen eine sehr rege politische Tätigkeit. Aus der Fülle der Veranstaltungen nennen wir Vorträge des Herrn Lichtheim in fast allen Ortsgruppen über das Programm des Revisionismus, ferner Vorträge der Herren Dr. Goldmann, Dr. Soloweitschik, Grünbaum über das Programm der radikalen Zionisten. Ferner referierten in mehreren Veranstaltungen die Herren Blumenfeld, Dr. Rosen* blüth, Waldmann, Dr. Weltsch, Dr. Bileski, Dr. Ascher, Glaser, Dr. Kanowitz, Dr. Baer. Abgeschlossen wurde die Diskussion durch zwei große Wahlversammlungen, auf denen Vertreter aller Parteien sprachen. In diesen Versammlungen hat die B. Z.V. ihre absolute Neutralität gegenüber den einzelnen Gruppen ge* wahrt. Der Verlauf der Versammlungen fand in einer Form statt, die allen Gruppen die gleiche Möglichkeit gab, ihre An* schauungeq zu entwickeln. Das große Interesse, das an den Kongreßproblemcn bestand, drückte sich durch einen sehr guten Besuch beider Versammlungen aus. Insgesamt wurden in dieser Arbeitssaison etwa 70 Gruppen״ abende veranstaltet, die zum größten Teil internen Charakter trugen, zum geringeren Teil Gästeabende waren. Von den gesellschaftlichen Veranstaltungen erwähnen wir zwei große Bille, die die B. Z. V. gemeinsam mit dem National•

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